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> Reiskirchen, 3. Nov. Die am nationalen Spartag von Vorstandsmitgliedern der hiesigen Spar- und Darlehenskasse durchgeführte Sammlung erbrachte in unserem Orte den schönen Betrag von nahezu 5 0 0 0 Mark neuen Spar­einlagen. Es beteiligten sich an dieser schönen Sache 180 Ortseinwohner. Auch die Schulkinder trugen ihr Teil an dem großen 'Betrage bei. Am Sonntag fand in unserer Gemeinde ein Rund- zang durch die Baumstücke unter Obstbau- nspektor Rentsch (Friedberg) statt. Viele Obst- reunde hatten sich hierzu eingefunden. In seinen Ausführungen betonte Herr Rentsch immer wieder das Anlegen der Klebgürtel und das Spritzen der Bäume, damit den Obstschädlingen jede Lebens­möglichkeit genommen wird. Auch forderte er zur besonderen Pflege der Obstbäume auf. Auf jede Frage gab er eine belehrende Antwort. Dor dem Rundgang fand im GasthausZur Krone" eine Aepfelsortenbestimmung statt.

I Harbach, 2. Nov. lieber den Ursprung un­seres Ortes ist nichts Näheres bekannt. Nach Sturmfels bedeutet Harbachsumpfiges Gelände". Tatsächlich waren früher die Wiesen nach Hatten­rod zu sehr sumpfig. Manchen Landwirten war es deshalb vor der Heu- und Grummeternte gerade­zu bange, kam es doch wiederholt vor, daß die Zugtiere versanken und nur mit Mühe und Not wieder freigemacht werden konnten. Ein solcher Fall trug sich z. B. noch ein Jahr vor dem Welt- kriege zu. Erst durch die Feldbereinigung wurden diese Mißstände restlos beseitigt. Unser Dorf, das 17 Gefallene des Weltkrieges zu beklagen hat, zählte um die Mitte des vorigen Jahrhunderts 431 Einwohner. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sank die Zahl beträchtlich. Die Jahrhundertwende brachte keine wesentlichen Aende- rungen. 1914 hatte Harbach nur noch 396 Be­wohner. Die Ursache dieses stetigen Rückgangs lag in der Abwanderung der jungen Generation, tue sich in der näheren und weiteren Umgebung ver­heiratete. Ferner spielten Auswanderungen nach Amerika und Güterschlächtereien eine Rolle. In der Nachkriegszeit stieg die Zahl wieder etwas und erreichte schließlich im Jahre 1933 ihre alte Höhe. Harbach ist ein typisches Straßendorf. Mit seinen Hausgärten, die fast überall hinter der Hosreite liegen, hat es ungefähr die Form einer Ellipse. Die große Achse wird von der Hauptstraße, die kleine Achse von Kirch- und Ziegengasse gebildet. Eine Aufstellung über die Bauzeit der einzelnen Wohnhäuser läßt erkennen, daß die Bautätigkeit besonders nach dem Kriege 1870/71 sehr rege war. Das hing zweifellos mit dem Aufstieg der deut­schen Wirtschaft infolge des siegreich beendeten Deutsch-Französischen Krieges zusammen. Weiter­hin mag die Anlage der Bahnstrecke GießenAls­feld, die in diesen Jahren erfolgte, mitgespielt haben.

§ Queckborn, 2. Nov. Bei der gestrigen Sammlung für das Winterhilfswerk wur­det in unserer Gemeinde durch das N S K K. 120 Edelsteinabzeichen umgesetzt. Der Betrag von 24 Mark wurde an die Ortsgruppe der NSV. Ettings­hausen abgeführt. Am 5. November feiern das Fest der silbernen Hochzeit die Eheleute Ludwig Rock IV., Landwirt dahier, und Karoline Rock, geb. Sehrt. Auch dieses Jahr wurden in Queckborn wieder zwei neue Wohnhäuser errichtet. Karl Georg Köhler baute zu feiner schon fertigen Scheune und Stall ein neues Wohn­haus, das er vorige Woche bezogen hat. Wilhelm N i e b e r g a l l errichtet neben seiner schon fertig- gestellten Scheune ein Wohnhaus, das diese Woche unter Dach kommen wird.

+ Leihgestern, 2. Nov. Am Samstag fand die Besichtigung der hiesigen Freiwilli­gen und der Pflichtfeuerwehr statt. Nach einer Ansprache des Kreisfeuerwehrsührers Bouffier wurde das Fuß- und Geräte-Exer- zieren gezeigt. Anschließend wurde ein Brandan­griff durchgeführt, der trotz der Dunkelheit zufrie­denstellend verlief. Im Anschluß an die Hebungen marschierte die Wehr unter Vorantritt des Spiel- mannzuges zum LokalHasselbach", wo man einer Einladung der Gemeindeverwaltung zu einem ka­meradschaftlichen Beisammensein folgte. Bei der Kritik wurde der Gesamtfeuerwehr volle Anerken-

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Gültig bis ZS.Zuni 1937

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mmg für die ausgeführten Hebungen gezollt. Kreis­feuerwehrführer Bouffier ermahnte die Kame­raden, auch weiterhin mit allem Eifer an der Ar­beit zu fein. Beigeordneter Seid würdigte das Wirken der Feuerwehr und versprach die volle Un­terstützung der Gemeinde mit allen ihr zur Ver­fügung stehenden Mitteln. Im Verlaufe des Abends wurden 5 Kameraden (Otto Wagner, Geora Wagner, Karl Wissig, W. Wissig und K. Delten) für 15jährige Dienzeit in der Wehr geehrt.

I Nieder-Bessingen, 2. Nov. Lehrer Hinkel von hier ist, wie bereits berichtet, an die Volksschule Lich versetzt worden. Dieser Tage erfolgte der Umzug nach seiner neuen Wirkungs­tätte und damit der Abschied von seiner bisheri­gen Gemeinde. Die besten Wünsche der Einwvhner- chaft begleiten ihn bei seiner weiteren Arbeit an der deutschen Jugend. Wie man hört, wird Lehrer Hinkel die Stelle des Chorleiters des hiesigen gemischten Chores, den er seither mit großer Hin­gabe betreute, auch weiterhin beibehalten. Die Stelle des Organisten in unserer Kirche wird Lehrer Hinkel ebenfalls bis auf weiteres versehen. Am Sonntagmorgen fand hier eine Hebung der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und der Pflichtfeuerwehr statt, bei der zum ersten­mal nach dem neuen Marschübunasplan geübt wurde. Zur Heil ist eine Reihe hiesiger Land­wirte damit beschäftigt, Futterkartoffeln einzusilieren. Diese Maßnahme erweist sich in diesem Jahre als besonders zweckmäßig, weil dadurch erhebliche Verluste durch die sonst zu be­fürchtende Kartoffelfäulnis vermieden werden können.

* Ober-Bessingen, 2. November. Bei der S a m ml u ng für das Winterhilfswerk konnte die SA. alle der Gemeinde zugewiesenen Abzeichen verkaufen. Die Holzhauerarbei­te n in unseren Waldungen müssen um acht Tage verschoben werden, da bte landwirtschaftlichen Ar­beiten noch nicht beendet sind. Während in Den ver­gangenen Jahren immer nur Arbeitslose für diese Arbeit herangezogen wurden, werden diesmal auch wieder Kleinbauern dabei beschäftigt, so daß auch ihnen ein zusätzlicher Verdienst möglich ist.

* Nonnenroth, 3. Nov. Während die Be­wohner des Hauses am gestrigen Montagnachmittag abwesend waren, stieg ein Spitzbube in der hie­sigen Gastwirtschaft von Otto Strack durch ein Fenster in das Haus ein. Der Dieb stahl etwa 40 Mark Bargeld und machte sich damit da­von. Die Ermittlungen der Gendarmerie find im Gange.

<£ Obbornhofen, 2. Nov. Bei dem Schießen um den Wanderpreis der Klein-Kali- ber-Schützenvereine des Bezirkes Gießen- Süd, das auf dem Schießstand zu Rodheim a. d. Horloff ausgetragen wurde, ging die Mannschaft des hiesigen Schützenvereins mit 379 Ringen als Sieger hervor. Bereits zum zweiten Male

wurde damit von den hiesigen Schützen der Wan­derpokal errungen. Der Verein Rooheim erzielte 359 Ringe. Es folgten dann die Mannschaften von Villingen mit 347 und von Langsdorf mit 298 Ringen. Die Renovierungsarbeiten am Rathaus gehen ihrem Ende entgegen. Die nun eingesetzten Fenster mit Holzsprossen und Un­terteilung in Bleiverglafung machen das Gemeinde­haus zu einem wahren Schmuckkästchen.

Kreis Friedberg.

)( G r i e b e 1, 29. Oft. Die Arbeiten an der Reichsautobahn haben in den letzten Wochen recht starke Fortschritte gemacht. Wenn man be­denkt, daß damals die Fundamente" für die mäch­tigen Brückenpfeiler erst mit Eisenbeton ausgegossen wurden, so stehen heute die imposanten Brücken­flügel fast fertig da. Gegenwärtig werden die Ver­schalungen und notwendigen Vorrichtungen abmon­tiert und diese gewaltigen Betonklötze chartert und fein bearbeitet. Zwischen den beiden Brücken selbst wird gegenwärtig mit einer Reihe Feldbahnen die Erdaufschüttung vorgenommen, zu welchem Zwecke eine besonders starke Notbrücke über die Straßen Butzbach Griedel und Butzbach Lich errichtet werden mußte. Das Füllmaterial wird aus der einige Kilometer entfernt liegende Gambacher Sand­grube herbeigeschafft. Ein Dampfstampfer und ein Explosionsstampfer sind in Betrieb, um die jeweils angefahrenen Erdmassen nach Möglichkeit zu be­festigen. Um zu verhüten, daß das Wasser an den Betonwänden für die Zukunft Schaden anrichten könnte, werden bachbreite Gräben angelegt. Die Arbeiten auf den Anschlußstrecken nach Nieder- Mörlen und Gambach erstrecken sich in der Haupt­sache auf die notwendig gewordenen Planungen und Aufschüttungen von Sandmassen, die ebenfalls aus obengenannter Sandkaute auf Feldbahnen herbeigefahren werden. Die Ueberbrücfung der zwei großen Unterführungen werden durch 1,25 Meter starke Träger mit 40 Meter Spannweite besorgt, deren Zwischenräume wiederum mit Beton aus­gegossen werden. Sämtliche umliegenden Dörfer finü von Arbeitslosen frei, da alle Arbeitskräfte an Der Reichsautobahn beschäftigt sind.

Kreis Schotten.

O Laubach, 30. Oft. Gestern abend hielt die SN. - Frauenschaft Laubach in der Aula der Realschule einen Pflichtabend ab, der im Zeichen der Werbung für einen in Laubach demnächst ge­planten Samariter-Kursus stand. Die Kreisverbandsvorsitzende des Alicefrauenvereins für den Kreis Schotten, Frau Widmann- Schotten, sprach über die Bedeutung des Roten Kreuzes in der Vergangenheit und [eine Wieder­aufrichtung und Einsetzung in feine eigentliche Be­stimmung durch den Führer und Reichskanzler, Der ihm zum Geleit die Worte gab:Ich bin über­zeugt, daß das Rote Kreuz auch fernerhin feine Aufgaben für Volk und Vaterland erfüllen wird."

Auch die Frauen werden nun zur Hilfsbereitschaft aufgerufen, indem sog. Helferinnen und Sama­riterinnen ausgebildet werden. Die Kreisfürsorge- rin für den Kreis Gießen, Schwester Ella, sprach sodann über die praktische Durchführung eines solchen Samariterkurses, welcher in Unterweisung durch Arzt und Sanitäter oder Schwestern in etwa 20 Doppelstunden mit einer Prüfung als Abschluß besteht und in Schotten bereits mit viel Interesse von fetten der Bevölkerung und mit großem Er­folgt durchgeführt wurde. Vorführung Der Berufs­trachten der Hilfskräfte des Roten Kreuzes, wie der Verbandstaschen veranschaulichten die Ausfüh­rungen. Daß das Vortragsthema auch in Laubach regem Interesse begegnete, beweist die bereits er­folgte Anmeldung zahlreicher Teilnehmerinnen zu dem bevorstehenden Lehrgang dahier.

Kreis Bübingen.

Stockheim, 2. Nov. Für die Orte Stock­heim, Glauberg, Bleichenbach und Effolderbach wurde für den 3. Jahrgang der Mädchen-Berufs­schule hier eine Kochschule eingerichtet. Den Unterricht erteilt an einem Wochentage eine tech­nische Lehrerin.

Bleichenbach, 1. Nov. Dem Arbeiter Carl Emrich von hier wurde im Felde von einem ausschlagenden schweren Pferde ein Unter­schenkel zertrümmert. Der Schwerverletzte wurde mittels Sanitätsauto in die Chirurgische Klinik nach Gießen verbracht.

Kreis Alsfeld.

# Ober-Ohmen, 2. Nov. Am Freitag stand unser Dorf im Zeichen des Nationalen Spar­tages. Die Schüler veranstalteten einen Umzug, wobei ein Sprechchor auf die Bedeutung des Tages hinwies. Der Werbung war ein schöner Erfolg be­lieben: 82 Sparer brachten die schöne Summe von 1220 Mark zu ihrer Dorfkasse. Die (Sau- silmstelle der NSDAP, zeigte im Saal der Wirt­schaft Krebs den TonsilmSoldaten Kame­raden", dessen Ankündigung einen übervollen Saal schuf. Die Aufführung wurde mit großer Aufmerk­samkeit verfolgt.

Briefkasten der Redaktion.

(Rechtsgutachten sind ohne Verbindlichkeit der Schriftleitung.)

h. E.» 3. Zu 1. Die Gemeinde kann ein ihr ge­höriges Haus, auch wenn in der Gemeinde noch Wohnungsmangel herrscht, abreißen lassen. Zu 2. Sie können Ihrem Mieter auch während des Winter­halbjahres kündigen, vorausgesetzt, daß nicht das Mietverhältnis den Bestimmungen des Mieterfchutz- gesetzes unterliegt, was regelmäßig bei kleineren Wohnungen der Fall ist. Kommen die Bestimungen des Mieterschutzgesetzes zur Anwendung, [o können Sie als Vermieter das Mietverhältnis überhaupt nicht durch Kündigung zur Auflösung bringen, son­dern Sie müssen Klage auf Aufhebung des Miet­verhältnisses erheben. Die Klage kann nur auf be­stimmte Gründe gestützt werden. Diese sind: Erheb­liche Belästigung des Vermieters oder eines Haus­bewohners, erhebliche Gefährdung des Mietraumes, unbefugte Ueberlaffung eines Mietraumes an einen Dritten, größere Mietrückstände, dringendes Interesse des Vermieters an der Erlangung des Miettaumes oder Absicht des Vermieters, der feit drei Jahren Eigentümer des Hauses ist, in das eigene Haus ein­zuziehen. Der Klageerhebung muß eine Abmahnung vorausgegangen fein. Wird der Klage stattgegeben, so hat das Gericht dem Mieter regelmäßig eine angemessene Räumungsfrist zu gewähren. Die Ge­meinde muß für die Unterbringung eines obdach­losen Mieters Sorge tragen. Zu diesem Zwecke kann der Bürgermeister, falls feine anderen Räume zur Verfügung stehen, den Mieter, der obdachlos gewor­den ist, auf Grund seiner Polizeigewalt auch wieder in die früher von ihm innegehabten Räume ein­weifen.

Die Industrie- und Handelskammer Gießen

gibt Auskunft: 903: Beschaffung von Zellwolle zur Ausführung von Ausfuhraufträgen. 904: An­ordnung Nr. 5 der Ueberwachungsstelle für Edel­metalle (Verkehr mit Goldwaren und mit Alt- und Bruchgold). 905: Zusammenfassung der Bestim­mungen über den Wertpapierverkehr.

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Vornan von Ilse Schuster.

Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H.,

Berlin SW 68

Nachdruck verboten!

40 Fortsetzung.

Nett", sagte sie anerkennend und steigt aus. Der alte Herr hat sie schon gesehen, und da er Leonhardt wiedererkennt, hofft er. Vielleicht sind das doch ernsthafte Bewerber, man könnte mit der Miete noch heruntergehen man könnte da sind sie aber schon. Noch einmal muß er vom Boden zum Keller. Nichts bleibt unbesehen. Hanna schweigt. Sie sagt auch nichts, als er den monat­lichen Mietpreis nennt, die Summe ist bescheiden, findet Leonhardt. Da stehen sie wieder in der Diele, bäuerliche Möbel, Fleckenteppiche auf dem blankgescheuerten Boden, helle, freundliche Wände mit ein paar guten Geweihen. Alles ist hell in dem Haus, solid und praktisch. Es sind nur wenige Dinge, die Hanna nicht gefallen haben.

Wann könnte das Haus übernommen werden?

In vierzehn Tagen", versicherte der Alte eil- fertig. r,

Hanna wirft einen Blick zu ihrem stummen Be­gleiter hinüber, er sagt auch jetzt nichts, er sieht sie nur aus feinen blauen Augen fcharf an. Da ver­liert sich ihre letzte Unsicherheit, sie sagt:

Ich bin einverstanden. Sie können mich m den nächsten Tagen schon erwarten.

Es folgen noch ein paar Formalitäten Hanna behält sich auch das Vorkaufsrecht vor dann unterschreibt sie. ... _

Fahren Sie mich nach Greiding zuruck Herr im Wolde", bittet sie, als sie wieder cm Wagen sitzen. Er fragt nichts und tut es. Nur einmal seufzt das Mädchen tief auf, da nimmt er ferne Hand vom Steuer und legt sie mit kurzem Druck auf die ihre. Sie ist ihm in diesem Augenblick dankbar für fein kameradschaftliches Verständnis, es hat sich ihr auf einmal wie ein Berg aufs Herz gewalzt sie erkennt sehr klar die Kraftprobe, die ihr heute das Leben gestellt hat ,, . ... .

Noch am selben Abend geht em dicker Brief nach Berlin in die Binger Straße ab. Kem Wort von sich und ihrem persönlichen Leben steht dann, es ist nur davon die Rede, daß sie sich eine kleine Pension in Unterwaching gemietet, sich damit ent- schlossen habe, dort zu leben und daß sie ihren Vater bittet, ihr Ida zu schicken, denn jetzt könne sie sie sehr gut brauchen - -

Vielleicht ist es gut so, Melanie mir wollen auch nichts mehr fragen, ich bin dankbar, daß fk

sich überhaupt etwas vornimmt. Unterwaching, da sitzt doch auch dieser Herr im Wolde er ist mir eigentlich zu jung, aber ich wäre doch ftoh, wenn er sich ein wenig um sie kümmerte.

,Laß packen, Melanie, wir wollen fahren ich muß das Mädel endlich Wiedersehen"

Ich soll mit, Herbert soll ich denn wirk­lich", fragt die junge Frau zögernd.

Ja, du und Ida und noch etwas*

DasEtwas" ist es auch, das Hanna die Fassung verlieren läßt, als ihr Vater vor ihr steht er hat das Schneferl auf dem Arm. Hinter ihm hat sich Ida aufgebaut, und im Garten wartet Melanie. Brandes nimmt sein Kind an fein Herz und hält es ganz fest, dabei ist ihm das Schneferl wegge- fprungen, aber als sich Hanna endlich loslöst und sich bückt, hat sich das Tier dicht an sie gedrängt und sieht schnurrend zu ihr auf.Schneserlel", sagt sie ganz erstickt. Da ist aber noch Ida, und sie ver­langt auch ihr Teil es wird ihr redlich zuge­messen.

Guten Tag, Hanna."

Melanie das ist wunderschön, daß du auch kommst, wirklich, da habe ich ja soviel Hilfe denk dir nur, ich habe schon zwei Anfragen. Ein Ingenieur aus dem Werk und eine junge Lehre­rin"

Ein Ingenieur aus dem Werk", Brandes wird aufmerksam.

Ja, ein Herr Herdegen, der hat sich das Haus schon lange in den Kopf gesetzt, er hat sehr gebet­telt und will auch nur das kleine Giebelstübchen stell die Koffer einstweilen hierher, Ida ich zeige euch erst die Zimmer, vorbereitet bin ich nicht, der alte Herr wohnt ja auch noch hier"

In der PensionWaldeck" herrscht ein paar Tage lebhaftes Treiben. Leonhardt im Wolde läßt sich nicht sehen, obgleich er von Herdegen, der schon sei­nen Koffer in das neue Heim gebracht hat, weih, wer alles eingetroffen ist. Nach etwa acht Tagen ruft Dr. Brandes ihn an und verabredet für den Abend ein Zusammensein.

Ich komme allein, Herr im Wolde."

Es ist ja nicht nötig, daß Hanna erfährt, was er dem jungen Mann zu sagen hat. Der Dank, den er an Leonhardts Adresse richtet, wird lachend zurückgewiesen. Auch als ihm der Anwalt auf­trägt, sich doch ein wenig um feine Tochter zu küm­mern, schüttelt er nur den Kopf.

Sie ist nicht der Mensch, der sich leiten läßt, man muß es schon geschickt anfangen. Sie wird ganz von allein mit den Dingen fertig werden, Herr Doktor. Selbstverständlich werde ich da fein, wenn sie mich braucht, das verfpreche ich Ihnen gern."

Aber Sie waren doch sicher das treibende Ele­ment zu diesem Projekt, ba für kann ich mich als besorgter Vater doch wenigstens bedanken."

Ich war nur der, der ein wenig nachhalf", sagt da im Wolde ernst.Ihre Tochter hat vieles, was wir zwangsläufig schneller begreifen, erst jetzt er­kannt: die Verpflichtung zur Arbeit, Herr Doktor."

Der Anwalt schweigt. Er ist ein wenig beschämt vor diesem jungen Mann.

Ausklang.

Es kommt öfters vor, daß Hanna alles liegen und stehen läßt und in den nahen Wald läuft. Dann hat Ida sehr viel mehr Arbeit mit Haus und Gästen. Aber das macht ihr nichts aus, sie hat nun in den Wochen, die sie inWaldeck" ist, sehen und schweigen gelernt. Sie weiß auch, daß Hanna von diesen oft stundenlangen einsamen ©albgängen ruhiger zurückkehrt. Was ihr Herz dabei quält, weiß sie nicht, aber daß es mit einem Manne zu- [ammenhängt, kann sie sich lebhaft vorstellen. Es ist ein großes Glück, daß die beiden Herren vom Werk hier wohnen. Erst kam ja der Ingenieur Herdegen, und der hat dann immer wieder davon angefangen, ob es denn nicht auch für feinen Freund ein Kämmerchen im Giebel gäbe. Das kleine zum Beispiel nach der Waldseite zu.

Legt denn Herr im Wolde so großen Wert darauf, hier zu wohnen?", hatte Hanna mit einem sonderbaren Tonfall gefragt, und Herdegen hatte geantwortet:

Er hat überhaupt nichts gesagt, Fräulein Bran­des. Aber seine Wirtin ist auch so eine angenehme Wurzen, die gibts ebendoch überall, auch in Unter­waching. Mir tuts immer leid, wenn es mir hier fo wunderbar geht, und er zockelt in die Kantine oder ins Gasthaus, nur um seinen Hausdrachen nicht zu sehen."

Dabei war das gar nicht so schlimmt mit dem Hausdrachen, das weiß Ida, die Die Frau Seidel kennt. Wer eben das Haus voll Kinder hat, macht mit möblierten Herren nicht viel Aufsehens. Der Herr im Wolde konnte ja auch die Wohnung wech­seln, wenn sie ihm gar so leid war. Aber dann hat Ida auch herausbekommen, daß Ingenieur Her­degen dahintersteckte, und als er sich dann ein­mal zu ihr in die Küche setzte, genügte ein Satz, um Ida von der Richtigkeit dieser Uebersiedlung zu überzeugen.

,Zch weiß nämlich was, was Sie nicht wissen, Fräulein Ida. Es muß auch zwischen uns ein Ge­heimnis bleiben: mein Freund wäre die beste Me­dizin für Hanna. Dann würde sie auch bestimmt nicht mehr in die Wälder rennen, wie heute. Er hat sie nämlich [ehr lieb, und wenn er ihr das eines Tages so richtig sagen kann, wäre sie sicher sehr schnell von chrem Weltschmerz kuriert." 1

Das war ja nun wirklich eine alarmierende Nachricht; gegen diesen Herrn im Wolde hatte Ida nicht im minoeften etwas einzuwenden, im Gegen­teil! Und fo tarn es, daß Herdegen und Ida unter einer Decke steckten; Ida ging aufs Ganze, sie er­klärte eines Tages, daß es der Wirtschaftskaffe gut täte, wenn sich mal wieder ein Mieter in den Gie­bel verirren würde. Herr Herdegen und die junge Lehrerin wären doch keine Belegschaft für fo ein Haus. Sie habe gehört, daß der Herr im Wolde auf Zimmerfuche wäre und lebensgem insWal­deck" wolle.

Vielleicht traut er sich nicht, bieten Sie es ihm mal an", t)at sie diplomatisch gejagt.

Warum soll er sich denn nicht trauen?", hat Hanna sehr verwundert gefragt.Wenn er gern hier fein möchte, ich f)abe doch nichts dagegen!" War zum Telephon gegangen und hatte im Werk angerufen. Am Abend war Leonhardt heraufge­kommen. Ida hörte nur zwei Sätze:

Nicht getraut, Fräulein Hanna? Ich habe ja gar nicht an Zimmerwechsel gedacht. Aber wenn Sie mich haben wollen sofort und mit tausend Freuden!"

Hannas Gesicht hatte Ida leider nicht sehen kön­nen, ebenso wenig hörte sie die Antwort, aber Tat­sache war, daß Herr im Wolde im Waldzimmer einzog und daß man ihn nur selten zu sehen und hören bekam. Ida betrübte nur eins: Hanna rannte noch immer so plötzlich in den Wald, aber es geschah immerhin seltener.

An alles denkt Ida seufzend, als sie die Kartof­feln für Mittag schält. Sie hat das Küchenfenster offen, denn die Sonne scheint warm, wie im Som­mer, trotzdem es erst Ende April ist. Der Schnee ist schmutzig grau geworden und rinnt allmählich in kleinen Bächen den Berg hinunter. Im Garten vor dem Haus haben Krokus und Schneeglöckchen die Köpfe herausgesteckt, und im Tulpenbeet gibts kleine grüne Spitzen. Wenn bloß das schreckliche Geheule und Geknatter nicht immer wäre, Das von der Dersuchsbahn der Motorenwerke nun seit Stunden herüberkommt. Es ist nicht nur unange­nehm, sondern auch aufregend, denn Ida weiß, daß Leonhardt im Wolde wie ein Wildgewordener bas ist ihre Vorstellung dort Herumrast. Als Hanna hereinkommt und sich um die Salatschüssel kümmert, sagt sie aufgeregt:

Muß denn das nun fein, daß er so fein Leben aufs Spiel setzt? Kann denn nun nicht ein anderer das Rennen fahren? Ich bringe mich um an dem Tag ober leg mich ins Bett! Wenn nun was passiert?!"

Aber Iba! Wer wird denn nun gleich an bas Schlimmste benfen!" Hanna fetzt die Salatfchüfsel weg, als habe sie sich verbrannt.

(Schluß folgt)