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Nr. 129 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Samstag, ö.Zuni 1936

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Kunsthandwerk in Stein und Holz

Bearbeitung des Sandsteinblocks mit der Gründel.

Feinarbeit am Werkstoff Holz. (Aufn. [9]: Neuner, Gießener Anzeiger./

Auszeichnen der Inschrift.

früherer Jahre zunutze

Ausmalen der Inschrift.

Einmeißeln der Inschrift.

kes unbedingt ein großes Interesse hat, schaftlich tragbarer Boden bereitet wird.

ein wirt»

. kchleifey und Polieren mit der Waschin-

Transport eines Blockes

Stein geführt wird, um dadurch die Wegnahme feiner Teilchen zu erzielen und den Stein zu glät­ten. Der Sand wird aber auch im Sandstrahlge­bläse zu dem gleichen Zwecke angewandt, die meiste Verwendung findet er jedoch in Steinsägemaschinen

Wichtigkeit. Dabei kommt es nicht allein darauf an, welches Steinmaterial für die letzten Ruhe­stätten verwandt wird, sondern sehr wesentlich ist auch die Art der Bearbeitung und formenmäßigen Gestaltung des Gesteins. Daß in dieser Hinsicht dem aus dem Heimatboden gewonnenen Stein der Vorrang gegeben wird, ist nur recht und billig, denn er ist eben als ein Stück der Heimaterde doch mit dem Empfinden der auf diesem Boden gebore­nen und lebenden Menschen enger verbunden, als irgendein Kunststein aus einer fernen Gegend, dessen Gebrauch nicht selten wohl nur ein Ausdruck der

allem, weil ihm der große Vorteil der Verbunden­heit mit der heimischen Erde zu eigen ist. Es soll hierbei jedoch nicht verkannt werden, daß auf unse­ren heimischen Friedhöfen sowohl aus dem Gestein des Heimatbodens, wie auch aus Steinbrüchen in fremder Erde stammend, noch mancherlei Grab- mäler vorhanden sind, die keine Anerkennung ver­dienen und vielfach sowohl in der künstlerischen Form, wie auch in der Technik der Bearbeitung allerlei zu wünschen übrig lassen. Erfreulicherweise wird aber gerade in neuerer Zeit von den zur Pflege der Schönheit im Landschaftsbild berufenen Stellen, von den zuständigen Behörden und nicht zuletzt auch von den Berufsschulen und fachlichen Fortbildungseinrichtungen des Handwerks selbst in der künstlerischen Aus- und Weiterbildung auf der Grundlage eines gediegenen handwerklichen Kön­nens allerlei getan, um die Leistungen im Stein­metzhandwerk und damit die Gestaltung unserer Friedhöfe wesentlich zu verbessern und zu einem vorteilhaften Zeugen unseres Zeitalters zu machen.

Ein vollendetes Werk des Holzbildhauers.

und zum Schleifen der Oberflächen. Der Preßluft­meißel als neuere Steinbearbeitungsmaschine sei in diesem Zusammenhang nicht übersehen.

Neben der maschinellen Arbeit muß die hand­werkliche Kunst aber auch ein hervorragendes Stück Arbeit leisten, wenn das Werkstück als ganzes zur

machen.

Neben der gärtnerischen Arbeit auf den Fried­höfen ist für deren bildhafte Gestaltung der Fried- hofsschmuck in Stein oder >Holz von besonderer

Zahlungskräftigkeit seiner Käufer darstellt, vielleicht auch darstellen soll. Es lassen sich auch aus dem heimischen Gestein unter der Hand eines tüchtigen Steinmetzmeisters sehr schöne Grabmäler herstellen, die in keiner Weise den Vergleich mit irgendeinem teuren fremden Stein zu scheuen brauchen, vor

Es ist ein schweres Handwerk, in der Tatsache des Materials sowohl wie auch in künstlerischer Hinsicht, das unsere Steinmetzen ausüben. Auf ihren Werkstatthöfen und in ihren Arbeitsräumen kann man vieleschwere Brocken" liegen sehen Da ist wohl nur selten ein Stein, den ein Mann allein fortbewegen könnte. Meist wird es sich als notwendig erweisen, zu zweit oder auch zu dritt an einen solchen Brocken heranzugehen, bis man ihn in der Werkstätte unter den Hammer und den Meißel nehmen kann, oder um ihn nach der Be­arbeitung seiner Zweckbestimmung zuzuführen. Die Steinbrüche liefern das Rohmaterial in der Regel in großen Quadern, deren Ausmaß 'das vollendete Werkstück in Länge, Breite und Höhe um ein Stück überragt, das als sogenannter Wertzoll bei der Bearbeitung abfällt. Aus dem Rohblock ge­staltet der Steinmetz als geschickter Handwerker

-Werkstücke von mannig­fachster Art, wobei er durch vielseitige Arbeits­methodik ein fertiges Er­zeugnis schafft, bei dessen Anblick der berufsfremde Mensch wohl kaum den ungefügen Brocken des Rohmaterials wieder er­kennen wird. Als Mittel für die Steinbearbeitung benutzt der Steinmetz, der in früheren Jahren alle Arbeiten mit der Hand leisten mußte, heute aber auch maschinelle Hilfe sei­nem Schaffen dienstbar macht, Stahl, Hartguß und Steine von größerer Härte als das Werkstück selbst, wobei insbesondere der schwarze Diamant eine wichtige Rolle bei der Bearbeitung spielt. Wenn der Stein mittels Handarbeit wenigstens eingermaßen seine be-

Lehren und Erkenntnisse schöpfen können, wie wir sie uns aus den Friedhofsüberlieferungen

Die Handschleifmaschine als Helfer.

Ein Gang über unsere heimischen Friedhöfe ist Immer wieder in mancherlei Hinsicht interessant. Es ist dabei gleichgültig, ob man einen Friedhof in der Stadt besucht oder den Gottesacker eines Dorfes in Augenschein nimmt. Vielfach wird der aufmerksame und für die Regungen des volkstüm­lichen Empfindens empfängliche Beschauer der­artige Besuche auf dem Friedhof nicht bereuen, sondern er wird angeregt werden, auch diese Stätte als Platz der Erholung vom Alltagswerk und der geistigen Sammlung in besinnlichen Stunden in feinen Lebensgang einzuschalten. Denn auf den letzten Ruhestätten kann man mancherlei Eindrücke gewinnen, die nicht an der Oberfläche des Tages haften bleibet, sondern tiefere Erkenntnisse aus dem Zeitgeschehen ober der geistigen Struktur einer bestimmten Epoche vermitteln, die aber auch belehrender Art sind in­sofern, als sie dem auf­nahmebereiten Besucher dartun, wie bestimmte Dinge der landschaftlichen Gestaltung auf den Fried­höfen gut zu vollbringen sind und wie man sie nicht machen soll. Der Fried­hof in Stadt und Land ist eben durch feiste Ge­staltung einer der wich­tigsten Plätze der volks­kulturellen Willensäuße­rung, aus dem unsere Nachfahren ebenso noch

Die Forderung der Volksgesamtheit, bei der Aus­breitung und Vertiefung unseres kulturellen Lebens auf dem Wege des künstlerischen Werkschaffens das Handwerk mit vertreten au sehen, wird in der Ar­beit der Steinmetzen und der Holzbildhauer nach Maßgabe der Möglichkeiten dieser Handwerkszweige erfüllt. Gewiß gibt es auch auf diesem Arbeitsgebiet

Auf der gleichen Grundlage des handwerklichen Schaffens wie im Steinmetzberuf arbeitet auch der Holzbildhauer, allerdings mit dem Unterschied, daß sein Rohstoff nicht das Gestein ist, sondern aus zweckgeeigneten Holzarten besteht, die für die Be­arbeitung gefügig genug sind und doch an Festig, feit und Beständigkeit ein so hohes Maß aufweisen, daß sie verwandt werden können. Diese Art des handwerklichen Erzeugnisses ist allerdings auf den Friedhöfen nicht so häufig anzutreffen, wie das Grabmal aus Stein, aber doch kann man es auch an diesen Stätten gelegentlich in mancherlei Gestalt angewandt sehen, um es mit Recht in die Reihe der Friedhofsschmuckarbeiten einzuordnen. Dieser Hand- werkszweig, den man wohl in hervorragendem Maße der Klasse des Kunsthandwerks zurechnen muß, ist seiner ganzen Art nach seltener vorhanden, als das Handwerk des Steinmetzen. In Gießen ist unseres Wissens nur ein Holzbildhauer vorhanden, aus dessen künstlerischer Handwerksarbeit schon viele gute Werke ihren Weg in das Volk hinaus genom­men haben. Diese Erzeugnisse finden aber auch viel- fach in Kirchen und in öffentlichen Gebäuden Der- wendung, darüber hinaus bei der Ausgestaltung von Privathäusern, deren Eigentümer in Der glück- liehen Lage sind, nicht mit jeder Mark rechnen zu müssen. Vom Standpunkt der handwerklichen Zu­kunft aus ist es erfreulich, daß sich immer wieder Liebhaber und Käufer für derartige handwerkliche Erzeugnisse finden, weil dadurch einem Handwerks­zweig, an dessen Erhaltung die Gesamtheit des Vol»

Zufriedenheit des Käufers und des Herstellers selbst ausfallen soll. Da ist es erforderlich, daß der Stein­metz ein guter Schriftzeichner ist, der es in sauberer Arbeit fertig bringt, einwandfreie Buchstaben auf die Steinplatte, das Steinkreuz oder die Steinkugel oder dergleichen zu zeichnen und sie dann mit Hilfe von Meißeln der verschiedensten Formate mit pein­lichster Sauberkeit in dem harten Gestein unter sorgfältiger Abmessung der Stärke des Hammer- schlags einzugraben. Diese Arbeit ist ein außer­ordentlich disiziles Schaffen, bei dem das Feingefühl der Hand im Verein mit sorgfältigster Ueberlegung und größter Schärfe des Blickes den gewünschten Erfolg ermöglicht. Es ist schon geradezu ein Stück Kunst, das bei dieser Arbeit auch von dem ein­fachen Handwerksmeister zu vollbringen ist, denn er hat ja unter seinem Hammer und Meißel ein außerordentlich sprödes Material, das natürlich zu Splitterungen besonders neigt und infolgedessen nicht mit der robusten Kraft behandelt werden kann, die man bei manchem anderen Rohmaterial ohne Bedenken anwenden darf. Wenn aber dann nach mühsamer Arbeit das Werkstück einwandfrei be­endet ist, so hat wohl vor allem der Meister selbst und nicht minder wohl auch der Geselle seine Freude daran. Dann kann es als ein Beitrag zur Schmückung des Friedhofes die Werkstatt verlassen und an seinem neuen Platze Zeugnis ablegen für seinen Schöpfer, den mit künstlerischem Sinn und geschickter Hand schaffenden Steinmetzmeister.

absichtigte Formung er­halten hat, tritt meist Die Steinbearbeitungsmaschine in Funktion. Dieses Hilfsmittel arbeitet etwa nach dem Prinzip der Drehbänke, der Hobel, der Sägen usw., wobei auch mannigfach geformte Messer (z. B. Kreismesser) zur Anwendung kommen. Der Sand ist dabei eben­falls ein wichtiges Hilfsmittel in der Form des reingewaschenen, gesiebten und scharfen Quarzsandes von möglichst gleichmäßigem Korn, der mit Hilfs­werkzeugen von Kupfer oder Eisen unter Zugabe von Wasser unter entsprechendem Druck über den