Ausgabe 
3.10.1936
 
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Nr. 252 vierter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Samstag, 5. Oktober (036

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Der Tag des deutschen Bauern

das ist die gerade Linie. Auch die

schöne Einrichtung, die das Dritte

Mädchen mit der Garbe. Ein Sinnbild bäuerlicher Lebenskraft.

wird es auch nie wieder

Die Obsternte: Hier wird Kelterobst geschüttelt.

Die reiche Heu« und Grummeternte sichert den Viehbestand.

Aus der hohen Zeit der Ernte: Schneiden und Ausladen des Getreides. (Aufnahmen |8|: Neuner. Gießener Anzeiger.)

Ueberasi rauchen jetzt wieder die Kartosteljeuer über dem Land.

Sretslau) 6er ZlrDeU; Nach Der ernte geht Der P,wg uneoer ütier Das fielt,.

Don einem ländlichen Feste. Der symbolische Erntekranz mit Früchten.

Wir sind uns Herrn, und so ist's recht, mir haben Nacken von Stahl.

Ein rauh Geschlecht und keines Knecht.

gesegnet tausendmal! (G. Schüler.)

Wenn die Felder leer sind. Scheunen und Keller gefüllt werden, die Ernte eingebracht ist, dann feiert der Bauer sein Dankfest.

Bauernarbeit hat ihren Lohn in sich selber. Der Bauer ist kein Kaufmann. Er sorgt für das täg­liche Brot. Andere verdienen wohl leichter, aber die Arbeit des Bauern ist schöner. Er schafft. Geld spielt bet ihm nicht die Rolle, wie bei andern Ständen. Seine beste Sparbüchse sind die Erfolge, die er aufzuweisen hat. Der Bauer sieht auch, daß andere mehr vom Leben haben, als er. Ein echter Bauer aber bleibt der Scholle treu, auch m den schlechtesten Zeiten Und wenn einmal einer geht und einen andern Beruf ergreift, dann kann ein seßhafter Bauer das nicht verstehen.

Ohne Kampf gibt es keine Ernte. Und merk­würdig ist: Je ärmer der Boden, desto größer ist die Liebe des Bauern zu ihm. Es ist wie mit einem schwächlichen Kinde, das ja meistens der Mutter noch mehr ans Herz gewachsen ist, als die gesunden Aus gutem Boden eine reiche Ernte, das gibt Stolz Aber wenn man aus der mageren Erde etwas herausholt, das erhöht den Stolz noch mehr, weil ja mehr Arbeit dazu gehört. Jeder schlecht gepflückte Acker klagt seinen Herrn an. Er liegt vor aller Augen Draußen auf dem Felde steigt Lob und Tadel von selber auf, und die Dorüber­

ist ja nicht aus ausländischem Roggen oder Weizen gebacken, sondern es wuchs gewissermaßen vor den Toren der Stadtl Alles deutsche Brot wächst jetzt in der heimischen, in der vertrauten Landschaft. Da kann es dem Städter nicht schwerfallen, zum Bauern zu finden?

In diesem Jahre ist diese Beziehung noch enger geworden. Der Städter hat bei der Ernte helfen können. Auch der Arbeitsdienst im Lager unserer

beit, als er oftmals um seine eigene Arbeit zu tragen hatte. Deutlicher als sonst wurde daran je­dem die Schicksalsgemeinschaft in unserem Volke klar. Nicht auszudenken, wenn unser deutsches Volk gerade m diesem Jahre seinen Bedarf an Brotge­treide aus anderer Erde denn der heimischen hätte decken müssen!

Aber der fleißige und unverdrossen schaffende Bauer hat alle Schwierigkeiten überwunden und die Ernte gesichert. Wer in den Wochen unmittel­bar vor der Ernte z. B. durch die Wetterau fuhr,

konnte sich unschwer oorstellen. welcher Arbeits­aufwand für die Bergung der Frucht notwendig werden mußte Inzwischen hat auch in vielen Or­ten unseres oberhessischen Landes die Dresch­maschine ihre Arbeit abschließen können Nur noch vereinzelt brummt die Maschine hinter den Hof­loren. Der größte Teil der Jahreszeit und der schwerste Teil'der Arbeit ist geschafft. Der Ertrag lohnt die Mühe?

Mit dem Gefühl der erfüllten Pflicht kann der Bauer den morgigen festlichen Tag begehen, er

Gießener ArbeitsdienstabteilungJustus von Lie­big", viele junge Leute aus den Städten des deut­schen Westens, zogen für etwa sechs Wochen hinaus in unsere schönen Gemarkungen, und die Bauern sahen die Helfer nur ungern wieder ziehen Ob­wohl viele des bäuerlichen Handwerkszeuges unge­wohnt waren, griffen sie doch kräftig zu und waren schon nach Tagen wertvolle Helfer geworden. Die Hitler-Jugend und die Mädchen des BdM zogen an einigen Sonntagen auch hinaus und taten, was in ihren jugendlichen Kräften stand

vet den deutschen Bauern in fremden Ländern. So hat es mein Vater gemacht? So wollte es meine Mutter!" Diese Sätze können wir immer wieder hören. Das ist die Verbundenheit mit der

Es war schwer genug, die Ernte des Jahres zu bergen Das Getreide lag tief am Boden, und die Bauern hatten mehr Lei- besübung, als ihnen lieb fein konnte. Mühsam mußte in den meisten Gemarkungen unserer en­geren Heimat das Ge­treide mit der Sichel ge­schnitten werden und wochenlang mußten die Bauern mit Kind und Kegel auf dem Felde sein

Die endlosen Regenfälle die über unserer Land­schaft niedergingen, haben in der Stadt auch den Mann tm Büro, im La­den. den Dolksgenosien in der Werkstatt öfter nach dem trostlosen Himmel blicken lassen Der Städ­ter trug in diesem Jahre mehr Sorge uw die Ernte und um den Er­trag der bäuerlichen Ar«

Nun steht das diesjäh­rige Erntefest vor der Tür, in dessen Mittel­punkt für unsere Volks­gemeinschaft wiederum die große Feier auf dem Bückeberg steht Und so wie morgen die Feier erneut bewußt werden lassen wird daß dieser Tag tm Gedenken der bäuerlichen Arbeit des Jahres steht, so sehr spü­ren wir zu unserer Freude, daß der Bauer und sein Schaffen immer noch mehr und mehr in den Mittel­punkt unserer völkischen Existenz rückt Ganz so, rofe es seiner Bedeutung entspricht! Und über das deutsche Erntefest finden wir zurück zu uraltem deutschen Kulturgut Der Volksgenosse aus der Stadt feiert mit wachen Sinnen mit Die Zeit, da der Städter glaubte, daß er mit dem Dauern nichts gemein zu haben brauchte, ist längst vorüber, und so lange es ein national»

Es ist eine . , ,

Reich mit sich gebracht hat. daß es dahin kam daß der Städter mit dem Bauern gemeinsam das

sozialistisches Reich gibt, ____ ,

anders kommen Das Brot, das der Städter ißt,

Städter konnte und mußte falsche Vorstellungen korrigieren und er hat es sicherlich gern getan. Rasch vergingen die Stunden des Erntefesttages und ehe man sich dessen versah, war es Abend Da saß man dann mit den Bauersleuten und allem Gesinde am Abendbrottisch, für den sich die Bäue­rin auch nicht hattelumpen" lassen. Als damals, bei den vergangenen Erntefesten, die hinausgezo­genen Bewohner unserer Stadt am späten Abend zurückkehrten, da hatten wohl die meisten das Be­wußtsein in sich: es war kein verlorener Tag. ja, man hätte, so war das allgemeine Urteil, den Nach­mittag des Erntedank­festes nicht sinnvoller ver­bringen können Sonst hätte man den Sonntag verbracht, wie viele an­dere Sonntage auch!

So war wohl aus man­chem dieser Gastbesuche in den Häusern unserer Bau­ern das Gefühl einer ge­genseitigen Wertschätzung erwachsen Wobei das Schwergewicht darauf lie­gen mag. daß der Städ­ter Einblick gewann in den Lebenskreis des Ein­ern! Was wußte mancher Städter vorher von einem ländlichen Erntefest9 Und was von dem Verhältnis das der Bauer zu seiner

gehenden sparen nicht mit der Kritik.

Schon lange bildet jedes Dorf eine Volksgemein­schaft für sich Nirgends gilt das Wort Wilhelm von Humboldts, daß erst die Verbindung mit den andern Menschen dem Leben seinen Wert gibt, mehr als auf dem Lande. Die Bauern wohnen wohl nicht so dicht zusammen, wie die Städter. Sie können sich nur gelegentlich einmal in den Hof sehen Aber trotzdem sind sie mit allen Gemeinde­angehörigen viel enger verbunden^ als die Stadt­bewohner Das bringt die ähnliche Arbeit, das gemeinsame Leben und die Abhängigkeit von der Natur mit sich v. t ,

Das Hineinwachsen in die Natur, die Beobach- tung vom Werden und Vergehen gibt den Bauern die außerordentliche Ruhe, die starke Zähigkeit und das Festhalten am Alten, Guten. Es ist eine Tor­heit wenn die Städter meinen, das Landkulti­vieren" zu müssen. Das Gegenteil ist der Fall. Vom Bauernstand können wir alle lernen. Der äußere Tand blendet wohl, es gibt auch hier und da starke Einflüsse In vielen Gegenden verschwan­den die Spinnstuben, die Trachten. Das Wesen des Bauern aber blieb sich selber treu.

Es ist wie mit den Schlagern und dem Volks­lied Vorübergehend herrscht das leichtsinnige Srf)Ia= qerlied au* der Straße. Tief innen aber ruht die Liebe zum Volkslied Und es wird nirgends so hoch in Ehren gehalten als auf dem Lande. - .

Das Bauerntum bildet immer noch den Grund von allem, gibt dem Deutschtum seine Kraft und immer neue Stärke. Das sehen wir auch an unfern Brüdern im Ausland. Da sitzen die deutschen Bauern im Wolgagebiet, in Siebenbürgen, im Banat, in Südamerika und überall beweisen sie, was sie leisten und schaffen können. Das zahe^ treue Festhalten am Alten. Hergebrachten zeigt sich

Erntedankfest begeht. Viele entsinnen sich zweifel­los gern der bisherigen Erntefeste, bei denen die Einwohner der Stadt hinauszogen durch Wald und Feld in die nächsten Dörfer, in den Gastwirtschaf­ten die Uebertragung der Kundgebung vom Bücke- berg hörten und dann am Kaffeetisch bei den Bauern saßen Die Bäuerin hatte für diesen Tag reichlich Zwetschenkuchen gebacken, und der Kaffee wurde vielleicht noch um etliche Bohnen kraftvoller gemacht, als Bauer und Städter es sonst gewohnt sind Das war so in Steinbach und m Leihgestern, in Annerod oder in Heuchelheim, in Großen-Linden und Lang-Göns. Großen-Buseck und Geilshausen Wo die Gießener auch hingekommen fein mochten, sie waren überall freundlich ausgenommen worden Wenn auch der eine oder andere dieser Erntefest­gäste auf dem Lande sich nicht so rasch entschließen konnte, das Haus aufzusuchen, das ihm bezeichnet worden war, da zunächst bei ihm wohl das Gefühl vorherrschte: man möchte doch nicht lästig fallen! schließlich aber saßen doch alle bei den Bauern am Tisch und wahrhaftig: man wurde rasch warm"? Städter und Bauer erzählten gegenseitig von ihrer Arbeit, und die Frauen fanden über die Kinder zueinander. Gar mancher Gast hielt Um» chau im Hofe des Bauern und lernte dabei vieles von dem kennen, was dem Bauern den Tag aus­füllt und was ihm Sorge macht. So mancher

Arbeit und juim schwer errungenen Lohn seiner Arbeit bat9 Wenig' Viel- leicht nichts' Aus den vergangenen Erntesesten wurde dem Städter man­ches davon bewußt.

Vergangenheit.

Kinder werden so erzogen und werden dereinst so sprechen. n.