Gießen, Fachschaft Volksschule: 15 Uhr im Lehrerzimmer der Schillerschule Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Deutsch, — Stadttheater: 19.30 bis 22 Uhr „Krach im Hinterhaus". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Traumulus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der ahnungslose Engel". — Oberhessischer Kunstoerein (Turmhaus am Brandplatz): 15 bis 17 Uhr Gedächtnis-Ausstellung von Hans- Ewald Kleine. —
Stadttheater Gießen.
Heute, von 19.30 bis 22 Uhr, Lustspiel „Krach im Hinterhaus" von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub. 20. Mittwoch-Abonnement.
Goethe-Bund Gießen.
Der Goethe-Bund Gießen bittet uns, an dieser Stelle nochmals auf den am nächsten Freitagabend statfindenden Lichtbilderoortrag des schwedischen Forschers Sven Hedin hinzuweisen. Sven Hedin, der große Freund Deutschlands, spricht über das Thema „8 Jahre Kampf in Zentralasien". Der Vortrag wird von Lichtbildern begleitet. In achtjähriger Tätigkeit mit einem Stabe wissenschaftlicher Mitarbeiter deckte Hedin hochinteressante kulturelle Zusammenhänge zwischen Asien und Europa auf. (Siehe heutige Anzeige.)
NSV., Ortsgruppe Mitte.
Velr. Kohlen-Abrechnung.
Die Kohlenhändler werden ersucht, die für den Monat Februar 1936 gültigen Kohlen-Gutscheine der Serie E, sowie der Serie S (Sonder-Ausgabe 30. Januar 1936), und zwar beide getrennt, am Donnerstag, 5. März, abends 8.30 Uhr, bei der NSV.-Geschäftsstelle Kaplansgasse 18, mit Firmenstempel versehen, unter Beifügung gleichfalls getrennter Rechnungen einzureichen. Der Termin ist unbedingt einzuhalten, da eine Ablieferung nach dem 5. März strengstens untersagt ist und die Scheine ihre Gültigkeit verlieren.
NSDAP. Ortsgruppe Giehen-Süd.
Vetr. Zahlung der hilfskassenbeiträge für April, 7Nai und Juni 1936.
Alle Angehörigen der SA., Marine-SA., Reiter- SA., NSKK. usw. im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd werden ersucht, ihre Beiträge zur Hilfskasse an folgenden Tagen zu entrichten:
Dienstag, 3. März,
Mittwoch, 4. März,
Donnerstag, 5. März,
jeweils von 20.30 bis 22 Uhr im Lokal Tann- häuf er, Frankfurter Straße 83.
Wer bis zum 13. März feine Hilfskassenbeiträge nicht bei der Ortsgruppe bezahlt hat, wird bei der Hilfskasse in München abgemeldet; daraus entstehende Folgen hat er sich selbst zuzuschreiben.
Winterhilfswerk 1935/36
Ortsgruppe Gießen-Süd.
Kohlenscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie „E" und Serie „S" am Mittwoch, 4. März, von 19 bis 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
Pfundfammlung.
Arn Dienstag, 3., Mittwoch, 4., und Donnerstag, 5. März, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Süd durch die NS.-Frauenschaft die Pfundsammlung für den Monat März 1936 statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzuhalten.
Amt für Volkswohlfahrt.
Ortsgruppe Giehen-Ost.
3eir.: Lebensmittel-Opferring der Ortsgruppe Gießen-Ost.
Die Sammlung wird am Dienstag, 3., und Mittwoch, 4. März von der RS.-Frauenscbaft durchae- führt. Die Mitglieder wollen die Pfunopäckchen ve- reithalten, und die Mitgliedskarten zur Eintragung vorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.
Oie SA. bereitet den Eintopf für alte!
Am nächsten Sonntag, dem letzten Eintopf-Sonntag in diesem Winter, der noch einmal vor dem nahen Abschluß des Winterhilfswerks 1935/36 die Schicksalsgemeinschaft aller deutschen V o l k g e n o s s e n in der Gefolgschaft unseres Führers Adolf Hitler zum Ausdruck bringen soll, wird auch unsere Stadt Gießen ein Erlebnis schönster und unvergeßlicher Art erhalten.
Unsere Gießener SA. bereitet ein gemeinsames Eintopf-Essen aller SA.-lNänner und aller Volksgenossen und Volksgenossinnen vor.
Für diesen Mittagstisch wird in den Gaststätten ein gutes, schmackhaftes Eintopfgericht zur Verfügung stehen, dessen Preis bescheiden fein wird. Durch diesen gemeinsamen Eintopf der SA. und der Bevölkerung soll aber noch mehr erreicht werden als nur ein schlichter Mittagstisch und die damit verbundene Opferspende die Speisenden für das Winterhilfswerk.
Alles Hilst dem WKW!
Gesamtsumme der bisher eingegangenen Spenden 59 686,78 Reichsmark.
Weitere Spenden gingen ein:
18. Februar: Medizinerfest der med. Fachschaft 150; E. Sarnes, Gießen 20; Kegelklub „Ums Eck", Gießen 5 Reichsmark.
19. Februar: Gesangverein Eintracht, Hausen 5 Reichsmark.
25. Februar: Landwehr-Jnf.-Regt. 116 8; Oskar Gutmann 5 Reichsmark.
26. Februar: Ungenannt 10 Reichsmark.
27. Februar: Frauenhilfe Lindenstruth 5; Wilhelm Georg, in Firma Reinig 20 Reichsmark.
Lohnspenden von Arbeitnehmern.
18. Februar: August Schlörr, Walkmühle 12; Gg. Hch. Schirmer, Gießen 34,50; Dresdener Bank, Gießen 56,20 Reichsmark.
Die Gesamtheit unserer Volksgenossen soll auch an diesem Tage Zeugnis dafür ablegen, daß sie sich den vorbildlichen Gemeinschafts- und Opfergeist der SA. zu eigen gemacht hat, und in dem Bekenntnis zum Eintopf-Gedanken soll sie ihre Verbundenheit mit dem hehren Vorbild, das der Führer Adolf Hitler der deutschen Ration immer wieder gibt, und mit den
Aermsten unseres Volkes erneut beweisen.
Geleitet von diesem Gedanken werden die Gießener Volksgenossen am kommenden Sonntag mit unserer Gießener SA. durch das gemeinsame Eintopf-Mittagessen eine weitere Opferspende dem Hilfswerk des WHW. als neue Munition für feine Arbeit zuführen. Auf diese Weise wird besonders auch am Heldengedenktage die geschlossene Front der deutschen Menschen im Dienste Adolf Hitlers und damit Deutschlands wiederum erhebend in Erscheinung treten!
19. Februar: Schunk & Ebe, Gießen 306,30; Gg. Phil. Gail, Rodheim 24,25; Wilhelm Frey, Lang-Göns 12,50 Reichsmark.
20. Februar: Gustav Geisse, Gießen 22,20 RM.
21. Februar: Institut für Pflanzenbau, Gießen 9,83 Reichsmark.
24. Februar: Grube Wilhelm, Hungen 11,30; Südversa, Gießen 5,10; Euler,, Gießen 14,85 RM.
25 Februar: Fliegerhorstkommandantur Kassel 69,74; dieselbe 60,10; dieselbe 88,54; Glaskontor Gießen 6,05 Reichsmark.
26. Februar: Orthopädische Univ.-Klinik, Gießen 19,75; Arbeitsamt Gießen 83,50 Reichsmark.
27. Februar: DAF. Großen-Linden 27,05; DAF. Gießen-Süd 224,60; Buderus Lollar 225,89; Angestellte Reichsluftschutzbund 5,45; Motorwagen- verbaufsgesellschaft Gießen 19,75 Reichsmark.
Gesamtsumme 61 254,23 Reichsmark.
Betr. Kohlenversorgung.
Die Kohlenhändler wollen die Kohlengutscheine bis zum 5. März täglich in der Zeit von 15—19 Uhr auf der Geschäftsstelle Kaiserallee 52 gegen Wertquittungen umtauschen. Später eingehende Kohlengutscheine können nicht mehr angenommen werden. Für die Kohlengutscheine der Serie E und der Sonderausgabe am 30. 1. 36 sind getrennte Rechnungen auszustellen.
Winterhilfewerk 1935/36
Ortsgruppe Giehen-Rord.
Betr.: Kohlenscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie E und Serie S bis zum Donnerstag, den 5. März 1936 auf der Geschäftsstelle Walltorstraße 16 abzuliefern. Später eingereichte Gutscheine können nicht mehr angenommen werden.
Betr.: Pfundsammlung.
Am Dienstag, dem 3. und Mittwoch, dem 4. März 1936 findet die Pfundsammlung für den Monat März 1936 statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Lebensrnittel zur Abholung bereitzuhalten.
Amt für Voikswohlfahrt.
Ortsgruppe Giehen-Mille.
Betr.: Lebensmittel-Pfundfpende.
Arn Mittwoch, 4. März, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Mitte die Lebensrnittel-Pfund- spende für den Monat März statt. Die Hausfrauen werden gebeten, die Pfundpakete bereitzuhalten.
Gez.: S ch e l l h o r n.
NSL8., Fachschaft Höhere Schule.
Deutschkundliche Fachschaft.
Unsere nächste Sitzung wird am Freitag, 6. März, in der Oberrealschule ftattfinben. Beginn um 16 Uhr pünktlich. Gäste sind willkommen.
Sportamt „Kraft durch Freude".
heute folgender Kursus:
Allgemeine Körperschule (Frauen undMänner). Don 20.30 bis 21.45 Uhr, Lyzeum, Dammstraße 26.
< i Die deutsche Arbeitsfront
> / n.d.^ßemcmrdiäft „Kraft durch freude"
Urlaubsfahrt 6/36 nach Allgäu — Pfronten vom 21. bis 29. 2Närz; Kosten 36,— Mark.
Die Allgäufahrten des Gaues Hessen-Nassau sind schon zur Tradition geworden. Wo gibt es aber auch einen schöneren Urlaub, als im Reich der bayerischen Berge! Stolz aufragend blicken „Roßberg, Schlicke, Himpel" mit ihren schneebedeckten Häuptern auf die lieblichen Häuser im Tal. Kleine und große Ausflüge führen die Teilnehmer in das seltsame Reich phantastischer Bergriesen. Die Fahrt bietet einen selten schönen Urlaub. Schluß der Anmeldung: 17. März.
Feierstunde der Arbeit am Heldengedenktag.
Am Heldengedenktag, 8. März, 16 Uhr, hält die Deutsche Arbeitsfront, NS.-Gemeinschaft „Kraft durch Freude", im Caf6 Leib, Gießen, eine Feierstunde der Arbeit ab. Der bekannte Arbeiterdichter Max Barthel erzählt aus seinem Leben und liest aus' eigenen Werken. Die Feierstunde wird umrahmt durch Sprechchöre und Gesang der Werkschar. Eintrittspreis 0,20 RM. Vorverkauf: Kreisdienststelle „KdF.", Schanzenstraße 18.
Hauptversammlung des Sparerbundes.
Arn Samstag hielt der Sparerbund, Ortsgruppe Gießen, seine gutbesuchte Jahreshauptversammlung im „Hessischen Hof" ab. Der Ortsgruppenführer
H. Lorenz erstattete den Jahresbericht und gedachte mit ehrenden Worten der im vergangenen Jahre verstorbenen 2 Mitglieder. Der Mitgliederbe- stand erhöhte sich im Laufe des vergangenen Jahres von 114 auf 130 Mitglieder. Der neue Vorstand weist einige Aenderungen auf. An Stelle des aus Gesundheitsrücksichten zurückgetretenen Rentner- bundsoorsitzenden W. Mades treten der neue Rentnerbundführer und langjähriges Mitglied des Sparerbundes E. Christel, für das verstorbene Vorstandsmitglied Hch. Kümmel, der der Kolonialbewegung angehörende Herr Hch. Boch, der gleichzeitig auch das Schriftführeramt übernimmt, in den engeren Vorstand ein, wodurch das freundschaftliche Verhältnis des Sparerbundes zum Rentnerbund und zur Kolonialbewegung auch im neuen Jahre fest verankert bleiben soll. Sodann erstattete Kassenwart Fr. North den Kassenbericht, der geordnete Verhältnisse aufweist. Nachdem dem Kassenwart Entlastung erteilt worden war, folgte em Vortrag über „Sparerbundsarbeit und Sparerbundserfolge im vergangenen Jahre", der u. a. die Genußrechte bei Jndustrieobligationen, Vorzugsrente, landwirtschaftliche Hypotheken, Sparerschutz, in- und ausländische Wertpapierefragen behandelt.
Im zweiten Teil der Veranstaltung sprach der stellvertretende Sparerbundsvorsitzende der Frankfurter Ortsgruppe und Geschäftsführer des dortigen Rentnerbundes Pg. Dr. H e r f o r t h über das Thema „Aktuelle Sparer- und Rentnerfragen". Er behandelte zunächst in ausführlicher Weise die Voraussetzungen zum Erwerb der Härtebeihilfen bei zinsgesenkten Anleihen und ging dann über zum 3. Durchführungserlaß zum Kleinrentnerhilfegesetz, der für manche Rentner merkliche Verbesserungen aufweist. Alter, früheres Kapitalvermögen von 12 000 Mk. und Hilfsbedürftigcheit, die von den maßgebenden Behörden wohlwollend zu beurteilen feien, wären die Vorbedingungen. Der Redner kam in diesem Zusammenhang auf die Wichtigkeit einer starken Sparerbundsorganisation zu sprechen, auch die Jugend müsse immer mehr für die Sparersache gewonnen werden. Im Gegensatz zum vergangenen System werde im neuen Deutschland dem Sparer die ihm gebührende Achtung zuteil, denn Sparerbundsarbeit sei kein Flickwerk einer Sonder-Interessengruppe, sondern wirkliche Volksarbeit.
Nach diesen beifällig aufgenommenen Ausführungen schloß der Versammlungsleiter in üblicher Weise die Versammlung.
Oeschästsstenographenprüfung.
Von der Industrie- und Handelskammer Gießen wird uns geschrieben:
Am Sonntag, 22. März, vormittags 9 Uhr, findet wiederum in der Öffentlichen Handelslehranstalt Gießen eine Geschäftsstenographenprüfung für Prüflinge aus den Kreisen Gießen, Alsfeld und Lauterbach statt. Die Handelskammerstenographenprüfung ist sowohl für die Betriebsführer, als auch für die Stenographen von hohem Wert. Der geprüfte Geschäftsstenograph ist unbedingt sicher und ausdauernd, denn er hat nachzuweisen, daß er auch schweren und umfangreichen Text (es wird in der Prüfung zehn Minuten lang diktiert!) in gut lesbarer Kurzschrift aufn hmen und genauestens übertragen kann. Die langschriftliche Uebertragung wird genauestens auf Fehler geprüft. Arbeiten mit mehreren grammatischen, orthographischen oder Jnter- punktstionsfehlern werden als unbrauchbar bezeichnet. Der geprüfte Geschäftsstenograph bietet also Gewähr, daß er unbedingt sicher in der deutschen Sprache und Rechtschreibung ist.
Alle Betriebsführer sollten daher von ihren qualifizierten Angestellten die Ablegung der Prüfung verlangen und bei Bewerbungen auf jeden Fall geprüften Geschäftsstenographen den Vorzug geben, denn wer diese schwierigste aller stenographischen Prüfungen bestanden hat, bietet Gewähr für wirklich einwandfreie, weit über dem Durchschnitt stehende Leistungen.
Daß die besonders gute Leistung solcher Angestellten entsprechende Anerkennung bei der Bemessung ihres Gehaltes findet, sollte für jeden Vorwärtsstrebenden ein Ansporn sein.
Die Anforderungen sind anderseits nicht zu hoch, denn dies beweist die große Zahl der bestandenen Prüfungen. So legten vor einem Jahr bei den Handelskammern des Rhein-Mainischen Wirtschaftsgebietes 198 Teilnehmer die Handelskammerprüfung
Oie Tippgräfin.
Vornan von Klothilde v Stegmann
Urheberrechtsschutz: Auswärts-Verlag, Berlin, SW 68.
3. Fortsetzung. Nachdruckverboten!
Annina nickte. Doktor Heßling schob ihr den goldenen Zigarettenkasten näher. Er bat Annina, sich zu bedienen, auch Zeitschriften lagen für sie hier auf dem Tisch bereit, damit sie sich nicht langweile, bis er wiederkäme. Dann verschwand er im Nebenzimmer. Bald hörte Frau von Gellern seine diktierende Stimme. Gedämpft drang sie an ihr Ohr. Annina aber griff nicht nach den Zeitschriften. Sie rauchte auch nicht. Sie sah starr vor sich hin. Die ganze Vergangenheit wurde in ihr wieder lebendig. Sie rollte sich vor ihrem Geiste ab wie ein gespenstischer Film.
3. Kapitel.
Zurück In d i e Vergangenheit.
„Giovanni!"
Sie hörte noch jetzt, nach Jahren, den Schrei von ihren Lippen, als sie so unvermutet dem Jugendfreunde gegenüberstand. Er hielt ein zierliches kleines Mädchen an der Hand. Das Kind war offensichtlich erschrocken bei dem lauten Aufschrei der fremden Frau. Es sah sie aus seinen großen, veilchenblauen Augen ängstlich an. Abwehrend beugte es sich zurück, als Annina es küssen wollte. In diesem Augenblick war der Funke der Feindseligkeit gegen Marianne von Ahlfried aus Anninas Herzen auf das kleine Kind übergesprungen. Doch wurde ihr das jetzt nicht bewußt. All ihre Gedanken wandten sich nun Giovanni zu.
Jung, strahlend vor Glück, hatte sie ihn zuletzt gesehen.
Gebeugt, vom Leben zermürbt, von tiefem (Bram zerstört, stand er wieder vor ihr.
„Giovanni, was ist geschehen?"
Giovanni, Prinz Bonaglia, gab der schwarzgekleideten Kinderschwester, die bescheiden im Hinter- grunde stand, einen Wink. Sie führte das Kind ehutsarn hinaus. Dann erst begann er zu sprechen:
„Meine Frau, meine Marianne, ist von mir gegangen, Annina. Auf dem Friedhof von Verona, im Erbbegräbnis meiner Vorfahren, habe ich sie zur letzten Ruhe bestattet. Die Geburt eines Sohnes, den sie wieder mit sich genommen hat, kostete ihr das Leben. Ich ..."
Er machte eine hilflose Bewegung und sank
schwerfällig in einen Sessel. Seine Hand bedeckte die Augen; die Schultern zuckten.
„Armer Giovanni!" Mitleid und Triumph zugleich erwachten in Annina. Sie fühlte noch immer eine Spur der einstigen Jugendliebe. Viel stärker aber war in ihr das Empfinden: „Jahrelang habe ich gelitten, weil ich dich liebte. Jetzt leidest du!"
Wie um dem Manne Zeit zur Fassung zu lassen, trat Anmna ans Fenster und sah in den frühlingsgrünen Garten ihres Hauses hinunter.
Die kleine Principessa hatte sich offenbar nach Kinderart schnell mit der neuen Umgebung vertraut gemacht. Lustig tobte sie mit den Hunden Anninas um das große Tulpenbeet por dem Springbrunnen. Ihr heiteres Kinderlachen klang bis hinauf in das Zimmer. Es schien den verzweifelten Mann zur Wirklichkeit zu erwecken.
„Annina", sagte er leise und bittend, „ich bin zu dir gekommen, weil ich nicht mehr weiter wußte. Ich wollte dich bitten, mein Kind bei dir zu behalten, ihm etwas von der Freundschaft zu geben, die du einst für mich hattest. Ich weiß nicht, was ich mit ihm beginnen soll, da ich Europa wieder auf lange Ze't verlasse."
Annina erschrak. War Giovanni nur gekommen, um sofort wieder von ihr zu gehen? Und sie hatte geglaubt, er hätte endlich zu ihr zurückgefunden. Vielleicht aber hielt er sie noch für verheiratet?
„Weißt du, daß auch ich ein Glück begraben habe, Giovanni?"
Um keinen Preis hätte sie ihm zugestanden, daß nur letzte Enttäuschung sie zu der Ehe mit Kurt von Gellern geführt hatte.
„Ich weiß, Annina. Ich las es in den Zeitungen. Und darum wagte ich es, dir mein Kind zu bringen. Mariella ist die Letzte unseres alten Geschlechts. Auch von der Mutter her leben keine Verwandten mehr. Wenn du meinen Liebling nicht aufnimmst, Annina, muß ich ihn unter Fremden zurücklassen, wenn ich gehe."
„Und wohin gehst du?"
„In eine unbekannte, unerforschte Welt, Annina. Mein Freund, Herzog Enrico, hat mich als seinen ersten Assistenten für die große Forschungsexpedition nach Zentralafrika verpflichtet. Er hat sie ausgerüstet und führt sie selbst."
„Ein Principe di Bonaglia — und Assistent? Warum stellst du nicht selbst eine Expedition zusammen und trittst in Wettbewerb mit dem Herzog?"
Ein lauernder Blick Anninas streifte den Mann. Der aber sah ihn nicht. Derrn sonst — Mariellas Schicksal wäre vielleicht noch im letzten Augenblick in andere Bahnen gelenkt worden.
„Der Herzog ist mein Freund, Annina. Ich würde niemals aus Ehrgeiz gegen ihn arbeiten. Außerdem — ich habe unglücklich spekuliert. Der Hauptteil meines Vermögens ist verloren. Was geblieben ist, gehört meiner kleinen Mariella. Es wird gerade reichen, um dem Kinde eine gute Erziehung zu geben und derjenigen, die es erzieht, noch einen Ueberschuß zu gewähren. Willst du unter diesen Umständen meiner kleinen Mariella die Mutter ersetzen?"
Ein Gedanke schoß durch Anninas Kopf. Das Kapital, von dem Giovanni sprach, konnte nicht der einzige Besitz Mariellas sein.
So sagte sie sanft:
„Ich will, Giovanni!"
Bewegt streckte ihr Giovanni di Bonaglia die Hände entgegen.
„Gott segne dich für diesen Entschluß, Annina!" „Darf ich dich noch etwas fragen, Giovanni? Als deine Stellvertreterin bei der kleinen Mariella muß ich natürlich auch über alle äußeren Fragen unterrichtet fein."
„Frage nur, Annina!"
Bis zu diesem Punkte hatte Annina von Gellern die Vergangenheit Wort für Wort, Bild für Bild in sich auferstehen lassen. Nun aber kam die Erinnerung, jener Punkt, über den sie sich keine Rechenschaft mehr geben wollte. Die Antwort auf ihre Frage, auf jene eine entscheidende Frage, hatte sie ganz tief in sich versenkt.
Zu Anfang hatte freilich ihr Gewissen gemahnt und geklopft. Es wollte nicht Ruhe geben. Immer wieder klang Giovannis Antwort mahnend in ihr auf. Aber sie hatte ihr Gewissen, diesen unbequemen Warner, überwunden. Sonst säße sie nicht hier. Man durste nicht sentimental sein. Man durfte sich nicht von törichten Skrupeln das Leben zerstören lassen. Der Entschluß, der vor Jahren blitzartig bei Giovannis Worten in ihr aufgeleuchtet, er hatte sich zu eisernem Willen verdichtet. Es kam nur darauf an, daß der ganze Plan, den sie im geheimen gefaßt und durchgeführt hatte, bis ins letzte hinein gesichert war. Und darum war sie jetzt bei Heßling.
4. Kapitel.
Arme kleine Mariella!
„Nun, gnädige Frau, so tief in Gedanken? Verzeihen Sie, daß ich Sie so lange warten ließ. Hat es lange gedauert?"
Verwirrt strich sich Annina über die Stirn. Sie hatte ganz vergessen, daß sie nicht in der Vergangenheit mit Giovanni war, sondern in der Gegenwart und hier im Zimmer Doktor Heßlings.
„So, gnädige Frau, ich stehe nun ganz zu Ihrer Verfügung."
Heßling sah die tiefe Erregung in Anninas Zügen. Die Erinnerung an die Vergangenheit schien sie sehr zu bewegen.
„Frau Annina , fragte er mit echter Teilnahme, „wollen Sie lieber nicht weiter sprechen?"
Annina faßte sich mühsam. Sie mußte jetzt weiter reden. Und so sagte sie dann stockend:
„Nein, nein, Doktor Heßling, wenn mich auch die Erinnerungen sehr bewegen, um Mariellas willen muß ich in einer bestimmten Sache Ihren Rat haben. Also hören Sie weiter. Giovanni ging von mir, ohne Mariella noch einmal gesehen zu haben. Er fürchtete, dem Kinde den Abschied schwer zu machen. Aber Mariella gewöhnte sich schnell an mein Heim und an mich. Ich tat alles, was Giovanni erbeten. Ich ließ sie alles lernen, was sie wollte. Nur bedrückte mich der Gedanke, daß Mariella als erwachsenes Mädchen nicht mehr ihr eigen nannte. Das Kapital reichte knapp, um ihr eine gute Erziehung angedeihen zu lassen. Ich selbst mußte sehr viel beisteuern, obwohl ich eigentlich dazu nicht in der Lage war. Da erhielt ich eines Tages einen merkwürdigen Brief. Er war aus Neapel adressiert. Der Schreiber gab sich nicht zu erkennen. Die Unterschrift war unleserlich. In diesem Brief stand folgendes:
Es lebt ein Mensch, der mehr von dem Prinzen Bonaglia weiß als Sie, und der das Familienerbe der Bonaglia in Händen hat. Das Erbe ist sehr wertvoll und würde der Prinzessin Mariella ein sorgloses Leben ermöglichen. Lassen Sie durch einen geschickten Detektiv nachforschen. Pietro Massagni in der Hafenaasse von Neapel wird Näheres darüber wissen. Aber machen Sie es unauffällig. Die Polizei darf nichts damit zu tun haben. Es würde sonst einen ungeheuren Skandal geben. Die betreffende Person stand einstmals in näheren Beziehungen zu dem Prinzen Bonaglia. Es würde ihm sehr peinlich sein, würde sein Name durch die Zeitungen geschleift. Es wäre dann nicht nur allein sein guter Ruf vernichtet, sondern man würde auch von Mariella sprechen. Man sagt, daß sie in Wahrheit gar nicht das Kind des Prinzen und feiner deutschen Frau wäre, sondern das Kind einer anderen Frau, die der Prinz heimlich liebte. Sehen Sie zu, das Familienerbe tn die Hände zu bekommen. Ein treuer Freund und Diener des Hauses Bonaglia."
Gespannt hatte Heßling zugehört.
(Fortsetzung folgt!)
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