tionalen Aufschwung und dann die Jämmerlichkeit der Reaktion erlebt. Als Bismarck das Reich schuf, erkannte Lagarde den soldatischen Geist durchaus an, aber gleichzeitig sah er die Unfähigkeit des Adels, die Sattwewung des Bürgertums, die Unmöglichkeit, die Ansprüche des vierten Standes zu befriedigen, und zudem kam die utilitaristische Lehre, wonach das Geld alles und die Verzinsung des Leihkapitals das Primäre wäre, sollten auch Bauern und Bürger darüber verderben. Mit der Herrschaft des Kapitalismus und der Maschine, dem Zerfall der deutschen Kultur, kam jener Fortschrittsschwindel, der doktrinär zum Beispiel den Freihandel als weltanschauliches Prinzip hinstellte, und je mehr die Entstehung großer, dem mobilen Kapi- talverkehr dienenden Institute, die Entwicklung des Effektenhandels und die Großindustrie sowie der Handel aufkamen, um so stärker verließ der Liberalismus die Höhen der politischen und philosophischen Ideologie. Damit aber kam der Bruch in die deutsche Kultur und Entwicklung. Wir hatten in knapp einem Menschenalter nachzuholen, wozu man in England und Frankreich vier gebraucht, wir hatten zudem um die politische Form des neuen Staates noch gegen Gewalten wie den Klerikalismus, den Konservatismus der ostelbischen Prägung, die DynaMsonderheiten, den Liberalismus und den Marxismus sowie das immer stärker sich ausbrei- tende Judentum anzukämpfen, die die anderen Staaten in diesem Ausmaß nicht kannten. Die sehr angesehene liberale Nationalzeitung schrieb bereits im Jahre 1856: „Im Gefühle der Unbefriedigung über verfehlte ideale Zwecke, in der Trostlosigkeit über mißlungene ideale Bestrebungen hat die intelligente und materielle Kraft des Volkes sich auf das Gebiet des Erwerbes konzentriert ..." Von Jahr zu Jahr nahm dieser Kampf um den Erwerb zu, Seele und Blut der Nation verdarben dabei trotz aller scheinbaren Fortschritte.
Eine Umkehr durfte nicht die alten Zustände vor den Freiheitskriegen, nicht die Versklavung großer Teile des deutschen Volkes, wie sie vor 1813 durch Adel und Klerisei, nachher durch den Kapitalismus bewirkt worden war, zum Ziele haben, sondern ein schöpferisches Neues galt es zu gründen. In den
„Deutschen Schriften*' setzte sich Lagarde mit allen Erscheinungen seiner Zeit auseinander und verwarf den Liberalismus sowohl wie den Marxismus als volksfremd, dafür stellte er aber das Ziel auf, daß das ganze Volk, nicht einzelne Schichten, zunächst seelisch und religiös — nicht konfessionell — zu erneuern fei. Er kämpfe gegen die Verstädterung und Verproletarisierung — so schrieb er: „Wir sind ein Bauernvolk!' — und trat für eine verantwortungsbewußte Erziehung namentlich der Jugend ein. Dieses Bekenntnis zum Deutschtum aber machte auch eine Auseinandersetzung mit dem Judentum und dem Geiste notwendig, der das Judentum dem Deutschtum nach der Sprache der Zeit „assimilieren", also angleichen wollte. Lagarde, der von der Theologie herkam, erkannte, daß zwischen bei
den Völkern aus ethischen und religiösen Gründen, die sich natürlich auch auf die Staatsgesinnung und die wirtschaftliche Auffassung erstreckten, keine Ver- bindungsbrücke bestände.
Und auch darin zeigte sich Lagarde als Künder und Seher, wenn er, nach der Neuformung des Begriffes „Volk", eine weitgehende Formung dieses Volkes verlangte, wie es schließlich der Nationalsozialismus durchführt. „Möge Deutschland", so schrieb er, „nie seine Gröhe und fein Glück aufbauen wollen als auf der Gesamtheit aller seiner zur vollsten Ausbildung der in jedes einzelne von ihnen gelegten Anlagen und Kräfte erzogenen Kinder, also auf so vielen Grundlagen, als es Söhne und Töchter hat."
Oer Mainzer Gistmord-Prozeß.
Am fünften Verhandlungstage wurden die Versicherungen erörtert. Eine frühere Mieterin von Frau Vogler bestätigte, daß diese im Besitz der Versicherungspolice des ermordeten Seitz gewesen sei, was die Angeklagte bestreitet. Die Versicherung des alten Vogler, die 3500 RM. betrug, wurde nicht ausbezahlt, da beim Tode'des Gastwirts die Karenzzeit noch nicht abgelaufen war. lieber die Versicherung, die Frau Vogler für ihren Stiefsohn abgeschlossen hatte, will ein heute stellungsloser Versicherungsagent mit Georg Vogler mehrfach gesprochen haben. Georg Vogler stellt energisch in Abrede, von dieser Versicherung irgend etwas gewußt zu haben. Der Vorsitzende ermahnt den Zeugen: „Sie scheinen mit Frau Vogler unter einer Decke zu stecken. Vielleicht haben Sie die Unterschriften unter den Verträgen selbst gefälscht!" Der Zeuge beharrt auf seiner Aussage, bleibt jedoch zunächst unvereidigt.
Schriftsachverständiger Dr. Graff aus Mannheim berichtet: Es wurden vier Unterschriften in der Dersicherungssache des Georg Vogler geleistet. Die beiden ersten sind plumpe Fälschungen.
Bei den beiden anderen, unter denen sich auch jene befindet, die die Versicherung auf Frau Vogler im Todesfälle ihres Stiefsohnes überschrieb, äußerte der Sachverständige sehr starke Verdachtsmomente, ohne allerdings eine Fälschung direkt nachweisen zu können. Er gibt an, der Fälscher bzw. die Fälscherin könne in der langen Zeitspanne ihre Handschrift der des jungen Vogler sehr ähnlich angeglichen haben. Verantwortlich für die Fälschung könne ebensogut Frau Vogler sein wie der Versicherungsagent. Frau Vogler behauptet unentwegt, ihr Stiefsohn habe in ihrer Gegenwart die Unterschriften geleistet. Es sei aber sonst niemand dabei gewesen.
Der Zeuge Johann Schneider, der lange in Kostheim gewohnt hat, gibt scherzhafte Zärtlichkeiten, auch Küsse beim Pfänderspiel zu. Er schilderte die Vorgänge in der Sterbenacht des alten Voglers. Er fei gegen 1 Uhr nachts in die Wohnung der Angeklagten gekommen. Ab 2 Uhr fei er mit Frau Vogler allein gewesen. Er will die Todesanzeige aufgesetzt und anderen Schriftwechsel für die Angeklagte erledigt haben. Sie habe sehr über die Schulden geklagt, die ihr
Mann hinterlassen habe. Der Zeuge habe sie getröstet und sei gegen 5 Uhr morgens roeggeangen. Lange Zeit danach will er noch nichts von einem Mordverdacht gewußt haben, obwohl die Polizei bereits Untersuchungen angestellt hat.
Nachdem ein Photograph bestätigt hatte, daß Frau Vogler ihn beauftragt habe, Bilder ihre» Stiefsohns anzufertigen, die sie angeblich für das Totbeten durch 9rau Schneider gebraucht habe, bekunden eine ganze Reihe von Zeugen über das Leiden des jungen Vogler im Krankenhaus. Sie lagen mit ihm im Krankenzimmer und konnten nächtelang nicht schlafen, so sehr habe er geschrien und gejammert. Zu einer Zeugin hat Georg Vogler klar geäußert, seine Stiefmutter hätte ihm etwas in das Essen getan, deshalb müsse er jetzt so leiden. Mehrere bekunden, daß die Angeklagte ihren Schwiegersohn in der Zeit, in der er bei ihr war, vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten hielt. Ein Krankenwärter sagt aus, daß die Leitung des Hildegardis-Krankenhaufes ihn gewarnt habe, von den Speisen und Getränken etwas zu genießen, die Frau Vogler für ihren Stiefsohn brachte. Er lag damals mit Georg Vogler im Krankenzimmer und lieferte das von der Angeklagten gebrachte Essen regelmäßig an die Pflegeschwestern ab, so daß Georg Vogler nichts davon erhielt. Die als „Mohrs Babett" bekannte Vorbeterin bei Kostheimer Beerdigungen, an die die meisten Briefe gingen, die Frau Vogler aus der Haft schrieb und die mit der Angeklagten eng befreundet war, erklärt, Frau Vogler sei eine gute Frau gewesen, sie glaube nicht an ein Verbrechen.
Auflösung des Deutschen
und des preußischen Philologenverbandes e. D.
Am 14. Juni d. I. haben sich der Deutsche und der Preußische Philologenverband e. V. a u f g e l ö ft. Der Deutsche Philologenverband wurde 1904 gegründet und vereinigte in sich als Spitzenorganisation die Philologenverbände der deutschen Länder, deren größter der Preußische Philologenverband war.
Statt Karten!
Ihre Vermählung geben bekannt
Eine wichtige Frage?
Mittwoch
Telephon 3525.
4292A
[03101
Für
rfiUt <Bq,
mng fand. Auch Gießen und
an
4287 D
Verreist
Geschmackvoll
bis 16. Juli
Heute Samstag, den 4. Juli
Dentist Koch TA\N Z
Hindenburgwall 20
4300 D
Sonntag, den 5.Juli, abends 8 Uhr
Zur
4288V
Großes
4263A
nach
1269Ö
bei Gastwirt
4270V
Militärkapelle ä ■ ■ bm
M.-6.-Batl. 2 WvllaUI
Seitenweg 33
429*A
■ J. BUSCH
ü
8
Vornehm Persönlich
Brühl'sche
Ernst lenz
und Gretel lenz, geb. Dietzel
idUen aul tote, gesund« Figur bedeckt rem — eiet bewert Viel Bewegung end Dr. Rrdden Frühslüdwkreutertee hellen den Körper Irisch end slrefl — kein unnötige* Fe« wird «d» eniefjen, des Blut hat freie Zirkulation und der Stoffwechsel bi in schönster Ordnung. - Padg. t .80 ts 2 25. Auch eh Dri»-Tabletten erhältlich. 5=
die das Reisen angenehm machen, empfehle ich Ihnen:
Schwammbeutel 40, 50, 60, 80
Reiserollen .. -.80,1.80,1.95
Badehauben -.60,- ^0,1.20,1.40^
FRflmO
DREIRAD
LIEFERWAGEN
Haben Sie schon Ihren Stammplatz für die Spielzeit 1936/37 bestellt?
Bis zum 8. JuU bleibt den bisherigen Mietern ein Vorrecht auf den bisherigen Stammplatz. Ab 9. Juli muß die Theaterkasse über nicht bestellte Plätze der bisherigen Mieter verfügen.
Ihre Geschäfts- Drucksachen
•teilen dleVerblndung her zu Ihren Erzeugnissen.Man stellt sich die Beschaffenheit Ihrer Waren eo vor, wie man Briefbogen, Brief Umschläge,Postkarten, Rechnungen, Geschäftskarten Ihres Hauses beurteilt. Legen Sie deshalb Wert aut gepflegte Drucksachen I Wir bieten sie Ihnen preiswert I Brühl'sche Druckerei Schulstr. 7. Ruf 2251
Wer seinen Platz behalten will, melde sich noch heute bei der Theaterkasse, Johannesstrahe Nr. 3. Geöffnet werktäglich von 10-13 Uhr / Telefon 2930.
4273V
Der
Gas-Kühlschrank
Celluloid waren Kölnisch Wasser Kämme, Haarbürsten
Alles finden Sie in größter Auswahl bei
Gießen l^oonflraße 36p), den 4.Zuli 1936
03075
des Riesencircus J. Busch, der wegen seiner großen Ausmaße äuf dem „Oswaldsgarten“ nicht genügend Platz zum Aufbau der Zelt- und Wagenstadt findet und der deshalb den „Volkshalleplatz“ beziehen muß. — J. Busch ist
Das Circuswunder des Jahrhunderts!
mag und das in der Heimat wie auch im Ausland viele gute Worte der Anerkennung fand. Auch Gießen i ' seine circusfreudige Umgebung mögen sich erfreuen _ dem in aller Welt einzig dastehenden Doppel-Programm
Eröffnungs-Vorstellung! Freitag, 10. Juli, 20 Uhr.
Nur vier Tage!
bietet Ihnen In zahlreichen neuzeitlichen Au«. führungsarten schnell und zu mäBIgen Preisen Druckerei. Schulstraße 7, Anruf 2251
Tennis-Cafe
Bad-Nauheim
Er schafft gut u.gern seine 12 Zentner. Steuer- und führerscheinfrei.
Vertreter für Stadt u. Kr. Gießen
Willi Appel, Gießen
Oie Firma
A. Wehrheim, Spezialwerkstäste für Polstermöbel und Mairahen übernimmt, während der Ferienzeit, Aufarbeitung, Modernisieren von Polstermöbel und Matratzen — sowie auch Aufbewahrung.
Äesuche und Kostenvoranschlage ohne jede Verbindlichkeit.
n b e
Oleee 8 wesentlichen Eigenschaften der guten
Familien-Drucksache
kann in meinem Ausstellungsraum im Betrieb unverbindlich besichtigt werden
• Stets Eis frische Lebensmittel kühle Cietrünke
Arbeitet lautlos, kein Verschleiß günstige Zahlungsbedingungen
Heinrich Lieh, Installation, Sonnenstr. 31
d76U
Habe mich ab 1. Juli als Zahnarzt in Gießen, Wilhelmstraße 12 pari, niedergelassen.
Sprechstunden: Montags bis Freitags 9 bis 12, 15 bis 17, Samstags 9 bis 13 Uhr Dr. Ernst Schmitt früh. Assistent an d. Kruppschen Zahnklinik, Essen 4202V
iirfflo'bd. führende TD XII Fachgeschäft IHEAV BRANDPLÄTZ
| Verschiedenes]!
Gold., gedreht.
Armband
(Andenken) verloren. Geg. Belohnung abzugeben. [03084
W. Pfeil, Walltorstr. 22.
GWßM-LWhKN
am 5. und 6. Juli
im „Nebstock"
,^Satirische SttmmrmgskaveNe"
In Modern und Stil. Aparte Polstermöbel
Schlafzimmer mit I a Java-Kapok prompt lieferbar 429 ?a
Unsere 10 Schaufenster sind abends beleuchtet
Während der Ferien empfehlen wir das Umarbeiten, Reinigen und Neubeziehen von
Federbetten / Matratzen und Polstermöbeln fachgemäß und zuverlässig in den Spezial-Werkstätten
Gebr* Seelbach
Gießen, Seltersweg 20
Führendes Gardinen- n. Betten-Spezialgeschäit
4289A
STADTTHEATER GIESSEN
Intendant; H. Schultze-Griesheim
|Klein-Linden
Gasthaus zur deutschen Eiche
Anlang 8 Uhr - Bis 4 Uhr nachts geöffnet 4293D Tanzgeld 30-Z
Es ladet ein Franz Rathenow
Lindner-Lastanhänger ab Lager Frankfurt/Main lieferbar General-Vertretung für Hessen und Hessen-Nassau
Fritz Keunecke, Frankf./M.
Schneidhainerstraße 13, Tel. 76746
4264V
Drogerie Kreuzplatz 101 Kaiserallee 49 «otöD Ruf 4067
Damen verschied. Alters suche ich Herrn, Alter zwisch. 30 bis 55Äahre,mit u. ohne Vermög. Einheiraten gebot. Näh. durch Frau Dietz, Kassel, Nahlstraße 13.
Familiendrucksachen Verlobungsanzeigen Vermahlungsanzeigen Geburtsanzeigen bei Brühl, Schulstr.7
RosenieitmitTauz
Kapelle Teo Korte
Magnus Glasbrille
elegant, randlos
Magnus-Windsorbrille
mit hellen oder dunklen Rändern umlegt
Magnus-Freisichtbrille
die moderne Seitenstegbrille, elegant, drucklos sitzend
Magnus-Lesebrille
Hom, Zellhorn. Bequemer druckfreier Sitz
Magnus-Kneifer
mit und ohne Rand, mod. Formen
Magnus-Kassenbrille
nach Vorschrift, bekannt beste Qualitäten
Lieferant für alle Krankenkassen. Zeiß - Punktalgläser, Zweistärkengläser.
Der Optiker Ihres Vertrauens
MAGNUS
Der Circus, der endlich einmal nicht dasselbe zeigt, was wir in federn anderen Circus sehen, sondern der wirklich etwas besonderes Einmaliges, bietet!
Dieser Circus kommt nach seinen letzten großen Auslandserfolgen in Antwerpen, Brüssel, Paris, Wien, Budapest, Rom und C I C C CIZ Kl
Warschau nach ■'i ✓ Volkshalleplatz
Erbringt - geleitet von dem Wunsche, seinen Besuchern etwas Besonderes zu bieten - ein
grandioses Doppel-Programm ohnegleichen!
300 Artisten — 400 Tiere — 1000 Kostüme.
Wirkliche Zircus-Sensationen aus zwei Jahrtausenden — Artistische Bestleistungen! Des ferneren die Neuschöpfung einer phantastischen Wasser-Pantomime (eine völlig andere, als die zuletzt in Gießen gezeigte!), die J. Busch als einziger reisender Circus bietet und die ihm eine besondere Eigenart gibt, mit einem Riesenaufgebot an Menschen und Tieren, einem schimmernden Farbenrausch vorbeistürmender Ereignisse in artistischer Vollkommenheit, mit turbulenten Tanzszenen, magischen Beleuchtungs - Effekten, unter Verwendung modernster optisch-akustischer Sondereinrichtungen. So entsteht in buntestem, vierstündigen Wechsel
ein glanzvolles Festspiel von ungeheuerer Spannung und eigener Prägung, das kein anderer Circus in den Schatten zu stellen ver-
Kirmesam 5. u. 6. Juli in Gr.-Linden


