Nr. 154 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderhessen)
Somstög, 4-Juli Mb
Aus der Provinzialhaupistadt
ssne
Zu
Also sagen wir mal: einen Hör."
gut.
im-
Ihrem Haus/
vor
wenn
rna-
(bei allem schuldi§en
Sie
„Höchstens, wenn
bin?
was
Sie
um mich besorgt sind!
So
der Straße.
Sie zu Bett zu gehen.'
mir
Strolch!"
ÖLYMPAN
Minuten, lange."
wären. Ellen
Soll ich Ellen übrigens anderes: Wann müssen
du denn, ich habe nicht ge- noch Ausreden! Nichts hast
Freude/ „Also „Out,
ist
auf ge-
leibhastigen Schwester „Aber Ellen, denkst merkt..."
„So, und jetzt auch
„Na, nicht so bissig, bestellen?"
„Ja, aber erst was morgen aufstehen "
„Wie liebevoll Sie bald nach sieben."
„Und wann pflegen
schön, dann in zehn gut. Wiederhören so
du gemerkt." „ „
„Aber Ellen, du glaubst doch mcht tm Ernst...
„Gar nichts glaube ich. Auf frischer Tat bist du erwischt, mein Lieber. Man sollte es kaum für mog- lich halten!" „
„Du marterst mich mit deinem Mißtrauen, Ellen!
„Allerdings müßte man dich martern, aber mit
wirtschaft das Bereithalten von rechtzeitig eingekauften Vorräten immer mehr über Bord geworfen, einmal weil die Beschaffung der gerade benötigten Eintagsmenge so bequem gemacht worden war, dann aber auch vielfach in der falschen Meinung, etwas hierbei zu gewinnen, wenn sie die Verantwortung für den Nichtverderb der Waren möglichst fange dem Verkäufer, dem Lagerer und dem Erzeuger überließ.
Die Rechnung war falsch. Die Kosten für das abgebürdete Risiko trug in Wirklichkeit doch schließlich der Verbraucher.
Der Kleinverderb aber wurde durch die Anschaffung winziger Mengen nur erhöht, nicht zuletzt auch darum, weil „es bei so einem Bißchen doch gar nicht darauf ankam". Nun ist aber dieser Kleinoerderb ein gefährlicher Schmarotzer an unserer Ernäh- runsdecke. Durch ihn kommt die Summe von anderthalb Milliarden Gesamtverlust nicht unwesentlich zustande. Denn vier Pfennige Durchschnittsoerderb je Haushaltung ergeben schon fast eine volle Milliarde für das ganze Reich.
Auf anderem Gebiet vielfach liegen die Aufgaben des Händlers und Lagerers, wo bereits erhebliche Vorarbeit geleistet worden ist, und schließlich des Erzeugers, wo sie ungemein vielseitig sind, wie die diesjährige Reichsnährstandsausstellung in Frankfurt a. M. u. a. in ihrem Mustererbhof gezeigt hat. Beim Erzeuger wird sie sogar ganz neue Gebiete ergreifen. Um davon einen Begriff zu geben, so sei nur darauf hingewiesen, daß wir in viel weitgehenderem Maße, als es bisher der Fall war, zur Kartoffeltrocknung übergehen werden.
Minuten später. Auf ... _
’ alter Wüstling! Mit meiner wolltest du mich betrügen."
Die Frage, ob Deutschland in der Lage ist, sich selbst zu ernähren, ist früher sehr umstritten gewesen und ebenso zuversichtlich, wie bestimmte Vertreter der Landwirtschaft sie bejahen, ebenso mißtrauisch stand ein sehr großer Teil der Verbraucher diesen Behauptungen gegenüber. Der Verbraucher hatte die bittere Erfahrung gemacht, daß in bestimmten Zwischenräumen eine Verknappung des Schlachtviehai^triebes eintrat, die dann allerdings von f r e i h ä n d e r i f ch e r Seite fälscherisch zu einer „Fleischnot" aufgebauscht wurde. Daran hatten die Bauern keine Schuld, sondern diese Schwankungen waren damals unvermeidlich. Daß sie aber den breiten Teil der Verbraucher trafen, lag lediglich in der libera- listischen Anarchie der Bewirtschaftung unserer Erzeugnisse.
Der siegreiche Nationalsozialismus Hal dann durch seine Marktordnung gezeigt, wie man auf diesem Gebiete schnell Ordnung schasst.
Uebrigens hatten die Statistiker, die vor dem Kriege ihre Prozentzählen über die Selbstversorgungsmöglichkeiten Deutschlands aufgestellt hatten, sich gründlich verrechnet, da sie bei der Viehhaltung und den tierischen Erzeugnissen die Abhängigkeit unterschätzt oder ganz übersehen hatten, in die wir vom Auslande durch den Bezug von Kraftfuttermitteln geraten waren. Auch da hat der Nationalsozialismus für eine völlige und grundsätzliche Umstellung gesorgt.
Und nun kann die Frage genau beantwortet werden, wie weit Deutschland in der Lage ist, sich aus eigener Scholle zu ernähren. Sie wird ganz offen und unbeschönigt beantwortet: Auf Ausstellungen des Reichsnährstandes kann jeder Besucher in einprägsamen Schaubildern sehen, wie viel wir auf der einen Seite zu viel erzeugen und wo es und an wie viel auf der anderen Seite fehlt. Diese Lücken auszugleichen, ist eine der Hauptaufgaben der Erzeugungsschlacht und diese Obliegenheit trifft zumeist den Bauern. Der Verbraucher kann ihn hierbei meist nur mittelbar, etwa durch Bevorzugung der deutschen Erzeugnisse beim Einkauf, unterstützen.
Nach einer ganz anderen Seite hin hat aber die Frage nach den Selbsternährungsmöglichkeiten des deutschen Volkes eine überraschende Antwort erhalten:
Wir geben bisher für die Einfuhr von Nah- v ' ffeh aus dem Auslande rund eine Milliarde Mark jährlich aus. Diese Ausgabe könnten wir vollständig einsparen, d. h. dieses Geld anders verwenden, wenn es gelänge, dem Verderb inländischer Nahrungsmittel einen Riegel vorzuschieben.
„Das ist allerdings ein Gesichtspunkt. Also Wagen wir's mal."
„Wann find Sie fertig?"
Oie Verabredung.
Von Berndi Krauthoff.
''Ach"entEchu?digen Sie, ist Fräulein Becker Haufe?"
„Nein, wer ist denn da?
„Hier ist Kersten, ich hätte gerne ...
So Herr Kersten. Nein, meine Schwester
ob- dich mit
Eine beträchtliche Masse des für Futterzwecke benötigten Teiles der Kartoffelernte wird in Zukunft alsbald nach der Ernte in die Darre wandern.
In Trockenschnitzel mit vollem Futterwert umgewandelt werden diese Kartoffeln nicht nur jedem Verderb durch Frost, Fäulnis und Auskeimen in den Mieten entzogen, sondern sie befördern gleichzeitig wieder die mit der gesamten Erzeugungsschlacht unlösbar verbundene Vorratswirtschaft. So lange wir das Wetter nicht machen können, werden trotz aller sonstigen Vorsicht und Umsicht und Mühe auch die Kartoffelernten schwanken. Es ist nun von höchster Bedeutung, wenn in einem Minderertragsjahr die zu Speisezwecken benötigte Menge gar nicht berührt und verknappt wird von den zur Erhaltung und Mehrung des Viehstapels beanspruchten Futterkartoffeln, da deren Vorhandensein durch die Sammlung der Trockenschnitzel aus den Ueberschußjahren immer reichlich gewährleistet fein wird.
So kommt das, was am anderen Flügel der Front, bei den Erzeugern, erkämpft wird, auch dem Verbraucher sofort wieder zugute, und die Hausfrau spürt es, wenn sie im Herb st ihre Speisekartoffeln einkauft. Eine solche Zusammenfassung der gesamten Volksgemeinschaft allein verbürgt den Erfolg des neuen Abschnittes der Erzeugungsschlacht, und diesen großen Plan in Angriff zu nehmen ist nur möglich in einem Volke, das keine Jntereffenkämpfe der einzelnen Stände mehr kennt, sondern weiß, daß alle Verluste nicht nur heute den Erzeugern, morgen die Verarbeitungsindustrie oder den Handel, und übermorgen den Verbraucher treffen, sondern daß sie in jedem Fall die Nationalwirtschaft schädigen, und daß, wie sie alle zu tragen, und darum auch alle gemeinsam abzuwehren haben. W. S.
Denn nach der statistischen Erfassung beträgt der Verlust, der durch das Schlechtwerden von Lebensmitteln entsteht, genau anderthalb mal so viel, nämlich ein und eine halbe Milliarde Mark jährlich. Hier ist die Angriffsstelle, wo die neue Abschnittsparole der Ernährungsschlacht einsetzt. Und hier hat in breitester Front die ganze Volksgemeinschaft von der Hausfrau über den Händler und Verteiler und den Lagerer bis zum Erzeuger einzuschwenken.
Ihre Aufgaben sind im einzelnen in dieser Front sehr verschieden, aber sie fallen alle unter die gemeinsame Losung: Kampf dem Verderb! Dabei ergibt sich eine ganz eigenartige Feststellung, nämlich die, daß sich dieser Kampfflügel der Erzeugungs- fchlacht eng mit einem anderen berührt, nämlich mit der Vermehrung der Vo rr a t s w i r t sch a f t Das ist der Punkt, wo viele Hausfrauen umzulernen haben. Im Gegensatz zur Großmutterzeit wo die Varratswirtschast etwas selb stv er- ft a n d l i ch e s war. hat die siingste Klemhaushalts-
Tageskalender für Sonntag.
BDM.-Spvrttag, 15 Uhr, Universitätsfportplatz. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Befehl ist Befehl" — Gautreffen der Deutschen Stenographenschaft, 9 Uhr Kurzschrift-Leistungsschreiben im Realgyrn, nafium und der Oberrealschule; 20 Uhr Unterhal- tungs- und Volksmusik in der Volkshalle. — Kreisturnfest in Wieseck, 6.15 Uhr Wetturnen; 15.30 Uhr Festzug; 14.30 Uhr Großes Schauturnen; 17.30 Uhr Siegerehrung.
30000 Liter Wein ans Gan Obernheim und Oppenheim.
Gießen behält die vorjährigen Patenschaften.
Die Festlegung der „Weinwerbewoche 1936" für die Septembertage drängt die Frage auf nach den Potenweinen, die wir hixr in Gießen trinken werden. Der gute Erfolg der Veranstaltung des letzten Jahres ist noch in bester Erinnerung und sicher wird die diesjährige Weinwerbewoche der Vorgängerin nicht nachstehen. Der Zweck dieser Werbung ist ja nicht nur ein Ausschank billiger Weine während einer Reihe von Tagen, sondern ein steter Verbrauch des Rebensaftes in allen Volksschichten, damit auch der wirtschaftlich Schwächere sich ein Gläschen gönnt und durch den erhöhten Umsatz der deutsche Weinbau als Wirtschaftszweig die Ankurbelung erfährt, die im Interesse der deutschen Volkswirtschaft erforderlich ist.
Die Stadt Gießen wird auch in diesem Jahre aus den Weinbauorten Gau-Odernheim und Oppenheim ihren Patenwein beziehen. Die Stadt Gießen behält damit die Patenschaften des Vorjahres bei. Gau-Odernheim stellt den Ausschank- und Oppenheim den Flaschenwein. Entsprechend dem Verbrauch des letzten Jahres werden auch diesmal wieder 30 000 Liter Patenwein zur Verfügung stehen. Die Preise werden denjenigen des Vorjahres entsprechen. Auch diesmal soll Der Patenwein wieder feierlich eingeholt werden.
Fröhliches Wochenende.
Sieben Tage hat die Woche, aber ein ganzer und ein halber Tag davon gehören dem Wochenende. Um dieser erfreulichen Tatsache willen verdient jede Woche unsere Sympathie, und mag sie gut oder schlecht, kurzweilig oder ausgedehnt gewesen sein: am Ende gibt es allemal jenen festlichen Höhepunkt, der wie ein sprühendes Feuerwerk seine bunten Lichter nach allen Seiten spendet.
Hat man jemals schon davon gehört, daß sich jemand abfällig über das Wochenende geäußert hätte? Etwa in dem Sinne, daß ja nun schon wieder mal das leidige Wochenende da sei, auf das man am liebsten pfeifen möchte? Mitnichten, diese Meinung ist bisher noch an keiner Stelle aufgetaucht und sollte es wirklich doch einmal der Fall sein, so kann sie nur von einem gallenbitteren Griesgram und hoffnungslosen Pesfimisten stammen. Für die meisten anderen aber ist das Wochenende eine durchaus fröhliche Sache, deren reizvolle 'Wiederkehr jeden Alltag mit einem Abglanz verschönt.
Dom Montag bis zum Freitag gleiten die Tage dahin wie die Wagen eines Bummelzuges. Man fitzt in diesem Bummelzug und sieht die (Stationen der Woche vorüberziehen. Mal prüftet die Lokomotive schrecklich und es scheint nicht von der Stelle zu gehen. Dann wieder saust sie geschwinde zu Tal und die nächste Station taucht auf, noch ehe man s gedacht. Es ist ein Geheimnis um diesen Vorgang, der das Rätsel der Zeit in sich birgt, und um das sich sehr gescheite Leute immer wieder den Kopf zerbrechen. Mögen sie es tun, für unser fröhliches Wachende hat das wenig zu bedeuten. Denn wir merken bei allem schon zeitig genug, wenn der besagte Bummelzug sein Ziel erreicht hat, das uns die erwarteten Freuden beschert.
leider ausgegangen.
„Na, das ist ja schade. Aber ich freue mich, diese Weise wenigstens die Bekanntschaft dieser heimnisvollen Schwester zu machen, wenn auch nur telephonisch." .
„Wieso finden Sie mich denn so geheimnisvoll?
„Da haben Sie natürlich wieder mal vollkommen recht. Aber mit netten Leuten unterhält man sich eben immer gern."
„Hack nein!! — Da sind Sie aber ganz falsch im Bilde. Ich gelte nämlich als ziemlicher Drachen."
„Na, na, übertreiben Sie mal nicht so. Wer soll denn das- glauben?"
„Sie natürlich wer sonst. Oder sind Sie anderer Meinung?"
„Ja, wissen Sie, für so was hat man doch einen (Blick würde in diesem Falle ja nicht passen) ...
„Na, schließlich verheiraten wir uns ja nicht gleich."
„Nein? Also Sie meinen: mal unverbindlich in Augenschein nehmen." „
„So ungefähr könnte man es ausdrucken. Also einverstanden."
„Ja, hören Sie mal, und wenn Sie nun em furchtbarer Mießling sind?"
„Also so grauenhaft werde ich Sie ja hoffentlich nicht enttäuschen. Und schlimmstenfalls werden Sie die Tasse Kaffee auch noch überstehen. Und stellen Sie sich doch bloß mal Ellens Gesicht vor..."
„Gott, was für reizende Worte. Sind Sie mer so erfinderisch."
„Nur wenn's von Herzen kommt. — Haben Sie die Atzung schon beendet?"
Ja gerade fertig — Abgesehen davon: Glauben Sie nicht, daß wir mal so langsam Schluß ma-
„Zehn Minuten."
„Gut, bann bin ich ..
„Hoffentlich kriegen Sie keinen Schreck, Sie mich sehen."
Vorratswirtschast—Kamps dem Verderb!
Ein Aufklärungsfeldzug-Es geht alte an!
Zehn „Schau mal an, du
Respekt) Ihre Mutter
„Und wenn ich nun ----------
„Das wäre allerdings... auch eine sehr große
anderen Instrumenten."
„O Gott, in welchen Verdacht man lwch so nichts — dir nichts geraten kann!"
„Schönes Mir nichts — dir nichts'! — Aber wohl du es keineswegs verdient hast, will ich noch mal amnestieren. Wie ist es denn nun dem Kaffee, den du mir versprochen hast, als Du noch dachtest, ich wäre meine Schwester?
„Na, Ellen, ich wußte ja, du bist ein vernünftiger Mensch. Also: Alles vergeben und vergessen?
„Vergessen nicht, aber vergeben. Komm, Du
chen müßten?"
„Wenn Sie es brüsk ablehnen, sich weiter mit mir zu unterhalten."
„Ja, wissen Sie, Ellen sagt so oft: Meine Schwester — hier und meine Schwester — da, aber noch nie sind Sie am Apparat gewesen, wenn ich angerufen habe." , r
„Ja, sehen Sie, ich habe eben immer so viel zu ^Kann ich mir vorstellen. Wahrscheinlich bummeln Sie ununterbrochen. Uebrigens sprechen Sie genau wie Ihre Schwester."
„Vielleicht bin ich auch in Wirklichkeit nicht ich, sondern Ellen ..." f
„Würde ich glatt für möglich halten. Der Stimme
„Hören Sie mal, das liegt bei uns in der Familie. Ein Bekannter von uns hat sich mal eine halbe Stunde lang mit unserer Mutter die bei uns zu Besuch war, unterhalten und gedacht, es wäre Ellen." . „
„Lieber Gott, der Aermste! Schone Situation.
„Wieso? Meine Mutter hat sich sehr amüsiert.
WÄJÄ 21.« «K«»«; tiefen, aber — Moment mal, mein El kocht über. — So, da bin ich wieder."
„Also Sie sind gerade bei der Einnahme Ihres lukullischen Abendbrotes?" _ hn,
„Welch scharfsinnige Feststellung, hatten Sie das "BiÄinen die Geräusche, Ihrer Kauwerk- zeuge? Sonderbarerweise: Nein.
„Kavalier! — Sie haben wohl nichts zu tun heute abend, was?"
„Na, wir unterhalten uns hier eine Ewigkeit und kennen uns doch gar nicht. Finden Sie das nicht ein bißchen außergewöhnlich?'
Die Freuden des Wochenendes sind mannigfaltig und besonders in diesen Sommertagen mit Reizen gesegnet. Ein Narr, der sie nicht zu genießen versteht, ein doppelter Narr, der aus den arbeitsreichen Tagen der Woche nicht für sich das Recht ableitet, am Ende mit den Fröhlichen fröhlich zu fein. Alles ist einmalig auf dieser Welt. Das Leben und sein Abgesang, der Kampf und auch die Freude. Verschmähte Freuden aber sind wie unausgenützte Möglichkeiten, die das Schicksal im Leben bereithielt: sie entschwinden, wie sie gekommen und hinterlassen nichts als eine bittere und zugleich peinliche Erinnerung.
Für die Freuden des Wochenendes aber gilt, was sich von allen Freuden des Lebens sagen läßt: sie schüren die Lebensflamme und machen sie frei von Schlacken und lästigem Unrat. Ein richtig genutztes sommerliches Wochenende ist wie ein köstlich erfrischendes Bad, das Leib und Seele in gleichem Maße stärkt. Und zudem hinterläßt es eine unumstößliche Gewißheit, die bereits den Montag um einiges einladender macht: auch in der kommenden Woche gibt es ja wieder ein fröhliches Wochenende.
H. W. Sch.
Vornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NSG. „Kraft durch Freude", 20 Uhr, Liederabend „Die schöne Müllerin" gesungen von Gustav Bley im großen Hörsaal der Universität. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Befehl ist Befehl". — Gautreffen der Deutschen Stenographenschaft: 17 Uhr Gauvertreterversammlung, 20.30 Uhr, Oeffent- liche Kundgebüng im Cafe Leib. — Baltikum- und Freikorpskampfer: 20 Uhr Kameradschaftsabend im „Kühlen Grund". — Kreisturnfest in Wieseck, 16 Uhr Volkstümliche Wettkämpfe._______________
Abschlußfeier
des Ergänzungsbataillons.
Der zur Zeit laufende Lehrgang des Erg.-Batl. 53 neigt sich feinem Ende zu. Nach Erledigung der Schulgefechtsschießen, die in diesem Lehrgang in der Gegend von Butzbach stattfanden, findet am 7. und 8. Juli die Abschlußbesichtigung statt. Der Schlußappell der Mannschafts- und Unterführer- Lehrgänge, an dem auch Ernennungen und Beförderungen bekanntgegeben werden, findet am 9. Juli, 19 Uhr, auf dem inneren Hof des Schiffenbergs statt, zu dem Zuschauer Zutritt haben.
Nach der Verpflegung des Bataillons aus Feldküchen beginnen ab etwa 20 Uhr die Schlußfeiern der Kompanien, an denen die Bevölkerung Gießens teilnehmen kann.
U. a. ist Gelegenheit geboten, im Freien und in den Räumen am Tanz teilzunehmen. Eine kurze Filmvorführung mit Szenen aus dem dienstlichen und außerdienstlichen Leben des Ergänzungsbatall- Ions kann besucht werden. Lustige Vorträge von einzelnen Schützen sowie die Musik von zwei Kapellen werden auch einige Anziehungskraft ausüben.
Polizeibericht.
Einbruchsdiebflahl.
In der Nacht zum 2. Juli wurde gegen 3 Uhr iit einer hiesigen Darmhandlung ein Einbruchsdiebstahl verübt. Der Täter wurde beobachtet, konnte aber unerkannt entkommen. Gestohlen wurden 35 bis 40 Pfund Kranzdärme und eine Anzahl Schweinedärme. Die Därme waren mit rotweißem, rotem, oder grünem Bindfaden gebunden. Beschreibung des Taters: etwa 1,70 Meter groß, gefetzter Statur, trug dunklen Rock, Helles Hemd, beige ins
„Ich gehe nicht zu Bett, sondern, dem modernen Leben ängepaßt, zu Couch. Und etwa um 23.40 Uhr. Genau genug!"
Einigermaßen. Unter diesen Umständen will ich Ihnen mal einen Vorschlag zur Güte machen. Ich bin jetzt am Bahnhof Zoo und Sie bekanntlich m Ihrem Heim in der Uhlandstrahe."
Wie Sie alles merken! Sie übertreffen sich ja selbst mit Ihrem messerscharfen Feststellungen."
„Bitte keine unpassenden Zwischenrufe Also weiter'' Bevor ich besagten Vorschlag vaher fixiere, wollen Sie sich das Gesicht Ihrer holden Schwester Dorftellen, wenn Sie ihr morgen erzählen ...
Mu schießen Sie doch endlich los!
„Also, ich dachte, in etwa sechs Minuten vor Ihrem Haus aufzutauchen. Inzwischen werfen Sie Ihren neuen Frühjahrsmantel über ...
„Und komme runter, was?! — Haste jedacht!
Ricktia genau so hab ich's mir gedacht. Ich kenne Sie'zwar nur vom Bild, und vielleicht sehen Sie in Wirklichkeit viel schlimmer aus ...
„Aber ..."
Schiffsfriedhöfe.
Daß Schiffe auf hoher See untergehen, ist eine Seltenheit, meist sind es Brandungen, enge Fahrstraßen, Untiefen und Riffe, die ihnen zum Verderben werden. Englische Schiffsoerficherungen haben die Zahl der gesunkenen Schiffe, Deren Hebung sich lohnen würde, auf rund 7000 berechnet.
Der größte und gefährlichste Schiffsfriedhof ist der Aermelkanal, dessen Tücken erst vor kurzem der Diermaster „Herzogin Cecilie" zum Opfer gefallen ist. Die Mannschaft wurde gerettet. Die Felsenbänke von Sewer Mill Cowe, an denen Das Schiff scheiterte, sind schon unzähligen Schiffen und Seeleuten zum Verhängnis geworden. Im Kanal herrscht häufig Nebel. Auch die Südfpitzen von Afrika und Südamerika sind als Schiffsfriedhöfe bekannt und gefürchtet.
Die Engländer sind vielfach der Ansicht, daß es bei der heutigen Technik möglich sei, Die meisten gesunkenen Schiffe zu heben und ihre Goldschätze dem Meere zu entreißen. So einfach liegen die Dinge jedoch nicht; noch immer ist es z. B. nicht gelungen, trotz größter Anstrengungen, an den englischen Kreuzer „Hampshire", der während Des Weltkrieges mit dem Marschall Kitche ner versank, heranzukommen, um die sehr beträchtlichen Goldmengen, Die das Schiff mit sich führte, zu bergen.
tzochs<cku1nacbncbien.
Professor Dr. jur., Dr. phil., Dr. rer. pol. h. c. Erich Jung, Ordinarius für römisches und deutsches bürgerliches Recht und Rechtsphilosophie an der Universität Marburg, der mit dem 1. Oktober d. I. emeritiert wird, feierte am 1. Juli seinen 70. Geburtstag. Er wurde 1893 Regierungsafsessor und habilitierte sich vier Jahre später an der Universität Gießen für deutsches bürgerliches Recht und Handelsrecht. 1901 wurde er ao. Professor in Gießen und zwei Jahre später Extraordinarius in Greifswald. 1909 erhielt er einen Ruf als o. Professor nach Straßburg, wo er zehn Jahre lang wirkte. 1919 wurde Professor Jung von den Franzosen ausgewiesen und wurde 1921 Ordinarius in Marburg. Der Gelehrte ist Mitherausgeber Der Zeitschrift für Rechtsphilosophie. Seit 1933 gehört Professor Jung der Akademie für Deutsches Recht an. Von seinen Werken nennen wir „Germanische Helden und Götter in christlicher Zett" „Das ,Ge- setz' Der Geschichte", „Deutsche Geschichte für Deutsche", „Heerbann unD Gerichtsbann", Deutsche Rechtsphilosophie", „Das privatrechtliche Wesen I Des GelDes".


