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Ht 5 Dritter Blatt Giehener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberyessen)Dienstag, 7. Zanuar (936

Aus der Provinzialhauptstadt.

Oer betrogene Kernsprechautomat.

Fritz und Wilkt arbeiteten nicht gern. Nur wenn das Wohlergehen ihrer Mitmenschen sie allzu sehr ihre eigene Mittellosigkeit empfinden ließ, suchten sie sich eine Gelegenheitsarbeit. Dagegen zierten sie um so mehr die Straßenecken und die Zuhörerbänke der Gerichtssäle. Besonders im Winter bot ihnen der Gerichtssaal eine geheizte Unterkunft außerhalb des Hauses, und sie bedauerten nur, daß man dort nicht sein Zigarettchen rauchen konnte. Von dort her stammte auch ein Teil ihrer Weisheit, die ihnen jedoch in der Nutzanwendung nicht in allen Fällen zum Vorteil gereichte.

So stritten sie eines Tages über die Frage, ob man einen Fernsprechautomat betrügen könne. Sie wollten ihren zufällig einmal in Arbeit stehenden, zum gleichen Kleeblatt gehörigen Freund anrufen, aber der Post den Groschen nichtschenken". Fritz wollte ein Falschstück in den Fernsprechautomat einwerfen, während Willi Bedenken hatte. Er meinte, das sei doch ein Betrug, und man wisse nie, wie so etwas herauskomme.

Fritz hatte nur auf diesen Einwand gewartet. Mit der überlegenen Miene des bald examensreifen Kriminalstudenten erklärte er, daß hierdurch der Tatbestand des Betrugsparagraphen nicht erfüllt würde/' Betrügen könne man doch nur dadurch, daß man durch Vorspiegelung falscher oder un­wahrer Tatsachen bei einem anderen einen Irrtum errege und hierdurch dessen Vermögen beschädige.

Als Willi einwandte, die Post werde doch durch den Einwurf des Falschstückes geschädigt, entgeg­nete ihm Fritz mit dem im Gerichtssaal längst'ab­geschauten und vor dem Spiegel wiederholt geüb­ten, überlegenen Ausdruck eines erfahrenen Ver­teidigers:Sehr wohl, aber ich habe doch die Poft nicht getäuscht, denn das Selbstanschlußamt hat die Verbindung selbsttätig hergestellt. Du hättest recht, wenn ich durch den Einwurf des falschen Zehners die abhörende Telephonbeamtin am Klappenschrank in einen Irrtum versetzt hätte. Verstehst du?"

Willi verstand und wußte nichts mehr zu er­widern. Als aber seine Gesichtszüge immer noch ein gewisses Mißtrauen erkennen ließen, spielte Fritz seinen letzten Trumpf aus. Er hatte vor Mo­naten, noch vor Beginn ihrer Freundschaft, einer Gerichtsverhandlung beigewohnt. Da war einer, der ein falsches Geldstück in einen Fernsprechautomat eingeworfen hatte, wegen Betruges angeklagt wor­den. Das Gericht war aber zu einem Freispruch ge­langt mit der Begründung, daß es sich um ein Selbstanschlußamt gehandelt habe, und daß man einen toten Mechanismus nicht in einen Irrtum versetzen könne Der Tatbestand des Betruges sei mithin nicht restlos erfüllt gewesen.

Willi war nun überzeugt,' und so schritten sie zur Tat. Das Falschstück paßte, und das Selbstanschluß­amt stellte wunschgemäß die Verbindung her.

Nachdem Fritz und Willi sich später in Gesellschaft ihrer Freunde ihres Erfolges rühmten und dann Streit entstand, gelangte die Angelegenheit zur Kenntnis der Polizei. Als der Staatsanwalt gegen sie Anklage wegen Betrugs erhob, war ihnen nicht sonderlich bange. Als sie sogar die Zeitung mit dem Gerichtsbericht aus der geschilderten Gerichtsver­handlung noch ausfindig machen konnten und die Vorentscheidung schwarz auf weiß in Händen hatten, gingen sie beruhigt in ihre Verhandlung.

Jetzt sollte sich ihre Kriminalstudentenwissenschaft bewähren. Doch mit ihrer Weisheit ging es bald zu Ende. Ihre Gesichter wurden zusehends länger, als ihnen der Richter auf ihre Einlassung erklärte, daß der Staat zum Zwecke nachhaltiger Verbre­chensbekämpfung das Strafaefetz in einem wichti­gen Punkt geändert habe. Wohl habe seither nach § 2 des Strafgesetzbuches eine Handlung nur dann mit Strafe belegt werden können, wenn diese Strafe gesetzlich bestimmt gewesen sei, bevor die Handlung begangen wurde. Nunmehr werde auch bestraft, wer eine Handlung begehe, die nach dem Grundgedanken eines Strafgesetzes und nach gesundem Volksemp­finden Strafe verdiene. Finde auf die Tat kein bestimmtes Strafgesetz unmittelbar Anwendung, so werde die Tat nach dem Gesetz bestraft, dessen Grundgedanke auf sie am besten zutreffe. Außer­dem sei neuerdings der Mißbrauch von Automaten nach § 265a des Strafgesetzbuches unter Strafe gestellt.

Der Ausgang war hiernach nicht zweifelhaft. Beide wurden wegen Automatenmißbrauchs und Betrugs zum Nachteil der Post zu Strafe verur­teilt, und niemand im Gerichtssaal zweifelte an den Worten des Richters, als er in der Urteilsbe­gründung sagte:Die Maschen des Gesetzes sind enger geworden."

Fritz und Willi aber konnten nunmehr für einige Zeit ihre Mußestunden nicht mehr im Zuhörerraum des Gerichtssaales verbringen. XX.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienskag.

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.45 Uhr fröhliche Gymnastik für Frauen im Lyzeum; 20 bis 21 Uhr und 21 bis 22 Uhr Schwimmen im Volksbad; 21 bis 22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. Stadttheater: 20 bis 22.30 UhrDie Tanzgräfin". Gloria-Palast, Seltersweg:Der Schützenkönig". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: Stradivari"". Cafe Leib: 20 Uhr heiterer Werbeabend für neuzeitliche Küchenführung. Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brand­platz): 11 bis 18 Uhr Ausstellung des Künstler­bundesIsar".

Stadltheater Gießen.

Heute, von 20 bis 22.30 Uhr, die Schlageroperette Die Tanzgräfin" von R. Stoltz. Musikalische Lei­tung: Ernst Bräuer; Spielleitung: Paul W r e d e. Tänze: Thery Schultheis. Als Gast: Lissy C h i l l a vom Operettentheater Stuttgart. 13. Diens­tag-Abonnement.

Wochen-Lnd im Spielplan des Stadttheaters.

Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Samstag, 11. Januar, weilt die beliebte Künstlerin Henny Porten mit ihrem Ensemble erster Ber­liner Künstler bei uns zu Gast. Die vom Film be­kannte, bedeutende Vertreterin d-eutscher Kunst bringt das dreiaktiae SchauspielMaria Garland" von Zdenko von Kraft zur Aufführung. In diesem Büh­nenstück spielt Henny Porten die Hauptrolle. Ein einmaliges Ereignis, diese große Darstellerin per­sönlich auf der Bühne zu erleben. Trotz des mit gro­ßen Unkosten und Schwierigkeiten verknüpften Gast­spiels hat die Intendanz die Preise so festgesetzt, daß jeder Theaterfreund die Möglichkeit hat, an diesem großen Ereignis teilnehmen zu können. Dauer der Vorstellung von 20 bis 22.15 Uhr.

Sonntag, 12. Januar, findet um 15 Uhr eine Nochmalige Wiederholung des mit großem Beifall

Gute Kameradschaft zwischen alten und jungen Soldaten.

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Die Kameradschaft ehemaliger hessi- scherLeibdragonerNr. 24inGießenhat es von jeher als ihre besondere Aufgabe angesehen, zu den Kameraden der jungen Wehrmacht herzliche Beziehungen zu pflegen. Von diesem Grundsatz aus­gehend, hat in den verflossenen Jahren eine aus­gezeichnete Kameradschaft der alten Leibdragoner mit ihren aktiven Kameraden in der T r a d i t i o n s- Eskadron des Reiter-Regiments 16 in Langensalza bestanden. Dieser Truppenteil ist beim Neuaufbau unserer Wehrmacht in einer ande­ren Formation aufgegangen. Nunmehr haben die alten Leibdragoner in Gießen zu der 1 3. (M W.-) Kompanie unseres In f.-Regt s. 36 in Gießen, die von Hauptmann Semmel geführt

wird, herzliche kameradschaftliche Beziehungen aus­genommen. Am vorigen Sonntag trafen sich die alten und die jungen Soldaten in Gießen im Frankfurter Hof" zu einem frohgestimmten, von bestem Soldatengeist erfüllten Beisammensein, das in allen Teilen in vorbildlicher soldatischer Kamerad­schaft verlief, und bei den alten und jungen Sol­daten den besten Eindruck hinterlassen hat. Unser Bild zeigt die alten Leibdragoner in Gießen mit den jungen Kameraden der 13. (MW.-) Kompanie unsres Jnf.-Regts. 36. In der ersten (stehend) Reihe in der Mitte der Kompaniechef Hauptmann Semmel, rechts daneben der Kameradschaftsführer der alten Leibdragoner Emil E i d m a n n (Aufnahme: Photo- Pfaff, Gießen.)

Morgen Mondfinsternis.

3« Gießen sichtbar.

Am morgigen 8. Januar von 16 Uhr 16,9 Min. bis 22 Uhr 50,7 Min. findet eine totale Mondfin­sternis statt. Da der Mond an diesem Tage in Gießen um 16 Uhr 28 M i n. aufgeht, ist diese Finsternis bei uns sichtbar. Im Gegensatz zu einer Sonnenfinsternis, bei der ja die Sonne nicht tat­sächlich verfinstert, sondern nur durch den Mond verdeckt wird, ist eine Mondfinsternis eine echte Finsternis. Sie ist daher überall sichtbar, wo der Mond zur Finsterniszeit über dem Horizont steht. Um 16 Uhr 16,9 Min. tritt der Mond in den Halb­

schatten der Erde (äußerer Kreis der Figur) ein, der um diese Zeit in der Entfernung des Mondes einen Durchmesser von 16 430 Kilometer hat. Eine wesentliche Verfinsterung tritt dadurch nicht ein, denn die Sonne wird für den Mond nur teilweise verdeckt. Für einen (in Wirklichkeit nicht vorhandenen) Mondbewohner würde also um diese Zeit eine partielle Sonnenfinsternis beginnen. Erst um 17 Uhr 28,1 Min., wenn der Mond den Kern­schatten der Erde berührt, beginnt die eigentliche Finsternis für den Mondbewohner die totale Sonnenfinsternis. Der Kernschatten der Erde hat um diese Zeit eine Länge von 1 358 000 Kilometer und in der Mondentfernung (386 860 Kilometer) einen Durchmesser von 9260 Kilometer. Der Mond selbst und das ist interessant steht um diese

Zeit senkrecht über Honkong in Südchina. Einein- halb Stunden später, um 18 Uhr 57 Min., ist er ganz in den Kernschatten eingetaucht und vollkom­men verfinstert. Die Totalität dauert aber nur 23,4 Minuten bis 19 Uhr 9,5 Min. Dann beginnt der Mond wieder aus dem Kernschatten (innerer Kreis der Figur) auszutreten. Die Mitte der Finsternis ist also um 19 Uhr 9,5 Min. Dabei sind 1,022 des Monddurchmessers verfinstert, der Mond berührt also fast den Kernschattenumfang. Daher die kurze Dauer der Totalität. Um 20 Uhr 50,7 Min. ist der Mond wieder ganz aus dem Kernschatten ausge- treten und steht nun im Zenit eines Ortes zwischen Bombay und Makar im Arabischen Meerbusen. Das Ende der Finsternis, der Austritt des Mondes aus dem Halbschatten der Erde, findet um 22 Uhr 1,5 Minuten statt. Der Mond ist übrigens auch während der Totalität nicht völlig verfinstert, sondern in ein eigentümlich rotes Licht eingehüllt. Bei der Berech­nung des Schattenkegels sind nämlich nur die ge­raden Sonnenstrahlen berücksichtigt. In Wirklichkeit wird aber der Teil der Sonnenstrahlung, der durch die irdische Atmosphäre geht, abgelenkt. Berechnet man unter Berücksichtigung dieser Ablenkung den Schattenkegel, in den überhaupt keine Sonnenstrah­len gelangen, so kannt man zu 40 Erdradien, d. s. 254 700 Kilometer, also weniger als die Mondent­fernung. Die rote Beleuchtung des Mondes während der Totalität rührt also von der Brechung der Son­nenstrahlen in der Erdatmosphäre her, stellt also ge­wissermaßen eine doppelte Abendröte dar.

Wie kommt aber eine solche Mondfinsternis zu­stande? Zwei Bedingungen müssen hierfür erfüllt sein. Zunächst ist es notwendig, daß Vollmond ist, denn nur zu dieser Zeit steht die Erde zwischen Sonne und Mond und kann daher für den Mond die Sonne verdecken. Würde die Ebene der Mond­bahn mit jener der Erdbahn zusammenfallen, so würde bei jedem Vollmond eine Mondfinsternis eintreten. Das ist aber nicht der Fall. Die Ebene der Mondbahn ist vielmehr gegen die Ebene der Erd­bahn um ca. 5 Grad geneigt. Die beiden Punkte, in denen die Mondbahn die Erdbahnebene schnei­det, nennt man die Knoten der Mondbahn. Ge­wöhnlich geht also der Mond über ober unter dem Erdschatten vorüber. Nur wenn er zur Zeit des Vollmondes in der Nähe dieser Knoten steht (und zwar bis zu einer Entfernung von 12 Grad) kann eine Mondfinsternis stattfinden. Bei der gegenwär­tigen Finsternis ist er am 8. Januar um 10 Uhr 54 Minuten durch den absteigenden Knoten, also von der Nordseite der Erdbahnebene auf die Süd­seite derselben gegangen. K. B.

bei jung und alt aufgenommenen Weihnachts­märchensDer kleine Muck" von Burggraf statt. Eigentlich sollte dieses Weihnachtsmärchen bereits vom Spielplan abgesetzt sein. Aber zahlreiche Bitten, gerade von auswärtigen Ortschaften, sowie die Tatsache, daß bei den letzten Vorstellungen zahl­reiche Kinder ohne Karte nach Hause gehen mutzten, hat die Theaterleitung veranlaßt, am Sonntag von 15 bis 18 Uhrden kleinen Muck" nochmals zu wiederholen. Von 19 bis 21.30 Uhr findet außer Abonnement eine Aufführung der erfolgreichen OperetteDie Tanzgräfin" von Stoltz statt. Mit die­ser Operette erlebten wir während der Weihnachts­tage eine Erstaufführung vor ausverkauftem Hause; diesen Erfolg setzten in den letzten Tagen zwei aus­verkaufte Häuser bei unfern Gastspielen in Mar­burg und Bad Homburg fort. Auch in der Auf­führung am Sonntagabend, deren szenische Leitung Paul W r e b e hat, währenb Ernst Bräuer bie musikalische Leitung obliegt, singt unb spielt Lissy Ehilla als Gast bie Partie der Colette. (Siehe heutige Anzeige.)

Goelhe-Vund Gießen.

Wie uns von ber Leitung bes Goethe-Bunbes mit­geteilt wirb, fällt ber für ben heutigen Dienstag, 7. Januar, vorgesehene Vortrag bes Australien-Flie­gers Bertram aus, ba ber Vortragenbe früher als vorgesehen zu einer neuen Expebition ausreist. Einen anberen Vortrag als Ersatz für ben ausfallen- ben wirb bie Leitung bes Goethe-Bunbes in ben nächsten Tagen im Anzeigenteil anfünbigen.

Gustav-Abolf'FraueN'Verein.

Am fommenben Freitagabenb Vortrag in ber Stabtkirche über bas Thema:Die evangelische Frau in ihrer Bebeutung für bas Auslanbsbeutschtum". Näheres im heutigen Anzeigenteil.

heiterer Abend in der Volkshalle.

Die von ben heiteren Samstagnachmittagen bes Kölner Senbers bekannten brei lustigen Gesellen werben am 13. Januar in ber Gießener Volkshalle in einem heiteren Abenb bie Gießener Bevölkerung unterhalten. Die Leitung des Abends hat Hans

Solcher, der Vater vom Hermännchen. Das Ma­nuskript des Abends ist von Theo Rausch bear­beitet. Auf die heutige Anzeige sei besonders hin- gewiesen.

Deutsche Arbeitsfront.

Zusätzliche Berufsschulung der DAI.

Die N ä h k u r s e in der DAF. finden wieder statt, und zwar Montags und Mittwochs von 20 bis 22 Uhr. Anmeldungen werden noch entgegengenom­men. Als Unkostenbeitrag werden 20 Pfg. pro Abend erhoben.

Die K o ch k u r s e der zusätzlichen Berufsschuluna fallen für kurze Zeit aus, ihr Wiederbeginn wird an dieser Stelle noch bekanntgegeben.

Arbeitsdienstpflicht

der Abiturientinnen für das Zahr^l 936.

Die Deutsche Studentenschaft teilt mit: Die Be­stimmungen über die Arbeitsdienstpflicht der Abi­turientinnen können erst im Laufe bes Monats Februar 1936 herausgegeben werben. Melbungen unb Anfragen, bie jetzt eingehen, finb zwecklos. Die genaue Regelung wirb burch Schulen unb Presse rechtzeitig bekanntgegeben.

Herabgesetzte Fahrpreise für die Iieichsautobahn.

LPD. Vom 10. Januar 1936 an werben bie Fahrpreise für bie Reichsbahn-Autobusstrecken FrankfurtDarmstabt, FrankfurtHeibelberg unb Mannheim unb MannheimHeibelberg herabgesetzt. 3n Zukunft können Reisenbe mit Reichsbahn-Fahr­ausweisen zum normalen Fahrpreis für Verbin­dungen, in benen Fahrscheine für Reichsbahn-Auto­busse ausgegeben werben auch im Reichsbahn- burchgangsoerkehr wahlweise bie Reichsbahn, ober bie Reichsbahn-Autobusse benutzen. Ein beson- berer Zuschlag ist nur zu Fahrausweisen 3. Kl. für Personenzüge zu zahlen. Die Reichsbahnfahr- ausweise 3. Kl. für Schnell- unb Eilzüge unb für die 1. unb 2. Kl. ber Schnell-, Eil- unb Personen- züge gelten ohne weiteres unb ohne Fahrgelbaus­gleich als Fahrausweis für bie Beförderung im Reichsbahn-Autobus. Rückerstattung von Fahrgelb in ben Fällen, in benen ber Eisenbahnfahrpreis höher ist als ber Autobusfahrpreis, findet nicht statt. Reisende mit Urlaubskarten und Ausländerfahrschein­heften 3. Kl. zahlen den gleichen Zuschlag. Reisende mit solchen Fahrausweisen 1. und 2. Kl. werden ohne Zuschlag befördert.

Ehemalige Kriegsgefangene als Helfer des Winterhilfswerks.

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An der Sammlung für das Winterhilfswerk am vorigen Sonntag beteiligten sich auch bie Mitglieber der Reichsvereinigung ehern. Kriegsgefangener. Un­ser Bilb zeigt Gießener Mitglieber bieser Vereini­gung beim Sammeln. (Aufnahme: Pletsch, Gießen.)

Mit KdF. in den Gießener Karneval.

In biefern Jahre hat es bie NSG.Kraft burch Freube" übernommen, bie Gießener Volksgenossen durch ben Karneval zu geleiten. Gleich ber erste Auftakt hierzu war ein ausgezeichneter Erfolg. Schon lange vor Beginn war ber Saal besCafe Leib" am ©amstagabenb bicht besetzt von erwar­tungsvollen Menschen. Die Gäste unb Sänger vom Rhein fanben ein frohgelauntes Publikum, bas sich willig bie wenigen Stunben von rheinischem Froh­sinn leiten ließ. Gleich ber Einmarsch ber närri­schen Garben mit ben Lanbsknechten unb Rhein- lanbmäbeln in ben bunten trabitioneUen Kostümen schuf eine ausgelassene Stimmung. Der als tem­peramentvoller Kölner Ansager unb Komiker be­kannte Präsibent Reinholb R e i n h o l b machte in hochtönenber, aber geroinnenber Art seine große Karnevalsgesellschaft mit rheinischen Gebräuchen bekannt. In vornehm, lässiger Eleganz hanbhabte er sein Zepter, unb sein schwungvoll witziger Rebe­schwall rief Beifallsstürme hervor. Nur einer be­stritt bem Präsibenten bie Rechtmäßigkeit seiner Amtshanblungen unb verbot ben zwei Rheinlanb- mäbeln ben Tanz, bas war ein Wachtmeister mit einem bierehrlichen, jovialen Aussehen. Sich müh­sam ben Weg zur Bühne schasfenb, forberte er teils Zum Gaubium, teils zur Erregung ber Zuhörer bie polizeiliche Erlaubnis. Die Spannung löste sich aber in allgemeinem Gelächter auf, als ber Präsi­dent an bas rheinische Gemüt bes Wachtmeisters Bullermann appellierte unb bie Tanzmäbchen ihn mit ihrer Kunst berart bestrickten, baß er aus Ver­ehrung für ben rheinischen Sänger am Runbfunk Willi £) ft ermann bem tollen Treiben freien Lauf ließ.

Der Minnesänger vom Rhein Wilhelm H e i n tz e n zauberte mit seiner schnurrigen Parobie ber neue­sten Schlagermelobien eine rührselige Stimmung hervor, baß bie Lacher tränenben Auges mit anhal- tenbem Beifall sich weitere Zugaben erzwangen. Eine Tanzparobie Dftermanns von ben sieben Bergen am Rhein bereitete bas Auftreten biefes Dichter-Komponisten wirkungsvoll vor, bem auch bie Gießener mit großem Jubel hulbiqten. Dieser Jüngling im grauen Haar zwang seine Zuhörer in seinen Bann. Was seiner Stimme an Glanz unb Lautstärke ahgeht, bas ersetzte sein Ge- bärbenfpiel. In ben Refrain setzte die ausgelassene