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AmerikaplantdiegrößteLustflottederWelt

Ausbau der Lustverteidigung innerhalb von drei Jahren.

saft in eine schiefe Lage geriet. Aber der Eid- genosse.lschaft schien mit vollem Recht die Gefahr größer, die dem inneren Frieden des eigenen Lan­des aus der durch das Zusammenwirken von Sow­jetregierung und kommunistischen Internationale erst so schlagkräftig werdenden revolutionären Pro­paganda erwachsen mußte.

Eine erhebliche Rolle spielen die Beziehungen zu Sowjetrußland auch in dem gegenseitigen Verhält­nis der Staaten der Kleinen Entente. Die Tschechoslowakei hat sich nicht gescheut, ana­log dem französisch-sowjetrussischen Bündnis einen Militärvertrag mit Moskau zu schließen, der offen­bar der Roten Armee und besonders ihrer Luft­waffe weit nach Westen vorgeschobene Aufmarsch­gebiete und Stützpunkte sichert und zudem noch von Polen bei dem ohnehin sehr gespannten Verhält­nis zur Tschechoslowakei als gefährliche Zange peinlich empfunden wird. Rumänien hat Jahre hindurch gezögert, mit der Sowjetunion in direkte Beziehungen zu treten, da es sich im Besitz Bessara­biens nicht sicher fühlte und S ü d s l a w i e n, dessen Königshaus besonders freundschaftliche Beziehungen zu den ermordeten Romanows unterhielt (sowohl König Alexander wie der Prinzregent Paul haben ihre militärische Erziehung am Zarenhof erhalten) und das ganzen Kolonien weißrussischer Offiziere der Wrangel-Armee ein Asyl bietet, hat bis heute die Anerkennung des bolschewistischen Regimes ab­gelehnt. Wir sehen also das Verhältnis zu Sowjet- rußland ist auch nach dessen Aufnahme in den Völkerbund ein Problem geblieben, das zumindest äußerst strittig ist, und das kleine Uruguay hat, als es dem Sowjetgesandten seine Pässe zustellte, wohl gewußt, daß es nur eine schon sehr fragwür­dige Freundschaft aufgab, um Ruhe im eigenen Lande und das Vertrauen seiner Nachbarn zu ge­winnen, von denen sowohl Argentinien wie jetzt auch Brasilien den Segen bolschewistischer Propaganda, aus der Sowjetgesandtschaft von Montevideo exportiert und finanziert, am eigenen Leibe zu spüren bekommen haben. Es ist zu hof­fen, daß die von Sowjetrußland sehr selbstsicher in Genf anhängig gemachte Beschwerde dazu führen wird, noch einmal die ganze Kraßheit der Gefahr zu beleuchten, die in der Vereinigung weltrevolutio- närer Propaganda mit den staatlichen Machtmitteln einer Weltmacht in einer Hand liegt, wie wir es in dem bolschewistischen Regime in Rußland durch­geführt sehen.

Man wird allerdings nicht erwarten dürfen, daß Frankreich aus dem Zwischenfall von Monte­video eine Lehre zieht. Die französische Regierung betrachtet ihr Bündnis mit der Sowjetunion so aus­schließlich aus machtpolitischer Perspektive, daß sie die Schattenseiten der kommunistischen Propaganda und ihre Rückwirkungen auf die innere Politik Frankreichs geflissentlich übersieht, von Moral und Weltanschauung ganz zu schweigen. Denn so häufig man auch gerade in Paris das Wort von der europäischen Solidarität im Munde führt und vorgibt, der kollektiven Sicherheit des Friedens alles andere unterzuordnen, so sehr widerspricht dem die seit Versailles betriebene Bündnispolitik Frank­reichs, die, nachdem die Vereinigten Staa­ten sich der französischen Garantieforderung ver­sagt hatten und auch die Entente mit England nicht im alten Umfang wiederhergestellt werden konnte, mit Hilfe Polens und der Kleinen Entente Frankreichs Hegemonie auf dem Fest­land gegen Revisionsgelüste Deutschlands und Jta- liens mit Sowjetrußland im Hintergrund zu schützen suchte. Als dieses System aus vielerlei Gründen brüchig zu werden drohte, suchte Barthou eine neue Mauer gegen die lebendige Entwicklung zu errichten durch das Militärbündnis mit Sowjetrußland, dem sich die Tschechoslowakei anschloß, und durch den von ihm geplanten, von seinem Nachfolger Laval durchgeführten Aus­gleich mit Italien. Laval hat zwar eben erst bei der Verteidigung seiner Sanktionspolitik gegen seine innerpolitischen Gegner von links die starke Belastung zu spüren bekommen, die das Bündnis mit dem Moskauer Bolschewismus für seine Re­gierung bedeutet .Er hat auch vor dem Weihnachts­fest in Berlin erklären lassen, daß der Vertrag mit Sowjetrußland gegen keinen dritten Staat gerichtet sei und ausschließlich der kollektiven Sicherung des Friedens dient (ein Schlagwort, mit dem man heute in Paris alles und jedes begründet), aber der Eindruck bleibt, daß sich die französische Politik aus den verhängnisvollen Gedankengängen der Vor­kriegsmentalität nicht zu lösen vermag, die in dem Sichgegenüberstehen von bis an die Zähne bewaff­neter und durch ein System fast automatisch wir­kender Bündnisse schicksalhaft aneinandergeketteter Mächtegruppen die einzig wirksame Möglichkeit einer Bewahrung des Friedens sieht, was heute für Frankreich immer gleichbedeutend ist mit der Sicherung des in Versailles geschaffenen Zustandes.

Laval hat zwar in seiner letzten großen Rede vor der französischen Kammer Andeutungen ge­macht, die auf den Wunsch schließen lassen könnten, das deutsch-französische Verhältnis auf eine sichere, von Mißtrauen und Besorgnis freie Grundlage zu stellen. Auch der Präsident der Republik hat beim traditionellen Neujahrs­empfang im Elysee davon gesprochen, daß der Friedenur durch eine dauerhafte und vertrauens­volle Zusammenarbeit wirklich gesichert" werden könne, und Frankreichs Botschafter in B e r l i n hat dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß öiefühlbare Verbesserung der deutsch-französischen Beziehungen", die das verflossene Jahr gebracht hätten, sich weiter entwickeln und festigen möchten. Das sind zweifellos Anzeichen einer für den Ver­such einer Verständigung nicht ungünstigen Atmo­sphäre, die beachtet werden wollen. Aber es muß doch nachdenklich stimmen, wenn zur selben Zeit britische Blätter von einem Pariser Plan wissen wollen, der die aus dem aktuellen und besonderen Anlaß des Abessinienkonflikts und der Sanktionen gegen Italien erforderlich gewordenen militä­rischen Besprechungen z w i s ch e n Frank- reich und England auch auf künftige Fälle a u s d e h n e n möchte, in denen Frankreich sich von Osten her bedroht sehen könnte. Gemeint ist damit natürlich nur Deutschland, das im übrigen, da es nicht mehr Mitglied des Völkerbundes ist, auch mit irgendwelchen Sanktionen nicht das geringste zu tun hat und auch nichts zu tun haben will, das aber nach wie vor voll und ganz zum Locarnopakt steht, der ja die deutsch-französische Grenze gegen leben Angriff sichert und dessen Ergänzung durch ein Luftabkommen der Locarnomächte Deutschland ja schon seit langem vorgeschlagen hat, ohne aller­dings damit gerade in Paris auf viel Gegenliebe gestoßen zu sein. Die britische Regierung hat nun amor die Gerüchte von einer Ausdehnung der Be- sprechungen über eine gegenseitige Unterstützung über den besonderen Fall des Abessinienkonflikts hinaus dementiert. Aber der Gedanke ist nicht von der Hand zu weisen, daß Frankreich auch künftighin versuchen wird, aus der für England einigermaßen prekären Situation zu profitieren, indem es den Spieß umdreht und auf bte britischen Unter-

Washington, 3. Jan. (DNB.) Nach einer Konferenz des Generalstabschefs Malin Craig und des Vorsitzenden des Militärausschusses des Abgeordnetenhauses, M c S w a i n , wurde be­kannt, daß der amerikanische Generalstab die Schaf- funa dergrößten Luftflotte der Welt" beabsichtigt. Das gesamte Luftaufrüstungsprogramm soll 525 Millionen Mark kosten, und zwar hat Kriegsminister Dem den Bau von 8 0 0 Flug­zeugen jährlich für eine Zeit von drei Jahren vorgesehen. General Craig erklärte jedoch, daß die jährliche Erhöhung der Luftstreitkräfte um 800 Flugzeuge noch keineswegs eine ange­messene Luftverteidigung für die Ver­einigten Staaten bedeute. Das Kriegsministerium verfugt zur Zeit nur über einen Rüstungsfonds von 17 500 000 Dollar. Davon ist bereits ein Kon­trakt für 100 Bombenflugzeuge im Wert von 2,5 Millionen Dollar vergeben worden. Die zur Durch­führung des neuen Bauprogramms jährlich erfor­derlichen 70 Millionen Dollar müßten vom Kongreß bewilligt werden. Es unterliegt feinem Zweifel, daß dieses Programm im Kongreß viele Anhänger finden wird.

In diesem Zusammenhang interessiert auch fol­gende Erklärung von McSwain:Die Luftstreit­kräfte müssen stets in Bereitschaft sein. Wir müssen nicht innerhalb von 24 Stunden auf sie zurückgreifen können, sondern innerhalb von 6 0 Minuten, wenn es einmal darauf ankommt. Wenn wir eine gut ausgerüstete und wirksame Luft­flotte haben, so wird das eine Garantie gegen den Ausbruch von Feindseligkeiten sein. Die Tatsache allein, daß wir eine solche Flotte besitzen, wird den anderen Nationen genügen, um nicht auf unsere Zehen zu treten."

England zur Botschaft Roosevelts

Die Rückwirkung auf die Sanktionen.

London, 4. Jan. (DNB. Funkspruch.) Die in England mit Spannung erwartete Botschaft Roose­velts an den Kongreß wird von den Morgenblät- tern in langen Auszügen und unter großen Schlag­zeilen, jedoch vorläufig ohne Kommentar wieder- gegeben. Das englische Interesse bezieht sich beson­ders auf das neue Neutralitätsgesetz und dessen Rückwirkungen auf die Sühnepolitik. Der Washingtoner Berichterstatter desDaily Tele­graph" hält für besonders wichtig die Feststellung,

stützungsforderungen nun seinerseits mit Wünschen antwortet, wie sie eben in der britischen Presse er­örtert wurden und darauf hinausliefen, daß Frank- reich, wenn es für den Fall eines Sanktionskrieges Truppen von feiner Ostgrenze in das Alpengebiet verschieben müsse, es auch die Gewißheit haben wolle, daß britische Truppen den Schutz der fran­zösischen Nordostgrenze mitübernehmen würden.

Wenn uns auch an sich solche und ähnliche Er­örterungen kalt lassen können, da wir ein gutes Gewissen haben und nicht die geringste Lust ver­spüren, die weltpolitischen Spannungen irgendwie zu vermehren, so offenbaren doch die der französi­schen Regierung zugeschobenen Pläne eine Einstel­lung, die sich nicht im geringsten von der altüber­kommenen Linie Barthouscher Machtpolitik unter­scheidet und herzlich schlecht zu einer vertrauens­vollen Zusammenarbeit paßt, die nach den Worten des Präsidenten Lebrun den Frieden allein wirklich sichern kann. Will man in Frankreich noch immer nicht begreifen, daß nur eine offene Aussprache mit Deutschland den Wall von Argwohn und Miß­trauen, der zwischen beiden Nationen steht, ab­tragen kann, daß aber militärische Abreden und Bündnisse im Vorkriegsstil nur den Alpdruck ver­größern müssen, den alle wahren Friedensfreunde schmerzlich empfinden? Der Führer und Reichskanz­ler hat auch für die anderen Nationen, die ehrlich nach einem neuen Verhältnis zum nationalsozia­listischen Deutschland suchen, den Wegweiser aufge­richtet. Er kann nur in vertrauensvoller Aussprache miteinander zu einer ehrenhaften Verständigung gleichberechtigter Völker führen, die die Lebens­interessen beider Partner gleicherweise sicherstellt. Wird man im neuen Jahre auch in Frankreich er­kennen lernen, daß nur dieser vom Führer gewie­sene Weg den europäischen Frieden in Wahrheit sichern kann?

Reue^riedensvorMa'aeLavals?

London, 4. Jan. (DNB. Funkspruch.) Der Pa­riser Berichterstatter derNews Chronicle" will von ehr gut unterrichteter Seite erfahren haben, daß Laval neue Friedensvorschläge ausarbeite. Dies tue er, meintNews Chronicle",auf eigene Fauft" und lediglichzur Rettung der Fas- a d e". Laval sei verzweifelt bemüht, die An­wendung von O e l s ü h n e m a ß n a h m e n gegen Italien zu verhindern. Den neuen Friedensplan werde er der Völkerbundsratssitzung am 20. Januar vorlegen. Zuvor werde er sich aber der Übereinstimmung Mussolinis ver- ichern und auch mit London Rücksprache nehmen. Nach der Rückkehr Lavals von seinem Er­holungsaufenthalt in der Auvergne sei mit der Auf­nahme einer großen diplomatischen Tätigkeit zwi- chen Paris, Rom und London zu rechnen.

Zu den Besprechungen der General- t ä b e in Paris schreibtStar", daß bei diesen Besprechungen eine beträchtliche Panne einge­treten sei. Die Franzosen hätten gewisse politische Fragen aufgeworfen, die von d.en englischen Sach­verständigen nach London geschickt worden seien. Hier habe man ihnen vorläufig die Anweisuna er­teilt, sich zurückzuhalten, bis das britische K a - binett entschieden habe. In der Tat gingen einige dieser französischen Vorschläge soweit, daß ie dem Abschluß eines französisch-eng- lischen Luftpaktes gleichkämen, ohne daß Deutschland bei der Festsetzung der einzelnen Bestimmungen auch nur gefragt werde, ob­wohl man vielleicht Deutschland auffordern würde, dem Pakt beizutreten, wenn es das wünsche. Man glaube daher nicht, daß die britische Regierung diesem Verfahren hinter dem Rücken Deutschlands zustimmen würde, weil das die Hoffnung aufgeben hieße, daß ein echtes Luft-West-Locarno zustandekäme.

Die volnW-Iitam'^e Gvammng

Warschau, 4. Jan. (DNB. Funkspr.)Kurjer Poranny" faßt in einem Artikel feines Kownoer Be- nchterstatters sein Urteil über die polnisch-litauischen Beziehungen darin zusammen, daß heute der über- wiegende Teil der litauischen Oeffentlichkeit in her Anlehnung an die Sowjetunion die elnzrge Sicherheit für die Unabhän-

daß ein amerikanisches Ausfuhrverbot von Kriegs­materialien nicht nur gegen denAngreiferstaat", sondern gegen alle kriegführenden Staaten gerichtet sein würde. Im Falle eines Konfliktes zwischen England und Italien würde das amerikanische Ausfuhrverbot also auch auf Großbritannien ausgedehnt werden. Nur durch eine Sondergesetzgebung könne die amerikanische Regierung in die Lage versetzt werden, das Ausfuhrverbot für den einen ober an­deren der kriegführenden Staaten aufzuheben.

Reuter meldet aus Genf, in Völkerbundskreisen sei man der Auffassung, daß die Vorschläge Roose­velts ein Oelausfuhrverbot durch den Völkerbund erleichtern. Auch das Oppo­sitionsblattDaily Herald" meint, der Völkerbund könne nicht mehr zögern, wenn die Vereinigten Staaten das Oelausfuhrverbot zur Tatsache werden lassen. Die sanktionsfeindlicheDaily Mail" hin­gegen betont, der Zwiespalt der Meinungen in der Frage der Oelsühnernaßnahrnen habe sich derart verschärft, daß es zweifelhaft fei, ob dem Völ­kerbundsrat am 20. Januar überhaupt irgend ein Vorschlag für ein Ausfuhrverbot vorgelegt werde. Sollte aber ein Plan vorgebracht werden, so halte man es für unwahrscheinlich, daß er von irgend einer der wichtigeren Mächte unterstützt wer­den würde.

ORom gegen eine tendenziöse Berichterstattung.

Rom, 3. Jan. (DNB.) In Italien wird mit Be­dauern von den tendenziös übertriebenen ober völ­lig falschen Meldungen Kenntnis genommen, die über den italienischen Feldzug in Abessinien in ausländischen Blättern erschienen sind. Es wird dementiert, daß Ras Gugsa von den Italienern standrechtlich erschossen worben sei. Ebenso werden die Nachrichten als falsch bezeichnet, wonach die italienischen Truppen im Schiregsbiet koptische Kir­chen niedergebrannt hätten. Es wird auf die sich häufenden barbarischen Grausamkeiten hingewiesen, die an den italienischen Ge­fangenen in Abessinien begangen werden. Man weist auf die Notwendigkeit hin, schärfste Ver­geltungsmaßnahmen zu ergreifen, bei denen vielleicht auch die modernsten Waffen des chemischen Krieges Verwendung finden könnten.

gigkeit Litauens sehe. Keine litauische Regie­rung, die auch auf die Stimmung der Massen Rück­sicht nehmen wolle, werde eine Normalisierung der Beziehungen zu Polen einleiten, falls Polen irgend­welche, wenn auch noch so geringe Zugeständnisse an Litauen mache. Da aber solche Zugeständnisse unter keinen Umständen in Frage kämen, gerieten die pol­nisch-litauischen Beziehungen in eine Sackgasse.

Das wahre Gesicht des Flüchilinasproblems.

London, 3. Jan. (DNB.) In dem Organ der Nationalen ArbeiterparteiThe News Letter" nimmt H. P. Matthews das Rücktrittsschreiben des Genfer Flüchtlingskommissars Macdonald zum An­laß, um die Aufmerksamkeit der Welt auf die Flüchtlinge aus Sowjetrußland. A r - menien und anderen Ländern zu lenken. Diese Frage sei, so schreibt Matthews, viel weitrei­chender und ernster als das Problem der deutschen Emigranten.

800 000 Russen mußten nach dem Ausbruch der russischen Revolution ihre Heimat verlassen. Darü­ber hinaus sei der Völkerbund für die 170 000 Ar­menier verantwortlich. 25 000 bis 40 000 Assyrer verliehen den Irak nach den Massenmorden 1933/34. Für einen großen Teil dieser Flüchtlinge sei auch heute noch keine bleibende Heimstätte gefunden.

Für die Emigranten aus dem Saarge­biet seien die Franzosen besonders verantwort­lich, da Frankreich so viel dazu beigetragen habe, die Agitation für den Status quo an der Saar zu unterstützen. Bei weitem das ernsteste Problem sei jedoch die Frage derjenigen Flüchtlinge, die bereits in Frankreich seßhaft geworden feien und bei Verlust ihrer Arbeit ausgewiesen wurden. Hiervon würden in erster Linie die vielen ©pa­nier, Italiener, Polen und die früheren Angehörigen der Wrangelarmee betroffen, die nach dem Kriege in großen Scharen nach Frank­reich ausgewandert seien. Die Maßnahmen zum Schutze der französischen Arbeit hätten dazu geführt, daß die Erneuerung der Arbeitserlaubnis für viele verweigert wurde, die schon «eit zehn o d e r m e h r I a h r e n in ^ranEreid) tätig seien. Aus den geringfügigsten Anlässen würden Ausweisungen ausgesprochen, im Weigerungsfälle würden die Emigranten ins Gefängnis geworfen. Das fei das Problem, vor dem der Völkerbund stehe.

Hungergehälter für fowietruMche Erzieher.

Moskau. 3. Jan. (DNB.) DieKomsomolskaja Prawda" führt Beschwerde über die Gehälter der Professoren ayi Pädagogischen Institut Moskau. Die Monatsgehälter an dieser Erziehungsanstalt be­tragen 48 bis 175 Papierrubel. Nur ein einziger Professor erhält ein Monatsgehalt von 247 Papier­rubel (1 Papierrubel = 0,48 RM.) Die Zeitung bemerkt dazu, daß die Lehrkräfte unter solchen Um­ständen gezwungen seien, gleichzeitig an ver­schiedenen Stellen zu arbeiten, soweit sich eine Gelegenheit hierfür biete. Die Kaufkraft der erwähnten Gehälter läßt sich danach beurteilen, daß z. B. ein Pfund Fleisch fünf Rubel kostet. Unter diesen Umständen erscheint es seltsam, wenn dieJswestija" am gleichen Tage einen Leitartikel dem Kampf gegen das Änalphabeten- t u m widmet und feststellt, daß bei den Sowjetbe­hörden oft bie einfachsten Schulkennt­nisse fehlten.

Senifdo« en ^önia II.

Athen, 3. Jan. (DNB.) Veniselos hat durch Vermittlung des früheren Ministers Rufos dem König zum Jahreswechsel seine Glück­wünsche ausgesprochen. Veniselos brachte den Wunsch zum Ausdruck, daß sich unter der Herr- schäft Georgs II. dasRegime der gekrön­ten Demokratie" so festigen möge, wie es Griechenland unter der Herrschaft Georgs I. kennen- gelernt habe. Auf diese Weise werde die nationale Einheit, die seit 20 Jahren erschüttert worden sei, wiederhergestellt werden, und das Land werde dem König dankbar fein.

Oie politische Sprache.

Von Heinz Bickendors, Leiter des politischen Amtes der Gauleitung Aeffen-Naffau.

Der Nationalsozialistische Gaudienst Hef. sen-Nassau veröffentlicht folgenden Aufsatz:

Die heutige Generation stand vor der entschei­denden Frage nach Leben ober Tod des deutschen Volkes. Die Wirrnisse seit 1914, die sich in das Leben jedes einzelnen Volksgenossen hineindrängten, waren so riesengroß, daß sie in ihrer ganzen Be­deutung nur von wenigen erfaßt wurden. Der E i n- deine sah in der Regel nur die Auswirkungen in seinem eigenen Dasein. Er, der einzelne, ging an die Front, sein Bruder fiel, sein Kind erlag dem Hunger und der Grippe, er verlor durch die In­flation fein Vermögen, er wurde arbeitslos, einer seiner Freunde verübte Selbstmord, ein anderer agitiert für die KPD., sein Sohn ging in die SA. Die Zeitungen schrien ihm, dem einzelnen, zu, daß eine Wahl sei, und daß er Herrn X von der V-Par- tei wählen müsse, um die Not zu wenden. Der Rundfunk verwirrte ihn mit bisher nicht gehörten Tönen, die man moderne Musik nannte, das Kino versuchte, ihm durch das tragische Schicksal der am Traualtar verstoßenen schönen Marie-Luise Tränen zu entlocken.

Diesem Chaos stand der einzelne hilflos gegen­über. Er fühlte, daß hier irgendetwas, irgendeine Macht am Werk war, die ihn vernichten wollte. Er suchte eine Erklärung.Der Teufel geht um wie ein brüllender Löwe," sagte die Kirche.Es gibt feinen Teufel; die Schlotbarone und Krautjunker sind schuld," schrie der Marxismus.Der verlorene Krieg und die Parteienzersplitterung sind Deutsch­lands Verderben," antwortete die Hausbesitzerpartei. Tut Buße schafft revolutionäre Dertrauensräte wir brauchen den Kaiser wieder schlagt den Faschismus herunter mit den Löhnen (Bene- ralftreif wählt bürgerlich wählt marxistisch wählt! wählt! wählt!"

In diesem Hexensabbat stand jeder einzelne Deutsche. Die alte Welt brach um und in ihm zu­sammen. Er wollte beten, aber er konnte es nicht mehr; er wollte fein Vaterland lieben, aber er sah es nicht mehr; er wollte die Gerechtigkeit, aber er fand sie nicht mehr. So zerschellte sein Wille da und dort, da er, als einzelner, den unheimlichen Gegner nicht befielen, ja kaum sehen konnte. E i n Wille jedoch war m ihm nicht zu vernichten: der Wille zum Leben. Dieser Wille mar in dem einzelnen, und er war in den Deutschen um ihn. Der einzelne schlug sich allein durch. Er gehörte vielleicht auch einer Organisation an, war aber im Grunde darum doch einsam, denn er verstand alle anderen nicht mehr. Niemals wurde mehr und lau­ter geredet: in Versammlungen, im Reichstag, in den Landtagen, in den Stadtverordnetenversamm­lungen, in Äusschußsitzungen, in den Zeitungen, im Rundfunk, auf den Plakaten. Aber die Sprache war verlogen und unwahr. Der einzelne, der gläubig hier und dort aufhorchte, erkannte bald, daß die Worte nicht die Form einer Tat waren, sondern ein Mittel, um die Gedanken zu verbergen. So blieb der Wille des einzelnen nutzlos. Er konnte sich nicht mit dem der Volksgenossen vereinigen, da sie sich nicht verstanden. Sie konnten sich über alle Dinge unterhalten, aber über ihre Not, die die Not der Nation war, konnten sie sich nicht verständigen. Wenn sie über die Ursache der Not sprechen wollten, dann sprachen sie aneinander vorbei; wenn sie ge­meinsam den Ausweg suchten, gerieten sie in Kampf, denn bie Sprache versagte. Die Kraft der Worte verwandelte sich in ihrem Munde zur Schwäche, die Wahrheit zur Lüge, das Wollen zur Ohnmacht.

Da stand ein Mann auf, dessen Wille so stark war, daß er sich auch die Sprache bezwang. Das erfte Wort, mit dem er sich an die Nation wandte, schied Freund und Feind. Es zeigte sein Wissen um die Not und sein Wollen, sie zu wenden, mit einer Klarheit und Stärke, die die einer Offenbarung waren. Die Ehrlichkeit feiner Sprache war eine un­erhörte Tat und machte den Weg frei für weitere Taten. Er zwang sie denen auf, die ihm glaubten und die sie weitertrugen. Ehrlichkeit der Sprache hieß die Uebereinftimmung zwischen Worten und Taten, hieß die in sich geschlossene Persönlichkeit, die der ganzen Unsauberkeit mit ganzer Sauberkeit entgegentrat.

So schuf der Führer Begriff und Lehre des Nationalsozialismus und verlangte, daß jeder, der sich zu ihm und feiner Lehre bekannte, dieses ganz tat. Nach diesem Gesetz trat die Bewegung an, die allein heute namens und auftrags des ' Führers politisch zum Volk spricht. Und diesem Gesetz ist sie in Zeit und Ewigkeit verpflichtet. Die Partei hat die ungeheuer schwere Aufgabe übernommen, der Ration den Willen des Führers zu ver­mitteln. Jeden Parteigenossen soll sie zum Träger der Idee, jeden Volksgenossen zum Freund und gläubigen Gefolgsmann machen. Das kann sie nur durch ein ewiges Sprechen zum Volk erreichen, aber ein Sprechen, das mit den Taten übereinstimmt. Keiner, der guten Willens ist, ver- langt ernsthaft, daß das Ideal heute schon er­reicht ist. Die Zukunft ist nicht die Gegenwart; sie wird aber einstmals Gegenwart sein. Der Einzelne, der der Ausgangspunkt dieser Betrachtung war, möge nur einmal die letzten 20 Jahre überblickens ein Leid ermessen und sich darüber klar werden, daß das Leid des ganzen Volkes viele, viele Mil- lionen mal großer war; dann wird er verstehen, daß dieses Leid noch nicht behoben fein f a n n. Er dH aber wissen, daß die Tugenden, die zur Not­wende erforderlich waren und sind, daß der Opfer- mut, die Anständigkeit, die Tatliebe zum Volks­genossen, die helfende Freundschaft und die Selbst­entsagung in der Partei ihm voran- leuchten sollen. Die Parteia-nossen und die an führenden Stellen stehenden Nationalsozialisten kon- nen keine vollkommenen Menschen sein, denn das Vollkommene ist dieser Welt verschlossen. Aber sie müssen ehrlich sein, denn nur dann wird ihre Svrache verstanden werden, und nur dann wird die Führuna nicht nur eine mechanische, sondern auch eine seelische sein.

Die klare Sprache wird immer Achtung finden, und wenn hinter ihr eine ebenso klare Haltung steht, auch überzeugen. Das nationalsozialistische Regiment sieht die Gewalt nur zusammen mit dem Recht, damit aus beiden bie Macht werde, die allein aus dem Wollen das Können macht. Und wie uns die Sprache des Führers die Gewißheit gab, daß er das, was er wollte, auch konnte, so soll die Sprache der Partei, das sind ihre Worte und Taten, auch die Nation überzeugen, daß sie am Wollen und Können des Führers den ersten Teil hat, und ihr damit das unbestreitbare Recht zusteht, das politische Wort zu handhaben.