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Nr. 5 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhessen)Dienstag, 7. Zanuar (93b

Der Führer beglückwünscht Sonja Heme.

Die Weltmeisterin im Eiskunstlauf, Sonja Heute, trat im Prinzregenten-Eisstadion in München auf. Der Veranstaltung wohnte auch der Führer und Reichskanzler bei, der die berühmte Eis­kunstläuferin durch Ueberreichung eines prachtvollen Blumenstraußes besonders auszeichnete.

(Presse-Illustration Hoffmann-M.)

Rüstungskammer Kerner Osten.

Von unserem 6. p.-Äerichterstatter.

Meter Beton gelegt. Und das alles unter den in meteorologischer Beziehung außerordentlich schwie­rigen Verhältnissen im Fernen Osten, wo der Winter 7 bis 8 Monate dauert, der Frost 60 bis 65 Grad erreicht und es die übrigen vier Monate des Jahres ununterbrochen regnet. Die Arbeiter Hunderttausende von politischen Gefangenen, die bereits den Weiß-Meer-Kanal gebaut haben standen bis zum Leib im Eiswasser. In furchtbaren Schneestürmen wurden Felsen ge­sprengt, reißende Bergflüsse mußten durchwatet, im strömenden Dauerregen Brücken errichtet wer­den. Tausende von Sträflingsarbeitern sind gestor­ben und verdorben. wer zählt sie?

Und nun: Japan wie reagiert es auf diese Kriegsrüstungen Moskaus? Fast täglich kommen neue Nachrichten über die Zuspitzung der Beziehun­gen MoskauTokio, über Grenzzwischenfälle, bei denen es Tote und Verwundete gab, über Bünd­nisverhandlungen undBeistandsverträge", über Ministerbesuche und neueUnabhängigkeitsbewe- aungen", über Abgrenzung der Einflußzonen und Aufteilung neuer Gebiete. Die Bahnbauten der Sowjets werden von Japan seinerseits mit Ver­besserungen der Verkehrsverbindungen in Man- dschukuo beantwortet. Anfang Dezember sind die neuen Linien SypingpaiSiam und Linkau Mischan in Betrieb genommen worden, die eine Sicherung der japanischen Verbindungenim Ernst­fall" und eine Verkürzung des Weges Japan Mandfchukuo zum Ziele haben. Der Ausbau der Fluglinien sorgt für eine weitere Beschleunigung des Verkehrs. Andererseits ist Japan bestrebt, der Ausbreitung des kommunistischen Einflusses in der Aeußeren Mongolei und in China eine Verstärkung seiner eigenen Positionen in Mandfchukuo und in der Inneren Monaolei, und den Rüstungen der Sowjets die Schaffung eigener neuer Stutzpunkte entgegenzusetzen. Beide Seiten rüsten fieberhaft, beide beziehen die Positionen.

Denn die Spannungen nehmen mit jedem Tage zu. In dem Raum zwischen Sowjetrußland, Chine­sisch-Turkestan, Nordchina und der Mandschurei liegt

die Mongolei ein ziemlich vager geographi­scher Begriff, da ihre Grenzen weder gegen China, zu dem sie bisher gehörte, noch gegen Mandfchukuo genau festgelegt sind. Ihr nordwestlicher Teil, die Aeußere Mongolei, ist seit 1925 sowjetistisch, dieMongolische Volksrepublik" der süd« ö st l i ch e Teil ist bereits zu einem Teil Man» dschukuo einverleibt und zu einem anderen japanisch durchdrungen. Noch vor zwei Monaten war es aus- gemachte Sache, daßhier der nächste Weltkrieg aus- bricht'. Inzwischen ist Japan aber zunächst zur Aus­rufung der Unabhängigkeit Nordchinas geschritten, und fernöstliche Strategen argumentieren, daß Japan damit einen wichtigen Schritt derSiche­rung der zweiten Etappe" getan habe. Ein Blick auf die Karte lehrt, daß dieses Gebiet in der Tat für Japan außergewöhnlich wichtig ist. Eine Ausbrei­tung des Moskauer Einflusses über die Aeußere Mongolei und die kommunistischen Provinzen Nord­westchinas nach den gegenwärtig alsunabhängig" erklärten nordchinesischen Provinzen würde stets die Gefahr eines Flankenangriffs und eine Be­drohung der rückwärtigen Verbindungen Japans bedeuten. Vom Standpunkt Tokios war es also ein kluger strategischer Plan, sich Nordchina zu sichern.

Unabhängig davon bleibt jedoch die Mongolei der Zankapfel zwischen Moskau und Tokio. In dem gleichen Maße, wie Tokio die In­nere Mongolei sei es in der Form des offenen Anschlusses an die. Mandschurei oder in der Form der Ausrufung eines neuenunabhängigen Staates" mit feiner Herrschaft durchdringt, ist es bestrebt, auch in der Aeußeren, der sowjetistischen Mongolei Fuß zu fassen. Diesem Zwecke dienten die mandschu­risch-mongolischen Verhandlungen auf der Station Mandschurija, die eine Beilegung der vielen Grenz­zwischenfälle bezweckten und auf denen die mandschu­rische (also japanische) Seite ultimativ die Ernen­nung eines mongolischen Vertreters in Tschangtschun und eines mandschurischen in Ulan Bator verlangte. Damit sollte eine indirekte Anerkennung der Man­dschurei und zu gleicher Zeit eine japanische Kontrolle der Aeußeren Mongolei er-

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Irkutsk (Sibirien), im Dezember 1935.

In Irkutsk und auf den tausenden Kilometern westlich und östlich der Hauptstadt der Baikalpro­vinz herrscht ein für Sowjetoerhältnisse außerge­wöhnliches Betriebsfieber. Hier rollen Züge mit Baumaterialien, mit Artillerie und schwerer Mu­nition, hier werden Flugplätze gebaut und Schie­nenstränge gelegt, hier kommen und gehen Tau­sende von politischen Gefangenen, die unter der Knute des Jnnenkommissariats, der früheren GPU., und in Verhältnissen, die für einen mitteleuropä­ischen Arbeiter geradezu undenkbar sind, schuften hier wird aber vor allem gebaut, gebaut und nochmals gebaut. Denn von hier bis nach dem fernsten Fernen Osten, bis hart an der Küste des Japanischen Meeres und des Tatarensunds, baut der Kreml seine große Aufmarschbasis für die Zukunft.

Es gibt gewiß nicht viel Dinge, die im Rahmen des sogenannten zweiten Fünfjahresplans der Sow­jetindustrialisierung so schnell und so gründlich voll­bracht, die um in der amtlichen Sowjetsprache zu bleiben so reell durchgeführt und so pünktlich erfüllt" wurden, wie die Bauarbeiten im Fernen Osten. Eine kleine Aufzählung, die indessen noch keineswegs den Anspruch auf Vollständigkeit er­heben kann, beweist aber, wie verflucht ernst es den Sowjets mit einer Sicherung der miltärischen und verkehrstechnischen Positionen im Fernen Osten ist. Anfang November wurde ohne daß diese Tat­sache in der Weltpresse die entsprechende Würdi­gung erfahren hätte eine fast 900 Kilometer lange Auto st raße von Chabarowsk, dem Sitz der Fernostregierung und dem Sitz des Stabes der Blücher-Armee, nach dem wichtigsten Hafen der fernöstlichen Küstenprovinz Wladiwostok (Be­herrsche den Osten"!) in Betrieb genommen. In diesen Tagen aber ist ein noch wichtigerer Abschnitt im Ausbau der fernöstlichen strategischen Straßen

erreicht worden: Die A m u r b a h n , der große Umgehungsbogen, der nach dem Fortfall der Chine­sischen Ostbahn für die Sowjets eine ausschließliche Bedeutung als einziger Verbindungsweg nach der Küstenprovinz gewonnen hat, ist von der Station Karymskaja, d. h. dem Punkt, wo die chine­sische Ostbahn von der großen sibirischen Magistrale abzweigt, bis in die Umgegend von Cha­barowskzweigleisig ausgebaut worden. 1500 Kilometer dieser neuen Strecke sind bereits dem Verkehr übergeben, an die restlichen über 500 Kilometer wird die letzte Hand angelegt. Nimmt man hinzu, daß zu gleicher Zeit die große U m - gehungsbahn am Baikalsee im Bau ist, die bei Taischet nordwestlich von Irkutsk begin­nend die Amurbahn bei Magotscha erreichen und den Weg nach Wladiwostok um nahezu 1000 Ki­lometer verkürzen soll, und daß nach einem Vertrag mit der Regierung der Aeußeren Mongolei der Sowjet-Volksrepublik Mongolei eine Serbin» dungs st recke zwischen deren Hauptstadt Ulan Bator und Tschita an der Amurbahn gebaut wird, dann vervollständigt bas nur das Bild der strategischen Bahnbauten der Sowjets, die fieberhaft am Werke sind, um den fernöstlichen Raum und ihre Küstenprovinz strategisch zu sichern und militär- wirtschaftlich zu entwickeln.

Welche Schwierigkeiten hier überwältigt werden müssen und unter welchen Bedingungen die Hun­derttausende der politischen Gefangenen unter der Knute der GPU. auf den 2000 Kilometer östlich von Irkutsk arbeiten müssen, daöon geben die Ver­öffentlichungen der Sowjetzeitungen ein treffliches Bild. In zwei Jahren sind 47 Millionen Kubik­meter Erdreich bewegt worden, davon 8 Millionen Kubikmeter Felsen. 2992 Stations- und andere Gebäude wurden errichtet, 30 Kilometer Brücken gebaut. Es sind 380 Kilometer Rangiergeleise und 1435 Weichen gelegt worden. 1,3 Millionen Faß Zement hat man verbraucht und 700 000 Kubik-

Die Trauerparadezn EbrendesVotschastersMer

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Auf dem Pariser Ostbahnhof, wo der Sarg des deutschen Botschafters Roland Köster, bedeckt mit der Reichsflagge, vor der Ueberführung nach Heidelberg aufgebahrt war, defilierten, nachdem der französische Marineminister Pietri warm empfundene Abschiedsworte gesprochen hatte, je ein Regiment Mobil­garde zu Fuß und zu Pferd und ein Regiment Artillerie mit Geschützen unter Führung eines Generals in Trauerparade vorüber. (Scherl-M.)

Stradivari."

Lichtspielhaus.

Wenn man den Titel lieft, vermutet man zu­nächst, es werde sich wieder um einen jener Mu­siker-Filme handeln, wie sie in letzter Zeit sehr in Mode gekommen sind. Es erweist sich aber bald, daß es weniger um die Geschichte eines Mu­sikers geht die wird nur episodisch gestreift als um die Geschichte eines Instrumentes, jener berühmten Cremoneser Geige nämlich, welche Stradivari 1673 gebaut und, mit einem B auf dem Halse gezeichnet, Beatrice Amati, der Tochter des nicht minder berühmten Geigenbauers, gewidmet und aus Liebe verehrt hat. DieseBeatrice"-Geige, die lange als verschollen galt, ist nach der Legende, ähnlich wie das von gewissen berühmten Edel­steinen erzählt wird, ein Unglücksbringer gewesen: jeder ihrer Besitzer durch die Jahrhunderte hin starb eines frühen und gewaltsamen Todes. Im Schicksalsjahre 1914 so will es die Fabel; Dreh­buch von Ernst M a r i s ch k a taucht das ver­schollene Instrument wieder auf: als Erbstück fällt die Geige unvermutet einem musikalisch sehr be­gabten, jungen ungarischen Honvedoffizier zu, und damit setzt die eigentliche Handlung ein, eine Liebes­geschichte, in der nun freilich, dem ursprünglichen Thema entsprechend, der Musik im allgemeinen (Alois Melichar schrieb die Partitur) und dieser merkwürdigen Geige im besonderen eine entschei­den Rolle zugeteil't ist dergestalt, daß im Rahmen einer fließenden und auch spannenden Spielhand- lung die Geschichte des Instrumentes und der mit ihm verbundenen Schicksale in flüchtigen Bildern durch die abgelebten Zeiten verfolgt wird, wie sie von dem unglücklich liebenden Erbauer zu einem auf der Guillotine endenden Marquis, von die­sem zu einem in Rußland gefallenen napoleo­nischen Obersten, und von diesem zu einem aus Eifersucht im Konzert erschossenen Zigeunerprimas wandert, bis sie endlich dem Budapester Ober­leutnant unversehens in die Hände gerät. Der zweite Teil des Films beschäftigt sich nun damit, auszumalen, wie allen Legenden und schlimmen Vorzeichen zum Trotz, die zunächst auch hier Recht zu behalten scheinen dieBeatrice" zum ersten Male einem Besitzer nicht Unglück bringt, sondern zum Segen gereicht: er kommt, schon totgesagt, aus dem Kriege heim und findet die Geliebte, die er durch die Geige kennenlernte, zum zweiten Male wieder, als sie schon fast einem andern gehört. Die Regie, Geza von Bolvary, hat die schicksalhafte Bindung zweier Menschen, durch ein seelenvolles Instrument sehr anziehend gestaltet und das Motiv

nicht nur musikalisch, sondern auch bildhaft, mit der Kamera, zu erfassen verstanden. (Das gleiche Motiv hat sich übrigens schon früher im Film als dankbar erwiesen.) Den Oberleutnant spielt Gustav Früh- l i ch; wir haben ihn bereits des öfteren, z. B. in denAbenteuern eines jungen Herrn in Polen", in ähnlicher Umgebung und in der gleichen Uni­form spielen sehen, die ihm vortrefflich steht; aber das ist ja nun nicht ausschlaggebend, er beginnt zwar so unverbindlich-harmlos und obenhin wie in den belangloseren Rollen, die man ihm in letzter Zeit gab, findet sich aber bann in ein mehr verinner­lichtes Spiel und erweist sich der Partnerin würdig; das ist Sybille Schmitz, die hier, ganz auf der Linie der großen und interessanten Filme, in denen sie zuletzt mitwirkte, mit ihren bestechend sparsamen Mitteln, sehr einfach, aber sehr glaubhaft und aus­drucksvoll die Geigerin Maria darstellt. Um diese beiden wichtigsten Figuren gruppiert sich ein viel­gestaltiges Ensemble, in dem sich Harald Paul­sen, Albrecht Schoenhals, Hans L e i b e l t, Veit Harlan, Hilde Krüger, Elisabeth Wendt, Theodor Loos und Aribert Wäscher in mehr oder minder bedeutenden Aufgaben her­vorheben (Rota-Film.)

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Im Beiprogramm sieht man die neue Ufa- Wochenschau und hübsche Aufnahmen von Wild­schwänen auf dem Müritz-See in Mecklenburg.

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Aus derGeschichie derVriefmarke

Ium Tage her Vriefmarke: 7. Januar

Die Geschichte der Briefmarke beginnt in einem Dorf in Schottland. In einer Gastwirtschaft, in der ein Reisender er hieß Rowland Hill beobachtete, wie ein junges Mädel einen Brief, den ihr der Briefträger übergeben wollte, nachdem sie einen raschen Blick darauf geworfen hatte, zurück­wies, weil sie das hohe Porto nicht bezahlen könne. Nun erschien das allerdings glaubhaft, denn das Postporto war damals für die meisten Menschen wirklich unerschwinglich. Aber Hill traute der Sache doch nicht recht, und bald hatte ihm die hübsche junge Person denn auch ihr kleines Geheimnis ge­beichtet. Sie und ihr Verlobter hatten tatsächlich kein Geld für das teure Briefporto, machten es aber so, daß sie auf den Briefumschlag aller­hand Zeichen schrieben, die nur sie verstanden. Wenn der Brief nun eintraf wurde er zurückgewie- sen, aber während man ihn einen Augenblick in der Hand hielt, las man schnell die geheime Lie­

besbotschaft und wußte, was man wissen wollte.

Dieser kleine Schwindel hat zur Einführung der Briefmarke geführt: Hill erkannte plötz­lich das Unsinnige dieser Postverhältnisse. Zwei Jahre später, im Jahre 1840, hatte er es durchge­setzt, daß für alle Briefe bis zu einem bestimmten Gewichtssatz das billige Penny-Porto eingeführt wurde; zugleich wurde auch die erste aufklebbare Briefmarke herausgegeben, eine kleine ungezähnte Marke, die auf schwarzem Grund das Profil­bild der Königin Viktoria trug.

Uebrigens hat es ein merroürbiger Zufall gefügt, daß diese erste Briefmarke doch schon eine Vor­gängerin besaß. Was allerdings erst vor zwei Jah­ren bekannt wurde. In einem kleinen griechischen Dorf fand man auf alten Briefen eine Marke, die schon im Jahre 1831 und zwar auf der Insel Poros ausgegeben wurde. Aber als Vorbild der ersten englischen Marke kann dieses Stück dennoch nicht betrachtet werden, denn die Erfindung der ersten englischen Marke vollzog sich völlig unabhängig von ihr. Man weiß auch nicht mehr, wer ihr Er­finder war.

Neun Jahre nach der Einführung der englischen Briefmarken kam in Bayern d i e erste deutsche Briefmarke heraus. In einer Papierfabrik in Pasing bei München wurden 832 500 Stück ge­druckt und sorgfältig gummiert. Auf zwölf bayerische Maß Wasser kamen sechs Pfund Gummi und ein Pfund Zucker. So war der Gummi zusammen­gesetzt, daß er beim Befeuchten nicht allzu übel schmeckte. Dieserschwarzen Einer", die heute noch der Wunschtraum der Sammler ist, folgten ein Jahr später die ersten preußischen Briefmarken. Aber ebenso wie in Bayern ging es auch im Nor­den der deutschen Heimat: die Menschen sträubten sich gegen die Neuerung und wollten lieber dabei bleiben, für jeden Brief das P o st g e l d zu bezah­len, als eine Marke drauf zu kleben, was ihnen weniger sicher erschien.

Aber dann setzte sich die Briefmarke doch Über­raschend schnell durch, und die glattrandigen rosa Marken mit dem von Eduard Eichens gestoche­nen Kopf des Königs und dem Lorbeerkranz als Wasserzeichen wurden sogar Überall aufrichtig be­wundert. Seitdem sind auf der Erde nahezu 60000 verschiedene Arten von Briefmar­ken herausgekommen, wobei Nicaragua mit mehr als 1000 Markensorten zahlenmäßig an der Spitze steht. Sogar Andorra, die Republik an der franzö­sisch-spanischen Grenze, mit ihren 5200 Einwohnern hat seit neuester Zeit ihre eigenen Briefmarken. Sie ist das kleinste Markenland der Welt.

Viele Stücke aus den Briefmarkenmassen, die im Lauf der fünfundneunzig Jahre, die zwischen der

ersten schwarzen Penny-Marke und heute liegen, ihren Weg in die Welt genommen haben, sind zu Kostbarkeiten geworden, deren Wert oft alle Vorstellungen übersteigt. Und manche dieser Mar­ken verdanken es eigentlich nur einem Zufall, daß sie so berühmt und gesucht wurden. So kam es im Jahre 1851 einmal, daß hundertzwanzig säch­sische halbe Neugroschen-Marken irrtümlich statt in grauer in blauer Farbe gedruckt und ebenso irr­tümlich dreiundsechzig Stück verkauft wurden, ehe man den Irrtum bemerkt hatte. Man vergaß die wenigen Fehlstücke. Aber dreißig Jahre später machte ein Markenforscher auf diese dreiundsechzig Fehldrucke aufmerksam, und nun setzte eine fieber­hafte Suche nach diesen kostbaren blauen Stücken ein. Schließlich entdeckte man durch Zufall, daß seinerzeit eine große Leipziger Firma einen Posten dieser Marken gekauft hatte, sie aber, als man den Fehler bemerkte, umtauschen wollte. Der Umtausch war jedoch aus irgend einem Grund unterblieben. Man suchte also in den alten Briefschaften der Firma und fand tatsächlich noch zehn ungebrauchte Stücke der gesuchten Fehldrucke. Sogar ein Brief fand sich noch, der eine solche und zwar bereits ge­stempelte Marke trug. Der Wert dieses Briefum­schlags ist heute nicht mehr zu schätzen.

M. A. von Lütgendorff.

Zeitschriften

Verantwortungsbewußte Staatsmänner be­schwören in ihren Reden und Kundgebungen immer wieder jene Stunden des Juli 1914 herauf, in denen Europa, schwankend zwischen Hoffnung und Furcht, ein scheinbar unabwendbares Schicksal herannahen sah, bis die mobilgemachten Heere des russischen Zaren auch die letzte Friedenshoffnung zunichte machten. Welche Erwägungen der Mobil­machung vorausgingen, welche Aufmarschpläne im Frieden ausgearbeitet waren, welche Ausführungen sie im August 1914 erfuhren, schildert eine Aufsatz- jerie in denBerliner Monatsheften", Zeitschrift zur Vorgeschichte und Geschichte des Weltkrieges (Quaderoerlag GmbH., Berlin W15), die in dem vorliegenden Januarheft mit einer Darstellung der Mobilmachung Serbiens und Mon­tenegros aus der Feder des Staatsarchivars am Wiener Kriegsarchiv Major a. D. Dr. Eduard Czegka beginnt. In den folgenden Heften werden erste Sachbearbeiter die Mobilmachung der übrigen Staaten behandeln. Dem Aufsatz sind vorzügliche Skizzen und Bilder beigegeben. Jeder militärisch und politisch Interessierte wird daraus reiche Be­lehrung schöpfen und die mögliche gefahrvolle Ent­wicklung der Krisen, die auch heute wieder Europa bedrohen, klarer erkennen.