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Nr. 154 Zweites Blatt
Samstag. 4-)uli 1936
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Wehr und Waffen
Die Eröffnung des Reichsknegertages in Kaffel
in Ordnung bringen
entlang und ver-
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man sich wieder.
kann
geht's los: Exer-
dann
ges Publikum.
der sich als mit Es an-
Halt.
„Zugführer den Anzug lassen!"
Die Feldwebel gehen bie bessern. Die Rast ist kurz.
Es geht weiter.
Wenigstens sehen lassen
wird russisch sein und das bedeutet gefügig, langsam, schwach in eigener Verantwortungsfreudigkeit. Dieses russische Soldatentum ließ, letzten Endes, Rennenkampf nicht marschieren.
Feldgrauen aus dem Getümmel der Materialschlachten in die Heimat zeigt. Als die Musik dann „Ich hatt' einen Kameraden" spielte, erhoben sich die 30 OOO spontan von ihren Plätzen, um die Gefallenen zu ehren. In einem erhebenden Schlußbild sah man dann die Soldaten des Alten Fritz, die Soldaten des Weltkrieges, die braunen Bataillone Adolf Hitlers und die im Kyffhäuferbund vereinig, ten alten Krieger gemeinsam aufmarschierem 4000 Mitwirkende, 2000 Sänger und 120 Musiker waren zu diesem großen Festspiel aufgeboten.
Äon Hauptmann a. O. Or. Gerhard Scholh.
„Das Armeekorps" ist der größte Verband, bet im Frieden alle Waffen des Heeres umfaßt — der „Kommandierende General" ist sein Befehlshaber^ Infanterie, Artillerie (aller Arten), Kavallerie, Nachrichtentruppen, Panzertruppen, Transport- und Nachschuboerbände, Sanitätsformationen und die übrigen Zubehör-Einrichtungen des Heeres sind im Armeekorps verbunden. Seine Befehlsbehörde heißt Generalkommando. Es ist eine hohe Kommandostelle des Heeres, deren Dienst durch einen umfangreichen Stab von Führergehilfen versehen wird. Er umfaßt den General st ab mitd em Chef des Generalstabes, dem der gesamte weitere Stab untergeordnet ist und der eine Zwi. schenstelle zwischen diesem und dem Kommandierenden General einnimmt — die Adjutant u r, die Waffen- und die Hilfsoffiziere (Sanitäts- und Veterinäroffiziere) sowie die Hee- resbeamten. Kommandierender General ist ein Generalleutnant oder ein General der Waffen (In. fanterie, Artillerie, Kavallerie). Die Truppenteile des Armeekorps, das gewöhnlich aus zwei (in besonderen Fällen aus drei) Divisionen besteht, sind in Standorten untergebracht, deren Verteilung über ein bestimmtes Gebiet des Reiches den örtlichen Befehlsbereich des Kommandierenden Generals bezeichn net. Er ist über dies Gebiet — soweit die Wehr- macht in Frage steht — der dem Führer und Reichskanzler und dem Oberbefehlshaber der Wehrmacht verantwortliche Treuhänder für die Sicher- ■ heit. Unbeschadet der Kriegsoerwendung der Kommandierenden Generale und der Armeekorps bearbeitet der Kommandierende General die Landesverteidigung des ihm anvertrauten Gebietes nach den Richtlinien des Reichskriegsministers und Oberbefehlshabers der Wehrmacht.
Der Kommandierende General ist der oberste dienstälteste Offizier der im Armeekorps vereinigt ten Truppen und ihrer Führer; er ist Gerichtsherr über diese. Er selber ist den Oberbefehlshabern der Gruppen (1, 2, 3) zunächst untergeordnet. Auf den Schultern des Kommandierenden Generals ruht die persönliche Verantwortung für die kriegsmäßige Ausbildung der Truppen. Er überzeugt sich von den Fortschritten bei deren Schulung für die Landesverteidigung. Ihm ist die Anlage und Beaufsichtigung der Uebungen der gemischten Verbände nach den Weisungen des Oberbefehlshabers des Heeres übertragen. Im Falle großer, vom Führer besonders verlangter Uebungen führt er sein Armeekorps gegen den Verband, der ihm kriegsmäßig gegenübergestellt wird. Gleichzeitig ist dem Kommandie- renden General die Aufgabe der engen Verbindung mit der staatlichen Verwaltung und mit der polittschen Bewegung angewiesen.
Der Rang des Kommandierenden Generals kennzeichnet eine Spitzenstelle in der Führerlaufbahn im Heere. Was der Oberbefehlshaber des Heeres für das Reichsgebiet ist: der Hüter der Landes- ° Verteidigung im Bereiche der Streitkräfte des Hee- - res, das ist der Kommandierende General für den- i jenigen Landesbereich, der durch die Standorte sei- - ner Truppen besetzt und abgegrenzt wird, seinen l „Wehrkreis", in dem er Befehlshaber ist. Ihm ist - dabei auch die leitende Dienstaufsicht über das : Heeresersatzgeschäft übertragen.
,,DerKommandjerendeGeneral"
Von dieser Erkenntnis aus ist es erlaubt, zu verallgemeinern, bestimmte seelische Normaltypen hinzustellen. Es ist notwendig, bis in diese Tiefe der seelischen Schau zu gehen, da man nur dann zu praktischen Ergebnissen kommt. Die nordische Seele schaut auf das Werk, die Tat. Die w e st i s ch e gleichsam von außen auf die eigene Person und Haltung. Die o st i s ch e schaut nur in ihr eigenes Innere. Man mag diese Schematisierung für allzu einfach halten, sie bewährt sich aber, wenn wir Deutsche, Franzosen und Russen unter diesem Blickwinkel betrachten, was allerdings in einem kurzen Aufsatz nur andeutungsweise geschehen kann.
Beim Deutschen steht also das Werk über der eigenen Person. Er spricht von der „Schlacht" bei Dannenberg, nicht vom „Sieg" oder gar „Ruhm" Er will den genommenen Graben, die eroberte Höhe sehen. Die Defensive liegt ihm au die Dauer nicht. Daraus spricht ein aktiver Wille, der sich nicht leicht beugt und den Einzelnen zu einer „Persönlichkeit" macht, also zum eigenwilligen Menschen. Jeder will seine eigene Meinung haben und durchsetzen. Das führt zur deutschen Uneinigkeit. Anderseits ist dieser Selbständigkeitsdrang die Ursache der hervorragenden Eignung des Deutschen als Einzelkämpfer und E i n z e l f ü h r e r. Selbständigkeit der Unterführer ist deutsch, ebenso allerdings ’ ihr mangelndes Einordnungsvermogen (Steinmetz 1870). Insgesamt ergibt sich ein — nach unseren Begriffen - typisch männliches Bild. Männlich ist der Schlag.
Der Deutsche schlägt, der Franzose sticht. Dem entsprechen Umfassung und Durchbruch Wir
Im reich geschmückten Festsaal der Stadthalle zu K a s s e l wurde der Reichskriegertag eröffnet. Der Stellvertreter des Bundesführers, Generalmajor a.D. von Kuhlwein überbrachte hterber die Gruße des Bundesführers. — (Scherl-Bilderdienst-M.)
haben wohl alle im Kriege ein französisches Seitengewehr in der Hand gehalten und das Gefühl gehabt, es sei eigentlich „unmöglich", einen Menschen mit solch einem dreieckigen Stück Stahl zu stechen. In diesem Gefühl sehen wir die „Scheidung ‘ Geister". Der Franzose ist tapfer, wenn er beobachtet weih. Er ist also weniger Einzel- Massenkämpfer und bevorzugt den massierten Kräften vorgetragenen Durchbruch, liegt etwas Defensives darin. Einer schützt den .... dern. Napoleon und Nivelle sind eine Linie, inso-
Von dieser Erkenntnis rassisch bedingten Soldatentums aus wenden wir den Blick in die Zukunft. Viele Fragen türmen sich auf. Nur eine soll hier herausgegriffen werden: der Panzerwagen. Er ist ein Geschenk der Technik des 20. Jahrhunderts an die Franzosen. Der Panzer besiegt das Maschinengewehr. In dem für Umfassungen zu eng gewordenen Westeuropa wird der Durch bruch wieder möglich. Das „System Napoleon-Nivelle" der enggeballte Massenstoß, ist neugeboren. Panzer- und Nebelschutz entsprechen zudem dem defensiven Gefühl. Die strategischen Entschlüsse werden dem Rechnung tragen, Motor und Panzer das Skelett aller Gedanken sein. Man hat die Waffe, die dem Geist der Rasse entspricht!
Und dennoch: In der ungeheuren Nervenprobe einer modernen Tankschlacht mit all ihrem Wirr- war, mit dem blitzschnellen Wechsel ihrer Lagen ist letzten Endes die Entschlußkraft des Unterführers und des einzelnen Mannes entscheidend. Auf den Augenblick der Fortführung des ersten Stoßes kommt es an, auf das Entwirren und Neu-Ansetzen mitten im Bereich der Artillerie und der eintreffenden Reserven. Vor der brodelnden Masse steht der Kanonier am Geschütz. Wohl uns, daß wir ein Volk der Einzelkämpfer sind!
Seit wann gibt es Feldzeitunaen?
KWK. Walter Kaulfuß berichtet im,Kyffhäuser", dem Reichsblatt des Deutschen Reichskriegerbundes, über seine Sammlung der ältesten deutschen Soldatenzeitungen. Wir entnehmen dem Aufsatz folgendes: Die älteste Schrift, die als Soldaten- oder Feldzeitung anzusprechen ist, führte den Titel „Geprüfte Tagschrift der gesamten com- binirten Armeen". Sie wurde in den ersten vier Monaten des Koalitionskrieges 1794 vom „Generalkommando der kaiserlich königlichen Armee in den Niederlanden" herausgegeben. Im Jahre 1809 erschien die „Oesterreichische Zeitung", hie von Friedrich Schlegel im Hauptquartier geleitet wurde. Auch 1812 kam eine Feldzeitung heraus, es war die von dem Dorpater Professor Hambach geleitete, in deutscher und russischer Sprache im russischen Feldlager erscheinende Zeitung „Der Russe . 1813 gaben die Oesterreicher die „Armee- Nachrichten" heraus, die Preußen die „Preußische Feldzeitung aus dem Hauptquartier" und die „Zeitung aus dem Feldquartier".
Dann erst erscheinen in meiner Zusammenstellung 1815 die „Deutsche Feldzeitung aus Paris" und „Die Feldzeitung", welche von dem Verleger Bartholomäus Herder herausgegeben wurden. lieber die letztere teilte Franz Meister in dem Jahresbericht 1915 der Herderschen Verlagsbuchhandlung in Freiburg i. Br. mit, daß durch Erlaß der Wiener Geheimen Hof- und Staatskanzlei vom 30. Mai 1815 der Verlagsgründer Bartholomäus Herder als Feldbuchdrucker und Herausgeber einer Feldzeitung beauftragt wurde, „auf der Stelle eine mit allen erforderlichen Requesiten versehene Felddruckerei, die auf einem Wagen transportiert werden kann, in den Stand zu fetzen und solche so schnell als möglich in das k. k. Hoflager zu schaffen". Vier Pferde und zwei Trainknechte wurden dem Feldbuchdrucker für den Transport zugewiesen. Nun mochte er sehen, wie er den ihm zuteil gewordenen Auftrag durchführte. In dem Vertrage ward ausbedungen, daß er „einen geschickten Factor und zwei taugliche Subjecte anzustellen" habe. Die Herausgabe der Feldzeitung sollte „nach einem von ihm einzureichenden Plane und unter jedesmaliger Zensur der kaiserlich-königlichen Behörden" erfolgen. Die erste Nummer trägt das Datum „Hauptquartier Heidelberg, Samstag, den 24. Juni 1815 .
Soldatentum und ORoffe
Äon Hauptmann (E> Egon Hundecker
Ist der hebe Gott wirklich mit den „stärkeren Bataillonen?" Hat der Große Friedrich nicht selbst bei Leuthen und Liegnitz das Gegenteil gelehrt? Man spricht bisweilen von den „Berechnungen" der Feldherren. Sind das kalte mathematische Exempel? Warum marschierte Rennenkampf nicht? Warum griff Nivelle mit übergroßen Massen auf so schmaler Front an? Warum siegte der Kronprinz in der reinen Frontalschlacht bei Longwy mit 119 gegen 193 Bataillone Das sind alles Fragen, die beweisen, daß hinter den Zahlen noch anderes steht. Es ist die Verschiedenartigkeit des Soldatentums, die den Schlüssel zu so manchen Geschehnissen der Kriegsgeschichte gibt. Daß die Artverschiedenheit der Völker und damit ihrer Heere nur der Ausdruck ihre rassischen Besonderheiten ist, wissen wir heute.
Es ist nun eine der schwierigsten Aufgaben des Krieges, sich im vorhinein ein richtiges Bild von den voraussichtlichen Absichten des Gegners und dessen Verhalten auf dem Schlachtfeld zu machen. Die Schwierigkeit liegt darin, daß wir geneigt sind, uns selbst in die Rolle des anderen zu versetzen und damit die Lage aus einer ganz anderen Seelenhaltung heraus zu betrachten. Dies muß notwendig oftmals zu Trugschlüssen führen. Anders, wenn man die Seelenhaltung, das rassisch bedingte Soldatentum des Gegners kennt, sich hineinfühlt und von dieser Plattform aus die Frage nach dem Kommenden stellt.
Der Einwand, daß dies gerade in Mitteleuropa, in diesen rassisch uneinheitlichen Völkern schwierig ist, ist nicht stichhaltig. Heere sind einheitlicher als ihre Völker. Der Soldat ist ein geformter Mensch: Jugenderziehung, Tradition, einheitliche Vorschriften und Ausbildung, der Abgleich innerhalb der Kameraden und der „Drill", die (Schulung des Instinktes also, haben ihn zu einem Menschen gemacht, der annähernd dem Wunschbild des herrschenden Rassenteils entspricht. Das französische Heer ist westischer, das deutsche nordischer als ihre Völker. Daß die Erziehung des deutschen Gesamtheeres von Berlin ausgegangen ist, ist von gar nicht abzuschätzender Bedeutung.
D?e kleine Garnison!
Äon Oberleutnant von dem Knesebeck
„Menschenskind! Da müßt ihr hin?"
Mitleid und stilles Grauen klingen mit.
Die Frage wird so oft an den Soldaten gerichtet, wenn er auf Urlaub seine Freunde und Bekannten trifft und von seinem Leben und seinem Dienst berichten muß. „
„Ihr armen Kerls — m diesem Nest in Gar- ni on — —" . ,, . r
Es ist nämlich [o, daß in den Köpfen all dieser mitfühlenden Menschen die „andere' Stadt sich ganz unglaublich kümmerlich und tot malt Wahrend der eigene Heimatort — na, überhaupt kein Vergleich:
Natürlich gebe ich stets gerne zu daß mein Standort keine Großstadt sei und Berlin zweisello- mehr Einwohner habe. Und dann erzähle ich, was eine Garnison - und gerade die im handlichen Taschenformat — für den Soldaten ift.
Die Technik verändert und formt das äußere Gesicht jeder Wehrmacht ständig neu. Durch die Jahr- hunderte und Jahrzehnte ist sie die Große „Ve.- änderlich" in einer ewig alten Gleichung.
Es bleibt der Mann und fern Boden konstant.
Der Boden des Soldaten ist seme Garnison: D'e kleine Garnison. r , __..
Sie nährt ihn und wärmt sein Herz. Sie macht ihn zum Bürger und zum Menschen Sie ist. sem Spiegel: Stolz, selbstbewußt und stattlich steht er ^Des Morgen? schont tönt der Hornruf des Spiel- manns: 5 Uhr Wecken! Durch die lange leere Straße schwingt sich das Signal: klopft an die Fenst ' kriecht in die Schornsteine, wirbelt um den Mark t- platz und bleibt dann weit — weit am Ende Der Stadt an einem Dachfirst hangen.
Der Hornist setzt ab und steht noch einen Augenblick in eiserner Grundstellung Er tritt weg.
Gut hat er geblasen.
Hat es nicht jeder gehört? ,„rück
Befriedigt poltert er in die Wachtstube zuruck. Er hat nicht lange zu warten, b Ujr.
Ss ereianet sich etwas. Seine Kompanie yar Ausmarsch^ Boller Muße stühstuckend beobachte^ er die ausrückenden Kameraden und lauscht dem schepperndem Marschtritt nach, bis er durch ihren Ma ^chgesang übertönt wird ftnmnrt hit»
Schwer, ein gewaltiger Körper, s P „beste" durch die morgenkuhlen Straßen und sing.
fern, als sie die artentsprechende Taktik suchten. Nur daß Nivelle an der Technik — am Maschinengewehr — scheitern mußte. Das defensive Grundgefühl liegt in dem Streben nach Sicherheit. Begegnungsgefechte waren in den Vorschriften nicht vorgesehen. Als man sie dennoch schlagen mußte (Longwy) war man trotz Uebermacht sofort in der Verteidigung. Joffre spricht von dem geringeren Wert des französischen Soldaten „für den Angriff in freiem Felde" Daß dieser tapfer war im Halten, haben wir alle erfahren. Geltungs- und Sicherheitsbedürfnis sind die Pole, zwischen denen das Soldatentum und damit die Geschichte Frankreichs pendelt.
Der Russe endlich, ein in sich gekehrtes Kind der Steppe, hat keinen nach außen strebenden persönlichen Willen. So läßt er mit sich geschehen, was von ihm verlangt wird. Kriege oder Revolutionen. Sein Heer wird immer so sein, wie es geführt wird. An seiner Spitze kann einmal ein dem Tataren Lenin kongenialer Mann stehen, eine asiatische Eroberernatur. Die Masse der Unterführer aber
schauer füllten die großen, vor dem Orangerie- Schloß aufgebauten Tribünen. Das Festspiel vermittelt in einer farbenprächtigen Bildfolge einen Ueberblick über die Geschichte des Reichskriegerbundes vom Entstehen der ersten Kameradschaften im Jahre 1786 bis auf den heutigen Tag. Tief ergreifend war das Bild, das die Rückkehr unserer
Und die Soldaten sehen sich in ihnen. Sie fühlen sich wieder, sie wachsen.
Ganz in der Ferne taucht schon die Kaserne auf, kommt näher und näher.
Na — siehste wohl — schon ist's geschafft. Die Knarre ist herunter- von der Schulter — im Marsch, Marsch springt alles auf die Stube.
Vorbei ist die Qual: Wir sind doch Kerle.
Jeder hat es gesehen.
Des Abends, gegen einhalb neun Uhr regt es sich in den Straßen. Zu Zweien und zu Dreien kommen sie: Die Mütze keck aufgesetzt, den Anzug adrett und sauber blitzblank das Koppel. Soldaten gehen aus.
Wenn es auch kurz vor Ultimo ist und die letzte Mark längst angerissen — das spielt keine Rolle!
Im „Ortskrug" gibt es das beste und billigste Bier und für Zigaretten reicht es noch. Heute abend wird gelebt, Teufel auch — was kostet die Welt?
Am besten Biertisch sitzen sie dann und lachen und erzählen. Der Wirt kommt dazu und freut sich an den frischen Jungens.
Kinders, Kinders, wird da geschwungen: Man reißt die Augen auf und blickt wild. Die Straßen werden Wüstenwege, die Sonne zur Mörderin und der Wind zum Taifun mit bösen Schikanen.
Die alte Theke — in Ehren ergraut — beginnt zu wanken, der Stuck platzt von der Decke, die Wände neigen sich.
Teufel auch! Heute war der Dienst aber ganz besonders verrückt, muß man schon sagen!
Ehrlich erschüttert berichten die Kameraden.
Der Wirt sieht ergriffen in sein Glas und sagt bieder: „Tja, was heute alles so verlangt wird —"
„Na, meine Herren, wie ist's noch mit 'nem kleinen Korn?" Hart klappen die Gläser auf den weißgescheuerten Tisch.
Bis sich einer von ihnen erhebt, zahlt und lässig sagt: „T'schuldigung, hab' noch ne kleine Verpflichtung. N'Abend!"
Breit geht er hinaus. Verständnisvoll nicken die andern.
Zum Zapfenstreich findet sich dann alles wieder auf dem Wege zum Kasernentor, eilig strebend. Auch die mit Verpflichtung. Gedankenschwer kehren sie zurück.
Man hat sich gezeigt und alles ist befriedigt. Jeder hat uns gesehen.
Nachtruhe senkt sich über Kaserne und Garnison. Unsere kleine Garnison.
Aus der Karlswiese sand am Donnerstagabend für die Kasseler Bevölkerung die öffentliche Hauptprobe des Fr e i l i ch t f e st s p i e l s „150 Jahre Soldatentum und Kyffhäuferbund" statt, das am kommenden Sonntagabend für die von auswärts kommenden Landesverbände des Kyffhäuserbundes zur Aufführung gelangen wird. Neber 30 000 Zu- Schräg ruhen die Gewehre in lässiger Ruhe. Die Morgenstille weicht durch Höfe, durch die Gassen in die entlegenen toten Winkel der Stadt und versteckt sich bis zum nächsten Frühdämmern.
Fensterscheiben summen, die Melodie mit Vorhänge rauschen zurück.
Die Männer füllen ihre Lungen, lassen die Kehlen dröhnen. Die Augen wandern hin und her: „Na? Wer hat Recht behalten!" — Erich und Karl stoßen sich an und grinsen. Natürlich ist „Sie" hinter der zitternden Gardine und Karl hat seine Wette gewonnen. So sind die Männer nun mal — treiben mit dem Heiligsten Spott und verwetten die keusche Morgenruhe der geliebten Kleinen für eine Zigarette und eine Molle.
Da biegt die Kompanie auch schon ab und im Zuge einer schmalen Gasse verklingen Marschtritt und Gesang.
Alle haben wir geweckt!
Ein Marsch verliert auf die Dauer seinen Reiz — auch für ganz wilde Soldaten. Wenn es dann auf Mittag geht und der — Magen leer ist — also übertriebenen Wert legt keiner mehr auf die Fortsetzung dieses zweifellos sehr militärischen Unternehmens. Aber es geht noch weiter, und zur Kaserne muß man erst durch die Stadt — eine volle halbe Stunde m .
Mit drückendem Affen und bleischwerem Gewehr werden die vordersten Häuser erreicht
denkt jeder.
Noch eine kurze Strecke, —.... o--,- - ;
zierorbnunq! Di- Gewehre mb ungezogen und stumm wirb sie nun in Angriss genommen - bie lebte halbe Stunbe —, bie große ..Durststrecke durchs Städtchen. Verfluchter Mist!
Doch es vollzieht sich ein Wunder: Die Hauser die Mauern, die Zäune werden zu Stutzen. Der Gleichschritt fängt sich und zittert von chnen zuruck^ flatterte er zuvor kraftlos in die Felder. Jetzt ttägt sein Klang! Fenster und Spiegelscheiben von Kaufmannsläden sind tausend neugierige Augen Und dazu die vielen Bürger ln der Straße, die Bauern auf dem Wochenmarkt: Alle sind em stren-


