Die deutle Arbeitsfront
’ n.9.=öcmcinf(haft ..Kraft durch Freude"
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Giessen Schulstr6
Aus der Geschichte der Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschast.
Zum Gautreffen der Stenographen in Gießen.
Sekretär Kurt Heinz Bickel, Provinzialsekretär Louis Lenz, letztere drei Idealisten fielen auf dem Felde der Ehre, dann Kanzleirat Eduard Schiffni e, Richard Ha f e n k r u g, Rektor Georg Kling, Prokurist Otto Mandler (Mitbegründer der Stenoaraphengesellschaft), Bürodirektor Emil Kinkel, Prokurist Heinrich Rau, Bücherrevisor Theodor Daube!, Buchhändler Franz Han« stein, Derwaltungsobersekretär Alex Karnbach und Prokurist Fidel Balken.
In vielen benachbarten Städten und größeren Ortschaften wurden von Gießen aus Lehrgänge in Stenographie abgehalten, wie z. B. schon 1865 in Wetzlar und Butzbach, später in GrohemLinden, Grünberg, Heuchelheim, Hungen, Klein-Linden, Launsbach, Lich, Lollar, Rodheüm a. B., Watzenborn, Wieseck, Wißmar.
Mancher Verein wurde von den Gießener Stenographen aus der Taufe gehoben.
Auch die Pflege des Maschinenschreibens wurde schön vor Jahrzehnten mit in den Lehrplan ausgenommen. Lehrgänge in Kurzschrift wurden gehalten an der Universität, der Berufs- schule des Kaufmännischen Vereins, der Kapitulantenschule und später der Heeresfachschule in Gießen. Auch die stenographischen Schülerkränzchen am Gymnasium, dem Realgymnasium, der Oberrealschule und der Akademische Stenographenoer. ein entstanden auf Betreiben von begeisterten Mit- gliedern der Vereine. Diese Schülervereine hielten stets eine rege Verbindung mit den Vereinen. Ende der 90er Jahre wurde dazu übergegangen, auch Damen Unterricht in Stenographie zu erteilen. Es wurde dem Verein das „Damenkränzchen", der Gesellschaft die „Damenabteilung" angegliedert, und das Damenkränzchen längere Zeit als felbstständi« ger „Damenoerein" geführt.
Viele Tausende von tüchtigen Stenographen und Stenographinnen sind in den sieben Jahrzehnten ausgebildet worden.
Der Umstand, daß im vergangenen Jahr durch i die Eierkennungsstellen in Deutschland rund vier ; Millionen Eier wegen Genußuntauglichkeit ausge- ; chieden werden mutzten, gibt Veranlassung, nament- i lich die Bäuerinnen darauf aufmerksam zu machen, daß durch unsachgemäße Behandlung : der Eier große Verluste eintreten. Jedes in Deutschland verdorbene Ei muß durch ein Aus- i landsei ersetzt werden. Der Erzeuger hat es sich elbst zuzuschreiben, wenn der Reichsnährstand zu Maßnahmen gezwungen roitb, die er zwar selbst nicht wünscht, die aber doch im Interesse des Volks- ganzen unvermeidlich geworden find. Es ist nicht angängig, daß Bäuerinnen im Spätsommer in Erwartung besserer Preise die Eier zurückhalten. Auch in den Herbstmonaten werden die Eierpreise gleichbleibend sein, weshalb ein solches Verhalten nicht nur sinnlos, sondern auch unehrenhaft wäre. Sauberkeit im Stall trägt schon viel dazu bei, daß der Prozentsatz der Schmutzeier erheblich geringer werden kann.
Igel und Schlangen gesetzlich geschützt.
LPD. Die Naturschutzverordnung vom 18. März 1936 schützt nicht nur Pflanzen, sondern auch zahlreiche Tiere, di" schon selten geworden sind und vor der völligen Ausrottung bewahrt werden sollen.
Don Säugetieren sind es Igel, Spitzmäuse, Fledermäuse, Siebenschläfer und Haselmaus, von Kriechtieren Eidechsen, die Blindschleiche, die Ringelnatter und die Würfelnatter (sehr selten), von Lurchen der Feuersalamander, Kröten und Unten, Laubfrosch und Moorfrosch, von Insekten Segelfalter, Hirschkäfer und Rote Waldmeise. Fast alle diese Tiere sind den Menschen nützlich, weil sie Ungeziefer vernichten, wie der Igel, die Spitzmäuse, die nichts mit den Feld- oder Wühlmäusen zu tun haben, sondern Insekten und dergleichen verzehren, wie auch die Fledermäuse. Die Eidechsen leben in gleicher Weise vom Fang von Insekten; die Schlangen fangen Mäuse, Frösche und dergleichen.
In Deutschland lebt nur eine giftige Schlange, das ist die Kreuzotter, die auch den Menschen durch Bisse gefährlich werden kann. Da sie in Farben und Zeichnung wechselt, ist sie nicht immer leicht zu erkennen; Hauptmerkmal ist die meist dunkelbraune Zickzacklinie auf dem Rücken. Auch sie ist in den meisten Gegenden selten. Kröten, Unken und andre Amphibien sind den meisten Menschen durch ihr Aeuheres, das hauptsächlich als Schutzfarbe dient, widerwärtig. Dennoch sind auch sie durch den Fang von Schnecken, Würmern und Kerbtieren nützlich. Die Segelfalter gehören zu den schönsten Tagfaltern, die bis auf die Weißlinge alle geschützt sind; ebenso ist es mit den Schwärmern und Äold- und Rosenkäfern.
Die Waldameise ist besonders nützlich durch Wegschaffen verwesender Stoffe, war aber von Sammlern der sogenannten Ameiseneier stets gefährdet. Auch die Weinbergschnecke genießt einen beschränkten Schutz vom 1. März bis 31. Juni. Für alle . zuerst genannten Tiere ist das Fangen, Töten auch ihrer Larven. Puppen usw. und der Verkauf Der- ■ boten. Der Fang des Maulwurfs auf fremden ' Grundstücken ist ebenfalls verboten. Lehrmittelhand' i hingen und Naturaliengeschäfte müssen über die in ! ihrem Besitz befindlichen Tierarten eine Liste füh- » ren. Wer sich bemüht, die Tiere in der freien
dunkle gehende Hose, dunkles Haar ohne Kopfbedeckung. Die entwendeten Därme wurden mit einem Fahrrad fortgeschafft. Sachdienliche Mitteilung erbittet die Kriminalpolizeistelle Gießen.
Amt für Volköwohlfahrt.
Ortsgruppe Gießen-Tlord.
Lebensmittel-Opferring.
Am Dienstag, 7„ und Mittwoch, 8. d. M., wird die Pfundsammlung durchgeführt. Die Mitglieder werden gebeten, die Pfundpäckchen bereitzuhalten und die Mitgliedskarte zur Eintragung vorzulegen. Die Päckchen sind inhaltlich durch eine klare Aufschrift kenntlich zu machen.
NS.-Frauenwerk.
Ableitung Volkswirtschaft — Hauswirtschaft.
Zusammenkunft: Montag, 6. Juli, 20 Uhr im Caf6 Leid.
♦* D i e nst ju bi l äu m. Am vergangenen Mittwoch konnte der Derwaltungsassistent Karl Fischer, Gießen, Friedensstrahe 18, auf eine 25jährige Tätigkeit im hessischen Staatsdienst zurückblicken. Seit dem 1. Juli 1911 steht er mit drei- jähriger Unterbrechung während des Krieges im Dienst bei der Landes-Heil- und Pflegeanstalt in Gießen. Er ist seit dem Bestehen der Anstalt in deren Verwaltung unermüdlich tätig. Die Pflichttreue und der Arbeitswille des Jubilars sind bei Berücksichtigung feiner starken Behinderung durch seine schwere Kriegsverletzung beachtlich und Der» dienen hervorgehoben zu werden. Von seinen Mitarbeitern wurde ihm eine Ehrengabe zuteil. Der-
In Gießen bestanden früher zwei Stenographen- oereine, welche die Gabelsbergersche Kurzschrift pflegten und zwar der am 31. August 1861 gegründete „Gabelsberger Stenographenverein" und die am 31. Mai 1897 ins Leben gerufene „Stenographengesellschaft Gabelsberger". Beide Vereine wurden auf Vorschlag des Kreisgebietsführers K. H. K u h l am 2. Ium 1933 in die „Ortsgruppe Gießen der Deutschen Stenographenschaft verschmolzen. Die Ortsgruppe Gießen kann in diesem Jahre auf ein 75jähriges Bestehen zurückblicken.
Die Stenographie wurde also in Gießen schon sehr früh gepflegt, und es ist eine ganze Anzahl von Persönlichkeiten, die auf stenographischem Gebiete eine bedeutende Rolle gespielt haben, aus den Reihen der Gießener Vereine hervorgegangen, so der Mitbegründer des alten Vereins, der Kreisschulinspektor Müller und
OberftubienbiteFfot Eduard Pfaff, der Vater der deutschen Linheitskurzfchrift,
der schon 1888 den Verein auf dem Main-Rhein- aau Derbandstag in Aschaffenburg vertrat und im Jahre 1908 zum Ehrenmitglied des Vereins ernannt wurde. Oberstudiendirektor Dr. Heinrich Pitz, der langjährige Vorsitzende des Hessen- Nassauischen Verbandes (Main-Rheingau-Verband) Gabelsbergerscher Stenographen leitete viele Jahre als 1. Vorsitzender die Geschicke des Vereins von 1861. Ferner fei erwähnt der Mitgründer Otto Bergen, der spätere Direktor des Gaswerks Gießen, der besonders bekannt ist durch seine zeichen- künstlerischen Schöpfungen der stenographischen Bilderbogen usw.- Bergen hatte die Stenographie bei Stiftsprior P. H. Gratzmüller in Augsburg, einem Schüler Gabelsbergers, erlernt. Dieser um die Verbreitung der Stenographie sehr verdiente Mann wurde zum Ehrenmitglied des Gießener Vereins ernannt und ließ dem Verein zum 10. Stiftungsfest ein Manuskript des Altmeisters Gabelsberger Überreichen, das sich heute noch in der Bücherei der Ortsgruppe befindet. Weiter nennen wir die erfolgreichen verschiedenen Vorsitzenden der Vereine und die begeisterten Verfechter der Stenographie: Reallehrer Albacb, Fabrikdirektor F. May, Sekretär Wilhelm Loy,
men haben?
Am 8. Juli läuft — wie uns das Stadttheaterbüro schreibt — die Frist ab, die die Theaterleitung den bisherigen Platzmietern eingeräumt hat, um ihnen ihren alten Stammplatz zu sichern. Inzwischen sind unsere Werbehefte mit allen Angaben über Spielplan, Mitglieder, Stammsitz-Preise und Werbepreis und vor allem auch mit den Bildern unserer neuen Mitglieder in den Besitz sämtlicher Theaterfreunde gelangt; auch hat die Theaterkasse werktäglich von 10 bis 13 Uhr auf Anftagen jede gewünschte Auskunft gegeben.
Aus verschiedenen Anfragen an die Theaterleitung ging hervor, daß über die zehnprozentige Erhöhung der Freitag-Miete noch Unklarheiten herrschen. Es hat sich in der vergangenen Spielzeit herausgestellt, daß eine gleichmäßige Verteilung der Erstaufführungen auf die drei Abonnementstage nicht durchzuführen ist. Es mußte daher aus betriebstechnischen Gründen ein Tag als Premierentag feftgelegt werden. Der Freitag wurde gewählt, weil er für den Probenplan des Theaters
am günstigsten liegt. Da nun jeder gern an dem östlichen Ereignis einer Erstaufführung oder Uraufführung teilnehrnen will, mußte der Mietpreis um ein geringes erhöht werden, damit die anderen Platzmieter nicht benachteiligt sind. Die Preiserhöhung beträgt auf den teuersten Plätzen nicht mehr als 0,25 Mark pro Vorstellung. Wem aber auch diese geringe Mehrbelastung zuviel ist, kann seinen Platz am Dienstag oder Mittwoch wählen, ohne daß ihm dadurch etwa künstlerisch weniger wertvolle Aufführungen geboten würden.
Wir können mit Freude feststellen, daß die Zahl unserer festen Theaterfreunde gegenüber der vergangenen Spielzeit um ein beträchtliches größer 3U werden verspricht. Die Theaterkasse muß nunmehr an die Zuteilung der Plätze, vor allem auch für die neuen Platzmieter Herangehen. Wir richten daher nochmals unsere dringende Bitte an alle bisherigen Platzmieter, bevor Sie in die Ferien reisen, vergessen Sie nicht den 8. Juli. Die Theaterkasse Johannesstrahe 3 ist werktäglich von 10 bis 13 Uhr geöffnet und nimmt jegliche Meldungen zur Platzmiete entgegen. Auf die heutige Anzeige sei hingewiesen.
Sorgfältige Eibehandlung beim Erzeuger.
Natur kennenzulernen, wird sie nicht mehr fürchten, sondern um so größere Freude an all ihren Wundern haben.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 4. Juli. Auf dem heutigen Wochen- markt kosteten: Molkereibutter, A kg 1,55 Mart, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,50 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse B 10, Klasse C 9%, Enteneier 9 bis 10, Wirsing, kg 10, Weißkraut 12 bis 15, Rotkraut 20, gelbe Rüben 20, rote Rüben, das Bim- del 10 bis 12, Spinat, XA kg 15 bis 20, Römischkohl 10 bis 12, Bohnen, grün, 20 bis 40, Erbsen 10 bis 20, Mischgemüse 10 bis 12, Tomaten 35 bis 45, Zwiebeln 15, Rhabarber 8 bis 10, Pilze 50, Kar- löffeln, kg 5 Pf., 5 kg 45 Pf., 50 kg 3,95 Mark, neue, kg 12 Pf., 50 kg 8 bis 9 Mart, Pfirsiche, % kg 45 bis 55 Pf., Aepfel 30 bis 60, Kirschen 25 bis 35, Heidelbeeren 30 bis 35, Stachelbeeren 15 bis 40, Johannisbeeren 20 bis 25, Erdbeeren 25 bis 45, Hähne 90 Pf. bis 1 Mark, Suppenhühner 80 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 65, Blumenkohl 5 bis 60, Salat 5 bis 8, Salatgurken 15 bis 35, Einmachgurken 5 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 10, Rettich 5 bis 10, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
Radwanderung — vadefahrt.
Am Sonntag, 5. Juli 1936, führen wir eine Radwanderung nach Grünberg (Waldbad) durch. Die Rückfahrt erfolgt durch das Lumdatal. Abfahrt 7 Uhr an der Volkshalle. Rucksackverpflegung. Führung: Wanderwart ©paar.
Motorradrennen „Rund um Schotten".
Anläßlich des Motorradrennens „Rund um Schotten" wird am Sonntag, 19. Juli 1936, eine Omnibusfahrt von Gießen, sowie von 'Großen- Linden aus durchgeführt. Gleichzeitig wird eine Radwanderung über Grünberg—Ulrichstein nach der Poppenstruth durchgeführt. Abfahrt 4 Uhr an der Dolkshalle.
Anmeldungen müssen bis Donnerstag, 16. Juli, 18 Uhr, bei der Kreisdienststelle Gießen, Schan- zenstraße 18, oder in Großen-Linden bei Ortswart Steine! abgegeben sein. Der Fahrpreis mit dem Omnibus beträgt 2,70 Mark.
Sonderzug nach Bad-Rauheim.
Am Sonntag, 19. Juli 1936, fährt ein Sonderzug nach Bad-Nauheim zur Rosenschau in Stein« fiirth. Der Fahrpreis beträgt mit Eintritt 1,10 Mark. Anmeldungen müssen umgehend an die Äreistrienftftelle erfolgen.
LandschastsbundVollSiuni und Heimat.
Heute und morgen, 4. und 5. Juli, findet in der Klosterruine Arnsburg unser diesjähriges Gau - [•ingtref f en unter Leitung von Otto Siegler statt. Am Sonntag wird das musikalische Gesamtergebnis in der Schlußmusik zusammengefaßt. Alle Mitglieder und Freunde alter deutscher Volksmusik haben freien Zutritt.
Was geht im Stadttheater vor?
...und woran liegt es?
Um es gleich vorweg zu nehmen, an uns selbst — wenn wir als A l t a b o n n e n t e n unseren bisherigen Stammplatz noch nicht für die kommende Spielzeit 1936/37 wiederbestellt haben. Wollen wir uns denn den ganzen Winter über an jedem Theaterabend ärgern, nur weil wir den Termin versäumt haben und daher unseren liebgewor- denen und altgewohnten Platz nicht wiederbekom-
waltungssekretär W e h r u m brachte als stellvertretender Verwalter dem Jubilar die besten Wünsche dar und dankte ihm für seine gute und treue Mitarbeit.
♦* Die Anmeldung zur Wehrstammrolle militärisch ausgebildeter Wehrpslichtiger älterer Geburtsjahrgänge betrifft eine Bekanntmachung der Polizeidirektton Gießen im heutigen! Anzeigenteil. Die Anmeldung hat in der Zeit voin 13. Juli bis 22. August von 8 bis 12 Uhr und von 15 bis 17 Uhr bei der Pottzeidirektion Gießen, Landgraf-Philipp-Platz 1, Zimmer 26, persönlich zu erfolgen. Die Bekanntmachung betrifft die Offiziere und Beamten aller Gattungen, die dem Aktiven- ober Beurlaubtenstand des früheren Heeres, der Schutztruppe, der Kaiserlichen Marine, der Reichswehr (des Reichsheeres und der Reichs- marine) angehört haben; ferner alle feit dem 1. Januar 1921 aus der Wehrmacht ober ber Can- bespolizei ausgeschiedenen Deckoffiziere, Unteroffiziere und Mannschaften, sowie alle Männer, die durch eine von ber Wehrmacht ober Landespolizei veranlaßte kurzfristige Ausbildung geschult sind, sofern sie einem älteren Geburtsjahrgang als 1913 angehören.
** Die Bürgersteuer ber Lohn- und Gehaltsempfänger betrifft eine Bekanntmachung ber Bürgermeisterei im heutigen Anzeigenteil. Es wirb befonbers barauf hingewielen, daß der Arbeitgeber für die Einhaltung und Ad- führung der Bürgersteuer seiner Arbeitnehmer haftet und, falls er seiner Verpflichtung nicht nachkommt, die Steuer von ihm durch Haftungsbescheid angefordert und nötigenfalls im Derwaltungs» zwangsverfahren beigetrieben wird.
** Der nächste Rindvieh - (Nutzvieh-) Markt findet am Dienstag, dem 7. Juli, statt. Der nächste Schweinemarkt wird am Mittwoch, 22. Juli, gehalten. Auf hie heutige Bekanntmachung fei hin, gewiesen.
Nachdruck verboten!
16. Fortsetzung.
schlüpfte wieder in den Mantel, stülpte den
-hm auf. „lieber
tätige Warten war auch nicht mehr zu ertragen. Planlos lief er durch ein paar Straßenzeilen und dann wieder nach seiner Wohnung zurück, wo er das Licht hatte brennen lassen, damit sie wußte,
eine Stunde später ins Kolleg ging, kam Frau Steffen die Treppe herauf. „Guten Morgen, mein Bub!" Sein Erstaunen gab ihr Sicherheit. „Ich komme eben von Ellbach und wollte dich sehen, ehe du ins Kolleg gehst. Du hast wohl schlecht geschlafen?" fragte sie, besorgt in sein übernächtiges Gesicht blickend. „Was hat dich denn gequält, mein Junge?" Dabei hatte sie lächelnd ihren Arm in den feinen und schaute zu ihm auf.
Es lag ihm auf der Zunge zu sagen: „Seit wann lügst du denn, Mutter? Dann schluckte er den Vorwurf hinunter. „Ich bin noch ganz Überrascht, daß du dich nach München herein verirrst. Hast du etwas
„Ja! Er soll — natürlich vor langen Jahren schon — die unmündige Tochter des Finanzministers entführt haben."
„Und weiter, Rolf...?"
„Weiter habe ich nichts gehört, Mutter. Vielleicht hätte ich noch mehr erfahren, aber Steffanelli fing eben zu fingen an. Uedrigens kann uns das ja völlig gleichgültig fein, was er alles auf dem Kerbholz ' hat, und sie wird auch nicht ganz schuldlos an der Sache gewesen sein. Manche Mädchen verstehen es eben — —"
„Wahrscheinlich ist alles erlogen," unterbrach sie ihn erregt.
„Vielleicht. Findest du nicht auch, daß sechzehn Jahre reichlich früh ist? Es gibt eben so 'ne und so ’ne. Wo nähmen die Schriftsteller sonst ihre Typen her? — Vorsicht, Mutter! Es kommt eine Tram." Damit zog er sie die Schutzinsel hinauf. „Frierst du?"
„Nein, gar nicht. Rolf!"
Nun lügt sie schon das zweite Mal! dachte er und mußte sich beherrschen, seinen Aerger nicht merken zu lassen. Ihr Arm zitterte in dem seinen. Er spürte, wie es sie förmlich schüttelte. „Weißt du was, Mutter? Ich lasse mein Kolleg Kolleg sein und geh mit dir in ein Eaföhaus. Du trinkst eine Tasse Tee ober Kafee und wir plaudern zusammen. Bei nur auf der Bude ist es ohnehin zu falt. Willst du?
„Bitte, Rolf!" Als sie bann in der Wärme saßen, legte sie unvermittelt ihre Hand auf die seine. „Ich möchte von Klein-Ellbach wegziehen."
„Nein, Mutter!" stammelte er bestürzt.
„Doch!"
„Ja, aber warum denn?"
„Ich fühle mich so einsam," klagte sie.
„Aber das ist doch immer so gewesen", stieß er hervor und preßte die Handflächen aneinander. Er stürzte von einer Überraschung in die andere. Gestern abend ihre Anwesenheit im Konzert — das Ausbleiben ihres Besuches nachher. — dann ihr plötzliches Erscheinen heute morgen und ihre Lüge, sie sei eben erst von Ellbach eingetroffen. Und nun wollte sie von der Heimat Weggehen. „Wohin willst du denn ziehen?" fragte er beklommen.
„Ich weiß noch nicht. Es ist ja auch noch nicht ganz sicher, Rolf! Vielleicht findet sich gar kein Käufer für das Haus."
Verfluchtes Gold!
Roman von 3. Schneider-Ioerfil.
Urheberrecht: Verlag Oskar Meister, Werdau i. Sa.
we _ _______________ ... i war weniger hübsch."
fiufaüf' unYverließ bas Zimmer. Es war eigentlich Ihr Kopf hob sich ruckartig zu zwecklos, »ach ifrr suchen zu gehen. Aber dieses un-1 feine Dergangenhett, Rolf?
daß er zu Hause sei.
Bis zwei Uhr morgens wartete er. Dann warf er sich angekleidet auf das Bett und verfiel bis gegen sechs Uhr in einen unruhigen Schlaf. Als er ‘ ..... Kolleg ging, kam Frau
f. „Guten Morgen, mein
Steffanelli fang wirklich wunderbar. Aber Rolfs Gedanken schweiften immer wieder ab und beschäftigten sich mit der Mutter. Während das Publikum vor Beifall raste, ruhte sein Blick auf ihr und lieb- koste den feingeschwungenen Nacken, Der den schmalen Kopf trug.
Rolf war einer ber ersten, welche bie Plätze verließen. Ringsum brandete noch die Begeisterung, schrie und trampelte die Menge, während er sich schon nach dem Ausgang drängte und die Treppe hinablief, um seinen Mantel zu holen. Er hatte Glück, denn als er an die Haltestelle kam, klingelte eben eine Tram herbei. Das bedeutete willkommenen Vorsprung. Zu Hause machte er in aller Eile das Zimmer schön, setzte Wasser auf den Spiritus» tofter und erbat sich von der Hausftau etwas Brot und Aufstrich.
Nun muhte sie bald kommen! Natürlich blieb sie zur Nacht bei ihm. Nach Klein-Ellbach ging um diese Zeit kein Zug mehr. Sie würde im Bette schlafen und er auf dem Diwan. So ging es ganz gut. Das Wasser zischte über. Er brühte den Tee auf und wartete.
Wahrscheinlich blieb sie bis zum Schluß. Künst- lerp siegten oft mehr als eine Zugabe zu schenken, unb wenn sie's nicht freiwillig taten, wurden sie eben dazu gezwungen. Bis die Mutter dann ihre Garderobe bekam, bis sie zur Tram ging unb hierherfuhr ...
Als feine Taschenuhr auf dem Nachtisch zehn Minuten nach zwölf zeigte, steigerte sich jeine Unruhe. Wo blieb sie denn so lange? Es würde ihr doch nichts zugestoßen fein? Unb sie kam ja so selten hierher, seine kleine Mutter, unb war noch jung und schön und vielleicht auch ein bißchen vertrauens-
zu erledigen?"
„3a, verschiedene Besorgungen/'
„Willst du meinen Zimmerschlüssel haben? Oder gehst du ein Stück mit mir? Ich habe nämlich Eile und möchte wissen, wo mir uns Mittags treffen können."
„Ich fahre Mittag schon wieder weg, Rolf."
„Das ist aber schade!" meinte er. „Und war gar nicht der Mühe wert gewesen." Er zog sie mit sich die Treppe hinab unb plauderte drauf los: „Ich war gestern abend im Konzert von Albert Steffanelli. Einfach fabelhaft, Mutter! Der kann was. Du solltest ihn dir auch einmal anhören. Wenn Zeit dazu gewesen wäre, hätte ich dir meine Karte geschickt. Einer von meinen Professoren hat mir sie geschenkt: dritte Reihe, ganz vorne." Es entging iym nicht, baß eine leichte Glut in ihr Gesicht stieg. „Der Mann singt wie ein Gott."
Den Kopf etwas geneigt, ging Frau Elisabeth neben dem Sohn her und suchte sich seinem Schritt anzupassen. „Ich kann mir denken, daß es sehr schön gewesen ist."
„Wundervoll, ja! Freilich, was da zwei Lästermäuler über seine Vergangenheit geflüstert haben,
„Unser schönes Haus, Mutter!"
„Tut es dir sehr leid?" fragte sie leise und senkte dabei den Blick.
„Ja, sehr! Ich kann dir gar nicht sagen wie. Der Gedanke an dich und unser Heim gab mir immer Frieden, Ruhe und Geborgenheit. Wo willst du denn hin, wenn du von Klein-Ellbach wegziehst?"
Sie hob nur die Schultern.
„Wird es dir in der Stadt nicht zu laut fein?"
Sie schwieg. „Es ist ja auch noch unbestimmt. Wenn du von Ellbach so schwer weggehst, lasse ich's eben."
„Aus mich kommt es nicht an", meinte er. „Nur, Mutter — belüge mich wenigstens dieses eine Mal nicht!"
Das Serviermädchen kam herzugesprungen und lächelte tröstend, als es sah, wie entsetzt die Dame auf die Scherben des Teeglases blickte, das auf dem Marmor des runden Tisches soeben zersplittert war. Es trocknete mit einem Tuch das Naß weg und bat, die Herrschaften möchten sich an den Tisch nebenan setzen. Es waren so wenig Gäste da, daß es Platz genug gab.
„Was war denn, Mutter?" fragte Rolf begütigend, der nun Mitleid mit ihr empfand unb sich ärgerte, sich nicht besser beherrscht zu haben. ,Hch darf doch wohl fragen?"
„Du hast behauptet, ich lüge."
„Aber nein, Mutter!"
„Doch, Rolf." Wahichaftig, nun weinte sie! Aber es blieb bei den wenigen Tropfen, die ihr ungewollt über die Wangen liefen.
„Trink meinen Tee, Mutter", drängte er, ihr fein Glas zuschiebend. „Dann gehen wir! Wir sprechen draußen weiter."
Ein kalter Wind pfiff durch die Straßen, die sie bald darauf durchschritten. Ihr Zusammenschauern brachte Rolf erst jetzt zum Bewußtsein, wie dünn ihr Mantel war. Wenn er nur endlich einmal mit dem Studium fertig märe! Endlich einmal! — „Es ist schrecklich!"
„Was ist schrecklich, Rolf?"
„Daß es nicht einmal zu einem mannen Mantel für dich reicht, roeil ich dir alles megesse."
„Aber nein, Rolf!"
(Fortsetzung folgt!)


