Nr. 32 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Freitag, 7. Februar Mb
Aus der Provinzialhauptsiadt
kam dem
punkt zu nennen, auf den sie zuführte. So Z. B. durch die „S p i t a l g a s f e" nach _____
Krankenhaus der Stadt, oder die „Schweidnitzer Straße" in Breslau führte nach dem benachbarten Ort Schweidnitz. Derartige Bezeichnungen sollten ein besseres Zurechtfinden gestatten.
Der B o l k s h u m o r hat so manch lustigen und merkwürdigen Namen geschaffen. So begegnen wir schon im 15. Jahrhundert einer „Hundsgasse" und in Königsberg gibt es den „Katzenste g". Häufig tauchen mehrere Benennungen auf; viele Straßen
daß in „S ch o p e n st e l" der „Schöffenstuhl" steckt, daß die „Bohnenstraße" ursprünglich nach ihrem Pflaster „Bohlenstraße" hieß, daß „Löwen- twiete" soviel wie „Laubenstraße" bedeutet? Späterhin nahm sich eine hohe Obrigkeit auch der Straßennamen an und beseitigte Bezeichnungen, die ihr als unwürdig erschienen; so wurde z. B. die „R a ck e r st r a ß e" in Hamburg, die nach dem dort wohnenden Schinder oder Abdecker hieß, in die poetische Lilienstraße umgetauft.
Auch Benennungen der Straßen nach hervorragenden Persönlichkeiten finden sich früh, aber seltener in der Absicht, ihnen allein eine besondere Ehre zu erweisen. Vielmehr wurde eine Gasse nach der Familie genannt, die dort großes Grundeigentum besaß. Erst im 18. Jahrhundert trat die Heldenoerehrung in Straßennamen hervor, wohl mit zuerst in Hamburg, wo auf einen Vorschlag des Dichters Hagedorn hin eine Straße nach dem berühmten Wundarzt C a r p s e r getauft wurde. Die Namensgebung der Straßen wurde andererseits aber auch immer willkürlicher, und bei der Gründung von Mannheim ging die Aufklärung mit d'er nüchternen Schematisierung so weit, daß alle Straßen mit Buchstaben und Zahlen bezeichnet wurden. C. W.
Schopenstel" und „Löweniwiete".
Aus der Geschichte unserer Straßennamen.
entbehrten auch zunächst des festen Namens und man umschrieb sie etwa: „Der Weg, auf dem man nach dem Johanniskloster geht". Allmählich setzte sich dann ein Name durch oder bürgerte sich die Umschreibung in abgekürzter Form ein. Die Obrigkeit ließ das Volk gewähren und erkannte dann den Namen an, der sich im Volk allgemein durchgesetzt hatte. Manche dieser so organisch gewachsenen Namen bergen ein Stück alter Geschichte, sind allerdings heute schwer zu erklären. Wer ahnt z. B.,
Bornotizen.
Tageskalender für Freitag.
NSG. „Kraft durch Freude": Ab 20.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 und 21.30 bis 22.15 Uhr: Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr: Reiten; 21 bis 22 Uhr: Ski-Trocken, Reitschule Schömbs. — Stadttheater: 20 bis 22 Uhr Gastspiel von Ludwig Linkmann „Die große Chance". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der höhere Befehl". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der Klosterjäger". — Frauenbund der Deutschen Kolonialgesellschaft: 20.15 Uhr im Großen Hörsaal der Universität Kolonialabend. — Goethe-Bund Gießen: Lichtbildervortrag von Kurt Hielscher „Die nordischen Länder". — Dolkshallen-Verein e. V., Gießen: 16 Uhr Generalversammlung im Stadthaus, Bergstraße 20. — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälden von Josef Steib, Berkin.
Stadttheater Gießen.
Heute von 20 bis 22 Uhr Gastspiel des beliebten früheren Gießener Schauspielers Ludwig L i n k - mann vom Hessischen Landestheater Darmstadt als Kuhlmann in dem Lustspiel „Die große Chance" von A. Möller und H. Lorenz. Spielleitung" Hans v. S p a l l a r t. Die Vorstellung gilt zugleich als 17. Vorstellung im Freitag-Abonnement.
Vortrag eines amerikanischen Gelehrten in Gießen.
Der NS.-Lehrerbund und die Gießener Studentenschaft veranstalten in Verbindung mit der Akademischen Auslandsstelle am Mittwoch, 12. Februar, um 16.30 Uhr, im großen Hörsaal des Vorlesungsgebäudes einen Vortrag in deutscher Sprache
Kleines Wunder.
Geschenke sollen erfreuen. Das ist wenigstens ihr eigentlicher Zweck. Zwar erfüllen ihn nicht alle, aber es würde zu weit führen, das „Warum nicht" an Hand lehrreicher Beispiele zu erklären.
Jedenfalls erfreute mich ein ganz kleines Blumentöpfchen sehr, das, an sich schon reizend, zwei interessante, spannenlange Keime in sich barg, von denen die Geberin nur sagte: „Sie sollen sehen, was sich daraus entwickelt. Sie werden staunen. Doch ich verrate nichts." Da dies kurz vor Weihnachten geschah, erschien das Geheimnisvolle nur zeitgemäß, und gespannt wartete ich der Dinge, die da kommen sollten.
Aber sie kamen nicht. Kamen nicht im allergeringsten. Hatte ich dem Zukunfts-Etwas vielleicht einen falschen Platz gegeben? Ich stellte es eine Zeitlang in die Sonne, eine Zeitlang in den Schatten, ich stellte es kalt, mittel, warm, ich goß es hingebend, aber nichts war von Einfluß. Die zwei Triebe, zwei Paar winzige mattgrüne Blätter, rückten und rührten sich nicht — Triebe ohne Trieb! Wahrhaftig, das Töpfchen war eine Quelle bitterer Enttäuschung, und selten hatte ich mich über ein Geschenk so ärgern müssen wie über dieses. „Ihr, die ihr Triebe.. sagte ich verächtlich, „schert euch in die Küche", und das taten sie, es blieb ihnen ja auch nichts anderes übrig, da ich sie einfach dort abstellte, möglichst abseits. Man soll sich seine Enttäuschungen nicht dauernd vor Augen halten.
Ob ihnen nun die Essensdämpfe ungeahnte Kräfte verliehen? Oder meine stumm gewordene Verachtung sie aufstachelte? Jedenfalls fingen sie plötzlich vor wenigen Tagen an zu schießen. Dicke Knöllchen, von etwas wie vertrocknetem Seidenpapier umwickelt, taten sich dick und immer dicker, und am heutigen Morgen wurde es klar, daß zwei Krokusblüten zum Licht drängten. „Bitte sehr, das sollen Sie haben. Nehmen Sie Platz auf meinem Schreibtisch, da haben Sie Licht genug, sogar Sonne, auch Anregung — entfalten Sie sich zwischen Telephon und Lampe."
Und so geschah es. An einem einzigen Tage. Mittags hatten sie das braune Seidenpapier zum Platzen gebracht und Farbe bekannt, lila Farbe, und am Abend im Schein der Lampe waren sie völlig aufgeblüht. Zwei Krokus, fein gestreift, mit einem orangeroten Stempel in ihrer schimmernden
Gar mancher gebraucht achtlos Tag um Tag dieser oder jener Straße, ohne sich auch nur ein einziges Mal Rechenschaft darüber zu geben, daß Name und Art der Straßen früher einmal in einem sinnvollen Zusammenhang miteinander standen. Wenn die Namengebung in den letzten Jahrzehnten wahllos ganze Gebiete der Geographie, der Literatur und Kunst ausgeschöpst hat, um Straßennamen für neue Stadtviertel bilden zu können, so sind daneben doch noch alte Bezeichnungen bestehen geblieben. Wie anders hat da der G e i ft des Vol - k e s Straßenbenennungen geschaffen! Sie sind nicht künstlich gemacht, sondern organisch geworden; sie gingen vom Volk aus und bürgerten sich ein in engster Beziehung mit der Umwelt und dem Geist des Ortes und der Zeit. Man hat erst in den lefc ten Zeiten die große kulturgeschichtliche Bedeutung dieser alten Namen erkannt, sucht sie jetzt nach Möglichkeit zu schützen oder wenigstens vor ihrem Untergang aufzuzeichnen und zu erklären, und so hat die Straßennamen- forschuna manche beachtenswerte Zusammenhänge gefördert.
Zuerst gab man den Hauptstraßen und Plätzen einer neu angelegten Stadt feste Namen. Da dieser Kern der Stadt in Stein erbaut war und sich dadurch von den Holzhäusern der Gassen und Gäßchen abhob, so dürften wohl „Steinstrahe" und „Steinweg" unter den ältesten Bezeichnungen gewesen sein, die uns schon im Jahre 1080 in einer Urkunde der Stadt Worms entgegentreten. Der Hauptverkehr und der Handel entfalteten sich auf den Plätzen, und zwar waren in der altdeutschen Stadt bestimmte Märkte nur für eine Warengattung vorbehalten. Was war natürlicher, als das man einen Fleischmarkt, Fischmarkt, Gemüsemarkt, Heumarkt, Heringsmarkt, Weinmarkt, Holzmarkt usw. unterschied. Um diese Märkte sammelten sich die Gassen, in denen die Handwerker oder Händler wohnten, die auf dem Markt hauptsächlich vertreten waren. Die Vertreter der einzelnen Gewerke und Zünfte rückten so auch räumlich eng zusammen; es entstanden Gassen, in größeren Städten ganze Viertel, in denen nur eine Art Gewerbetreibender wohnte, und natürlich wurde die Straße nach ihnen genannt. Die Zahl dieser „Gewerbegasse n", die sich noch bis auf unsere Zeit in den Städten erhalten hat, ist überaus groß, wie man aus Forschungen über den Zusammenhang dieser Straßennamen mit den alten Gewerben entnehmen kann.
Ein Kapitel deutscher Handwerks- und Wirtschaftsgeschichte und das ganze bunte (Betriebe der vielgestaltigen Arbeit offenbart sich in diesen Straßennamen, und so manche rätselhafte Bezeichnung einer Gasse enthüllt sich durch die Beziehung auf einen alten Beruf. Die frühere „P f n o r r g a f f e" in Breslau, die jetzige Altbür- gergaffe, hieß so nach dem Brummen und Schnurren, dem „Pfnorren", das durch die Spinnereibetriebe hervorgerufen wurde. Die jetzige „B o b - st r a ß e" in Köln, die richtiger „Wob-Straße" heißen sollte, deutet auf die Wollenweber hin, die hier wohnten. Die „C a f f a m a ch e r r e i h e" in Hamburg wurde von den Samtwebern bewohnt, die ursprünglich „Kaffhaarmacher" hießen. Ganze Stadtteile wurden nach solchen Gewerbetreibenden benannt, die in die größeren Städte zuzogen. So gab es in Mainz z. B. ein F r i e s e n v i e r t e l, das als der schönste Teil der Stadt galt, in Worms eine Friesenstraße. Sie wurden so getauft nach den friesischen Kaufleuten, die in den Binnenstädten des Reiches einen blühenden Tuchhandel unterhielten.
Manche Straßen verdanken ihre Bezeichnung der Kirche oder dem Kloster, das das Hauptgebäude auf ihnen darstellte. Bald erkannte man es auch für nützlich, die Straße nach dem Ort oder Ziel-
Mitte. Und nun fitze ich da und sehe zu, wie sie wachsen. Ganz deutlich kann ich es sehen und würde es ganz bestimmt nicht glauben, daß der spillrige Kümmerling von gestern das bezaubernde Blütenwunder von heute ist, wenn ich es nicht, geheimnisvoll am lichten Tag, staunend und stündlich miterlebt hätte. Im „Elpenor" stehen die Worte:
„Denn für das schwerste, edelste Bemühen wird soviel Freude nicht den Menschen, wie Natur mit einem einzigen Geschenke leicht gewährt."
Angesichts meines Privatfrühlings kann ich der Evadne nur beistimmen. Eva.
Gk,1auf-AB6.
EinBrevierdergebräuchlichstenZachausdrücke
München, im Februar.
Während der Olympischen Winterspiele umlaufen täglich die aufregendsten Nachrichten über Skiwettkämpfe und Skisiege aller Art den Erdball. Sie werden auch von vielen Millionen Menschen gelesen, die keinerlei Vorstellung vom Skisport aus eigener Erfahrung haben. I n Garmisch-Partenkirchen stehen aber die Skiwettkämpfe im Vordergrund. Der Skilaus wird als König unter den Wintersportarten anerkannt, Spezialsprunglauf und Slalomläufe sind geradezu „Sensationen" auf dem Olympia-Programm, die die meisten Zuschauer anlocken.
Wir wollen daher für die Laien einmal die wichtigsten Fachausdrücke kurz behandeln und hier und da auch einmal die eigene Sprache der Skifahrerzunft einfließen lassen, die die Jünger der „weißen Kunst" herausgebildet haben, wenn sie sich den merkwürdigsten und außergewöhnlichsten Situationen gegenübersahen, die nun einmal den Hauptreiz dieses wahrhaft edlen Sportes ausmachen.
„S k i", norwegisch „Scheit" oder „Spaltholz", in der deutschen Schreibweise „Schi",^ist die international vorherrschende Bezeichnung für die Schnee- fchuhe geworden. Der Oberbayer nennt seine Skier gern „Brett' l" ober „Schwar11in g". Die Skier werden hauptsächlich aus Eschenholz oder aus dem schweren und festeren Hickory gefertigt. Bei stark vereistem und verharschtem Gelände sind Stahl-, Aluminium- oder auch Zelluloidkanten vorteilhaft, mit denen die Skier besser greifen.
Der Ski hat eine aufgebogene Spitze, die sich aus der ein klein wenig verbreiterten Schaufel heraus entwickelt. Die Mitte des Skis ist am schmälsten. Die Verbindung zwischen Ski und Skiläufer bildet die Bindung, die es in sehr großer Mannigfaltigkeit gibt. Aus allen möglichen Konstruktionen haben sich einige Standardbindungen durchgesetzt Die bekanntesten Riernenbindungen sind die Huitfeldbindung und die Langriemenbindung. Auch verschiedene neuzeitliche Aufschraubbindungen fanden Anklang. Die Vergeud a h l b i n d u n g gehört zu den Klemmbindungen und wird von Langlaufern bevorzugt. Die bekannte Bilgeribindung zahlt wie Die ßilienfelber Bindung, bie Schusterbinbung und die Eleffsenbinbung zu Den Sohlenbindungen. Die Skibindungen sind eine Wissenschaft unb eine Leidenschaft. Sie bilben einen unerschöpflichen Gesprächsstoff unter den Skiläufern und sind häufig LUilah zu heftigen Meinungskämpfen und Redeschlachten.
Die beiden Skistöcke haben am Knaus eine Handschlaufe, am unteren Ende pnen Schneeteller
und eine Metallspitze. Sie sind aus Rohr, leichten Hölzern oder auch aus Aluminium. Heber bie Sprungschanze geht ber Springer ohne Skistöcke.
Die Hauptarten bes Skisportes, wie sie auch bei ben Olympischen Winterspielen in Erscheinung treten, finb Dauerlaus über 50 Kilometer, Langlauf über 18 Kilometer, Staffe11auf über viermal 10 Kilometer, Sprunglauf, Slalomlauf unb Abfahrtslauf. Den Verlauf der abgesteckten Spur für Dauer- unb Langlauf im (Belänbe nennt man nach ber norwegischen Herkunft biejer Wettbewerbe bie „Loipe", die „zackig" sein kann, wenn sie besonders häufig bie Richtung wechselt unb überhaupt schwierig gelegt ist. Wer als erster bei diesen Geländeläufen auf den Weg geschickt wirb, hat die undankbare Aufgabe des Vor- spurens.
Die Sprungschanzen oder Sprunghügel haben eine Anlaufbahn, einen Absprung- ober Schanzentisch unb eine Aufsprungbahn mit Auslauf. Die Bewertung bes Sprunglaufes erfolgt nach Ausführung, Stanbficherheit unb Länge mit Hal- tungs- unb Weitennoten. Vorbild für Sprungschanzen war lange Zeit bis zum Aufkommen des aerodynamischen Sprungstiles der Holmenkol - len bei Oslo. Seit 1933 gelten für den Bau und die Unterhaltung großer Sprungschanzen die vom Internationalen Ski-Verband aufgestellten Vorschriften, nach denen auch die Olympiaschanze in Garmisch-Partenkirchen errichtet wurde.
Der Anfänger geht am besten in die Obhut eines Skilehrers. Im Skikursus am Uebungshügel lernt er zunächst den Stemmbogen und Schneepflug, dann den Kristiania in feinen verschiedenen Abarten und Anwendungen und vielleicht auch den Telemark, der nicht mehr so viel angewandt wird wie früher. Diese wichtigsten Hauptschwünge ermöglichen es in geeigneter Anwendung, Richtung und Tempo der Abfahrt beliebig zu regeln.
Eine sehr große Rolle beim Skilauf spielt bie Beschaffenheit des Schnees. Pulverschnee ist feinkörnig und stäubt; er ermöglicht die schönsten Schwünge, denn er ist „g'führig", das heißt nachgebend. Sind die Temperaturen um null Grad ober barüber, bann gibt es Pappschnee. Am häufigsten „verharscht" ber Schnee in ben Nach- mittagsstunben nach sonnigem Tag. Dann bildet er oben eine leicht gefrorene Decke, in die man häufig einbricht und dabei nach vorne fällt, während bei Pulverschnee die Skier gern dem Anfänger davon- laufen und er nach hinten das Uebergewicht bekommt. Oft wechselt der Schnee je nach Gelände und Sonnenbestrahlung. Je nach der Schneebeschaffenheit hat man das Skiwachs auszuwählen, das auf der Gleitfläche der Skier dünn aufgetragen wird, mit dem Bügeleisen oder auch mit dem Handballen. Wer nicht das richtige Wachs auftragt, hat
sich „verwachst" und ist dadurch „gehandicapt". Die Langläufer müssen manchmal unterwegs „u rn- wach s e n", wenn sich nämlich die Schneeverhält- nisse inzwischen geändert haben. Neben den verschiedenen Gleitwachsarten — Mischungen aus Wachs, Teer, Harz und Talg — gibt es auch <51 eign) ad) s, das beim Anstieg das Zurückrutschen verhindert, aber doch auch gleitet, wenn man in Fahrt kommt. Für lange Anstiege benutzt man gern Skifelle, die angeschnallt oder auf die Laufflächen aufgeklebt werden und vor der Abfahrt wieder in den Rucksack wandern. Dr. A. D.
Ser Autopilot.
Don Dipl -Ing. Arno Thaus
Wir entnehmen mit Genehmigung des Verlages Hesse und Becker, Leipzig, dem Werk „Ein Volk von Fliegern" von Hans Georg Schulze diese dramatische Reportage eines modernen „Wunderfluges". Es hieß, ich müßte sofort nach Tempelhof kommen, zum Fliegen — in einem automatisch gesteuerten Flugzeug. Nach einigen Präliminarien ging es dann auch wirklich los. Die alte treue Siemensversuchsmaschine, ein Junkers W 34, wurde gerade startklar gemacht, als ich erwartungsvoll das Flugfeld betrat. Wir „Passagiere" bekamen vom Piloten Fliegerkappen in die Hand gedrückt; keine gewöhnlichen Kappen, sondern solche, in die Telephon und Mikrophon eingebaut sind: Bordfernsprechkappen. Also ausgerüstet durften wir einfteigen.
Mit Preßluft angelassen, donnert der Motor los. Ich schnalle den Gurt um den Leib — gebraucht habe ich ihn allerdings nicht — und schon rollt die Maschine über den Platz. Bald find wir in der Lust. Plötzlich höre ich ein feines Knacken im Kopfhörer: die Stimme des Piloten ertönt. Er gibt die ersten Erklärungen und prüft die Verständigung. Allmählich lerne ich mich auskennen in dem Gewirr von Straßen und Häuserblöcken. Und mitten in meinen Betrachtungen beginnt jetzt das Wunder lebendig zu werden. Im Kopfhörer höre ich:
„Ich' schalte jetzt die Automatik ei n!" Das heißt nichts anderes, als daß wir nun ohne unseren Piloten fliegen. Er könnte jetzt in aller Seelenruhe aufstehen, die niedrige Zwischentür vom Führerraum zur Kabine öffnen und zu uns hereinkommen. Er tut es allerdings nicht; aber ich sehe, daß er jetzt die Hände und Füße frei hat — er greift also wirklich nicht mehr in die Steuerung ein. Da kommen auch schon die ersten Angaben: „Achtung! Wir fliegen jetzt in fünfhundert Meter Höhe. Ich ändere jetzt den Kurs automatisch. Wir
von Professor Dr. Hatfield (Germanist Der North Western University bei Chicago) über das Thema: „Einfluß der deutschen Kultur auf die Vereinigten Staaten von Amerika."
/ .£? Die deutsche Arbeitsfront n.9.=6emeinf(haft „Kraft durch freuöc
Kostümfest der NS.Gemeinschast „Kraft durch Freude" am 15. Februar im Casb Leib zu Gießen.
Die NS.-Gerneinfchaft „Kraft durch Freude" hilft in diesem Jahre zum erstenmal, den Gießener Fasching zu gestalten. Schon mit dem luftigen Willi- Ostermann-Abend am 4. Januar hat sie ihr Können auch auf diesem Gebiet unter Beweis gestellt. Dieser Abend hat aber auch gleichzeitig bewiesen, daß die oberhessische Bevölkerung sehr gut Karneval feiern kann Nun veranstaltet die NS.-Gemein- schäft „Kraft durch Freude" am Samstag, 15. Fe-
Vergiß nicht zur Freimachung Deiner Post Wohlsahrtsbriefmarken zu verwenden!
bruar, ein Kostümfest unter dem Motto: „Mit Kraft durch Freude in alle Länder der Erde". Der Saal des Cafe Leib ist in einen Seedampfer umgewandelt, auf dessen Deck sich Menschen aus aller Welt fröhlich tummeln. Bedeutende Humoristen, wie Herbert S i e l a v , Georg Branden st ein und Wilhelm Platt, werden, wenn dies überhaupt noch möglich ist, die Stimmung mit ihren luftigen Vorträgen steigern. Die Bordkapelle steht unter der bewährten Leitung von Willi Krengel, er und seine Solisten werden ihr Teil dazu beitragen, daß das Tanzbein nicht zur Ruhe kommt. Das Motto: „In alle Länder der Erde" wurde deshalb gewählt, damit kein Volksgenosse irgendwelche besonderen Anschaffungen hat. Auf einem Seedampfer ist alles bunt zusammengewürfelt, so daß jeder kommen kann, wie es ihm selbst Freude macht. Die Karten sind im Vorverkauf bei den bekannten Vorverkaufs- stellen und bei sämtlichen Betriebswarten zu haben.
Gportamt „Kraft durch Freude".
heute folgende Kurse:
Allgemeine Körperschule (Frauen und Männer). Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26. Don 19.45 bis 21 Uhr, Großen- Buseck, Neue Schule.
Fröhliche Gymnastik und Spiele (nur für Frauen). Von 20.30 bis 21.45 Uhr, Lollar, Kantine der Fa. Buderus.
Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.
Für die Schwimmkurse mußte folgende Aenderung in der Einteilung vorgenommen werden: Don 20.30 bis 21.30 und von 21.30 bis 22.15 Uhr für Frauen und Männer im Volksbad.
Der Schwimmkursus nur für Frauen findet in Zukunft nur Dienstags von 21 bis 22 Uhr statt.
Gewerbelehrer als Lnnungsmilglieder.
Die Landesregierung bringt in einer Verfügung an die Kreis- und Stadtschulämter den nachstehenden Erlaß des Reichs- und Preußischen Ministers für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zur Kenntnis mit dem Bemerken, von den Berufsschullehrkräften werde erwartet, daß sie ihre Verbundenheit mit dem Handwerk durch den Beitritt zu den Innungen bekunden. In dem Erlaß des Ministers über die Aufnahme von Gewerbelehrern als Mitglieder in Innungen wird gesagt:
Der Reichsverband des Deutschen Handwerks hat mit der Reichsfachschaft 6 im NS.-Lehrerbund ein Übereinkommen getroffen, demzufolge die Gewerbe-
wechfeln von Nordkurs auf Weftkurs." Ich blicke durch das kleine Fenster und kann genau beobachten, was im Führerraum vor sich geht. Der Pilot dreht eine kleine Kurbel an einem Instrument, und die Maschine ändert ganz langsam ihren Kurs. „Achtung! Wir steigen jetzt auf sechshundert Meter!" Wieder eine Kurbelbewegung, und schon brummt der Motor lauter: die Maschine steigt. Nachdem sie 100 Meter gestiegen ist, fliegt sie automatisch wieder horizontal weiter; das Brummen des Motors klingt wie früher.
Und nun kommt das größte Wunder: ein Kurve n f l u g mit Autopiloten. „Achtung! Eine Linkskurve: Stufe eins, zwei drei, vier, fünf, sechs." Immer hoher hebt sich das rechte Tragdeck; jetzt ist die Erde verschwunden, ich sehe nur noch den Himmel. Das Flugzeug zieht einen großen Kreis. Ich blicke zur anderen Seite hinaus. Da kommt die Erde immer höher. Jetzt kann ich auch erkennen, wo wir sind. Hier liegt der Dom mit dem goldenen glänzenden Kuppeldach, dort das Brandenburger Tor. Da die langen Laderampen, das ist der Lehrter Bahnhof. Ein Wagenzug der Stadtbahn kriecht im Schneckentempo durch die Häuserblöcke. Immer schneller wechseln die Bilder. Wieder knackt es im Telephon: „Ich gehe aus der Kurve heraus: Stufe fünf, vier, drei, zwei, eins — so jetzt fliegen wir geradeaus." Alles ist wieder wie vorher. So kreuzen wir wohl 20 Minuten über den verschiedensten Stadtvierteln. Bald erkenne ich Martendorf, Tempelhof — und Da ist auch Der Flughafen. Die Rie- senbuchstaben „Berlin" sind Deutlich zu lesen. „Achtung!" kommt Da roieDer Die Stimme Des Piloten, „Der automatische Flug ist beenDet. Ich schalte Den Autopiloten ab. — Bitte anschnallen! Wir lanDen jetzt".
Das Wunder ist zu Ende. Die alte Mutter Erde kommt uns wieder entgegen ...
Sochschulnachrichten.
Der Dozent Dr. phil. habil. Johann Fück von der Universität Frankfurt, der nach mehrjähriger Tätigkeit als Professor und Direktor des Departements of Arabic and Islamic Studies an der Dacca-Universität in Indien kürzlich nach Franksuit zurückgekehrt ist, hat hier einen Lehrauftrag für Arabisch und Jslamkunde erhalten.
Der Dozent für Klassische Philologie Dr. phil. habil. Franz A11heim an der Universität Frankfurt ist zum nichtbeamteten außerordentlichen Professor daselbst ernannt worden.
Dem Assistenzarzt an der Frankfurter Medizinischen Klinik Dr. med. habil. Hans Ehrhard Bock ist in der Medizinischen Fakultät der Universität Frankfurt eine Dozentur für innere Medizin verliehen worden.


