Einzelbild herunterladen

die SA.-Gruppenführer Kasche und Meyer-Oüade hoben vereint den Sarg von der Lafette und trugen ihn zum Grabe. An der Stirnseite des Grabes ltand der Führer, rechts und links von ihm General­feldmarschall v. Blomberg und Rudolf Heß. Ober­gruppenführer Litzmann und der älteste Enkel des Generals, Hauptmann Litzmann, nahmen Helm unb Säbel vom Sarg, der nun von 10 Politischen Leitern langsam ins Grab gesenkt wurde. Mit er­hobener Rechten erwies der Führer seinem Kampfgenossen den letzten Gruß. Schweigend stand die Trauergemeinde um das Grab auf dem kleinen Friedhof. Ergriffen wohnte die Trauergemeinde dieser letzten stummen Zwiesprache des Führers mit dem alten General und nationalsozialistischen Kämp­fer bei. Langsam senkte sich der Sara. Eine Kom­panie schoß den Eyrensalut und der Musikzug into­nierte das Lied vom guten Kameraden. Nun legte der Führer den riesigen Kranz nieder, den letzten Gruß an den treuen Kampfgenossen, mit der In­schrift:Dem alten Soldaten und tteuesten Kämp­fer für Deutschlands Größe und Wiederauferstehung Pa. General Litzmann".

Nach dieser feierlichen Ehrung spielte der Musik­zug den Lieblingsmarsch des Generals, den König- Karl-Marsch. Dann verließ der Führer mit seiner Begleittwg den Friedhof. Die Trauergemeinde grüßte chn noch einmal schweigend mit erhobener Rechten und dachte voll Ergriffenheit daran, daß wieder einer der Besten aus der Kampfgarde der nationalsozialistischen Bewegung zu Grabe getra­gen wurde, der sein ganzes Leben lang nur den Dienst für Deutschland kannte, und der nun in sei­nem 87. Lebensjahre eine würdige letzte Ruhestätte in der befreiten deutschen Heimat gefunden hat.

Oer Volksgerichtshof.

B e r l i n, 3. Juni (DNB.) Im großen Sitzungs­saal des Volksgerichtshofs fand die Einführung des Präsidenten und der übrigen Mitglieder des zum ordentlichen Gericht erhobenen Volksgerichts­hofes statt. Im Sitzungssaal hatten sich neben Reichsjusttzminister Dr. G ü r t n e r il a. die Staatssekretäre und Ministerialdirektoren des Reichs- justizminijteriums eingefunden. Mit dem Präsiden­ten des Volksgerichtshofes, SA.-Oberführer Staats­minister a. D. Th i e rack, waren erschienen die Senatspräsidenten beim Volksgerichtshof E n g e r t und Dr. Springmann, der Leiter der Reichs- anwaltschaft beim Volksgerichtshof, Reichsanwalt I o r n s sowie die übrigen Volksgerichtsräte, Staats­anwälte und ehrenamtlichen Mitglieder des Volks­gerichtes.

Der Reichsjusttzminister gedachte zunächst des Todes des großen Heerführers und Kämpfers für das Dritte Reich, General Litzmann, dessen Sohn ebenfalls diesem Gerichtshof angehöre, und führte dann u. a. aus:

Das Jahr 1918 war das Jahr des großen Hoch­verrats. Der Landesverrat wurde salonfähig. Man versuchte sein Gesicht nicht mehr zu tarnen, sondern nahm für sich in Anspruch, den Landes­verrat sittlich zu rechtferttgen. Der Hochverrat wurde in all den folgenden Jahren in Deutschland offen und schamlos betrieben. Es ist kein Wunder, daß, nachdem der Nattonalsozialismus die Macht er­griffen hatte, schon nach kurzer Zeit der Grundsatz der nattonalsozialistischen Staatsauffassung war, daß Treubruch am eignen Volk das r u ch - lose st e und fluchwürdig st e Verbrechen ist, in Rechtsgrundsätze gefügt wurde. Die zwei­jährige Wirksamkeit des Volksgerichtshofes hat keinem ernsthaften Krittker Veranlassung geben können, an der Rechtmäßigkeit und Gesetzmäßig­keit seiner Urteilsfindung zu zweifeln. Wenn heute der Volksgerichtshof ein echtes Glied der deutschen Gerichtsorganisation wird, so geben wir damit den Inhalt seiner Tätigkeit die Rechtsform. Der Minister sprach allen für ihre bis­herige Arbeit aufrichtigen Dank aus, besonders auch dem verstorbenen ersten vorläufigen Präsi­denten des Volksgerichtshofes Senatspräsidenten Rehm und dem zweiten vorläufigen Präsidenten Senatspräsidenten Brunne. Dann überreichte der Minister den Richtern die Bestallunasurkunden und nahm von ihnen das Gelöbnis der Treue entgegen. Der Präsident des Volksgerichtshofes SA.-Ober­führer Staatsminister a. D. Dr. T h i e r a ck dankte dem Minister für seine Worte. Die Aufgabe des Volksgerichtshofes sei es, d a s V o l k z u s ch ü tz e n, allein gestützt auf Gesetz und Recht.

Eine Wanderjoppe für die Handwerksgesellen.

1

r.

... .

Für die wandernden Handwerksgesellen wurde von der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk, Abteilung Gesellenwandern und -austausch, in Zusammenarbeit mit der Fachschaft Schneiderhandwerk eine besondere Kleidung geschaffen. Die Kleidung darf nur von Handwerksgesellen getragen werden, die das Wan- derbuch der Reichsbetriebsgemeinschaft Handwerk besitzen. Die Joppe besteht aus graublauem Loden und hat an der rechten Brustseite eine Abzeichen­kombination der DAF. mit den deutschen Hand­werkszeichen auf blauem Grunde. Ein farbiges Band gibt die Möglichkeit, die Zugehörigkeit des Wandergesellen zur entsprechenden Fachgruppe zu erkennen. Grün bedeutet Fachgruppe Bau, rot: Me­tall, braun: Holz, gelb: Nahrung, blau: Bekleidung. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Worum geht es bei dem Streik m Frankreich?

Von unserem (pp)-Äerichterstaiier.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Paris, Juni 1936.

Die etwas sensationelle Form des Stteiks in der Pariser Metallindustrie, der in etwa 40 Betrieben 70 000 Arbeiter umfaßte, erklärt sich vor allem dar­aus, daß die französischen Arbeiter nicht so sehr Gewerkschaftler, sondern mehr Syndikalisten sind. Sie ziehen das unmittelbare Vorgehen dem Verhandeln vor und wollen durch zielbewußtes Auftreten eine solche Lage schaffen, daß sie diktieren können. Die Voraussetzungen für eine derartige d i r e k t e A k t i o n" sind nach Ansicht der Arbeiter zur Zeit günstig, weil die marxistischen Parteien einen großen Wahlsieg errungen haben und weil trotz der 43 000 Arbeitslosen die Pariser Metall­industrie, die vor allem große Rüstungsaufträge hat, Mangel an Qualitäts- und Spe­zi alarb ei lern hat, denn die in den letzten Jahren aus Frankreich ausgewiesenen 600 000 Fremd arb eiter konnten nur zum Teil ersetzt werden. Diedirekte Aktion" beschränkt sich allerdings darauf, daß die Arbeiter in den Be­trieben blieben, während sie nie daran gedacht haben, dieseBesetzung" zu einer Inbesitznahme werden zu lassen.

Die von den Arbettern gestellten Forderungen sind überaus weitgehend. In einigen Betrieben wird die Wiederaufnahme der Arbeit abhängig gemacht von der Erfüllung der Sonderbedingungen, die insbeson­dere die bessere Bezahlung der Jung­arbeiter und der ungelernten Arbeiter betreffen. Doch über alle Forderungen soll gemeinsam entschieden werden. Die allgemeinen Forderungen beziehen sich auf Probleme, die in Deutschland schon längst geklärt sind, wie die Gewährung eines bezahlten Urlaubs und die Mitwirkung von Arbeitervertretern bei der Gestaltung sozialer Fragen des Betriebes. Doch darüber hinaus verlangen die Arbeiter die Einführung der vierzig stündigen Arbeitswoche bei un­gekürzten wöchentlichen Bezügen. Sie begründen dies damit, daß zwischen den verbesserten Erzeu- gungsmetHoden und dem Angebot an Arbeitskräften nur bei Herabsetzung der Ar- beitszett auf 40 Stunden in der Woche eine neue Gleichgewichtslage herbeigeführt werden könne. Sie wollen nicht abwarten, bis die anderen Länder den gleichen Schritt tun, sondern hoffen, daß auf der kommenden Tagung des Internationalen Arbeits­amtes durch entsprechende Beschlüsse zugunsten einer vierzigstündigen Arbeitswoche ihre Bemühungen er­leichtert werden.

Die Unternehmer sind über diese radikalen Forderungen entsetzt und weisen darauf hin, daß die Arbeiter sich selbst ins Fleisch schneiden, wenn sie so wichtige Fragen, wie die der Einführung der vierzigstündigen Arbeitswoche bei gleichbleibendem Wochenoerdienst, sofort lösen wollen. Auch betonen sie, daß im großen und ganzen die Arbeiter mit ihrer Stellung zufrieden sein können, insbesondere mit den gezahlten Löhnen, denn diese seien nach der Statistik nur um 7 o. H. seit Beginn der Krise zurückgegangen, während die Lebenshaltungskosten um ein Fünftel gefallen seien. Die französischen Ar­beiter seien wohl die einzigen der Welt, die heute höhere Reallöhne bezögen als vor der Krise. Doch es sei fraglich, ob dies sich zugunsten der französischen Arbeiter ausgewirkt habe, denn infolge der hohen Löhne würden französische Wa­ren immer mehr vom Weltmarkt ver­drängt, müßten die Unternehmer zur Ratio­nalisierung des Betriebes übergehen. Auf diese beiden Punkte sei vor allem die Arbeits­losigkeit zurückzuführen, so sei zum Beispiel die Zahl der beschäftigten Kohlenarbeiter bei einer wenig

veränderten Förderung feit der Hochkonjunktur^ in­folge Rationalisierungsmaßnahmen von über 300 000 auf 240 000 zurückgegangen.

Trotz dieser Beweisführung werden die Unter­nehmer zunächst weitgehend den Forderungen der Arbeiter zustimmen müssen, denn sonst müßten sie infolge des Mangels an Arbeitskräften den Be­trieb schließen. Eine andere Frage ist, wie sich der zu erwartende Sieg der Arbeiter langfristig aus­wirkt, und wann die unvermeidlichen ungünstigen Rückwirkungen eine Aenderung erzwingen. Diese und andere Erwägungen deuten darauf hin, daß die kommenden Jahre in sozialpolitischer Hin­sicht sehr unruhig sein werden, und auch von dieser Seite manche Störung auftreten wird.

Fraglich ist allerdings, ob die wichtigste Forde­rung, die der vierzig st ündigen Arbeits­woche, jetzt schon durchgefetzt werden kann. Wenn ja, würde damit eines der bedeutendsten weltwirt­schaftlichen Probleme ausgerollt werden. Hierzu

kann im Rahmen dieses Berichtes nicht weiter Stellung genommen werden; doch sei noch kurz er­wähnt, daß es zur Gesundung der Weltwirtschaft nicht so sehr darauf ankommt, die Arbeitszeit zu verkürzen, sondern neue Absatzmöglichkei­ten zu erschließen. Dem steht aber vor allem d i ö französische Zoll- und Kontingent­politik gegenüber, durch die die Ausfuhr aller Länder nach Frankreich auf ein Mindestmaß herab­gesetzt wurde, während andererseits die erwarteten günstigen Rückwirkungen auf die französische Er­zeugung und auf den Arbeitsmarkt ausblieben. Wichtige Pionierarbeit würde zum Beispiel ge­leistet werden, wenn etwas zum Ausbau der inter­nattonalen Wirtschaftsbeziehungen geschehen würde, wenn die einzelnen Länder Hand in Hand arbei­teten, um durch Austausch zusätzliche Arbeitsmög­lichkeiten zu schaffen. Doch von derartigen Bestre­bungen ist leider in Frankreich immer noch nichts zu merken.

Ausdehnung des Streiks aus Zeiiungsvertneb und Venzinversorgung.

Paris, 4. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Streik hat in der Nacht zum Donnerstag auch auf hie Zeitunas-Vertriebsfirma Hachette übergegriffen, die eine fast monopolartige Stellung einnimmt. Er erstreckt sich vor allem auf die Last- kraftwagenfahrer, die nachts die Zei­tungspakete auf die Bahnhöfe beför­dern, von wo aus die Belieferung an die Provinz erfolgt. Am Mittwochnachmittag war zwischen den Angestellten und der Leitung von Hachette ein Ab­kommen getroffen worden, das den Arbeitnehmern eine lOprozenttge Lohnerhöhung und die Wieder­einstellung der Arbeiter, die wegen politischer Gründe oder wegen Streiks entlassen worden waren, sicherte. Offen war noch die Frage der Lastkraftwagen­fahrer. Um 2 Uhr nachts fuhren die Zeitungsautos von Hachette wie gewöhnlich in die enge Straße ein, wo die Verteilung der Bahnpakete erfolgt. Sie begannen dort einen Streik an Ort uno Stelle und machten es den außerhalb des Betriebes angeforderten Lastkraftwagen anderer Unternehmungen, die die Firma Hachette zur Ab­wicklung der Zeitungsbeförderung als Reserven einsetzen wollte, unmöglich, an die Vertei­ler stelle zu kommen. Beim Schichtwechsel in der Nacht versammelte sich eine große Anzahl Ar­beiter in den Straßen des Zeitungsviertels nahe der Börse, überwacht von einem durch Kraftfahrer verstärkten polizeilichen Ordnungsdienst.

Auch ein Teil der Großlieferanten von Brennstoff ist von dem Streik betroffen. Eine Pariser Großvertriebsgesellschaft von Benzin, die 30 Hauptlager hat, teilte mit, daß 2 7 ihrer Lager von den Arbeitern besetzt sind, und keinen Brenn st off mehr abgeben können. Die Vorräte der Kleinverteilerstellen seien ganz verschieden. In manchen Tankstellen verfüge man über Vorräte, die die Versorgung der Kun­den auf acht Tage sichern, in anderen könne be­reits heute ein Benzinmangel eintreten. Auch die Kraftwagenfahrer der Gesellschaft, die die Be­förderung der Unter f u ch ungsgefan­ge n e n vom Gefängnis nach dem Justizpalaft und zurück übernommen hat, haben am Mittwoch g e - streikt. Die Gefangenen mußten in offenen Polizeiwagen befördert werden.

DasOeuvre" bringt auf der ersten Seite fol­gende Mitteilung: Wir entschuldigen uns bei un­

seren Lesern, daß wir heute nur auf sechs Seiten erscheinen, aber der Verkehrsstreik, der Gasstreik und der Streik in der Druckereibelie­ferung zwingt uns zur Einsparung unseres Papierverbrauchs. Die sozialistische Zeitung P o p u l a i r e" warnt vor übertriebenen Streik­gerüchten; an der Arbeitsbörse sei das Gerücht im Umlauf gewesen, daß es keine Milch, kein Gas und keinen elektrischen Strom mehr gebe, und daß am nächsten Tage der Ver­kehr stilliegen würde. Das seien lügne­rische Behauptungen Man müsse wissen, so fährt das Blatt fort, daß von morgen ab unter der Volksfrontregierung diejenigen, die derartige Gerüchte in die Welt fetzen oder verbrei­teten, nicht ungestraft bleiben würden.

Der Streik in der französischen Provinz.

Paris, 4. Juni. (DNB. Funkspruch.) Der Streik hat sich auch auf die Provinz immer stärker aus­gedehnt. In Rouen werden die meisten großen chemischen Werke Saint Gobain, Maletra, Kulmann, bestreikt. Die Arbeiter haben zum Teil Forderungen gestellt, die bis auf eine 50prozentige Lohnerhöhung hinauslaufen. In den meisten Fäl­len hat die Belegschaft die Fabriken besetzt und erklärt, sie nicht eher zu verlaßen, als bis die Forderungen angenommen sind.

Die Textilindustrie in L i lle ist seit Mittwoch ebenfalls in großem Umfange von der Ausstandsbewegung betroffen. In einer Möbel­fabrik verlangen die Arbeiter eine Lohnerhöhung von 35 v. H. Auch die großen Stahlwerke Forges et Acieries de Denain et Anzin, die 3700 Arbeiter beschäftigen, liegen seit Mittwoch nach­mittag sttll. Die Werksleitung hat sich zur Prüfung der Forderungen der Arbeiter eine 24stündige Be­denkzeit ausgebeten, aber die Streikleitung ant­wortete, wenn die Arbeiter nicht unverzüglich Genugtuung erhalten würden, würden sie die Hochöfen ausgehen lassen In Le Havre haben unbekannte Täter nunmehr schon zweimal eine rote Sowjetfahne mit Hammer- und Sichel­abzeichen auf einem Lichtmast gehißt, die die Polizei stets wieder entfernte, ohne den Tätern auf die Spur kommen zu können.

Moskaus Saat geht auf.

EnglischeBetrachtungenzurStreikbewegung in Westeuropa.

London, 4. Juni. (DNB. Funkspruch.)Daily Mail" weist auf die Erfolge der von Moskau ge­leiteten kommunistischen Wühlarbeit in Frankreich, Spanien und Belgien hin. Moskau ar­beitet Tag und Nacht, um in allen Teilen der Welt Unheil anzurichten. In Frankreich seien Zahlreiche Streiks von den roten Agenten herbeigeführt wor­den und es sehe so aus, als ob ein allgemeiner Zusammenbruch der Industrie bevorstehe. Moskau habe die Gelegenheit, die sich durch die Erfolge der Linken bei den französischen Wah- l e n ergeben fjabe, geschickt ausgenutzt. Frankreich lerne jetzt die Gefahr kennen, die jenes Liebäugeln mit Sowjetrußland mit sich bringe. Die soziale Ordnung sei in Gefahr, und das sei eine große Gefahr in der gegenwärtigen unruhigen Lage Europas. Ein ähnliches (Ergebnis hätten die kom­munistischen Erfolge in den belgischen Parla­mentswahlen gezeitigt. Der Streik in den Docks von Antwerpen, der sich am Mitt­woch zu einem allgemeinen Streik ausgewachsen fjabe, sei auf kommunistische Anstiftung zurückzusüh- ren. In Spanien erinnere die Lage sogar an die zu Beginn der bolschewistischen Revolution in Ruß­land. Die Zustände in Spanien zeigen, daß Sow­jetrußland und seine Werkzeuge nichts als U n heil und Unordnung anrichteten.

Unruhiges Spanien.

Madrid, 4. Juni. (DNB Funkspruch.) Aus einigen spanischen Provinzen werden wieder Zwi­schenfälle gemeldet. In Santander wurde der Direktor der sozialdemokratischen ZeitungRegion" in einem CafL von einem Unbekannten überfallen und durch mehrere Sttche niederge st reckt. Die Gäste des CafLs verfolgten darauf den Täter und erschossen ihn. Auf ähnliche Weise wurde der Gefängnisdirektor in Sevilla von Linksradikalen ermordet, als er sich mit mehreren Freunden in einem Kaffeehaus aufhielt. In Alora überfiel eine Gruppe streikender kommunistischer Landarbeiter^ einen Gutshof in der Absicht, bas Grundstück zu enteignen und selbst z u be­wirtschaften. Als die Besitzer den Angreifern eiitgegentraten, entstand eine Schießerei, in deren Verlauf eine Person getötet wurde. In Malaga wurde ein Geistlicher, der 3000 Peseten Ge- palter bei sich führte, von Kommuni st en überfallen, beraubt und durch Pistolenschüsse 3n 6 a r a g o f f a legten Anarcho-Syndi- kausten in ben Geschäftsräumen des radikalfozia- listischen Verbandes eine Bombe, bei deren Gjplofion erheblicher Sachschaden verursacht und zwei Personen verletzt wurden. In Madrid sind

von der Polizei umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen worden, da man von den Anarcho-Syn­dikalisten, die im Gegensatz zu den Marxisten den Kellnerstreik weiter aufrechterhalten wollen, Sabo­tageakte erwartet. An einigen Stellen der Stadt explodierten bereits Feuecurerkskorpe., die jedoch keinen großen Schaden anrichteten.

Generalstreik der Bergarbeiter in Asturien.

M adrid, 4. Juni. (DNB. Funkspruch.) Da das asturische Grubenarbeiter-Syndikat bei den Schlich­tungsverhandlungen mit dem Minister für Handel und Industrie zu keiner Verständigung gelangt ist, beginnt Donnerstag in sämtlichen Berg­werken der sog.Generalstreik". Die Ursache für den Streik ist in erster Linie die Tatsache, daß eine Reihe von Bergwerksdirektionen mit den Lohn­zahlungen bis zu fünf Monaten im

Rückstand ist. Die den Arbeitern geschuldeten Beträge belaufen sich auf zwölf Millionen Peseten.

Gegen die Dienstzeitverlängerung in Belgien.

B r ü s s e l, 3. Juni. (DNB.) Die am 28. Mai in Kraft getretene Verlängerung der Dienst - 3 e i t bei einzelnen Truppenteilen der belgischen Ar­mee hatte zu Zwischenfällen im Truppenlager B e - v e -r^o ^gesührt. In den letzten Tagen sind ähnliche Zwischenfalle m verschiedenen Antwerpener Kasernen gefolgt. Etwa 30 Soldaten haben sich geweigert, zum Appell zu erscheinen. Soldaten des 6. Infanterie-Regiments fragen die Regierung, wes­halb die Dienstzeitverlängerung vom Kriegsminister befohlen fei, weshalb nur das 2. Armeekorps von dieser Maßnahme betroffen werde, und wie lange die Verlängerung der Dienstzeit gültig sein solle.

Lloyd George fordert den deutschen Friedensplan als Verhandlungsgrundlage.

London, 3. Juni. (DNB.) Der Aktionsaus­schuß für Friede und Wiederaufbau, dessen Präsi­dent Lloyd George ist, spricht sich scharf gegen das Vorgehen Italiens in Abessinien aus, dasein Verbrechen gegen das Weltgewissen" sei, und for­dert verschärfte Sühnemaßnahmen so­wie die Schließung des Suezkanals für Oel und Giftgastransporte. Er fetzt sich sodann für die baldige Einberufung einer inter­nationalen Konferenz ein, auf der Fragen der kollektiven Sicherheit und der Völkerbundsver­pflichtungen sowie die wirtschaftlichen Ur- fachen der Unzufriedenheit und die Ko­lonial- und Mandatsprobleme erörtert werden sollen. Die Entwicklung des deutschen Problems sei auf die Tatsache zurückzuführen, daß Europa das System der überwältigenden m i - litärischen Vorherrschaft Frankreichs und seiner Verbündeten über ein entwaffnetes Deutschland verlasse und in einen Zustand ein­trete, in dem Deutschland seine Gleichheit durch Wiederaufrüstung wiedergewonnen habe. Der einzig aangbare Weg zum Frieden bestehe darin, diese Lage ehrlich und offen zu behandeln. Der Ausschuß verurteilt die deuffchenVertrags­verletzungen", betont jedoch, daß die Alliierten nichts getan hätten, um ihren Verpflichtungen nachzukommen, und daß der französisch-sowjetrus- sische Vertrag dazu angetan fei, den deutschen Ver­dacht einer Einkreisung zu bestätigen. Es sei not­wendig, die deutschen Friedensoor- lchläge zu untersuchen und als Verhand-

Jun gsgrundlage zu benutzen. Die wirtschaft- jichen und territorialen Beschwerdegründe Deutsch- lands sollen so bald wie möglich geprüft werden, um sie zu mildern oder zu beseittgen. Deutschland lolle seinerseits Versicherungen abgeben, daß es feinen Versuch machen werde, Aenderungen mittels Gewalt durchzuführen.

Times" fordert filarffellung der englischen Außenpolitik.

London 4. Juni. (DNB. Funkspruch.» Di- 7-rlmeL teüt bret Hauptforderungen für die eng- U'che Außenpolitik auf. Eine deutliche Erklärung an die Welt über die Verpflichtungen, zu denen Großbritannien steht; eine energische Inan- griffriahme der Verhandlungen mit De u t s ch l a n d und die schnellst-mogliche Durch- ^ung der Verteidigungsplane für das britische Weltreich.

Wenn die Zivilisation am Leben bleiben solle dann müsse ei n n e u e s S y st e m geschaffen wer­den. Tatsächlich sei es gegenwärtig an drei Mächten, einen Anfang in Westeuropa zu machen, ^oml'ch an E nglan d, Frankreich und Deutschland. Zum erstenmal seit Kriegsende fCArSeÄanb lrl ber ^ge, sein volles internatio­nales Recht zu fordern, und daher könne es von Anfang an feine eigene Rolle im Neubau der^riedensgrundlage spielen. Eine negative Po­litik sei für Deutschland ebenso wenig möglich, wlS