186. Jahrgang
Gießener Anzeiger
'S«“—_ MZahrgan, Samstag, 4. Juli 1956
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Stonifttrt am Main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfiläts-Vuch- unö Zteindruckerei R. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulftrahe 7 Mengenabschlüsse Staffel B
Genfer Tragikomödie.
Aus dem Hin und Her der Genfer Verhandlungen, sowohl der offiziellen Beratungen des Rates and der Vollversammlung wie der diplomatischen Gespräche hinter den Kulissen sich ein auch nur einigermaßen zutreffendes Bild zu machen, ist um o weniger leicht, als man noch mitten in der Genfer Tagung steht. Soviel steht jedoch bereits fest, daß von den großen politischen Problemen, die in Genf zur Erörterung stehen, im besten Falle nur ein verschwindend kleiner Bruchteil einer Lösung entgegengeführt werden, der weitaus größte Teil aber das in Genf übliche Schicksal der Vertagung und Verschleppung teilen wird.
Der Völkerbund durchlebt peinliche Tage. Er soll die von ihm beschlossenen Sanktionen liquidieren und einen Schlußstrich unter jene Politik des Abenteuers setzen, in das er sich mit der Verhängung der Sanktionen eingelassen hat, und das von England selbst als „P r o b e f a l V* auf die Wirksamkeit der Genfer Einrichtung der kollektiven Sicherheit bezeichnet worden war. England, das seinerzeit die Führung der Sanktionsfront übernahm, ist auch bei ihrer Aufhebung in Führung gegangen. Frei und offen hat Eden erklärt, „daß unter den bestehenden Umständen die Fortführung der Sanktionen keinen nützlichen Zweck verfolgen kann". In diesem Sinne wird auch die Völkerbundsoersammlung beschließen. Abessinien ist auf dem Genfer Altar geopfert. Daran kann der letzte Appell des Negus in seiner Genfer Rede an das Gewissen der 52 Dölkerbundsnationen nichts mehr ändern. Genf muß sich vor der Gewalt der von Italien geschaffenen Tatsachen beugen.
Mit dem Verschwinden der Sanktionen ist der abessinische Konflikt, die Stellung Italiens zum Völkerbunde und ebenso zu den anderen Mächten, besonders England und Frankreich, aber noch nicht bereinigt. Die Verurteilung Italiens als Angreifer durch den Völkerbund vom Herbst vorigen Jahres bleibt bestehen. Eden hat ausdrücklich erklärt, daß die Eroberung Abessiniens durch Italien von Genf nicht anerkannt werden wird, und ebensowenig wird das Hilfeler- ftungsab kommen, das England mit den Ostmittelmeerstaaten Ende vorigen Jahres abgeschlossen hat, vorläufig nicht außer Kraft gesetzt: „Die britische Regierung erklärt, daß sie bereit ist, diese Verpflichtungen aufrechtzuerhalten, wenn eine Lage entstehen sollte, die diese Verpflichtungen bei der Durchführung der Aktion unter Artikel 16 in Kräft gesetzt hätte".
Wie sich Italien mit den Genfer Beschlüssen avfinden, ob ihm die Aufhebung der Sanktionen genügen wird oder nicht, bleibt abjuroarten. Gewiß, die Aufhebung der Sanktionen ist ein großer Erfolg Mussolinis, aber es muß Italien jetzt darauf ankommen, die Anerkennung der Besitznahme Abessiniens und die Rückgängigmachung der Mittel- meer ab fommen durchzusetzen. Auch die englische Ankündigung, daß im Mittelmeer eine stärkere englische Flotte stationiert bleiben wird, als vor dem italienisch-abessinischen Kriege, muß Italien zu denken geben. Kein Wunder, daß Rom in dieser Polittk Englands einen Versuch erblickt, Italien im Mittelmeer lahmzulegen und einzukreisen. Und das um so mehr, als die in Montreux zwischen England und Sowjetrußland aufgetauchten Schwierigkeiten im wesentlichen behoben sind, und zwar dergestalt, daß der russischen Flotte weitgehend der Zugang zum Mittelmeer geöffnet wird. Ein römisches Platt sieht bereits das Gespenst eines englisch- jfranzösisch-russischen Kriegsbundes, ähnlich dem der Vorkriegszeit, nur mit Dem Unterschiede, daß er nicht in erster Linie gegen Deutschland, sondern «egen Italien gerichtet ist. Die Frage der Rückkehr Italiens in das europäische Mächtespiel bleibt im Augenblick noch offen. So sehr Frankreich, dieses Ichon mit dem Hintergedanken des Wiederauflebens Iber „Stresa-Front", und England die Wiederbeteili- •gung Italiens an den europäischen Dingen auch Wünschen mögen, so wollen sie anscheinend doch den «Eindruck eines Nachlaufens Italien gegenüber vermeiden.
Eine Tatsache aber schält sich aus den Genfer «Gesprächen zweifelsfrei heraus: eine wieder engere englisch-französische Zusammenarbeit, nachdem diese während des Abessimen-Kon- sstiktes mehr als einmal nicht ganz geklappt hatte. «Sowohl von französischer, wie von englischer -Seite, ist in den letzten Tagen die Notwendigkeit und Nützlichkeit der Zusammenarbeit zwischen den Seiden westlichen Mächten besonders stark be- tont und unterstrichen worden. Man kann dabei ganz absehen von der Rede des englischen Knegs- ininisters Duff Cooper in Paris, der sich für eine englisch-französische Einheitsfront aegen Deutsch- Hand einsetzte und das Reich als Störenfried für 8)ie Ruhe Europas anzuprangern versuchte. Daß derartige Äußerungen dem Frieden dienen, wird niemand behaupten können. Auf der anderen Seite darf man allerdings an Baldwin 2 Wort von einer „Arbeitsgemeinschaft zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien" erinnern und an feine Feststellung, daß „die Befriedung der Lage in Europa" das Ziel der britischen Politik sei. Aber man kommt über eine gewisse Unsicherheit unö -Zwiespältigkeit der britischen Polittk nicht hinweg.
Alle Regierungen und alle Volker Europas^wollen den Frieden. Nur über die Mittel und Wege, über die Methoden gehen die Auffassungen auseinander. Hier spielt in erster Linie die -a e 10 r m des Völkerbundes, die Frage der ko lief- tioen Sicherheit hinein, lieber die Notwendigkeit der Völkerbundsreform ist man sich ml we- fentlichen überall einig. Uneinigkeit herrscht nur über die Frage des Wie. So ist es erklarstch, datz man sich Zeit lassen und die Reform bis Zum
des ersten Reichsparteitages in Weimar.
Führer vor allem anderen für den Glauben zu danken, den Sie uns zu Beginn des Wiederaufstieges der Bewegung kraft Ihrer Persönlichkeit in die Herzen pflanzten. Dieser Glaube an Deutschland, der immer identisch war mit dem Glauben an den Führer, und dazu Ihr Vertrauen auf unsere und unseres Volkes Kraft haben uns überhaupt erst die Fähigkeit zu kämpfen und zu siegen gegeben.
„Wie wir uns vor zehn Jahren bemüht haben, ups d i e Ehre des ersten Reichsparteitages durch unausgesetzte Bemühungen auch noch nachträglich zu verdienen, so sind wir unablässig
und fanattsch am Werk gewesen, das damalige Notstandsgebiet Thüringen möglichst schnell unter den einheitlichen Willen einer rein nationalsozialistischen Regierung zu bringen. Mit Ihrer einzigartigen Hilfe, mein Führer, ist uns im Sommer 1932 dieser Schritt gelungen, und nun erleben wir die glückliche Stunde, daß Sie uns durch Ihre Gegenwart eine höchste, wenn auch eigentlich unverdiente Anerkennung zollen. Denn wir haben nichts anderes als unsere Schuldigkeit dem Allmächtigen gegenüber getan, der Sie, mein Führer, befähigt hat, Ihre. Sendung an Deutschland zu erfüllen."
Sieg der Treue und des Glaubens.
Der Führer spricht zu seinen alten Kämpfern von 1926.
Der Führer und Reichskanzler dankte dem Gauleiter S a u ck e l und dem Ministerpräsidenten M a r s ch l e r und bezeichnete es als ein Glück, die Tage dieses wundervollen Wiedersehens erleben zu dürfen. Pefonders freue er sich darüber, mit den alten Kam pf genossen zusammen zu fein, die damals vor zehn Jahren in Weimar aufmarschierten. Manche leben nicht mehr; andere sind unterdes grau und viele auch schon weiß geworden. Allerdings ist eins gleichgeblieben: Die Erinnerung und der fanatische Entschluß, die Prinzipien und die Grundsätze, die uns damals beherrschten, für alle Zukunft aufrechtzuerhalten! Dieser Entschluß, den alten Grundsätzen uns auch jetzt, da wir durch ein wundersames Schicksal die Macht in Deutschland besitzen, erst recht zu verschreiben, um sie auf diejenigen zu übertragen, die nach uns kommen werden.
Damals im Jahre 1926 unternahmen wir einen Angriff auf diese Stadt, einen Angriff auf dieses Land und damit einen Angriff auf Deutschland. Heute, kaum zehn Jahre später, befinden wir uns schon in der Vollendung. Der Glaube, der damals wenige Hunderttaufende erfüllte, ist heute zum Glauben des ganzen deutsch en Volkes geworden!
Dieser Erfolg wurde uns nicht geschenkt, denn diese zehn Jahre sind Jahre unzähliger Kämpfe und unzähliger Opfer gewesen. Was wissen alle diejenigen, die erst nach dem Siege auf unsere Bewegung aufmerksam wurden, was wissen sie von dem, was diese Jahre vorher an Opfern und an Kämpfen gefordert hatten? W i e viel Sorge wir tragen mußten, wie viel Glaube notwendig war, um aus dieser kleinen Bewegung am Ende die beherrschende Macht in Deutschland zu entwickeln? Was wissen sie davon, wie viel an Gehorsam verlangt werden mußte —
an schwerem Gehorsam, obwohl dieses Gehorchen nur zu oft gegen alle Regungen des Gefühls, ja sogar gegen Die Vernunft zu gehen schien. Wie oft mußten wir in diesen zehn Jahren unsere jungen Kämpfer ermahnen, niemals die Nerven zu verlieren, niemals unklug zu handeln, sondern immer bauen auf die Zukunft, die Zeit reifen zu lassen! Mögen die Jungen von heute aus dieser Zeit des Verzichts und des Gehorsams lernen für sich und die deutsche Zukunft.
Alles aber konnte nur erreicht werden durch die grenzenlose Treue und Anhänglichkeit meiner Mitkämpfer. Dafür mochte ich Ihnen an dieser Stelle und an diesem Tage heute besonders danken: Ihnen, mein lieber Gauleiter, der Sie — ich weiß es — einer meiner treuesten sind; Ihnen, meine Parteigenossen in der Regierung, Ihnen allen, die Sie hierhergekommen sind aus dem übrigen Deutschland als Führer der einzelnen Organisationen; und nicht zum letzten allen den unzähligen bekannten und auch namenlosen kleinen Parteigenossen, die in den Jahren, in denen die Verführung von der anderen Seite so groß und die Wahrscheinlichkeit des Sieges so klein war, standhaft geblieben sind. Ich möchte Ihnen danken, daß Sie in diesen Jahren so treu und anständig zur Bewegung gehalten haben, daß Sie ihr nicht den Rücken kehrten, wenn es manchmal so zu fein schien, als werde unser Werk doch nicht gelingen, sondern daß Sie sich dann erst recht fanatisch zu mir bekannten und sich fanatisch vor mich stellten. Wohin wären wir gekommen, wenn sich diese Anhänglichkeit nur in den Zeiten der Erfolge gezeigt haben würde?
Mr Miede, Shre und Freiheit.
Das, was unsere Bewegung so groß werden ließ, war nicht die Treue und Anhänglichkeit nach Siegen und Erfolgen, sondern die Treue gerade nach unseren Niederlagen. Wenn sich alles Glück von uns abzuwenden schien, dann sind Hunderttausende kleiner Menschen e r st recht hinter die Bewegung — und ich darf wohl sagen, vor meine Person getreten. Nur deshalb konnten wir zusammen diesen einzigartigen Kampf der deutschen Geschichte durchkämpfen und erfolgreich bestehen. Und so wie wir dank Hunderttausenden unser großes Ziel der Erringung der Macht in Deutschland erreicht haben und wir seit 3V2 Jahren erfolgreich mit dieser Macht für Deutschland abeiten können, jo werden wir, wenn wir uns zu den gleichen Grundsätzen auch in der Zukunft bekennen, auch stets den Weg nach vorwärts finden.
Möge die deutsche Ration nie vergessen, daß die Härte eines Volkes nicht dann erprobt wird, wenn die Führung sichtbare Erfolge aufzuweisen hat, sondern in Stunden scheinbarer Mißerfolge. Solange eine Führung von Glück gesegnet ist, kann sich jeder Schwächling zu ihr bekennen. Erst in den Stunden, in denen das Glück sich abzuwenden scheint, scheiden sich die wirklich wertvollen Menschen. Dann erst wird die Treue mitgeroo- gen! Möge in der Zukunft das deutsche Volk
sich diese Tugenden bewahren! Es wird mit diesen alten Prinzipien und Grundsätzen unserer Bewegung in eine große Zukunft hineinmarschieren! Ich kann an diesem Tage neben dem Dank nur die eine Bitte an den Allmächtigen aussprechen: Daß er unser Volk segnen möge in unserer Bewegung. Denn das ist meine heiligste Ueberjeugung: Solange die nationalsozialistische Bewegung fest und stark in Deutschland steht, solange wird Deutschland hart und fest fein! Wenn jemals diese Bewegung sinken sollte, dann wird auch Deutschland wieder sinken.
Viele Jahre Kampf liegen hinter uns. Die Vorsehung hat es uns ermöglicht, unserem Volke neben den Erfolgen auf dem Gebiet der Arbeit vor allem den Frieden zu bewahren. Ich glaube wir können auch an diesem Tage an die Vorsehung keinen anderen Wunsch richten als den, auch in Zukunft diesen Frieden unserem Volke zu schenken. Vor diesen Frieden aber wollen wir stets schreiben das Wort: Ehre, und unter diesem Frieden wollen wir stets verstehen den Begriff: Freiheit! Wir wollen überzeugt sein, daß ohne diese Ehre und ohne diese Freiheit es auch keinen Frieden geben kann. Das weiß unser Volk, und das mag auch die Welt zur Kenntnis nehmen. Ich glaube, daß diese Klarheit am ehesten geeignet sein wird.
Nie Zehnjahresfeier
.Weimar, 3.3uli. (DNB.) Am Freitag um 15.20 Uhr traf der. Führer in Weimar ein. Damit wurden die Veranstaltungen zur Erinnerung an den 1. Reichsparteitag nach der Neugründung der NSDAP, eröffnet. Zum Empfang des Führers und Reichskanzlers hatten sich eingefunden Reichsstatthalter S a u ck e l, Ministerpräsident Marschler und Staatssekretär Ortlepp als Vertreter der thüringischen Regierung, Korpsführer Hühnlein, SA.-Gruppenführer Staatsrat Günther, NSKK.-Gruppenführer Ponn- darf, SS.-Brigadeführer Staatsrat H e n n i ck e , SS.-Brigadeführer Staatsrat P f l o m m. In Begleitung des Führers befanden sich u. a. Stabschef Lutze und Reichsminister Dr. Goebbels. Auf dem Bahnhofsplatz begrüßten ihn Tausende mit jubelnder Begeisterung.
Mit einem feierlichen Staatsempfang der Spitzen bet Partei und der Behörden im Schloß zu Weimar wurden die Veranstaltungen eingeleitet. Der große Festsaal war durch lange von der Empore herabhängende rc*-1 Samttücher und schlichten Blumenschmuck zu einer würdigen Emp- fangsstätte ausgestaltet worden. In der Mitte des Saales hatten alle Reichsleiter und Gauleiter der NSDAP., die Gruppen- und Obergruppenführer der SA., die Staatssekretäre der Reichsregierung und Staatsminister der Länder, die Ehrengäste der Wehrmacht und der thüringischen Parteidienststellen und Staatsbehörden Platz genommen.
Wenige Minuten vor 17 Uhr verließ der Führer das Hotel „Elefant" am Marktplatz und begab sich zu Fuß in das nahegelegene Schloß. Wieder umbrandete ihn auf diesem kurzen Weg der Jubel der Weimarer und der Gäste von nah und fern. Auf der letzten Strecke standen die mehr als 4000 Teilnehmer des er ft en Reichsparteitages nach der Neugründung der Partei, die sich hier nun zum ersten Mal wieder geschlossen versammelten. Unbeschreiblich fast war ihre stürmische Begeisterung, als sie den Führer grüßten in Erinnerung an jene denkwürdigen Tage, da sie noch die einzige Gefolgschaft des Führers bildeten. Ohne Rangabzeichen im schlichten Braunhemd waren sie angetreten. Aber unter ihnen war kaum einer vHne das Goldene Parteiabzeichen, und sehr viele trugen den Blutorden. Begleitet vom Stellvertreter des Führers, vom Gauleiter Sauckel und den Reichsleitern, Stabschef Lutze, Dr. Goebbels, Dr. Frick und Dr. Ley schritt der Führer durch ihre Reihen. Der Führer schritt dann durch ein Spalier des Bundes Deutscher Mädel die mit Samt aus- geschlagene Schloßtreppe zum Festsaal empor.
Die weihevollen Klänge der 5. Symphonie von Beethoven leiteten den feierlichen Staatsempfang ein. Dann richtete
Reichsstatthalter und GauleiterEauckel an den Führer und Reichskanzler das Wort. Er führte u. a. aus: Ueberglücklich in grenzenloser Dankbarkeit und Liebe begrüße ich Sie, mein Führer, und Ihre hervorragenden Mitarbeiter und Mitkämpfer im Namen aller Volksgenossen und Volksgenossinnen im Gau Thüringen, tief ergriffen danke ich aber auch der allmächtigen und gütigen Vorsehung, die Ihren unvergleichlichen Kampf um Deutschlands Ehre und Freiheit so wundervoll segnete. Dieser Gau hieß einst das „rote Thüringen". Es war damals der Wille der marxistischen Volkszerstörer, dieses Herz Deutschlands zu einem Bollwerk des Klassenkampfes, ja sogar bolschewistischen Zersetzungswahns zu machen. In der ganzen schweren Kampfzeit sind sich aber die Thüringer Nattonalsozialisten treu geblieben. Ein herrliches Wunder ist geschehen, Deutschland ist zu neuer Gesundheit und zu neuem starken Leben und Schassen auferstanden. Jetzt wird jene damalige Zeit des unerbittlichen Kampfes und größten Opferns der Bewegung neu in uns lebendig und zwingt ganz Deutschland wieder in ihren Bann. Wie vermöchten Worte des Dankes, der Versicherung der Treue das auszudrücken, was Ihre Alte Garde, Ihre Mitkämpfer und Ihr Volk empfinden, und wie wir alle an Ihnen hängen, Ihnen vertrauen, und nur den einzigen Wunsch haben, daß der Herrgott Sie gesund erhalten und schützen möge, um Deutschlands willen.
Ministerpräsident Marschler
erklärte dann u. a.: In diesem feierlichen Augenblick, der die Führerschaft der Partei und des Reiches in diesem traditionsreichen Saal zu einem Auftakt versammelt, drängt es uns, Ihnen, mein
Herbst vertagen will. Schwere Bedenken allerdings verursachen die Auslegungen Leon Blums in seiner Rede vor der Völkerbundsversammlung im Sinne einer Verschärfung der Genfer Strafsatzungen und der Bildung regionaler Mächtegruppen mit dem Zwange zu bestimmten Militarab- kommen. Wohin solche Militärabkommen schließlich führen haben wir 1914 erlebt. England hat sich bisher in der Frage der Reform des Völkerbundes noch nicht festgelegt, aber gewisse Wendungen m der Rede Edens lassen Anklänge an die französische These erkennen. Jedenfalls weichen die Methoden der Anderen zur Friedenssicherung in verschiedenen Punkten von der von Deutschland vorgeschlagenen wesentlich ab. _ e £
Für Mitte Juli ist eine Locarnokonferenz geplant: Ob die Version, daß zu ihrer ersten Phase Italien, zu der zweiten auch Deutschland hinzugezogen werden soll, den Tatsachen entspricht,
muß man abwarten. Eine offene Aussprache wäre an sich nützlicher als eine Fortsetzung der Politik der Fragebogen und Denkschriften, aber eine solche Aussprache bedingt, wenn sie irgendwelche Aussicht auf Erfolg haben soll, die Gleichberechtigung der Verhandlungspartner, also die Unteilbarkeit der Verhandlungen im Sinne der Rede des Führers vom 21. Mai 1935, in der er erklärte: „Wir werden an keiner Konferenz mehr teilnehmen, an deren Programmaufstellung wir nicht von vornherein mitbeteiligt gewesen sind. Wir denken nicht daran, wenn zwei oder drei Staaten ein Vertragsgericht entwerfen, als Dritter dann die erste Kostprobe vorzunehmen." Auf den gegenwärtigen Fall angewandt, heißt dies nichts anderes, als daß es Deutschland ablehnen müßte, in einer zweiten Konferenzphase hinzugezogen zu werden, um etwa einen Plan entgegenzunehmen, über den England, Frankreich und Belgien sich vorher bereits einig geworden
wären. „Deutschland verlangt", so fabelt der Berliner Berichterstatter der „Times" vollkommen richtig seinem Blatte, „daß, wenn internationale Verhandlungen erfolgen, seine eigenen Gedankengänge mindestens ebenso berücksichtigt werden, wie die der anderen, und daß man sie nicht nur einfach zur Kenntnis nimmt, nachdem man vorher gemeinsame Pläne anderer Deutschland als „unteilbar" übermittelt fyat". Eine solche Methode würde in der Tat schwerlich zu der von Baldwin so nachdrücklich gewünschten Verständigung und vertrauensvollen Zusammenarbeit Deutschlands, Englands und Frankreichs führen. Wird die britisch- Diplomatie gegenüber Pariser Gedankengängen trotz aller niederschmetternden Erfahrungen noch immer nicht genug Selbständigkeit aufbringen, um eine wahrhaft faire und deshalb auch einzig Erfolg versprechende Verhandlungsmethode sicherstellen?


