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Wenn überhaupt schriftliche Pachtverträge gemacht werden so mutz der Bauer sich wie folgt dem Grundbesitzer gegenüber verpflichten:Ferner gebe lch Ihnen, wenn auch immer Sie es wollen das gepachtete Grundstück zurück, selbst wenn die Reis- pflanzen bereits schon angebaut sind." fiier liegt heute die Hauptquelle der recht bedeutenden Zahl von Pachtstreitigkeiten, die alljährlich in Japan an- «esochten werden; oenn Die Pachtbauern wollen Sicherheit zumindestens auf einige Jahre hinaus Angeblich bereitet die Regierung jetzt ein Pacht- Sicherungs-Gesetz vor.

Doch der japanische Bauer hat noch erheblich mehr Sorgen. Da sind die Steuern und Ab- gaben die das Dorf zu tragen hat. Diese sind unvergleichlich viel großer als die des gewerbe­treibenden Städters und Industriellen. Der selbstän­dige Bauer zahlt im Durchschnitt auf das gleiche Ein­kommen mehr als das Doppelte an Steuern wie der städtische Gewerbetreibende, Grundbesitzer im Dorfe sogar das Dreifache. Dem selbständigen Bauern wird ungefähr ein Drittel seiner Einnah- men als Steuerzahlungen abgenommen. Der länd- l'che Grundbesitzer muß durchschnittlich sogar die Halste abgeben. Und wenn der reine Pächter seine Pacht- und Steuerzahlungen addiert, dann bleiben von feinen Einnahmen nach der Ernte im besten Falle vier Zehntel für ihn übrig. Damit soll er em Jahr lang auskommen und eine neue Aussaat sowie die sehr hohen Düngerkosten bestreiten.

Die praktische Unmöglichkeit, unter solchen Be­dingungen zu wirtschaften, ergibt sich aus der außerordentlichen Verschuldung des japanischen Bauern. Einwandfreie Angaben gibt es nicht. Doch als Mindestmaß der Bauernverschuldung werden von Fachleuten fünf Milliarden Yen angegeben- wahrscheinlicher ist die häufig genannte Ziffer von sieben Milliarden Yen Die Schulden wachsen stän­dig, und zwar wird behauptet, um jährlich eine halbe Milliarde. Die genannten Ziffern bedeuten, daß durchschnittlich der einzelne Bauer mit dem Doppelten seines jährlichen Einkommens verschul­det ist. Diese Schulden sind nur in seltenen Fällen Schulden an staatlich kontrollierte Kreditanstalten die besonders für die Bauernschaft geschaffen wor­den sind. Meistens sind es Schulden an lokale Geldverleiher und Wucherer mit Zins­forderungen bis zu 20 v. H. Oder Reis- und Dünge- mittelhändler find die Geldgeber, die sich damit Vorrechte auf die nächste Ernte sichern und die Schulden des Bauern in ein lebenslängliches Ab- hängigkeitsoerhältnis umwandeln. Auf diese Weise werden die Selbsthilfebestrebungen der Bauern stark beschränkt oder sogar Hilfsmaßnahmen der Regie­rung wirkungslos gemacht.

So ist die Lage des japanischen Bauern ganz be­sonders schwierig, sein Lebensstandard niedrig, seine Ernährung schlecht, seine Aussicht immer trüber und seine erstaunliche Zufriedenheit im Schwinden. Eine unter dem Durchschnitt bleibende Ernte bringt selbst den einigermaßen gestellten Bauern an den Bettelstab; und eine der durchaus nicht seltenen Mißernten infolge der Naturkatastrophen erzeugt in den betroffenen Gebieten immer wieder Ver­hältnisse, die der Hungersnot nahekommen. Selbst in normalen Jahren ist der japanische Bauer so arm, daß seine verschwindend geringe Kaufkraft eine sehr ernste Schwäche des inneren Marktes für Ja­pans Jndustrieprodukt bedeutet. Der Bauer muß mit allen Mittels Nebenerwerb suchen. Ein Bauer der Tokio-Tbene behauptete uns gegenüber sogar, daß es heute nur noch im unentwickelten Norden reine Bauern gäbe. In Mitteljapan sei die landwirtschaftliche Arbeit mehr und mehr zur Teil­arbeit der Bauernfamilien geworden. In kümmer­licher Heimarbeit nehmen sie mit Handweb- stühlen und mit anderer häuslicher Handarbeit einen aussichtslosen Konkurrenzkampf mit den großen, modernen Industrien des Landes auf. Ferner schickt die japanische Bauernschaft jährlich Hunderttausende junger weiblicher Arbeitskräfte in die großen Fabriken. Mit Hilfe solcher Bauernmädchen, die vier bis fünf Jahre alsInterne" in den Fabriken leben, hat z B. die japanische Textilindustrie ihren Siegeszug durch die Welt genommen. Auf diese äußerst billigen Arbeitskräfte aus dem Dorf stützt sich der erstaunliche Aufschwung der modernen ja­panischen Industrie in allen ihren Zweigen.

Die japanische Landwirtschaft hat es fertig­gebracht, zusammen mit der noch immer künstlich eingeschränkten Reisproduktion der Reichsgebiete Korea und Formosa den Bedarf des japanischen Volkes an Reis, dem Hauptnahrungsmittel, trotz wachsender Bevölkerungszahlen zu decken. Sie wird auch in Zukunft die Ernährung Japans selbst in Zeiten außenpolitischer Nöte weiter bestreiten kön­nen. Japan braucht keine Nahrungssorgen zu haben. Doch der krasse Widerspruch zwischen der Lage der japanischen Bauernschaft und der Entwicklung der modernen Industrie, Banken und des Handels, die­ses unvereinbare Bild der großen Bankgebäude in Marunouchi und der im Schlamm stehenden ge­bückten ärmlichen Bauern, läßt sich nicht mehr ver­wischen. Unvergleichlich viel stärker als die Arbeiter­frage ist in Japan d i eB a u e r n f r a g e" die Ursache schnell wachsender Soannungen. Der Auf­stand von Teilen der ersten Division in Tokio vom 26. Februar ist zumindestens mittelbar auf sie zu­rückzuführen.

Die Lösung dieser Spannungen ist zweifellos möglich. Eine großzügige Agrarreform könnte nicht nur für die Bauern, sondern auch für die ganze Nation die größten Vorteile bringen. Es wird viel über eine solche Reform gesprochen. Doch die Interessen mächtiger, moderner Wirtschafts­gruppen und alt eingesessener ländlicher Oberschich­ten haben noch immer tiefeinschneidende Reformen verhindert. Doch sie wird von Jahr zu Jahr not­wendiger, was nicht nur von den jungen Offizie­ren der Wehrmacht, die vielfach aus den Kreisen kleiner Landbesitzer und selbständiger Bauern stam­men, erkannt wird, sondern auch von der Regie­rung Hirotas bei ihrem Amtsantritt wenigstens an­erkannt worden ist. Die Bauernfrage wird als Kri­senfaktor in der inneren und damit auch leicht in der äußeren Politik eine zunehmende Rolle in Ja­pan spielen. Fraglich ist es jedoch, ob für die Re­formpläne des Landwirtschaftsministerlums g e - nügende Mittel aufgebracht werden können. Die Regierung beabsichtigt nämlich, einmal über den Weg bäuerlicher Gemeinde-Genossen­schaften eine Ernteschäde n - V ersi ch e - r u n g einzurichten, für die sie die Halste Der Bei­träge aufbringen will. Ferner soll ein ft a a tli ches Kreditinstitut Darlehn mit niedrigstem Zins vergeben, um die örtliche Verschuldung der Bauern an die Reislönder allmählich zu erleichtern. End­lich sieht ein Plan des Verkehrsministers den Bau von Straßen, Bewässerungsanlagen, Klein­bahnen usw. vor, um den Verkehr innerhalb der ländlichen Bereiche zu erleichtern.

Englands Völkerbundspolitik wird aus den letzten Erfahrungennützliche Lehren" ziehen.

Neville Chamberlain spricht in Vertretung Baldwins vor dem konservativen Parteikongreß

Die Mndalsfrage.

Hoare bestätigt den ablehnenden Stand­punkt der Regierung.

London, 2. Oft. (DNB.) Nach der großen Auf­rüstungserklärung Sir Samuel Hoares befaßte sich die konservative Parteikonferenz in Margate mit der Kolonialfrage. Der konservative Abge­ordnete Sandys brachte eine Entschließung ein, in der die Regierung ersucht wird, zu versichern, daß die von Sir John Simon im März 1935 in Berlin abgegebene Erklärung, die Abtretung irgend eines britischen Mandatsgebietes solle nicht er­örtert werden, immer noch die unveränderte Stellungnahme der Regierung darstelle. Vom wirt­schaftlichen Standpunkt, so erklärte Sandys, wäre der Verlust dieser Gebiete für England ebenso un­bedeutend wie ihr Gewinn für Deutschland! Vom militärischen und strategischen Standpunkt jedoch würde sich eine unermeßliche Gefahr für England ergeben. Sandys Ausführungen wurden von der Konferenz mit Beifall aufgenommen.

Sir Samuel Hoare wies darauf hin, daß so­wohl Baldwin als auch Eden sehr klare Mittei­lungen zu dieser Frage gemacht hätten. Baldwin habe getagt, daß die Reaierung die Frage irgend­einer Mandatsübertragung weder von sich aus noch mit den Dominions erwogen habe, daß sie nicht die Absicht habe, sie auf­zuwerfen und keine Verpflichtungen ohne Aus­sprache im Unterhaus eingehen würde. Eden habe besagt, daß, soweit die englische Regierung betrof­fen sei, eine Übertragung von Mandatsgebieten große Schwierigkeiten moralischer, poli­tischer und rechtlicher Art machen würde. Nachdem immer noch so viele internationale Fragen der Lösung harrten, hoffe er, daß niemand den Wunsch haben würde, zu dieser Zeit eine weitere Ursache für ernste Schwierigkeiten zwischen d-n Nationen zu schaffen. Hoare fügte hinzu: Die Regierung sich der Schwierigkeiten und Einwendungen gegen die Mandatsübertragung bewußt. Die Annahme der vorgeschlagenen Entschließungen kann im ge­genwärtigen empfindlichen Zustand der internatio­nalen Angelegenheiten die Stellungnahme der Re­gierung nicht ändern. Die Regierung hält an der Erklärung vom letzten Juli fest. Sandys Ent­schließung wurde darauf unter Begeisterung a n - genommen. x

Schatzkanzler

Neville Chamberlain

setzte sich bann mit der arbeiterparteilichen Oppo­sition auseinander. Der Oppositionsführer Attlee er­kläre, daß er den Rekrutierungsfeldzug nicht unterstützen werde, weil er die Außenpolitik

der Regierung nicht billige. Und dennoch spreche sich Attlee für ausreichende Rüstungen zur Erfüllung der internationalen Verpflichtungen Eng­lands aus, obwohl diese Rüstungen ohne Re­kruten nutzlos seien. Auf ihrem Parteitag in Edinburgh werde die arbeiterparteiliche Opposition beweisen müssen, ob sie ein Verantwortungsbewußt­sein besitze. Die Regierung werde jedenfalls ihre Aufrüstungspläne ohne Rücksicht auf die Opposition durchführen.

Er fei sicherlich der letzte, der einer Aufrüstung das IDort rede, die größer sei als notwendig. Aber die Weltlage mache es dringend erforderlich, daß England das grüßte Aufrüftungsprogramm durchführe, das es in Friedenszeiten je unternommen habe. Denn es durchgeführt fei, werde England w i e- der eine angemessene Flotte zum Schuhe feiner lebenswichtigen Verbindungswege besitzen. Es werde dann eine Armee haben, die zahlenmäßig zwar hinter den Heeren der Großmächte des Festlandes zurückstehe, die aber mit den modernsten Waffen ausge­rüstet fei. Es werde eine Luf lmacht be­sitzen, die hinsichtlich Geschwindigkeit, Reichweite und Qualität ihrer Mannschaft hinter kei­ner anderen Luftflotte zurück- ftehen werde. Die Entwicklung der Luftfahrt habe England bis zu einem gewissen Grade feiner 3nfeUage beraubt und die englische Re­gierung fei sich sehr wohl der Vedeutung eines Krieges für die englische Zivilbevölkerung be­wußt.

England habe weder den Wunsch noch die Ab­sicht, sich in die inneren Angelegenheiten irgend­einer anderen Nation einzumischen. England würde es aber auch nicht dulden, daß irgend eine andere Nation England eine fremde Regierungsform auf­zwinge. In der Tat könnte die Gefahr einer Intervention nicht deutlicher illustriert wer­den als durch die kürzlichen Zwischenfälle in dem bedauerlichen Kampf in Spanien. Ohne die Initia­tive des französischen Ministerpräsidenten wäre vielleicht ganz Europa in zwei entgegengesetzte Lager gezogen worden.

Das Aufrüstungsprogramm der Regierung be­deute nicht, daß England den Völkerbund oder den Gedanken der kollektiven Sicherheit auf­gebe. Die Geschichte des Völkerbundes während der letzten 12 Monate habe England einige wichtige Erfahrungen gebracht, aber sie habe England vielleicht auch einige nützliche Lehren erteilt Die Aufgabe fei, die Gewähr dafür zu schaffen, daß sich diese Erfah­

rungen nicht wiederholten. England könne sich nicht zu Maßnahmen verpflichten, die es möglicherweise in eine unhaltbare Lage bringen würden. Rach Meinung der Regierung würden sich die Friedensausfichten durch Re­gio n a l p a f t e innerhalb der Völkerbunds- fahungen beträchtlich verstärken. England ver­suche, einen derartigen Pakt für West- e u r o p a auszuhandeln.

Die Ursachen der gegenwärtigen Unruhe in der Welt seien teils politischer Natur, teils eine Folge finanziellen Drucks oder von Warenpreisen, die sich nicht bezahlt machten, teils rührten sie von einem mangelnden Gleichgewicht zwischen dem Wert ge­wisser Währungen und der Höhe der Weltmarktpreise her. Wenn man jemals wieder zu normalen zwischen­staatlichen Beziehungen zurückkehren wo!le,müsse man sich mit jeder einzelnen dieser Schwierigkeiten befassen. Die britische Regierung sei hierzu bereit Sie wolle zur Wiederher st ellung des Vertrauens beitragen und die krasseren Formen der Einschränkungen, unter denen die inter­nationale Wirtschaft leide, vermindern helfen.

Der Minister erwähnte zum Schluß die Bemühun­gen zur körperlichen Ertüchtigung der Jugend. In dieser Hinsicht könne England von anderen Ländern sicherlich etwas lernen. Nichts habe auf die Besucher der Olympischen Spiele in Deutsch­land in diesem Jahre einen stärkeren Eindruck ge­macht als die hervorragende körperliche Verfassung der deutschen Jugend.

Die Arbeiterpartei für das Ausrüstungsprogramm der Regierung.

London, 3. Oft (DRV. Funkspruch). Die eng- liche Arbeiterpartei hat in Edinburgh eine Ent­schließung zum englischen Aufrüstungsprogramm entworfen, das dem Parteikongreß in der nächsten Woche -vorgelegt werden soll. Der Ent­wurf besagt u. a.» der Kongreß möge erwägen, daß d i e Waffen stärke Englands dem Rüstungsstand des wichtig st en Angrei­fers unbedingt gleichwertig fein müsse. Die Arbeiterpartei erkläre sich bereit, die Verant­wortung für eine derartige Rüstungs- Politik zu übernehmen. Sie behalte sich aber ihre volle Freiheit vor, das Aufrüstungs- Programm der gegenwärtigen Regierung zu kri­tisieren und erkläre, daß die dauernde Anlage von Krediten in der privaten Rüstungsin­dustrie eine schwere Gefahr für den Frieden in der Welt darstelle.

Leichte Entspannung in (Schanghai.

Zwei Chinesen wegen Ermordung eines japanischen Matrosen zum Tode verurteilt.

Schanghai, 2. Okt. (DNB.) Wegen Ermor­dung eines japanischen Matrosen in der Nähe der japanischen Kaserne außerhalb der internationalen Niederlassung wurden die Chinesen Yangentao und Yihaisen zum Tode verurteilt. Das scharfe Urteil hat in japanischen Kreisen Genugtuung ausgelöst. Man erkennt an, daß die chinesischen Behörden ernst machen mit der Ausmerzung von Elementen, die einer chinesisch-japanischen Annähe­rung feindlich gegenüberstehen. Nach der Urteils­verkündung haben die Japaner ihre Po st en verringert, so daß eine leichte Entspannung der Lage in Schanghai bevorzustehen scheint.

Ein japanischer Posten nahm einen engli­schen Berichter st atter derNorth China Daily News" fest, der photographische Aufnahmen von spanischen Reitern in der Nähe Des Hongkew- Parkes machen wollte. Nach einstündigem Verhör wurde er wieder freigelassen. Der' Engländer Thompson wurde von einem japanischen Posten in der erweiterten internationalen Niederlassung festgenommen und in eine japanische Kaserne ab­geführt. Nach Feststellung des Tatbestandes wurde er an die Polizei der internationalen Niederlassung ausgeliefert. Der Verhaftete soll abfällige Be­merkungen über die japanische Marine in sei­ner Heimatsprache gemacht haben, die dem Posten von japanischen Passanten übersetzt wurde, worauf dieser zur Festnahme schritt. Der Oberbefehlshaber der in China befindlichen amerikanischen Marine­streitkräfte hat ein Verbot erlassen, nach dem den Matrosen das Betreten des Hongkew-Bezirkes zur Vermeidung von Zusammenstößen nicht mehr ge­stattet ist.

Griechenland im Kampf gegen den Kommunismus.

Athen, 3.Okt. (DNB.) Auf einer Maffenver- sammlung, der etwa 200 000 Menschen auf dem Verfassungsplatz in Athen beiwohnten, sprach Mi­nisterpräsident Metaxas. Die Versammlung, bisher wohl die größte, die jemals in Griechen­land stattgefunden hat, war unter dem Motto: Gegen den Kommunismus, für Mini­sterpräsident Metaxas" einberufen worden. Der Ministerpräsident wies darauf hin, daß das große Interesse, welches dieser Kundgebung entgegen­gebracht wird, schon ein Beweis des allgemeinen Wunsches nach Ruhe und Ordnung fei und auch als Vertrauensbeweis zur Regierung bewertet werden kann, die das Land endgültig von zwei Tyrannen befreit habe, näm­lich von den Parteien und vom Kom­munismus. Mit dem Vertrauen des Volkes und mit feiner Zustimmung wird die Regierung zielbewußt an die Vervollständigung der griechi­schen Wiedergeburt bei Mitarbeit aller Volksschich­ten Herangehen.

Wachsende Verwirrung in Madrid.

Die Anarchisten fordern den Rücktritt Caballeros.

Sevilla, 3. Okt. (DNB.) In Madrid, wo in­zwischen die Einnahme Toledos und das unauf­haltsame Vordringen der nationalen Truppen durch Flüchtlinge in der gesamten Bevölkerung weit­gehend bekannt geworden ist, herrscht größte Verwirrung. Sozialisten, Kommunisten und Anarchisten schieben sich gegenseitig die Schuld an den Niederlagen zu. Die Anarchisten fordern be­reits offen die Abdankung Largo Cabal­leros. Die Nachrichten-Agentur Fournier meldet, daß der Präsident des roten Spaniens, Azana, Madrid verlassen und sich in einen Mittel- meerhafen geflüchtet habe. Man spreche von der Bildung eine^neu en Kabinetts unter der Leitung des Kommunisten Jos6 D i a z.

General Queipo de Llano teilte über den Sender Sevilla mit, daß die Madrider Regierung damit beschäftigt sei, starke Befestigungsanlagen in der Umgebung der Hauptstadt anzulegen. Der Führer der marxistischen Truppen an der Toledo- Front, General A s e n c i o , sei verhaltet worden und sehe seiner Aburteilung durch ein Kriegsgericht entgegen. Der Marxisten-General werde für die Niederlage der roten Truppen bei Talaoera und Toledo verantwortlich gemacht.

Der Ausbau der Rationalregierung

Die Verbindung mit dem Ausland wird ausgenommen.

Burgos, 3. Okt. (DNB.) Der neu ernannte Staatschef General Franco hat eine Verordnung über Den Derwaltungsaufbau Der spanischen Na- honalregierung erlassen. Die Grundzüge Des Auf­baues finD auf Autorität, Einigkeit, schnellem Han­deln und Schlichtheit begründet. Der nationale Verteidigungsausschuß setzt sich aus sechs Abteilungen zusammen, den Finanzausschuß, den Justizausschuß, den Ausschuß für Industrie, Handel und Versorgung, dem Landwirtschaftsausschuß, dem Kulturaussckuß und dem Ausschuß für Post und öffentliche Arbeiten. Für die von den nationalen Truppen besetzten Gebiete wird ein Generalgou­verneur eingesetzt. Weiter wird ein Außen- fe Pretoria t geschaffen, das d i e Verbin­dungen mit dem Ausland aufnehmen soll, und dem ein Untersekretariat für Bresse und Pro­paganda angeschlossen wird. Das Außensekretariat untersteht unmittelbar dem Staatschef. Der Staats­chef erhält ferner ein Sondersekretariat.

Oie Zahne der Nationalisten auf der spanischen Botschaft am Vatikan.

Rom, 2. Okt. (DNB.) Die Spanische Botschaft am Vatikan bot ein ungewohntes Bild: in den Mit­tagsstunden war zur allgemeinen Ueberraschung -zoa stzorö s;q ivpocksöuvöuiD uiaq iaqn (pijlfgja aolöene Fahne der spanischen Nationa­listen zu sehen. Es verlautet, daß nach Der Ab­

reise des der Madrider Regierung nahestehenden spanischen Botschafters beim Hl. Stuhl nach Paris einige mit den Nationalisten sympathisierende Bot­schaftsmitglieder diese Flaggenhissung veranlaßt haben sollen. Von italienischer Seite wird darauf hingewiesen, daß die italienische Regierung bisher weder die Errichtung einer neuen spanischen Bot­schaft am Quirinal noch am Vatikan als Tatsache anerkannt hat.

Englischer Arbeiterparteiler am Maschinengewehr der Voten.

London, 2. Okt. (DNB.) Der arbeiterparteiliche Abgeordnete Do b b i e, der vor einigen Tagen aus Madrid zurückgekehrt ist, teilte' in der Presse mit, daß er die spanischen Marxisten bei der Beschießung des Alcazars in Toledo persönlich unterstützt habe. Er habe 20 Stunden lang bei der Bedienung eines Maschi­nengewehrs, das die im Alcazar verschanzten Ka­detten beschoß, mitgewirkt. Dobbie forderte erneut, daß das Verbot der Waffenausfuhr an die spani­schen Marxisten aufgehoben werden solle.

Streik im pariser Hotel- und Gast­wirtsgewerbe.

Paris, 3. Ott (DNB. Funkspruch.) Die Ge- werkschaft der Angestellten des Pariser Hotel- und Gastwirtsgewerbes haben beschlossen, Samstag früh in den Generalstreik zu treten. Die Verhandlungen mit Den Arbeitgebern sind ergebnislos verlaufen. Die Arbeitgeber lehnten es sogar ab, zu einer Schlich­tungsverhandlung zu erscheinen. Die Presse weist auf die unangenehmen Folgen hin, die Der Streik im Hotel- und Gastwirtsgewerbe gerade im Augenblick Der großen Pariser Automobil Aus st ellung, die von vielen Fremden besucht wird, haben muß.

Beförderungen in der Wehrmacht.

Berlin, 2. Okt. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler hat mit Wirkung vom 1. Ok­tober 1936 befördert: zum Admiral den Vize­admiral Schultze, Kommandierender Admiral der.Marinestation der Nordsee; zu Kontreadmiralen die Kapitäne zur See Wassner, Marineattach6 bei der Botschaft in London, Marschall, Abtei­lungschef im Reichskriegsministerium, A n ck e r, Kommandant des Marinearsenals Kiel; zum Kon- treadmiral des Marineingenieurwesens den Kapitän zur See des Marineingenieurwesens Betten­yäser, Kommandeur der Marineschule in Kiel.

Zum General der Infanterie: Den Generalleut­nant von Witzleben, KommanDierender Gene­ral Des III. A.K.; zu Generalen Der Kavallerie: die Generalleutnante F r h r. o. Wachs, Kommandeur der 1. Panzerdivision; Frhr. Kreß v. Kres­se n ft e t n, Kommandeur der 14. Division, ab 6. Oktober 1936 Kommandierender General des XII. M.; v. $o grell, Inspekteur der Kavatk

Bei Sodbrennen Magenbeschwerden Bu II richTa bleiten 2OPfg.