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Das Baugrubenunglück in Berlin.

Der erste Prozeßlag.

Die Untersuchung ergab eine Zahl von Män­geln in technischer, handwerklicher und organisa­torischer Beziehung, für die nach Auffassung der Anklage die leitenden zuständigen Vertreter der Berlinischen Baugesellschaft wie auch der Reichs­bahn verantwortlich sind. Es sind a n g e f I a g t: der 54jährige Dipl.-Ing. Hugo Hoffmann als Geschäftsführer und Direktor der Berlinischen Bau­gesellschaft: der 52jähriae Dipl.-Inq. Fritz Noth als örtlicher Bauleiter der Berlinischen Baugesell­schaft auf dem Baulos in der Hermann-Göring- Straße: der 50jährige Reichsbahnoberrat Curt Kell berg als ^treckendezernent: der 35jährige Reichsbahnrat Wilhelm Weyher als Vorstand des für den Bauabschnitt zuständigen Raubauamtes IV; und der 41jährige Bauwart Wilhelm Schmitt, der als Angestellter der Reichsbahn auf verant­wortlichem Posten im Unglücksschacht mitgearbeitet hat.

Sämtlichen fünf Angeklagten wird zur Last ge­legt, durch Fahrlässigkeit unter Außerachtlassung ihrer beruflichen Sorgfaltspflicht den Tod der 19 Verunglückten verursacht und sich damit einer fahr­lässigen Tötung schuldig gemacht zu haben. Im ein- xelnrn wird beanstandet, daß eine mehrfach von der Reichsbahn angeordnete Projektänderung von der Berlinischen Bau-Gesellschaft nicht zum Anlaß ge­

nommen worden ist, die erforderlichen weiter gehen­den Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. An der Baustelle soll nicht ein einziger mit der Wirklich­keit übereinstimmender Bauplan vorhanden gewesen sein. Weiter sieht die Anklage als erwiesen an, daß die nach den allgemeinen Bauvorschriften der Reichsbahn erforderlichen Sicherheitskon- ft r u k t i o n e n , vor allem in den tieferen Lagen der Baugrube, nicht in dem vorgeschrie­benen Umfange eingebaut worden sind.

Den zuständigen Vertretern der Reichsbahn wird zum Vorwurf gemacht, daß sie ihrer Kontroll­pflicht, besonders nach der Projektänderung, nicht ausreichend nachgekommen sind.

Als erster Angeklagter wurde Reichsbahnoberrat K e l l b e r g vernommen. Kellberg erklärt, ihm habe innerhalb seines Geschäftsbereiches die Bearbeitung der technischen Entwürfe, Aufstellung der Kostenan­schläge, Ausschreibung und Vergebung der Arbeiten, Abrechnung und Verkehr mit Behörden und Priva­ten für den Bauabschnitt der Rordsüd-8-Bahn zwi­schen Bahnhof Friedrichstraße und Dessauer Straße abgelegen. Eine Verantwortung für eine praktische Mitüberwachung der Baustelle habe er nicht. Auf eine Frage des Vorsitzenden, warum er denn über­haupt in die Baustelle hineingegangen sei, sagte Kellberg, nur um zu sehen, ob alle Fristen einge­halten werden und um sich zu überzeugen, wie der Bau fortschreitet. Nicht aber als Kontrolleur im Sinne der Bauüberwachung.

Aus aller Welt.

LustschiffHindenburgs bei den Kapverdischen Inseln.

Das LuftschiffHindenburg" befand sich am Mittwoch um 20 Uhr MEZ. auf der Höhe von Aga­dir. Bisher wurden in rascher Fahrt 1987 Seemei­len oder 3674 Kilometer mit einer Stundengeschwin­digkeit von 115 bis 140 Kilometer zurückgelegt. Zu­meist war der Flug von Rückenwinden "begünstigt, die gelegentlich Windstärke 9 erreichten. Las Pal­mas, die Perle der Kanarischen Inseln, wurde gegen 23 Uhr MEZ. erreicht. Menschen­massen sammelten sich in den Straßen und auf den Plätzen, die das Luftschiff mit lauten Zurufen be­grüßten. Im Lichte der Scheinwerfer der im Hafen liegenden Schiffe nahmLZ. 129" feinen Kurs weiter nach Süden.

Nach Mitteilung der deutschen Seewarte stand das Luftschiff Donnerstagmorgen um 7 Uhr (MEZ.) 220 Seemeilen nordöstlich der Kapverdischen Insel Boaoista, die es ansteuert.

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Offiziere und Mannschaften wetteifern darin, den Fahrgästen die Fahrt so angenehm wie mög- l i ch zu machen. Die Küche fördert immer wieder Auserlesenes zutage. Selbst abends gibt es zwei warme Gänge. Es gibt eine eigene Bäckerei an Bord. Alles wird frisch geliefert: Brötchen, Ku­chen, Fleisch, Butter, Obst, Gemüse, Eier. Die Ab­fälle, auch Bierflaschen, werden den Haien reser­viert, von denen die Fahrgäste einen deutlich aus­machen konnten. Die einzigen Bedauernswerten auf dem Schiff sind die F u n k o f f i z i e r e, die viele Tausende von Presseworten in die ganze Welt fünfen müssen. Im übrigen herrscht an Bord zwi­

schen den Vertretern der internationalen Presse bestes Einvernehmen. Das Sprachengewirr tut der Gemütlichkeit im Rauchsalon und der Fröhlichkeit der Barbesucher keinen Abbruch.

Die Wiener Kompaß-Bank beantragt Geschäftsaufsicht.

Die Krise der Lebensversicherungs­gesellschaft Phönix hat nun auch auf den Bereich der Banken übergegriffen. Die Kompaß- Bank, Allgemeine Kredit- und Garantiebank in Wien, hat die Verhängung der Geschäftsaufsicht be­antragt. Sie wird am Donnerstag ihre Schalter nicht mehr öffnen. Die Kompaß-Bank war mit der Phönix eng liiert. Infolge der Krise bei der Phönix fanden in den letzten Tagen starke Abhebun­gen durch die Sparer der Kompaß-Bank statt. Auch war es der Bank nicht mehr möglich, die ihr von der Phönix geschuldeten Beträge hereinzubringen, so daß nur die Geschäftsaufsicht übrig blieb.

Geldschrankeinbrecher ermorden eine Hausangestellte.

In Wallenhorst bei Osnabrück wurde die Haus­angestellte Straßberger ermordet. Der Mord ist offenbar von Einbrechern verübt worden, die auf den Geldschrank der in dem Hause befind­lichen Spar- und Darlehenskasse mehrere Tausend Mark in Papiergeld entwendet haben. Die Ein­brecher haben den Schrank mit den dazugehörigen Schlüsseln geöffnet; man vermutet daher, daß sie mit den Oertlichkeiten vertraut gewesen sind.

Mädchenmord bet Kassel.

Ein Mädchenmord wurde in Corbach bei Kassel aufgedeckt. Die Tochter Luise des Maurers Stracke hatte sich in den Berndorfer Forst be­geben, um Reisig zu bündeln. Als sie zur gewyhn-

ten Zeit nicht zurückgekehrt mar, gingen ihre Brüder in den nahen Wald, um sie zu suchen. Dort fanden sie bald daraus ihre Schwester mit durchschnittener Kehle t o t auf; außerdem war dem Mädchen mit einem stumpfen Gegenstand ein Schlag auf den Kopf versetzt worden. Die Kasseler Mordkommission hat die Untersuchung eingeleitet.

Schweres Linsturzunglück in Syrien.

Der Neubau des Nationalmuseums in Antiochia (Nordsyrien) ist e i n g e ft ürzt. 50 Arbeiter wur­den unter den Trümmern begraben; bisher wurden sechs Schwerverletzte geborgen. Man rechnet mit etwa 25 Toten.

Neues Stellwerk auf dem Mainzer Hauptbahnhof.

LPD. Mainz, 1. April. In der Nacht zum Sonntag ist auf dem Mainzer Hauptbahn­hof an der Ausfahrt in Richtung Wiesbaden das neue elektrische Befehls st ellwerk in Betrieb genommen worden. In fast zweijähriger Bauzeit ist hier eine Kraftstellwerksanlage entstan­den, die als die modernste auf dem Ge­biete des Eisenbahnsicherungswesens angesprochen werden kann. Das eigenartige Stahl­gebäude ist auf eine Länge von 12 Meter an einer 1,75 Meter breiten Stütze freischwebend errichtet. Die durch den Bauplatz bedingte Bauform ist in dieser Art zum erstenmal ausgeführt. 50 Tonnen Stahl sind allein für dieses Gebäude verarbeitet worden, und 48 000 Meter Kabel mußten nach den einzelnen Weichen und Signalen während des leb­haftesten Zugverkehrs unter und zwischen den Gleisen verlegt werden. Eine mustergültige Fern- sprech- und Lautsprecheranlage sorgt für die schnellste Verständigung mit den wichtigsten Be­triebsstellen innerhalb und außerhalb des Bahnhofs.

Vermehrte Geschäftstätigkeit.

WPD. Das größte deutsche Unternehmen, die Reichsbahn, schreibt in ihrem vorläufigen Jahresbericht über das vergangene Jahr national­sozialistischer Wirtschaftspolitik:"Das Geschäftsjahr 1935 stand auch bei der Deutschen Reichsbahn i m Zeichen des Konjunkturanstiegs, der seit der Machtergreifung durch die nationalsozia­listische Bewegung im allgemeinen deutschen Wirt­schaftsleben eingesetzt und auf fast allen Gebieten eine vermehrte Geschäftstätigkeit her­beigeführt hat. Die natürliche Folge dieser Auf­wärtsentwicklung in der Wirtschaft war einmal em lebhafter Warenaustausch, den die Reichsbahn als hauptsächlichster Träger des allge­meinen Verkehrs zum großen Teil vermittelt hat, dckin aber auch ein erweiterter Reiseverkehr für berufliche und sonstige Zwecke, an dem die Reichs­bahn ebenfalls mit entsprechenden Mehrleistungen teilgenommen hat. Die Ergebnisse der Derkehrs- unb Betriebsleistungen weisen daher in nahezu sämtlichen Gruppen (Personenkilometer, Tarifton­nenkilometer, Achs- und Zugkilometer des Perso­nen- und Güterverkehrs) im Vergleich mit 1934 wiederum eine beträchtliche Steigerung auf.

Bolschewistische MustriepoM.

Die Bedarfsdeckungsindustrie hat versagt.

Moskau, 2. April. (DNB.) Der Kampf um die Stachanow- Bewegung in. der Sowjetindustrie hat ein neues Opfer gefordert. Der Rat der Volks­kommissare und der Zentralausschuß der Partei haben sich mit dem Versagen der Leicht­

oder Bedarfsdeck unasindu st rie besaßt und dem zuständigen Volkskommissar L u b i m o w einen ft r e n g e n Verweis erteilt, ßubimom soll seit Jahren die Tätigkeit eines wissenschaft­lichen Institutes der Arbeit geduldet haben, das völlig unnütz sei. Der Volkskom- missar habe leichtsinnigerweise dem Institut dl» Regelung von Arbeitsnormen übertragen, sich sei­ner Tätigkeit gegenüber völlig unkritisch verhalten und die Verschleuderung ungeheuerer Mittel zugelassen. Vor allem aber habe er nichts getan, um die Arbeit des Instituts mit den er« höhten Erfordernissen der Produk- t i o n in llebereinftimmung zu bringen. Deshalb wird die völlig unnütze Organisation des wissen­schaftlichen Instituts a u f g e I ö ft, dem Volkskom­missar werde zur Pflicht gemacht, die letzten Be­schlüsse der Partei über die neuen erhöhten Pro­duktionsnormen unbedingt zur Durchführung zu bringen.

Gespannte Lage in Spanien.

Madrid, 2. April. (DNB. Funkspr.) Die inner­politische Lage in Spanien ist angesichts der am 12. April ftattfinbenben Gememdewahlen außerordentlich gespannt. Aus der Provinz werden wieder Ausschreitungen linksradikaler Landarbeiter gemeldet. In Vadolatosa bei Sevilla versuchten Landarbeiter mehrere Polizei­beamte zu entwaffnen. Dabei kam es zu einer Schießerei, die vier Todesopfer und vier Verletzte forderte. In Cosmella bei Malaga wurden bei einem Zusammenstoß zwischen Gutsbesitzern und Landarbeitern zwei Personen getötet.

Wetterbericht

des Reichswetterdienstes. Ausgabeort Frankfurt.

Durch die Verlagerung des Tiefwirbels von Süd­england zur deutschen Nordsee hat sich seine Ein­flußnahme auf unser Wetter verstärkt. Gleichzeitig sind kältere Luftmassen vom nördlichen Eismeer weiter südwärts vorgestoßen und machten sich be­reits heute früh in Skandinavien, aber auch in Nord- und Mittelengland bemerkbar. Sie werden weiter auf das Festland Vordringen und auch dort stärkere Abkühlung, voraussichtlich auch den Aufbau eines Hochdruckgebietes bringen.

Aussichten für Freitag: Wechselnd be­wölkt mit vereinzelten Schauern, bei lebhaften Win­den um Nord Abkühlung.

Aussichten fürSamstag: Zunächst trocke­neres und vielfach heiteres Wetter, nachts noch etwas kälter.

Lufttemperaturen am 1. April: mittags 13,2 Grad Celsius, abends .11,6 Grad; am 2. April: morgens 11,6 Grad. Maximum 14,1 Grad, Minimum heute nacht 10,3 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 1. April: abends 11,5 Grad; am 2. April: mor­gens 10,4 Grad. Niederschläge 2 mm.

Hauptschriftleiter: Dr. Friedrich Wilhelm Lange. Verantwortlich für Politik und für die Bilder: Dr. Friedrich Wilhelm Lange; für Feuilleton: Dr. Hans Thyriot; für den übrigen Teil: Ernst Blumschein. Anzeigenleiter: Hans Beck. Verantwort­lich für den Inhalt der Anzeigen: Theodor Kümmel. D. A. II. 36: 10 556. Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch-und Steindruckerei R. Lange,K.-G., sämtlich in Gießen.

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