Einzelheiten aller dieser Feiern nicht berichtet werden, da das viel zu weit führen würde, wir können aber die erfreuliche Tatsache berichten, daß nach unserer bisherigen Kenntnis der Vorgänge die Feiern allenthalben einen vortrefflichen und stimmungsvollen Verlauf genommen haben.
Ehrung durch den Gauleiter.
Gauleiter Sprenger nahm im Rahmen der Feier in Frankfurt die Ehrung der Reichs- oerufswettkampfsieger vor. Der Gauleiter führte u. a. aus:
Am Nationalen Feiertag des deutschen Volkes, dem Tage, an dem das oeutsche Volk vor aller Welt seine Einigkeit und Zusammengehörigkeit unter Beweis stellt, habe ich zunächst die Verpflichtung, die Sieger im Reichsberufswettkampf des Gaues Hessen-Nassau zu begrüben. Ich beglückwünsche die Jungen und Mädel, die aus diesem Wettkampf als Sieger im Reich heroorgegangen sind, zu ihren wundervollen Leistungen, die sie vollbracht haben. Ihr Sieg soll und muß ihnen A n - sporn fein, in den künftigen Jahren der Fortentwicklung ihres Könnens eine gesteigerte Leistung zu vollbringen. Dieser Sieg muß aber auch allen andern ein Ansporn sein, beim nächsten Reichsberufswettkampf unter den Siegern zu weilen. Allen Volksgenossen aber soll der Reichsberufswett- kampf vor Augen führen, daß wir den Platz, der uns gebührt, nur dann erringen, wenn jeder ver
sucht, das Beste zu leisten im Dienst am deutschen Volk. Wir erreichen dieses Ziel, wenn wir alle dem Führer nach folgen.
Hierauf wurden die Reichssieger, sieben Jungen und zwei Mädel, dem' Gauleiter durch den Stabsleiter des Gebiets, Oberbannführer Brandt, vor- geftellt und zwar:
Hans Sander, Offenbach, Banklehrling (als Reichsbester des Gaues in Berlin als Gast des Führers);
Hermann Geißler, Frankfurt a. M., Tapezierer;
Richard Adam, Offenbach, Feintäschner;
Robert Alban, Offenbach, Modellzeichner in
Schuhfabrik;
Heini Stuck, Frankfurt a. M., Gerber;
Paul Eckert, Neuenschmitten, Steingutmaler;
Josef Steier, Frankfurt a. M., Koch;
Elfriede Müller, Wiesbaden-Biebrich, Blumenbinderin;
Emilie Gutmann, Wiesbaden-Biebrich, Verkäuferin.
Der Gauleiter reichte jedem der Sieger bealück- wünschend die Hand und ließ ihnen eine Ehrenurkunde überreichen. Dabei gab er feiner Freude Ausdruck, daß gerade die Gruppe Leder, die im Gau Hessen-Nassau eine so bedeutende Stellung einnimmt, so stark vertreten ist. Der Gauleiter lud dann die Jungen und Mädchen ein, nach der Kundgebung seine Gäste zu sein.
Aus der Provinzialhauptstadt.
„D mai, du edler moien!*
Sonderbarererweise hat neben den anderen üblichen Bezeichnungen noch niemand dem „güldnen Monatskönig Mai" den Namen „Dichtermonat" gegeben. Uno das ist besagter „Wonnemond" doch gewiß, wie außer unserem Ueberschristsvers aus dem Jahre 1594, außer dem gesamten erhaltenen deutschen Schrifttum seit den ersten ritterlichen und klösterlichen Sängern, vor allem die neuzeitliche Dichtung beweist. Christan von Hamle singt 1210:
„Der Maie kommt mit Schalle, die Vöglein fingen alle; von mancher Farbe reich ist die Heide wonnegleich."
„Wonne" ist das althochdeutsche Wort „wunni" d. i. „Wiese" oder „Weide". Im Mai schickt man nicht nur das Vieh auf die Weide, sondern auch das Herz geht auf die „Weide", wie man ja noch heute von „Augenweide" spricht. Es ist also fast noch hübscher als vom „Wonnemond" vom „Weidemonat" zu sprechen; und durch die Sprachreinigung, die Karl der Große vornahm, erhielt der lateinische „majus" ja tatsächlich den Namen „wunnimanoth". Daß diese gesegneten Wochen außer Lebensfreude auch Lebensnahrung schaffen, sagt Friedrich von Logau — um 1640:
„Dieser Monat ist ein Kuß, den der Himmel gibt der Erde, daß sie jetzund seine Braut, künftig eine Mutter werde."
Der Bauer zumal empfindet als Pfleger der Scholle die große Bedeutung, die ein normaler Verlauf des Maien haben muß, und auch er findet — außer den sattsam bekannten Reimen — viele poetische Mairegeln. Im allgemeinen herrscht die meteorologisch anerkannte Meinung in jenen Bauernsprüchen, die besagen, daß ein überwarmer Mai schwere Rückschläge für die Reifezeit befürchten läßt. Es gilt also fast überall:
„Abendtau und kühl im Mai bringt viel Wein und gutes Heu." In anderer Form heißt es: „Kühler Mai — viel Heu und Streu", oder „Kühler Mai bringt vielerlei". In Sachsen reimt man „Mai- rnond kalt und windig, macht die Scheuer voll und pfündig." Aber „Maienfrost den Blüten und Früchten das Leben koft't." Gewiß ist's alljährlich, daß sich Mamertus (11. Mai) nochmal „die Pantoffeln vorholt"; und friert er noch nicht an den Füßen, so tut es gewiß einer seiner Nachfolger bis zur „kalten Sophie" (15. Mai). Dennoch geht das Wachstum inzwischen rüstig voran; ja besagter „Sophie wächst der Flachs bis ans Knie", wenn alles gut geht. So gern man den Mairegen hat, der nicht nur Gras und Korn, sondern auch die Kinder wachsen läßt, so will man ihn an einigen Tagen nicht sehen: „Pankraz (12.5.) und Urban (25.5.) ohne Regen bringen dem Weine großen Segen";
auch sagt man — und Urban ist ja der Weinheilige! — „Wie Urban das Wetter hat, so findet's in der Lese statt."
Aber auch in Gegenden, wo man sich nicht viel „mit Wein beschäftigt" sagt man: „Wie St. Urban sich verhält, so ist das Heuwetter bestellt", oder „Wenn's am Utbantage regnet, verliert jede Aehre ein Korn." Sonst aber kann man gute, nacht allzu grobe Güsse vertragen: „Mairegen up de Soaten, denn regnet bat Dukaten." Die „Maifeuchten", Tau und Regen, haben ja auch sonst ihren Wert; so macht z. B. der erste Tau zum Monatsbeginn die Menschen gesund und schön. In einem Volksliede überliefert Uhland uns solchen Brauch:
„Mit dem Tau der Maienglocken wäscht die Jungfrau ihr Gesicht, badet sie die goldnen Locken."
Ja, der Mai hat geheime Kräfte und er soll sogar die Herzen griesgrämiger Leute bezaubern können!
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
NSLB., Kreis Gießen, Mädchenerziehuna, technische Fächer: 15 Uhr in der Mädchenberufsschule Vorträge. — Gloria - Palast, Seltersweg: „Der müde Theodor". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Entführung". — Oberhefsiscker Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 17 bis 18 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsfeld (Danzig) und P. A. Böckstieael (Dresden). — 19 Uhr Maienblasen vom Turm Der Stadtkirche. — Artillerie-Verein Gießen: 20.30 Uhr Kameradschaftsahend im „Hessischen Hof".
Tageskalender für Sonnlag.
Stadttheater: 19 bis 21.30 Uhr „Tiefland". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Der müde Theodor". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Die Entführung". — Heimatvereinigung Schiffenberg: 16 Uhr Hauptversammlung und Familienzusammenkunft aus dem Schiffenberg. — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 11 bis 13 Uhr Ausstellung von Werken von Fritz Heidingsfeld (Danzig) und P. A. Böckstiegel (Dresden). — Reichstreubund, Ortsgruppe Gießen: 10.30 Uhr Zusammenkunft vor der Waldkaserne und Empfang der Kameraden aus Friedberg und Bad-Nauheim.
Der Theaterspielplan vom 3. bis 10. Mai.
Aus dem Stadttheaterbüro wird uns geschrieben: Sonntag, 3. Mai, von 19—21.30 Uhr zum letzten Mal die Over „Tiefland" von Eugen dÄlbert, Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul W r e d e. Die Vorstellung ist außer Abonnement. — Dienstag, 5. Mai, von 20—22.30 Uhr Erstaufführung des Matrosenstückes „In Luv und Lee die Liebe , Lustspiel von Friedrich Lindemann.
Spielleitung: Kurt ßüpfe. 29. Vorstellung im Dienstag-Abonnement. — Mittwoch, 6. Mai, von 19.30—22 Uhr die Operette „Schwarze Husaren" von W. W. Goetze. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Der Intendant. 29. Mittwoch-Abonnement. — Freitag, 8. Mai, Erstaufführung der Oper „Der Apotheker", Komische Oper von Joseph Haydn. Musikalische Leitung: Paul Walter. Spielleitung: Paul Wrede; hierauf „Susannes Geheimnis", Oper in 1. Akt von Eram- no Wolf-Ferrari. Musikalische Leitung: Paul W a l- t e r. Spielleitung: Paul Wrede. Dauer von 20 bis 23 Uhr. 29. Vorstellung im Freitag-Abonnement. — Samstag, 9. Mai, von 20—22.30 Uhr zum letzten Mal als Vorstellung der Deutschen Bühne die Luftspieloperette „Die unvollkommene Ehe", musikalisches Lustspiel von A. Nehring. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Paul Wrede. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse. — Sonntag, 10. Mai, von 11.30 bis 12.30 Uhr 5. (letzte) Morgenoeranstaltung. Abschieds- konzert des Städtischen Orchesters. Werke von Johann Strauß. Leitung: Paul Walter. Für Stammabonnenten ist der Eintritt frei! Von 19 bis 21.30 Uhr außer Abonnement die letzte Operet- tenvorstellung der Spielzeit: „Schwarze Husaren", Operette, (nach einem Lustspiel von Leo Lenz) von W. W. Goetze, Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. Spielleitung: Der Intendant.
Die heimatvereinigung „Schiffenberg"
hält am Sonntagnachmittag auf dem Schiffenberg ihre Hauptversammlung ab. Anschließend findet eine Familienzusammenkunft statt. (Siehe Anzeige vom Donnerstag.)
Ratsherren-Sihung.
Oberbürgermeister Ritter hat die Ratsherren unserer Stadt auf kommenden Mittwoch, 6. Mai, 15 Uhr, zu einer Sitzung in das Stadthaus, Bergstraße, ringelnden. Auf der Tagesordnung steht zunächst eine Straßen- und Baufluchtlinien-Aenderung zwischen Schiffenberger Weg und Heegstrauchweg, sodann werden sich die Ratsherren mit der Haushaltssatzung für 1936 und mit der Erhebung einer Filial- und Warenhaussteuer für das Rechnungsjahr 1936 beschäftigen.
Die öcuifdie Arbeitsfront ' n.9.=6cmeinrdiaft „firaft öurdi frcubc"
Unsere nächste Radwanderung wird am Sonntag, 3. Mai, durchgeführt. Die Wanderung führt zunächst nach Butzbach, über Münzenberg und Kloster Arnsburg nach Lich. Die Abfahrt erfolgt um 7.30 Uhr am Katholischen Vereinshaus. Führung Wanderwart N e b e. Wir bitten um zahlreiche Beteiligung.
Anmeldungen für die Heidelbergfahrt am 10. Mai werden noch bis zum 6. Mai auf der Kreis- dienststelle, Schanzenstraße 18, entgegengenommen. Der Fahrpreis beträgt 4,20 RM. mit Schloßbesichti- gung. Für die Wanderlustigen ist eine Wanderung in das Neckartal vorgesehen.
Sportamt »Kraft durch Freude".
Tenniskurse.
Die Stunden für die Tenniskurse liegen: Montags von 18 —19 und von 19 — 20 Uhr, Dienstags „ 18 —19 „ „ 19 — 20 Uhr,
Sonntags „ 8— 9 „ „ 9 —10 Uhr.
Die Kosten für den 6ftünbigen Kursus betragen für Mitglieder der DAF. 4,80 RM., für Nichtmitglieder 6,— RM. Lehrer, Schläger, Bälle, Platzmiete, Balljungengebühr ist im Preis mit einbegriffen. Anmeldungen nimmt die Geschäftsstelle, Schanzenftrahe 18, entgegen.
Reiten.
Für die Reitkurfe Montags und Mittwochs abends find noch einige Plätze frei. Die Kosten betragener Mitglieder der DAF. 6,— RM., für Nichtmitglieder 9,— RM. (6 Stunden). Anmeldungen an die Geschäftsstelle, Schanzenftraße 18.
Für die Kurse Fechten, Schach, Rollschuhlaufen, Kindergymnastik werden ebenfalls noch Anmeldungen angenommen.
Für die Kurse Schwimmen, Fröhliche Gymnastik und Allgemeine Körperschule ist keine vorherige Anmeldung erforderlich.
Gießener wochenmarktpreise
* Gießen, 2. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Molkereibutter, das Pfund 1,55 Mk.,
Landbutter 1,42 , Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mk., Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse S 11, Klasse A 10^, Klasse B 10, Klasse C 9%, Klasse D 9, ungezeichnete 8, Ganse- eier 30, Enteneier 9 bis 11, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 20 bis 25, gelbe Rüben 10 bis 12, rote Rüben 10 bis 12, Spinat 12 bis 15, Römischkohl 12, Spargel 80 Pf. bis 1 Mk., Unterkohlrabi 8 Pf., Feldsalat 80 bis 90, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 12 bis 14, Meerrettich 30 bis 65, Schwarzwurzeln 20 bis 35, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln 5 Pf., 10 Pfund 45 Pf., der Zentner 3,70 bis 3,90 Mk., Aepfel, das Pfund 25 bis 50 Pf., Zwetfchenhonig 40 bis 45, Nüsse 45, junge Hähne 90 Pf. bis 1 Mk., Suppenhühner 85 bis 90 Pf., Tauben, das Stück 50 bis 60, Salat 15 bis 20, Salatgurken 40 bis 60, Oberkohlrabi 20 bis 25, Lauch 5 bis 10, Sellerie 10 bis 35, Rettich, alte 20 bis 25, neue, das Bündel 30 bis 40, Radieschen, das Bündel 12 bis 15 Pf.
Zirkus Althoff in Gießen.
Schon seit einigen Tagen fallen an verschiedenen Stellen unserer Stadt die großen Reklametafeln auf, die der Zirkus Althoff aufstellen ließ. Die Reklamekolonnen haben darüber hinaus gute Vorarbeit geleistet, denn auch in vielen Schaufenstern prangen die bunten Plakate, die ja in ihrer Art unverkennbar sind. Zirkus Althoff, der den Ruf hat, Deutschlands ältester Zirkus zu fein, ist auch in Gießen kein Unbekannter. Nach großen Gast- spielerfolgen in London, Paris, Brüssel, Warschau und Köln kommt Zirkus Althoff mit seinem gesamten Material und seinem ungekürzten Programm nach Gießen. Dor allem besitzt Zirkus Althoff ein ausgezeichnetes Tiermaterial. Große Elefantendref-- furen, Löwendressur und Artisten besten Rufs sind die Hauptstützen des Programms. (Auf die heutige Anzeige fei hingewiesen.)
Mit „Kraft durch Freude" zum Zirkus Althoff.
Die NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude" hat mit der Direktion des Riefenrenn- bahn-Zirkus Althoff ein Abkommen getroffen, wonach die Mitglieder der NS.-Gemeinfchaft „Kraft durch Freude" und aller angefchloffener Formationen ab 2. Platz an aufwärts nur halbe Preise zahlen. Zu diesem Zwecke werden Ermäßigungs- karten herausgegeben, die kostenlos bei den Geschäftsstellen und den Orts- und Betriebswarten der K. d. F. zu haben sind. Evtl, fehlende Karten werden gegen Ausweis auch im Büro des Zirkus, Wagen 5, ausgegeben. Diese Ermäßigungskarten müssen zusammen mit Programm am Eingang und an den Kassen vorgezeigt werden.
** Evangelisch-kirchliche Personalien. Ernannt wurde der Pfarrverwalter Hans Vogel zu Spachbrücken, Dekanat Groß-Umstadt, zum Pfarrer dieser Pfarrei mit Wirkung vom 1. Mai 1936 ab. — Bestätigt wurde die von den Kirchenpatronen, den Sämtlichen Riedesel, Freiherren zu Eisenbach, Erbmarschalle zu Hessen vorgelegte Präsentation des Pfarrers Hermann D o tz e r t zu Lau- • terbach — 2. Pfarrei — zürn Pfarrer der 1. Pfarrei Lauterbach, Dekanat Lauterbach, mit Wirkung vom 16. April 1936 ab.
** Sitzung des Provinzialausschus- f e s. Am Montag, 4. Mai, vormittags 8.30 Uhr, findet im Sitzungssaal des Regierungsgebäudes zu Gießen eine öffentliche Sitzung des Provinzialaus- fchuffes statt mit folgender Tagesordnung: Klage des Otto Damm in Beuern gegen den Beschluß Des Kreisamtes Gießen vom 5. Oktober 1934 wegen Entziehung des Führerscheins für Kraftfahrzeuge; hier: Berufung gegen Das Urteil Des Kreisausschusses des Kreises Gießen vom 14. Dezember 1934. — Dienststrafverfahren gegen den Schutzmann Adolf Pfeifer in Vilbel.
** Wiederfehensfeier des Ref.-Jnf.- R e g t s. 116 in Friedberg. Am 23. und 24. Mai findet in Friedberg eine Wiederfehensfeier des Ref.» Jnfanterie-Regiments 116 statt. Die diesjährige Wiederfehensfeier foll in größerem Rahmen ftatt» finden. Aus diesem Grunde wurde der ehemalige Standort Friedberg als Festort gewählt, da viele Kameraden ihre Garnison einmal Wiedersehen wollen.
** Vieh markt in Gießen. Am kommenden Dienstag findet hier Rindoieh-(Nutzvieh-)Markt statt.
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CL i. ■ i. ■ i i ! Gesunde Haut
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jRoman von Marlise Köttlng.
Urheberrechtsschutz: Verlag Oskar Meister, Werdau.
5. Fortsetzung. Nachdruck verboten!
Aber zwischen Dem, was Benedikte „leben" nannte, jenem aus Der Zukunft verheißungsvoll herüberlachenden Wunfchtraum und ihrem jetzigen Dasein tat sich ein Wirbel von Arbeit und Unruhe auf. Sie war ja noch Geschäftsangestellte und mußte bis zum Tag ihres Ausscheidens ihre Pflichten genau so erfüllen wie vorher. Dazu aber kamen noch hunderttausend Dinge.
Da war zunächst einmal die Annahmeerklärung Der Erbschaft vor Gericht. Das gab Laufereien unD Zeitverlust. Der Personalchef gewährte mit unzu- frieDenem Gesicht Den erbetenen Urlaub. BeneDikte hatte wichtige Familiendinge als Segrünbung angegeben. Den wahren Grund mochte sie nicht sagen. Es war lächerlich, und sie ärgerte sich über sich selbst. Aber es beherrschte sie nun einmal ein kleiner Aberglaube. Ehe sie nicht alle Formalitäten ganz in Ordnung hatte, wagte sie nicht, an eine Aenderung ihres Daseins zu glauben.
Und wenn sie so zwischen Haus, Geschäft und Gericht hin- und herhetzte, erschien es ihr wirklich ganz unmöglich, daß sie in wenigen Wochen dies alles hinter sich haben sollte. Nicht mehr jeden Morgen eilen müssen in das große Geschäftshaus mit feiner bereits am Mittag verbrauchten Luft, seinem künstlichen Licht auch am Hellen Tage, seinem unaufhörlichen Summen, seinen Menschen, seinem ewigen Hin und Her? Sie sollte nicht mehr vom Autobus zur Elektrischen hasten brauchen, um- tost von dem Lärm der Weltstadt? Sie sollte da irgendwo sein, in der Stille, wo nur Meer und Wind sprachen? Wo das Auge nicht ermüdete von immer neuen und wechselnden Bildern? Dort, wo man ausruhen konnte, in der großen Einsamkeit und Weite? Unfaßbar!
Endlich war es so weit. Sie hielt alle notwendi- gen Dokumente in ihrer Hand.
Es war ein regnerischer Vorfrühlingstag, als sie aus dem Amtsgericht herauskam. Der Wind fuhr
in böigen Stößen um Die Ecke. Ein kleines KinD, an Der HanD feiner Mutter, stemmte sich mit feinem ganzen Körperchen gegen dies Wehen. Der Hut eines Dicken Herrn flog vom Kopf unD rollte vergnügt über Das Straßenpflaster.
„Dieser verdammte Wind!", der Herr eilte mit bösem Gesicht seinem Hute nach, „wozu Wind überhaupt erfunden ist?"
Benedikte hatte auch zu tun, um ihr Käppchen auf Den Haaren zu behalten. Der Wind zerrte an ihren Kleidern. Aber es war herrlich. Mitleidig lächelnd schaute sie dem wütenden Mann dort nach. Wozu Wind erfunden war? Ja, hier in Der Großstadt war er wohl unbequem. Aber draußen — daußen —, sie schloß Die Augen, atmete tief, — Draußen war Winb herrlich, war Stärke und Freude, Kampf und Leben!
Jetzt erst kam ihr so ganz zum Bewußtsein, wie unnatürlich sie hier zu leben gezwungen gewesen war. Sie hätte laut jubeln mögen, und sie lief mit so strahlendem Gesicht die Straße entlang, daß manch einer sie erstaunt anschaute und je nach Temperament mitlächelte oder noch verdrossener wurde.
Benedikte sah auf die Uhr: O weh, die zwei Stunden Urlaub waren schon überschritten! Der Personalchef würde schön brummen. Aber was kümmerte sie jetzt die schlechte Laune des Personalchefs? Was ging sie dies alles noch an?
„Frei, frei, bald bist Du frei!"
Es war wie eine MeloDie in ihr. Im Summen Der Elektrischen, im Klingeln Des Fahrers, im Hupen Der Autos schien es wiederzutönen. Eigentlich lustig, Daß selbst diese verhaßten Lärmgeräusche so schön und fröhlich fein konnten, wenn man selber fröhlich war.
Nun betrat sie Das Geschäftshaus. Sie durcheilte die Korridore. Eine Kollegin kam ihr entgegen:
„Sie kommen ja fo spät! Der Personalchef ist schon wütend."
Benedikte lachte sorglos. Die Kollegin starrte sie entgeistert an:
„Nanu, Sie scheinen sich ja nichts daraus zu machen? Freilich, wer immer fo pünktlich war wie Sie! Aber darauf darf man sich auch nicht ver- laffen. Wenn Ditzer schlechte Laune hat, ist ihm alles egal."
„Mir auch!"
Benedikte nickte der Kollegin übermütig zu und ging weiter. Die sah ihr völlig fassungslos nach. Was war nur mit Benedikte Zedlitz? Die war doch sonst geradezu ängstlich darauf bedacht, auch nicht den geringsten Anlaß zum, Tadeln zu geben. Und jetzt ließ sie sich alle naselang Urlaub erteilen. Dabei schien sie noch ganz gleichgültig, wenn der Urlaub überschritten war. Na, sie würde schon noch vernünfttg werden, die gute Benedikte, wenn sie erst der „Alte" anhauchte.
Der Personalchef, Herr Ditzer, begegnete Benedikte gerade, wie sie vom Umkleideraum aus in ihre Abteilung gehen wollte. Wie eine gereizte Bulldogge fuhr er auf sie los:
„Jetzt kommen Sie, Fräulein Zedlitz? Habe ich Ihnen bis zwölf Urlaub gegeben oder bis dreiviertel eins?"
„Entschuldigen Sie, meine —"
„Kommen Sie mir bloß nicht mit den ollen Kamellen! Erzählen Sie mir nur nicht, Ihre Uhr ginge falsch! Ich sage Ihnen, ich verfüge über ein wohlassortiertes Lager von Entschuldigungen — ich kenne sie alle. Wenn ich Ihnen Urlaub gebe, haben Sie auf den Punkt hier zu sein, auf — den — Punkt —", seine Stimme kippte, „und wenn Sie das nicht wollen, bann können Sie ja zum nächsten Kündigungstermin gehen —"
Die letzte Silbe Des Wortes erstarb in Herrn Ditzers Munde. Ehe er noch hatte ausreden können, warf Benedikte mit dem liebenswürdigsten Lächeln von der Welt geschickt ein:
„Bielen Dank, Herr Ditzer, ich nehme die Kündigung an."
„Was — was sagen Sie?"
Herr Ditzer lief noch röter an.
Das war ia wohl doch nicht möglich. Jetzt, in dieser Zeit, Da jeder Mensch froh war, in einer einigermaßen bezahlten Arbeitsstelle sicher zu sitzen, kam diese Benedikte Zedlltz und sagte fo mir nichts, dir nichts: Ich nehme Ihre Kündigung an! Dabei hat er es doch gar nicht fo ernst gemeint.
Er kannte alle feine Angestellten sehr genau. Die Zedlitz war eine der Tüchtigsten und Zuverlässig- ften. Wenn sie jetzt auf einmal außer Der Zeit Urlaub verlangte und noch dazu unpünktlich war — Herr Ditzer hatte da fo feine eigenen Gedanken — vielleicht steckte ein Mann dahinter — was sollte
dann erst mit den weniger zuverlässigen Mädeln werben.
Aber es hätte ihm leid getan um Benedikte Zedlitz. Er schätzte sie, ja er hatte sie gern. Sv lange sie unten die Kasse verwaltete, mar noch nicht ein einziger Fehler vorgekommen. Andere Kassiererinnen verrechneten sich einmal, da gab es bann schließlich die Ausgleichskasse, um derartige Fehler, aus Ermüdung ober Nervosität geboren, wieber in Ordnung zu bringen. Bei Benedikte Zedlitz jedoch sttmmte stets alles bis auf den letzten Pfennig. Selbst dem größten Ansturm Der Käufer war sie jederzeit gewachsen gewesen.
Er dachte gar nicht Daran, sie fo einfach davongehen zu lasten. Aber strenges Regiment mußte sein. Wo kam man denn hin, wenn man jede Unpünktlichkeit so einfach hinnehmen wollte?
„Mir scheint, Fräulein Zedlitz, Sie sind im Augenblick etwas aufgeregt", sagte er und bemühte sich zu lächeln. „Ich nehme Ihre Worte nicht zur Kenntnis.
„Ich bitte durchaus, sie zur Kenntnis zu nehmen, Herr Ditzer."
Benediktes Gesicht behielt das entwaffnende Lächeln.
„Ich hätte sowieso gekündigt. Ich danke Ihnen, daß <5ie mir zuvorgekommen sind."
„Aber wieso, warum, weshalb?" fragte Herr Ditzer. Sein Bullbvggengesicht sah jetzt geradezu bekümmert aus. „Sie wissen, Fräulein Zedlitz, die Personalleitung schätzt Sie. Haben Sie irgendwelche Gründe? Man könnte doch darüber sprechen--"
Benedikte Zedlitz tat Herr Ditzer jetzt beinahe leid. Er war im Grunde doch ein guter Kerl, trotz feiner Poltrigkeit. In kleinen Dingen oft launisch, war er doch gerecht und mitfühlend, wenn es um ernsthafte Schwierigkeiten Der Angestellten ging.
„Ich habe nicht den geringsten Grund, mich über irgend etwas zu beschweren, Herr Ditzer. Nur, ich gebe meinen Beruf auf, Herr Ditzer. Ich gehe aufs Land."
„Aufs Land? Ja, was wollen Sie Denn da beginnen? Wollen Sie ein Geschäft ausimachen? Das würde ich mir doch sehr überlegen, Fräulein Zedlitz. Es ist heutzutage nicht einfach, etwas anzufangen, besonders für eine Frau. Die Spesen, die Steuern — nein, nein, dabei kann man Kopf und Kragen verlieren." (Fortsetzung folgt.)


