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Der Reichsarbeilsdienst auf der DeuWandschau
Von -er Arbeit und vom Geld
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gekommen.
Im Möbelgeschäft Otto Krause kauften diesen Tagen nach dem Monatsersten nicht
Lagardes Leben umfaßt die Zeit von 1827 1891, er reicht also tief ins Biedermeier und in moderne Entwicklung hinein, er sah als Kind Großen der Freiheitskriege, erlebte als Student
Arbeitsdienstmänner sind auf dem Gelände der Deutschlandschau in Berlin damit beschäftigt, e i n k e r a 8e r &e 5 Reichsarbeitsdienstes aufzubauen. Die Besucher aus aller Welt werden sich hier ein Bild von dem Leben des deutschen Arbeitsdienstes machen können. (Scherl-M.)
glaubte durch diese Maßregel den Spuk beschworen zu haben und fühlte sich nun vollkommen sicher. Wie sehr hatte sie sich getäuscht! Nur zwei Wochen später brach in Asuncion der Aufstand aus, der in wenigen Stunden die Regierung, die völlig überrascht wurde, hinwegfegte. Staatspräsident Dr. Eusebio A y a l a und die Mitglieder der Regierung wurden gefangen gesetzt, mit ihnen der der Regierung treu ergebene General Josö Felix Estigar» r i b i a, der siegreiche Feldherr im Chacokriege. Und mit der Regierung stürzte am 17. Februar 1936 ein ganzes System zusammen.
(Weitere Aufsätze folgen.)
der alte Bismarck sehr richtig als Zickzackkurs kennzeichnete. Lagarde war Schüler Rückerts und gibt in seinen Erinnerungen an den Dichter und an das Sprachgenie Memoiren aus seiner Vaterstadt Berlin, die die Hauptstadt Preußens als Provinzstadt schildern. „Berlin war bis 1840, wenn man will bis 1848, eine Stadt voll Poesie. Ueberall ist Poesie, wo der . Mensch eine Heimat hat; eine solche zu haben, war damals noch möglich... Dabei ein ruhiges Wohnenbleiben in denselben Räumen. Der Vater meiner lieben Stiefmutter war bei dem alten Doyen Arzt; so war dieser vielverehrte Mann, der die Schwerter für den Befreiungskrieg geschmiedet, uns persönlich nahegerückt. Ich denke den alten Löwen stets in demselben Hause und sehe das frische, rote Gesicht und die weißen Haare noch jetzt über das eiserne Geländer seiner Treppe oder seines Balkons gebeugt, wie er uns zunickte und zurief, wann wir bei ihm vorfuhren. Cha- m i f f o hat, soweit meine Erinnerungen aufwärts reichen, in denselben Räum-n seinen mächtigen Husten ertönen lassen." Als Gelehrter, der erst 1869 eine Professur für orientalische Sprachen in Göttingen erhielt, gab Lagarde zahlreiche Schriften über semitische und armenische Sprachen, theologisch- sprachwissenschaftliche Werke über den Psalter und den Pentateuch heraus, und auch die italienischen Werke seines Lieblingsphilosophen G i o r b a n o Bruno, der wegen seiner Lehren, die den modernen Vorstellungen vom Weltall entsprechen, durch die Inquisition 1600 auf dem Campo Fiori in Rom verbrannt wurde, wurden von ihm veröffentlicht.
Dabei schaute Lagarde immer wieder auf das Schicksal des deuffchen Volkes. Er selbst hatte erlebt, daß 1848 nicht weniger als 1500 Petitionen der Nationalversammlung übermittelt wurden, die sich mit der elenden Lage der Arbeiter, einige Hundert mit der nur dem Namen nach abgeschafften Hörigkeit der Bauern befaßten, er hatte den großen na-
erste Nationalversammlung, und danach sah er Schöpfung des Bismarckreiches sowie dessen Ablösung durch den „neuen Kurs" Wilhelms II., den
geben wird." — „Wir find es müde, mit Geschaffenem und Gemachtem abgefunden zu werden; wir wollen Geborenes, um mit ihm zu leben, um du." —
dem Ankauf dieses Wechsels war ja erst unser Zwanzig-RM.-Schein C 07 826 787 in den
Dachdeckergeselle Meier, sondern auch andere Volksgenossen Möbel. Ebenso kamen die Käufer der vergangenen Wochen und Monate und leisteten wettere Zahlungen. Krause war damit sehr zufrieden. Es nahte ja bald der Tag, wo der Wechsel über die 980 Mark fällig war. Als ihn Krause vor drei Monaten unterschrieb, konnte er die Möbellieferung nicht bezahlen Inzwischen waren aber die Möbel so weit verkauft und bezahlt, daß er jetzt seine Verpflichtungen erfüllen kann. Als nun ein Kassenbote der Reichsbank kommt, empfängt Krause seinen Wechsel quittiert zurück. Der Kassenbote trägt in seiner Geldtasche den Zwanzigmarkschein wieder zur Reichsbank. Dort kommt er in einen Geldschrank und bleibt für längere Zeit liegen. Denn auch andere Wechsel werden jetzt nach dem Vierteljahrsbeginn eingelöst und zur Mitte des Monats, als die Wechselbestände der Reichsbank stark zurückgegangen und enffprechende Beträge an Banknoten wieder in die Kassen der Reichsbank geflossen waren, heißt es in den Zeitungen: „Die Beanspruchung der Reichsbank ist zur Monatsmitte zurückgegangen".
So ist die Reichsbank als das zentrale Kreditinstitut eine sehr wichtige Einrichtung. Wie sie durch ihre Kredithilfe den Wirtschaftsumlauf fördert, schränkt sie auch den Geldumlauf wieder ein. Denn: „es ist die Aufgabe der Reichsbank, den Geldumlauf den jeweiligen Erfordernissen des Wirtschaftslebens anzupassen". (Forffetzung folgt.)
hC, n Ofsizi-renlln ber Spitze bi- (tu-
für 3 U fl ?' ?,e lQ stets unb überall
für revolutionäre Gedanken empfänalid) ist unb ftitoern' r-eiterfl6atm' ,oroeit ste in bolfchewi- 16. Sinne von Moskauer Senblingen b-ein. [iußt war.
Die sich auf die verhältnismäßig starke Polizei der Hauptstadt Asuncion und einen Teil der Trup- pen stutzende Regierung sah die Dinge sich ent- wickeln und griff durch. Die Häupter der revolutionären Bewegungen wurden des Landes ver- wiesen und gingen in die Verbannung. Das war in den ersten Februar-Tagen 1936. Die Regierung
flu&t unb ihm seinen besonderen Stempel aufge- druckt. Am auffälligsten vielleicht in der Doli- Vu' ar?cr °uf wirtschaftlichem, sozialem und kulturellem Gebiet spurt man, wie vieles noch der Pflegsamen Hand des gewissenhaften, liebevollen Gartners bedarf, um Frucht zu tragen.
In politischer Beziehung ist Paraguay im Augenblick vielleicht das interessanteste Land des "süd- amerikanischen Kontinents, denn die heutige Poli- tlk Paraguays ist trotz gegenteiliger Behauptungen ein Versuch, politische Ideen, die sich im deutschen Nationalsozialismus und teilweise auch im italie- nischen Faschismus verkörpern, übergangslos auf ein Land zu übertragen, das bisher äußerlich von liberalistifchen Gedankengängen beherrscht war in- nerlich aber in durchaus patriarchalischen Verhält- niffen lebte und von Demokratie, Freihandel und anderen Erscheinungsformen des Liberalismus kaum etwas wußte, noch wissen wollte. Der Versuch darf beanspruchen, durchaus ernst genommen zu werden, denn die Männer, die heute an der Spitze des paraguayschen Volkes stchen unb feine Regierung bilden, find glühende Patrioten, denen das große Erlebnis des Chacokrieges die Weltanschauung geformt hat, für die sich die Begriffe „Volk" und „Vaterland" auf blutgetränkter Walstatt im Donner der Kanonen gestaltet haben.
Die Politik, die die Regierung verfolgt, will bewußt an die Tradition von Solano Lopez anknüpfen, jenem großen Marschall-Präsidenten, der den Tod auf dem Schlachtfelde fand. Unter ihm war Paraguay- ein stolzes, freies großes und rei- ches Land. Gewiß, Lopez' Herrschaft war nicht gerade milde, schwer ruhte seine Hand auf den Landesbewohnern, aber sie folgten ihm willig, ja freu- dia und vieles, sehr vieles, was vor sieben Jahrzehnten geleistet und geschaffen wurde, ragt in die Gegenwart hinein als ein Denkmal der Größe jener Zeit und ein Mahnmal an das heutige und die kommenden Geschlechter.
Als 1870 der fünfjährige erbitterte Krieg Paraguays gegen die drei Nachbarn Argentinien, Uruguay und Brasilien zu Ende gegangen, als Solano Lopez bei Cerro Cora am 1. März 1870 unter den Lanzenstichen brasilianischer Reiter gefallen war, als Paraguay den Frieden aus der Hand des siegreichen Dreibundes entaegennehmen muhte, da war es verwüstet und verarmt; verarmt auch an Menschen, insonderheit an Männern. Die Zahl der Einwohner war von 1 Million auf 250000, also auf runb ein Viertel zusammengeschmolzen. fyute wird die Bevölkerung auf 1200 000 Seelen geschätzt. Das Land hat in über 60 Jahren die schweren Verluste an Menschen wieder ausgleichen können, sonst aber hat es sich von feinem Sturz von der einstigen Höhe nicht wieder zu erholen vermocht trotz aller Aufbauarbeit, die in den langen Jahrzehnten geleistet oder wenigstens zu leisten versucht worden ist. Der Aderlaß war zu blutig, die Schwächung zu gewaltig gewesen, und innerer Parteihader und zahlreiche Bürgerkriege störten die Friedensarbeit auf das Empfindlichste.
Trotzdem war Paraguay im Begriff, wieder zu erstarken und aufzublühen, denn die Grundlagen seines Staatswesens waren gesund, unb die Zeit hatte manche Wunde sich schließen lassen. Es waren nicht mehr Silberstreifen, die am Horizont sichtbar wurden, sondern es waren bereits goldene Sonnenstrahlen, die über dem Lande leuchteten unb seine Bewohner mit berechtigter Hoffnungsfreudigkeit und Zuversicht erfüllten. Da kam d e r K r i e g m i t Bolivien, lieber die eigentlichen Ursachen des Chacokonflikts wird wohl erst eine spätere, von der Parteien Haß unb Gunst unbeeinflußte Geschichts- fdjYeibung Klarheit schaffen. Das Ende des blutigen Ringens ist bekannt: Es ist im Grunde eine Remis-Partie geworden, und beide Gegner haben sich die Versöhnungshand gereicht in dem Gefühl, daß die Feder ber Diplomaten in Buenos Aires verdarb, was das Schwert erftritten. In Paraguay jedenfalls herrscht das Gefühl vor, um die Früchte des opferreichen Kampfes betrogen 3U sein. Und dieses Gefühl ist eine der tiefsten Ursachen für die innerpolitische Entwicklung, die sich tn Paraguay seit dem Friedensschluß vollzogen hat.
Kriege, selbst wenn sie aus den edelsten Beweggründen und mit heißer Hingabe geführt werden, zeitigen immer unerfreuliche Nebenerscheinungen unb häßliche Begleitumstände. Filzige Bierbankpolitiker uno Stammtischkrieger; Schieber in lebensnotwendigen für die fechtende Truppe unentbehrlichen Dingen; Kriegsgewinnler, die sich auf Kosten des Opferwillens und der Opferbereitschaft mästen und im Kriege lediglich das sie bereichernde Geschäft sehen; alles das gab es in Paraguay während des Feldzuges genau so wie in Europa und anderwärts. Und die Erbitterung der Soldaten wuchs, als sie ausgemergelt, verdreckt, zu Krüppeln geschossen nach Hause kamen und dort so manches vorfanden, was sie sich anders vorgestellt hatten. Die Kassen waren leer, die teilweise seit vielen Monaten, ja Jahren den Frontsoldaten schuldig gebliebene Löhnung konnte nicht gezahlt werden, das Geld hatte auch keinen Wert. Teuerung und Knappheit an vielen notwendigen Dingen des Lebens war fühlbar. Das alles zusammen schuf im Verein mit der Enttäuschung über den Kriegsausgang eine Atmosphäre, die schwüler und schwüler wurde und allmählich zur Entladung drängte.
Was anfänglich Verstimmung, Mißmut, Ver- ' ärgerung war, wuchs sich aus zu einem wilden Haß; zu einem Haß gegen jeden und gegen alles. Der Krieger haßte den Daheimgebliebenen, der ■ Soldat den Politiker, der Bauer den Städter, der ' Arbeiter den Fabrikherrn, die Jugend das Alter, : ber eingeborene Paraguayer ben Auslänber. Die ! bei ihrem fübamerikanifchen Temperament leicht ? entzünblichen Gemüter waren einer Verhetzung | mehr benn je zugänglich, unb lanb- unb volks- < fremde Agitatoren waren in großer Zahl am Werk 1 die verhaltene Glut zu schüren, und hatten dabei i unschweres Spiel. Schon schälten sich einzelne < Gruppen heraus, die die Idee einer allgemeinen i Volkserhebung zunächst versteckt, bann von Tag > zu Tag offener propagierten. Die Frontsolda- s
DL Mrtschafisbelebende Kraft der Lohntüte.
Als am Freitagabend ber Werkmeister Karl Neumann bie Möbelfabrik Schulz & Lehmann verließ, hatte er bei seiner Gehaltszahlung unter anderen den Zwanzig-RM.-Schein C 07826787 erhalten. Am Morgen dieses Tages mar der Schein noch in den Kassenschränken ber Reichsbank gewesen, bann in einem Banknotenbündel von bem Kassenboten ber Bank zur Hauptkasse ber Bank getragen worben und noch am Vormittag zur Firma Schulz & Lehmann gekommen, als diese Gelb abhob.
Karl Neumann bezahlt auf bem Weg nach Hause feine Miete. Am Spätabend kommt ber Dachdecker- meister Wilhelm Friedrich zum Hauswirt und bittet um eine Teilzahlung für die Dachreparatur. Unser Zwanzig-RM.-Schein wandert auf diesem Wege weiter und ist mit dabei, als der Dackdeckermeister am andern Morgen, also am Ersten des neuen Vierteljahres, seine Hypothekenzinsen bei der Sparkasse bezahlt. Dort geht es zu wie auf einem Taubenschlag. Beamtenfrauen heben Geld ab, denn feit gestern sind die Gehälter auf ihren Gehalts-Girokonten gutgeschrieben worden. Unser Schein liegt mit obenauf, wandert in eine Geldtasche, aber kaum eine Stunde später wechselt er schon wieder den Besitzer.
Auf dem Markt verkauft ein Bauer Geflügel und Eier. Er freut sich über das gute und schnelle Geschäft. Denn er hat es eilig. Auch er muß Hypothe- kenzinsen an die Sparkasse befahlen und, noch kurz vor Schalterschluß kann er seinen Markterlös zu diesem Zweck mit einzahlen. Unser Zwanzig-RM.- Schein C 07826787 liegt damit schon wieder bei dem Sparkassenschalter. Hier haben sich im Laufe des Vormittags die Banknoten gehäuft. Denn wenn auch die Beamtenfrauen abhoben, Sparer zahlten neue Einlagen ein und die fälligen Hypothekenzinsen kamen diesmal schneller als sonst herein.
Am Nachmittag führt die Sparkassenleitung ein Telephongespräch mit dem Drogisten Willi 'Kleemann. Der hatte schon vor einiger Zeit um ein Darlehen nachgesucht, weil er sein Geschäftsgrundstück gründlich wieder instandsetzen lassen wollte. Der Kreditausschuß hatte nach Prüfung aller Unterlagen bereits das Darlehen genehmigt. Aber jetzt erst konnte, und das ist das Wichtigste, dem Drogisten mitgeteilt werden, daß ihm ab sofort der Darlehensbetrag 3ur Verfügung steht.
Kleemann ist Darüber sehr erfreut. Seit zwei Tagen hat er den Dachdeckermeister Wilhelm Friedrich mit Gesellen im Hause, um die wichtigsten Schäden zu beseitigen. Nun kann er gleich den Auftrag geben, das ganze Dach neu zu decken. Am anderen Morgen hebt Kleemann von dem Darlehn etwas ab und gibt dem Dachdecker eine Teilzahlung. Dabei ist unsere Zwanzig-Reichsmark- Note wieder dazwischen. Sie, bie vor 24 Stunden schon einmal burch die Hände des Meisters gegangen war, kommt bis zum Abend in die Lohntüte des Gesellen Otto Meier. Er war bis vor kurzem noch arbeitslos. Als er nach Haufe geht, trägt er eine freudige Nachricht heim. Denn er war bisher nur zur Aushilfe angenommen, ber neue Auftrag von bem Drogisten Kleemann aber setzt ben Meister in ben Stand, ihn nun für dauernd ein-
Paul de Lagarde.
23on Eugen Siebert.
3m Jahre 1886, also vor fünfzig Jahren, erschienen in Göttingen die „Deutschen Schriften" des berühmten Orientalisten Paul de Lagarde. Sl, waren mehr als ein auch in ber Form großzügige» politisches Bekenntnis. Paul be ßagarbe fetzte sich mit allen Erscheinungsformen eines zersetzenden Zeitalters auseinander, aber nicht als Parteimann konservativer oder liberaler Färbung, sondern als Deuter der Zeichen der Zeit und Künder eines neuen Reiches. Er sah die Schäden des von Bismarck geschaffenen Kaiserreiches, er erkannte, daß die überstürzte industrielle Entwicklung, die Entwurzelung der Massen, die schroffe Scheidung unseres Volkes in Klassen und Konfessionen, kurzum, das alle Verhältnisse revolutionierende 19. Jahrhundert von einem Jahrhundert der Anarchie gefolgt würde, wenn es nicht gelänge, die besten Kräfte einer Nation für ein neues Ziel einzusetzen. Für diese Idee kämpfte er. Aus der klaren Erkenntnis, daß feine Zeit das Prinzip des Individualismus überspitzt hatte, kam er zum Begriff „Volk". „Der Wert eines Volkes", lehrte er, „liegt in der organischen Vereinigung der in einer Reihe von Menschen eigentümlichen natürlichen Kraft mit einer ihnen allen genehmen geschichtlichen Aufgabe", und an einer anderen Stelle: „Das Volk spricht gar nicht, wann die einzelnen Individuen sprechen, aus denen das Volk besteht. Das Volk spricht nur dann, wann die Volkheit — es freut mich, diesen sehr passenden, aber vergessenen Ausdruck Goethes zu benutzen — in den Individuen zu Worte kommt: das heißt, wann das Bewußtsein der allen einzelnen gemeinsamen Grund- unb Stammnatur wach unb sich über ihr Verhältnis zu großen Tatsachen ber Geschichte klar wirb."
Während ber Schweizer Jakob Burckharbt als Geschichtsphilosoph aus Abneigung gegen ben vulgären Liberalismus trostlosen Kulturpessimismus predigte unb somit die absolute Negation, der ein Friedrich Nietzsche nicht entging, formte Lagarde den Begriff „Volk" nach seiner Ursprünglichkeit, nicht nach den durch die geschichtlichen Ereignisse bewirkten Standesunterschieden, die in fast jedem Denken eine so große Rolle spielten, daß ber Begriff Volk fast zum Klassenbegriff wurde, ganz einerlei, welcher Schicht der Denker angehörte. Laaarde setzt dieser Weltuntergangsstimmung unb diesem Kastenstolz einen freudigen und klaren Begriff gegenüber: „Ein Vaterland gehört in die Zahl der ethischen Mächte, und darum können seine Angelegenheiten nicht vom Regierungstische aus, sondern nur durch das ethische Pathos aller seiner Kinder besorgt werden. Deutschland ist die Gesamtheit aller deutsch empfindenden, deutsch denkenden, deutsch wollenden Deutschen: jeder einzelne von uns ein Landesverräter, wenn er nicht in dieser Einsicht sich für bie Existenz, bas Glück, die Zukunft des Vaterlandes in jedem Augenblick feines Lebens persönlich verantwortlich erachtet, jeder einzelne ein Held und Befreier, wenn er es tut." Und den Weg, den das deutsche Volk unter Adolf Hitler gefunden hat, zeichnet er vor: „Deutschland kann nur einig werden durch gemeinsame Arbeit, vorausgesetzt, daß diese Arbeit die ganze Nation in Anspruch nimmt. Denn nur diese Arbeit wird alle Kräfte wecken und alle nicht zum Wesen der Deutschen gehörigen, sondern durch ein beispielloses Mißgeschick ihnen aufgebürdeten fremden Stoffe abstoßen." Und schließlich, um noch einen Beariff von ber zukunftweisenden Tiefe des Volksgedankens Lagardes zu geben: „Möge Deutschland nie glauben, daß man in eine neue Periode des Lebens treten könne ohne ein neues Ideal. Möge es bedenken, daß wirkliches Leben von unten auf, nicht vön oben her wächst, daß es erworben, nicht qe-
3 u ft e U e n. Otto Meier ahnt nicht, daß er dieses im Grunde genommen nur ber Schnelligkeit verdankt, mit ber ber unscheinbare Zwanzig- Reichsmarkschein in ben letzten Tagen gewandert ist. Aber das weiß der Dachdeckergeselle Otto Meier: Arbeit bringt Belebung der Wirtschaft und einen schnelleren Geldumlauf. Der schnellere Geldumlauf fördert die Wirtschaft und schafft Arbeit.
I. Der Zwanzig-RM.-Schein kehrt zur Reichsbank zurück.
Der Dachdeckergeselle Otto Meier ist jung verheiratet. Da er nun für dauernd Arbeit hat, kann er sich mit seiner jungen Frau etwas Neues anschaffen. Sie gehen am Samstag zum Möbelhändler Otto Krause unb kaufen einen neuen Küchenfchrank. Es ist einer von der Sendung aus der Möbelfabrik Schulz 8t Lehmann. Als erste Rate zahlt Otto Meier 20 RM. an und gibt den Schein Nr. C 07 826 787 aus seiner Lohntüte hin. Als dieses zerknitterte Stück braunes Papier in ber Ladenkasse des Möbelhändlers lag, sah niemand diesem Schein an, welchen Weg er in dieser Woche schon zurückgelegt hatte.
Der Möbelhändler ahnte nicht, baß dieser Schein nur erst seine Reise hatte antreten können, weil ber Wechsel der Möbelfabrik Schulz 8t Lehmann, über 980 RM., gezogen auf Otto Krause für die Lieferung der Küchenmöbel, über die Jndustrie- unb Handelsbank zur Reichsbank kam. Denn bei
Bei Hitze und Ermattung, auf Reisen, bei Sport und Spiel schenkt Odol lss jenes einzigartige Gefühl-der Erfrischung und Belebung. Darüber hinaus wirkt Odol L83 vorbeugend gegen Infektionen der Mund- und Rachenhöhle.
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