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gnügen daran.
Donnerstag, den 8.
Eben kehre ich vom Lido zurück. Das Meer war stark bewegt, gleichmäßig und dunkelstahlblau mit weißen Kronen, das Wasser lau, das Bad köstlich. Wie immer war der Kontrast zwischen Meer und Lagune frappierend, ja heute sogar mehr als sonst. Es ging mir sonderbar: Als ich schnell dem Meere zuschritt, der herben Luft entgegen, und als über dem graugelben Sand die große blaue Weite sich öffnete, empfand ich einen gewissen Jubel in mir. Und ich badete mit Lust und lieh meine Blicke lang über die metallisch glänzende Weite gleiten. Bei der Rückkehr nun sah ich der Lagune mit dem Vorgefühl einer Ernüchterung entgegen. Ich konnte nicht glauben, daß auf den Anblick des stürmischen großen Meeres hin ihre blasse, stille Fläche mich anmuten würde.
Ich hatte mich getäuscht. Ich sah diesmal deutlich, daß man Meer und Lagune nicht miteinander vergleichen darf, daß beider Schönheit eine innerst ver
hauchten, warmen Blaugrün, Venedig lag weiß und rosig in einem transparenten goldenen Dunst, jen« seits der Insel lag das freie Meer in schwerem Blau. Ich sah Schiffe und Barken von Süden her meine Blicklinie schneiden und plötzlich in den goldenen Rebel tauchen, der sie wie eine zarte Gloriole umhüllte. Ich weiß kein Gleichnis dafür als das des Traumes, der Dichtung, der Kunst — so, als wären die sichtbaren, gewohnten Dinge plötzlich in den Kreis einer selig schöpferischen Schönheit getreten und zur Poesie und schöner Sage geworden. Ich weiß wohl, daß diese Verwandlung der Dinge sich auch auf jedem Acker und jeder Landstraße vollziehen kann, wenn man sie plötzlich zwischen Blick und Sonne bekommt. Aber hier war das Wunder schöner, merkwürdiger und hinreißender, und ich weiß außer dem leichten, vergoldenden Wasserdunst der Lagune keine Erklärung dafür
Mittwoch, den 7.
Als ich heute von Murano zurück über das irisierende Wasser fuhr, glaubte ich plötzlich die Entstehung der garten eigentümlichen Muraneser Glaskunst in diesem Meerwinkel zu verstehen. Es war eine Täuschung, und die Dinge liegen nicht so einfach; dennoch mag man auch hier die feinen Vergeistigungen des Natürlichen ins Kulturschöne fühlen. Immerhin ist es einleuchtend, wie die mit so wenig Sinn für Plastik und Linie begabten Venezianer mit Freude das aparte Material ergriffen; auch zeugt es von Tüchtigkeit, daß sie bei aller Freiheit der Phantasie nur selten das Material vergewaltigten, sondern stets ein vornehmes Stilgefühl bewahrten, dessen Tradition sogar heute noch auf Murano nicht ganz erloschen ist.
Schiff, frisch mit Zinnober gestrichen und im lichtesten Sonnenlicht. Dennoch ist das Spiegelbild des Schiffes in der Lagune, so regungslos sie ist und so blank sie scheint, nur als unfester rötlicher Fleck zu erkennen. Die Farbe ist im Spiegel merkwürdig verblaßt und hat eine köstlich delikate Nüance bekommen.
Noch seltsamer ist der Anblick des Wassers selbst. Solche Färbungen habe ich weder im Meere noch in Binnenseen je gefunden. Vorherrschend ist ein zuweilen ins Grüne spielendes Hellblau, das aber ohne die Tiefe und Leuchtkraft des Meerblaus ist. Es erinnert vielmehr an die Farben von gefärbtem Glas oder von Steinen, namentlich an das Milchblau des Opals, eine Farbe, die scheinbar stumpf und dennoch erstaunlich lichtempfindlich ist, die fast ein eigenes Licht zu besitzen und jeden Augenblick im Uebergang zum Irisspiel begriffen scheint.
Ganz rätselhaft sind mir gewisse Farbeninseln, namentlich gegen Süden, die mit roten Tönen die Fläche unterbrechen und zuweilen von einem Silberanflug wie von einem leichten Schauer überlaufen werden. Ich muß dem nachspüren. Was für Wunder!
Sonntag, den 4.
Mittags ein Uhr. Turmhöhe von San Giorgio. Zeit und Licht sind ziemlich genau die gleichen wie vorgestern. Das rote Schiff liegt noch immer da.
Jene rötlichen Flecken gegen Süden sind Schlammbänke. Ich kann sie heute noch besser als vorgestern beobachten. Schlammbänke. Das klingt wie etwas unerfreulich Häßliches; was ich aber sehe, sind schöne, zarte Farbenkreise, die fernsten von einem fast lodern- ben Purpur. Eine direkt vor mir liegende Bank sieht trübe bräunlich aus, die nächste ist schön rotbraun, die ferneren purpurn. In den Verbindungen dieser roten Flecken mit der bläulichen Lagune ist ein Schwelgen von Schattierungen und Kombinationen ohnegleichen. Wohl hat das offene Meer diese Farben alle auch sogar weit leuchtender und flammender, aber es ist ein Unterschied, gewissermaßen eine andere Seele, eine ganz andere Art von Farbe und Schönheit. Auf dem Meere die prahlend gewaltigen Feuerbrände, von der Sonne im klaren Wasser erzeugt, von Wolkenflug und Wagenschlag verändert. Hier dieselbe Sonne über einem stillen, ungleich tiefen, zum Teil schlammigen Wasser, das Meer und doch nicht Meer ist; die Rückstrahlung ist schwächer, erscheint gemildert, delikater, süßer. Ich werde immer > fester im Glauben, daß diese Lagune selbst eine far- 1 benschöpferische Kraft in sich hat. Ich weiß jetzt auch, - daß das die Farben Tizians sind, wie ich sie in der • Pitti-Galerie damals zuerst sah und mißverstand. ■ Welche Welt für sich! Ich denke an gestern abend, an die „goldene Stunde". Ich war nicht weit von , Malamocco. Die Lagune war von einem golbüber«
Venedig, den 2.
Mittags zwölf Uhr; ich bin aus der Höhe des Glockenturmes von San Giorgi Maggiore. Der Horizont ist dunstig unklar, alle Nähen aber in Farbe und Umriß klein und scharf. Zum erstenmal fällt mir die schwache Spiegelung der Lagune auf, die ich mir nachher vom niederen Ufer aus noch betrachten muß. Ganz nahe bei San Redentore liegt ein Keines
Venetiamsche Erinnerungen.
Don Hermann Hesse.
Es sind jetzt viele Jahre her, seit ich das erste Mal in Venedig war. Es war meine erste italienische Reise, auf die ich mich lange gefreut und auf die ich so lange gespart hatte. Zuerst war ich über Mailand nach Florenz gefahren, hatte ein paar Wochen in Toskana zugebracht, Bologna und Ravenna besucht und war nach einem kurzen Aufent
schiedene ist. Ich fand die Lagune von einem leisen. Wellenschlag verschleiert. Fast alle Farbe war Der« schwunben, das Blau war bis ins Blasseste verflüchtigt. Dafür aber erregte der Wellenschlag ein rastloses, unendlich feines Spiel von perlmutterfarbenen. Schimmern, die auf der Lichtseite jeder Wogenhöhe: rapid und flüchtig aufglänzten. Und ich wußte nur plötzlich, woher Tintoretto und der große Paolo Veronese den rätselhaft süßen Schmelz ihrer Lichtes und Farbenschatten genommen hatten.
Zeitschriften.
— „D er Naturforscher" vereint mit „Natur und Technik". Einzelheft 1.— Mark. Hugo- Bermühler Verlag, Berlin-Lichterfelde. — Das Juli- Heft der bebilderten naturkundlichen Zeitschrift „Dec Naturforscher" enthält wieder eine Reihe wertvollster Aufsätze aus den verschiedenen naturwissenschaftlichen Gebieten von ersten Sachverständige» und bekannten Forschern und weist wieder eins vorzügliche Ausstattung mit hervorragenden Bildern und Natururkunden auf. Martin Kakies, Memel, einer unserer besten Elchkenner, veröffentlicht Natururkunden von großer Schönheit aus den» Leben des Elches und gibt dazu ein fesselnde» Stimmungsbild von seinen Erlebnissen mit Elchen, Professor Dr. Lange behandelt die äußeren uni» inneren Entstehungsursachen der Tuberkulose, bere» Bedingtheit durch Erblichkeitsverhältnisse und Umwelteinflüsse immer klarer wird und für deren Bekämpfung und Verhütung immer wirksamere Waffen gefunden werden. Der bekannte Rasseforscher Dr. L. F. Clauß legt auf Grund seiner Studien im Wüstenland und an Hand seiner ausgezeichneten! Porträtaufnahmen die seelischen Unterschiede der Germanen und Ursemiten dar. Dr. Klein-Krautheim, Gießen, berichtet an Hand von Bildern von seinen Forschungen über die Nahrung der Feuern wanze. Drollige Aufnahmen von jungen Eisvögelfi bringt Fritz Wenkel nebst seinen Beobachtungen über das Brutgeschäft der Eisvögel in Ostpreußen. D. Wattenberg, Berlin, schildert in einem allgemeinverständlichen Aufsatz die neueren Forschungen über den Bau des Weltalls. Der Direktor der Reichsstellr für Naturschutz in Berlin, Professor Dr. Wal'her Schoenichen, gibt Erläuterungen zu der neuesten Naturschutzverordnung. Dr. Franz Weil schrieb eine Abhandlung über Farbenphotographie für Photoliebhaber. Kleine Beiträge aus allen Gebieten, Forschungsergebnisse, eine Anregung zur Natur»« beobachtung, sowie die Bücherschau, die Liste her Neuerscheinungen und die immer beliebte Preisfrage schließen das wertvolle Heft ab.
halt nach Venedig gekommen.
Damals führte ich auf allen Reifen kleine Notizbücher bei mir, in Die ich fast jeden Abend Eintragungen zu machen pflegte, und in denen ich mir einen schwachen Nachglanz solcher Reisezeiten in die nüchterne Welt der Heimat und Arbeit mitzunehmen hoffte. Die beiden kleinen wackstuchenen Notizbüchlein jener ersten Venedigreise hatte ich nun in Händen, da ich eben wieder auf einer Italienreife begriffen bin und erinnere mich mit wunderlichen Gefühlen jener Zeit und jener Reisen. Wie schmal ging es da zu. Wie abhängig war ich, wie ängstlich rechnete ich den Rest meiner italienischen Tage mir oft am Rest meiner kleinen Barschaft vor! Aber es ging doch immer noch eine ganze Woche, und je sparsamer ich lebte, desto vergnügter war ich eigentlich, da ich dabei Venedig weit besser kennenlernte, als die wohl- fituierten Gondelfahrer. Ich mußte zu Fuß gehen und lernte in drei, vier Wochen mich einigermaßen in dem verzauberten Netz der venezianischen Gas । auskennen, und statt der Hotels und Speisehäu er der Touristen dienten mir die populären, lustigen Garküchen, Fischhändler und Wurstläden, wo ich für wenige Soldi meine Mahlzeiten hielt und das bequeme, gutmütige Volk aus aller Nähe kennenlernte.
Beinahe noch mehr als die rätselhafte Stadt reizte und beschäftigte mich damals die Lagune, das geheimnisvolle, stille Wasser, auf dem die Stadt und Die Inseln schwimmen, und in meinen Heften finde ich darüber ein paar Stellen mit schlichten Beobachtungen, die mich lebhaft an die Entdeckungslust jener Reise und an die täglich neue Erlebensgier und Empfänglichkeit jener Iugendjahre mahnen. Vielleicht findet da und dort noch ein Naturfreund Der-
Erinnerung an die Schlacht bei Köniagräh
wählt ist, das zwischen den beiden großen Strömen,
Die Ausgaben des Kommandierenden Generals sind vielseitig; ihre Beherrschung verlangt die Kenntnis aller unterstellten Waffen, reiche Erfahrung im Truppendienst, Befähigung in der großen Führung unter kriegsmäßigen Bedingungen einer- seits — politisches Verständnis und Takt, Strenge und Gerechtigkeit, Fürsorge für Truppe und Volk, und die volle Uebersicht über alle ihm angewiesenen Friedensaufgaben sowie die allgemeinen Verhält- nisie im Raumgebiete seines Wehrkreises andererseits. Bei der Derantwortungsschwere dieses hohen Amtes sind die Kommandierenden Generale eine Führerauslese.
Die Einführung des Ranges des Kommandierenden Generals fällt in der deutschen Wehrgeschichte mit der Einrichtung der Armeekorps zusammen. Der Urheber dieser großen Verbände, in denen alle Waffen schlag- und widerstandskräftig vereinigt und schon zur friedensmäßigen Ausbildung auf einem geschlossenen Raumgebiet unter-
gebracht sind, ist Napoleon 1. Bis dahin waren solche Verbände nicht bekannt. Als das preußische Heer den Waffengang des unglücklichen Jahres 1806 angetreten hat, war es — in der Planung auf dem Papier — eben erst in Divisionen aufgeteilt worden. Die Gliederung in Korps erfolgte auf Scharnhorst Betreiben beim Beginn des Befreiungskrieges; die Vorbereitung dazu ist schon von „Kommandierenden Generalen" geleitet worden. Danach sind die Armeekorps eine ständige Art der Heeresgliederung geblieben, die nur durch das Diktat von Versailles vorübergehend und gewaltsam unterbrochen worden ist. Während der Jahre von 1919 bis 1935 haben die Wehrkreiskommandos (mit beschränkten Mitteln, Aufgaben und Befug- niffen) zeitweilig und behelfsweise die Stelle der früheren Generalkommandos wahrgenommen Die Wiederherstellung der Armeekorps-Gliederung des Heeres stellt einen wichtigen Schritt zum Ausbau der Wehrkraft dar.
I.
Der Sturz eines verbrauchten Systems.
Asuncion, Mitte Juni 1936.
Den „Garten Südamerikas" hat einmal ein beut
Gute Fahrer schonen die pserde
Don Major Bieringer, Kavallerie-Schule Hannover.
Paraguay, der Garten Südamerikas
Don unserem Dr. M.I.-Korrespondenien.
dem Rio Parana und dem Rio Paraguay, gebettet, ein Eigenleben führt, das sich von dem der übrigen südamerikanischen Länder svürbar unterscheidet. Die Staaten an der atlantischen Küste sowohl, also Argentinien, Uruguay, Brasilien, Venezuela und die kolonialen Gebiete Guayanas wie Die Staaten an der pazifischen Küste, also Chile, Peru, Ecuador, Kolumbien nebst dem in diesem Zusammenhänge hierher gehörenden Bolivien, sind nicht nur infolge ihrer geographischen Lage, sondern auch aus unzähligen anderen Gründen auf5< engste mit der großen, weiten Welt außerhalb des- Kontinents verknüpft. Südamerika ist wie ein gro>j ßes Haus, in dem ein reges Treiben herrscht, in dem Weltpolitik und Weltwirtschaft die Lebensformen bestimmen, aber Paraguay ist der stille Garten, der von Mauern umschlossen fast ein verträumtes Dasein zu führen scheint; unberührt von den großen Fragen, die die Welt erschüttern. Ein Land mit ausgeprägtem Eigenleben, ein Staat, dessen Gesicht nach Innen gekehrt ist, ein Volk, das auf allen Gebieten um die Ausprägung einer eigenen Volksperfönlichkeit bemüht ist; das ist Paraguay.
Die sprichwörtliche Fruchtbarkeit diese; „Gartens Südamerikas" ist für die Dafeinsbedin-
Der rechtzeitige Einsatz einer pferdebespannten Einheit, einer Batterie einer f. MG.-Schwadron, einer Minenwerferkompanie, Fernsprechkompanie, eines Nachrichtenzuges usw. hängt in entscheidendem Maße von der Zu gfestigkeitder Gespanne und der Fahrfertigkeit ihrer Fahrer ab. Die bestausgesuchteste Feuerstellung, die schönste Beobachtungsstelle und die gründlichste Vorbereitung des Schießens durch den vorausgeeilten Führer verlieren ihren Wert, wenn die Batterie, MG.-Kompanie usw. durch Versagen der Gespanne oder durch Unfähigkeit ungenügend ausgebildeter Fahrer mit großer Verzögerung oder überhaupt nicht in Stellung kommt. Zum Einsatz der Beobachtungs- und Nachrichtenmittel, zur Ergänzung der Munition, des Geräts und der Verpflegung der fechtenden Truppe brauchen wir g e - wandte Fahrer vom Sattel und vom Bock, sowie zuverlässige Gespanne, solange der Motor das Pferd vom Gefechtsfeld nicht verdrängt fcit.
Bei der Artillerie, den Begleitzügen der MG- Kompanie, Minenwerferkompanie u. a. muß das Fahren schon aus dem Grunde geübt werden, weil die betreffende Einheit sonst unbeweglich wäre und gar nicht zum Schießen käme, was auf einer kriegsmäßigen Hebung der besichtigende Vorgesetzte sicherlich sehr übel vermerken würde. Im Kriege wird nicht nur auf einer flachen Grasnarbe ober festgetretenem Boben bes Exerzier- und Truppenübungsplatzes, und das nur stundenweise, gefahren. Nein, der Krieg kann Monate und Jahre dauern, verlangt Dauermärsche bei Tag und Nacht, in besonderen Lagen täglich wechselnden Einsatz einer Batterie und der mit schweren Waffen ausaeftatte» ten pferbebespannten Einheiten. Die Versorgung dieser wie auch aller Schützenkompanien mit Muni- tion und Verpflegung erfolgt auch größtenteils durch pferdebespannte Fahrzeuge.
Im Frieden könnte vielleicht, um Zeit für andere Ausbildungszweige zu sparen, auf die Fahrausbil- bung vom Bock verzichtet werben. In ber Vorkriegszeit fuhr man ja auch bie Heeresfahrzeuge — ausgenommen bie Krümperwagen — allgemein vom Sattel, schon bes militärischen Bilbes wegen, aber — wir bilben bie Fahrer nicht für Frieden, sondern für den Krieg aus. Hier brauchen wir bie Fahrer v o m B o ck für bie ber Truppe unmittelbar auf bas Gefechtsfelb folgenben Gefechtsfahrzeuge ber Infanterieregiments- unb Ba- taillonsstäbe, ber Schützenkompanien, der MG - unb MW.-Kompanien, ber Nachrichtenzüge, ber Pionier- Kompanien usw., bie alles bas, was bie Truppe vorne für ben Kampf braucht, ihr zuführt: Munition, Verpflegung, Tarnungs-, Leucht- unb Signalmittel, Hanbgranaten, Stacheldraht, Waffenmeister- und Stellungsbaugerät usw. usw. Alles dieses wird fast ausnahmslos durch pferbebespannte Fahrzeuge zur Truppe gefahren, durch Fahrer vom Bock, die ihren Weg abseits ber großen Straßen, meist auf sich allein gestellt, querfeldein über Stock unb Stein, burch Löcher, Trichter unb Gräben, im Artillerie- unb Fliegerbeschuß, ben Schreckgeräuschen
einer vorgeschriebenen Fahrweise das Satteln unb Schirren, Wartung unb Pflege ber Pferbe, Geräte- kenntnis usw. voll beherrschten.
Die sog. „natürliche F a h r w e i s e", bie barin besteht, Zugpferbe durch Zupfen und Reißen an der Leine, Hüh und Hott, Peitschenknallen und Peitschenschlagen, ohne Sinn und Verstand zu fah- rn und anzutreiben, mag für bas Pserb, das täglich seinen selben Trott auf der Straße ober im Acker geht, angehen; für bie Armee, die auf allen Gebieten führend unb bahnbrechenb sein muß, ist ie unbrauchbar. Die Kriegserfahrungen sprechen hier eine beutliche Sprache. Es muß, wie für
Paraguay barf von allen sübamerikanischen Län- bern gegenwärtig wohl bas meiste Interesse bei uns beanspruchen. Die politische Entwicklung zeigt bort Tenbenzen, bie Parallelen mit ber Entwicklung in Europa gestatten, wo bie Wendung von der parlamentarischen Demokratte zum autoritären Volksstaat immer mehr Länder erfaßt. Was sich heute in Paraguay abspielt, ist ein Neues auf dem südamerikanischen Erdteil. Allerdings ist alles noch in Bildung begriffen. Um fo interessanter ist es, an Ort unb Stelle zu beobachten, wohin der Weg in Paraguay führt. Unser Dr. M. F.-Berichterstatter in Buenos Aires hat eine mehrwöchige Reife durch Paraguay gemacht. Seine interessanten Beobachtungen und Erfahrungen hat er in fünf Aufsätzen nieberaefdjrieben, mit deren Veröffentlichung wir heute beginnen.
motorisierter und mechanisierter Waffen ausgesetzt, lag für Tag ober Nacht für Nacht suchen müssen. In Friebenszeiten folgt auf einer Hebung ber Kompanie, dem Bataillon unb bem Regiment nur ein Bruchteil der für den Krieg vorgesehenen Gefechts- fahrzeuge. Die leichten Kolonnen und die Fahrzeuge des Verpflegungstrosses (bespannt) fehlen in der Regel ganz. Die Nachschub-Kolonnen find in allen modernen Heeren motorisiert, scheiben also für biefe Betrachtung hier aus. Im Kriege können in einem einzigen Infanterie-Regiments-Abschnitt zeitweise über 100 Fahrzeuge herumwimmeln, bie, unsachgemäß von ängstlichen ober unausgebilbeten, in schwierigen Lagen ihr Gespann nicht beherrschenden Fahrern gelenkt, ein heilloses Durcheinanber unb sehr empfinbliche Ausfälle in ber Versorgung ber Truppe bringen können.
Solange also — unb vielleicht wird bas immer so bleiben — die Kraft des Pferdes die bes Menschen zum Kriegführen ergänzt, solange Gefchütze, Maschinengewehre, Minenwerfer u. a. m. burch Pferdezug zur vollen Ausnutzung ihrer Feuerkraft beweglich gehalten werden und solange pferbebe« spannte Fahrzeuge in die Versorgung, ben Nach- und Abschub der Truppe eingeschaltet sind, solange müffen auch in einem neuzeitlichen Heere für bie Stäbe, Kompanien, Batterien unb Schwabronen Fahrer vom Sattel und Fahrer vom Bock kriegsmäßig ausgebildet werden Der Chef der Heeresleitung hat alle Zweifel durch die Verfügung entschieden, Die besagt, daß in Zukunft im Heere das Zweigespann grundsätzlich vom Bock, das Mehrgespann vom Sattel zu fahren ist. Ist der Fahrer vom Sattel im Fahren vom Bock ausgebildet, so ist er in der glücklichen Lage, sein Mehrgespann zur Schonung der Pferde auf längeren Märschen, solange keine Feindberührung besteht, mittels ber Kreuzleine vom Bock zu fahren.
Die Erfahrungen bes Weltkrieges, die auch in den Kriegs-Deterinärberichten bes Jahres 1914/18 festgelegt sinb, haben ben Beweis erbracht, daß ein großer Teil unserer vierbeinigen Kameraben burch unsachgemäße Behanblunq, Mangel an Pflege unb gänzich falschem weil systemlosem Fahren „b. u." geworden sinb ober infolge Erkrankungen unb Verletzungen für wichtige Kriegshanblungen ausfielen. Man spricht von einem Verlust von über 500 000 an Erschöpfungs- usw Erscheinungen eingegange- nen Pferben im Weltkriege. Selbstverstänblich sprachen mangelhafte Fütterung, schlechte Unterbrin- gungsmöglichkeiten Ueberforberungen auf Grunb ber Lage usw sehr mit, aber das Fehlen einer gründlichen und sachgemäßen Ausbildung der Fahrer hat an den verhältnismäßig großen Verlusten wertvoller, im weiteren Verlauf des Krieges aus dem eigenen Lande nicht mehr ersetzbarer Zugpferde ausschlaggebend bei getragen. Gerade weil es vor dem Kriege unb für ben Krieg selbst keine eigentliche Fahrvorschrift gab, hat man schon in ben letzten Jahren bes Krieges versucht, ein System aufzustellen, eine Vorschrift auszuarbeiten, nach ber zugfeste Pferde unb zuverlässige Fahrer auszubilben waren, also Solbaten, die außer
jeden Ausbildungszweig, ein festgelegtes System geben. Wie ber Reiter, so muß auch ber Fahrer vom Sattel und vom Bock die Hilfen er» lernen, um sein Gespann an den befohlenen j Platz hinzubringen Wenn auch im Ernstfall einer bespannten Einheit eine gewisse Zahl im Landwirtschaftsbetrieb oorgebilbeter Leute als Fahrer zugeteilt werben, so muß der Chef unbedingt über einen Stamm kriegsmäßig ausgebildeter Unterom- ziere und Fahrer verfügen, die, selbst vorbildlich im Fahren, gleichzeitig als Lehr- und Aufsichtspersonal im Fahren, in der Pferdebehandlung und der Gerätekenntnis wirken können.
Am 3. Juli 1866 siegten die Preußen über bie Oesterreicher unb Sacksen in ber Schlacht bei Koniggratz. Das Gemälbe von Professor Emil Hünten zeigt bie Begegnung Wilhelms I. mit Kronprinz Friedrich Wilhelm auf dem Schlachtfeld von Königgrätz. (Original in der Ruhmeshalle des Berliner Zeughauses.) (Scherl-Bilderdienst'M.)
scher Schriftsteller die Republik Paraguay genannt; gungen richtunggebend gewesen bis heute. Leiderein Name, der überaus glücklich für das Land ge- ist der Garten verwahrlost, unb bas überall wuchernbe Unfraut hat ben Lebensstil stark beehr-


