närrische Gemeinde lautstark ein, was Ostermann veranlaßte, sein „Loblied" auf die ehemalige rheinische Besatzung anzustimmen. Den Höhepunkt seiner Darbietungen aber bildete ein vor 25 Jahren -um sksten Mal gesungener Schlager in kölnischer Mundart, der Ostermann mit einem Schlage bekannt gemacht hatte. Mit einem Schunkelwalzer ging es in die Pause.
Präsident Reinhold parodierte in charmanter Art Liebe, Völkerbund und Schwiegermutter. Schließlich erzählte der Groteskkomiker vom Reichssender Köln, Karl Hage, in schnurriger Weise von den zahlreichen Begebenheiten eines Tages, daß die Zuhörer aus dem Lachen nicht herauskamen. Für das temperamentvollste Gießener Mädchen hatte Willi Ostermann eine Auszeichnung mitgebracht. Atemlose Spannung herrschte, als er unter das Volk ging, um die Auserwählte unter dem Ehrengeleit der Landsknechte auf die Bühne zu holen. Mit Geschick entledigte er sich dieser Ausgabe und man zollte seiner Wahl stürmischen Beifall. Das Austreten der originellen Typen „D o tz u n d D ö tz- ch e n" rief einen Sturm der Begeisterung hervor. Als „Musterungsburschen" sangen sie ein herzerweichendes Duett von der schönen, seligen Soldatenzeit, das gesanglich und mimisch eine Glanzleistung darstellte. Noch einmal riß Ostermann seine Zuhörer mit dem Karnevalschlager „Ja, ja, ich weiß etwas von dir!" mit und dann verabschiedete sich der Elferrat und die rheinischen Sänger von den Gießenern, denen dieser Auftakt zu der sorglos ausgelassenen Karnevalszeit sichtlich viel Freude bereitete.
Der volle Erfolg dieses Abends veranlaßt zu einer Wiederholung, die, den Anregungen Rechnung tragend, in der Volkshalle erfolgen wird.
Mieter - Lustschuh - Schuhraum.
Von der Ortsgruppe Gießen des Reichsluftschutzbundes wird uns mitgeteilt:
1. Jeder muß wissen, wer sein Luftschutzhauswart ist.
2. Jeder Mieter muß den Anordnungen, die der Luftschutzhauswart im Jntresse der Abwehrbereitschaft des Hauses trifft, Folge leisten.
3. Jeder Mieter muß seinen Dachboden entrümpeln und dafür Sorge tragen, daß er entrümpelt bleibt.
4. Jeder Mieter muß wissen, welche Maßnahmen bei Verdunkelung der Stadt in seiner Wohnung durchzuführen sind.
5. Jeder Mieter muß wissen, daß und wie er Lebensmittel vor Kampfstoffen (Gasen) sichern kann.
6. Jeder Mieter muß den Bau und die Einrichtung eines Schutzraumes als eine Lebensnotwendigkeit für seine Angehörigen und sich selbst betrachten.
7. Jeder Mieter muß den Wunsch haben, daß regelmäßige Luftschutzübungen stattfinden, damit im Ernstfall jeder weiß, was er zu tun und zu lassen hat.
8. Jeder Mieter handelt im eigensten Interesse, wenn er die verantwortungsvolle Arbeit des Lutfschutzhauswartes tatkräftig unterstützt.
Gießener Dochenmarktpreise
* Gießen, 7. Jan. Auf dem heutigen Wochenmarkt kitteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10 Pf., Wirsing, das Pfund 12 bis 15, Weißkraut 8 bis 12, Rotkraut 12 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 7 bis 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 25 bis 35, Feldsalat 80 bis 90, Zwiebeln 10 bis 14, Meerrettich 30 bis 70, Schwarzwurzeln 25 His 30, Aepfel 10 bis 30, Birnen 15 bis 25, Nüsse 40 bis 55, junge Hähne 90 Pf. bis 1,10 Mk., Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Gänse 90 Pf. bis 1 Mk., Enten 90 Pf. bis 1 Mk., Blumenkohl, das Stück 30 bis 50 Pf., Endivien 5 bis 25, Lauch 5 bis 12, Rettich 5 bis 15, Sellerie 4 bis 40 Pf., Kartoffeln, der Zentner 3,30 bis 3,50 Mk.
*
* * Akademische Berufung. Der Dozent für Tierzucht und Milchwirtschaft an der Universität Göttingen Dr. Hermann Vogel wurde als Nachfolger des früheren Leiters des Tierzuchtinstituts der Universität Gießen Professor Dr. Craemer zum ordentlichen Professor an der Universität Gießen und
Direktor des Tierzuchtinstituts der hiesigen Universität ernannt. Professor Dr. Vogel stammt aus München, wo er nach der Teilnahme am Kriege seinen Studien oblag. Im Jahre 1930 habilitierte er sich in Göttingen.
** Aus dem hessischen Landesdienst entlassen. Der Reichsstatthalter in Hessen gibt bekannt: Entlassen wurde durch Urkunde des Führers und Reichskanzlers der Kreisdirektor Dr. med. vet. Otto Lang in Lauterbach aus dem hessischen Landesdienst.
** Arbeitsjubiläum. Am morgigen 8. Januar ist Frau Anna Lang, Alicenstraße 42 wohn-
Auch in diesem Jahre wird wiederum als Teilausgabe des Reichsberufswettkampfes ein Schau- fensterwettbewetb für den Gau Hessen- Nafsau in der Zeit vom 9. bis 16. Februar durchgeführt. Gestalter dieses Wettbewerbes sind die jungen Kameraden — Lehrlinge und Jungangestellte — aus dem Einzelhandel, die in diesem Wettkampf Gelegenheit haben, ihr Können auf dem Gebiet der Dekoration unter Beweis zu stellen. Es ist für den Einzelhändler Lebensnotwendigkeit geworden, fein Schaufenster, das das Gesicht und der Spiegel des Geschäftes ist, geschmackvoll und werbekräftig dekorieren zu können.
Es wird deshalb das Bestreben der jungen Kaufleute fein, durch ansprechende Ausstellungsweise den arbeitsschaffenden Wert des Kaufens und das Verständnis für deutsche Qualitätserzeugnisse in das Volk hineinzutragen. Weiterhin wird dieser Leistungswettstreit dem Nachwuchs im Einzelhandel die Möglichkeit geben, einmal selbständig und aus eigener Initiative heraus die Schaufenster auszugestalten und somit ihren eigenen Gedanken Ausdruck zu verleihen.
Die Oefsentlichkeit wird sich in diesen 7 Tagen des Schaufensterwettbewerbes davon überzeugen können, wie ernst es die Jugend im neuen Staat mit ihrer beruflichen Ausbildung nimmt, wie sie gerne und freudig bereit ist, ihren Mut und Leistungswillen unter Beweis zu stellen.
Bereits im Vorjahr ist der berufliche Nachwuchs aus dem Einzelhandel mit großer Begeisterung und mit viel Verständnis an die Durchführung dieses Wettbewerbs herangegangen. Es sind Leistungen
Im 105. Geburtsjahres Heinrich von Stephans, des um die Gründung des Weltpostvereins verdienten ersten Deutschen Generalpostmeisters, erlebt die Briefmarke am heutigen Dienstag zum ersten Mal einen ihr gewidmeten Tag. Aus diesem Anlaß wird ein Blick hinter die postalischen Kulissen der drei Bezirkslieferstellen im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt interessieren.
Die Bezirksverteilungsstellen für Wertzeichen verteilen die sämtlichen durch die Postanstalten zur Ausgabe gelangenden Wertzeichen an die Postämter. Drei solcher Lieferstellen gibt es im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt: eine in Frankfurt für den Bereich der früheren Oberpostdirektion Frankfurt, eine in Darmstadt für Rheinhessen und Starkenburg, die dritte in
Gießen für Oberhessen.
Eine mächtige Tresortür führt in das Wertzeichenlager. In großen Fächern liegen nur geringe Vorräte. Die Marken ruhen hier nicht lange. Einmal im Monat werden sie von den Postämtern und einmal von der Lieferstelle in Berlin angefordert. Die Bezirksverteilungsstelle Frankfurt bringt durchschnittlich im Monat für 1,3 Millionen Mark Postwertzeichen und für 4 Millionen Mark andere
haft, seit 30 Jahren bei der Firma Kohlenhandlung Joh. Fischer tätig.
Wo ist der glückliche Gewinner?
Ein Unbekannter zog einen 100 000-TNark-Gewinn. (
LPD. Marburg, 6. Jan. Bei der vor den Weihnachtsfeiertagen erfolgten Ziehung der Deu t - s ch e n 21 r b e i t s b e f d) a f f u n g sl o 11 e r t e ist das in der hiesigen Lose-Vertriebsstelle Andernach verkaufte Doppellos Nr. 2 759 125 mit einem G e - roinn von 1 00000 Mark herausgekommen. Der glückliche Gewinner, der das Los bis jetzt noch nicht eingelöst hat, wird gesucht.
gezeigt worden, besonders von den jüngsten Deil- nehmern, die größte Anerkennung gefunden haben. So hat mancher junge Kaufmann seine Fähigkeiten auf dem Gebiet der Dekoration entdeckt, die ihm vorher unbekannt gewesen sind.
Dritter Reichsberufswettkampf 1936.
Der 3. Reichsberufswettkampf sieht zum erstenmal die Jungarbeiter in Fabriken und Kontoren und die Studenten in den Hörsälen in einer einzigen Front, der Front der deutschen Arbeit. In Zukunft dürfen nicht Geld und ^Beziehungen, sondern einzig und allein die schöpferische Leistung entscheiden.
Der 3. Reichsberufswettkampf der deutschen Jugend vom 2. bis 15. Februar wird zum Wahrzeichen der sozialistischen Gesinnung des Heranwachsenden Deutschland.
Anmeldungen zur Teilnahme werden bis zum 15. Januar 1936 von sämtlichen Kreis- und Orts- jugenbroaltungen der DAF. und den Dienststellen der HI. entgegengenommen.
Auch in diesem Jahr werden die Jungen und Mädel im Einzelhandel mit dem gleichen Elan und der gleichen Freude an die Arbeit gehen, um unter Einsatz der ganzen Kraft die größte Leistung auf dem Gebiet der Schaufensterdekoration zu erzielen.
Wertzeichen (Invaliden- und Angestellten-Dersiche- rungsmarfen usw.) zum Versand. Das Frankfurter Hauptpostamt benötigt im Monat allein für eine halbe Million Briefmarken. Die Frankfurter Verteilungsstelle hat den dreifachen Verbrauch der Lieferstellen Darmstadt und Gießen. Am meisten werden gebraucht die 6-, die 12- und die 3-Pfennig- marfen.
Während die gewöhnlichen Briefmarken von 23''r- lin angefofbert werben, kommen bie Sondermarken nach dem allgemeinen Bedarf zur Verteilung.
Das „hessische Briefmarfenfräulein“ hak neben den höheren Werken dieser Serie gerade in Hessen besonders starke Nachfrage gefunden.
Starken Anklag fanden die Saarmarken gelegentlich der Abstimmung, die Olympiamarken, bie Heldengedenktag-, die Bach-Händel-Schütz- und andere Marken.
Oer Wertzeichenumschlag im Giehener Verteilungsamt.
Das Wertzeichenverteilungsamt Gießen, das für die ganze Provinz Oberyesien die Wertzeichen empfängt und an die Postämter in ihrem Gebiet
Der Schausensierweltbeiverb eine Teilausgabe des Reichsberusswellkampses
Zungkaufleute dekorieren 1Z00 Schaufenster.
Der Tag der Briefmarke.
Drei Vosstvertzeichen-Verteilungsssellen im Bereich der Reichspostdirektion Frankfurt. — Gießen für Oberhessen.
zu verteilen hat, hat ein großes Arbeitsfeld. In- festen Kisten werden die allgemeinen Wertzeichen Dom Gießener Wertzeichenverteilungsamt in Emp- fang genommen. In diesen Elsten sind stets mehrere tausend Blatt enthalten. I- 1000 Blatt stnd n einem Paket zusammengesaßt. Diese Packung teilt sich ,e- doch wiederum auf in einzelne kleinere Päckchen von je 100, bzw. je 20 Blatt. Durch diese Au sie» lung ist eine klare Ueberstcht über die Brie marken- mengen gegeben. Auf einem tenbla:tt, wie
sie ja jedermann kennt, sind jeweils 100 Marken ver> einigt. Postkarten werden in festen Pappkartons verschickt.
Die allgemeinen Wertzeichen, einschließlich der Stempel- und Versicherungsmarken erhalt das Gießener Postamt, wie schon oben erwähnt, von Frankfurt. Die Sonderausgaben (Wohlfahrtsbriesmarken, Olympia-Marken usw.) erhält bas hiesige Wertzeichen-Verteilungsamt in einer bestimmten Menge jeboch jeweils birekt aus Berlin. Interessant yi, daß das Wertzeichenverteilungsamt völlig bargeldlos arbeitet, also keine Gelder für die hinausgegebenen Briefmarken abzuführen hat. Diese Abführung geschieht vielmehr von den einzelnen Postämtern über die Reichsbankstellen. Das Wertzeichen-Verteilungs- amt hat also nur Briefmarken zu empfangen und an seine zugeteilten Postämter hinauszugeben.
Interessant ist es ferner zu hören, daß durch das hiesige Verteilungsamt im Laufe eines Jahres und für die ganze Provinz Briefmarken allgemeiner Werte für nicht weniger denn etwa 3 Millionen Mark an bie Postämter verteilt werden. Etwa für 500 000 Mark werden 6-Pfennig-Briefmarken, für etwa 660 000 Mark 12-Pfennig- und für etwa 200 000 Mark 40-Pfennig^Briefmarken verteilt. Der Umschlag an Postkarten beläuft sich auf etwa 100 000 Mark.
Darüber hinaus werden Dienstmarken, Wechselmarken, statistische Stempelmarken, vor allem aber auch Wertzeichen für die Ange st eilten- u n b bie Invalibenversicherung über große Summen verteilt. Sv werben im Laufe eines Jahres für Oberhessen etwa für 800 000 Mark allein Marken zur Angestelltenversicherung und für nicht weniger denn etwa 2 400 000 Mark Wertzeichen für die Invalidenversicherung hinausgegeben. Im Bereich des Gießener Postamtes wurden im vergangenen Vierteljahr allein für 280 000 Mark Marken der Invalidenversicherung verkauft.
Das Arbeitsgebiet des Wertzeichen-Verteilungsamtes für Oberhessen (bas im Gebäude ber Hauptpost in ber Bahnhofstraße untergebracht ist) hat burch bie zahlreichen Neuausgaben eine wesentliche Ausweitung erfahren. Die Arbeit vollzieht sich aber in Anbetracht der jahrelangen Erfahrungen der Beamten in aller Zuverlässigkeit, Ruhe und Sicherheit.
Oie letzte Hüttenberger Brautaufbinderin gestorben.
In diesen Tagen ist in Leihgestern eine Frau zur letzten Ruhe gebettet worden, die sich große Verdienste um die Erhaltung des alten Hüttenberger Brauchtums erworben hat: die Trachtennäherin und Brautaufbinderin Katharine Heß, die Mutter des bekannten Heimatdichters Georg Heß.
2lls Tochter eines Schneidermeisters, der auch Trachten nähte, lernte sie von ihrem Vater nach der Schulentlassung die Herstellung der Hüttenberger Tracht. Vom 17. bis zu ihrem 73. Lebensjahr, in dem sie abberufen wurde, hat sie selbständig Braut- schmuck und Grabschmuck hergestellt und damit wesentlich zur Erhaltung bodenständigen Brauchtums in Leihgestern und Umgegend beigetragen. Zum letzten Male hat Frau Heß noch für die Aufführung des Scbiffenberger Heimatfestspiels, das ihr Sohn verfaßt hatte, eine Braut mit dem alten Hüttenberger Brautschmuck geschmückt.
Herr Pfarrer Reusch betonte mit Recht in seiner von echtem Heimatgeist getragenen Grabrede, daß mit Frau Heß ein Stück Volkstum und Heimat ins Grab sinke. Ihr verdankt unsere Heimat, daß Hüttenberger Trachten und Hüttenberger Brauchtum so lange lebendig geblieben sind. Die Betätigung ber Mutter gab aber auch unserem Heimatbichter Georg Heß von Jugend auf die Anregung zur Beschäftigung mit bäuerlicher Art und Sitte und zu ihrer dichterischen Gestaltung.
Himmlische Ereignisse 1936.
Ein astronomischer Ausblick.
Vier Finsternisse.
Schon der erste Monat des neuen Jahres bringt als astronomisches Hauptereignis ein^ totale Mondfinsternis. Wenn nicht Wolken den Ausblick hindern, werden wir in den frühen Abendstunden des 8. Januar sehen, wie der Mond den Schattenkegel des Erdballs durchquert. (Nähere Angaben darüber finden unsere Leser heute im lokalen Teil.)
Während die Mondfinsternis auf der halben Erde gleichzeitig beobachtet werden kann, ist die Sichtbarkeit einer totalen Sonnenfinsternis stets nur auf einen schmalen Streifen der Erdoberfläche beschränkt. Dieser Umstand bringt es mit sich, daß für einen bestimmten Ort der Erde eine vollständige Sonnenfinsternis ein seltenes Ereignis ist und nur in Abständen von 200 bis 300 Jahren sich wiederholt. In Deutschland fand die letzte totale Sonnenfinsternis am -19. August 1887 statt, und erst am 7. Oktober 2135 wird man hier wieder Gelegenheit haben, dieses großartige Naturschauspiel zu beobachten. Die Sonnenfinsternis am 19. Juni 1936 ist zwar total, aber nur auf einem 100 bis 150 Kilometer breiten Streifen, der vom Jonischen Meer ostwärts über Athen und Kleinasien durch das Schwarze Meer zum Kaukasus und weiter durch Südsibirien über Omsk und Tomsk nach Nordjapan und in den Stillen Ozean zieht. In Deutschland ist zwischen 4 und 6 Uhr morgens eine teilweise Verfinsterung der Sonne zu beobachten, deren Dauer rund l3/4 Stunden beträgt. Eine halbe Stunde nach Sonnenaufgang schiebt sich der Mond von rechts vor die Sonnenscheibe. In Süddeutschland werden etwa 70, in Norddeutschland 65 v. H. des Sonnendurchmessers abgeblendet. Ein ziemlich breiter sichelförmiger Teil der Sonnenscheibe bleibt also frei. Je nach der Lage des Beobachtungsortes tritt die größte Verfinsterung 9 bis 14 Minuten nach 5 Uhr ein.
Außer diesen beiden Verfinsterungen ereignet sich noch am 4. Juli eine teilweise Mondfinsternis, die aber in Deutschland nicht sichtbar ist, und am 13. Dezember eine ringförmige Sonnenfinsternis, die nur in Australien und in der Südsee beobachtet werden kann.
Die Planeten.
Zu Beginn des Jahres stehen alle mit freiem Auge erkennbaren Planeten in der Nähe der Sonne, gehen also entweder kurz vor der Sonne auf ober verschwinden bald nach Sonnenuntergang
im Westen. Venus, der glänzendste aller Wandelsterne, leuchtet am Morgenhimmel zusammen mit Jupiter. Im März taucht Venus in die Morgendämmerung und erscheint erst wieder im November als Abendstern. Eine besonders schöne Konstellation bildet am 15. und 16. Januar die Begegnung von Venus und Jupiter, die am besten gegen 6 Uhr zu beobachten ist. Beide Sterne stehen dann scheinbar nur drei Vollmond- breiten voneinander entfernt. In Wirklichkeit freilich ist der Abstand Jupiters mit 907 Millionen Kilometer annähernd sechsmal so groß wie derjenige der Venus (164 Millionen Kilometer).
Jupiter erreicht seine beste Sichtbarkeit in den Sommermonaten, da er am 6. Juni genau gegenüber der Sonne steht und um Mitternacht kulminiert. Er bewegt sich sehr langsam im Sternbild des Skorpion nahe dem roten Antares und ist von Mai bis August rückläufig. Mars und Saturn stehen in oen ersten beiden Monaten des Jahres nach Sonnenuntergang ziemlich tief am Südwesthimmel. Zu ihnen gesellt sich am 26. Januar die schmale Mondsichel, was wiederum ein reizvolles Bild gewährt. Im Frühling aber verschwinden beide Planeten vom Abendhimmel. Saturn erscheint Ende Mai, Mars erst im August wieder am östlichen Morgenhimmel. Die Ringe des Saturn sind in diesem Jahre nur schwer zu sehen, gewissermaßen nur als heller Strich, da die Ringebene mit der Sehlinie zusammenfällt und wir auf die Außenkante der sehr dünnen Ringe sehen.
Merkur, der sonnennächste und beweglichste unter den Wandelsternen, bildet ein schwierig zu beobachtendes Objekt, da er höchstens zwei Stunden vor der Sonne aufgeht ober nach ihr untergeht, kann er in unfern Breiten nur während der Dämmerung in geringer Höhe über dem Horizont gesehen werden. Er erscheint dann als ziemlich schwacher Stern, obwohl er fast so hell ist wie Sirius. Man wird ihn am besten Anfang Mai eine Stunde nach Sonnenuntergang am Westhimmel, sowie im letzten Drittel des Oktobers am Osthimmel eine Stunde vor Sonnenaufgang suchen.
Und die Kometen?
Seit Jahrzehnten ist in Deutschland kein großer Komet zu sehen gewesen. Die Frage, ob denn nicht bald wieder ein glänzender Komet mit langem Schweif erscheinen wird, ist daher durchaus berechtigt. Nachdem das vorige Jahrhundert zahlreiche auffällige Kometenerscheinungen gebracht hat, darunter den Riesenkometen von 1843, der am halben Tage sichtbar war, hat es seit 1882 keinen großen Schweifstern mehr gegeben. Es wäre also
nachgerade wieder einer fällig. Doch läßt sich leider nicht Voraussagen, ob bas Jahr 1936 uns einen großen Kometen bescheren wird. Noch leben einige wenige, die in • ihrer frühsten Kindheit den berühmten donatischen Kometen gesehen haben, dessen Schweif eine Länge von 60 Grad am Himmel erreichte, also bedeutend größer war als das Sternbild des Großen Bären und durch seinen Glanz die Bewunderung der Menschen erregte.
Aber große Kometen haben fast ausnahmslos sehr lange Umlaufszeiten, und nur in Sonnennähe entfaltet ein Komet feinen Schweif. Die meisten kurzperiodifchen Kometen mit einer Umlaufszeit von wenigen Jahren sind unscheinbare, nur im Fernrohr sichtbare Objekte. Die großen Kometen haben Umlaufszeiten von mehreren Jahrhunderten ober Jahrtausenden, der donatische Komet z. B. von 2000 Jahren. Das ist der Grund, weshalb große Kometen verhältnismäßig feiten auftreten.
Dr. Erwin Kossinn a.
Blick in ein altes Kochbuch.
Wenn man sich einmal in die bunte Welt ber alten Kochbücher vertieft, bann erstaunt man über den unendlichen Reichtum an Gerichten, der einem da entgegentritt. Nun wird allerdings niemand beklagen, daß Stare, Nachtigallen, Schwalben und Zaunkönige nicht mehr als Sonntagsbraten aufgetragen werden Diesem Vogelmord ist ja jetzt ein Ende gemacht worden. Aber in der Zubereitung der verschiedenen Fleischsorten war man früher offenbar erfindungsreicher als heutzutage. So zählt eines der ältesten deutschen Kochbücher, das des wackeren kurmainzischen Mundkochs Marx Rumpolt aus dem Jahre 1576, nicht weniger als 83 verschiedene Speisen auf, die aus Ochsenfleisch zu- bereitet wurden. Aus Kalbfleisch gab es 49, aus Hammelfleisch 45, aus Lamm 28, aus einer jungen Geiß 34, von der Spanfau 32, vom Hirsch 37 und vom Schwein 43 verschiedene Gerichte. Zahlreiche Braten und Ragouts werden angeführt vom wilden Schwein, Murmeltier, Seehund, Biber, Stachelschwein, Igel und Eichhorn. Adler wurden damals in neunfacher Weise zubereitet; Schwan und Pfau erscheinen als Hauptmahl auf der Tafel. Don einer alten Henne kann dieser Kochkünstler 22 verschiedene Speisen bereiten, von einem jungen Huhn 23. Ebenso reichhaltig waren die Fischgerichte. Für bie Bereitung des Hechtes finden sich 42 Rezepte, für die des Karpfens 25, des Salms 17, der Forelle 18, des Krebses 23, des Störs 11, und die gleiche Zahl haben die Aalgerichte. Selbst die
Frosche können auf fünffache Weise dem Gaumen schmackhaft gemacht werden, und daran schließen sich Meerspinnen, Meergrillen, Schildkröten, Muscheln und vieles andere- Seegetier. Den Gemüsen sind 225 Rezepte gewidmet, und von Salaten stellt er 50 Stück zur Auswahl. Von Tunken zum Braten gibt er 25 an, von Suppen 63 Arten. Das Gebackene, das früher eine viel größere Rolle spielte als heute, ist mit 76 verschiedenen Kuchen vertreten; dazu kommen 46 Torten. Ebenso groß ist die Zahl der Fleischpasteten, während 20 Pasteten vom Fisch bezeichnet werden. Die Fülle des „Eingemachten" und „Konfekts" ist dementsprechend. Beim alltäglichen Mahl wurden natürlich nicht die zahlreichen Einheiten dieses Riesenspeisezettels vorgesetzt, aber bei festlichen Gelegenheiten wurde an Gängen nicht gespart. Als Beispiel sei ein festliches Frühmahl in bürgerlichen Kreisen angeführt, das Rumpolt folgendermaßen festsetzt: Da gibt es beim ersten Gang gesottenes Rindfleisch mit Meerrettich, eine Kapaunensuppe, mit geräuchertem Fleisch umlegt und einen Lungenbraten; daraus eine gut gefüllte Spansau, Sauerkraut mit geräuchertem Speck und mit alten Hühnern. Der zweite Gang enthält Schweinefleisch in einem Pfeffer, Kalbsbraten, Hammelkeule, Schweinebraten. Dann einen Kapaun, eine Gans, Feldhühner, Vögel, ein Lamm oder Kitzlein, alles gebraten und zu einer Schüssel angerichtet; ferner gedämpftes Rindfleisch mit Wacholderbeeren, Reis in Milch geekocht, Kalbfleisch, gelb gekocht mit Zitronen, schließlich Kälbergallert. Im dritten Gang, dem sog. „Obst", erscheinen gebackene Kuchen, verschiedene Backwerke, Käse und Nüsse. Die Speisefolge des Nachtmahles war noch reicher. Man mußte schon einen gehörigen Appetit mitbringen, wenn man feine Gastgeber zufriedenstellen wollte.
Hochschulnachrichten.
Entsprechend der erhöhten Bedeutung der deutschen Sprache und Kultur im neuen Staate ist der Name des Germanischen Seminars der Universität Frankfurt in Deutsches Seminar geändert worden. Wie bisher werden aber die gesamt- germanischen Studien von der ältesten bis in die neueste Zeit in dem Deutschen Seminar weiter gepflegt.
Dem -Honorarprofessor an der Universität Frankfurt und Direktor des Deutschen Forschungsinstituts für langfristige Witterungsvorhersage, Dr. Franz Baur, ist sein Lehrauftrag auf langfristige Witterungsvorhersage erweitert worden.


