Nr. 52 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Montag, 2. Marz 1956
Aus der Provinzialhaupistadt.
Ehrlich und mutig sein!
Vor allem sind wir schreibfaul. Das Erleben rings um uns ist zu gewaltig und zu wechselooll so daß wir an unsere Briefschulden immer nur zuletzt denken können. Und nun kommen die Ausflüchte, wenn wir endlich Zeit gewinnen, den längst fälligen Brief zu beantworten.
Da gibt es nun die verschiedenen kleinen Lügen des Alltags, die der Erfahrene längst kennt. Manchmal sind Dramen und Romane verwoben. Die am meisten angewandten sind bald aufgezählt:
Der Märchenerzähler:
„Du wirst es nicht glauben, aber ich hatte Dir vor Wochen schon einen langen Brief geschrieben Da ich damals keine Briefmarke zur Hand hatte blieb er auf dem Schreibtisch liegen und auf einmal war er verschwunden! Wahrscheinlich hatte ihn das Mädchen beim Aufräumen in den Papierkorb wandern lassen. Ich war jedenfalls tagelang empört"
Der Schlaue:
„Ich kann mir nicht denken, daß mein letztes Schreiben nicht angekommen fein soll. Allerdings hätte ich den Brief, wie ich mich jetzt genau erinnere, einem leider inzwischen verstorbenen Bekannten zum Aufgeben mitgegeben."
Der Harmlose:
„Ich wollte tatsächlich warten, bis ich Dir etwas Neues berichten konnte. Ich weiß, wie gerne Du Neues erfährst, und da wäre es doch völlig zwecklos gewesen, Dir einen inhaltlosen Brief zu schreiben."
Der Freche:
„Du irrst Dich in der Annahme, daß ich Dir einen Brief schuldig bin. Das Gegenteil ist der Fall!"
Der umständliche Lügner:
„Ich honnte Dir leider keine Zeile zukommen lassen, da ich Deine neue Adresse verlegt hatte. Nun sehe ich zu meinem Erstaunen, daß Ihr gar nicht umgezogen seid! Ich muß mich also geirrt haben. Ich glaube doch, daß Du einmal von einem Umzug sprachst. Oder sollte das am Ende doch jemand anders gewesen sein?" '
Der Unverschämte:
„Ich kann mir nicht denken, daß Du meinen Brief nicht erhalten Haden willst. Ohne Deine Worte bezweifeln zu wollen, mußt Du mir aber doch zugeben, daß auf der Post selten ein Brief verloren geht. Das Märchen von den Brieffallen glaube ich so recht nicht. Jedenfalls schrieb ich Dir noch am gleichen Tage, an dem ich Deinen Brief erhalten hatte. Ich war wirklich ärgerlich auf Dich, daß Du mich so lange ohne Antwort ließest!"
Keiner aber h a t den Mut zu schreiben:
„Was soll ich mich entschuldigen? Du weißt, daß ich ein unzuverlässiger, schreibfauler Mensch bin, der ab und zu vielleicht an Dich gedacht haben mag, dem es aber gar nicht einfiel, Dir zu schreiben. da er den Kopf mit Dingen voll hatte, die ihm wahrscheinlich wichtiger waren, als Du!" M. A.
Vornotizen.
Tageskalender für Montag.
NSDAP., Ortsgruppe Gießen-Süd: 20.30 Uhr Versammlung im Studentenhaus, es spricht der Kreiswalter der Deutschen Arbeitsfront Pg. Wagner. — NSG. „Kraft durch Freude": 21—22 Uhr Reiten, Reitschule Schömbs. — Stadttheater (Ring Deutsche Bühne): 20—22 Uhr „Krach im Hinterhaus". — Gloria-Palast, Seltersweg: „Traumulus". — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Der ahnungslose Engel". — Goethe-Bund, Gießen: 20 Uhr m der Neuen Aula eine frohe Stunde mit Hermann Löns. — Oberhessischer Kunstverein (Turmhaus am Brandplatz): 15—17 Uhr Gedächtnis-Ausstellung Hans-Ewald Kleine.
Stadttheater Gießen.
Heute von 20—22.30 Uhr als Vorstellung der Deutschen Bühne der Lustspielerfolg „Krach im Hinterhaus" von M. Böttcher. Spielleitung: Heinrich Hub. Freier Kartenverkauf zu Tagespreisen an der Abendkasse.
Sven hedin in Gießen.
Auf Einladung des Gießener Goethe-Bundes wird, wie man uns schreibt, am Freitag, 6. März, in der Neuen Aula der große schwedische Forscher Sven Hedin einen interessanten Vortrag über seine achtjährige Forschungsreise nach Jnnerafien und China in bisher unerforschte Gebiete halten. Diese Tat Hedins, des bekannten Deutschenfreundes, war eine wissenschaftliche Großtat, die — was uns Deutsche in Europa besonders interessieren wird — tiefe kulturelle Zusammenhänge schon in grauer Vorzeit zwischen dem weiten Asten und Europa aufgezeigt hat. Zahlreiche Originallichtbilder werden den spannenden Vortrag illustrieren. Von der Größe der Expedition und der organisatorischen Arbeit kann man sich einen Begriff machen, wenn man erfährt, daß Gelehrte fast aller Wissenschaften daran teilgenommen haben: Geographen, Meteorologen, Geologen, Zoologen, Botaniker, Mediziner, Ethnologen usw. neben einem großen Stäb von Piloten. Allein elf Deutsche neben vielen Schweden und Chinesen waren an den wissenschaftlichen Arbeiten beteiligt. Die Abenteuer der einzelnen Gruppen der Expedition in dem durch Kriege und Revolutionen zerrissenen Lande waren oft geradezu unglaublich. Es ist zu empfehlen, sich im Vorverkauf rechtzeitig mit Eintrittskarten zu versehen, da starker Andrang zu diesem einzigartigen Dortragserlebnis zu erwarten ist. (Siehe heutige Anzeige.)
Hans-Schemm-Sedenkfeier.
Die Landesregierung — Abteilung II — hat allen unterstellten Schulen folgendes mitgeteilt:
21m 5. März 1936, dem Todestag des Gauleiters und Staatsminifters Hans Sch e mm, findet im Haus der Deutschen Erzieher in Bayreuth eine Gedenkfeier für den verstorbenen Gauleiter statt. Die Feier wird am 6. März 1936 in der Zeit von 11 bis 11.50 Uhr auf alle Reichsfender und den Deutschlandsender, mit Ausnahme des Senders Berlin, übertragen. Im Rahmen einer kurzen würdigen Gedenkfeier ist nach Möglichkeit allen Lehrern und Schülern Gelegenheit zu geben, die Übertragung zu hören.
Beförderungen
in der Gießener Hitlerjugend.
Der Reichsjugendführer beförderte mit Wirkung vom 30. Januar 1936 den
Führer des Unterbannes II Gefolgschaftsführer Wilhelm Schneider zum Unterbannführer,
Bannadjutanten Scharführer Fritz V ö l z i n g zum Gefolgschaftsführer,
Führer des Unterbannes I Scharführer Albert Bötz zum Gefolgschaftsführer,
Kreisleiteradjutanten Scharführer Karl Räppele zum Gefolgschaftsführer,
Führer der Gefolgschaft 6/116 Scharführer Karl Heintz zum Gefolgfchaftsführer.
Deutsche Arbeitsfront.
Achtung Hausgehilfen!
Am Mittwoch, 4. März, 20.30 Uhr findet im Haus der Deutschen Arbeitsfront, Schanzenstr. 18 (großer Saal) ein
rassenpolitischer Vortrag
statt. Es spricht: Gauamtsleiter des Rassenpolitischen Amtes Pg. Dr. Kranz Gießen.
Wir bitten alle Hausgehilfinnen, sowie Hausfrauen zu diesem wichtigen Vortrag zu erscheinen.
NSDAP. Ortsgruppe Gießen-Süd.
Betr. Zahlung der hilfskassenbeiträge für April, Mai und Juni 1936.
Alle Angehörigen der SA., Marine-SA., Reiter- SA., NSKK. usw. im Bereich der Ortsgruppe Gießen-Süd werden ersucht, ihre Beiträge zur Hilfskasse an folgenden Tagen zu entrichten:
Dienstag, 3. März,
Mittwoch, 4. März,
Donnerstag, 5. März,
jeweils von 20.30 bis 22 Uhr im Lokal Tannhäuser, Frankfurter Straße 83.
Wer bis zum 13. März feine Hilfskassenbeiträge nicht bei der Ortsgruppe bezahlt hat, wird bei der Hilfskasse in München abgemeldet; daraus entstehende Folgen hat er sich selbst zuzuschreiben.
Winierhilfswerk 1935/36
Ortsgruppe Gießen-Süd.
kohleuscheinabrechnung.
Die Kohlenhändler werden aufgefordert, die in Zahlung genommenen Kohlengutscheine Serie „E" und Serie „S" am Mittwoch, 4. März, von 19 bis 20 Uhr auf unserer Geschäftsstelle, Crednerstraße 24, einzureichen. Später eingereichte Gutscheine werden nicht mehr angenommen.
Pfundsammlung.
Arn Dienstag, 3., Mittwoch, 4., und Donnerstag, 5. März, findet im Bereich der Ortsgruppe Gießen- Süd durch die NS.-Frauenfchaft die Pfundsarnrn- lung für den Monat März 1936 statt. Es wird gebeten, die Lebensmittelpakete zur Abholung bereitzuhalten.
OAK. sammelt für das Winterhilfswerk.
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Links: Oberbürgermeister Ritter (Mitte) und Bürgermeister Dr. Hamm (rechts) beim Sammeln. — Rechts: Betriebswalter der DAF. beim Verkauf der Narzisse. — (Aufnahmen [2]: Photo-Pfaff, Gießen.)
Am Samstag und am gestrigen Sonntag stand die Deutsche Arbeitsfront im Dienste des Winterhilfswerks. Bereits am Samstagvormittag begann das gute Sammelwerk in den Betrieben mit Betriebsappellen, bei denen die Betriebsführer und die Betriebsgefvlgschaftswalter durch kurze Ansprachen und durch die Sammlung von Spenden sich für die Unterstützung der vorbildlichen Arbeit des Winterhilfswerks einsetzten. Im Laufe des Samstagnachmittags wurde dann von den Amtswaltern der Deutschen Arbeitsfront und der NS.- Gemeinschaft „Kraft durch Freude", von -Betriebs- führern und Gefolgschaftswaltern die Sammlung
in den Straßen fortgesetzt, wobei man überall die Feststellung machen konnte, daß das zum Verkauf angebotene Spendezeichen, die künstliche Narzisse, regen Absatz fand.
Die Sammlung währte auch am gestrigen Sonntag an und fand in den Mittagsstunden eine besonders wirkungsvolle Unterstützung durch Platzkonzerte, die am Selterstor von der Regimentskapelle unseres Infanterie-Regiments 36 und in der Plockstraße von dem Mufikzug der Standarte 116 geboten wurden. Beide Konzerte waren außerordentlich stark besucht, so daß auch bei dieser Gelegenheit die Sammler eine sehr eifrige und er
folgreiche Tätigkeit zum Besten des Winterhilfswerks entfalten konnten.
Erfreulicherweise trat auch bei dieser Sammlung eine rege Opferfreudigkeit zutage, die unter Beweis stellte, daß man sich allenthalben in bester Weife der außerordentlichen Wichtigkeit des Winterhilfswerks bewußt ist und den starken Willen hat, diesem edlen Werk mit allen Kräften förderlich zu sein.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, daß am gestrigen Sonntag um die Mittagsstunde bereits sämtliche Abzeichen, und zwar die Narzissen und auch die Ersatz-Abzeichen, vollständig ausverkauft waren.
auch als Bühnenbildner. So unterschiedlich diese Bilder sein mögen nach Motiven, Techniken und Stilweisen, — es fügt sich doch in dieser schönen und würdigen Ueberschau 'selbstverständlich und zwanglos Bild neben Bild, Figur zu Figur, und alles zusammen betrachtet zum runden Eindruck einer in sich ruhenden, geschlossenen und ihrer selbst bewußten Persönlichkeit, wie sie sich ausgeprägt hat in der vom Bildhauer Carl Bau rc ar de abgenommenen, überaus schönen Totenmaske, welche auch die Ausstellung schmückt (wir haben sie vor einiaer Zeit an dieser Stelle abgebildet) und zusammen mit einer Zeichnung von Heinrich Will das lebte Antlitz des Verewigten aus eine noble und künstlerisch vollkommene Weise überliefert.
Die Figuren und Köpfe, die Tiere und Landschaften die wir hier sehen, sind alle aus einem sehr bewußten und beherrschten Formgefuhl hervorgegangen, mit einem empfindlich reagierenden Sinn fü? Linienführung und Farbwirkung gestaltet, ür jene zarten Uebergänge, Halb- und Zwischen- öne vor allem, deren Gewinnung wohl als eine Frucht des erwähnten Aufenthaltes in Paris gewertet werden darf. Die mannigfachen T.erf udlen und Zirkusszenen, die wir vereinzelt schon früher hier gesehen haben, zeigen als einen der ausgeprägtesten Wesenszüge in Kleines Schaffen die Freude am bewegten und m öer Bewegung beherrschten Körper im Raum; ein Raumgefühl überhaupt das sich in den Bühnenbild-Entwurfen noch plastischer und sinnfälliger auspragt. Bemerkenswert scheint uns ferner — dles gilt auch etwa für die benachbarte Gruppe von , ei.ne
sympathische Sparsamkeit der Mittel, die sich im sinnvollen Aussparen und Weglassen äußert. Negatives derart ins Positive wendet und im Gesamteindruck wirksam werden läßt. Als ein Beispiel für d ese Sehwei e, die ganz auf den Wesens ern geltet ist, mag etwa die Tiger-Gruppe gelten, die aus Kleines letzten Krankheitstagen stammt und gleichsam geladen ist mit gesammelter, federnder ünb sprungbereiter Bewegung.
Kleines Neigung zum Porträt - aud) auf bUfem Lieblmqsgebiet konnte eine vielverhechende Entwicklung nicht mehr oerfolgt und ausgebau werden - chegelt sich in einer Anzahl non Bildnissen, bie wiederum ganz auf bas Wesentliche bas mnerbch B zeichnende eines Kops» ober Gesichtes ger.chkt sind Me in einer oft bezaubernd leichten und fluch- gen «ontur ben Umriffen nachgehen und bade, mmer in bie Wefensmitte des Dargestellten zu westen feinen. Als Gegenstück konnte hier nue-
Oberhefsischer Kunstverein.
Gedächtnis-Ausstellung Hans Ewald Kleine.
Die gestern eröffnete Ausstellung ist dem An- denken des im Alter von erst 28 Jahren verstorbenen, hochbegabten Gießener Malers Hans Ewald Kleine gewidmet. Kleine war im Kunftverem nicht unbekannt, er war des öfteren in den Aufstellungen der Einheimischen vertreten, freilich immer nur mit sparsamer Auswahl, mit wenigen, wiewohl stets charakteristischen Arbeiten. Nun i ihm der ganze Raum vorbehalten, und man erhalt 3um ersten Male ein repräsentatives Bild seines Schaffens, einen eindrucksvollen Ueberblick über das gesamte Werk dieses früh vollendeten und vielseitig begabten Künstlers.*
WÄLSLMM srsrtäf. ‘ *;
feine 3been auf eigenen Wegen aus sch h ö verwirklichen. Stubienresten nach Holland UN° nun, Paris haben ihn, wie °u- manchen ber^h^er^^^ gestellten Arbeiten zu o^kenn f, .
d-rt unb wohl entfchechenben Elementen lem^^ l-rtfchen Form zum Durchb ch ° ' gearbeitet,
dann längere Zeit in ®l^n ' schon nach zuletzt auch in München, ."ber ^an^eit seiner 86B» SÄ
e*ä VÄrs»»« -™"4 ”• ehrgeizig am Werk. *
Die Arbeiten, die man hier ^psihri'schen^V?el- hat, zeigen Kleine in ferner. A .* a[5 Ma-
1Ä SW," tis Ä« unb nicht zuletzt
berum von den Tierfiguren die Radierung mit der ruhenden Antilope angezogen werden, die auf ein äußerstes Maß linearer Begrenzung zurückgeführt ist und doch das Charakteristische der Gattung wie des Zustandes hingegebener Ruhe festhält. Ebenso mühelos ergibt sich die Verbindung auch zu den Phantasie-Landschaften, die aus der gleichen Anschauung der Dinge, aus dem nämlichen Stilgefühl hervorgegangen sind; ein Blatt wie die „Gefilde der Seligen" (Gluck, „Orpheus") läßt unwillkürlich an verwandte Szenerien bei Slevvgt denken.
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Mit welcher Delikatesse H. E. K l e i n e auf Farbeneindrücke reagierte, erweisen die Malereien: Taube, Spargelbund, Früchte-Stilleben, lauter ausgesprochen impressionistische Lieblingsmotive. Es ist von hohem Reiz, diese empfindlich zusammengestellten Valeurs auf das Auge wirken zu lassen, zu beobachten, wie der zarte flaumige Schmelz einer Fruchkschale, die samtige Pfirsichhaut z. B., behandelt und von der blanken Tischplatte widergespiegelt wird; von bezwingender Feinheit auch der Zusammenklang von grauen, zartblauen und lichtgelben Tönen im Stilleben mit den Pflaumen.
Verhältnismäßig den breitesten Raum beanspruchen die Bühnenbild-Entwürfe und Figurinen, die übrigens alle improvisiert und nicht in der Theaterwerkstatt und im Bühnenraum verwirklicht worden sind: hier läßt sich noch einmal zusammenfassen, was bisher als charakteristisch für Kleines Arbeit bezeichnet wurde: Farbensinn, Phantasie, Beherrschung der Linie, räumliches Sehen und Freude am bewegten Körper im Raum. Diese Entwürfe wirken um so stärker, wenn man bedenkt, daß sie nur im freien Spiel der Gestaltung, eben nur als Entwurf, nicht als Dorstadium einer praktischen Ausführung geschaffen find. Mit welcher Einfühlungskraft sich der Künstler in Geist und Wesen einer Dichtung hineinzuversetzen vermochte, bezeugen etwa die ausgezeichneten Szenenbilder zum „Woyzeck" von Büchner, in welchen die düstere Tragik, die lastende Hoffnungslosigkeit dieses Soldaten- und Männerschicksals überzeugend eingefangen ist; oder der revolutionäre Schwung des „Danton", die aufbegehrende Gebärde in Schillers bürgerlichem Trauerspiel, der schwere Prunk der „Egmont"-Bilder, die verschneite „Hamlet"-Terrasse, die graziöse Heiterkeit des modernen englischen Gefellschaftsstückes. Es können hier nur ein paar Stichworte gegeben werden, die den Weg in die färben- und figurenreiche Fülle dieser Theaterszenerien weisen mögen.
—y—
Am Sonntagvormittag wurde die Gedächtnis- Ausstellung bei erfreulich gutem Besuch eröffnet. Nach einem stimmungsvollen Streich-Trio ergriff Maler Will das Wort zu einer kurzen Ansprache, in der er des allzu früh dahingegangenen Kollegen und feines Schaffens gedachte; er sprach vom inneren Reichtum dieses Werkes, das mit lauterem Herzen und in unermüdlichem Fleiß geschaffen fei; er erinnerte an eine letzte Begegnung mit dem Verschiedenen, an seine Hoffnung auf eine Weiterführung des Studiums, auch an [eine strenge und unbestechliche Selbstkritik. So biete das hinterlassene Werk, das sich hier vor uns ausbreitet, em Bild voller Harmonie.
Zeitschriften
— Die neue von dem Sprachenverlag Langenscheidt herausgegebene Monatsschrift „Langen- scheidt's English Monthly Magazine" bringt in ihrer Märznummer u. a. einen Artikel über Lindbergh, einen interessanten Aufsatz, in dem die Ansichten eines Amerikaners über die wirtschaftlichen Aussichten in Afrika (Abessinien) geschildert werden, einen Aufsatz über den neuen König Edward VIII., dazu eine Short-Story und vor allen Dingen viel Humor in Form von Witzen, Anekdoten und kurzen humoristischen Texten. Das Wertvolle für den Leser hegt darin, daß alle weniger bekannten Vokabeln übersetzt und erläutert sind.
Sochschulnachrichten.
Wegen Erreichung der gesetzlichen Altersgrenze sind von den amtlichen Verpflichtungen entbunden worden: an der Universität Berlin der Ordinarius für Frauenheilkunde und Direktor der Universitäts-Frauenklinik, Professor Dr. Walter Stöckel, und der Ordinarius für alttestamentliche Theologie Geheimer Konfistorialrat Professor D. Dr. Alfred Bertholet; an der Universität Bonn der Ordinarius für praktische Theologie und Apologetik, Konfistorialrat Professor D. Emil Pfennigs» darf; an der Technischen Hochschule München der planmäßige ao. Professor für Physik Dr.-Jng. Habil. Karl Tobias Fischer und an der Universität Erlangen der Ordinarius für organische und anorganische Chemie, Prof. Dr. phil. Ferdinand Henrich.
Professor D. M e n s ch i n g, der kürzlich als Nachfolger des emeritierten Professors Mulert vertretungsweise nach Kiel berufen worden war, ist jetzt mit der Wahrnehmung der Aufgaben der vergleichenden Religionswissenschaft an der Universität Bonn beauftragt worden.


