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Nr. 79 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Donnerstag, 2. April (936

Die pariser Kulisse.

Von unserem v.G.-Berichterstaiier

Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!

Paris, Februar 1936.

In keinem Lande dürfte man so viel Gelegenheit haben, Ermahnungen an alle Welt, Werturteile und herablassende Betrachtungen über Einzelmenschen und Völker, subjektive Schilderungen von Tatsachen und Entwicklungen zu hören, wie in Frankreich. Es mag daran liegen, daß der unentwegte Individua­lismus der Franzosen die Existenz einer unüberseh­baren Vielheit von Zeitungen, Zeitschriften oder sonstigen Druckerzeugnissen und die Bekannt­machung einer unaufhörlichen Reihe von Reden, Vorträgen und Entschließungen begünstigt. Selbst wenn man von den mündlichen und schriftlichen Aeußerungen absieht, die nichts anderes sein sollen als ein gefälliger Rahmen zu einem geistreichen Ein­fall, wird man auf eine unübertroffene Menge von ernst gemeinten Belehrungen der gesamten Umwelt stoßen. Freilich macht der Franzose in dieser Hin­sicht auch vor keinem seiner Landsleute Halt mag er nun Privatmann oder Präsident der Republik sein. Er scheut sich auch nicht, sämtliche Einrichtun­gen Frankreichs zu zerreden und zu zerlegen Aber das ist schließlich seine eigene Angelegenheit. Wird die Welt jedoch auf die Schulbank verwiesen, um zu lesen oder zu hören, was sie gut oder schlecht gemacht hat, so muß sie versucht sein, in die unum­stößlichen Grundsätze ein^udringen, die dem franzö­sischen Lehrmeister als Ausgangspunkt seines Un- terrichts dienen.

Hier beginnt freilich die Enttäuschung: wer sich in dem heutigen Frankreich umsieht, findet keine allge­mein anerkannte Grundlage für etwas, was man als eine Weltanschauung ansprechen könnte. Viele Franzosen vergessen, wie weit jene Zeit zurückliegt, in der eine neue Lehre von ihrem Lande auf andere Völker und Staaten Übergriff; sie begreifen nicht, daß einst lebendige Bekenntnisse mit der Zeit zu toten Schlagworten geworden sind. Es ist nicht zu leugnen, daß dasselbe Frankreich, das damals un­gestüm zur Entwicklung drängte, heute im wesent­lichen auf die Verteidigung eines überlebten Zu­standes bedacht ist und an diesem Maßstab die Um­welt mißt. Wie oft wird hier gesagt, man müsse einen Unterschied machen zwischen demtatsäch­lichen" und demverfassungsmäßig - gesetzlichen" Frankreich, worunter vor allem die gesetzgebende und die ausführende Gewalt gemeint ist. Ader abgesehen davon, daß eine Aufgliederung in diese Bestandteile nicht leicht ist, weil alle Franzosen für sich die Zu­gehörigkeit zumtatsächlichen" Frankreich in An­spruch nehmen und bei näherer Betrachtung auch Kreise, die nicht zumverfassungsmäßig-gesetzlichen" Frankreich zählen, sehr eng an dessen Aufbau ange­schloffen sind, kann für den außenstehenden Beob­achter doch in erster Linie nur die Summe der Wirkungen von Interesse sein, die Frankreich als Ganzes genommen über seine Grenze hinaus auszuüben versucht. Dazu gehören die unzähligen außenpolitischen Vorträge, Reden und Entschließungen und Artikel, die die Haupt­stadt in Form von Belehrungen ständig bietet. Sie werden mit dem Brustton der Ueberzeugung vorge­tragen oder niedergeschrieben und finden Eingang in die Kanäle der außenpolitischen Arbeit Frank­reichs. Draußen weiß man vielfach nicht oder will es nicht wahr haben, daß die Urheber der Beleh­rungen sich längst untereinander nicht mehr einig über Gut und Böse sind. Die glän­zende Fassade Frankreichs und seine wirksamen Ein­flußmöglichkeiten täuschen darüber hinweg, daß die­ses Land von einer schweren Krise heimgesucht ist!

Die Vorgänge hinter diesen Kulissen, die sich in der letzten Zeit hier abgespielt haben, können nur zu einem Teil durch das steigende Wahlfieber entschuldigt werden. Wenn Polizeiknüppel die Rechtsfakultät in Paris räumen mußten, damit ein Professor nicht durch Stinkbomben daran gehindert wird, seine umstrittenen Rechtsauffassungen vorzu- Wann wurde die Buchdrucker­kunst erfunden?

Von Or 2l. kuppel, Direktor des Gutenberg-Museums in Mainz.

Das genaue Datum der Erfindung der Buchdruckerkunst ist unbekannt. Es kann auch nicht mehr festgestellt werden, da genügende An­haltspunkte für eine solche Feststellung fehlen. Wir wissen also weder den Tag noch das genaue Jahr, wann diese größte und folgenreichste aller Erfin­dungen gelang.

Mancherlei Einzeldinge, die in der Buchdrucker­kunst auftreten und zu ihrem eisernen Bestand ge­hören, waren längst vor Gutenberg bekannt. Ich erinnere an die Siegel und Münzen, die schon die Assyrier und Babylonier, dann die Griechen und Römer, zuletzt die Meister des Mittelalters aus ge­schnittenen Formen herstellten; an die Stempel, mit denen die Töpfer des Altertums ihre Namen auf ihren Erzeugnissen anbrachten; an das Gießen des Schwermetallgeldes der Römer; an die Einzelbuch­staben der Leseschulen, von denen schon Cicero spricht; an das Bedrucken von Geweben mit einge­färbten Holzmodeln, das schon den alten Aegyp- tern bekannt war. All diese Techniken, die in der Buchdruckerkunst wieder auftreten, sind uralt. Das Genie des Erfinders bestand eben darin, diese Urelemente zu einem Zwecke zu vereinigen, der selbst wieder eine ganz große Erfindung darstellte. Wann diese Vorstufen der Buchdruckerkunst zum ersten Male auftraten, ist für unsere Frage be­langlos; denn es handelt sich für uns hier nur darum, festzustellen, wann die Buchdruckerkunst so erfunden war, daß man brauchbare ^eroielfalt^ gungen von Texten damit erzielen konnte. Es muß jedoch noch die Vorfrage geklärt werden, welche Kunst der Textvervielfältigung als Buchdrucker­kunst betrachtet werden kann.

Der Holztafeldruck, der schon Jahrhunderte vor Gutenberg in China meisterhaft ausgeubt wurde, und der zu Gutenbergs Lebzeiten auch in Europa, besonders aber in den Niederlanden eifrige und ge­schickte Pflege fand, scheidet für unsere Frage aus; denn er gestattete ja nicht die unbegrenzte Beroiel- ^ältigung von Texten aller Art und die immer neue Verwendung des gleichen Materials für immer neue und andere Bücher.

Auch die sehr frühe ostasiatische Erfindung, durch die man Texte mechanisch vervielfältigen konnte, müssen wir hier außer Betracht lassen. Zwar hat der chinesische Schmied Pa Scheng in der 3cl* zwischen 10411049 unserer Zeitrechnung schon

tragen, wenn ein Parteiführer von politischen Gea- nern auf offener Straße und bei hellichtem Tage so gründlich verprügelt wird, daß er sich in Kranken­hausbehandlung begeben muß, wenn in öffentlichen Kammersitzungen nicht nur die Abgeordneten unter­einander sich mit Schimpfworten belegen, sondern sogar der Ministerpräsident sich zu nicht gerade schmeichelhaften Ausdrücken hinreißen läßt, so trägt die bevorstehende Wahl an diesen Vorgängen nur den geringsten Teil der Schuld.

Bisher hat man die widerstrebenden Geister mit dem Schlagwort einerdrohenden Gefahr" gebannt. Aber allmählich ist dieses Mittel immer unwirk­samer geworden, weil die Wirklichkeit von Wahn­vorstellungen auf die Dauer ja nicht verdunkelt werden kann. Nun zeigt es sich, wie gefährlich eine im wesentlichen negative Politik sein kann, weil sie niemanden begeistert.

Verteidiger der Republik, Verteidigung des Fran­ken, Verteidigung des Friedens, Verteidigung des Völkerbundes, Verteidigung der Verträge! Es gibt noch vieles, wasverteidigt" wird. So zeigt Frankreich sich beständig in irgendeiner Abwehr. Viele Franzosen fragen sich, ob es nicht besser wäre, die Staatsfinanzen durch Ankurbelung der Wirt­schaft und folglich durch internationale

Zusammenarbeit so zu ordnen, daß das Schatzamt z. B. seine Bedürfnisse nicht im Auslande zu decken braucht, weil es sich gegen die Hortung nicht zu verteidigen vermochte...

Bei der Aussprache über den französisch-sowjet­russischen Pakt in der Kammer kam der latente Wunsch einer Reihe von Abgeordneten zum Aus­druck, die Voraussetzungen für die angeblich nötige Verteidigung durch eine Politik der Ver - ftänbigung zu beseitigen, statt um der 23er» teibigung willen Verpflichtungen zu übernehmen, bie nur sehr zweifelhafte Gegenleistungen aufweisen. DieEinigkeit" über bie zu befolgenbe Linie war jeboch so stark, baß zwei Abgeorbnete sich schließlich ohrfeigten. Ist es bann ein Wunber, baß ganze Gruppen außerhalb bes Parlamentes sich gegen­seitig alsSchufte" unbMürber" bezeichnen? Unb boch scheinen bie führenben Kreise bes heutigen Frankreichs bie Zeichen ber Zeit nicht zu verstehen. Ober sie lassen sich langsam einer revolutionären Entlobung entgegentreiben, bie bie künstliche Front- bilbung zwischen Rechts unb Links beseitigen unb neue Ibeale schaffen ober im Bol­schewismus enben kann! Auf alle Fälle hat Frankreich keine Veranlassung, ben Lehrmeister zu spielen.

DasIahr der Blumen.

Die Pflanzenwelt im April.

Dorn Eise befreit finb Strom unb Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick..." läßt Goethe den Faust ausrufen. Diese Worte des Oster­spazierganges erwecken in uns die ganze Stimmung des Ostermonats, des April. Es regt sich an allen Enden, der Saft steigt in Strauch und Baum, bie Zahl ber Frühlingsboten nimmt fast täglich zu. Also auf! Laßt uns hinaus in ben jungen Lenz roanbern und bie farbenfrohen Blüten begrüßen.

Zwar haben wir im März schon eine ganz stattliche Zahl von Frühblühern gefunben, boch sie saßen ver­streut unb bann oft nur einzeln. Man mußte sie suchen, wenn man ihnen nicht im Garten eine Frei­statt geschaffen hatte. Der Uebergang von Enbe März zu ben ersten Aprilwochen ist so scharf nicht, erschie­nen boch einige unserer Märzblumen erstkurz vor Toresschluß". So werben wir also unsere alten Be­kannten auch im neuen Monat wiebersehen; einige haben aber schon ausgeblüht, wie ber Winterling, ber Seibelbast; bie Schneeglöckchen unb anbere mehr folgen ihnen halb. Unb was erscheint an neuen Blüten?

Schon im März hörten wir bie manchen wohl erftaunenbe Kunbe: an ber Bergstraße blühen bie Manbelbäume. Nun, so gesegnete Lanbstriche finb Ausnahmen. Wir hier find bescheidener, wir wissen: im Mai erst blühen und belauben sich die meisten Bäume und Sträucher bei uns. Aber der April bringt doch schon die Blüte der Obstbäume unb die mancher Beerensträucher und gegen Ende auch andere, wie Hollunder, Schwarzborn ober Schlehe, Birke, Heckenkirsche unbplanmäßig" am 30. April sogar schon ben Flieber (Syringa vulgaris).

Der erste Neuankömmling unter den Blumen, ber sich zu benen bes vorigen Monats gesellt, soll ber mittlere Lerchensporn (Corydalis fabacea ober intermedia) sein. Phcinologische Tabellen nen­nen ben 4. April als Tag seines Erblühens im viel­jährigen Mittelwert. Wir waren uns schpn früher barüber einig geworben, nicht bloß einen Blüten- kalenber herunterzulesen, sonbern wollen mit wachen Augen durch bie Landschaft streifen und die Pflanzen an ihren angestammten Standorten beobachten. Aber auch damit kann es feine Schwierigkeiten haben, da [er sehr viele Pflanzen sehrweitherzig" (euryök), wie der Fachmann sagt, in der Wahl ihres Platzes sind.

Was wir zuerst betreten, kann man als den StandortWegrand" zusammenfassen. Der kann aber sehr mannigfaltig sein unb bamit auch feine Pflanzengesellschaft, je nachbem, ob es einsonniger

Wegrain" zwischen Walb und Feld ist, ob einer zwi­schen Aeckern, zwischen Gärten, an Zäunen oder an Hecken vorbei, oder was sonst für einer. Deshalb wollen wir lieber bie Pflanzen in ihrer ursprüng­lichen unb hauptsächlichen Umgebung mit nennen, ohne bamit bie felbftänbige Eigenart besWegran- bes" leugnen zu wollen.

Gleich nebenan auf ben Aeckern unb Felbern wachsen, hier wie bort, ber Reiherschnabel (Erodium cicutarium) mit seinen kleinen hellpur­purnen Blütchen unb berbeliebte" Ackerschach­te l h a l m (Equisetum arvense) unb noch einige Begleiter bes Weges. Dem Efeu-Ehrenpreis folgt jetzt bas auch an Wegen unb auf Grasplätzen oorfommenbe Feld-Ehrenpreis (Veronica arvensis) und bann, noch viele anbere Verwanbte, bie aber mehr fanbitfe Aecker unb Triften bevorzugen, etwa bas Frühe Ehrenpreis (V. praecox), bas Frühlings-Ehrenpreis (V. verna), bas Dreiteilige unb anbere örtlich beschränktere.

Als erstes aus ber Familie Vergißmeinnicht öffnet das Sanbvergißmeinnicht (Myosotis are- naria) feine hellblauen Blüten. Balb wirb aber Gelb bie vorherrfchenbe Farbe bes Ackers fein, Gelb in verschobenen Tonen unb Blütenformen. Zu bem gelben Huflattich, bem Acker-Golbstern unb bem Gänsefingerkraut gesellen sich jetzt bas gelbe Kleine Stiefmütterchen (Viola tricolor arvense), bie außen grünen, innen gelben Blütenbolben bes Wiesengolbsterns (Gagea pratensis), ber auch auf Aeckern häufig ist, trotz seines Namens, unb anbere bieser frühblühenben Familie, zum Teil im Laubwalb, wie ber Gelbe Golbstern (Gagea lutea) ober auf Grasplätzen ober felsigem Untergrunb.

Ein Standort besonderer Art bildet jede Wiese und Weide. Hier stehen sehr viele Pflanzen verschie­dener Art, Gräser, Seggen und Kräuter auf engem Raum mit meist fest ineinander verflochtenem Wur­zelwerk dicht zusammen. Viele Beobachtungen über die Mittel und Wege der Anpassung kann man hier machen. Da die meisten Pflanzenarten hier mit unübersehbaren Einzelformen auftreten, ändert sich bas Bilb ber Wiese alle paar Wochen. Vor­läufig ist bie Wiese noch fahl unb grau, erst nach ber brüten Aprilwoche werben bie Gräser roieber ergrünen. Enbe März unb Anfang April prangt bie Wiese in leuchtenbem Gelb ber Schlüsselblu- i m e n , bann erscheint sie rötlich-weiß von ben weißen I rötlich-violetten zarten Blüten des Wiesen- Ischaumkrautes (Cardamine pratensis). Dies

wird bald abgelöst von dem kräftigen Gelb des Löwenzahns (Taraxacum off.), der auch als gehaßtes Unkraut auf den Aeckern vorkommt. Ist er verblüht, so verwandeln seinePusteblumen" die Wiese für kurze Zeit in Weiß. Sv wird uns bis tief in den Sommer hinein ein dauernder Farben­wechsel erfreuen. Als Vorhut der großen Familie der Hahnenfußgewächse zeigt der Frühlings- ober Golb-Hahnenfuß (Ranunculus auricomus) feine bekannte gelbe Blüte.

Auf feuchten Wiesen, in Sümpfen unb am Ufer ist es noch zu früh zum Wiebererwachen, außer ben Weiben unb anberen Holzgewächsen, wie etwa ber 5 aulbaum ober Traubenkirsche (Prunus Padus), stehen bie rötlichen Blütentrauben ber Pest­wurz, bie wir schon im März trafen, noch allein. Erst gegen Enbe bes Monats leistet ihr bie stattliche Sumpf-Dotterblume (Caltha palustris) mit ihren großen bottergelben Blüten Gesellschaft. Sie zieht sich auch in feuchte Stellen ber Wälber hinein, wo auch bas Milzkraut, bas wir schon früher erwähnten, zu finben ist. Nach ben Tabellen hat am 29. April bie Bach-Nelkenwurz (Geum rivale) ihre gelblichen, von braunen Kelchblättern fast Der« betften Blüten zu öffnen, sie ist also eigentlich eine Pflanze, bie im Mai blüht.

Auf trockene Wiesen unb Triften beschränkt sich zum Beispiel bie Vogelmilch (Ornithogalum umbellatum) mit ihren hübschen, weiß-grünen Dol- bentrauben allerbings kommt sie auch auf anderen trockenen Orten, etwa Aeckern, vor, weiter das kleine gelbe Frühlingsfingerkraut (Poten- tilla verna), die Bleiche Miere (Stellaria pal- lida), ein nicht häufiges, hellgrünes Pflänzchen, dem meistens die Kernblätter fehlen, die gelbblütige Z y - preffenwolfsmilch (Euphorbia cyparissias), dann die Bera-Walderbfe (Orbus taber- nosus ober auch Lathyrus montanus genannt), mit ihren anfangs hellpurpurnen, später blau anlaufen» ben Kronenblättern. Einen ganz anberen Bau zeigt roieber bas gemeine Kleine Knabenkraut (Orchis morio). Sonnige Kalkhänge bevorzugt bas hellgelb glänzenbe Frühlinssonnenröschen (Adonis vernalis), ein Halbschmarotzer. Noch mehr auf Bergroiesen unb Walbblößen finb bas Bleiche Knabenkraut (Orchis pallens) und der blaue Frühlings-Enzian (Gentiana verna). Ein Halbgras wollen mir auch nicht ausschließen, die Iuncacee (Luzulla campestris), das Hasenbrot ober Felbmarbel. Diese ganze Gesellschaft zieht sich von ber Wiese auch ins Gebüsch unb in lichte Wälber unb Walblichtungen hinein. Auf Schutt, an Hecken unb Zäunen begegnen wir bem gelben Schöll­kraut (Chelidonium majus), ber häufigen Wei­ßen Taubnessel (Lamium album); bie bunte!« rote Umfaffenbe Taubnessel (L. amplexi- caule) bagegen steht mit ber schon im März ge­nannten Purpurroten Taubnessel auf be­bautem, sanbig-lehmigem Boben.

Reine Gewächse ber Buschhecke, bes Walbrandes und des lichten Laubwaldes gibt es schon eine ganze Anzahl. Zu den noch blühenden Märzblumen noch einige verspätete Verwandte und einige neue Vertreter. Als erste folat der schon vor­hin genannte Mittlere Lerchensporn seinen Brüdern, bann bas Wunberveilchen (Viola mirabilis), später bie weiße Walb-Erbbeere (Fragaria vesca). Weiße Blüten leuchten her vom Hain- ober Sauerklee (Oxalis acefoselh), bem Erbbeer-Fingerkraut, bem Knob « lauchsheberich (Alliaria off.) und her Groß­blumigen ober Sternmiere (Stellaria holo- stea). Gelb zeigt uns bas Sch arbockskraut ober bie Frühlings-Feigwurz (Ranunculus ficaria [verna]) an, weiter bas Gelbe Wind­röschen (Anemone ranunculoidesY ben haaria-m Gold-Hahnenfuß (R. auricomus) unb manch­mal schon bie Goldnessel (Galeobdolon luteum). Ein sonberbares Gewächs ist bie Haselwurz (Asarum europaeum) mit ihrer bräunlichen, innen bunkelrötlichen, glockigen Blütenhülle.

Die Frühlings- unb bie Berg-Platt­erbse (Lathyrus vernus unb montanus) und die Schuppenwurz (Lathraea squamaria) blühen

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mit Einzelzeichen gedruckt. Aber diese Einzelzeichen waren aus Ton gebrannt unb beshalb einerseits sehr schwer herstellbar, anbererfeits auch nicht roiber» standssähig genug für eine größere ober gar un­beschränkte Anzahl von Abbrucken. Dauerhafter waren bie Wortzeichen, mit benen bie Koreaner kurz nach bem Jahre 1400 in Söul chinesische Li­teratur brückten; denn diese Zeichen waren in Kupfer gegossen. Hier finden wir ein Urelement, bas für bie Buchbruckerkunst wesentlich ist: das in Metall gegossene Zeichen.

Aber die Buchbruckerkunst, bie sich später bie Welt eroberte, war die koreanische Erfinbung noch nicht. Der chinesisch-koreanischen Schrift fehlte ja bas zweite wesentliche Element, bas ber Einzel- buchstaben, bie man zu beliebigen Worten, Zeilen, Seiten unb Büchern zusammensetzen unb bann roieber vollstänbig auseinanbernehmen konnte, um mit bem gleichen Material roieber ganz anbere Wörter, Zeilen, Seiten unb Bücher zusammenzu­fügen. In ben ostasiatischen Sprachen hat iebes Wort fein befonberes Zeichen. Es mußten also so viele Zeichen gegossen werben, als bie Sprache Wörter hat; währenb bie Völker, bie bis zur Buch­stabenschrift vorgeschritten waren, nur bie 24 Zei­chen bes Alphabetes brauchten, unb mit biefen 24 Zeichen auch bie umfangreichsten Bücher Herstellen konnten. Die ostasiatische Erfinbung ist baher auch nicht über ben Kreis ber ostasiatischen Wortspra­chen hinaus verbreitet worben. Wenn biese Erfin­bung zweifellos eine große Tat menschlichen Geistes war, beren 500. Wieberkehr man mit Recht vor 3040 Jahren hätte feiern können, so war sie boch nicht bie Erfinbung ber Druckkunst, bie sich die ganze Welt eroberte.

Diese Erfindung, die bas Weltbild von Grund aus änderte, geschah ein Menschenalter später durch Johannes Gutenberg in Mainz.

Es ist natürlich, daß man diese größte und fol­genschwerste Erfindung, die sich die Welt eroberte, gern einem Mann aus dem eigenen Volke, aus den eigenen Mauern oder gar aus der eigenen Familie zugeschrieben hätte. So lassen sich die Bestrebun­gen erklären, daß manche dem Mainzer Johannes Gutenberg die Erfindung absprachen, um sie einem anderen zuzusprechen.

Wie sich im Altertum sieben Städte um die Ehre stritten, Geburtsstadt Homers zu sein, so stritten sich sieben Länder um die Ehre, den Erfinder der Buchdruckerkunst geboren zu haben; und jedes Land nennt einen anderen Namen: Prokop Wald- foghel aus Prag zu Avignon in Frankreich, Pam- filo Castaldi zu Feltre in Italien, Johann Mentelin aus Schlettstadt zu Straßburg im Elsaß, Johannes Brito ^u Brügge in, Flandern, Johannes Fust aus

Mainz und Peter Schäffer aus Gernsheim zu Mainz, sowie schließlich Laurenz Janszoon Coster zu Haarlem in Holland. Im Rahmen dieses Artikels kann ich die Ansprüche der Genannten auf die Ehre, Erfinder der Druckkunst zu heißen, nicht im einzelnen widerlegen; ich verweise daher auf mein BüchleinDie Heimatstadt der Druckkunst", Mainz 1926. Dort habe ich nachgewiesen, daß nur einer von allen auf die Ehre eines Erfinders der Buch­druckerkunst Anspruch erheben kann: und dieser eine ist Johannes Gutenberg aus Mainz.

Wenn wir den Zeitpunkt, zu welchem die 500- Jahrfeier ber Druckkunst ftattfinben soll, wissenschaftlich festlegen wollen, müssen wir zuerst feststellen, wann hat bieser Johannes Gutenberg ben ersten, mit einzelnen gegossenen Metall-Lettern hergestellten Druck hervorgebracht. Sehen wir bie vorhanbenen frühesten Erzeugnisse ber Typographie, die ja mit jeder wünschenswerten Akribie durch­leuchtet wurden, einmal an, so müssen wir das im Gutenberg-Museum zu Mainz verwahrteFrag­ment vom Weltgericht" als das älteste typo­graphische Erzeugnis der Buchdruckerpresse betrach­ten. Es ist mit der Urtype Gutenbergs hergestellt, in der auch eine ganze Anzahl von lateinischen Schulgrammatiken und Kalendern gedruckt sind. Einer dieser Kalender ist für das Jahr 1448 be­stimmt, muß also schon Ende 1447 gedruckt gewesen sein. In ihm finden wir aber schon eine so fortge­schrittene Schriftguß- und Satztechnik, daß er nicht den ersten Druckversuch Gutenbergs darstellen kann. Alle Anfangsschwierigkeiten zeigt am deutlichsten das oben erwähnteFragment vom Weltgericht", dessen Herstellungszeit wir also einige Jahre vor den Kalender für 1448 ansetzen müssen. Wir kom­men dabei etwa auf bas Jahr 1445. Ueberraschen- berroeife stimmt damit die Tatsache überein, daß jenesFragment vom Weltgericht" ganz offenbar in Mainz entstand, wohin Gutenberg frühestens im Sommer 1444 zurückgekehrt sein dürfte. Aus der Straßburger Zeit Gutenbergs ist nicht das geringste Bruchstück eines typographisch hergestellten Druckes überliefert; wir müssen daher annehmen, daß Gu­tenberg in Straßburg noch keinen brauchbaren Druck Herstellen konnte.

Nach diesem Resultat dürfte, genau genommen, die 500-Jahrfeier der Erfindung der Buchbrucker­kunst nicht vor bem Jahre 1945 ftattfinben. Nun aber haben unsere Vorfahren bie bisherigen Jahr- hunbertfeiern 1540, 1640, 1740 unb 1840 abgehal­ten, unb zwar von Jahrhunbert zu Jahrhunbert mit fteigenber Pracht unb fteigenber Beteiligung ber Jünger Gutenbergs in ber Welt unb aller be= rer, die sich bem großen Erfinder zu Dank verpflich­tet fühlten. Somit wäre es ein Unrecht, diese Tra­dition unserer Väter umzustoßen. Daher hat auch I

die Stadt Mainz, die Heimatstadt und Wiege der Druckkunst, beschlossen, die 500-Jahrfeier ber Druck­kunst im Jahre 1940 festlich zu begehen. Niemanb, ber seine Lebensarbeit auf ber großen Erfindung Gutenbergs aufgebaut hat, unb niemanb, ber an einem gut gebrückten Buche innere Freube empfin­den kann, wird es versäumen, am Johannistage des Jahres 1940 eine Wallfahrt an bie Geburts-, Arbeits- unb letzte Ruhestätte bes Meisters zu machen, um ihm, der nie das beglückende Gefühl erleben durfte, von feinen Zeitgenossen anerkannt zu werden, den Dank und die Verehrung der Le­benden darzubringen.

Wieviel Elche gibt es?

Vor wenigen Jahrzehnten noch hatte es zum größten Leidwesen aller Naturfreunde den Anschein, als ob der' Elch in Europa ausfterben würde. Da­mit wären wir um die gewaltigste Hirschart ärmer geworden, die von der Vorzeit an bis in unsere geschichtliche Vergangenheit über viele Sumpf- unb Walbgebiete Mittel-, Ost- unb Norbeuropas ver­breitet war unb bie bann von d"r Zivilisation im­mer weiter zurückgebrängt wurde. Nach den An­gaben bes bekannten Zoologen Dr. Lutz Heck bür­ten bie letzten noch vorhanbenen Bestände dieses Hirschriesen, wie in ber im Hugo Bermühler Ver­lag erscheinenben ZeitschriftDer Naturfor­scher" ausgeführt wird, jeboch jetzt als gesichert betrachtet werben. 1935 besaß Deutschlanb in Ost­preußen 1200 bis 1400 Elche, in Mecklenburg 10 unb in ber Schorfheibe 20 bis 30 Stück. Schweden hat mit 20 000 bis 25 000 Stück ben größten Elch- beftanb, aus dem jährlich zwischen 4000 bis 6000 Tiere abgeschossen werden dürfen. In Norwegen gibt es ungefähr 7000 Elche, von denen 1000 Stück im Jahr abschußfrei sind. Polens Elchbestand wurde vor drei Jahren auf 450 Stück angegeben, infolge der strengen Schutzmaßnahmen hat' er in der letz­ten Zeit aber zweifellos zugenommen. Im Jahre 1931 hatte bie polnische Regierung beispielsweise nur 8 Tiere für ben Abschuß freigegeben. In Finn­land kommt der Elch nur vereinzelt vor, und zwar wechselt er von Osten her ein, nämlich von Ruß­land, die wenigen Tiere werden meistens erlegt. Aui den Aalands-Jnseln sind rund 200 Elche gezählt worden. Estland gab seinen Bestand 1931 mit nur 120 Stück an, und Lettland besitzt etwa 300 dieser Tiere. Die Zahl ber Elche im europäischen Ruß» lanb wirb auf runb 20 000 geschäht. In ben mei­sten ßänbern finb so weitgehenbe Schutzmaßnahmen getroffen worben, baß um bie Erhaltung dieser Hirschart aller Voraussicht nach keine Sorge mehr besteht.