Ausgabe 
2.10.1936
 
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Rt. 251 Zweite; Blatt Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Kberheffen)zreltag, 2. (Oktober 1956

Besuch an der katalanischen Front.

XSon unterem Troe-Sonderderichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Saragossa, 24. Sept 1936.

2hr Sonderberichterstatter ist von San Sebastian zu einem Besuch der Kampffront qeqen bas rote Katalonien über Saragossa nach Huesca gefahren. Diese Front, die m den ersten acht Wochen des Krieges die Aufgabe der strategi­schen Derteidlgung hatte, um eine Bedrohung Ma­drids von Osten her durch die zahlenmäßig starken und gut bewaffneten Milizen Kataloniens abzu­wehren, wird sich in eine große Angriffslinie ver­wandeln, sobald die spanische Hauptstadt in den Händen der nationalen Truppen sein wird.

Wir verlassen San Sebastian beim Morgen­grauen. Auf der Landstraße begegnen uns mar­schierende Kolonnen und lange Züge von Lastkraftwagen, Verstärkung und Nachschub ;ür die gegen Bilbao vordringenden nationalen Truppen. Aus der Straße zwischen San Sebastian und Jrun hat man die letzten von den Roten errichteten Bar­rikaden beseitigt. Die schöne baskische Landschaft beginnt ihr alt gewohntes Gesicht wieder zu gewmn- nen. Aber als fürchterliches Mahnmal kommunisti­scher Zerstörungswut und anarchistischer Barbarei grüßen uns die Brandruinen der Stadt I r u n. Wir fahren durch lange Straßenteile, deren Häuser links und rechts völlig ausgebrannt find. Bei Enderlaza, 10 Kilometer südlich von Jrun, benutzen wir die frühere Eisenbahnlinie als Not- straße. Die nationalen Truppen haben sich als tüchtige Pioniere erwiesen, indem sie in wenigen Tagen Schienen und Schwellen abgebaut und eine neue Straße gebaut haben,' die es er­möglichte, Truppen und Material zum Angriff auf Jrun-San Sebastian heranzubringen.

Durch eine wundervolle Pyrenäen-Landschaft, in der nur von Zeit zu Zeit zivile Brückenposten mit umgehängtem Gewehr an den Krieg erinnern, geht die Fahrt über Pamplona durch die reiche Provinz Navarra, die Kornkammer Spaniens. Endlose Getreidefelder erstrecken sich links und rechts der Straße. Die Bodenausnutzung berührt eigenartig, denn nur ein um das andere Fahr wird Getreide angebaut, im Zwischenjahr bleibt das Land zur Erholung brach liegen. In weiten G"bieten sind die Riesenackerflächen gemeinsamer Besitz der Dorfbewohner. Bestellung und Ernte er­folgen in Arbeitsgemeinschaft, und das Korn wird nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt. Daher findet sich in Navarra im Gegensatz zu dem übrigen Spanien ein gesunder Bauern- st a n d, der wiederum die Hauptkräfte für die car- listische Bewegung liefert, die heute trotz ihrer mo­narchistischen Sonderbestrebungen Seite an Seite mit den faschistischen Verbänden und Truppen und dem übrigen nationalen Spanien gegen die zer­setzenden roten Elemente kämpft.

Südlich von Navarra ändert sich das Bild. Die Hügelketten sind trostlos kahl, weil es im Gegen­satz zu Navarra an systematischer Aufforstung die­ses wasserarmen Gebietes fehlt. Noch begleiten uns kilometerlange Getreidefelder. Aber hier sind sie im Besitz von Magnaten und Granden. Die Dörfer machen tum Teil einen trostlosen Ein­druck In manchen Siedlungen wohnen die Land­arbeiter in rohen Erdhöhlen, die oft in mehreren G'schossen an den Steilhängen der wenigen Hügel­ketten liegen und an seltsame Mönchssiedlungen in Asien erinnern. Die Einrichtung dieser Elendswoh- nunaen besteht gewöhnlich aus einer dürftigen La­gerstätte, einem rohen Tisch, einiqen Hockern und einer Truhe. Schweine und Geflügel sind in be­nachbarten Erdlöchern untergebracht.

Hier wohnen, wie ein faschistischer Führer dem Berichterstatter erzählte, zumeist Landarbeiter, de­

ren Tageslohn zwei, höchstens fünf Peseten beträgt, das heißt 0,60 bis 1,65 RM. für Arbeit von Son­nenaufgang bis Sonnenuntergang Von diesem Lohn müssen sie ihre im allgemeinen sehr kinder­reichen Familien ernähren und kleiden. Die Land­arbeiter selbst erhalten freie Verpflegung, die aber für gewöhnlich nur aus Brot, Zwiebeln und Land- wein besteht.Bei diesen Zuständen", so sagte mir ein faschistischer Gewährsmann,sind manche Span­nungen im sozialen Aufbau und politischen Leben Spaniens verständlich. Den Landarbeitern i n An­da l u s i e n geht es noch schlechter, und auch bei den Minenarbeitern von A st u r i e n herrscht zum Teil größtes Elend. Aber das soll im neuen Spa­nien, um das wir jetzt kämpfen, besser werden. Ita­lien und vor allem Deutschland sollen uns in der sozialen Besserstellung des arbeitenden Volkes ein Vorbild sein". Bei dieser Gelegenheit darf oorweg- genommen werden, daß auch der Generalstabschef der Saragossa-Front, Oberstleutnant Dario G a - z a p o , Ihrem Berichterstatter gegenüber besonders die sozialen Gesetze und den sozialen Geist Deutsch­lands pries, ein Zeichen dafür, daß die neuen Män­ner Spaniens dieses so ernste Problem erkannt haben und versuchen werden, es zu meistern.

Auf der 300 Kilometer langen Fahrt von der Biscaya-Küste nach Saragossa grüßen uns die Zeu­gen einer großen Vergangenheit, südlich von Pam­plona kilometerweise die Ueberreste einer alten römischen Wasserleitung, die noch bis vor wenigen Jahrzehnten in Betrieb war und die das Wasser von Pamplona über kühne Brückenbögen aus den Pyrenäen heranführte. Noch weiter südlich treffen wir den Wasserkanal, den Karl der Große angelegt hat und der noch heute das Ebro-Wasser vom oberen Lauf nach Saragossa bringt. Das rotbraune Wasser wird bei Saragossa in riesigen Querbecken gereinigt.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Sara­gossa, die Stadt, die heute noch in ihrem Na­men die Erinnerung an Cäsar Augustus trägt. Diese Stadt, die in wechselnden Jahrhunderten phöni­zische, römische und maurische Heerscharen in ihren Mauern gesehen hat, ist heute Sitz des Oberkom­mandos und Heerlager der nationalen Verteidi­gungskräfte im Kamvf gegen das rote Katalonien. Saragossa hat das Gesicht eines großen Etappen­orts. Uniformen beherrschen das Straßenbild: oliv­grüne Waffenröcke der Truppen, braungrüne Khakis der afrikanischen Legionäre, blaue Overalls der faschistischen Freiwilligen in ihren blauen Käppis, graublaue Overalls der Carlisten mit ihren roten Baskenmützen, dazwischen die älteren Männer in Saragossa mit rot-gelb-roten Armbinden, eine fünftausend Mann starke Hilfspolizei, die den Si­cherungsdienst in den Straßen und den öffentlichen Gebäuden übernommen hat, um alle waffenfähi­gen jungen Männer für den Dienst an der Front freizumachen. Lastkraftwagen mit Truppen, Mu­nition und Proviant verlassen ununterbrochen die Stadt, um die Front zu erreichen, die sich in einem großen Bogen in einer Entfernung von etwa 60 bis 120 Kilometer nördlich, östlich und südlich um Saragossa erstreckt

Der Oberkommandierende der gesamten Sara­gossafront, General Ponte Manso de In­nig a, der Ihren Sonderberichterstatter zu einer längeren Unterredung empfängt, um ihm Auf­gaben und militärische Lage seines Kampfabschnit­tes zu erklären, ist von einer unerschütterlichen S-e- gesgewihheit erfüllt. Bereits zweimal in den Kämpfen an der Guadarrama-Front verwundet, wartet er auf den Tag, da Burgos den Befehl zur Offensive gegen Katalonien und dessen rote Haupt­stadt Barcelona geben wird, die die letzte und ent­scheidende Etavve dieses Krieges sein wird. Ge­neralstabschef Oberstleutnant Dario G a z a p o wie sein G"neral, ein alter Marokkokämpfer, der vor acht Wochen in Melilla den Befehl zum Losschlaaen gegeben hatte, und der mich zu einer Fahrt an die Front nach Huesca einlädt, sagte zuversichtlich lächelnd:In einigen Wochen werde ich Ihnen einen

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Auszeichnung für verdiente Bauern.

Besonders verdiente Bauern roerben am Erntedanktag während der Feier in der Kaiserpfalz zu Goslar dem Führer vorgestellt. Bei die­ser Gelegenheit wird den Bauern ein Holzteller der Staatlichen Bernstein-Manufaktur über­reicht. Die Mitte des Tellers ist durch eine Aehre aus Bernstein ge­schmückt. Die Umschrift lautet:Für Leistungen in der Erzeugungsschlacht Der Reichsminister für Ernäh­rung und Landwirtschaft". Ein sil­bernes Schild auf der Rückseite trägt den Namen des Bauern und den Tag der Widmung.

(Scherl-Bilderdienst-M.)

Wagen bis Barcelona zur Verfügung stellen können."

Einstweilen kann unsere Fahrt aber nur b i s Huesca gehen, Hauptpunkt der Abwehrfront ge­gen zahlenmäßig stark überlegene rote Kräfte, etwa siebzig Kilometer nordöstlich von Saragossa. Ein Major des Generalstabes führte. Ein Wagen mit einer bewaffneten Eskorte von sechs Mann fährt uns voraus, weil kurz vor Huesca die Lage nicht ganz unbedenklich ist. Stündlich können Patrouil­len der Roten sich bis an die einzige Straße durch­arbeiten, die die fast völlig umstellte Stadt mit Saragossa verbindet. In der Tat hält uns etwa fünf Kilometer vor Huesca, das wir auf einem rie­sigen Umweg nach Norden aus der Richtung von Jaca her erreichen wollen, ein Poften an und mel­det, daß die nächsten zwei Kilometer der Straße ständig von den Roten beschossen werden, die fünf­hundert Meter abseits der Straße einen Eisendahn- bamm besetzt haben. Er empfiehlt höchste Geschwin­digkeit. Wir kauern uns so flach in den Wagen wie möglich, und mit 130 Kilometer Stundengeschwin­digkeit fegte der Wagen über die gefährdete Strecke. Wir hören einige Gewehrschüsse, erreichen aber ohne einen Treffer den Eingang von Huesca, der

gegen alle > Überraschungen durch starke Barrikaden gesichert ist.

Eine Stunde vor unserem Eintreffen ist Huesca von F l u g z e u g b o m b e n der Roten be­legt worden. Die Opfer liegen bereits im Hospital, dessen Dach ist zerstört und dessen Fensterscheiben sind geborsten, denn das Zeichen des roten Kreuzes ist für die roten Bomber keine Hemmung. In Huesca, das starke Spuren einer wochenlangen Ar­tilleriebeschießung und Flugzeugbombardierung zeigt, dessen etwa 13 000 Mann starke Bevölkerung aber trotzdem nicht geflohen ist, herrscht ungewöhn­liches Treiben, denn es ist dieser Tage eine starke Offensiobewegung der nationalen Streitkräfte im Gange, um die Klammer um Huesca, die vor eini­gen Tagen zum Teil bis auf ein Kilometer an die Stadt heranreichte, zu lockern. Der erste Ausfall in nordwestlicher Richtung, bei dem Tanks einae- fetzt wurden, war von vollem Erfolg gekrönt. Bei Einbruch der Dämmerung verlassen wir die Stadt, um nach Saragossa zurückzukehren. Dort legt das abendliche Leben in der inneren Stadt auf den Kaffeehausterrassen und auf den Kasinos Zeugnis ab von der Ruhe und Zuversicht der Bevölkerung in die Waffen der nationalen Truppen.

Das Jahr der Blumen.

Die Pflanzenwelt im Oktober.

Die Sonne weckt und erhält jegliches Leben auf unserer Erde, sie spendet das Licht und die Wärme, und von ihrem Gang am Himmelsgewölbe hängt das Dasein aller lebenden Wesen ab, zwar nicht jedes so unmittelbar, aber doch alle... Pflanzen, Tiere und Menschen.

Diese Gedanken liegen uns jetzt besonders nahe, denn es ist Herbst geworden. Bei ihrem scheinbaren Kreislauf im Wechsel des Jahres schafft die Sonne die Jahreszeiten, mit ihr keimen, blühen und fruch­ten und verwelken schließlich die Pflanzen, und so teilt sie das Leben des Menschen, des Bauern ein.

Am 23. September war der Tag der Herdft-Pag- und Nachtgleiche. Ein hochbedeutsamer Tag im Jahre. Von nun an nimmt die Länge des Tages ab, die Nächte werden länger und mit der kürzeren Einstrahlungsdauer sinkt auch die wärmende Kraft der immer schräger einfallenden Sonnenstrahlen. Im Oktober wandert die Sonne vom Zeichen der

Waage im Tierkreis in das des Skorpiones und die Welt verändert ihr Aussehen. Wir spüren und sehen es deutlich, daß eine Wandlung vor sich geht. Es ist jetzt eine ereignisreichere Zeit als irgendeine beliebige im Jahre, als etwa der Uebergang vom Juli zum August. Kalt ist es ge­worden und wechselvoll ist das Wetter; doch es ist eine schöne Zeit, trotz kalter Nächte und nebliger Morgen. Wunderbar ist es, wenn dunkle Wolken­fetzen vor dem frostigen Mond vorbeieilen, wenn dichte, graue Nebel zwischen den nassen Stämmen des Waldes hängen, wenn allmählich eine fahle Sonne sich durchsetzt. Oder wenn bei klarer, wär­mender Sonne prachtvolle Wolkenbilder im kalten Wind über dunkle, braune Aecker und bunte Wäl­der ziehen. Das sind herrliche Landschaftsbilder. Ab­wechslungsvoll, urwüchsig und reich ist der Oktober, dem März und April vergleichbar.

Mit dem Wetter ändert sich auch das Aussehen

Der alle Fester

Eine Erinnerung von Hermann Claudius

Wer hat ihn noch gekannt, den alten lieben dicken Fester, den Schuldiener an der Hafenschule in Sankt Pauli zwischen der Aktien-Bierbrauerei und der Elbe die Dampfer und Schlepper tuteten in jede Unterrichtsstunde mit lebensgegen­wärtiger Kraft hinein, wer hat ihn noch ge­kannt? Man sieht sich um: Keiner. Sie sind alle hinab, die mit ihm waren; die einen hier, die andern in Frankreich und Flandern.

Mir 'aber steht er noch leibhaftig vor meinen Augen. Wie ein Gardeposten stand er hoch und aufrecht an der Tür seiner Schule und alles mußte an ihm vorbei: Lehrer und Schuler. Und mit feinem Takte wußte er überall den rechten Gruß und das richtige Wort. Und es war meistens ein fröhliches, manchmal ein derbes. Dazu in feinem urtümlichen Hamburger Platt oder in einem Hoch­deutsch Hamster Grammatik:Kuddel Mau! Jung! Mit die Nase kommst du in Schule? Schaamst du dir garnix?" Und mit plötzlicher Energie:Wisch di bin Näs aff! Gau!" -

Oder:Peter Bostelmann! Vater Fester kannte jedes Kind seiner Schule bei Namen Die Väter waren schon bei ihm in die Schule gegangen. Was jaulst du denn, Junge? Hast wieder den Schwamm vergessen, was? Laßj bi« «nen. u Se. burtstag schenken, der von selber ach^rkomm,, verstehst? Aber töw man Unb damit eilt der alte Herr nach seiner Schrankkammer und kommt bald mit einem halben Lächeln m der. runden Backen zurück und drückt dem P^er em Stuck ab gerissenen Schulschwamms in öie fianbe

Aach ihn naß! He is banmg brog! Und daß mich das nid) wieder vor kommt! &nUDt,

Karn der kleine Herr Hansen, der Herr Haupt lehrer mit der goldenen Brille, angeschritten,.so nahm sein alter Schuldiener eine gravstatstHe HaU

Ä m Ordnung" Damit "^t- °r ,m Wmter SchuNl7b-Ä Steckenpferde des kleinen Herrn Hansen waren. Und Herr Hansen, der, em Mm, Schwunges «Älfer Wein

Herr Hansen 30fl ledesmal fernenn£ciK.

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irgendeiner wirklichen oder gemachten Gelegenheit schob er sich in seine Klasse und flüsterte ihm zu: Was ich sagen wollte, wenn Sie mal in der Pause runterkucken wollten, ich habe da einen Kaffee ge­kauft! Bei Tomforten, Sie kennen die Firma ja, süperb, sag' ich Sie, Sie versteh'n doch was von Kaffee, Herr Schmidt." Und Herr Schmidt richtet sich hinter seinem Pult auf unb sagte laut, wenn auch etwas heiser:Wenn ich Zeit finben werbe, Herr Fester, gern." Unb er fanb Zeit. Der Alte wußte es. Schmunzelnb ging er hinaus unb gab seiner Frau einen Wink.

Frau Alma Feiser war Mutter Feiser. In ber zweiten Pause wimmelte es in ihrer Kellerküche von lauter Kinbern, großen unb kleinen, bie ihr Glas Milch bort tranken. Mutter Feiser sorgte ba- für, baß bie Milch im Herbst unb Winter unb auch noch an kalten Apriltagen warm war, genau trink­warm. Ä)r Milchmann Gerckens wußte Bescheib, baß bie Milch christlich war, wie sie von ber Kuh kam, unb baß er sie nicht erst zu taufen brauchte. Einen Topf setzte Mutter Feiser für ihren Nach­mittag-Kaffee beiseite, ba sah sie es benn. Unb wehe, wenn ber Rahm sich nicht genügenb abgesetzt hatte! Warb es im Keller an Regentagen gar zu laut unb lärmig, so brauchte Vater Feiser nur selber in ben Keller $u kommen. Alsobalb warb es ruhig, benn bie unnützen Schreier brachte er mit heiterster Konsequenz an bie frische Luft.

Vater Feisers große Liebe aber gehörte ber Oper. Ihr opferte er seit Jahren im bamaligen Stabt- theater ein Abonnement im Parkett I. Er zog seinen guten schwarzen Anzug an unb schob ben Ehering unb einen bieffteinigen Erbring über bie Finger seiner trotz aller Besenarbeit immer noch weichen unb vornehmen Hanb. Unb seine Alma mußte sich frisieren lassen. Danach brach es am anbern Morgen in ihm los:Hören Sie bloß! Wir haben Carmen gehabt, Carmen! Diese Musik. Das schauert einen orbentlich! Wenn sie sich so hinschmeißt länge- lang! Oh!" Unb er machte bie Augen halb zu unb legte ben Graukopf schwärmerisch in ben Nacken.

Das Schicksal traf ihn, als berfeine Mann", Herr Hansen, versetzt warb unb ein übereifriger Drbnungsmann, nennen mir ihn Herrn Grotjahn, an besten Stelle trat. Es wehte vom selben Tage an eine anbere Luft in ber Hafenschule. Es war auf einmal überall Zugluft. Man getraute sich nirgenbs mehr. Die Spürnase Grotjahns war über­all, sein krähenber Tabel allerorten. Die Kinber bürsten nicht mehr im Feiserschen Keller ihre Milch trinken, sonbern auf dem staubig-zugigen Korridor. Er, Herr Grotjahn, habe in der Schuldienerwohnung kein Aufsichtsrecht über die Kinder Das könne er nicht verantworten.

Der alte Feiser kannte sich nicht mehr in seiner Schule aus. In wenigen Wochen schlotterte ihm bie

Weste. Die runben Wangen falteten sich. Immer noch stand er morgens feinen Posten, aber stumm und bekümmert und mit gesenktem Kopfe. Es war alles sonst durch ihn gegangen. Und wenn es auch nur seine Einbildung gewesen war, daß alles durch ihn gegangen wäre: Niemand hatte ihn in dieser Einbildung, die keinen behinderte und allen zugute kam, gestört. Jetzt ward er gescholten. Zitternd sagte er mir eines solchen Tages:Er meint es am Ende gar nicht bös, aber er bat feine Art. Er sagt nicht: Herr Feiser zu mir. Er sagt: Herr Schul­diener! Unb er ist gerabe ein knappes halbes Jahr hier, unb ich gute breifeig. Is bas gar nix sag' ich?"

Nach einem Jahr bat er um seinen Abschieb, er­hielt ihn, zog nach braufeen in bie Vorstadt, saß auf seinem Balkon und sehnte sich nach seinem lärmenden Sankt Pauli und dem Tuten der Elb- dampfer und starb rasch und ward auf dem kleinen Totenhof bei ber St.-Paulikirche begraben.

In meiner Erinnerung aber lebt er noch als ein schlichter Mensch voll Lustigkeit unb lauterer Güte unb als ein Beispiel, bafe bloßeDilbung" ein schartig Ding sei.

Wie man vor Zeiten IZebbiihner jagte.

Die Feinschmecker, bie ber leckeren Gabe ber kuli­narischen Saison, bem Rebhuhn, anoächtig Gerech­tigkeit widerfahren lassen, und auch die Anhänger des Jagdsportes, die mit der Büchse im Arm dafür sorgen, daß auf der Speisekarte die Rebhühner nicht gestrichen werden, werden mit Vergnügen wenn auch freilich ohne praktischen Nutzen er­fahren, wie man in der guten alten Zeit Rebhüh­ner jagte. In einem alten italienischen Jagdhand- buch wird dem Rebhuhnjäger folgendes empfohlen: Beobachte den Ort. wo die Rebhühner trinken, jedoch hinterlasse keine Spuren. Ehe Du jedoch Deine Netze aufstellst, beachte lieber zwei oder drei Tage, ob die Rebhühner auch wiederkommen. Dann richte die Netze auf, nach der Seite des Waldes zu. Um nun die Rebhühner in die Netze zu trei­ben, stülpst Du eine große Maske über den Kopf, die das Hauvt eines Odilen darftellt Den aanzen Körper bekleide mit Fell ober fellähnlichem Le­der. Ein Jagdgefährte, ebenfalls in Fell gehüllt, muß Dich dann von rückwärts umarmen, so daß von weitem der Umriß der beiden Jäger wie ein einziger Ochse aussieht. In dem Fell muß eine kleine Deffnung sein, ein Fenfterchen, durch bas man hinausschaut, um bie Rebhühner zu beobach­ten unb sie richtig 3um Netz zu bringen. So nähert man sich ihnen, währenb man Glocken tönen läßt, Kuhglocken Hat man keine Masken unb keine Felle, so kann man auch einen großen Busch ver- roenben, hinter ben man sich versteckt ober den man

vor sich herträgt. Um ben Laut der Rebhühner nachzuahmen, nimmt man einen Rebhuhnknochen zwischen die Zähne; er ist durchlöchert; und bei einiger Geschicklichkeit wird man es vermögen, ihm einen Laut zu entlocken, der dem der Rebhühner so ähnlich ist, daß die Tiere selbst ihn nicht unter­scheiden können."

Gloria-paiost:

llngeküht so» man nicht schlafen ae*en*

Unter dieser beherzigenswerten Devise entrollt sich na.'j tausendmal erprobten unb immer roieber un­fehlbaren Methoben bes Situationsschwankes eine mirbelnbe Hanblung, bie sich schlechterbings nicht erzählen läßt: was sich ba um eine Kußverfteigerung herum entfaltet mit verwechselten Türen, verwech­selten Fräcken unb verwechselten Personen, bas kann man nur mit Staunen unb entroaffnenber Heiterkeit über sich ergehen lassen: es geschieht unter ber Regie von E. W. Emo in einem aufgepuloer- ten Lustspieltempo, unb Robert Stolz hat eine hübsche unb angenehm sangbare Musik bazu ge­schrieben. Im Mittelpunkt ber turbulenten Ereig­nisse: bas Komikerterzett Theo Lingen, Hans Moser unb Heinz Rühmann, von benen jeher reichlich Gelegenheit finbet, feine persönliche Note zur Geltung zu brinaen Besonbers Rühmann in seiner maulfaulen Muffligkeit unb Moser mit seinem aufgeregten Wortschwall bilben einen er­götzlichen Kontrast. Daneben tun sich Liane H a i b, Susi Lanner unb Ivan Petrvvich hervor. (Siegel Monopolfilm GmbH.) Im Beiprogramm: bie schon bekannte Wochenschau unb zwei Kurzfilme. Alles in allem zwei Stunben unbeschwerter Un­terhaltung. hth.

Zeitschriften

Unter bem TitelLe Journal fran^ais Langenscheidt gibt ber Sprachenverlag Langenscheibt (Berlin - Schöneberg) nun neben Langenscheidts English Monthly Magazine auch eine Monatsschrift zur Pflege unb Förderung französischer Sprachkenntnisse heraus (Preis 0.50 Mark). An interessanten Artikeln bringt das 1. Heft u. a. einen Ueberblick über die politische Entwick­lung Frankreichs, eine Novelle von Paul Morand, eine humorvolle Abhandlung über die sensationelle Entdeckung des Bordbuches Noahs aus der Arche und eine amüsante Pariser Gerichtsverhandlung, ferner Witze und Kreuzworträtsel. Alle weniger bekannten Wörter sind in einer Spalte neben dem Text übersetzt und mit Toussaint-Langenscheidt-Aus- sprache versehen. Das Heft wird mit seinem reich bebilderten Inhalt Freunden ber französischen Sprache willkommen sein.