S.Jl.-ifport
Rugby: Deutsch'and-Kankreich 3:6.
In der prächtigen Hindenburg-Kampfbahn zu Hannover wurde am Sonntag der 12. Rugby- Länderkampf zwischen Deutschland und Frankreich ausaetragen. Das mit großer Spannung erwartete Treffen wurde von den Franzosen auch diesmal wieder gewonnen, aber die deutsche Mannschaft lieferte dem großen Gegner einen hervorragenden Kampf und unterlag nur knapp mit 6:3 Punkten, nachdem es bei der Pause noch 3:3 gestanden hatte. Der Sieg der Franzosen wurde zwar erst in den letzten Minuten errungen, muß aber dennoch als verdient bezeichnet werden. Wie beim letzten Turnier in Berlin, zeigte sich auch in Hannover die deutsche Fünfzehn von einer sehr guten Seite und gab sich erst nach tapferer Gegenwehr knapp geschlagen. Trotz dem Wind und dem Regen, der den ganzen Vormittag über andauerte und den Rasenboden schlüpfrig machte, hatte der Länderkampf mit 12 000 Zuschauern einen großen Zuspruch gefunden.
Große Erfolge deutscher Radfahrer.
Koeping/Blersch Radball-Wellmeister.
Mit einem großen Erfolg des deutschen Saal- Radsports endete die am Sonntag in Zürich durchgeführte Weltmeisterschaft im Zweier-Radball. Die neue deutsche Nationalvertretung K o e p i n g / B l e r s ch erwies sich allen Gegnern klar überlegen und siegte im entscheidenden Schlußkampf gegen die Schweizer Osterwalder/Gabler klar mit 7:3 (4:2) abgebrochen. Auch die Europameisterschaft im Einer-Kunstfahren, die im Rahmen der gleichen Veranstaltung durchgeführt wurde, sah einen Deutschen als Sieger. Meister Compes- M.-Gladbach übertraf seine sämtlichen Gegner. Die „Sechstagenacht" in Hamburg holten Bulla/Slaats mit zwei Runden Vorsprung vor Walthour/Croß- ley und Kolvenbach/Kleinegraefe. Einen deutschen Radballsieg gab es noch in Seifhennersdorf, wo die Tschechoslowakei glatt besiegt wurde. Erich Metze belegte beim Stundenrennen in Amsterdam hinter dem siegreichen belgischen Meister Ronsse und dem Franzosen A. Wambst den dritten Platz. Beim 100-Kilometer-Mannschaftsrennen in Paris wurden die einzigen Deutschen Zims/Küster ebenfalls Dritte hinter Llerts/Danneels und Dayen/Falk Hansen.
Deutscher Schütze gewinnt Muffolini-pokal.
Dor Beginn der Weltmeisterschaft im Wurftaubenschießen in Rom wurde ein Wettbewerb um den Mussolini-Pokal ausgetragen. Von insgesamt 100 Teilnehmern blieben noch 25 Schützen für den Schlußkampf übrig. Unter ihnen befanden sich auch die beiden deutschen Vertreter G o e l d e l und Goldschmidt, die beide in der Entscheidung ausgezeichnet abschnitten. Der beste Schütze war der Deutsche Goldschmidt, der mit 31 Treffern den Mussolini-Pokal gewann. Goeldel belegte einen guten siebten Platz. Dem Sieger wurde der Pokal von einem Sohn Mussolinis feierlich überreicht.
Um den Hockey-Eilberschild.
Auf breitester Front nahmen am Sonntag die Spiele um den Hockey-Silberschild, an denen sich die Gaue bzw. Gaugruppen beteiligen, ihren Anfang. Die vier Vorrundenspiele — Südwest/Hessen und Nordmark waren spielfrei — wickelten sich im allgemeinen so ab, wie man es erwartet hatte. Eine Ausnahme machte lediglich der Ulmer Kampf zwischen Baden/Württemberg und Bayern. In ihrem Spiel waren zwar die Bayern überlegen, verloren aber gegen die weit glücklicheren Baden/Württem
berger doch mit 1:2 (0:2). Der Silberlchild-Dertei- diger Brandenburg/Pommern überfuyr in der Reichshaupt Ostpreußen sehr sicher mit 5:1 (2:0). In Leipzig errang Sachsen/Schlesien gegen Mitte mit 4:3 (3:2) einen zwar knappen, aber nicht unverdienten Erfolg. Westfalen/Niederlachsen schlug in Dortmund das Rheinland mit dem gleichen Ergebnis (Halbzeit 2:1).
Ozeanrekordflug in 13 Stunden.
Nach Tagen vergeblichen Wartens startete in den Abendstunden des 30. Oktober der englische Flieger Jimmy Molli so n zu seinem längst geplanten Atlantik-Flug. Don Harbor Grace auf Neufundland bi zum Londoner Flugplatz Eroydon benötigte er eine Flugzeit von genau 13 Stunden 16 Minuten und schlug damit sämtliche „Ozeanrekorde". Mit seinen Flügen England—Kanada, Irland—USA. und Neufundland-England ist Mollison unbestrittener „König des Atlantik".
Trotz des schlechten Wetters wagte der Engländer mit seiner „Bellanca", die mit einem 720-pS- Wright-Cyclon-Motor ausgerüstet ist, ohne Funk- ausrüstung an Bord und ohne jegliche Hilfe den Start in den Nebel. „Es war sehr kalt und ich fror furchtbar", erzählte der Flieger bei seiner Ankunft in Croydon, von wo er nach einer kurzen Ruhepause möglichst nach Kapstadt weiterfliegen will. Die Maschine Mollisons, deren Motor 400 Stundenkilometer hergibt, ist übrigens schon ein zwei Jahre altes Modell, das Bonner-Fritzmaurice im Rennen London—Melbourne flogen.
Kurze Sportnotizen.
Die Stuttgarter Polizeiboxer, verstärkt durch zwei westdeutsche Boxer, trugen am Mittwoch vor 5000 Zuschauern in Nottingham den Rückkampf gegen die englischen Polneiboxer aus und wurden in dem aus neun Kämpfen bestehenden Treffen mit 14:4 Punkten geschlagen. Nur Leitner und Held konnten im Welter- bzw. Mittelgewicht Siege erringen.
Mike Jacobs, der amerikanische Boxveranstalter, befindet sich auf der Ueberfahrt nach Europa und wird in Berlin mit Max Schmeling Zusammentreffen, mit dem er alle Einzelheiten des Weltmeisterschaftskampfes Schmeling-Braddock besprechen wird.
Drei neue Motorrad-Weltrekorde stellte der Engländer James Gutherie auf einer Halbliter-Norton auf der Autorennbahn in Linas- Montlhery auf. Er überbot die bisherige Höchstleistungen, die er selbst über 50 und 100 Kilometer und 100 Meilen hielt.
Kurt K r ö tz s ch, der jetzt wieder begnadigte frühere Gerätemeister und Turnfestsieger, befindet sich noch in sehr guter Form. So holte er sich jetzt überlegen die Vereinsmeisterschaft des TSV. Leuna im Geräteturnen.
Der Mainzer Ruder-Verein beschließt mit 716 Siegen als erfolgreichster deutscher Ruder- verein die Regattazeit 1936. Trotz eines Trainerwechsels haben die Mainzer 24 Wander-, Ehren- und Herausforderungspreise gewonnen.
Die deutsche Wasserballmeisterschaft, deren Durchführung gefährdet erschien, wird nun doch stattfinden. In Stuttgart, Leipzig, Berlin und Hannover werden zunächst Gruppenturniere stattfinden und die vier Gruppensieger werden am 6. Dezember in Berlin um den Titel kämpfen.
Glenn Harbin, der Olympiasieger im 110- Meter-Hürdenlaufen, hat einen Vertrag mit einer Filmgesellschaft abgeschlossen und geht, da er dort sein sportliches Können verwerten will, seiner Amateureigenschaft verlustig.
Otto Schmidt steht im Kampf um die Meisterschaft der Flachvennreiter zur Zeit mit 48 Siegen aus 200 Ritten klar an der Spitze vor dem disqualifizierten Willi Printen mit 43 und dem
Westdeutschen Max Schmidt mit 40 Erfolgen. In der Liste der erfolgreichen Hindernisjockeys nimmt I. Unterholzner mit 24 Siegen den ersten Platz vor dem vorjährigen Champignon Hans Weber mit 23 Siegen ein.
Süddeutsche Hudokämpfer aus Frankfurt a. M. und Wiesbaden werden in der Zeit vom 27. November bis 4. Dezember in London, Oxford, Birmingham und Cambridge kämpfen. Beteiligt sind die Wiesbadener Hohler und Groß und die Frankfurter Brunner, Winkler und Lehmann.
Oesterreichs Tennisspieler haben aü- aelehnt, sich an dem für das nächste Jahr vorgesehenen Wettbewerb um den Tennis-Mitropapokal zu beteiligen.
Länder ohne Schnee, und zwar England und Holland, müssen ihre Skimeisterschasten in alpinen Ländern austragen. In Grindelwald sucht England seine Meister im Abfahrts- und Torlauf am 9. und 10. Januar und Arosa ist am 30. und 31. Januar Schauplatz der holländischen Titelkämpfe.
Deutsche Schwimmer und Wasserballer gingen am Samstag in Amsterdam an den Start. Gisela Ahrendt belegte im 100-Meter-Kraulschwim-
men hinter den Holländerinnen Mastenbroek und Wagner nur den dritten Platz und im Wasserball wurde eine westdeutsche Sieben von der holländischen Nationalmannschaft mit 4:0 geschlagen.
A m ersten Tage des sich über drei Tage erstreckenden Ringerturniers in Göteborg kamen die Deutschen zu schönen Siegen. Hornfischer (Nürnberg), Schwergewicht, Schäfer (Schifferstadt), Welter, und Schweikert (Berlin), Halbschwergewicht, waren über ihre Gegner einwandfrei siegreich. Schweikert unterlag in seinem zweiten Kampf dem Scyweden Johannsson nach Punkten.
Kurt Rappsilber, der frühere deutsche Bantamgewichtsmeister, stand dem derzeitigen Meister Stasch (Kassel) am Wochenende zweimal gegenüber. In Kassel siegte Staach verdient nach Punkten und mit dem gleichen Ergebnis gewann Rapp- filher am Samstagabend in Darmstadt
Der Sachsen-Preis im Werte von 1 10 0 0 Mark, der am Samstag im Mittelpunkt der Dresdener Galopprennen stand, endete mit dem Siege des Erlenhofers Glaukos vor dem einzigen Dreijährigen des Feldes Reichsfürst und Elanus.
Fußball der heimischen Mannschaften.
HersfeldS glückliches Unentschieden.
Weisterschaflsfußball in Hessen.
Bei den Fußball-Meisterschaftskämpfen in Hessen hätte es am Sonntag beinahe eine Ueberraschung gegeben. Kewa Wachenbuchen bestritt sein Spiel gegen den Tabellenersten und bisher unbesiegten Verein Hessen Bad Hersfeld mit einem unbeugsamen Siegeswillen und erst in der allerletzten Minute schafften die Hersfelder den 2:2-Ausgleich. Der zweite Kampf führte Kurhessen Marbura und den VfB. Friedberg zusammen. Die Friedberger warteten mit einer unerwartet guten Leistung auf und errangen einen hohen 6:2-(4:1-)Sieg, an dem es nie etwas zu deuteln gab. Ein halbes Dutzend Tore schoß auch der SC. 03 Kassel in seinem Treffen gegen den zweiten Neuling Niederzwehren. 6:1 (2:0) für die Rothosen war am Schluß das Ergebnis. Das Gesicht der Tabelle ist durch die Ergebnisse dieses Sonntags nicht beeinflußt worden. Einzig die Friedberger haben sich etwas verbessern können.
Aus anderen Gauen.
Gau Südwest: Kickers Offenbach — FSV. Frankfurt 2:2; Union Niederrad — Eintracht Frankfurt 1:2; Spfr. Saarbrücken — Wormatia Worms 2:5; Borussia Neunkirchen — SV. Wiesbaden 3:1; FK. Pirmasens — FV. Saarbrücken 4:1.
Gau Bayern: Wacker München — FC. 05 Schweinfurt 1:0; VfB. Ingolstadt — Ringsee-VfB. Coburg 2:1; BC. Augsburg — 1. FC. Nürnberg 4:0; SpDgg. Fürth — Bayern München 2:1.
Fußball Ergebnisse der Dezirksklasse.
BfB.-R. Gießen — Frohnhausen 1:1, Dillenburg — 1900 Gießen 2:2, SB. Wetzlar — Bissenberg 2:1, Sinn — Raunheim 4:6.
Erst in der letzten Svielminnte gelang es den Frohnhäusern, ein Unentschieden zu erzielen. — Die 1900er hatten in Dillenburg einen schweren Stand, konnten jedoch einen Punkt nach Gießen mitbringen. — Ebenfalls siegten die Wetzlarer erst in den letzten Minuten über die sehr gut spielenden Bissenberger. — Ein sehr torreiches Treffen lieferten sich Sinn und Naunheim. Die größere Schußkraft des Naunheimer Sturmes entschied das Spiel.
DfB.-Reichsbahn Gießen.
BfB.-R. I — Frohnhausen I 1:1.
Auf Grund der seither erzielten Resultate war man auf das Auftreten der Frohnhäuser gespannt. Die Frohnhäuser spielten denselben Kampffußball,
den wir schon immer bei ihnen gesehen haben. Dor einer soliden Hintermannschaft stand eine unermüdlich kämpfende Läuferreihe. Der Frohnhäuser Sturm setzte sich durch die körperliche Verfassung ihrer Spieler restlos ein. Diesem Gegner gegenüber zeigten die VfB er besonders in der ersten Halbzeit ein Spiel, wie man es lange von ihnen nicht gesehen hatte. Tragisch war es für die Gießener, daß sie eine halbe Minute vor Schluß einen Punkt einbüßten. Dem einwandfrei leitenden Schiedsrichter G u t h m a n n stellten sich die VfBer mit: Balser; Schwarz, Fehling; Hauptfeld, Knauß, Michel; K. Schmidt, Feuster, Heß, Szponick, Mattern. Von Spielbeginn an waren die VfBer im Feldspiel leicht überlegen. Immer wieder konnten sie bis in den Strafraum des Gegners vordringen, allerdings fehlte hier der Mann, der auszunutzen verstand. Auffallend war, daß die Frohnhäuser immer wieder durch den Einsatz ihrer Flügel gefährliche Angriffe einleiten konnten. Zwei Flanken von Mattern schufen gefährliche Momente im Strafraum der Frohnhäuser. Ein Schrägschuß von Heß ging zentimeterbreit an der Latte vorbei. Zwei Freistöße gegen die Frohnhäuser konnte die verstärkte Hintermannschaft nur mit Mühe klären. Auch in der Folgezeit behaupteten die VfBer weiterhin ihre Überlegenheit. Aber torlos ging es in die Pause?
Durch eine Umstellung des Sturmes — Szponick ging auf Linksaußen — wurde der Gießener Sturm durchschlagskräftiger. Szponicks Flankenläufe schufen immer wieder Torgelegenheiten. Eine von ihm erzwungene Ecke, gut hereingegeben, köpfte Feuster hoch zu Knauß und der Ball ging unhaltbar in die rechte obere Ecke. Das war in der 14. Spielminute. Vielleicht war es jetzt verkehrt, daß die Gießener auf Halten spielten. Hierdurch hatte die Hintermannschaft der Gäste immer wieder Gelegenheit, hohe Bälle in den Strafraum zu schlagen, die dann öfter nur mit Mühe abgewehrt werden konnten. Bei einem plötzlichen Vorstoß der Gießener schoß Heß am herausgelaufenen Tormann vorbei ins Aus. Auch ein Alleingang Matterns führte zu keinem Erfolg. Noch wenige Minuten waren zu spielen, als der Halblinke der Gäste vom Feld mußte. Da, als die Gießener zwei Punkte schon so gut wie sicher hatten, spielte der Mittelläufer der Frohnhäuser zum Rechtsaußen, der linke Läufer der Gießener verfehlte den Ball, Fehling berührte den Schuß des Rechtsaußen und unter dem sich werfenden Balser überschritt der Ball die Torlinie.
BfB.-R. II — Frohnhausen II 5:1.
Die Gießener fingen nur mit acht Mann an und mußten durch einen Schuß des Rechtsaußen der Frohnhäuser die Führung den Gästen überlassen. Als kurze Zeit später alle Spieler zur Stelle waren.
Nachdruck verboten?
39. Fortsetzung.
19. Kapitel.
„Ich zieh aus. Ich halte die Keiferei nicht mehr aus, damit war ich m Berlin genug gesegnet. Los, geh mit, Leonhardt. Du kannst besser mit den Bäuerinnen reden."
„Warum nimmst du dir nicht eins von den kleinen Häusern vom Werk, die sind doch urgemütlich, und da keift auch niemand, es fei denn, du selber."
„Haus? Ist nun was für Verheiratete, und ne Stube voll Kinder. Und Jo weit bin ich noch nicht."
„Also gehen wir los."
„Wenn ich viel Geld hatte, eine Frau und so weiter, kaufte ich mir die Pension „Waldeck". Ich bin ganz verliebt in das Haus."
„Dann zieh doch hin, mein Sohn."
„Das geht eben nicht, der Besitzer verkauft. Verkauft sogar sehr billig."
Sie wandern durch die kleine Ortschaft Unter* waching, in der es ein schönes Kino gibt zwei Hotels und mehrere Gasthöfe Sie fühlen sich fowei ganz wohl, vor allem Leonhardt. Die Arbeit wächst unter ihren Händen, sie haben Erfolg und finden volle Aberkennung. Sie vertragen sich«wunderbar mit Dr. Mittelftädt und beziehen ein^Gehalt, das jede Sorge von ihnen genommen hat. eie spa- ren all- beide und leben dach mcht schlecht. Sie sprechen manchmal van ihren taten Muttern und wünschen, daß sie es nach, miterlebt hatten, sie hallen zusammen und sind in der Freizeit unzertrennlich. Sie lausen Sonntags Sk, und steigen auf di- Berge, fie trennen sich nur wenn Leonhardt nach Greiding fährt, und das tut er so alle zehn Tage einmal.
„Wie geht- denn eigentlich Frowin Brandes? Ich begreife nicht, daß sie immer noch dort sitz, Hat st- überhaupt mal di- Absicht, nach Berlin zu sah- ren?", bohrt Herdegen wieder einmal an. Es wurmt ihn, daß der Freund darüber so wen.g sagt.
„Es ist ein Unglück, Ludwig. Ich weiß nicht wie ich ihr das klarmachen soll. Jetzt sitzt sie seit drei Monaten in diesem Nest!"
-Kannst du sie wenigstens nach Unterwaching lotsen? Hier ist doch ein bißchen mehr Leben und Betrieb “
Leonhardt seufzt. Er hat schon selber ost daran gedacht, aber immer, wenn er das Thema vorstch- tig bei Hanna angeschnitten hat, war chre Ant-
MMeivSklW?
Vornan von Ilse Schuster.
Copyright 1936 by Aufwärts - Verlag G. m. b. H., Berlin SW 68
wort dieselbe: „Ob ich nun in Greiding oder in Unterwaching Ski laufe, ist doch ganz gleichgültig. Ich habe weder Sehnsucht nach einem Hotel, noch nach Kino und Tanztee, Herr im Wolde. Mich könnte nur eins reizen: Arbeit. Die finde ich dort auch nicht. Vielleicht schaffe ich es noch bis zur Ski-Lehrerin, Skilaufen, das kann ich jetzt."
Arbeit! Nicht, weil man dafür das Geld zum Leben verdienen muß, sondern Arbeit, um dem Kreislauf der Gedanken zu entgehen, die eine Belastung der Seele bedeuten!
„Ob wir mal reingehen können? Was meinst du?", sagt da Herdegen und hat den Fuß schon auf der Treppenstufe. Es ist wirklich ein sehr hübscher Besitz, nicht sehr groß, vielleicht sechs Fremdenzimmer im Giebel und unten drei bis vier Tages- räume.
„Warum nicht, es hat nur gar keinen Sinn, Ludwig. Kaufen kannst du es doch nicht."
Es ist innen noch hübscher, als man von außen denkt, und so wie es liegt und steht, will der Besitzer es verkaufen. Wenn es sein muß, auch vermieten; seine Frau ist gestorben, und nun macht ihm das Sehen hier keine Freude mehr. Er will nach München zurück. Die Herren können sich gern einmal alles näher anfehen — aber bitte sehr!"
„So, vermieten würden Sie auch?", fragt da Leonhardt rm Wolde langsam.
„Ich könnte mich auch dazu entschließen, verkaufen kann ich immer noch." Der alte Herr wird immer zugänglicher, zum Schluß haben die Beiden das Haus vom Boden bis zum Keller besehen. Sie verabschieden sich mit Dank und Entschuldigung, und als sie draußen sind, fragt Herdegen:
„Was hast du denn?"
„Eine Idee."
„Bring sie zu Papier."
Er hat keine leise Ahnung, was Leonhardt eingefallen fein könnte. Ideen heften für ihn nur noch Wert, toenn sie etwas mit Motoren zu tun haben. Sie bummeln durch den sinkenden Abend, und als Herdegen nun endlich wissen will, wie und wo er zu einem Zimmer kommen soll, sagt Leonhardt abwesend:
„Wart mal noch zwei Tage."
Am nächsten Tag, es ist ein Sonntag, steht fein Wagen schon sehr zeitig in Greiding vor dem Haus des Gemeindevorstehers. Hanna schläft noch, aber sie steht sehr schnell auf, als die Sternbäuerin anklopft und ihr den Besuch meldet.
Ganz nett, daß er gerade heute kommt, das Wetter ist schlecht, man kann nur schlafen, essen und eine Stunde spazieren laufen ...
„Guten Morgen, Fräulein Hanna! Ich wollte Sie abholen. Fahrt ins Blaue. Kommen Sie mit?", ruft er ihr im Treppenflur entgegen.
„Wenn es sein muß! Ich kann mich ja einmal überraschen lassen."
Sie trinkt schnell ihren Kaffee, zieht sich den dicken Flauschmantel über und setzt sich in den Wagen. Leonhardt sagt nichts von dem, was er tor- hat — er fährt zwei Stunden lang auf geraden und krummen, auf guten und schlechten Straßen, dann sagt er:
„Wir sind in Unterwaching, Fräulein Hanna. Steigen Sie aus."
Er führt sie in die kleine, behaglich erwärmte Halle des „Berghotels", nur sehr wenige Tische sind besetzt, es spielt auch keine Kapelle; die kommt nur zu besonderen Gelegenheiten aus der Nachbarschaft. Die Möbel sind schlicht, die Bezüge kornblumenblau, vor den hohen, sehr breiten Fenstern hängen glatte Tüllgardinen. Als der Kellner kommt, bestellt Leonhardt Fleischbrühe und Ragoutfin in Muscheln, er fragt Hanna gar nicht, er will, daß sie das ißt, was in den drei Monaten in Greiding bestimmt nicht auf den Tisch gekommen ist. Er wartet mit dem, was er auf dem Herzen hat, bis die Mahlzeit vor ihnen steht.
„Ich habe etwas für Sie, Fräulein Hanna."
„Das dachte ich mir, Sie sind von einer Energie, die man von Ihrem Gesicht ablesen kann. Das Fleisch ist übrigens ausgezeichnet. War eine gute Idee. Hoffentlich ist das, was Sie mir jetzt sagen wollen, ähnlich," scherzt das Mädchen.
„Ich habe Arbeit für Sie. Es kostet erst eine Kleinigkeit, aber das holen Sie bei einiger Geschicklichkeit wieder heraus. Es wird Ihnen auch Freude machen."
„Sie machen mich neugierig, Herr im Wolde." Es klingt gar nicht neugierig, sondern ganz ruhig.
„Wenn wir jetzt gegessen haben, fahre ich Sie zu einem ganz entzückenden Haus. Das kann sofort gemietet werden, mit allem Drum und Dran. Es fehlen dann nur ein paar Gäste, die sich bei Ihnen wohlfühlen sollen. Aber die schaffen wir auch noch."
„Bitte sagen Sie das noch einmal." Hanna Brandes legt die Gabel aus der Hand und sieht nun, wirklich neugierig geworden, zu dem Mann hinüber. So plötzlich yat ihr noch nie jemand einen Vorschlag gemacht, auch nicht so bestimmt und zuversichtlich. Leonhardt im Wolde sagt seine Sätze wortgetreu noch einmal, wie sie es wünscht.
„Aber wie stellen Sie sich denn das vor?", wehrt sie ab. „Ick kann doch nicht einfach eine Pension aufmadjenr
„Natürlich können Sie. Sehen Sie, das ist doch ganz einfach. Nach Berlin zieht es Sie nicht, Bayern gefällt Ihnen und feine Leute auch. Es geht mir übrigens genau so. — Arbeit wünschen Sie sich brennender, als Sie es zugeben und sich selber eingestehen, das wäre ja auch jammervoll, nicht wahr? Zuviel bekannten Gesichtern wollen Sie auch nicht begegnen — bitte haben Sie vor mir keine Angst, ich habe jetzt soviel au tun, daß ich kaum die Füße vors Werk setze — ich falle also
schon aus — wunderbar allein können Sie also auch sein, denn das Häusl liegt oben am Wald, die Gäste brauchen Sie ja nicht zu stören, dafür sorgt schon die Köchin, die Sie haben müssen, und öle wird bald gefunden sein. Die Leute wollen ja auch weiter nichts, als ein gutes Bett, reichlich und gut zu futtern und viel Sonne, dann find sie doch nur zu den Mahlzeiten zu ertragen —" Jetzt macht Leonhardt eine Pause, denn seine Brühe wird kalt.
„Dazu haben Sie mich also hierher gelotst?"
„Ja, Fräulein Hanna. Ich kann das nicht mehr mit ansehen, wie Sie da in Greiding umkommen. Sie müssen jetzt eine vernünftige Arbeit in die Hand nehmen, Menschen ohne Arbeit sind keine. Verzeihen Sie, wenn ich jetzt ein bißchen hart werde, ich will Ihnen nicht wehe tun. Erinnern Sie sich an das Buch, das ich Ihnen einmal gab? Sie hatten es so gut verstanden, vieles steht darin, woran Sie heute denken könnten. Niemand verlangt, daß Sie einen Strich unter Dinge machen sollen, die nur Sie allein angehen, es ist Ihre Sache.
Es hat heute keiner mehr das Recht, eine Arbeit auszuschlagen, wenn Sie angeboten wird, auch Sie nicht, Fräulein Hanna. Arbeit ist mehr als Medizin für schlimme Stunden, mehr als Mittel zum Zweck, Arbeit ist die Säule, die unser Leben trägt, es ist keinen Schuß Pulver wert, wenn diese Säule fehlt.
Das habe ich Ihnen einmal sagen wollen und müssen, Fräulein Hanna. Ich habe mich bemüht, Ihr Leben — gestern und heute — zu verstehen, cs gelingt wir nicht. Denken Sie an Liefe! Gottschalk, sie hat selbst tapfer zugegriffen, wo sie gar keine Lust dazu hatte. Denken Sie an Ihren Vater — verstehen wir uns, Fräulein Hanna?"
Seine Stimme ist drängend, er beugt sich über den Tisch, schiebt die Teller weg und ist versucht, nach der Hand des Mädchens zu greifen. Hanna fitzt aufrecht vor ihm, ihre hellen Augen sind groß auf ihn gerichtet.
„Sie waren zu deutlich, um mißverstanden zu werden, Herr im Wolde. Es ist mehr als eine Herausforderung, die ich nur damit beantworten kann: Zeigen Sie mir das Haus!"
Leonhardt im Wolde ist sofort bereit, der Druck um die Brust, die Spannung seiner Nerven legen sich, aber noch ist nichts gewonnen, Hanna Brandes muß überzeugt fein, sonst ist wieder alles umsonst, und dann vielleicht für immer. Er zahlt die kleine Zeche, und dann fahren fie durch Unter« waching, an den Werken vorbei, die in sonntäglicher Stille daliegen. Nach wenigen Minuten sind sie da. Hanna bleibt sitzen und sieht sich das Haus, von dem erzählt worden ist, genau an. Weiß getüncht bis zum Giebel, grüne Fensterläden, große Holzveranda, in der Hausecke eine geschnitzte Madonna.
(Fortsetzung folgt.)


