der oberen Fröbelstraße, an zwei Einfamilienhäusern in der Graudenzer Straße, an fünf Häusern am Nahrungsberg, an drei Wohnungsbauten am Wartweg, an einem Wohn- und Geschäftshaus am unteren Aulweg, ferner an Neubauten im Gün- thersgraben und in der Marburaer Straße, an zwei Häusern im Stadtteil über der Lahn und an einem Wohnhausbau in der Ederftraße. Durch die Fertigstellung dieser Wohnungsbauten, die teilweise noch in diesem Jahr bezugsfertig werden, ist ein Neuzugang von ca. 50 Wohnungen zu erwarten.
EPNH. Der Vorstand der hessischen Inner en Mission umgestaltet. Der seitherige Vorsitzende des hessischen Landesoereins für Innere Mission, Pfarrer Wagner (Darmstadt), hat sein Amt aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt. An seiner Stelle wurde der bisherige Direktor des Landesvereins für Innere Mission, Pfarrer Röhricht (Darmstadt) zum Vorsitzenden gewählt. Dieser gibt demnächst sein Amt als Direktor des Hessischen Landesoereins auf, um die Pfarrstelle in Nieder-Ramstadt zu übernehmen. Zu feinem Nach-
Marine-Besuch in Gießen.
Die Gießener Freunde der Marine hatten gestern einen „großen Tag". Eine Wanderstreife vom Kreuzer „Leipzig" weilte in unserer Stadt! Der Marine-SA.-Sturmbann 11/34 hatte zu Ehren der Gäste zu einem Kameradschaftsabend im Heim der Marine-Kameradschaft Gießen (Marinebootshaus) eingeladen. Zu dieser Veranstaltung waren neuen den unmittelbar mit der Marine verbundenen Einheiten (Marine-Kameradschaft Gießen, Marine-SA.-Stürme 11/34, 12/34, 13/34 Gießen, Marine-Hitler-Jugend Gießen) u. a. auch Vertreter der Kreisleitung, der Wehrmacht, der Stadtverwaltung, der SS.-Standarte, der SA.-Standarte und des Pionier-SA.-Sturmbannes, erschienen. Das Bootshaus war natürlich bald „bumsdicke" voll, aber umso größer war von Anfang an auch die „Stimmung", als die Wanderstreife (bestehend aus einem Offizier, zwei Unteroffizieren und elf Mann) eintraf, sofort „ausschwärmte" und sich überall unter die Erschienenen- verteilte. Angehörige des Musikzuges der Marine-SA.-Standarte leiteten mit begeistert aufgenommenen schneidigen Marinemärschen den Abend ein. Nach einem Vorspruch, vorgetragen von Kamerad Thein, begrüßte der Führer der Marine-Kameradschaft Gießen, Heinrich L i ch, mit herzlichen Worten alle Gäste des Kameradschaftshauses, insbesondere die Kameraden vom Kreuzer „Leipzig". Mit besonderer Freude, so stellte er fest, seien alle Freunde der Deutschen Kriegsmarine heute herbeigeeilt, um mit den Kameraden von der „Leipzig" einige frohe Stunden zu verleben. Anschließend wandte sich der Führer des Marine-SA.- Sturmes 11/34, Scharführer Karl Heß, im Auftrage der Gießener Marine-SA. an die Erschienenen: Gerade die deutsche Flotte und die Marine- SA., so führte er u. a. aus, seien besonders eng verbunden; von der Marine-SA. gehe die Jugend auf die deutschen Schiffe, von dort kehre sie wieder zurück zur Marine-SA. Hier wie dort gelte es, den jungen Menschen zu formen, ihn zu durchdringen mit dem Geist nationalsozialistischer Weltanschauung, ihn wehrfähig zu machen und zu erhalten. Der Abend lasse manche Erinnerung wach werden: man denke an die großen Tage des November 1914, an Tsingtau, an Coronel, an die erste Beschießung der englischen Küste durch die deutsche Flotte, bei der auch der alte Kreuzer „Leipzig" beteiligt war; mit Stolz erinnere man sich aber auch an die jüngste Vergangenheit, wo durch den Einsatz deutscher Kriegsschiffe, darunter wieder der Kreuzer „Leipzig", dazu beigetragen wurde, deutsche Volksgenossen in Spanien vor dem roten Terror in Sicher-
Zeppelin-Fahrten in Krieg und Frieden.
Kapitänleutnani a. O. von Buttlar-Brandenfels erzählt.
folger hat der Landesausschuß der Inneren Mission Pfarrer H e m m e s, bisher in Lehrbach (Ober- hessen), gewählt.
EPNH. Neuer Vorstand der Evangelischen Frauenhilfe. Die Vorstände der Evangelischen Frauenhilfe in Hessen und Nassau wählten zum Landesgeschäftsführer der Evangel. Frauenhilfe Direktor Pfarrer Röhricht in Darmstadt. Die Geschäftsstelle befindet sich jetzt in Darmstadt, Bismarckstraße 55.
** Oeffentliche Bücherhalle. Im Oktober wurden 2149 Bände ausgeliehen. Davon kamen auf: Literaturgeschichte 1, Zeitschriften 33, Gedichte und Dramen 15, erzählende Literatur 1267, Jugend- schriften 360, Länder- und Völkerkunde 133, Kulturgeschichte 14, Geschichte und Biographien 231, Naturwissenschaft und Technologie 39, Heer- und Seewesen 28, Haus- und Landwirtschaft 2, Ge- sunüheitslehre 1, Religion und Philosophie 7, Staatswissenschaft 14, Sprachwissenschaft 2, Sport 2 Bände.
heit zu bringen. Mit Stolz und Dankbarkeit gedachte der Sturmführer schließlich des Mannes, dem Deutschland die Wiedererstarkung dieser Flotte verdankte: begeistert ftimmten die Erschienenen in das „Sieg-Heil!" auf den Führer und Reichskanzler ein.
Von allen Gießenern stürmisch begrüßt, ergriff sodann der Führer der Wanderstreife, Kapitänleutnant Jäckel, das Wort: Als wir vor einiger Zeit hörten, daß man von Gießen aus nach uns ausforschte, da haben wir von der „Leipzig" uns gleich gesagt: Da in Gießen, da muß was los fein, da geht die Sache in Ordnung! Und in der Tat, so meinte der „Kaleu", sie hätten nirgendwo eine schönere engere Kameradschaft angetröffen als im Freundskreis all der Gießener Marine-Leute. Er schilderte in bunter und luftiger Folge verschiedene Erlebnisse der Wanderstreife auf ihrer Fahrt. Den Männern von der „Leipzigs, die ihr Vaterland sonst vielfach nur von der Nord- und Ostfeeküste kannten, würde dieser Vorstoß ins Binnenland, zu den Marine-Kameraden an Rhein und Lahn stetig in Erinnerung bleiben. Zur Freude aller Anwesenden ging der Käpt'nleutnant auch in längerer Erzählung auf die Spanien-Fahrt des Kreuzers „Leipzig" ein. Begeistert wurde die Mitteilung aufgenommen, daß das Ansehen der deutschen Marine und damit des gesamten Volkes in der Welt heute schon fast größer sei denn je vor dem Kriege.
In interessanter Weise schilderte der Kapitänleutnant die politischen und militärischen Vorgänge in Spanien. Die Worte des Kapitänleutnants Hangen in Dankbarkeit gegenüber unserem Führer Adolf Hitler aus, der uns wieder die Achtung und Geltung vor aller Welt verschafft habe.
Der weitere Verlauf des Kameradschaftsabends, dessen hauptsächliche Leitung in den fänden der Marine-SA. lag, brachte noch eine Fülle guter Unterhaltung. Abgesehen von den Darbietungen des Marine-SA.-Musikzuges, überraschten bald die Kameraden von der Marine-SA., bald die Freunde von der „Leipzig" mit heiteren und lustigen Vorträgen. Dazwischen erklangen gemeinsame SA.- und Marine-Lieder. Bei fröhlichen Seemannsliedern blieb die „große Kameradschaft", in der vor allem auch die. anwesenden Vertreter des Landheeres freudig mithielten, noch lange über den „offiziellen Teil" hinaus beisammen. Mit einer Rundfahrt im Omnibus durch Stadt und Umgebung Gießens werden die Kameraden von der „Leipzig" heute nachmittag ihren Besuch in Gießen abschließen.
von Gießen-Sud zu erscheinen. Die Mitglieder der DAF. sind hierzu eingeladen. Vollzähliges Erscheinen wird unbedingt erwartet.
Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.
Behr.: Feier des 9. Novembers.
Zur Feier des 9. Novembers treten alle Gießener Gefolgschaften und Sondereinheiten, desgleichen der Bannstab, um 19.50 Uhr auf dem Brandplatz an. Fahnen sind mitzuführen; keine Mäntel und Westen.
Betr.: Führertagung am 15. November.
Sonntag, 15. November, findet in Wiesbaden im Paulinenfchlößchen eine Führertagung des Gebietes statt. Da an dieser alle Gefolgschaftsführer, sowie Stabsmitglieder teilnehmen müssen, ist dieser Tag freizuhalten und evtl, jetzt schon Urlaub zu besorgen. Befr. Abnahme des Schießens für das Leistungsabzeichen.
Sonntag, 8. November, 9 Uhr, Abnahme des Schießens auf den Schießständen am Schützenhaus. Dffen für alle Jgg., außer Gefolgschaft 1/116. Antreten 9 Uhr vor dem Schützenhaus. Geld für Munition mitbringen.
Deutsches Irauenwerk.
Abt. Volkswirtschaft — Hauswirtschaft.
Zusammenkunft: Dienstag, 10. November, um 20.15 Uhr, in der NSV.-Küche im Einhorn, Eingang Kirchenplatz. Bitte Schürze und Küchenmesser mitbringen.
Polizeibericht.
Die Kriminalpolizeistelle Gießen meldet: Wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an einem 6jährigen Mädchen, wurde der 29jährige Erich Rosenthal aus Eving bei Dortmund festgenommen und dem Amtsgericht Gießen zugefüyrt. Rosenthal hausierte in Gießen mit Rasierklingen und hat sich in Abwesenheit der Mutter an einem Kind vergangen. Er wurde in Untersuchungshaft genommen.
In der Nacht zum 5. November wurde ein Einbruch in dem Hause Liebigstraße 99 verübt. Der Täter drang nach Entfernung eines Drahtfensters durch das nur angelehnte Speisekammerfenster in die Wohnung und entwendete Fleisch, eine Sparbüchse mit kleinem Inhalt und andere Gegenstände.
Aus Gärten rechts und links der Rodheimer Straße wurden in der Nacht zum 5. November aus verschlossenen Ställen vier Hasen und drei Tauben entwendet. Des weiteren wurde aus einem anderen Garten eine grün gestrichene Gartenpumpe gestohlen. Sachdienliche Angaben nimmt die Kriminalpolizei entgegen.
Wichtig
für jeden Lebensmitteleinzelhändler.
LPD. Eine Reihe von Lebensmitteleinzelhändlern hat trotz der persönlichen Aufforderung und der Bekanntgabe in der Fachzeitung die Einzellisten über die Höhe der Fettbezüge im Jahre 1935 noch nicht abgeliefert. Als letzter Tag für die Ablieferung wird der 12. November 19 3 6 festgesetzt. Da der Erhebung große Bebeutung zu- ko mmt, werden die Lebensmitteleinzelhändler in ihrem eigenen Interesse aufgefordert, den Termin einzuhalten und die Listen an die Fachgruppe Nahrungs- und Genußmittel der Wirtschaftsgruppe Einzelhandel, Frankfurt a. M., Börse II., zu senden.
Die Genehmigung
zur Hausschlachtung von Schweinen.
LPD. Durch den Viehwirtschaftsverband Hessen- Nassau wurde soeben angeordnet, daß die Genehmigung zur Hausschlachtung von Schweinen durch die zuständige Kreisbauernschaft erteilt wird. Zuständig für die Erteilung der Genehmigung ist diejenige Kreisbauernschaft, in deren Gebiet der Käufer seinen Wohnsitz hat.
Preisfestsetzung für Magermilch.
Freie Rücklieferung.
LPD. Mit Gültigkeit vom 1. November 1936 hat der Milchwirtschaftsoerband Hessen-Nassau angeordnet, daß Magermilch den Milchlieferanten durch die Molkereien frei zurückzuliefern ist; der Preis beträgt 2,5 Pfennig pro Liter und ist von den Molkereien in Rechnung zu stellen. Die Rückgabe von Magermilch zu geringerem Preis, ober ohne Berechnung ist nur mit befonberer Genehmigung zulässig. ,
** Seinen 82. Geburtstag kann am heutigen Frettag brr Baumeister Heinrich Winn, Hofmannstraße 14 wohnhaft, in guter geistiger und körperlicher Frische begehen. Um die Stadt Gießen hat sich der alte Herr durch jahrzehntelange ehrenamtliche Mitarbeit sehr verdient gemacht.
** Eine Achtzigjährige. Morgen, Samstag, kann Frl. Emilie Müller, Friedensstraße 47, ihren 80. Geburtstag feiern. Die Jubilarin hat sich durch besondere Treue ausgezeichnet; sie war 53 Jahre lang in einem Hause in Stellung.
** 25 Jahre im Dien ft der Gießener Straßenbahn. Am morgigen Samstag können die Straßenbahnwagenführer Wilhelm Dippel, Bruchstraße 22, und Karl L e s ch, Frankfurter Straße Nr. 81, auf eine 25jährige Dienstzeit bei der Gießener Straßenbahn zurückblicken. Beide Wagenführer erfreuen sich allen Vertrauens und bester Wertschätzung sowohl bei ihren vorgesetzten Dienststellen, wie auch bei ihren Arbeitskameraben und bei der Bevölkerung unserer Stadt. Wilhelm Dippel hat sich im Gießener Straßenbahnerverein durch eine langjährige Tätigkeit als Schriftführer besondere Verdienste um die Gemeinschaft der Gießener Straßenbahnführer erworben.
** Dienstjubiläum. Am heutigen Freitag, 6. November, kann der Oberpostschaffner Georg Stamm, Wetzlarer Weg 41 wohnhaft, auf eine 40jährige Dienstzeit zurückblicken. Vom Herbst 1896 bis zum Herbst 1898 biente ber Jubilar bem deutschen Volke als Soldat, seit Herbst 1898 steht er im Dienste der Post. Bei feinen Vorgesetzten und seinen Berufskameraden, sowie bei einem großen Bekanntenkreis, erfreut er sich großer Wertschätzung.
** Bauarbeitsvergebung. Das Städtische Hoch- und Tiefbauamt macht im heutigen Anzeigenteil darauf aufmerksam, daß die Bauarbeiten für einen Schmutzwasserkanal im Sandkautenmg zu vergeben sind. Auf die Anzeige sei besonders hin- gewiesen.
** D i e Erhebungder Gas - und Strom- gelber betrifft eine Bekanntmachung ber Direktion der Städtischen Betriebe im heutigen Anzeigenteil. Es sei besonders darauf hingewiesen.
** Rege Bautätigkeit im Wohnungsbau. Trotz ber vorgeschrittenen Jahreszeit werden an einer Reihe von Neubauten die Bauarbeiten fortgesetzt, und zwar an acht Einfamilienhäusern ber Baugenossenschaft 1894 ber Jahnstraße, an sechs Doppelwohnyäusern ber Baufirma Frese in
Die Vortragsvereinigung Goe t hebunb/Kauf- männi scher Verein bereitete gestern abend ihren Mitglieder und Gästen wieder einmal zwei sehr unterhaltsame Stunden. Als Redner war Kapitänleutnant von Buttlar-Brandenfels gewonnen worden, der während des Weltkrieges 26 Angriffsfahrten im Luftschiff unternommen hatte und der sich mit der Geschichte des Luftschiffbaues als sehr gut vertraut erwies. Aus reichem Wissen und ebenso reicher prakttscher Erfahrung konnte ber Redner, im Tone frischer Erzählung, viel Unterhaltsames und Wissenwertes vermitteln.
Der „verrückte Graf" und seine „fixeJdee^,
Er schilderte zunächst, wie die Idee des Grafen Zeppelin, ein lenkbares Luftschiff zu bauen, wenig begeisterten Widerhall gefunden hatte, ja, es gab sogar amtliche Stellen, die unmißverständlich vom „verrückten Grafen", von seiner „sixen Idee" sprachen, während der Graf selbst dieser „fixen Idee" in kurzer Zeit nicht nur sein Vermögen in Höhe von einer Million Mark, sondern auch das seiner Frau, die eineinhalb Millionen Mark mitgebracht hatte, opferte. Bereits im Jahre 1904 war das Geld alle! Der Graf kam sogar in arge Bedrängnis. Die Arbeiter bekamen keine Lohn — er selbst geriet sogar mit der Hotelrechnung in Schwierigkeiten.
Echterdingen!
Die Situation wandelte sich erst, als vom Kriegsministerium ber Auftrag kam, ein Luslschiff zu bauen. Allerdings wurde zur Bedingung gemacht, daß das Schiff eine 24ftünbige Probefahrt hinter sich bringen sollte. Für den damaligen Stand der Luftschiffbautechnik eine starke Zumutung! Das Luftschiff startete auch, flog 14 Stunden lang, dann aber fingen die Motore an zu „stottern", das Luftschiff mußte (bei Echterdingen) landen; die Landung auf festem Boden glückte — in der Nacht aber fiel das Luftschiff einer Explosion zum Opfer. Aber diese Fahrt brachte dem Grasen Zeppelin die An- erfennung! Sechs Millionen spendete das deutsche Volk! In Friedrichshafen wurde die Werft ausgebaut.
52 Luftschiffe für die Marine!
In seinen weiteren Erzählungen schilderte der Redner den Einsatz der Luftschiffe für die Marine, die für die Zukunft in erster Linie als Auftrag- geber auftrat Die Marine nahm nicht mgtfger denn 52 Luftschiffe ab. Diese Luftschiffe dienten der Auf- Härung, hatten die Minensucher zu schützen, den U-Booten den Weg durch Minenfelder zu zeigen und vermißte Flugzeuge auf See zu suchen.
„L 6" über England.
Kapitänleutnant v. Buttlar-Brandenfels erzählte nun in humorvoller Weise von feinen Fahrten in Marineluftschiften, insbesondere von ber ersten Fahrt eines Luftschiffes, bes „L 6" nach Eng-
lanb, bie unter schwierigen, wenn auch glücklichen Umstünden geschah. Mit 18 Stunden Fahrtdauer wurde gerechnet. Für 19 Stunden war Betriebsstoff mitgenommen worden. Allerdings konnte nur mir halber Mannschaft gefahren werden, weil das Schiff der Belastung für diese Fahrtdauer nicht gewachsen gewesen wäre. Alles, was entbehrlich war, mußte von Bord bleiben. Es mußte mit ^oem Gramm gerechnet werden. Ohne viel Aufsehens ju machen, „fhibberte" die Mannschaft los. Aber erst nach 14 Stunden Fahrt konnten die Luftschiffer vermuten, daß sie über England waren. Unten blitzten etliche Mündungsfeuer, Scheinwerfer leuchteten auf und suchten den Störenfried. Nun hielten die Luftschifter den Zeitpunkt für gekommen — ziemlich auf Geratewohl — ihre wenigen Bomben abzuwerfen, die an Bindfaden befestigt waren, bie Leutnant Schiller (der jetzige Führer unserer großen Luftschiffe), mit Hilfe des einzigen Taschenmessers an Bord, auslöste. Als das Schiff — glücklicherweise mit Schiebewind — zurückkehrte und mit einem letzten Rest von nur 7 Litern Benzin bei Hamburg landete, wurde vom Kapitän (dem Redner) ein Bericht verlangt, ber aber, was die Ortsangaben anbetraf, nur sehr lakonisch lauten konnte: „über England gewesen!" Erst ein Extrablatt gab ihm nach einer Meldung des „Rotterdamschen Courier" Auskunft, baß ein beut- sches Luftschiff Bomben über ber Stabt Malton (Grafschaft Yorkshire) abgeworfen hatte.
Der „dicke Lau" als Höhensteuer.
Nun zeigte ber Rebner eine Anzahl hochinteressanter Lichtbilder, bie bie Entwicklung des Zeppelins veranschaulichten. Er erzählte gleichzeitig von den ersten Starts und Landungen auf dem Bodensee, von den vielen Versuchen um eine ständige Verbesserung ber Luftschiffe, von den Schwierigkeiten der Steuerung ber ersten Luftschiffe, bie noch so unzureichend war, daß sich Graf Zeppelin entschließen mußte, einen seiner Helfer, den zwei Rentner schweren „dicken Lau", wie er allgemein hieß als Höhensteuer zu verwenden. Er schickte den Braven mit seinem großen Gewicht auf dem Laus- gang je nach Bedarf hin und her, um damit bem Luftschiff die Richtung nach oben ober unten geben zu können. ö
Weiter hörte man von ben monströsen , Drahtkommoden", den vielverspannten Steuerungsflächen am Heck, und konnte dann an weiteren Lichtbildern ^^^^ortschreitenben Verbesserungen ber Luftschiffe anschaulich ftubieren. Der Redner wies darauf hin daß das Problem ber Steuerungsflächen erst für das Luftschiff „Graf Zeppelin" habe vollkommen gelost werden können.
Große Fahrt nach Afrika.
Mit nicht weniger großer Aufmerksamkeit verfolgte man bie Darlegungen über bie stetigen ßeiftungsfteigerungen und hörte habet von ber großartigsten Leistung in der Geschichte der Luft
schiffe, von dem Flug des L 59, das eine 99stünbige Fahrt von Bulgarien nach dem inneren Afrika hinter sich brachte und dabei den von Lettow-Dorbeck befehligten Schutztruvpen Material, Medikamente usw. bringen sollte. Leider mußte es unverrichteter Sache zurückkehren, da es — durch eine feindliche Falschmeldung veranlaßt — zurückgerufen wurde.
Der Redner erinnerte dann an viele andere Luftschiffe, die in Friedrichshafen gebaut wurden und mit denen immer bessere Erfolge erzielt werden konnten. Er sprach von dem Luftschiff „Viktoria Luise", das sehr viele Fahrten startete, von den kleineren Luftschiffen „Bodensee" und „Nordstern" und schließlich von dem Luftschiff LZ 126, das die erste Fahrt über den Atlantik unternehmen konnte, um auf Reparationskonto an Amerika abgeliefert zu werden.
Schließlich wies der Vortragende darauf hin, daß das Luftschiff für Kriegszwecke bereits im Jahre 1918 als überyolt angesehen werden mußte. Die Aufgaben des Luftschiffes liegen, so fuhr er fort, lediglich auf dem Gebiete des Verkehrs, und es ist hier wiederum nur für die Strecken von über 3000 Kilometer wirtschaftlich einzusetzen.
Zum Abschluß sprach Kapitänleutnant a. D. von Buttlar-Brandenfels in der Anknüpfung an das Wort Görings: „Das deutsche Volk muß ein Volk von Fliegern werden" über die Erziehung ber deutschen Jugend zur Fliegerei und forderte die Erwachsenen in launiger Weise dazu auf, den Jungens dazu zu verhelfen, daß sie Flieger und rechte Kerle werden fönönen. Anhaltender Beifall bankte dem Redner für feine lebensvollen und humorvollen Schilderungen.
Deutsche Gesellschaft zue Förderung der evang.-theologischen Wiffenschast.
Lanbesgruppe Hessen.
Im Anschluß an die Jahresversammlung des Oberhessischen Vereins für Innere Mission fand am Mittwoch die Generalversammlung der Deutschen Gesellschaft zur Förderung der evangelisch-theologischen Wissenschaft nach einer Pause seit 1933 im Johannessaal zu Gießen statt. Früher stets im Zusammenhang mit der Theologischen Konferenz (Fronleichnamskonferenz) gehalten, soll sie jetzt immer bei diesem Anlaß stattfinden. Die Gesellschaft hat ben Zweck, Studenten und Kandidaten der Theologie Beihilfen beim Bezug von Studienwerken zu gewähren und so den Grund legen zu helfen zu ihrer künftigen Pfarrerbibliothek. In dem Zeitabschnitt, von bem ber Vorsitzenbe Professor D. Dr. Cordier, Gießen, berichtete, machte bie in ihm eingetretene Einengung ber Rabattbestimmungen Nachlässe in ber Höhe von früher unmöglich. Der Rückgang ber Zahl ber Stubierenben kommt ber Leistungsfähigkeit ber Gesellschaft zustatten. Bei einem Zuschuß von 20 v. H. von ihrer Seite kann ber Stubent bei Bestellungen bis zu einem Werte von 50 RM. einen Erlaß von 15 RM. erhalten. Besonberer Dank wurde dem Verlagsbuch- hänbler Dr. h. c. Alfreb Töpelmann, Gießen, ausgesprochen, ber ben günstig abschließenden Kassenbericht gab. Aus dem Vorstand sind ausge- schieden durch Wegzug Prof. D. Bornkamm und Pfarrer Lic. Brunner; ferner Freiherr Heyl z u Herrnsheim; durch Tod Pfarrer B e r n b e ck - Okarben und D. Fritsch- Ruppertsburg. An ihre Stelle wurden gewählt: Professor Dr. Rudolph, Gießen, Professor Lic. Dell, Herborn, Propst Knodt, Gießen und Pfarrer Lic. Flechsen haar, Ulfa.
Briefkasten der Mdaktion.
(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleikung >
„16 Jahre heule". Waren Sie sich beim Kauf des Ziegenlammes mit bem Verkäufer barüoer einig, daß das Lamm zu Zuchtzwecken bienen solle, so können Sie von bem Verkäufer, nachbem Sie jetzt festgestellt haben, baß bas Lamm zur Zucht nicht geeignet ist, die Rückgängigmachung des Kaufs, oder bie Herabsetzung des Kaufpreises verlangen. Bestehen Sie auf Rückgängigmachung des Kaufs, so ist ber Verkäufer gegen Rückgabe des Lammes zur Rückgewährung des Kaufpreises nebst 4 v. H. Zinsen und zur Erstattung ber gemachten erforderlichen Verwendungen verpflichtet. — Zwei Ziegen sind unpfänbbar, wenn bie Tiere für die Ernährung des Schuldners, feiner Familie und feines Gesindes unentbehrlich sind. Betreibt der Schuldner Landwirtschaft, gleichgültig ob ausschließlich ober neben einem anderen Beruf, so sind auch weitere Tiere, soweit sie für bie Fortführung des Wirtschaftsbetriebes erforderlich sind, unpfändbar. Tiere, die zu Zuchtzwecken dienen, sind regelmäßig als zur Fortführung des Wirtfchaftsbetriebes erforderlich anzusehen. — Arbeits- und Dienstlohn, sowie sonstige wiederkehrende zahlbare Vergütun- gen für geleistete Arbeiten sind, wenn die zu vergütenden Leistungen die Erwerbstätigkeit des Schuldners vollständig ober zu einem wesentlichen Teil in Anspruch nehmen, bei Auszahlung für Monate ober Bruchteile von Monaten bis zum Betrage von 150 Mark monatlich, bei Auszahlung für Wochen bis zum Betrage von 35 Mark wöchentlich, bei Auszahlung für Tage bis zum Betrage von 5,80 Mark täglich, und, soweit sie diese Beträge übersteigen, bis zu einem Drittel des Mehrbetrages der Pfändung nicht unterworfen. Zugrundezulegen ist jeweils der Bruttooerdienst. Hat der Schuldner seinem Ehegatten, einem früheren Ehegatten, einem Verwandten, oder einem unehelichen Kinde, Unterhalt zu gewähren, so erhöht sich der unpfändbare Teil bes Mehrbetrages für jede Person, der Unterhalt gewährt wird, um ein Sechstel, höchstens jedoch auf zwei Drittel bes Mehrbetrages. Diese Bestimmung finbet jedoch bann keine Anwendung, wenn die Vergütung die Summe von 500 Mark für ben Monat, von 115 Mark für die Woche, von 1? Mark für ben Tag übersteigt. Soll bei dem Schuldner eine Lohnpfändung wegen eines gesetz- nchen Unterhaltsanspruchs vorgenommen werden, i° können die oben angeführten Pfändungsgrenzen 3U Ungunften bes Schuldners überschritten werden.
Y. Schl. 63. Die Beantwortung der Frage 1 ist an mehrere Voraussetzungen geknüpft. Ein geschiedener Arbeitnehmer ist nur bann als kinberlos verheiratet 3u betrachten, wenn er bas 55. Lebensjahr vollenbet hat, vorausgesetzt, baß auf ber Steuerkarte kein Kinb als zu feinem Haushalt gehörenb vermerkt ist. In k^ßkerem Falle würbe die Lohnsteuer nach Spalte '.^beitnehmer mit einem Kind" zu berechnen fein. Ohne weiteres gelten aber als kinderlos verheiratet Ledige, die bas 65. Lebensjahr vollenbet haben. —
.^age 2: Ist ein als lebig anzufehenber geschiedener Arbeitnehmer zum Unterhalt feiner Ehe» frauunb feines Kindes verpflichtet, so kann ihm auf -Antrag (s. besonderes Antragsformular) vom Finanzamt ein entsprechender Betrag als fteuerfrei auf öer Steuerkarte vermerkt werden. Die Höhe bes Be- hXÄ? Ermessen des Finanzamtes unb ist m t\-terr2Iulroenbun9en und ben wirtschaft.
licken Verhältnissen des Antragstellers angepaßL


