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Deutsche Arbeiter fahren nach Madeira.

Die Teilnehmer unseres Gaues verlassen Frankfurt.

LPD. Frankfurt a. M., 1. April. Aus dem Gau Hessen-Nassau haben 2 4 6 Volksge­nossen das Glück, in diesem Jahre an einer bQbrt nach der märchenhaft schönen Insel im At­lantischen Ozean teilnehmen zu können. Die Fahrt- teilnehmcr versammelten sich heute abend auf dem Börsenplatz, von wo aus sie unter Vorantritt einer Musikkapelle nach dem Hauptbahnhof geleitet wur­den. Dort fand im Wartesaal 2. Klasse eine herz­liche Abschiedsfeier statt, an der neben den Madeirafahrern mit ihren Angehörigen alle Glie. derungen der Partei durch Vertretungen, ferner die Wehrmacht und die Stadtverwaltung mit Oberbür- gerineister und Kreisleiter Dr. Krebs an der Spitze teilnahmen.

Nach dem Einzug der Fahnen übermittelte zu­nächst Gauinspektor Heyse als Vertreter des Gauleiters dessen Grüße und wünschte den Fahrt­teilnehmern, daß sie sich so gut erholten und so viel Freude von ihrer Fahrt mitbrächten, als es nur irgendmöglich fei. Darüber hinaus aber sollten

Am 4. und 5. April findet die erste Reichs- Strahensammlung der NS.-Aolkswohlfahrl statt. Dein Opfer soll wiederum der Aufbau­arbeit des Führers dienen.

paar Jahren wird es so sein, daß es keinen schof- fenden deutschen Menschen mehr geben wird, der nicht die Gelegenheit bekommt, in seiner Urlaubs« Zeit fremde Länder oder die eigene Heimat kennen Zu lernen. Ich freue mich herzlich, daß der deutsche Arbeiter heute Gelegenheit hat, die Schönheiten auch des Auslandes kennen zu lernen. Dafür über­nehmen Sie die Pflicht, allzeit Dankbarkeit gegen den Mann zu bewahren, der der größte Soldat und der eifrigste Arbeiter ist. Und dieser Dank­barkeit wollen wir schon jetzt Ausdruck geben durch ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer."

Dann ging es hinaus auf den Bahnsteig. Es begann das große Abschiednehmen, während die MusikMuß i denn..." anstimmte. Die Fahrer setzen sich in der Hauptsache aus verdienten Ar­beitskameraden zusammen, die das Los aetroffen hat. Auch dabei hat sich die Volksgemeinschaft in hervorragender Form bewiesen, denn sehr häufig wurde dem Glücklichen die Teilnahme durch die Arbeitskameraden ermöglicht. Die Belegschaft der Odenwälder Hartsteinindustrie z. B., die 400 Mann stark ist, stiftete 30 Pfennig pro Mann, so daß der

schon 40 Jahre im Dienst des Unternehmens stehende Losgewinner seine Fahrt ohne pekuniäre Sorgen mitmachen kann.

Gießener Arbeitskameraden mit »Krass durchFrende* nach Madeira.

Am gestrigen Mittwochabend traten von Frank­furt a. M. aus zahlreiche Arbeiter und Arbeiterin­nen die Reise nach Hamburg an, um von dort mit einemKraft durch Freude"-Dampfer eine Ur­laubsfahrt nach Madeira und zurück nach Hamburg zu unternehmen. Zu diesen Madeira-Fahrern stie­gen auf dem Bahnhof Gießen zwei Arbeiter und zwei Arbeiterinnen in den Zug, die von hier aus die Fahrt mitmachen. Es handelt sich dabei um einen Arbeiter und Arbeiterin der Firma Schaff- ftaedt, eine Arbeiterin der Firma Bänninger und einen Arbeiter der Didier-Werke in Mainzlar. In Würdigung der langjährigen treuen Mitarbeit die- ser Arbeitskameraden und Arbeitskameradinnen haben die Betriebsführer aus den Mitteln der Fir­men die Kosten dieser Urlaubsfahrt bezahlt und damit nicht nur den Urlaubs-Fahrern eine beson­dere Freude bereitet, sondern auch zum Ausdruck gebracht, daß in ihren Betrieben im Verhältnis zwischen der Betriebsführung und der Gefolgschaft der Nationalsozialismus der Tat in vorbildlichem Gemeinfchaftsgeifte lebendig wirkende Kraft ist.

Aus der Provinzialhauptstadt.

sie das Bewußtsein und den Stolz mit auf die Fahrt mitnehmen, heute wieder Staatsbürger eines zu sein, das nach allen Seiten hin seine Gleichberechtigung und seine Ehre wiedergewonnen habe. Die Gauleitung wünsche, daß sie einen Fun­ken Sonne mitbringen von dem Lande, in dem die Sonne mehr scheint, Sonne für ihren Arbeitsplatz 3um Wohle des ganzen Vaterlandes. In diesem Sinne wünsche er den Fahrern viel Kraft durch Freude.

Oberbürgermeister Dr. K r e b s kam auf die Wah­len am vergangenen Sonntag zu sprechen, unter deren Eindruck wir heute noch vollkommen ständen. Das Wahlergebnis bedeute einen Freudentag für den Führer und sei der Ausdruck des Vertrauens des deutschen Volkes. Es bedeute sowohl außen-, wie innenpolitisch einen Sieg des Führers, denn das ganze Volk habe ihm damit feine Dankbarkeit Zum Ausdruck gebracht, für all das, was er in den letzten drei Jahren für das Volk getan habe. Und deshalb, weil der deutsche Arbeiter merke, daß ein Mann an der Spitze steht, der die Not des Arbei­ters kennt und dementsprechend handelt, sei ihm be­sonders der deutsche Arbeiter mit ganzer Seele er­geben. Nur er hat gehalten, was alle vorausgegan­genen Regierungen dem Arbeiter immer und immer wieder versprochen haben.Und so können Sie auch hinausziehen in die weite Welt", schloß der Oberbürgermeister,mit dem Bewußtsein, nicht die Vertreter eines Volkes zu sein, das kein Recht in der Welt hat, sondern mit dem Bewußtsein, daß die deutsche Nation ihre Ehre wiedergewonnen hat. Ich wünsche Ihnen alles Gute zur Fahrt, finden Sie Erholung und schöpfen Sie neue Kraft und er­weitern Sie auch vor allen Dingen Ihre Eindrücke."

Dann nahm Landesobmann Becker das Wort. Er ging davon aus, daß Dr. Ley den schönsten Auftrag vom Führer erhalten habe, als er beauf­tragt worden fei, die NS.-GemeinfchaftKraft durch Freude" zu gründen. Im vergangenen Jahre nach den ersten großen Auslandfahrten deutscher Urlauber habe er dann das Wort geprägtBester als alle diplomatischen Verhandlungen sind die Fahrten deutscher Arbeiter nach dem Auslande." Dann gab Pg. Becker einen Rückblick auf die ehe­maligen Zustände, wo ein einfacher Mensch nie­mals die Aussicht hatte, über die Grenzen der eigenen Heimat hinauszukommen.Heute haben wir für unsere. Arbeiter eigene Schiffe, und in ein

Begegnungen.

Die Mehrzahl der Leute, die mit mir in der Elektrischen saßen, fuhren das ließ sich unschwer an ihren Mienen ablesen zum Friedhof. Da und dort wurde etwas gesprochen: vom frühen Frühling, von Kleingärtnerfreuden, von Kindern und Osterferien. Zwei einander gegenübersitzende Frauen waren ihrer Trauerkleidung entsprechend zu einem ernsteren Thema abgebogen.Wer hätte das vor acht Tagen gedacht", sagte die eine,daß wir heute meine Nachbarin begraben würden!" Ja", nickte die andere,so überrascht es jeden ein­mal."Und wann es kommt, ist es zu früh", er­widerte die erste.

Sie hatte nicht laut gesprochen, aber eine zu­fällige Stille hatte die Klage und Schwermut, die in ihren Worten schwangen, jedem Ohr vernehmlich werden lassen. Ein bedrückendes Schweigen war die Folge. Der Raum schien auf einmal enger gewor­den. Ernste, sinnende Gesichter verrieten, wie schwer man an den Gedanken trug, die das Gespräch der Frauen allen aufgeladen hatte. Dabei war wohl die Stimme des Schaffners an der nächsten Haltestelle von den meisten überhört worden, denn als im letz­ten Augenblick noch ein junges Mädchen leichtfüßig hereinsprang, staunte man es an, und manchem Fahrgast kam es erst jetzt zum Bewußtsein, daß die Elektrische gehalten hatte.

Mit einem entzückenden Lächeln verzichtete das Mädchen dankend auf einen Sitzplatz, den ihm ein junger Mann mit liebenswürdiger Bereitwilligkeit anbot, und blieb stehen. Sie war schlank, hellblond, und ihr Gesicht leuchtete anmutig wie eine frische Frühlingsblume. So duftig war sie auch gekleidet, obschon mir weder die Farbe, noch die Stoffart in Erinnerung geblieben ist. Sie hatte nichts Auffälli­ges, weder in Haltung, noch im Gesichtsausdruck, keine Geste, die das harmonische Gefühl, das ihr Anblick weckte, gestört hätte. Sie war schön, und sie ahnte es nicht, wieviele Augen sich verstohlen an ihr beglückten.

Als der junge Mann ausstieg, setzte sie sich doch noch und vertiefte sich rasch in ein Buch, das sie ihrer Tasche entnahm. Sie las, leicht vorgebeugt, und war in dieser gelösten, etwas lässigen Haltung noch bezaubernder. Unbekümmert um die Strahlen der Bewunderung, die von allen Seiten auf sie fielen, blieben ihre Blicke auf die schnell wechselnden Buchseiten gebannt. Ich hätte gern ein paar Worte mit ihr geplaudert, aber sie wollte sicher, so dachte

ich, nicht gestört sein und den Roman während der Fahrt zu Ende lesen.

So begnügte ich mich, sie wie ein fesselndes Bild still zu betrachten. Sie mochte siebzehn ober acht- zehn fein, und ich bemühte mich, mir ihren Erwähl­ten vorzustellen, die Ansprüche zu erraten, die sie an fein Aeußeres stellen würde. Wieviele Male dar­über die Elektrische gehalten hatte, war mir völlig entgangen. Als aber wieder Leute ausstiegen, merkte ich, daß das Mädchen und ich allein zurück­blieben. Wir waren an der Endstation angekommen.

In dem Augenblick, wo ich mich erhob, sah das Mädchen von seinem Buche auf es war das erste Mal und stellte erschrocken fest, daß es zu weit gefahren war.Das Buch war wohl schuld", sagte ich. Sie bejahte lächelnd. Ich gestand, daß ich sie nicht hatte stören wollen in ihrer Lektüre und darum vielleicht auch ein klein wenig mitverant­wortlich dafür sei, daß sie jetzt das Zuviel zurück­laufen müsse.Zur Buße" durfte ich sie ein Stück Weges begleiten.

An einer Straßenecke verabschiedete sie sich plötz­lich. Sie werde erwartet. Ich sah den jungen Mann auf sie zukommen und ihr herzlich die Hand schüt­teln. Er entsprach in keiner Weise dem Ideal, bas ich für sie zurecht phantasiert hatte: ich war aufs tiefste enttäuscht. P. B.

Dornotizen.

Tageskalenber für Donnerstag.

NSG.Kraft burch Freube": 20 bis 21 Uhr unb 21 bis 22 Uhr fröhliche Gymnastik unb Spiele (nur für Frauen) im Lyzeum. Stabttheater: 20 bis 22 Uhr 4. Symphonie-Konzert bes Gießener Kon- zertvereins. Gloria-Palast, Seltersweg:Herbst­manöver". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Das letzte Fort". Oberhessischer Kunstverein (Turm­haus am Branbplatz): 16 bis 17 Uhr Ausstellung von Gemälben von Richarb Geßner, Düffelborf. Elektrvgemeinschast Gießen: 20.15 Uhr im CafS Leib, Vortrag:Fortschritte unb Vorzüge ber elek­trischen Küche".

Stabttheater Gießen.

Heute von 20 bis 22 Uhr 4. Symphoniekonzert. Werke von Borobin, Egk, Weber, Tschaikowsky. Mu­sikalische Leitung: Prof. Stefan Temesvary. So­list: Hch. Grau (Klarinette). Das verstärkte Stäb­tische Orchester. Außer Abonnement. 9. Abonne­mentskonzert bes Gießener Konzertvereins. Freier Kartenverkauf Mufikalienhanblung Challier.

Frühling im Neckartal.

Von Friedrich Schnack.

In dieses geliebte, von Dichterworten geweihte Flußtal zieht frühzeitig der Frühling ein. lieber die Schwelle Heidelbergs, der alten Liederstadt, kommt er mit dem Wohlgeruch der Holzer, der Nar­zissen und der Hyazinthen. Die geschwungenen Ho­hen, die knospenden Wälder, durch die zahllose Traum- und Philosophenwege führen, haben ihn empfangen. Sein grüner Atem überflutet die Wipfel, in die sich die Vogelscharen jubilierend hin­einwerfen. An den Hängen, auf den Terrassen ent­faltet sich das Glück der Sträucher und Bäume. Köstlich der Blick von der alten Brücke in dieses festliche, wasserdurchglänzte Tal. Einst stand Höl­derlin auf der Brücke und genoß das Fest der Landschaft.

Wie von Gottern gesandt, fesselt ein Zauber einst Auf der Brücke mich an, da ich vorüber ging, Und herein in die Perge

Mir die reizende Ferne schien..."

Noch immer flammen die Kirschen- und Birn­bäume weiß an den Abhängen und die rosigen Apri­kosen, die traumhaft zartblühenden Mandelbäum­chen prangen und dies alles, die Woge der Blüte und der Schwall des Lichtes prunkt und klingt!

Durch blühendes Kirschengezweig drängt sich das gewaltige Steinbild der Burg, leuchtet der rote Sandstein vor dem hellen Grün des Waldes über dem gezackten Dächerwerk der Stadt:

... schwer in das Tal hing die gigantische, Schicksalskundige Burg, nieder bis auf den Grund, Von den Wettern zerrissen:

Doch die ewige Sonne yoß

Ihr verjüngendes Licht über das alternde Riesenbild ..."

Und so wie einst auch heute und immer die Erde verarmt nicht.

Die Villen am Berg ertrinken in den Gärten. Reich blühen die Pflaumenbäume. Linden, deren es so viele auf und nieder im Tal gibt, und ernste Buchen winken über die Mauern.

Lag nicht dort der alte Garten von 1818 der Frau Ernestine Voß, von dem sie an ihren Bru­der Heinrich Christian Boje schrieb:

Im Garten sind wir recht viel, wie wäre es auch anders möglich in diesem einzigen Frühling! So was haben wir noch nicht erlebt, die Schnelle, mit der alles treibt! Jeden Morgen sieht der Gar­ten und die dichtbelaubten Berge anders aus. Und wie unendlich voll und schön haben alle Bäume geblüht. Und was habe ich für Blumenpracht ge­

habt und zum Teil noch. Erst die Veilchen, daß die Seite, wo sie blühen, ganz blau war, und ein Duft! Dann die herrlichen Hyazinthen, viel tausend und alle groß mit gedrängten Glocken, und die Menge der schonen Aurikel, keiner wußte, welche Farbe die schönste."

Ich tzehe vorbei an dieser duftenden Haus- und Gartemdylle, in der noch, umbraut von Gerüchen, der Geist der alten Zeit zu schweben und zu atmen scheint, wenn auch die Autos die Straße am Neckar entlang rasen und die Straßenbahn durch das enge Heidelberg läutet.

Die Kastanienbäume haben ihre Kerzen entzün­det, dunkel lodern in den abwärtshängenden Park­anlagen des Schlosses südliche Zypressen, der Rho­dodendron öffnet sich der Sonne, über die Mauern triefen die blauen Trauben der Glyzinien. Auf Neckarwiesen aber glänzt üppig junger Löwenzahn, als hätte einer goldene Lachen ausgeschüttet.

Die Tage im Neckartal haben jetzt eine ungestüme Zärtlichkeit. Tausende werden an den Sonntagen hinein verlockt, durchhaucht und hochgestimmt. An den Flußufern sausen die Autos hinab in die ge­segnete Landschaft, vom Main und Rhein kommen sie her, aus Darmstadt, Frankfurt, überkurven die blühende Bergstraße, eine einzige Wallfahrt ver­zückter Bäume.

In den Straßen Heidelbergs drängen sich Fremde und Einheimische, Bauern und Städter in Massen.- Weingeruch, Benzinrauch, Blütenduft und Staub vermischen sich mit dem Atem der Wälder und dem Hauch des Neckars zu einem wunderlichen Dunst.

Wer über dem reinen Tal ruhen und Ferne und Nähe trinken will, fährt von Heidelberg mit der Bergbahn hinauf zur Molkenkur: von dort schweift der Blick über die Kuppen der Berge hinaus in die weite, baumreiche Ebene, durch die der Neckar dem Rheinstrom zueilt.

Andere wieder lieben es, auf dem Neckar strom­aufwärts zu rudern und zu paddeln, oder über die Hohen auf Waldwegen zu wandeln, an den Ufer» feiten hinzuschlendern. Gastliche Neckardörfer erwar­ten sie: Ziegelhausen mit der Stiftsmühle, am Ufer gelegen, einem beliebten Ausflugsziel der Heidel­berger und Mannheimer. Die Eisenbahnstrecke zieht durchs Neckartal nach Wimpfen ober Heilbronn, nach Würzburg in die Barockstadt der Kirchen und Bocksbeutel. Immer und immer rollen die Züge. Steigen wir ein in dem Fischernest Schlierbach, das der Neckar schmal an den Berg drängt; genießen wir vorüberjagend den Schein der Landschaft, den Spiegel des friedlichen Flusses, den Anblick der Dör­fer, Gärten, der Wälder und der Wiesen.

Ueberall Blüte. Der Sonntag öffnet sein blaues

Herz. In den Wirtgärten von Neckarsteinach und Neckargemünd schallt Musik, frohes Lachen.

Unter blühenden Kirschbäumen wird Wein ge­bechert. Hirschhorn, auf grüner Bergeskuppe, das windumflossene Dorf, ein mittelalterlich anmutendes Bild thront auf luftiger Sonnenhöhe.

Irgendwo verlassen wir den Zug, nach Lust und Laune, stolpern durch enge Gäßchen, treten durch ein kühles Tor in einen Kastaniengarten, unb über die Mauer gebeugt, winken wir buntbewimpelten Booten zu. Ein Personendampfer zieht vorüber, Musik an Bord; er trägt seine singenden Fahr­gäste von Heilbronn nach Heidelberg.

Das Neckartal ist das Gehege der deutschen Ro­mantik. Unsterbliche und sterbliche Dichter und Poe­ten waren in allen Zeiten hier zu Gast. Erklang nicht unter Linden und Buchen das Wunderhorn?

Wer graste nicht schon am Neckar? Verliebte, Sänger, Weinfreunde, Musensöhne, Romantiker kamen herein in dieses Tal und schlugen die grü­nen Laubtore hinter sich zu, Weltflüchtige, die aus stillen Quellen und heimlichen Bechern trinken wollten.

Wem fiele nicht Scheffels Strophe von unge­fähr ein:

Und stechen mich die Dornen,

Und wird mir's drauß' zu kahl: Geb' ich dem Roß die Spornen, Und reit' ins Neckartal..."

Das Roß hat die Hufe verloren und der Reiter­sporn ist verrostet, aber die alte Sehnsucht ist nicht verschollen. Die großen und edlen Geister der Ver­gangenheit begegnen dem Versonnenen, dem Su­cher und Spürer da und dort. Seine Gedanken­kräfte rufen ihren Zauber herauf, unb sie manbeln über bie verklärten Berge ins neue Licht...

Zeitschristen.

Das Innere Reich" (Verlag Albert Langen/Georg Müller, München) beginnt feinen neuen Jahrgang mit einem Gedicht von Rubolf G. Binbing, in bem auf unvergeßliche Weise der Glaube an bie letzte Wirkungsmacht ber Dichtung im Leben ber Volker Gestalt gewonnen hat. Unter ben bichterischen Beiträgen ist zu nennen bie Er- zählungDas kleine Leben" von Heinrich Ringleb, Gedichte von Ernst Bertram, Erna Biaas, Georg Britting unb bisher noch unbekannt Lucia Romberg. In ber Reihe der Landschaftsdarstellun- gen deutscher Dichter gibt Hans Leifhelm eine schöne SchilderungBerghöfe in der Steiermark". Einen Beitrag zur Gegenwartsdichtung schreibt H. Chr. Stettin, in dem er Curt Langenbeck als eine der

Die 4. Olympischen Winterspiele.

Wie wir vor einigen Tagen bereits ankündigten, findet am kommenden Samstag, 4. April, in dec großen Aula der Universität ein Lichtbilder- und Filmvortrag über die Winter-Olympiade statt. Aus der sehr großen Zahl der Lichtbilder, die der Olym­piajugendkurs des Skigau 12/13 mit nach Hause bringen konnte, sind wie man uns schreibt HO erstklassige Diapositive entstanden, die durch das Entgegenkommen der Fa. Ernst Leitz, Wetzlar, mit dem modernsten und besten Projektionsapparat dieses Werkes vorgeführt werden. Sowohl die Licht­bilder, als auch der anschließende Olympiafilm des Gau 12/13 werden Garmisch-Vartenkirchen, das Werdenfelser Land unb seine Leute zeigen. Wort unb Bilb führen ben Zuschauer in bie gewaltigen Kämpfe biefer großartigsten aller Winterspiele hin­ein. Da bie Ausnahmen in oorberfter Linie gemacht werben konnten, ist es nicht nur gelungen, bie Sportkanonen unb Sieger aller Wettkämpfe gut im Bilbe festzuhalten, fonbern auch bie Ehrengäste aus aller Welt unb befonbers ben Führer bei ben ver- schiebensten Veranstaltungen aufzunehmen. Da ber Abend in Verbindung mit bem Fachamt Eislauf veranstaltet wirb, konnte noch ein wunbervoller Film vom Kunstlauf im Eisstabion beschafft werden, ber bie einzigartigen Leistungen unb wunbervollen Figuren von ber Weltmeisterin Sonja Henie, dem Meisterpaar Maxie Herber-Ernst Baier und anderer bringt. Der Kartenvorverkauf hat rege eingesetzt; baldige Kartenbeschaffung ist zu empfehlen. (Siehe heutige Anzeige.)

Ehrung desVerwattungsdirektorsKolb

Anläßlich feines gestrigen 40jährigen Dienft- jubiläums bei der Gießener Stadtverwaltung wurde dem Verwaltungsdirektor Karl Kolb gestern vor­mittag in seinem Amtszimmer von dem Herrn Ober­bürgermeister in Anwesenheit sämtlicher Amtsvor- stände der Stadtverwaltung ein Blumenkorb mit der nachstehende im Wortlaut abgedruckten Ehren­urkunde überreicht:

Für die im Laufe von vier Jahrzehnten seiner Heimatstadt (Ziehen in vorbildlicher Treue und Dienstbereitschaft in verantwortungsvoller Stellung während schwierigster Zeitläufte ge­leisteten hervorragenden Dienste wird Herrn Verwaltungsdirektor

Karl Kolb

diese Ehrenurkunde ausgefertigt.

In kameradschaftlichem Geist vorwärts im neuen Reich der Deutschen.

Gießen, den 1. April 1936.

Der Oberbürgermeister: Ritte r."

Von den Arbeitskameraden war der Arbeitsplatz des Jubilars durch ein Führer-Bild nebst verschie- d nen Blumenangebinden geschmückt. Der Herr Oberbürgermeister gedachte der Verdienste des lang- jährigen Mitarbeiters in ehrenden Worten.

An alle Einzelhandelsgeschäste und Zirmen derStadtunddesKreisesSiehen

Das Winterhilfswerk des deutschen Volkes wird am 31. März 1936 abgeschlossen. Um in der vorge­schriebenen Zeit eine endgültige Abrechnung an die vorgesetzten Dienststellen vornehmen zu können, werden die Inhaber aller im Geschäftsverkehr mit bem WHW. stehenden Firmen unb Betriebe ausge- forbert, ihre Ansprüche an bie Kreisführung Gießen des WHW. bis spätestens zum 5. April geltenb zu machen. Rechnungen, bie in boppeüer Ausfertigung einzureichen finb, unb bie bis zu bem obigen Termin nicht eingegangen find, können nicht mehr berücksichtigt werden.

Die Kreisführung des WHW. Gießen.

Winterhilfswerk 1935/36

Ortsgruppe Gietzen-Süd.

Kohlenscheinabrechnung.

Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen KohlengutscheineSerie F" stärksten Hoffnungen des jungen deutschen Dramas vorstellt. Der großen deutschen Tradition geistigen Lebens widmet Max Kommerell einen dichterisch be­schwingten AufsatzJean Paul in Weimar". Ein Bericht des Holzschneiders Josua Leander Gampp über sein Schaffen wird belebt durch eine Auswahl seiner feinen und überzeugend deutschen Holzschnitte. Der erste Teil einer großen Darstellung des deut­schen Nachkriegs gibt Ernst von Salomon unter dem TitelNahe Geschichte".

Im Märzheft der ZeitschriftVolk und Rasse" (I. I. Lehmanns Verlag, München 2 SW, Einzelheft 0,70 Mk.) bringt u. a. Dr. Burkhardt Zwei wertvollePsychiatrische Beispiele zur Rassen­seelenkunde", die zeigen, eine wie wesentliche Hilfe die Psychiatrie für die Rassenseelenkunde ist. Mit vielen Bildern führt I. Romer am Beispiel dreier jetzt seßhaft gewordener ZigeunerfamilienFremd­rassen in Deutschland" vor. Wie Forderungen unse­rer Zeit muten die Zitate an, die Ch. Roos aus dem vor rund 150 Jahren erschienenen Werk System der vollständigen medicimschen Polizey" anführt: Forderungen an den Staat, Wöchnerin­nen- und Säuglingsschutz, Erbgesundheitspflege, Jugendertüchtigung, kurz, unsere ganze Sozial­hygiene in die Hand zu nehmen. Der Verfasser ist ein Deutscher: der große Gelehrte Joh. Peter Franck. Zum wertvollen Inhalt paßt der prächtige Bild­schmuck: Alles in allem ein Heft, dem man viele Anregungen und Freude verdankt.

Hochschulnachrichten.

Die freie Professur für Staatsrecht an der Frankfurter Universität wird vom 1. April 1936 ab der Dozent Gerichtsassessor Dr. Adalbert v. Unruh in Göttingen vertretungsweise Übernehmen. Der emeritierte ordentliche Professor in der veterinärmedizinischen Fakultät der Univer­sität Gießen Geheimrat Dr. Ölt wird in der Me- dizinischen Fakultät Frankfurt ein Kolleg über Wildkrankheiten lesen. Der Herr Minister hat den Assistenten der Römisch-Germanischen Kom­mission des Archäologischen Instituts des Deutschen Reichs Dr. Kurt Stabe in Frankfurt beauf­tragt, vom Sommersemester 1936 ab an ber Univer­sität Frankfurt bie westbeutsche Frühgeschichte zu vertreten.

Der bekannte Anglist Geheimrat Professor Dr. Johannes Hoops konnte am 1. April auf eine 40jährige ununterbrochene Dienstzeit an der Uni­versität Heidelberg zurückblicken. Der Jubilar, der im 71. Lebensjahr steht, hat 1930 und 1933 als Austauschprofessor in Nordamerika Vorlesungen ge­halten.