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bcrftonkj der Wüste" immer seltener wird. Es mußten schon Jagdgesetze erlassen werden, um zu verhüten, daß er völlig ausgerottet wird Das gleiche gilt vom Strauß. Wilde Esel und Antilopen m kleinen Trupps sind nicht selten, Giraffen kom­men im Osten häufiger vor. Die Wanderheuschrecken treten von dort ihre Flüge bis in die benachbarten englischen und französischen Kolonien an. Zur Zeit versucht man ihrer in Belgisch-Kongo durch Gift­gase, die von Flugzeugen ausgestreut werden, fierr zu werden. '

N"r eine einzige Querstraße geht durch die Sahara, grob erläutert m Richtung Aegypten Tri- polltanien, Tunesien, Algerien auf Französisch-West- v^ika. Eine Läng s st raße verläuft in Richtung Nord-Sudafrika von Algerien aus ein Stück an der Grenze Marokkos entlang, dürch die Sahara bis nach Franzoflsch-Zentralafrika. Durch Eisenbah­nen sind Engländer und Franzosen von allen Sei­ten bis in die Randgebiete der Sahara vorqestoßen, um aus den größten Oasen die Erzeugnisse tropischer Sonne hervorzuholen. So sind Kleinbahnen, wie ®tr !ie '"Deutschland auch noch kennen nur sind fie hier schmutzig und unbequem, gebaut worden Touristen, die mehr Romantik, als sie eine Klein­bahn vermitteln kann, suchen, können auf Ka­melen weiter Vordringen. Für Rekordsüchtige aber bleibt immer noch das A u t o m o b i l, und seit dem Frühjahr 1935 auch das Flugzeug von Algier nach Mittelafrika ins Niger- und Kongogebiet. Nicht lange wird es mehr dauern, bis Plakate werden verkünden:Auf L-Motor und Y-Reifen Autorennen quer durch die Sahara ..."

Zukunftsträume? Die Sache ist ja schon verwirk­licht! Im nächsten Jahr soll das größte Hin­dernisrennen der Welt über die Wander- sanddünen der Sahara, über die notdürftig herge­stellten Straßen Mittelafrikas, die zum aroßen Teil m der Regenzeit Flußbette bilden, durch Erdnuß- Kakao- und Kaffepflanzungen bis in die Goldminen- diftnkte Südafrikas zur Zielstadt Johannesburg durchgefuhrt werden. Aus Anlaß des 50jähriqen Bestehens des Automobilklubs von Südafrika der

dazu die Unterstützung des Königlichen Automobil« klubs von Großbritannien gewonnen hat. Mit den Vorbereitungen wird bereits begonnen: allein 2000 zusätzliche Wegweiser werden aufgestellt, um den nur kleinen Teil im Verhältnis zur Gesamtstrecke der nördlichen Sahara zu kennzeichnen.

Noch aber stehen die Wegweiser nicht, und des­halb müssen die Touristen, die einen Ausflug in die Sahara machen wollen, sich in engster Verbin­dung mit den zuständigen Militärbehörden halten, die auf diesen vorgeschobenen Posten die Ueberwachung der Pfade haben. Eine bestimmte Menge Wasser und Lebensmittel ist vorge­schrieben, die für eine Strecke von 300 bis 500 Kilo­meter Vorhalten muß. Hiermit schon glaubt man ein gewisses Maß von Sicherheit erreicht zu haben. Es kommt hinzu, daß der Wüstenweg alle 1500 Meter durch rotweiße Schilder auf drei Meter hohen Me­tallstangen gekennzeichnet ist. Trotzdem kommt es noch häufig vor, daß unachtsame Touristen in ihrem Drang nach Erlebnissen auf unbegangene oder un- gekennzeichnete Jagd- und Eingeborenenpfade ge­raten. Auch denen glaubt man noch Hilfe bringen zu können mit den neuesten Errungenschaften der Technik: mit riesigen Leuchttürmen, deren Licht über 140 Kilometer bei Nacht von der Erde aus zu sehen ist, und sogar 20 Kilometer weit bei vollstem Sonnenlicht.

Allerdings sind diese wohl mehr zur Unter­stützung des Flugverkehrs gedacht, der in diesem Frühjahr zwischen Nord- und Mittel­afrika ausgenommen worden ist. Der Flugpreis für diese annähernd 4000 Kilometer lange Strecke be­trägt allerdings über 7000 Franks, also ungefähr 1200 Mark. Bei Inbetriebnahme dieser Linie wird es den Franzosen weniger auf die wirtschaftliche Seite, als auf eine Prestigefrage angekommen sein, im Gegensatz zu der von den Engländern befloge­nen Strecke AegyptenEnglisch-Aegyptischer Su­dan nach Südafrika. Schöner aber ist es, die Sa­hara von der Erde aus kennenzulernen, und sie nicht in größerer Höhe mit 200 bis 300 Stundenkilometer Geschwindigkeit zu überfliegen.

Die Jagd

von der kaufmännischen Seite her gesehen.

Auch wenn amtliches statistisches Material über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Jagd, so wie sie sich in den letzten Jahren seit der neuen Gesetzgebung entwickelt hat, noch nicht vorliegt, so haben wir doch bereits so viel Berechnungen zur Hand, daß man wohl zu einem Urteil und zu einer Darstellung darüber gelangen kann, was die Jagd im Gesamtbau der deutschen Volkswirtschaft bedeutet. Naturgemäß mit der Ein­schränkung, daß sämtliche Zahlen, die vergangenen Zeiten entnommen sind, etwa vor 10 bis"20'Jah­ren, nur mit einem gewissen Vorbehalt angeführt werden können, hat sich doch inzwischen so manches grundlegend verschoben.

Man muß sich überhaupt einmal klar machen, daß die Vorkriegszeit, die Zeit also wachsenden Wohlstandes im deutschen Volk, nicht geeignet war, den einzelnen, und war er noch so passionierter He­ger und Jäger, dazu zu veranlassen, sich mit der wirtschaftlichen Seite der Jagd zu befassen. Das wurde begreiflicherweise erst in der folgenden Not­zeit der Fall, als Kriegsverlust, Revolution und Inflation dazu zwangen, schärfer zu rechnen und alle Hilfsmittel heranzuziehen, die auch nur einen geringen Nutzen zusicherten. So kam man notge­drungen dazu, sich auch rechnerisch mit der Jagd zu beschäftigen und zu überschlagen, welche Bedeutung ihr vom volkwirtschaftlichen Gesichts­punkt aus zukam. Und da gab es überraschende Zahlen.

So liegt z. B. für das Jahr 1910 ein Schätzung des gesamten erlegten Nutzwildes, also ohne Raubwild, vor, es find 22 400 Stück Rotwild, 192 000 Stück Rehwild, 4 Millionen Hafen, 500 000 Kaninchen und 4 Millionen Rebhühner, um nur die wichtigsten Arten zu nennen. Sie stellen zusam­men etwa eine Menge von 20 Millionen Kilo­gramm Wildbret (nach anderer Schätzung sind es 30 Millionen), dar, was genügen würde, um den jährlichen Fleifchbedarf von 600000 Menschen zu decken. Weiter ist der Wert der Decken und Schwarten zu berücksichtigen, der Bälge, der Haare und Wolle, der Geweihe und Gehörne. Es geht in die Millionen.

Eine andere Seite der volkswirtschaftlichen Be­deutung der Jagd ist die Tatsache, daß tausende deutscher Volksgenossen durch sie ihren Le­bensunterhalt finden. Abgesehen von den ge­legentlich darin Beschäftigten, von den Treibern, Fuhrleuten ufw., muß man an die hauptberuflich Erwerbstätigen denken. Eine im Jahre 1907 erfolgte

Berufszählung ergab als in Forst und Jagd hauptamtlich Tätige über 125000, im Ne­benberuf über 65 000, Berufsjäger soll es in Deutschland über 70 000 geben.

Dann die Einwirkung der Jagd auf Ha ndel und Gewerbe. Was braucht der Jäger nicht alles, Kleidung und Schuhzeug, Waf­fen und Munition, Jagdgläser und Fanggeräte usw. Nach Gutachten eines Sachverständigen würden jährlich 8 0 0 00 neue Jagdgewehre ge­braucht. Genaue Aufstellungen über diese Punkte bringt W. Bieger in seinem WerkDie deutsche Jagdwirtschaft". Insgesamt beträgt nach Bieger öer Umsatz von Handel und Industrie auf jagd­lichem Gebiet über 52 Millionen Mark. Er fetzt sich hauptsächlich, um nur die größeren Posten 'anzu­führen, zusammen aus 21 Millionen für Wild- handel, 10 Millionen für Waffen- und Munitionshandel und 9 Millionen auf Kleidung und Schuhzeug. Zu obigen 52 Millionen kommen nach der gleichen Quelle hinzu 28 Millionen für Jagdperfonal, 5 Millionen für Hundezucht, 1 Million für Literatur und Preffe, 17 Millionen für Sonstiges, fo daß insgesamt über 100 Millionen Mark als Gesamtumsatz in Erschei­nung treten.

Unsere Betrachtung wäre unvollständig, wenn sie sich nicht auf den Ertrag aus Jagdscheinen undStempelabgaben (für Abstempelung der Jagdpachtverträge) erstreckte. Es ist allerdings schwierig, hier zu einer auch nur leidlich richtigen Aufstellung zu gelangen, da in den früheren Jah­ren die Gebühren hierfür in den einzelnen deut­schen Ländern verschieden waren. Doch wird man kaum fehlgehen, wenn man etwa 8 bis 9 Millionen hierfür einsetzt. Millionenbeträge sind auch die Ein­nahmen für Verpachtungen von Jagdrevieren; fei es, daß es sich um staatliche, private ober kom­munale handelt. Sachverständige schätzen sie auf 40 bis 50 Millionen ein.

Das ist in großen Umrissen der volkswirtschaft­liche Nutzen der Jagd. Und dabei haben wir absicht­lich bisher kein Wort über den ideellen Nutzen der Jagd verloren. Diese gewaltigen ideellen Werte sind rechnerisch gar nicht zu erfassen, bedeuten sie doch für den deutschen Jäger eine Quelle ständiger Krafterneuerung, einen Jungbrunnen, aus dem er immer wieder neue Kräfte sammeln kann für fei­nen Beruf, für feine Pflichten im Dienst für Volk und Vaterland.

Geschichten ans aller Welt.

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Flaschenpost

meldet Schiffbruch vor 150 Jahren.

(ma) Tokio.

Eine Flaschenpost, die kürzlich der Fischer Fukufh an der Küste von Hiratatomura bei Aomori im Norden von Honshu aufgefischt hat, gibt Kunde von einem Schiffbruch, der sich vor 151 Jahren ereignete und in dessen Verfolg 45 japanische Schiffbrüchige auf einer unbewohnten Südseeinsel elendiglich um­gekommen sind.

Nach der Mitteilung dieser Flaschenpost, die ein gewisser Chunasuke Matsuyama geschrieben hat, ist er der letzte Ueberlebende eines Schiffes gewesen, das unter Führung eines Adligen 1784 in See stach, um irgendwo im Norden eine Schatzinsel aufzu- fuchen. Die Expedition hatte 45 Mitglieder, war aber vom zweiten Tage an schon von Unglück ver­folgt. Das Segelschiff geriet in schwere Stürme, wurde nach Süden abgetrieben und strandete an einem unbekannten und unbewohnten Eilande. Einer nach dem anderen von der Besatzung starb, bis bloß noch Matsuyama und der Schiffszim­mermann übrig blieben. Mit feiner letzten Kraft zeichnete Matsuyama die Geschichte ihres Schicksals auf ein Stück Holz auf, brachte es in eine Flasche hinein und gab diese als letztes Lebenszeichen der Fünfundvierzig den Fluten des Ozeans preis.

Was in Amerika der Schnupfen kostet.

A. Bl. Washington.

Ein Professor der Universität von Illinois hat ausgerechnet, daß das Niesen, die Erhältungskrank- heiten aller Art, hauptsächlich aber der Schnupfen, die Vereinigten Staaten in diesem Winter schätzungsweise 100 Millionen Dollar kosten wird. Den größten Teil dieser Summe nehmen Arzt­kosten und ausgefallene Lohnstunden in Anspruch.

Nach der Statistik verlieren nämlich im Lauf eines Winters nicht weniger als zwei Millionen Arbeiter je acht Tage Arbeitszeit, weil sie erkältet find.

Nicht eingerechnet in die Riesensumme von 100 Millionen Dollar sind die Verluste, die die Nation dadurch erleidet, daß die Sterbeziffer während der sogenannten Erkältungsmonate um 80 000 steigt. Unter diesen Umständen hält der Professor es für unbedingt erforderlich, daß das Volk besser als bis­her über die Gefahren der Erkältungserkrankungen und über die Möglichkeiten der Vorbeugung unter­richtet wird.

Küfsen verboten!

(N. a. A.) Istanbu l.

Den Insassen der türkischen Gefängnisse ist vor kurzem untersagt worden, ihre Verwandten wäh­rend der Besuchsstunden zu küssen. Man hat näm­lich in einer ganzen Reihe von Gefängnissen ent­deckt, daß die Gefangenen regelmäßig mit Opium und allen möglichen anderen Drogen versorgt wor­den waren. Die Gefängnisse wurden genau über­wacht, ohne daß es zunächst gelang, den Weg fest- zustellen, auf dem die Drogen eingeschmuggelt wur­den. Schließlich stellte man durch einen Zufall fest, daß die Gefangenen die Rauschgifte von ihren Ver­wandten in kleinen Glastuben während eines Kusses zugeschoben wurden.

Seit 107 Jahren die gleiche Speisenfolge.

(-) London.

Unter den vielen Klubs, die in London zu finden find, gibt es auch einen, der den bezeichnenden NamenGenügsame Münder" führt. Die Mitglieder reden nicht viel. Aber sie essen auch nicht viel, jeden­falls nichts Absonderliches. Sie kommen allabendlich zusammen. Einmal im Monat haben sie ein gemein­sames Essen. Auf dieses Essen kommt es an. Seit 107 Jahren wird nämlich immer das gleiche Menü

Schach-Ecke.

Gearbeitet von F. Sämisch

E. Löbel

Schwarz: Kh4, Beb. g3, h6 (4)

a b c d e f g h

a b c d e f g h

8

8

5

5

3

3

2

2

Weiß: Ke4, Tg6, Se8, Be5, g2 (5) Weiß setzt in drei Zügen matt

Philipp Klett

Schwarz: Kd5, Bb6, b5, d7. eb (5)

6

5

8

7

4

3

2

d

8

2

6

5

4

3

a b

Weiß: Kd3, Del, Sc8, Bb4, d6 (5) Weiß setzt in zwei Zügen matt

Lösung

H. Wiekowiak. Weiß hält unentschieden. Weiß: Ke3, Be5, g6, g4 (4); Schwarz: Kh8, Lg8, Sgl (3).

1. e5e6 Lg8Xe6 2. Ke3f2 Sglh3 3. Kf2g3 Sh3g5 4. Kg3f4 Sg5h3 5. Kf4g3 Sh3gl 6. Kg3f2, und der weiße König kann den schwarzen Springer so fortgesetzt jagen.

Lösung

G. A. Iohannson. Matt in drei Zügen. Weiß: Ke2, Dal, Lb2, Sc8, Ba7, d6 (6). Schwarz: Ka8, Ba2, b7, b4, b3. e4 (6).

1. Lb2h8 b3b2 2. DalXa2 (droht Sb6 matt) b7b5 3. Da2d5 matt; 1. . . . b7b5 2. Dalg7 nebst 3. Sc8b6 matt; 1. . . . e4e3 2. Lh8b2 b7b5 3. Dalhl matt.

Oie Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedaktionStisch.

3m Münchener hosbräuhaus.

In derSchwemme" sitzt ein Münchener, dem die Kathi gerade eine Kalbshaxe hinstellt, die von einem Elefanten zu stammen scheint.

Neidvoll und staunend betrachten die Fremden den Segen, und ein Herr aus der norddeutschen Tiefebene fragt:

Sagen Se mal, Herr Nachbar, wollen Sie die Haxe allein essen?"

Na, na, nöt alleinig. I kriag ja noch Knödel dazua."

Die Landplage.

Unter den Kamerherren König Friedrich Wil­helms IV. befand sich ein Herr von Kleewitz, der nicht über die Gabe des Humors verfügte. Eines Abends wurden bei geselligem Beisammen­sein Rätsel aufgegeben, und ein boshafter Gast fragte:

Das erste fr^t das Vieh, das zweite hat er nie, das Ganze ist eine große Landplage."

Herr von Kleewitz hatte die Lösing des Rätsels als erster gefunden, wurde sehr wütend und fuhr den Tischgenoffen an. Der antwortete a> er in aller Ruhe:Die Lösung heißt Heuschreck. Oder waren Sie anderer Meinung, Herr von Kleewitz?"

kleines Mißverständnis.

Der große norwegische Dichter Henrik Ibsen hat sich längere Zeit in Italien aufgehalten; er liebte es, das Land nach allen Richtungen zu durchstreifen und feine Entdeckungen auf eigene Faust zu machen. Auf feinen Wanderungen in der Umgegend von Rom kam der Dichter nun eines Tages an ein kleines Dorf und versuchte die Inschrift zu entzif­fern, die sich auf dem am Kreuzweg stehenden Weg­weiser befand. Die Tafel war aber sehr hoch an­gebracht, und der kurzsichtige Ibsen hatte Mühe, die Buchstaben zu erkennen. Schließlich bat er eigen vorübergehenden Bauern, ihm die Inschrift vorzu­lesen.Ich will Ihnen nichts vormachen", antwor­tete dieser treuherzig,ich kann auch nicht lese n."

Jia, und...?

Paulchen, 6 Jahre alt, hat Geburtstag. Der Vati kommt und wünscht ihm alles Gute.

Na und..." meint da Paulchen,hast du fein Gedicht gelernt?"

serviert. In der Klubküche wird überhaupt nichts anderes hergestellt. Es gibt: Austern, Schildkröten­suppe, einen gekochten Fisch, ein Stück Hammel­fleisch und Vanille-Eis.Revolutionäre" wollten diesen Speiseplan ab und zu ein wenig ändern. Doch die alten Mitglieder hielten daran fest. So­lange London und der Klub derGenügsamen Münder" bestehen, wird dieses Menü auch nicht geändert werden. So 'wurde es jedenfalls auf der letzten Vorstandsfitzung beschlossen.

Dem Andenken der Pawlowa.

E. Bl. Southampton.

Am 23. Januar, dem fünften Jahrestag des Todes der Pawlowa, finden in London, der letzten Wahl­heimat der großen russischen Tänzerin, mehrere Ge­denkfeiern statt. Unter anderem soll ein Film ur­aufgeführt werden, der aus allen alten Filmen, die je von der Pawlowaaufgenommen wurden, zu- fammengeftellt worden ist.

Die Pawlowa wird übrigens die erste Tänzerin sein hie an einem öffentlichen Platz ein Denkmal erhält. Der britische Bildhauer Carl Milles hat eine S'atue der Tänzerin entworfen. Der Entwurf wurde dem König und dem Office of Works vor- gelegf und von diesen gebilligt. Das Denkmal, das im Sommer fertig werden wird, soll im Regents V rk aufgestellt werden.

Walfischdenkmal in Tromsö.

B. D. Oslo.

Der Stadtrat von Tromsö hat beschlossen, am Hafen ein großes Denkmal zu errichten, das einen Walfisch in Lebensgröße zeigt. Der Grund zu die­sem seltsamen Beschluß liegt darin, daß der Wal- fischfang in den letzten Jahren immer lohnender geworden ist. und daß Tromsö den Tieren einen auch in der Krisenzeit ständig wachsenden Wohlstand verdankt. Einheimische Künstler sind bereits aufge- foröert worden, Entwürfe für das Walfischdenkmal, das aber 20 Meter Länge nicht überschreiten soll, bei einer Prüfungskommission einzureichen.

Gehl's dem Concierge an den Kragen?

(z) Paris.

Man beginnt eine peinliche Attacke zu reiten gegen eine fast geschichtliche Ueberlieferung in Pa­ris. Dieses Unternehmen soll der Ermittlung dienen, was eigentlich diese Hunderte und Tausende von Concierges, die Pförtner der großen Mietshäuser, den ganzen Tag tun und zu welchem Zweck sie überhaupt da sind. Man hat ihre Existenz bislang widerspruchslos und aus Furcht vor ihrem Groll erduldet. Aber jetzt geht die Jugend wahrhaftig daran, den Begriff dieses Concierge zu erschüttern.

Man hat herausgefunden, daß eigentlich ein sol­cher Concierge ein Ueberbleibsel aus dem 13. Jahr­hundert ist. Damals hatten nämlich die Könige von Frankreich gleich neben ihren Palästen auch die Ställe. Diese Ställe und Schuppen für die könig­lichen Kaleschen unterstanden aber einem besonders bewährten Soldaten. Später teilte man dieses Amt noch auf und nahm für alle Luxusgegenstände, die im Palast untergebracht waren, oder für die Reise eines Königs mit in Frage kamen, einen besonderen Mann, der kurzum derComte des Cierges oder ebenConcierge hieß. Als später dann aus jenen Lagerräumen und Ställen Staatspaläste wurden, blieben die Concierges darin wohnen und ent­wickelten sich zu jenen Wesen, die heute jeder Pa­riser haßt.

Man versichert, daß ein solcher französischer Con­cierge eine Kreuzung fei zwischen dem Empfangs­chef des elegantesten Neuyorker Hotels und einer größenwahnsinnig gewordenen Primadonna. Seine

ganze Tagesbeschäftigung bestehe darin, daß er nach dem Frühstück 20 Minuten lang mit einem Staub­wedel durch das Haus gehe, den Rest des Morgens aber die Post der Einwohner' verteile und einer sorgsamen Zensur unterziehe, den Nachmittag über die Zeitung lese und nachts nur schimpfend und gegen das nötige Trinkgeld den spät heimkeh­renden Einwohnern die Tüp öffne. Die schlechte Laune und die Melancholie eines solchen Con­cierges erkläre sich daraus, daß er nichts zu tun hat, ja, daß er seit dem Jahre 1300 überhaupt noch nie etwas Vernünftiges getan habe. Daran ändere auch nichts die Tatsache, daß er in einer großen Organisation mit den übrigenLeidens- genoffen" zusammengefaßt fei und sogar ein Fach­organ besitze, das allesRecht verteidige und Nöte abzustellen bemüht bleibe".

Aus diesen Gründen wird man verstehen, daß der Kampf gegen die Concierges rasch in Paris an Boden gewinnen würde, wenn die einzelnen Ein­wohner do' diesem Hausdrachen nicht eine solche Angst hätten und klein und häßlich nachgeben wür­den, sobald es wirklich zu einem Feldzug gegen die Concierges käme ...

Der Sonderling.

(k) Brüssel.

Der Buchhalter ' Jean Mercier hatte niemals etwas mit Gesetzen zu tun gehabt. Aber jetzt über­führte man ihn, 15 ÖOO belgische Francs aus einer Kasse entnommen zu haben. Er stand also vor dem Richter. Man fragte ihn nach dem Warum und Wofür und erfuhr die erstaunliche Geschichte eines Menschen, der nicht Nein sagen konnte:

Bei allem, was mir heilig ist ich habe keinen Centime dieses Geldes für mich verbraucht. Ich habe alles nur den Bettlern gegeben. Wenn ich von einem Bettler angefprochen wurde, konnte ich nicht Nein sagen. Ich gab ihm etwas. Allmählich fanden sich immer mehr Bettler auf meinem Weg ein. Ich mußte mehr und mehr Geld für diese armen Men­schen herbeischaffen. Drei Jahre lang habe ich für sie gestohlen ..."

Man tjat Merciers persönliche Verhältnisse, seine Lebensweise, seinen Ausgaben-Etat geprüft. Es ist wirklich so gewesen: er hungerte fast, um auf feinem Weg zum Büro allen Bettlern etwas schenken zu können...

Der Klub des letzten Mannes."

(E. A. bl.) Neuyork.

Vor wenigen Tagen starb hochbetagt in einem Altersheim in Minnesota Charles W. Lockwood, der unwiderruflich Letzte vomKlub des letzten Mannes". Dieser Klub hatte in Amerika na­tionale Berühmtheit erlangt, und der Heimgang seines letzten Mitgliedes ruft die Geschichte eines Bundes ins Gedächtnis zurück, der in feiner Art einzig in der Welt dastand.

Im Jahre 1884 gründeten Veteranen des Bür­gerkrieges von der Kompanie B des 1. Regiments Minnesota" einen Verein. Das Reaiment war 1861 in Stillwater gebildet worden und hatte an vie­len Schlachten des Bürgerkrieges teilgenommen, u. a. auch an der bekannten Schlacht von Bull Run, wo die Bundestruppen eine schwere Schlappe er­litten. Die 34 Veteranen trafen sich regelmäßig am Jahrestage dieser Schlacht, also jeweils am 21. Juli. Bei der Gründung ihres Vereins hatte einer eine Flasche alten Burgunders gestiftet, und zwar unter der Bedingung, daß die Flasche erst auf der letzten Tagung geöffnet und getrunken werden solle. Wenn die alten Krieger bei ihrem jährlichen Liebesmahl beisammen saßen, wurde stets auch diese Flasche feierlich hereingetragen und auf den reich