auf diese Ernährungsfrage bringen, auch für Ihren Mann kann es nichts besseres geben als wenn Sie ihm mindestens zweimal in der Woche ein recht schönes Fischgericht vorsetzen. Keine Angst, das braucht nicht immer teurer Flußfisch zu sein, gerade der Seefisch hat hohen Phosphor - und Jodgehalt — und das sind zwei sehr wichtige Aufbaustoffe. Außerdem belastet Fischnahrung den Magen nicht übermäßig, weil durch ihn die Verdauungsdrüsen nur in geringem Maße in Anspruch genommen werden. Alle Eigenschaften, die ihn für Ihren Rekonvaleszenten und für Ihren Jungen sehr empfehlenswert machen." „Aber ein Fischgericht sättigt doch nicht ausreichend?" „Dem wäre leicht abzuhelfen: geben Sie eine Gemüse- oder Salatbeilage dazu. Ganz vorzüglich für den Jungen ist
Bückling als Brotaufstrich geeignet. Oder hacken Sie ihm unter ein Rührei etwas Bückling. Sie werden schon sehen, wie gern er das ißt. Und wenn er etwa an die Fischkost doch nicht heran will, so erzählen Sie ihm von den nicht immer gefahrlosen Seefahrten der Fischer. Ihre Phantasie wird ihn sicher dafür begeistern, ich werde ihm das nächste Mal ein schönes Fischbilderbuch mitbringen, den Jungen werden wir schon in Ordnung bringen." Und der neue Küchenzettel wirkte besser als Lieblingsspeisen, mütterliche Schelte oder vielleicht eine appetitanregende Medizin, leider denken wir oft viel zu wenig daran, daß Abwechslung die beste Würze des Küchenzettels ist, und daß der stumme Fisch uns hierbei vortrefflich helfen kann. E. H.
Hilfskreuzer„Möwe"kehrt glücklich heim!
Ein Gedenkblatt zum 4. März 4936.
Von Korvetten-Kapiiän <l O. G. <5. Zehr. v. Zorstner.
Lauten Jubel löste vor zwanzig Jahren in ganz Deutschland die Kunde aus, daß der deutsche Hilfskreuzer „M ö w e" unter dem Kommando des Korvettenkapitäns Burggraf und Graf zuDohna- S ch l o d i e n nach langer Kreuzfahrt in fernen Gewässern glücklich nach Wilhelmshaven zurückgekehrt sei. Jetzt endlich lüftete sich das Dunkel, das über dem geheimnisvollen Wirken dieses sagenhaften Schiffes geleaen hatte. Bisher hatte die Welt von dem Wiederaufleben des Kreuzer- krieges im Atlantisch en Ozean lediglich durch die Aufbringung zweier englischer Prisen- Dampfer mit zahlreichen Passagieren und Besatzungsmitgliedern anderer versenkter Schiffe in neutrale Häfen gehört. Run aber konnte unser Admiralstab endlich den Tatsachenbericht bekannt geben.
Nachdem unsere Auslandkreuzer und alle planmäßig bei Kriegsbeginn als Hilfskreuzer in Dienst gestellten großen Schnelldampfer erledigt oder lahmgelegt waren, ging die schwierige Aufgabe des Handelskrieges nur auf unsere U-Boote über.
Erklärlicherweise sann man darauf, deren Arbeit durch Fahrzeuge anderer Art, nach Möglichkeit zu unterstützen. Moderne schnelle Kreuzer konnten im Heimatschutz nicht entbehrt werden. Schnelldampfer erneut auszurusten, kam bei dem Stande der Kriegslage nicht mehr in Frage.
Im Frühjahr 1915 wurde deshalb erstmalig ein kleiner englischer Dampfer „Vienna" als Hilfskreuzer „Meteor" in Dienst gestellt, der unter Korvettenkapitän v. Knorr zwei schneidige und erfolgreiche Minenunternehmungen im nördlichen Eismeer vor Archangelsk und unter der englischen Ostküste im Firth oi Morray ausführte. Auf der Rückkehr von dieser zweiten Fahrt mußte der Kommandant angesichts starker Verfolger sein Schiff am 9. August 1915 versenken, während seine gesamte Besatzung von 135 Mann durch unser „U 28" auf einem schwedischen Fischerboot glücklich in das Lister-Tief eingeschleppt werden konnte. Ganz zufällig waren wir auf der Rückkehr von einer U.- Bootsfahrt von der Westküste Englands und Frankreichs in der Nähe des Versenkungsortes eingetroffen. Aus U.-Bootsangst sayen die umstellenden englischen Panzerkreuzer nach Sichten von „U 28" von einer Gefangennahme der Besatzung ab.
Diese beiden „Meteor"-Fahrten ließen den Gedanken reifen, auch einmal einen kleineren Handelsdampfer als Hilfskreuzer für eine noch weiter gesteckte Unternehmung auszurüsten. Hohe Fahrtmöglichkeit war hierfür Hauptbedingung. — Man fand ein solches Schiff mit 14,5 Seemeilen Geschwindigkeit in dem fast neuen Bananendampfer „Pungo" von 3600 Tonnen. Er erhielt eine Armierung von 1 bis 10,5 Zentimeter und 4- bis 15-Zentimeter-Geschützen, drei Torpedo- breitseitrohren mit 12- bis 50-Zentimeter-Torpedos und einer Minenausrüstung von 500 Minen bei einer Kohlenladung von 3400 Tonnen.
Zum Kommandanten wurde Korvettenkapitän Burggraf und Graf zu Dohna-Schlodien ernannt. Diese Personenwahl war eine äußerst glückliche, da neben seemännischer Gescyicklich-
keit, Ruhe und Kaltblütigkeit, die für diese neuartige und weit gesteckte Unternehmung Vorbedingung waren, ihn in hervorragender Weise auszeichneten. — Untergebene sollten nach einem Ausspruch von Moltke eigentlich immer am besten dazu berufen sein, die Qualifikationsberichte über ihre Offiziere zu schreiben, da sie das gesundeste Urteil hätten. So darf hier vielleicht der bezeichnende Ausspruch eines „Möwe"-Matrosen Erwähnung finden, der mir kurz nach dem Einlaufen des Schiffes auf meine Frage nach der Fahrt nichts weiter antwortete als: „Unser Graf hat ja aber auch die Ruhe weg, Donnerlüch- t i n g!"
Auch in der Marine waren nur ganz wenige Personen, in das natürlich möglichst geheim gehaltene Unternehmen eingeweiht. Wir U-Bootskommandanten, die wir das geheimnisvolle Schiff natürlich draußen treffen konnten, und erkennen mußten, wurden jedoch ins Vertrauen gezogen und konnten so teilweise noch manche eigene Erfahrung aus dem Handelskrieg mit den Kameraden der „Möwe" austauschen.
Heimlich verließ „Möwe" unter der Maske eines schwedischen Dampfers am 12. Dezember 1915 die Elbe. „U 68" unter Kapitänleutnant Günzel klärte vor ihr auf.
Glücklich kam das Schiff durch die englischen Bewachungslinien hindurch, nördlich um die Faröer- Jnseln herum und konnte am Neujahrstag 1916 am Westausgang des Pentland Firth, westlich der Shetland-Inseln, trotz stärksten Sturmes und Schneegestöbers 11 Teilsperren mit 252 Minen legen. Schon am 6. Januar lief das Flaggschiff des Ili. englischen Schlachtgeschwaders „King Edward VII." auf eins dieser dort gelegten „Möweneier" und kenterte bald. Eine hier geworfene Mine war von den Matrosen mit dem sinnigen Kreidespruch versehen worden: „Dieses Ding für den King!" — Sollte diese Mine nicht vielleicht gerade „ihren King" gefaßt haben?
In weitem Bogen nach Westen ausholend, wurde bei meist schwerem Wetter, in dem eingedrückte Planken und Geschützstände in harter Arbeit ausgebessert werden mußten, und das Seefestzurren der sich losreißenden restlichen Minen gefahrvolle Arbeit mit sich brachte, Bordeaux angesteuert. Am 10. Januar wurden dort wieder Sperren mit 238 Minen gelegt.
Nun war das Schiff frei zum Kreuzerkrieg. Die mustergültige und erfolgreiche Erledigung auch dieses zweiten Teiles seiner Aufgaben dürfte in der Hauptsache noch aus den spannenden eigenen Schilderungen des Grafen Dohna bekannt sein. (Verlag Perthes, Gotha.)
Wir hörten lange nichts von der „Möwe", da Graf Dohna grundsätzlich keinen Funkspruch abgab, um sich nicht zu verraten. Um so erstaunter horchte die Welt auf, als am 15. Februar der gekaperte englische Dampfer „Appam" mit deutscher Kriegsflagge unter dem Kommando des Leutnants z. S. d. R. B e r g mit rund 400 Gefangenen in den amerikanischen Hafen von Newport News einlief. 16 Kisten Goldbarren
im Werte von rund 730 000 Mark waren vor ihrer Entlassung auf „Möoe" geschafft worden.
In einem versteckten Mündungsarm des Amazonenstromes wurde aus dem nach dort vorausgesandten gekaperten englischen Dampfer „Corbridge" in tropischer Hitze in „dreitägiger Kohlen- schlacht" der Kohlenbestand wieder aufgefüllt, worauf auch dieses Schiff versenkt wurde.
Bald mehrten sich von neuen Prisen wiederum die Zahl der Gefangenen an Bord der „Möwe". Um diese unnützen Esser los zu werden, wurde der englische Dampfer „Westburn" mit 180 Gefangenen nach Santa Cruz unter dem Kommando des Ofsi- zier-Diensttuers B a d e w i tz , einem Schiffsoffizier der Austral-Linie der „Hapag", entlassen. Am 22. Februar lief er dort ein. Zu spät hatte der im Hafen siegende englische Panzerkreuzer „Sutley" die deutsche Kriegsflagge erkannt. Vor dessen Augen versenkte Badewitz dann nach Abgabe der Gefangenen die „Westburn", eben außerhalb der spanischen Hoheitsgewässer, auf tiefem Wasser. — Badewitz schlug sich auf abenteuerlicher Weise zur Heimat durch und meldete sich bei Graf Dohna bald wieder an Bord der „Möwe": „Befehl a u s g e f ü h r t!"
Am 25. Februar wurde der englische Dampfer „Saxon Prince" als letzte Prise versenkt und dann die Rückfahrt angetreten. Vor der norwegischen Küste gelang es Graf Dohna, in geschickten Manövern verschiedentlich englische Kreuzer und Zerstörer abzuschütteln. Von dort gab er am 3. März, 9 Uhr nachmittags seinen ersten Funkspruch während der ganzen Reise ab, in dem er um Aufnahme bei Horns-Riff bat.
Admiral Scheer hatte die Flotte gerade zu einem geplanten Vorstoß vor den englischen Kanal zusammengezogen. Wegen Nebels lagen alle Streitkräfte bei Aufnahme dieser freudig begrüßten Nachricht aber noch in den Flußmündungen. Admiral Scheer verschob sofort seinen Plan und schickte der „Möwe" starke Streitkräfte entgegen. Am 4. März, 7.35 Uhr vormittags fand der Schlachtkreuzer „v. d. Tann" „Möwe" südlich von Horns-Riff trotz Nebels.
Um 5 Uhr nachmittags lief „Möwe" unter dem Jubel der gesamten Flottenmannschaften glücklich in Wilhelmshaven ein.
Ohne einen Mann an eigenem Verlust waren ihr ein Linienschiff und 15 Handelsschiffe mit 57 835 Brutto-Registertonnen zum Opfer gefallen, ungerechnet die noch nicht bekannten weiteren Minenerfolge. Rund % Millionen Mark in Gold brachte das Schiff mit. Unter Dankesworten für ihre gute Behandlung verabschiedeten sich die letzten 199 Gefangenen, vor ihrem Abtransport von Kommandant und Besatzung.
Ich weiß mich eins mit Graf Dohna, wenn ich neben dem Verdienst der gesamten Besatzung,
besonders aller Geschützführer und den Geschützbedienungen sowie des Minen- und Maschinenperso- nals, noch seiner Offiziere gedenke. Ein Hauptverdienst kommt dem tüchtigen und unermüdlichen Ersten Offizier, Kapitänleutnant Wolf (Friedrich) zu, der in den oberschlesischen Kämpfen am 18. August 1919 bei Bobrtzck schwer verwundet wurde und nach qualvollem Leiden am 7. Februar 1920 im Krankenhaus der „Barmherzigen Brüder" in Bres- lau starb. Er wurden mit großen militärischen Ehren in seine Heimatstadt Kassel übergeführt.
Nicht minderes Verdienst hatte der leitende Jn- genieur-Obermaschinist Bruns, jetzt Kapitänleut- nant (Jng.) a. D., der es verstanden hatte, die Maschinenanlage während der langen Fahrt mustergültig in Stand zu halten. Militärisch-seemännische Höchstleistungen stellte das Einbringen der beiden Prisen „Appam" und „Westburn" bei nur schwachem Prisenkommando und zahlreichen Gefangenen an Bord, durch Leutnant z. S. d. R. Berg und Offizer-Diensttuer B a d e w i tz dar.
Am 8. März ist der letzte Einkopssonntag des Winterhilsswerkes 1935/36. Gebt an diesem Ehrentag der deutschen Tlcmon doppelt!
Als erfahrene Handelsschiffs-Offiziere hatten auch die beiden anderen Prisenoffiziere P o h l m a n n und Köhler umsichtig und hervorragend gearbeitet. Die beiden aktiven Seeoffiziere B e t h k e und M e i s e l waren ausgezeichnete Wach- und Waffenoffiziere. Sie sind heute beide noch Korvettenkapitäne in der Kriegsmarine. Obersteuermann Will- f a n g unterstützte den Kommandanten mustergültig bei schwierigster, Navigation. Leider können in diesen Rahmen nicht alle andern Besatzungsmitglieder einzeln aufgeführt werden. Die Verleihung des Eisernen Kreuzes an die gesamte Besatzung und des „pour le merite" an den Kommandanten war die wohlverdiente kaiserliche Anerkennung.
Diese erste „Möwe"-Fahrt wurde bahnbrechend für die Ausrüstung mancher weiterer Hilfskreuzer ihrer Art zu erfolgreicher Kriegsfahrt. „Möwe" allein blieb es aber befchieden, unter ihrem bewährten Kommandanten, Graf zu Dohna, noch eine zweite, glückliche Kreuzerfahrt mit nicht minder schönen Erfolgen vom 22. November 1916 bis 23. März 1917 durchzuführen.
21 Dampfer und 5 Segelschiffe mit 119 600 Brutto-Registertonnen fielen ihr auf dieser Fahrt zum Opfer. 404 Gefangene brachte das Schiff dieses Mal nach Kiel mit, wo Graf Dohna mit dem schönen Telegramm des Flottenchefs Admiral Scheer empfangen wurde:
„Den Beefs ein teures Ungeheuer, Bist du uns ungeheuer teuer!"
Verfehlte Wirtschastsmethoden.
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In seiner großen Rede bei der Eröffnung der Leipziger Frühjahrsmesse wies Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels auf die verfehlten Wirtschastsmethoden hin, durch die ein großer Teil der Erzeugung vernichtet wird, während in anderen Weltgegenden Hunger und Not herrschen. (Zeichnung von Oehlschlägel. — Scherl-M.)
Waldbrand und Märzhasen.
Von H.-O. von Bonin-ponih
Leuchtende Märzsonne am wolkenlosen Himmel. Die letzten Schneereste, die sich in dem Schatten der breitkronigen Fichte, am Nordhang des Hügels, im Grunde des Straßengrabens gehalten haben, sind vergangen. Dos Lied der Schwarzdrossel erfüllt den nachmittäglichen Wald. Bauer und Forstmann, Arbeiter und Stenotypistinnen aus der Stadt suchen im Walde das Frühlingserlebnis, den blühenden Seidelbast, das Amsellied oder vielleicht schon die ersten Besucher des Schnepfenstriches. Mehr als sonst ist der Wald an den Sonntagen von Menschen belebt, die Erholung, Ausspannung zu finden hoffen. Argwöhnisch streift der Forstmann durch seinen Bezirk, denn er weiß, daß jetzt die größte Gefahr besteht, wenn Menschen im Walde rauchen oder abkochen, obgleich beides vom Gesetz ab 1. März verboten ist.
Da — er hat mit seiner Befürchtung recht — erreicht den Forstmann der Ruf eines Spaziergängers: Es brennt, Feuer! Zugleich sieht er eine Rauchwolke in dem Jagen, das dicht an die große Kieferndickung anschließt, in der unersetzliche Verluste entstehen können. So schnell wie möglich eilt er zur Brandstelle und ruft jeden, dem er begegnet, herbei, zur Hilfe zu kommen. Dieser Aufforderung darf sich keiner widersetzen, jeder ist dem Gesetz nach verpflichtet, von sich aus zum Löschen eines Walobrandes jegliche Hilfe zu geben, die ihm möglich ist. Am Bandherd überzeugt sich der Forstmann von der Ausdehnung des Feuers, von der herrschenden Windrichtung und von den verfügbaren Löschmannschaften und trifft seine Anordnungen. Mit seinem scharfen Weidmesser schneidet er aus der Kieferndickung lange, mit Nadeln bewehrte Aeste ab, die er den Einzelnen zum Ausschlagen des Feuers gibt. Da der Wind auf die Kieferndickung zusteht und das nur an dem trockenen Gras Nahrung findende Feuer dorthin läuft, stellt er am Gestell zwischen Dickung und Bestand auch eine Reihe von Menschen auf, die jeden Überfliegenden Funken ausschlagen sollen. Da genügend Leute im Walde waren, gelingt es dem Forstmann, des Feuers Herr zu werden, den Brandherd ein^ukrei- sen und den Brand abzulöschen. Von den herbeigeeilten Waldarbeitern stellt er zwei als Brandwache auf, die am Abend abgelöst werden sollen; wie oft ist es vorgekommen, daß bei einem gelöschten Waldbrand durch eine unbemerkte Glut ein neuer, größerer Waldbrand entfacht wird, wenn nicht für Bewachung gesorgt ist. Mit dem Gendarmen nimmt der Forstmann die Untersuchungen auf, wie der Waldbrand entstanden sein mag. Sie
kommen schnell zum Ziel, da sich einer der Helfer, I der durch seinen Eifer dem Forstmann ausgefallen war, meldet und erklärt, daß er wohl der Urheber des Brandes sei; er wäre auch bereit, den Schaden zu bezahlen: er fei hier oorbeigegangen und habe einen Zigarettenstummel fortgeworfen; nie wieder wolle er im Walde rauchen! Der Forstmann und der Gendarm sind sich einig, daß der „Verbrecher" tätige Reue zeige, und nehmen daher von einer Anzeige Abstand, wenn der Misietäter bereit ist, eine größere Summe als Schadenersatz und Buße zu leisten.
Am Nachmittag kommt der Forstmann noch einmal an der Brandstelle vorbei, um sich zu überzeugen, ob die Brandwachen ihre Pflicht erfüllen. Ein Arbeiter erzählt, daß er einen Hasen beobachtet habe, der sich wiederholt auf der Brandfläche gezeigt habe. Der Jäger nimmt seinen Hund an die Leine und geht langsam und vorsichtig auf die ihm bezeichnete Stelle zu. Wie er vermutet hat, liegen dort in einer windgeschützten Sasse zwei wenige Tage alte Junghasen, die ein gütiges Geschick vor der Glut des Feuers bewahrt hat. Es sind die ersten Märzhasen, die der Forstmann in diesem Jahre beobachtet. Er weiß, wenn dieser Satz gut gedeiht, wird es im Herbst ein gutes Hasenjahr geben. Kaum steht er wieder auf dem Gestell, so kann er die Häsin, die sich an diesem Tage sicherlich genug um ihre Jungen geängstigt hat, zu der Sasse zurückhoppeln sehen.
Im Monat März hat der Forstmann und Jäger vielfältige Pflichten und Sorgen. Zwar wird der Holzeinschlag im starken Holz beendet sein, doch gibt es noch genug Arbeit bei den Durchforstungen der jüngeren Stangenhölzer, bei denen die Pflege mit der Axt besonders wichtig ist. Da sich die Kulturarbeiten im Frühjahr meist sehr drängen, müssen auch die Bodenarbeiten, je nach der Witterung, so rechtzeitig wie möglich begonnen werden, wozu im März schon Gelegenheit ist. Laubhölzer und Lärchen können jetzt schon als Samen oder Pflanzen in den Boden gebracht werden, zumal bei diesen Holzarten ein spätes Planzen bei beginnendem Blatt- oder Nadelausbruch zu Mißerfolgen führen kann. Schon Ende März können die Nadelhözer gesät oder gepflanzt werden. Außerdem ist es notwendig, die Abfuhrwege zu überprüfen und notfalls auszubessern, Gräben gegen den Rüsselkäfer zu ziehen und Fangknüppel oder Fangbäume aus» Zulegen.
Für den Jäger ist jetzt Schonzeit fast aller Wildarten, da die Hirsche abgeworfen haben, Bachen frischen und Fuchsfähen führen und führende weibliche Stücke von Mitte März ab nicht mehr erlegt werden dürfen. Zudem taugt beim Raubwild der Balg jetzt nichts mehr. Dafür gibt es andere Auf
gaben für den Jäger, der immer zugleich Heger ist. Abwurfstangen müssen gesucht werden, um die Entwicklung der Geweihbildung der im Revier stehenden Hirsche zu beobachten. Der Abschußplan muß fristgerecht eingereicht und der Jagdschein erneuert werden. Die Wildfütterung wird sparsamer beschickt und die Wildäcker zur Bestellung vorbereitet. Gegen Ende des Monats werden sich eifrige Jäger schon allabendlich auf die bekannten Stände begeben, um den Zauber des Vorfrühlings zu genießen und auf die erste Schnepfe zu paffen, die das neue Jagdjahr einleitet.
Wörterbuch der Kinderstube.
Von Erich Grisar.
Kinder haben ihre eigene Welt. Und nicht nur das, sie haben auch ihre eigene Sprache. Und obwohl sie sehr häufig lediglich aus Mißverstehen zu Wortschöpfern werden, ich habe immer mit viel Vergnügen zugehört, wenn meine Jüngste, die nun auch die Jüngste nicht mehr ist, mich mit neuen Ausdrücken, die ganz ihrer eigenen Welt und ihrem eigenen Wesen entsprachen, überfiel. Wobei bemerkt sein mag, daß unsere Helga dieses ganz und gar nicht passende Wort „überfiel", sicher durch em besseres Wort ersetzen würde, wenn sie nicht noch in jenen glücklichen Tagen der Kindheit lebte, in denen man gar nicht weiß, was überfallen werden bedeutet. Desto besser kennt sie die Dinge ihrer Umwelt, die sie ohne Ausnahme in der ihr eigenen Sprache benennt. In dieser Sprache heißt Baden wie bei allen anderen Kindern Pulle pulle machen. Da aber das Baden mit dem Nacktsein verknüpft ist, bezeichnet unsere Helga auch jedes Bild, auf dem unbekleidete Menschen zu sehen sind, mit dem Ausdruck pulle pulle.
Als Helga eines Tages beim Baden ihre Beine aus dem Wasser ragen sah, stellte sie fest: Das Wasser hat ja ein Loch, da gucken ja die Beine heraus.
Doch nicht nur das Wasser, auch die Strümpfe haben manchmal ein Loch. Und wo die Haut durch solch ein Loch schaut, da reizt sie totsicher den Vater oder auch die Mutter ein wenig „kille kille" zu machen. So kommt es, daß unsere Helga ein Loch im Strumpf einen „Kille r" nennt.
Eines Tages schenkte ich ihr einen alten Stempel, den sie, weil sich damit so schön Bumm machen läßt, einen „Summe r" nennt. Den Hammer dagegen nennt sie „Knaller" ober auch „d i e große Hau e".
Lange hat es gedauert, bis unsere Helga das Wort „Fegen" sich aneignete. Vordem sagte sie
immer: Mutti, bef mal, wenn die Mutter den Besen nehmen sollte. Merkwürdig war auch, daß sie die Bitte „Laß mich mal beißen" durch das mißverständliche Beiß mlch mal umschrieb, und wollte sie auf Muttis Schoß sitzen, sagte sie: Leih mir mal deinen Schoß! Damals war es auch, daß sie kurzgeschnittene Haare kaputte Haare und geflochtene Haare in konsequentem Gegensatz dazu fertige Haare nannte.
An Konsequenz fehlte es ihrem Wortschatz auch sonst nicht; so unterscheidet sie den Draufteller vorn D r i n t e l l e r, womit der flache und der Suppenteller gemeint sind. Auch ihr Schaukelpferd, das eigentlich nur ein Schaukelstühlchen mit einem barangesetzten Pferdekopf ist, nennt sie Drin» pferd, weil man nicht wie beim richtigen Schaukelpferd, dem Draufpferd, darauf sondern darin sitzt. Hohe Schuhe nennt sie lange Schuhe.
Manchmal verspricht sie sich auch nur, so wenn sie statt Bauklötzchen Klauslöckchen sagt ober aus einem Waschläppchen ein Lappläppchen macht. Daß sie ihre Hanbschuhe Handfinger nennt, ist wohl ebenfalls nur auf ein solches Versprechen, das sie beibehielt, zurückzuführen.
Auf Beobachtung beruht es, wenn sie den Bären, den sie einstweilen nur als Spielzeug kennt, L a n g- brummer nennt, und als sie eines Tages eine Asphaltwaschmaschine sah, nannte sie sie kurz einen Wischer. *
Ein Schiff nennt sie poetisch Schwimmchen, aber das schönste Wort, mit dem diese Reihe natürlich noch lange nicht erschöpft est, prägte sie erst gestern, als sie eine Muschel eine Rausche nannte. Dafür habe ich ihr einen Kuß gegeben, und wenn sich jemand findet, der dieses kleine Wörterbuch druckt, soll sie sogar noch eine Tafel Schokolade obendrein haben.
Hochschulnachrichten.
Professor Dr. Walther Holtzmann, Ordinarius für mittlere und neuere Geschichte an der Universität Halle-Wittenberg, hat einen Ruf an die Universität Bonn erhalten.
Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Friedrich Kraus, der im Ruhestände lebende Ordinarius für innere Medizin an der Universität Berlin, ist im Alter von 78 Jahren gestorben.
Geheimrat Professor Dr. Eduard Eichmann, Ordinarius für Kirchenrecht in der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität München, ist wegen Erreichung der Altersgrenze vonden amtlichen Verpflichtungen entbunden worben.


