Einzelbild herunterladen

Einstellung von Freiwilligen in die Lustwaffe

im Frühjahr und im Herbst 1937.

DNB. Das Reichsluftfahrtministerium gibt be­kannt:

1. Die Annahme von Freiwilligen für die Ein­stellung im Frühjahr 1937 wird Ende November 1936 geschlossen. Verspäte! eingehende Gesuche kön­nen für die Frühjahrseinstellung 1937 nicht mehr berücksichtigt werden. Den Freiwilligen, die im Frühjahr 1937 eintreten wollen, wird deshalb ange­raten, sich sofort bei einem Truppenteil der Flieger­truppe oder Luftnachrichtentruppe zu melden.

2. Für die Herbsteinstellung 1937 sollen sich die Freiwilligen ebenfalls sobald wie möglich melden, und zwar bei jedem Truppenteil der Luftwaffe (Fliegertruppe, Flakartillerie, Luftnachrichtentruppe, Regiment General Göring).

3. DasMerkblatt für den Eintritt als Freiwilli­ger in die Luftwaffe" wird an die Bewerber auf Verlangen abgegeben von den Wehrbezirkskomman­dos, Wehrmeldeämtern und von allen Truppen­teilen der Luftwaffe.

Hitler-Jugend Bann 116 Gießen.

Bett.: Theaterbesuch der Hitlerjugend.

Mit der Intendanz des Stadttheaters ist eine Ver­einbarung getroffen worden, von der die Hitler­jugend schon reichlich Gebrauch macht. Danach kön­nen Mitglieder der HI. am Mittwochabend die für die HI. freigegebenen Vorstellungen besuchen, Schauspiele für 50 Rpf., Opern und Operetten für 1, RM. Um der Kasse des Theaters über die zu erwartende Zahl der Besucher einen Ueberblick geben zu können, müssen die Gefolgschaftsführer und Führer der Sondereinheiten jeweils am Montag vor einer Mittwochvorstellung an die Kulturstelle des Bannes die Besucherzahl melden. Die Karten wer­den dann eine halbe Stunde vor Beginn einer Vor- tellung gegen Bezahlung an der Theaterkasse ab- ;eholt, und zwar so, daß immer ein dazu vom Ge- olgschaftsführer Beauftragter die Karten geschlossen abholt. Nur eine beschränkte Anzahl von Karten kann abends gegen Vorzeigen des Ausweises noch ausgegeben werden.

Als Vorstellungen sind für die nächste Zeit frei­gegeben: Mittwoch, 4. Noo., OperFigaros Hoch­zeit" 1RM., Mittwoch, 11. Noo. 1. Symphoniekon­zert 50 Pf.

Morgen Hubertusreitjagd.

Am morgigen Dienstag, 3. November, findet als Abschluß der diesjährigen Herbstreitjagden des Standortes die Hubertusreitjagd statt. Das Jagd­feld reitet um 13 Uhr unter Vorantritt des berit­tenen Trompetenkorps des Artl.-Rgts. 45 Fulda von der Artillerie-Kaserne über Kaiserallee, Ludwigs- platz, Neuenweg, Seltersweg, Horst-Wessel-Wall, Lahnbrücke nach dem Stelldichein 800 Meter west­lich des Schlachthofes in den Lahnwiesen, wo etwa um 14.15 Uhr die Jagd mit Auslauf und Fuchs­schwanzgreifen beginnt; dort auch Halali. Für Zu­schauer ist Gelegenheit, die Jagd sich vom Lahnufer zwischen Schlachthof und der Lahnbrücke sublick Heuchelheim anzusehen. Führung der Zuschauer ao Schlachthof am Stelldichein. Für Zuschauer mit Kraftfahrzeug Wagenhalteplatz an Lahnbrücke, süd­lich Heuchelheim.

Oie Straßenbahn-Fahrpreise.

Die Direktion der städtischen Betriebe gibt in unserem heutigen Blatte eine Neuordnung der Fahrpreise auf der städtischen Straßenbahn bekannt. Es werden vier Preisgruppen gebildet, die mit Wirkung vom 1. Dezember ab in Kraft treten. Die bisher eingeführten Arbeiter- und Schülerwochen­karten, sowie alle Monatskarten werden im neuen Tarif beibehalten. Weitere Einzelheiten sind aus der Bekanntmachung ersichtlich.

Oer Lichterbaum

in der Weihnachtswerbung.

LPD. Die Richtlinien der Wirtschaftsgruppe Ein­zelhandel über die Weihnachtswerbung sind nach erneuter Ueberprüfung des Sachverhaltes in einem wesentlichen Punkt abgeändert worden. Es ist nicht beabsichtigt, den Wechnachtsbaum mit brennenden Kerzen aus der Weihnachtswerbung der Einzelhan­delsgeschäfte auszuschalten. Zwecks Vermeidung von Mißverständnissen wird ausdrücklich darauf hin­gewiesen, daß der Lichterbaum in geschmackvoller Weise, die den Grundsätzen des Werberates der deutschen Wirtschaft entspricht, bei der Weihnachts­ausschmückung der Geschäfte Verwendung finden kann. Im übrigen weist die Wirtschaftsgruppe ge­genüber möglichen Mißverständnissen darauf hin, daß die Verwendung sakraler und völkischer Sym­bole des Weihnachtsfestes, wie z. B. Christkind, Engel, Krippe, Knecht Rupprecht, Weihnachtsstern, Weihnachtsbaum, Adventskranz, durch ihre Richt­linien keineswegs etwa für die Werbung untersagt ist, vielmehr werden die Kaufleute aufgefordert, bei solchen Werbemotiven besonders auf Geschmack zu achten.

Lebhafte und wirkungsvolle Weihnachtswerbung ist auch in diesem Jahre besonders erwünscht. Sie kann durchaus erreicht werden, wenn die Kauf­leute wachsam und kritisch ihre Schaufenstergestal­tung betrachten, um sie vor geschmacklosen Ent­gleisungen zu bewahren. Daß dies ohne jede Ein­schränkung der Werbekraft möglich ist, hat die Weih­nachtsausschmückung des Einzelhandels schon im Zusammenhang mit den Richtlinien der Wirtschafts­gruppe im vergangenen Jahr bewiesen, die in der Oeffentlichkeit uhb auch tft der Presse weitgehende Anerkennung und Aufmerksamkeit fand.

7!GLB.

Bezirk Giehen-Land.

Am Samstag hielt der Bezirksverein Gießen- Land vom NSLB. eine Versammlung im Cafö Ebel ab. Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen des Vorsitzenden, Rektor Siegfried, Grohen- Linden, hielt Lehrer Groß, Leihgestern, einen Vortrag über das ThemaFreimaurer machen Ge­schichte". Nach einer kurzen Darstellung und einer klaren Uebersicht über den Aufbau und die Zu­sammensetzung der Freimaurerlogen, sowie über ihre Verbreitung in der ganzen Welt, gab der Red­ner anhand von geschichtlichen Dokumenten ein er­schütterndes Bild über die stille Wühlarbeit der Logen. Er begann mit der französischen Revolution und zeigte die Spuren dieser Tätigkeit bis in die Jetztzeit. Besonders eingehend wurde der Weltkrieg (Spionage, Verrat usw.) behandelt. Zum Schluß Betonte der Vortragende, daß es ein Verdienst der nationalistischen Partei sei, die große Gefahr er­kannt $u haben, die uns vom Weltjudentum denn dieses sei die Trägerin der Freimaurerlogen drohten. Das deutsche Volk soll zu einem großen, starken Block aus Stahl zusammengeschmiedet

Kaust MV.

Ein Aufruf des Reichsnährstandes.

DNB. Der Reichsnährstand erläßt an die Hausfrauen folgenden Aufruf:

Denn daran, daß Ihr in erster Linie immer die Speisen aus Euren Speisezettel seht, die jahreszeitlich bedingt sind, die die deutsche eigene nationale Produktion im Augenblick hervorbringt." Diese Worte aus dem eindringlichen Appell Hermann Görings in seiner mitreißenden Sportpalast-Rede wenden sich an die deutschen haussrauen, denen bei der Ueberbrückung von Bersorgungs- schwierigkeiten die bedeutendste Aufgabe zusällt. Wenn jede Hausfrau mit- Hilst, das zu verwenden, was der Tag bringt, werden wir auch über kleine Einschränkungen Hinwegkommen.

In diesen Wochen hat uns der deutsche Boden in reicher Fülle den kohl beschert, der schon in dem Speisezettel unserer Mütter eine vorherrschende Stellung eivnahm, und der auch heute wieder geeignet ist, unsere Ernährung vielgestaltig zu machen und unsere Versorgung sicherzustellen. Zeht ist es Zeit, sich von dieser reichlich angebotenen Feldfrucht Vorräte hinzulegen, die in den gemüsearmen Winlermonaten den Küchenzettel abwechslungsreich gestalten. Im Herbst und Winter ist der kohl eine der wichtigsten, wertvollsten und billigsten Vitaminquellen, die der deutsche Boden uns schenkt. Ruht diesen Erntesegen aus, solange noch reichliche Vorräte vorhanden sind und deckt Euch ein mit dem, was der deutsche Bauer und Landwirt für Euch geerntet hat.

Gchulungs- und Kameradschastsabend der Gießener Polizeibeamten.

Am Samstagabend hielt die Ortsgruppe Gießen im Kameradfcha,ftsbund Deutscher Po­lizeibeamter imBurghof" einen S ch u - lungs- und Kameradschastsabend ab, zu dem sich alle dienstfreien Beamten der Polizei und Gendarmerie eingefunden hatten. Ein Orchester, das aus Polizeibeamten bestand, stellte fick un­eigennützig zur Verfügung und leitete den Abend mit flotten Märschen ein.

Ortsgruppenfachschastsleiter Lösch

gedachte zu Beginn der Versammlung der 15 tapfe­ren Seeleute, die beim Untergang des Feuerschiffes Elbe I" ihr Leben für Deutschland lassen mußten, ferner gedachte er des verstorbenen Kameraden Georg Hartmann. Gemeinsam wurde das Lied vom guten Kameraden gesungen. Der Ortsgruppen« fachschaftsleiter hieß sodann die Vertreter der Par­tei und die Kameraden willkommen. Er wies darauf hin, daß der Abend dem Zweck der Festi­gung der Kameradschaft und der Volksverbunden­heit dienen solle. Anschließend hielt

Schulungsleiter Burgeleit

einen Vortrag, dem folgendes entnommen fei: Ganz Deutschland, so führte er u. a. aus, stehe in den letz­ten Wochen im Zeichen einer Versammlungs- und Schulungswelle, in der man sich mit dem Welt­feind Nr. 1, dem Bolschewismus, befassen müsse. Der Führer wolle, wenn er gegen den Bolschewismus und dessen Streiter auftrete, damit nicht nur uns, sondern auch die ganze Welt aufklären, und darauf aufmerksam machen, welche Gefahr der Bolschewis­mus für die Welt bedeute. Die eindringliche War­nung an die Welt vor dem Bolschewismus sei nötig. In feinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner vergleichsweise mit den Verhältnissen in Rußland und in Deutschland. Er kennzeichnete die tatsächlichen Verhältnisse im jüdisch - bolschewistischen Rußland und betonte die Notwendigkeit, die Volks­genossen immer wieder auf die russische Lage hin­zuweisen. Er erinnerte daran, wie Reichsminister Dr. Goebbels den Bolschewismus in Rußland als einenMeister der Lüge" kennzeichnete, eine Tat­sache, die schon darin zum Ausdruck komme, daß die bolschewistische Führung in Rußland dem Volke alles versprochen habe, demgegenüber aber Hunger und Not das Ergebnis fei. Seien doch in den Jah­ren 1932/33 nicht weniger denn sechs Millionen Menschen verhungert. Nach dem von den Juden ausgearbeiteten Fünfjahresplan sei es in Rußland nun soweit gekommen, daß der russische Bauer seit 1932 Zwangsarbeit ausführen müsse; seit dem Jahre 1933 müsse jeder Landbewohner, Mann und Frau, sechs Tage des Jahres beim Wegebau mithelfen, und außerdem dafür das Vieh zur Ver­fügung stellen.

All dem gegenüber müsse immer wieder darauf hingewiesen werden, daß der deutsche Bauer nach einer Zeit schweren Niederganges jetzt wieder durch den Nationalsozialismus zu dem gemacht wurde, was er wirklich fein soll: Kraftquelle des deutschen Volkes! Der Bauer, durch den Reichsnährstand ge­fördert, habe durch eine neue Marktordnung, durch

Eier- und Milchgesetz fein sicheres Einkommen ge­währleistet erhalten.

Wie ganz anders sei das Schicksal des russischen Bauern, der glattweg erschossen werde, wenn er sich nicht füge, dem Hab und Gut genommen werde und der dann Zwangsarbeit leisten müsse. Der russische Arbeiter könne leisten soviel sein Körper hergebe, ein Anspruch auf gerechten Lohn habe er niemals; die Wohnverhältnisse des russischen Arbei­ters spotteten jeglicher Beschreibung. Das alles werde in Verkennung der Tatsachen von den Kom­munisten in aller Welt immer wieder als das sowjetrussische Paradies" angepriefen. In feinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner mit den moralischen Verhältnissen in Rußland, mit dem Zerfall von Ehe und Familie und betonte, daß in Rußland von Dolksgesundung und Ausbau keine Rede sein könne.

Demgegenüber müsse man dem Führer immer wieder dankbar sein, daß er uns das Schreckens­regiment des Bolschewismus ersparte, daß er dem Arbeiter eine menschenwürdige Existenz schuf, daß er die Arbeitsfront die NSV., die NSG.Kraft durch Freude" ins Leben rief, die dem Arbeiter mancherlei Erleichterungen im Kampf um die Existenz verschafften. Für den deutschen Arbeiter seien Wohnsiedlungen gebaut worden und im Bau, damit er herauskomme aus Mietskasernen; feine Lebensbedingungen feien ganz unverhältnismäßig viel günstiger als jemals die eines russischen Ar­beiters. Kaum daß hier ein Vergleich möglich feil Der Redner wies dann noch auf Deutschlands Er­findergeist hin, auf deutsche geistige Leistung, die mit 41 an Deutschland gefallenen Nobelpreisen klaren Ausdruck finde. Das nationalsozialistische Deutschland könne, so schloß der Redner, stolz sein auf das, was es bisher geleistet habe.

Ortsgruppen-Fachschaftsleiter Lösch dankte dem Redner für seinen Vortrag mit herzlichen Worten.

Nach einigen geschäftlichen Mitteilungen folgte der kameradschaftliche Teil des Abends. Die mu­sizierenden Kameraden warteten mit guter Musik auf, Sturmführer Kurt Richter trug mit Liedern und Erzählungen zur Bereicherung der Veranstal­tung bei.

Im Laufe des Aends kam immer wieder die Tatsache zur Sprache, daß der Polizeibeamte in­nerhalb und außerhalb des Dienstes stets inmitten der Volksgemeinschaft stehe. UeberaÜ werde der Polizeibeamte freundlich gegrüßt, ja manches Scherzwort werde gewechselt. Auch in den kleinen Städten und auf dem Lande fei der Polizeibeamte eng mit der Bevölkerung verbunden. Mit stolzem und freudigem Herzen könne man sagen, daß wir eine wahrhafte Volkspolizei haben. Die Polizei sei kein Fremdkörper im Volke mehr, zu dem sie ein­mal von den Systemregierungen gemacht worden war. Selbstbewußt und pflichttreu erfüllte der Po« lizeibeamte seinen Dienst. Er wisse, daß auch seine Arbeit Dienst am Volk und Vaterland sei, oaß er mitschaffe am Werke des Führers. Aus verbit­terten und mit sich selbst zerfallenen Männern der Systemzeit seien einsatzbereite Kämpfer für das Dritte Reich Adolf Hitlers, feien Diener der Ge­meinschaft geworden.

werden, an dem alle Versuche der hinterlistigen Feinde scheitern müßten. Diese Arbeit hätte der Nationalsozialismus begonnen, und es sei unsere Ausgabe, in diesem Sinne weiterzukämpfen. Den beinahe zweistündigen Ausführungen folgte starker Beifall.

Nach einigen Ergänzungen von Mitgliedern über ihre Erlebnisse im Weltkrieg dankte Obmann Sieg­fried dem Redner für feinen Vortrag und er­mahnte die Mitglieder, im Kampfe gegen das Welt­judentum nicht zu erlahmen, denn unser deutsches Volk könne nur in fester Geschlossenheit und ziel- bewußter Führung sein Volkstum und seine Kul­tur in reiner Form erhalten. Mit dem Sieg-Heil auf den Führer und mit bem Gesang der National­lieder fand die Versammlung ihr Ende.

»Kirche undBolkStum inGiebenbürgen-

Vortragsabend des Evangelischen Bundes.

Der Evangelische Bund in Gießen hielt gestern abend im Johannessaal eine gutbesuchte Vortrags« oeranstaltung ab. Pfarrer Trapp begrüßte die zahlreichen Teilnehmer, besonders auch den Kirchen­chor der Petrusgemeinde, der den Abend mit einem mehrstimmigen Chorvortrag verschönte.

Im Mittelpunkt des Abends stand der Vortrag von Pfarrer Germer (Großen-Linden) über das ThemaKirche und Volkstum in Siebenbürgen". Er stellte seinem Vortrag ein Wort eines sieben- bürgischen Kämpfers voraus:Meinem Glauben und meinem Volke will ich treu bleiben", ein Wort, unter dem das fiebenbürgifche Volk allezeit lebte und kämpfte. Das Wort, so sagte der Redner, deute Vergangenheit und Gegenwart. Ein Zeugnis dafür, wie das Volk lebte und kämpfte, feien die Kirchenburgen.Beten und sich wehren" fei ein Grundsatz Der Siebenbürger Sachsen. Religion sei ihnen zur Heldenhaftigkeit des Daseins geworden. Siebenbürgrsche Geschichte fei das Hohelied des Mutes.

Die Städte tragen, fo erklärte der Redner dann im einzelnen, durchweg deutsches Gepräge. Die Dörfer sehen aus wie jene in der Wetterau oder im Vogelsberg. Die Kirchen find Mittelpunkt, find großartig ausgebaute Ringburgen. Die Menschen sprechen eine harte deutsche Sprache, deren Mund­art allen zu eigen ist. Siebenbürgen zählt 230 000 Deutsche, die ihr Deutschtum, dort an der Grenze des Abendlandes und des Orients, durch acht Jahr­hunderte verteidigten. Ihre Urheimat ist Rheinfran­ken. Vor 800 Jahren waren sie in das Land ge­rufen worden, zogen im Völkerstrom nach Osten, getrieben von Freiheitsdrang und Landhunger. Im menschenleeren Siedenbürgener Land erhielten sie Königsboden", unterstanden unmittelbar der un­garischen Krone, mußten aber zu aller Zeit kämpfen um ihre Rechte, um Volkstum, und nach der Re­volution auch um ihren Glauben. Darüber hinaus gab es immer Kampf gegen die Türken, ein Kampf, der über drei Jahrhunderte führte. Die Quelle der Kraft für diesen Kampf war immer die Kirche. Die Gegenreformation ging nicht spurlos an den Siebenbürger Sachsen vorüber, aber das evange­lische Christentum blieb in aller Glaubenskraft er­halten.

Das gemeinsame Leid hat die Deutschen im Süb- often Europas zusammengeschweißt. Das Land ist ihnen zwar zur Heimat geworden. Aber sie können es nicht Vaterland nennen. Mit ganzem Herzen hän­gen sie am Reich mit überschwenglichen Hoff­nungen gerade in der Gegenwart. Starken Rückhalt hatten sie immer in dem Bewußtsein, auf vorgescho­benem Posten Vertreter eines kulturell hochstehenden Volkes zu sein und als solche auch in ihrer anders« völkischen Umgebung geachtet zu werden. Eng ist der Zusammenhang mit der Urheimat. Ueberraschend schnell folgen sie den jeweiligen geistigen Strömun­gen im Reich. Weitere Wurzeln der Straft des sie- benbürgischen Volkes sind die Zünfte und Gilden, ist die fast gleichgeartete soziale Lage, die Schicksals­

verbundenheiten der näheren Nachbarschaften, schließ­lich aber auch die straffe Zucht der Kirche. Das völ­kische Leben steht fast ausschließlich unter dem Kraft- ftrom der Kirche. Die Schule ist ein Stück der Kirche. Die Kirche trägt die Veraiüwortung für die Volks, gemeinschaft. In Notzeiten half dem Volk immer wieder die Anspruchslosigkeit der Lebenshaltung.

In seinen weiteren Ausführungen beschäftigte sich der Redner noch mit dem patriarchalischen Verhält­nis, das Pfarrer und Gemeinde in Siebenbürgen verbindet, er sprach von der Belebung des Volks­tums durch den Nationalsozialismus und betonte abschließend die Notwendigkeit der bleibenden Schick- salsverbundenheit von Kirche und Volkstum in Sie- benbürgen. Der Redner beendete mit dem Wunsche, daß Evangelium und Volkstum den Siebenbürger Sachsen erhalten bleiben möge, seinen daykbar an­genommenen Vortrag.

*

** Aufgehobene Straßensperre. Die Straßensperre auf der Landstraßenstrecke Ortsdurch­fahrt Wölfersheim wird ab 2. November auf­gehoben.

** Vorverlegung einer Vorlesung. Die Philosophische Fakultät der Universität teilt uns mit: Die von Herrn Prof. Dr. R. Stadel- m a n n für Dienstag 18 bis 19 Uhr angekündigre Vorlesung:Politische Geschichte des Weltkrieges" ist eine Stunde voroerlegt worden. Sie findet also Dienstags von 17 bis 18 Uhr statt. Hörsaal 33.

** E i n schwerer Verkehrsunfall en eignete sich am gestrigen Sonntagmittag in bei Moltkestraße. Dort geriet ein Personenauto, das mit zwei Männern besetzt war, auf der regennassen, schlüpfrigen Straße an einer Kurve ins Schleudern, so daß der Kraftwagen gegen eine Gartenmauer anprallte. Von den beiden Insassen kam leider einer so schwer zu Schaden, daß er in sehr ernstem Zustand in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte. Der andere Mitfahrer kam im we­sentlichen mit einem Nervenschock davon.

** Schwerer Unfall. Gestern ereignete sich in einem Garten ein schwerer Unfall. Der Schornsteinfeger Heinrich R e n t h , Alicenftraße 37, der mit dem Ausputzen von Bäumen beschäftigt war, stürzte bei dieser Arbeit ab und erlitt schwere innere Verletzungen. Der bedauernswerte Mann mußte durch die Sanitätskolonne vom Deutschen Roten Kreuz in die Chirurgische Klinik gebracht werden. Er liegt schwer danieder.

* Sterbefälle in Gießen. Es verstorben in Gießen in der Zeit vom 25. Oktober bis 30. Oktober. Gießen: am 25. Oktober Henriette Karoline Vogt, geborene Bergen, 64 Jahre alt, Steinstraße 58, am 26. Oktober Heinrich Deibel, Schlossergeselle, 75 Jahre alt, Bruchstraße 24. Auswärtige: Wilhelm Stange, Fabrikarbeiter, 38 Jahre alt, aus Odenhausen Krs. Gießen. Hein­rich Niemeyer, Reichsbahn-Oberlademeister i. R., 68 Jahre alt, aus Vad Salzhausen. Philipp Ben­der, Polizeidiener i. R., 66 Jahre alt, aus Grü- ningen. Ludwig Deibel, Uhrmachergeselle, 37 Jahre alt, aus Lollar.

OaS »Backspiel'' mit Würfel und Zahl

Dörfliche Sitte am Backhaus.

* Groß-Felda (Kreis Alsfeld), 1. Nov. Ein schönes Beispiel dörflicher Gemeinschaft findet sich bet der Benutzung der Backhäuser, von denen wir hier 4 haben. Diese Backhäuser sind nicht wie an­derswo Eigentum der Gemeinde, sondern gehören der Rotte d. h. einem bestimmten Bezirk. Ein zu- gezogener Ortsbürger muß sich erst einkaufen. Jede Rotte hat einen Rottenführer, der die Geschäfte führt. Er sorgt für Reinigung, die nach einer be­stimmten Reihenfolge der übernehmen muß, der am Montag als erster backt, er ist für die bauliche Un­terhaltung verantwortlich, hat die Arbeiten zu ver­geben und muß am Jahresende der Rotte einen Rechenschaftsbericht geben. Auch ein Neubau eines Backhauses ist Sache der Rotte. Nach dem Ergeb­nis des Rechenschaftsberichtes muß eine Umlage er­hoben werden.

Beim Rottenführer findet allabendlich dasBack­spiel" statt, d. h. die Auslosuna der Reihenfolge, nach der am kommenden Tag gebacken wird. Wenn esZu Nacht" läutet, trifft man sich und wählt aus einem Kasten Würfel, deren Zahl bann die Reihenfolge angibt. Der erste braucht natürlich we­sentlich mehr an Holz, um zu Heizen. Bei all diesen Dingen gibt es eine Unzahl von Wörtern und Re­densarten, die wohl in keinem Wörterbuch bet deutschen Sprache verzeichnet find und darum des volkskundlichen Studiums wert sind. Selbst Nach­bardörfer haben für vieles gänzlich andere Wörter und Redensarten.

Dieser Tage weilten nun Backofenbauer hier, um bie Oefen auszubessern. Sie kommen aus ber Trierer Gegend und üben einen ausfterbenben Beruf aus. Sie kriechen inben Back­ofen hinein unb muffen nun barin mit Mörtel aus einer gewissen Porzellanerbe, bie in 3ber Eifel ge­wonnen wirb, arbeiten. In biefer Lage kann man höchstens eine Viertelstunbe arbeiten 'unb ber Maurer wirb dann schweißüberströmt aus dem mehrere Meter tiefen Backofen herausgezogen und gleich in Stroh gesteckt, um gesundheitliche Schädi­gungen zu vermeiden. So wird nun bei gegenseiti­ger Ablösung in mühevoller Arbeit ber Ofen aus» gebessert.

Oer Ueberfatt in Mainz.

Die Frau sollte beraubt werden.

Mainz, 1. Nov. (LPD.) Zu dem Ueberfall in ber Goethestraße in Mainz, wo eine Frau im Hausflur von einem 33jährigen Mann aus Wies- haben burch einen Kopfschutz verletzt würbe, teilt bie Polizei ergänzenb mit, baß ber Täter bei feiner Vernehmung vor ber Kriminalpolizei anfänglich oerschiebene Motive zur Tat anführte, bie höchst unglaubwürdig erschienen. Erst nach längerem hart­näckigen Leugnen bequemte er sich zu dem Geständ­nis, den Schuß deshalb auf bie Frau abgegeben zu haben, um biefe ihrer Barschaft z u berau­ben. Der Täter würbe in Untersuchungshaft ge­nommen.

Theaterfreiplätze fürkinderreicheMÜtter

LPD. Mainz, 30. Oktober. Die Intendanz der Mainzer Stabttheaters gewährt kinder­reichen Müttern unter folgenden Voraussetzun­gen f r e i en Eintritt zu den Vorstellungen des Stabttheaters: Berechtigt sind Mütter von minbestens vier lebenben Kinbern, bie am 1. November bas Alter von 24 Jahren noch nicht erreicht haben und ben Haushalt der Mutter teilen. Ferner ist Voraus­setzung, daß das Gesamteinkommen 400 Mark nicht übersteigt. Die Mütter erhalten Ausweiskarten, bie Abschnitte für fünf Vorstellungen enthalten.