Geheimrat Olt 70 Jahre alt.
Am heutigen 4. Februar feiert der Geheime Med.- Rat Professor Dr. phil. et med. vet. n. c. Adam Olt seinen 7 0. Geburtstag. In Breitenbrunn im Kreise Erbach geboren, studierte Olt 1885 bis 1887 in Gießen, 1887 bis 1889 in Berlin Veterinärmedizin, in Heidelberg und Erlangen Naturwissenschaften. Nach fünfjähriger praktischer tierärztlicher Tätigkeit in Ober-Ramstadt, Bieberau, am Schlächt- hof in Stettin und als Kreisveterinärarzt in Erbach war Olt zwei Jahre am Pathälogischen Institut der Tierärztlichen Hochschule zu Berlin als Oberassistent tätig, leitete sodann als Polizeitierarzt das Schlachthoflaboratorium in Hamburg und wurde am 1. Mai 1898 als Dozent für pathologische Anatomie an die Tierärztliche Hochschule in Hannover berufen. Am 1. Oktober 1901 erfolgte die Berufung an die hessische Landesuniversität Gießen als ordentlicher Professor für „Pathologische Anatomie, Tierhygiene und Fleischbeschau". Nach 33jähriger erfolgreicher Tätigkeit wurde Olt am 1. April 1934 emeritiert, übernahm jedoch noch nach der Emeritierung die neu geschaffene selbständige Professur für animalische Nahrungsmittelkunde und die Leitung des entsprechenden Institutes, bis er sich im Sommer 1935 nach Wiesbaden in den Ruhestand zurückzog.
Olt hat an der Entwickelung der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Gießen in mannigfacher Weise reichen Anteil und hat die Veterinärmedizin in vieler Hinsicht in Lehre und Forschung gefördert. Durch die systematische pathologisch-anatomische und mikrobiologische Untersuchung der Wild, krankheiten ist er zum Begründer einer tierärztlichen Pathologie der Jagdtiere geworden und hat erfolgreich mit diesen Forschungsergebnissen dem inneren Neuaufbau des deutschen Jagdwesens im Dritten Reich Vorarbeiten können. Vielen ist er auch als schaffender Künstler in der Malerei bekanntgeworden.
So gedenken heute viele Freunde, Schüler und Verehrer in Liebe und Dankbarkeit des Jubilars und vereinigen sich in dem aufrichtigen Wunsche, daß es 'ihm vergönnt sein möge, noch viele Jahre als Wissenschaftler und Berater im Dienste an Volk und Staat schaffen zu können.
Das Ergebnis der (SA.-Gammlung für das WHW. in der Stadt Gießen.
Wie uns von der Kreisführung Gießen des Winterhilfswerkes mitgeteilt wird, beläuft sich das Gesamtergebnis der Winterhilfssammlung der SA. in der Stadt Gießen am vorigen Sonntag auf insgesamt 4119,69 Mark. Verkauft wurden insgesamt 18 000 Plaketten. Das Ergebnis ist als außerordentlich erfreulich anzusehen. Die Bevölkerung unserer Stadt hat ihre Bereitwilligkeit im Spenden erneut eindrucksvoll bewiesen.
Oer fünfte Eintopfsonntag.
Der Leiter der Wirtschaftsgruppe Gaststätten und Beherbergungsgewerbe teilt seinen Mitgliedern mit, daß für den fünften Eintopfsonntag am 9. Februar folgende drei Eintopfgerichte für die Gaststätten oorgeschrieben sind:
1. Suppentopf mit Einlauf und Rindfleisch.
2. Hammelfleisch mit grünen Bohnen.
3. Gemüsegericht vegetarisch oder mit Fleischeinlage.
Die Festlegung dieser Eintopfgerichte ist nur für Gaststätten.
Oer Schuß in der Wachstube der Wach- und Schließgesellschast. lieber den von uns gestern schon gemeldeten tragischen Vorfall in der Wachstube der hiesigen Wach- und Schließgesellschaft teilt der Polizeibericht der Kriminalpolizeistelle Gießen folgendes mit:
Fahrlässige Tötung infolge leichtsinnigen Umgehens mit einer Schußwaffe. Am 3. Februar 1936 etwa um 5.15 Uhr ereignete sich auf der Wachstube der Rheinischen Wachgesellschaft in der Stephanstraße ein tödlicher Unglücksfall. Dem nach Beendigung seines Wachdienstes auf die Wache zurückgekehrten Wachmanns Rudolf M a g e l aus Burkhardsfelden ging angeblich beim Entladen feiner Pistole ein Schuß los. Die Kugel drang feinem Arbeitskameraden, dem 55jahrigen Ferdinand Even aus Stockhausen, der vor einem Tische stand, in den Rücken. Die Verletzung war derart schwer, daß der Tod nach kurzer Zeit eintrat. Nach den gegebenen Umständen liegt mit großer Wahrscheinlichkett fahrlässige Tötung, heroorgerusen durch leichtsinniges Handeln beim Entladen der Waffe, vor. Der Beschuldigte, der nach Verständigung seines Arbeitgebers und Bestellung eines Arztes sich freiwillig auf der Polizei- wache meldete, wurde nach Abschluß der Ermittlungen, da kein Fluchtverdacht und keine Verdunkelungsgefahr vorliegt, auf freien Fuß gesetzt. Die Ermittlungen ergaben aber noch, daß M a g e l die Schußwaffe, die Eigentum eines anderen Wachmannes ist, geführt hat, ahne im Besitze eines Waffenscheines zu sein. Sie wurde ihm von seinem Arbeitgeber für feine Dienstverrichtung übergeben. Magel und die beiden anderen haben dadurch gegen die Bestimmungen des Schußwaffengesetzes verstoßen und sich strafbar gemacht.
DerLandschastsbund Volkstum und Heimat besichtigt das Stadttheater. Der Ortsring Gießen des LVH. veranstaltet des öfteren Führungen unter fachkundiger Leitung, um feine Mitglieder mit Instituten und Betrieben be- kannt zu machen, die für das wirtschaftliche oder kulturelle Leben unserer Stadt von Bedeutung sind Besonders starkes Interesse sand am Sonntag die Führung durch das Gießener Stadttheater unter Leitung des Dramaturgen Paul Nieren. Der Ortsringleiter konnte über 150 Teilnehmer begrüßen.
Nieren verstand es vorzüglich, die für diese Veranstaltung fast zu zahlreich erschienenen Mitglieder in einer über zwei Stunden dauernden Führung m die Welt „jenseits des Vorhangs" ein- zufuhren. u
Von der Fühne aus führte Herr Nieren die Teilnehmer, z. T. m Einzelgruppen aufgeteilt, durch sämtliche Raume des Theaters und vermittelte an Zand eines fesselnden und persönlich gehaltenen Vortrags em umfassenden Bild all der Vorgänge die Voraussetzung sind für das Gelingen einer Aufführung. Mit großem Interesse folgten die Teilnehmer den aufschlußreichen Ausführungen, die ein anschauliches Bild über den Werdegang des Bühnenwerkes vom Manuskript bis zum Augenblick der Aufführung vermittelten, Einblick gewährten in die Arbeit des sogenannten „unbekannten Soldaten" des Theaters und über all die aufgewandte Mühe und Arbeit der „Männer hinter den Scheinwerfern" berichteten. Der Führende wies auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Theaters für unsere
Ein alter Brauch in Laubach.
Oie Iahrestagung der Blasius- oder Baumkirchener-Gesellschast.
Vom historischen Blasiustag in Laubach. Der Vorstand unterhält sich an Hand des jahrhundertealten Karten- und Dokumentenmaterials. — Links sieht man die über 200 Jahre alte Lade. (DNB.-Heimatbilderdienst. Photo: Göllner.)
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0 Laubach, 3. Febr. Arn heutigen Tage sand nach alter Sitte die Tagung der Blasiusoder Baurnkirchener-Gesellschaft statt, d. h. der Eigentümer der sog. Blasius- oder Baum- kirchener-Wiesen. Der Name stammt von dem ehemaligen Orte Baumkirchen, der verschwunden ist. Die Einwohner dieses Ortes zogen nach Laubach.
Heute vormittag um 9 Uhr kamen die 10 jüngsten Mitglieder der Gesellschaft zu dem alten Schultheiß Heinrich Jochem, um die Lade mit den Akten zu holen. Dort fand ein Frühstück nach alter Sitte statt, worauf sie um 10 Uhr die Lade in das gegenwärtige Stammlokal der Blasius- Gesellschaft, die Wirtschaft von Hermann Siegfried, trugen. Hier fand dann die Tagung statt. Zuerst wurden die geschäftlichen Angelegenheiten der Gesellschaft geregelt, wobei eine Reihe alter Sitten beobachtet wird. Solange die Lade noch offen ist, darf nicht geraucht werden, auch darf keiner den Hut auffetzen, andernfalls erhält er eine Strafe, d. h. er muß 20 Pf. bezahlen. Zunächst sand die Verlosung bzw. Verpachtung der Weidteile statt. Darauf folgte die Erhebung der Steuern mit der Pacht aus dem letzten Jahre.
Sodann wurde das Mittagessen gemeinsam eingenommen, wobei die Anordnung der Sitzplätze genau geregelt ist nach dem Eintritt in die Blasius-Gesellschaft. Auch hierbei ist eine Reihe alter Sitten zu beachten. Ehe das Tischgebet gesprochen wird, darf keiner Messer, Gabel oder Löffel anrühren, auch ist es verboten, den Schultheißen bei seinem Namen zu rufen, sondern er darf nur mit „Herr Schultheiß" angeredet werden. Die Mitglieder sitzen in der Reihenfolge ihres Beitritts. Eine Witwe muß sich ihr Essen holen lassen. Als Mundschenk fungiert der zuletzt Eingetretene. Ist das Mittagessen beendet, so muß der neue Schultheiß die Bezahlung sämtlicher Getränke am Schlüsse der Tagung übernehmen.
Nach dem Essen treten die „Siebener" unter dem Vorsitz des Schultheißen zusammen, um Gericht zu halten über alle Vergehen innerhalb der Gesell
schaft. Eines Vergehens macht sich z. B. schuldig, wer bei geöffneter Lade die Kappe aufbehält, wer sein Heu einem anderen als einem Baumkirchener verpachtet, wer während des Gebetes spricht, wer mit der Kanne klappt, mit den Armen auf dem Tisch liegt u. a. mehr.
Heute abend gegen 9 Uhr zog die Gesellschaft im Fackelzug, bei dem die Schulknaben Lampions trugen, zu dem neuen Schultheiß Wilhelm Frank, wo alle mit Kaffee und Kuchen bewirtet wurden. Am morgigen Dienstag suchen die Frauen der Mitglieder der Blasius-Gesellschaft die „Frau Schultheiß" zu einem gemütlichen Plauderstündchen bei Kaffee und Kuchen auf.
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Die Blasius- und Baumkirchener-Gefellschaft ist eine in ganz Deutschland wohl einzigartige Dokumentierung des Gemeinsinns, die sich über mehr als fünf Jahrhunderte hindurch bis zum heutigen Tage erhalten hat. Zwischen den Jahren 1350 und 1400 würden in der Nähe des alten Städtchens Laubach etwa 17 Dörfer verwüstet. Nach der Sage hat ein Abt von Fulda in einer Fehde allein sieben dieser Dörfer verbrannt. Die Einwohner haben sich dann in dem heutigen Laubach angesiedelt, das auf diese Weise gegründet worden sein soll. Unter den verschwundenen Dörfern werden heute noch genannt: Ruthardshausen, Hartmannshausen, Oberseen, Kreutzseen und Baumkirchen. Die Erinnerung an Baumkirchen hat sich am lebendigsten erhalten, sie besteht heute noch fort in der Baumkirchener oder Blasius-Gesellschaft. Es sind dies die Besitzer oder Benutzer des Weidlandes der untergegangenen Gemeinden. Früher versammelten sie sich an der Städte des verschwundenen Dorfes, wo ein Gottesdienst abgehalten, wurde. Heute trifft man sich in Laubach, wo alljährlich am 3. Februar, dem Blasius-Tag, zur Wahrung ihrer Rechte ein Schultheiß bestellt wird in der Reihenfolge der Häuser, die sie in Laubach bewohnen.
stellung bis zum Juli zu erwarlen ist. Außer Anlage von 7 Meter breiten Vorgärten müssen die Abstände des Gebäudes vom Nachbargrundstück mindestens 4 Meter betragen, und da auch noch ein großer Teil als Garten verbleibt, so wird hier eine offene Bauweise, die an dieser Straße mit besonderem Interesse begrüßt wird, zur Durchführung kommen.
** Die Süßkirschenanlage der Stadt Gießen unterhalb der Liebigshöhe hat sich in den drei Jahren seit der Pflanzung ungemein gut entwickelt, so daß die Kronen schon einen verhältnismäßig großen Umfang haben und reichlich Blüten- knospenholz zeigen. Um die Stämme in gutem Wuchs zu halten, wurde in diesen Tagen der Untergrund gepflügt. Im vergangenen Herbst wurde die Anlage in der Richtung nach den Eichgärten hin noch vergrößert. Etwa 60 Jungbäume wurden neu gesetzt, so daß die ganze Pflanzung nun rund 150 Stämme aufweist.
** Auch bei Ermittlungssachen nicht mehr „Genosse". Der Reichs- und Preußische Innenminister hat die Polizeibehörden angewiesen, mit Rücksicht auf die Verwendung des Wortes „Genosse" in Bezeichnungen wie „Parteigenosse" und „Volksgenosse" auch Ermittlungssachen, die sich gegen mehrere Personen richten, nicht mehr durch den Zusatz „und Genossen" zu kennzeichnen. Künftig soll allgemein die Bezeichnung „und andere" verwendet werden.
** Kleiner Kellerbrand. Gestern um die Mittagsstunden wurde die Städttsche Feuerwache alarmiert. Im Hause Wilhelmstraße 5 war ein Kellerbrand ausgebrochen, den die Feuerwehr sofort und erfolgreich mit ihrer Kübelspritze bekämpfte. Nach einer Tätigkeit von kaum 10 Minuten konnte die Wehr wieder abrücken.
** D i e Reichsbahn stellt technische Beamtenanwärter ein. Die Deutsche Reichsbahn wird für das Geschäftsjahr 1936 einige junge Dienstanfänger für die Beamtenlaufbahn im gehobenen mittleren technischen Dienst (dreijährige Ausbildung als technischer Praktikant) zum 1. Mai 1936 und zum 1. November 1936 einstellen. Es handelt sich dabei um die bautechnische, maschinentechnische und oermessungstechnische Fachrichtung. Diese umfaßt auch den Hochbau, das technische Sicherungswesen und die Elektrotechnik. Erfordernisse: Reifezeugnis für Obersekunda, zwei Jahre praktische Tätigkeit im Handwerk, Reifezeugnis einer von der Reichsbahn anerkannten fünffemeftri- gen höheren technischen Lehranstalt, Lebensalter nicht über 25 Jahre. Die Bewerber müssen arischer Abstammung sein. Es wird Wert darauf gelegt, daß sie den Gedanken der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft voll in sich ausgenommen und auch bereits in die Tat umgesetzt haben. (Pg., SA., SS., Arbeitsdienst usw.) Bewerbungen sind unmittelbar an die für die Einstellungen zuständigen Reichsbahndirektionen zu richten. Bewerbungen an die Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahngesellschaft sind zwecklos. Militär- und Versorgungsanwärter mit technischer Vorbildung haben ihre Bewerbung an die Zentralmeldestelle für Versor- gungsanwärter bei der Reichsbahndirektion Frankfurt a. M. zu richten.
Gondergericht in Gießen.
Der Heinrich Schneider aus Ober-Mörlen and wegen Beleidigung des Reichsnährstandes unter Anklage. Auf Grund der Beweisaufnahme in der gestrigen Hauptverhandlung wurde der Angeklagte freigesprochen.
Am Nachmittag befaßte sich das Gericht mit dem Theodor Wolf II. aus Wachenbuchen bei Hanau. Der Angeklagte, bei dem es sich nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme um einen üblen kommunistischen Agitator handelt, beleidigte in der schwersten Weise in einer Wirtschaft den Führer, sowie den heutigen Staat. Das Gericht verurteilte ihn zu 1 Iayr 6 Monaten Gefängnis.
Stadt hin und unterstrich die sozialpolitische Notwendigkeit der Aufrechterhaltung des Theaters.
Dann wurden die Besucher durch das Labyrinth der verschiedenen Abteilungen geführt, wo die Arbeitsweise aller im Theater tätigen Handwerksabteilungen gezeigt wurde. Die künstlerische und technische. Entwicklung der eigentlichen Vorstellung wurde gezeigt. Und wenn die Führung auch durch die vielge- stalttgen Eindrücke fast beängstigend abwechslungsreich war, so hat kein Teilnehmer das Haus verlassen, ohne nicht Hochachtung empfunden zu haben vor den beachtlichen Leistungen aller Abteilungen unseres Theaters.
Herrn Nieren wurde der Dank für diese wertvolle Führung ausgesprochen; möge aber der Dank der zahlreichen Teilnehmer darin bestehen, daß jeder nach Kräften mithilft, unserer Stadt ihr „Denkmal bürgerlichen Gemeinsinns" zu erhalten.
Obst- und Gartenbauverein Gießen.
Die überaus zahlreich besuchte Hauptversammlung des Vereins am vorigen Sonntag im Kaufmännischen Verein gestaltete sich, wie immer, zu einer ebenso erfreulichen, wie für alle Teilnehmer lehrreichen Kundgebung, der im Verein zusammgefchlos- fenen Gartenfreunde.
Nach der Eröffnung gab der seitherige Vorsitzende seiner Freude darüber Ausdruck, daß es gelungen sei, statt seiner eine so hervorragend geeignete Persönlichkeit für das verantwortliche Ehrenamt des Vereinsführers zu gewinnen, wie dies in der Person des Vorstandes der hiesigen Hauptstelle für Pflanzenschutz Dr. Tempel der Fall ist. Gerade auf diese Weise sei ein gedeihliches Zusammenwirken von Wissenschaft und Praxis gewährleistet, das für beide Teile sich zum Besten des Gartenbaues auszuwirken vermag. Hierauf dankte Dr. Tempel für die auf ihn gefallene, von der Behörde bestätigte Wahl, gedachte der Verdienste des Vorgängers, Gartenbauinspektors i. R. R ehn elt, der seines hohen Alters wegen sein Amt bereits mit Schluß des Jahres niedergelegt hatte, und versprach die Wahrung der Vereinsarbeit, um jedem, der ein Stückchen deutschen Boden zu betreuen hat, nach Kräften durch Rat und Tat zu helfen. Bestimmte Sprechstunden in der Hauptstelle sollen dazu dienen, das gegenseitige Verstehen und Kennenlernen zu unterstützen.
Der Bericht über das verflossene 23. Lebensjahr ergab einen Bestand von 211 Mitgliedern. Der Kassenbestand beträgt 380 Mark. Ein Gesuch um Herabsetzung der Beiträge zum Kreisverein hatte nicht das gewünschte Ergebnis. Infolgedessen war auch die geplante Senkung der Beiträge für die Mitglieder zur Zeit leider nicht durchführbar. Von besonderen Veranstaltungen verdient die glanzvoll gelungene Herbstblumenschau hervorgehoben zu
Zur tdtfräfügen Förderung der Obstzucht an den A^^nden soll eine größere Anzahl junger Weinstocke noch in diesem Frühjahr bezogen und
I gesetzt werden. Außerdem ist ein Besuch des ausgedehnten Musterobstgartens des Kreisvereins Wetzlar geplant. Dieser Besuch ist für den Sonntagnachmittag des 23. Februar vorgesehen und soll unter allen Umständen, auch bei ungünstigem Wetter, zur Ausführung kommen. Obstbauinspektor Kilp (Wetzlar) hat die Führung zugesagt. Ein weiterer Beschluß betraf die allgemeine Wühlmausbekämpfung.
In dem Vortrag, den Herr Wasewitz von der Hauptstelle für Pflanzenschutz übernommen hatte, zagen noch einmal all die bekannten Krankheiten und Feinde, die dem fleißigen Gartenfreund den Preis für seine Sorgen und Mühen ftreiüg machen, an dem geistigen Auge der Zuhörer vorüber. Schorf, Monilia, Obstmaden, Apfelblattfloh, Schildläuse, Frostspanner, Blutlaus, Kohlhernie, Kohlgallenrüßler und dergleichen, die in natura in einem Nebensaal zu einer kleinen Ausstellung vereinigt worden waren, wie auch durch lebendige Schilderung ihrer Lebensweise und die Angaben, wie diesem Heer von Plagegeistern am besten das Handwerk gelegt werden kann, bildeten den Hauptinhalt des mit Beifall aufgenommenen Vortrags.
Zum Schluß kam neben der üblichen Gratisver- lofung, bei der jedes Mitglied ein Andenken mitnehmen konnte, noch eine Aussprache in Fluß, bei der viel Wissenswertes zur allgemeinen Kenntnis gebracht wurde.
Gießener Dochenmarkkpreife.
* Gießen, 4. Febr. Auf dem heuügen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk., Landbutter 1,42, Markenbutter 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pi., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, ausländische, PA 13, inländische, ungezeichnete 10 bis 11, Wirsing, das Pfund 10 bis 15, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 15 bis 18, Gelbe Rüben 9 bis 12, Rote Rüben 10 bis 12, Spinat 15 bis 20, Unterkohlrabi 8, Grünkohl 12 bis 15, Rosenkohl 20 bis 30, Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 45, Zwiebeln 12 bis 15, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 30, Kartoffeln, bas Pfund 4 Pf., der Zentner 3.30 bis 3,50 Mk., Aepfel, das Pfund 10 bis 30 Pf., Birnen 25, junge Hähne 90, Suppenhühner 80 bis 85, Blumenkohl, das Stück 25 bis 40, Salat 30 bis 35, Endivien 10 bis 30, Lauch 5 bis 10, Rettich 5 bis 15, Sellerie 10 bis 50 Ps.
** Von der Universität. Von der Pressestelle der Universität Gießen wird uns mitgeteilt: Der außerordentliche Professor Dr. Hermann Reinhold wurde zum ordentlichen Professor in der Philosophischen Fakultät II. Abteilung und zum Direktor des Physikalisch-Chemischen Instituts unserer Universität ernannt.
** Neubau in der Schlageterstraße. 3m vorderen Teile der Schlageterstraße, nächst der Moltkestraße, wurde vor einigen Tagen mit der Erbauung eines Zweifamilienhauses mit zweimal Dierzimmerwohnungen begonnen, dessen Fertig-
Oberhessen.
Veränderung in der Kreisleitung des Kreises Friedberg.
Der Kreisleiter des Kreises Friedberg, Pg. Wilh. Seipel, hat mit dem 30. Januar sein Amt als Kreisleiter für den Kreis Friedberg niedergelegt, da er sich mit seiner ganzen Kraft der Arbeit für die Landesbauernschast Hessen-Nassau widmen will. Mit Wirkung vom gleichen Tage ab wurden die Geschäfte dem Kreisleiter des Kreises Gießen Dr. Hildebrandt mit übertragen, der als Hoheitsträger der Partei nunmehr den beiden Kreisen Gießen und Friedberg vorstehen wird. Gauleiter Sprenger widmete Kreisleiter Seipel ein Schreiben, in dem er der opfervollen Arbeit des scheidenden Kreisleiters Dank und Anerkennung ausspricht.
Generalversammlung der Milchabsatzgenoffenschast Grünberg
+ Grünberg, 3. Febr. Arn Sonntag fand im „Hessischen Hof" die ordentliche Generalversammlung der hiesigen Milchabsatzgenvssen- schäft statt, zu der 50 Mitglieder erschienen waren. Ludwig Bausch als Vorsitzender des Aufsichtsrates leitete die Verhandlungen. Geschäftsbericht und Rechnungsablage wurden von Rechner Karl Werner oorgetragen. Daraus ging hervor, daß im vorigen Jahre 9 Mitglieder neu beitraten, fo daß das Jahr 1935 mit einem Mitgliederstand von 91 abschloß. Der Umsatz betrug 445 061 Liter Milch im Werte von 71 007 Mark. Einem (Erträgnis von 5594 Mark stehen Aufwendungen von 5541 Mark gegenüber, so daß ein Uederschuß von 53 Mark verbleibt. Ein Teil davon soll für noch ausstehendes Wassergeld von 1935 verwandt wer- den, der Rest zur Anschaffung einer feuerfesten Kassette dienen. Die Versammlung ist damit einverstanden. lieber die am 5. November 1935 stattgefundene Revision erstattete ebenfalls der Rechner Bericht. Da in der vorgeschriebenen Dffenlegungs» frist, sowie auch in der Versammlung keine (Ein- Wendungen gegen die Rechnung erhoben wurden, fand die übliche Entlastung von Vorstand und Auf- sichtsrat statt. Die in 1934 gewählten Vorstands- mitglieber Leonhard Großhaus und Konrad Trinkaus konnten infolge eines bei der Wahl vorgekommenen Formfehlers nicht gerichtlich eingetragen werden. Die nochmals vorgenommene Wahl erfolgte durch Zuruf und fiel einstimmig auf die beiden: Ortsbauernführer Leonhard Großhaus als Direktor und Konrad Trinkaus als Stellvertreter. Als Aufsichtsratsmitglieder wurden Ludwig Bausch und Karl S ch o n h a l s ebenfalls durch Zuruf einstimmig gewählt. Eine An rage eines Genossen über die Bezahlung der Milch nach Fettprozenten oder nach Fetteinheiten wurde durch den Rechner näher erläutert. Die Versammlung beschloß, die Bezahlung in der seitherigen Weise nach Fettprozenten beizubehalten.


