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Oberheffen.

Das Geheimnis um die Knobeismühle.

Oie Kriminalpolizei klärt -ie mysteriösen Brände auf.

LPD. Frankfurt a. M., 5. Nov. Der un-

Aus -en preußischen Nachbargebieten.

Gefängnis verurteilt worden waren, wurde auf Kosten der Angeklagten verworfen, da sie zum gestri­gen Termin nicht er,chienen waren.

Der Angeklagte K. W. R. aus Lauterbach war durch Urteil des Amtsrichters in Lauterbach wegen Untreue zu sechs Wochen Gefängnis und 3 0 0 R M. Geldstrafe verurteilt worden. Gegen dieses Urteil hatte er Berufung eingelegt. Das Ge­richt hatte auf Grund der Beweisaufnahme die Ueberzeugung erlangt, daß sich der Angeklagte nicht einer Untreue, sondern einer Unterschlagung schuldig gemacht hatte, indem er als Provisionsvertreter einer Bremer Firma Waren dieser Firma in deren und auch in seinem eigenen Namen teils unter Preis verkauft und das Geld für sich verbrauchte. Obwohl ihm von der Firma die Befugnis zum Inkasso ent­zogen worden war, hatte er trotzdem Beträge ein­kassiert und für sich verwandt. Da jedoch der Schaden von dem Angeklagten gedeckt ist, glaubte das Gericht, daß eine höhere Strafe als ein Monat Gefängnis oder eine Geldstrafe von 1000 RM. nicht verwirkt sei, und es stellte das Verfahren auf Grund des Straffreiheitsgesetzes ein.

fahrene Beamte nach der Knobelsmühle entsandte. Obwohl die Brände zum Teil schon sehr lange zurückliegen, war das Ergebnis überraschend. Es wurde festgestellt, daß der letzte Brand im August 193 6 einwandfrei durch Blitzschlag entstand und der erste Brand im Jahre 1928 offenbar durch eine mangelhafte Lichtleitung her­vorgerufen wurde. Bei den Bränden in den Jah­ren 19 3 0 und 1932 handelt es sich jedoch um vorsätzliche Brand st iftung. Auf dem Erb­hof waren damals zwei Stiefbrüder als Knechte beschäftigt. Einer von ihnen hatte einige Tage vor dem Brande im Jahre 1930 feine Stellung ohne Grund aufgegeben, weil es ihm angeblich bei seinem Arbeitgeber nicht mehr gefiel. Ein dritter Bruder, der nicht auf dem Erbhof tätig war, ver­abredete nun mit feinen beiden Brüdern, aus der Feldscheune Kartoffeln zu stehlen und das Gebäude dann anzuzünden. Dieser Plan wurde ausgeführt. Während des Brandes kehrte jedoch der eine der Brüder, der noch niemals auf dem Hofe tätig war, an die Brandstelle zurück und beteiligte sich hier an den Löscharbeiten. Dabei wurde er durch eine herabfallende Starkstromleitung getötet. Der Bruder, der im gleichen Jahre seine Beschäftigung auf dem Hofe aufgegeben hatte, nahm hier seine Tätigkeit wieder auf und zündete die Feldscheune im Jahre 1932 vorsätzlich an. Vom Pferdestall aus beobachtete er, wie sich das Feuer langsam durchfraß und alarmierte schließlich die Bewohner, als die Flam­men zum Scheunendach herausschlugen.

Die Täter sind in vollem Umfange geständig. Durch die Aufklärung dieser Brände ist dasGe­heimnis der Knobelsmühle" gelüftet und der Ver­dacht der Täterschaft, der sich im Laufe der Jahre ab und zu gegen unschuldige Personen richtete, voll­ständig beseitigt.

Landkreis Gießen.

* Annerod, 5. Nov. Der Zweigverein der Gustao-Adolf-Stiftung feierte in unserer schönen Dorfkirche sein diesjähriges D e - Eanatsfeft. Vor einer Festgemeinde von über 400 Teilnehmern predigte im Hauptgottesdienst, der durch einen eindrucksvoll vorgetragenen ChorEr­halt' uns Herr bei deinem Wort" der ersten Schul­klasse unter Leitung ihres Lehrers, Müller, ver­schönt war, Pfarrer Weiß aus Darmstadt über Ephes. 2:Nicht mehr Gäste und Fremdlinge, son­dern Bürger und Gottes Hausgenossen". In der Nachversammlung erstattete Pfarrer Becker aus Gießen als Vertrauensmann den Jahresbericht in Anlehnung an 2. Kor. 5.:Die Liebe Christi dringet uns also". Pfarrer Weiß sprach nach dem Text 1. Tim. v. 12 über Kampf des evangelischen Deutschtums im Ausland. Für die Kirchenbehörde grüßte Dekan Sattler aus Wieseck mit einer Betrachtung von Luc. 9 v. 60. Begrüßungs- und Schlußwort hatte der Ortsgeistliche. Die Anneröder Hausfrauen, insbesondere die Mitglieder der Evan­gelischen Frauenhilfe, bewirteten in der Nachmit­tagspause die auswärttgen Gäste mit Kaffee und Kuchen. Ihnen, sowie allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen haben, sei herzlich gedankt, ebenso für die Festkollekte von 50 Mark, die dem Gustav-Adolf-Verein zur Unterstützung hilfsbedürf­tiger evangelischer Gemeinden überwiesen werden konnte. An Schriften konnten für 12 Mark abge­setzt werden. Hoffen war, daß durch das in allen Teilen wohlgeratene Fest der Sinn für die so nö­tige G.-A.-V.-Arbeit geweckt und gestärkt wird. Eine Reihe Gemeindeglieder meldete sich zur Mitglied­schaft im G.-A.-V.

00 Großen-Linden, 6. Nov. Am morgigen Samstag, 7. Nov., feiern der langjährige Bahn­arbeiter Heinrich Klaum und feine Ehefrau Luise, geb. Dutenhöfer, das Fest der goldenen Hochzeit. Der Jubilar hat das 73., die Jubi­larin das 72. Lebensjahr zurückgelegt. Das Ehe­paar hat acht Söhne, von denen einer im Kriege gefallen ist, die weiteren sieben Söhne mit 21 En­keln können das schöne Fest ihrer Eltern bzw. Großeltern mit erleben.

D Harbach, 5. Nov. Bei einem Gang durch Harbach fallen dem aufmerksamen Beobachter die verschiedensten H o f f o r m e n auf. Mit Ausnahme von einigen Neubauten sind überall die Ställe und Wirtschaftsgebäude von den Wohnräumen getrennt. Die Verteilung im Hofraum und die Richrung der einzelnen Gebäude zueinander sind grundverschie­den. Oft wechselt ihre Anordnung nicht nur von Straße zu Straße, sondern sogar von Hof zu Hof. Meistens ist in der Gesamtanlage gewisse Symme­trie gewahrt. Selten kommt es vor, daß die einzel­nen Gebäude regellos aufgebaut wurden. Bei den meisten Höfen trifft man die rechtwinklig geordnete Bauform an. Am zahlreichsten vertreten sind die H a k e n h ö f e. Bei ihnen können wir zwei Grup­pen unterscheiden: solche, die nach links, und solche die nach rechts geöffnet sind. Sie stoßen jeweils an das Nachbarhaus an und erhalten dadurch einen sicheren Seitenabschluß. An zweiter Stelle stehen zahlenmäßig die H u f eis e n h ö f e. Den Abschluß nach der Straßenseite bildet hier ein Lattenzaun. Oft ist auch dieser nicht vorhanden. Parallel­höfe gibt es in Harbach nicht. Ebenso fehlen die Gevierthöfe, bei denen vier Gebäude in qua­dratischer, oder rechteckiger Form den Hof umschlie­ßen. Dafür kommt aber das in der hiesigen Gegend ziemlich seltene Langhaus zweimal vor. Ebenso trifft man das in der Pfalz und am oberen Main bekannte W o h n st a l l h a u s. Es zeigt insofern Haus, als auch hier die Stallungen unter den Wohn­ei ne gewisse Aehnlichkeit mit dem Schwarzwald­haus, als auch hier die Stallungen unter den Wohn­räumen liegen.

* Allertshausen, 6. Nov. Der hiesige 40- jährige Arbeiter Heinrich Hill gärtner wurde gestern von einem Auto gestreift und erlitt dabei Verletzungen am linken Fußknöchel und am linken Ellenbogen. Der Verunglückte mußte zur Behand­lung in die Klinik nach Gießen gebracht werden.

Kreis Alsfeld.

. Homberg, 5. Nov. Am Montag ist in sämtlichen Förstereien des Forstamtes Homberg mit den Holzfäller arbeiten der Anfang ge­macht worden. In unserem Kreise herrscht z. Z. eine rege Tätigkeit, die durch die Erbauung der Reichsautobahn noch erhöht wird, so daß

sämtliche Volksgenossen nun in Arbeit und damit in Brot sind. Im Rahmen des Vierjahresplanes steigert sich die Arbeit an den Forstämtern. Denn es handelt sich dabei nicht nur um das Fällen des Holzes als Brenn- und Werkholz, sondern indirekt auch um die Gewinnung von Rohstoffen.

* Lehnheim, 6. Nov. Der hiesige etwa 44 Jahre alte Landwirt Otto Gauß wurde dieser Tage von einem Kraftwagen angefahren und zu Boden geschleudert. Der bedauernswerte Mann er­litt einen Oberschenkelbruch und mußte in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden.

Kleine Strafkammer Gießen.

Die Berufung der Angeklagten Chr. K. und A. K. aus Frankfurt gegen das Urteil des Amtsrichters in Alsfeld vom 15. 7.1936, durch das sie wegen ge­meinschaftlichen Diebstahls zu je zwei Wochen

mittelbar bei Bad Homburg gelegene Erbhof Knobelsmühle wurde lange Jahr hindurch von der Bevölkerung als Unglückshos bezeichnet. Zwar wirtschaftete der Besitzer des Hofes, der Erbhofbauer M i l f e, vorbildlich auf feiner Scholle, aber in den letzten Jahren wurde er im­mer wieder durch Brandunglücke heimgesucht, die ihn wirtschaftlich stets schwer trafen. Trotzdem ließ er den Mut nicht sinken und arbeitete mit seinen Angehörigen nach ehrbarer Bauernart weiter.

Die Brände erfolaten jedesmal dann, wenn i m Herbst bie gesamte Ernte unterge­bracht war, so daß das Feuer stets reiche Nah­rung fand. So brannten im Herbst 1928 die Hos- scheune und die daran angebaute Feldscheune ab. Im Herbst 1930 wurde die neu erbaute Feld­scheune ein Raub der Flammen. Bereits zwei Jahre später, also im Herbst 1932, brannte die Feldscheune abermals nieder, und zwar an dem Tage, an dem in dieser Scheune gedroschen worden war. Schließlich wurde die Hofscheune im August 1936 eingeäschert.

Nach dem zweiten und dritten Brand beschäftigte man sich in der Oesfentlichkeit sehr eingehend mit den Ursachen der Brände. Es traten Wün­schelrutengänger in Tätigkeit, die Wasser­adern und Erdgase in dem dortigen Gelände feststellten, und es gab schließlich ein Für und Wi­der über die Möglichkeit, daß die in dem sumpfigen Gelände vorhandenen Gase durch irgendeine Rei­bung oder eine Erschütterung des Erdbodens sich entzündeten und die Brände verursachten.

Nach dem letzten Brand im August 1936 mürbe die Landeskriminalpolizei Frankfurt a. M. mit der Ermittlung der Brandursachen beauftragt, die er-

EchwererVerkehrsunfattaufderStraße FellingshausenFrankenbach.

* Fellingshausen, 6. Nov. Gestern ereig­nete sich auf der Straße zwischen Fellingshausen und Frankenbach ein schwerer Verkehrs- Unfall. Ein mit fünf Personen besetzter Kraft­wagen aus Wiesbaden geriet auf der regenfeuchten Straße ins Schleudern und fuhr heftig gegen einen Baum. Von den Insassen erlitt der 69jährige Postschaffner i. R. Peter Brück aus Wiesbaden, ein gebürtiger Erdaer, einen Becken­bruch. Seine Frau trug erhebliche Ver­letzungen im Gesicht und an den Unter­schenkeln davon. Der schwer Verunglückte wollte zur Beerdigung seines Bruders nach Wilsbach, mußte nun aber sofort in die Chirurgische Klinik nach Gießen gebracht werden. Die übrigen Insassen erlitten nur leichtere Verletzungen. Der Wagen selbst wurde schwer beschädigt. Der Unfall ist um so tragischer, als der Wagen vom Schwiegersohn der Verunglückten gesteuert wurde.

Denkwürdige Ballonlandung vor 100 Jahren.

Der erste Dallonflug von England zum Festlande.

LPD. Weilburg, 5. Nov. Am 7. November 1836, also vor 100 Jahren, landete der englische Professor Charley Green aus London, nachdem er zuvor mit seinen zwei Begleitern einen vergeb­lichen Landungsversuch bei Limburg unternommen hatte, mit seinem tags zuvor bei London gestarteten Kohlenwasserstoff-Ballon bei der Lochmühle bei Dillhausen, zwei Stunden nördlich von Weilburg. Der zu diesem ersten Festlandsflug Greens verwandte Ballon hatte ein Fassungs­vermögen von 81 671 Kubikfuß und legte die in der Luftlinie 600 Kilometer betragende Sttecke nach 18ftündiger Flugdauer zurück. Bei der Landung verfing sich der Ballon mit dem Ballonanker in einem Zroetschenbaum und entwurzelte diesen. Einige Arbeiter standen jedoch den roagemutigen Luftreisenden bei, und so glückte diese erste Festland­fahrt Greens ohne weitere Zwischenfalle. Die drei Luftschiffer stiegen in Weilburg ab, während der Ballon in der Reithalle des Weilburger Schlosses,

Wege im Nebel.

Roman von Käthe Mehner.

(Copyright by Auswärts-Verlag, Berlin SW 68.)

1. Fortsetzung. (Nachdruck verboten.)

Das hat lange aufgehört! Wir leben neide im Grunde nebeneinander her. Ich glaubte damals, daß mit etwas gutem Willen alles ganz gut gehen würde, glaubte, mich aus Dankbarkeit an ihn bin­den zu müssen, dachte, daß ich ihn mit der Zeit vielleicht sogar Heben lernen würde. Es war em Irrtum, ein schrecklicher Irrtum!"

Aber warum geht ihr dann nicht lieber ausein­ander, wenn ihr euch nicht mehr versteht?"

Ja siehst du, das ist ja eben das Unverständ­liche, Widerspruchsvolle an Rolf! Einmal in all der Zeit habe ich es gewagt, es ihm nahezulegen, daß wir uns lieber trennen sollten, wenn ich ihm nichts recht machen könne, wenn wir uns in vie­len Dingen so gar nicht verstünden. Da ist er fast tobsüchtig geworden vor Zorn. Das also war- der Dank für alles, was er an mir getan hatte! Nie, niemals gäbe er mich gutwillig frei!"

So liebt er dich also trotz allem siach?

Gewiß, nach dieser Szene kann ich ja nicht mehr daran zweifeln. Nur, fast fürchte ich mich ost vor dieser Leidenschaft, die ihn zu solchen Ausbrüchen hinreißt. Mit wirtticher Liebe hat das bet ihm gar nichts zu tun. Alles ist für ihn nur auf die Be­friedigung feiner augenblicklichen Laune gerechnet. Din ich bei ihm, so kümmert er sich nicht am mich, will ich ihn aber verlassen, so tut er, als ob er ohne mich nicht leben könne, wirft nur schwärzesten Unbant vor! Daß er mid) mit Eiserricht pemigt und quält, wirst du dir nach alledem leicht denken können. Ach, Olga, ich weiß oft nicht, rote das noch enden soll...

Fast schluchzend brach Janna ab.

Mit wachsendem Erstaunen hatte Olga zugehort. Don dieser Entwicklung der Dinge hatte sie aller- dings nichts geahnt. Jeder, der Janna kannte, hatte sie nur beneiden können, da sie an der Seite des bekannten Geologen, der allgemein außerdem als ein reicher Mann galt, einem sorglosen, allen

Genüssen des Lebens offenen Dasein entgegensah. Nur die wenigsten kannten die traurige Vorgeschichte aus Sannas Leben, daß Janna ihren ersten Ver­lobten Gerhard Brand durch einen entsetzlichen Un­glücksfall verloren, dann Ralf Rammelt nur auf den letzten Wunsch ihres sterbenden Vaters und aus tiefer Dankbarkeit ihr Jawort gegeben hatte. Aber auch Olga Willnoff, die zu diesen wenigen Eingeweihten gehörte, hatte Janna für glücklich gehalten. Und nun war alles ganz anders, vielleicht dachte sie sogar daran, sich von Rammelt zu lösen...?

Sinnend blickte Olga Willnoff vor sich hin. Ihre fest zusammengepreßten Lippen verrieten, daß ein eigenartiger Gedanke sie beschäftigte. Doch klug und beherrscht wußte sie ihn wohl zu verbergen. Und schon klang auch Sannas Stimme in ihre Be­trachtungen:

Natürlich, über einen Ausflug in die Stadt darf ich ja doch noch verfügen. Wenn du also Lust hättest, Olga, so könnten wir vielleicht noch auf eine Stunde ins ,Casö Zentral* fahren! Es ist sehr hübsch dort, und man kommt doch einmal auf andere Gedanken!"

Bereitwillig stimmte Olga zu.

Sehr große Lust sogar! Nichts, was ich lieber täte!"

Sanna erhob sich, drückte zweimal auf die Klingel, überlegte kurz, als das Mädchen erschien und sagte bann:

Wenn Frau von Bergmann zurückkommt, richten Sie ihr bitte aus, daß ich mit Fräulein Willnoff noch in die Stadt gefahren bin."

Sm Noten Saal desCafe Central" tanzten fünf, sechs Paare. Einschmeichelnde Musik ertönte, während Sanna und Olga den mittelgroßen, ge­schmackvoll dekorierten Raum betraten.

Olga ging mit geübter Sicherheit voran, fand schnell eine seitliche Nische, von der aus man die Tanzfläche gut übersehen konnte, und sie ließ sich dann aufatmend in einen der roten Sessel fallen. Sprang bann schon wieder auf, winkte dem Ober, der bie Bestellung ber beiben Damen mit höflichem Lächeln über Olgas sprunghaftes Wesen entgegen« nahm. Sannas sicheres, ruhiges Auftreten bildete zu ihr einen wohltuenden Kontrast.

Doch eben, als die Tanzkapelle von neuem be­gonnen hatte zu spielen, schien auch die stille fast in sich gekehrte Sanna plötzlich in eine heftige Erregung versetzt.

Da, Olga, sieh nur!"

Shre Hand umklammerte den Arm ber Freunbin fast krampfartig, babei beutete sie erregt auf einen großen schlanken Herrn, ber sich zwischen ben Tan­zenden bewegte und gerade seine Partnerin an ihren Platz führen wollte.

Olga, sag selbst, sieht er nicht aus wie Gerhard, ist das nicht Gerhard Brand? Wenn ich nicht wüßte, daß er es nicht sein kann, daß er tot ist, ich würde... mein Gott..."

Aber Sanna! So beruhige dich doch! Sei doch vernünftig! Sieh doch nur hin, jetzt! Es ist nichts weiter als eine allerdings verblüffende Aehnlich­keit! Nichts weiter!"

Freilich! Die Toten kommen nicht wieder! Aber diese Aehnlichkeit!"---

Minutenlang verfielen beide in Schweigen. Sebe hing ihren Gedanken nach. Beide Frauen dachten an Gerhard Brand.

Wieder zogen wie im Fluge die vergangenen Sahre an Sanna Heller vorbei. Die Sahre vor ihrer Verlobung mit Ralf Rammelt! Die Sahre, in denen sie noch frei, sorglos, unendlich glücklich war! Sie selbst noch in der Schule, fröhlich, ungebunden, zum erstenmal verliebt... verliebt in den jungen Snge- nieur Brand, ber sie zu feiner Frau machen wollte, wenn erst bie große Snfpeftionsreife nach Süd­amerika, die er im Auftrag feines Bruders und der Brand-Werke unternehmen sollte, geglückt war.

Verstohlen wischte Sanna bie aufsteigenden Trä­nen von ihren Wangen. Zu sehr überroältigte die Erinnerung sie. Wie sie und Gerhard Abschied ge­nommen, wie sie auf ihn gewartet hatte! Wie dann plötzlich die Nachrichten über ihn ausblieben. Wie man endlich die Schreckensbotschaft brachte, er sei vermißt, mit dem Flugzeug abgestürzt in den furcht­baren Niederungen des Amazonas ... Sebe Ret­tungsexpedition war vergeblich gewesen. Und doch hatte sie lange noch immer gehofft, lange. Aber zuletzt hatte niemand mehr an seine Rückkehr glau­ben können. Und bann hatte sie, müde und ver­zweifelt, zuletzt Ralf Rammelt ihr Wort gegeben, ber in der schweren Krankheit des Vaters geholfen, sie alle vor dem Ruin bewahrt hatte...

nachdem man ihn mit Hilfe einer Kornfege zum Teil aufgeblasen hatte, zur Besichtigung ausge­stellt wurde. Den englischen Gästen verlieh der Magistrat der Stabt Weilburg bas Ehrenbürger- recht. Bis zur Abreise ber Ballonbesatzung am 20. November 1836 roar Weilburg das Ziel Tau­sender, die ben Ballon eingehend besichtigten.

Die Reichsautobahn durch das Dillgebiei.

LPD. Dillenburg, 5. Nov. Sn einer Sitzung ber Snbuftrie» und Handelskammer Siegen-Olpe- Dillenburg wurde u. a. mitgeteilt, daß spätestens im kommenden Sahr bie Vorarbeiten für die Reichsautobahn Köln S i e ge n Kas - fei ausgenommen werden, während ein Zeitpunkt für bie Einleitung der Vorarbeiten für bie Strecke HagenSiegenDillenburgFrankfurt a. M. noch nicht angegeben werben kann. Doch ist im Sahre 1938 mit ber Aufnahme ber Bauarbeiten zu rech­nen. Das Projekt sieht bie Linienführung von Olpe über EiserfeldHaiger und bann westlich an Dillen­burg vorbei nach Gießen vor, wo die Linie An­schluß an die Teilstrecken Gießen Bab - Nan­heimF r a n k f u r t a. M. bzw. Gießen Hersfelb finben wird.

2 Landjugend vor der Winterarbeit.

NSG. Für bie Jugend auf dem Lande bringt die von Reichsnährstand und Hitler-Jugend ge­tragene Bildungsarbeit eine Fülle neuer Gedanken und Ziele, denn bie neuen Aufgaben des deutschen Bauerntums müssen im Bewußtsein ber heran- wachsenben Generation verankert werben, wenn ber Kampf der Bewegung um eine bessere Zukunft nicht umsonst gewesen sein soll. Um ber Land- jugenbarbeit in unseren hessen-nassauischen Dörfern neue Anregung zu geben, wurde durch die Landes-

Wer am 8. November Einlopf lhl, bringt fein

Opfer dem Glück der deutschen Ration!

bauernschaft ein Schulungslager veranstaltet, das acht Tage hindurch Die Jugendwarie und Jugend- roartinnen der Kreis- und Bezirksbauernschaften im FrankfurterHaus der Jugend" zusammen­hält. Landesbauernführer Dr. Wagner, ber Führer bes Gebietes 13, Oberbannführer Brandt, und Obergauführerin Elfe Riese bezeugten durch ihre Ansprachen Interesse an diesem Schulungs­lehrgang, der der Erziehung unserer Jugend zu bodenständigen Menschen dient.

Herr Hase ver-Koh1"t uns.

DerHase" lieft zwar keine Zeitung, Davon weiß heute jedermann. Jedoch vertrete ich die Meinung, Daß man von ihm auch lernen kann!

In einer wirtschaftlichen Frage

Sind uns die Hasen weit voraus: Ein Hase bringt in jeder Lage Zu jeder Zeit sich Kohl ins Haus. Er ißt ihn gern von ganzem Herzen, Ißt ihn zu feder Tageszeit, Wir aber ich bekenn's mit Schmerzen Sind selten mal dazu bereit

Gar manche Mahlzeit in vier Wochen Zu unserm eignen besten Wohl So herrlich schmackhaft uns zu kochen Von unferm guten deutschen Kohl!

Ich denk, wir machen's wie die Hasen Und essen fortan Kohl zu Häuf, Weil wir es in ber Zeitung lasen: Nutzt jetzt ben bill'gen Kohlverkauf!"

Nicht gleich tragisch nehmen. Ern bißchen Schaumwein fürti wunde Herz und alles ist halb so schlimm!

SCHAUMWEIN

Die Musik eines neuen Tanzes schreckte Janna aus ihren Gedanken. Fast mit Staunen bemerkte sie, bah Olgas Gesicht seltsam verändert, beinahe verzerrt erschien.

Und in der Tat, auch Olga Willnoff hatte ihre Gedanken, so eigenartige Gedanken, daß es Janna den Atem verschlagen hätte, hätte sie gewußt, wo­mit sie sich beschäftigten!

Denn auch Olga dachte an Gerhard Brand! Auch sie liebte ihn auf ihre Weise, hatte ihn Sanna vor Sahren schon nicht gegönnt, als noch die ersten zarten Beziehungen zwischen ihm und ber Schul­freundin sich anknüpften ...

Aber nur sie allein wußte jetzt um bas große Geheimnis, das sie in heimlicher Absicht und Be­rechnung bisher für sich behalten und ber Freundin verschwiegen hatte:

Gerhard Brand lebte!!

Gerhard Brand war zurückgekommen, war nach unsäglichen Mühen und Qualen dem brasilianischen Urwald entronnen! Sie, Olga Willnoff, war eine der ersten gewesen, die ihn durch einen glücklichen Zufall gesehen hatte! Sm Hamburger Hafen war es gewesen, vor Tagen schon! Voller Ungeduld hatte Gerhard sie sofort nach Sanna gefragt...

Unwillkürlich krampfte Olga die Hände ineinander.

Wie früher, so hatte Gerhard sie auch jetzt kaum beachtet, auch jetzt noch schien nur Sanna, immer nur Sanna für ihn zu existieren. Wohl hatte sie ihm auf seine Frage nicht offne innere Genugtuung geantwortet, daß Sanna nicht mehr frei sei, sich mit Ralf Rammelt verlobt habe. Aber sie hatte es genau gefühlt, gewonnen roar für sie selber nichts, gar nichts! Wie von Sinnen hatte Gerhard sie nur angestarrt, hatte in dumpfem Ton nur immer roieber gefragt:Verlobt? Sanna mit Rammelt verlobt?!" Dann roar er fortgestürzt...

Sannas Stimme weckte sie plötzlich aus ihrem Sinnen.

Sch halte das nicht mehr aus Olga! Sch muß wissen, wer dieser Herr ist, ich muß mit ihm spre-. chen, muß Gewißheit haben!"

Sanna hatte sich bereits von ihrem Litze er­hoben. Sn unnatürlichem Glanz strchlten ihre Augen.

(Fortsetzung folgt)