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75Mre Real- und Oberrealschule Alsfeld.

Alsfelder Real- und Oberrealschüler einen Ueber- blick über die Tätigkeit des Vereins, der sich zur Aufgabe gestellt habe, ein festes Band zwischen der Schule und den ehemaligen Schülern herzustellen. Er dankte der Schule und der Stadt Alsfeld für ihre wertvolle Unterstützung hierbei.

In seiner Schlußansprache dankte Oberstudien­direktor Dr. Hainer in herzlichen Worten allen Gratulanten. Der würdige und stimmungsvoll ver­laufene Festakt endigte mit dem Treugelöbnis zum Füyrer und mit dem Gesang der beiden National­hymnen. Die Feier wurde umrahmt durch Musik­vorträge des Schülerorchesters der Oberrealschule und des Schülerchors, beide unter Leitung von Oberreallehrer Dotter.

An die Feierstunde schloß sich ein gemeinsames Mittagessen imDeutschen Haus" an. Die Jubiläums­feier fand ihren Abschluß mit einem

Festabend

im großen Saale desDeutschen Hauses", der sich eines so starken Besuches erfreute, daß der letzte ver­fügbare Platz in Anspruch genommen wurde. Volks­tänze und turnerische Darbietungen, ausgeführt von Schülern der Anstalt, belebten den Abend. Den Höhe­punkt bildete die Aufführung des sechsten Teiles (Schwerttanz) des Alsfelder Festspiels von Oberreal­lehrer Dotter, die große Begeisterung und stür­mischen Beifall fand. Das Schülerorchester der.Als­felder Oberrealschule unter Leitung von Oberreal­lehrer Dotter umrahmte den musikalischen Teil des Abends in stimmungsvoller Weise.

Die Alsfelder Ober-Realschule darf auf eine wür­dige, wohlgelungene Jubiläumsfeier zurückblicken.

großen Dank schuldig. Die Geschichte der Alsfelder Realschule beweise, daß auch in einem kleinen Ge­meinwesen große Kulturarbeit geleistet werden könne bei Gemeinsinn und Opferbereitschaft der Bürger. Er könne mit Genuatuung feststellen, daß die besonderen Belange der Alsfelder Oberrealschule jederzeit volles Verständnis sowohl bei der Regie­rung als auch bei der Stadt gefunden haben. Die Oberrealschule könne heute im Aufbau der Stadt nicht mehr hinweggedacht werden. Die Stadtver­waltung sei sich dieser Aufgabe vollauf bewußt und werde auch in Zukunft die Belange ihrer höheren Lehranstalt nach Kräften fördern und unterstützen, die diese in ihrer Stellung als Kulturzentrum für den nördlichen Teil unserer oberhessischen Heimat habe. Er wünschte zum Schluß seiner Ausführun­gen der Anstalt weiteres Wachsen, Blühen und Gedeihen.

Lehrer Jäkel (Alsfeld) als Vertreter des ver­hinderten Kreisschulrats beglückwünschte die Ober­realschule zu ihrem bedeutsamen Jubiläum.

Rektor U sing er (Alsfeld) betonte in seiner Glückwunschansprache die guten Beziehungen zwi­schen der Stadtschule und der Oberrealschule.

Rektor Rohrbach als Leiter der Gewerbe­schule Alsfeld sprach deren Glückwünsche aus.

Studienrat Dr. Gerhard (Gießen) übermit­telte die Grüße und Glückwünsche der benachbarten oberhessischen höheren Lehranstalten.

Am Schlüße der Glückwunschansprachen gab Bürgermeister a. D. Frank (Alsfeld) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins ehemaliger

OJL-^fpotl

Oie Gaumeisterschasten der Iugendschwimmer in Gießen.

Die letzte schwimmsportliche Veranstaltung der Freiwasserschwimmzeit 1936 im Gau XII (Nord- hessen) sind am nächsten Sonntag die Gaujugend­meisterschaften. Den Bemühungen des Gießener Schwimmvereins ist es zu verdanken, daß als Aus­tragungsort für diese Wettkämpfe Gießen gewählt worden ist. Die Veranstaltung, die in der Müller- schen Badeanstalt stattfinden wird, verspricht ein sportliches Ereignis für Gießen zu werden.

Die Olympischen Spiele in Berlin haben es wieder gezeigt, daß besonders im Schwimmsport die gro­ßen Leistungen immer mehr von jugendlichen Schwimmern gezeigt werden. Aehnlich ist es auch in unserem Heimatgau Nordhessen. Man wird da­her am nächsten Sonntag in der Müllerschen Bade­anstalt guten Schwimmsport sehen können. Die Gießener Schwimmer werden dazu für ein schönes Rahmenprogramm Sorge tragen.

Männerturnverein Gießen Faustball-Staffelsieger!

Am Sonntag wurden in allen Kreisen die Staf­felmeister in Vor- und Rückspielen ermittelt. Auf dem Platz des Männerturnoereins wurden die Spiele der Staffel 2 abgewickelt. Alsfeld war aus­geblieben, also waren nur noch drei Mannschaften anwesend: Allendorf, Tv. 1846 Gießen und Mtv. Den Titel eines Staffelmeisters konnte die Mann­schaft des Mtv. erringen, indem sie in einem in­folge Punktgleichheit notwendig gewordenen Ent-

Fußball der heimischen Mannschasten.

scheidungsspiel den Tv. 1846 überlegen schlug. Es ist dies der Lohn für intensives Training, dem sich die Mannschaft während der letzten Wochen unterzogen hat. Mit noch etwas mehr Spielerfah­rung sollten größere Erfolge nicht ausbleiben. Die Mannschaft spielte in folgender Aufstellung: Strack, Barth, Strack, Kurt, Schmidt und Frone­berg.

In der ersten Runde verlor Mtv. sein Spiel gegen 1846 ziemlich klar, um dann in der Rückrunde mit einem Punkt Dorsprung zu gewinnen. Dadurch wurde ein Entscheidungsspiel zwischen diesen bei­den Mannschaften nötig. Die Mtv.er hatten sicb zum Schluß in eine beachtliche Form gespielt und konnten die etwas müde wirkenden 1846er ein­deutig mit 39:24 (16:12) schlagen.

Gaumeisterschasten im Kleinkaliberschießen.

In Frankfurt a. M.-Eschersheim wurden an den letzten beiden Sonntagen die Gaumeisterschaften im Kleinkaliberschießen des Gaues Hessen ausgetragen. In allen drei Klassen sielen die Siege nach Frank­furt a. M. In der Klasse A holte sich der Post- sportverein Frankfurt mit 618 Ringen den Sieg vor dem Polizeisportverein Wiesbaden, der 608 Ringe erreichte. Doppelsieger wurde der Schützenverein Frankfurt-Eschers­heim, der sich in der Klasse B mit 601 Ringen gegenGut Ziel" Wiesbaden durchsetzte und die Meisterschaft der Klasse C mit 576 Ringen ebenfalls gegen die Wiesbadener, die hier auf 551 Ringe tarnen, gewann.

2) Alsfeld, 31. Aug. Die hiesige Oberreal- schule feierte am Samstag und Sonntag ihr 7 5-jähriges Bestehen. Zu der Feier hatten sich eine große Anzahl ehemaliger Schüler der alten Realschule sowie der heutigen Oberrealschule eingefunden.

Die Jubiläumsfeier wurde am Samstag mit einem

Kameradschastsabend

im großen Saal desDeutschen Hauses" eröffnet, der von Oberstudiendirektor Dr. Hainer (Alsfeld) geleitet wurde. Dieser begrüßte in der Eröffnungs­ansprache die zahlreichen Gäste und wies darauf hin, daß sich seit der Feier des 50jährigen Bestehens ein gewaltiger Umschwung in Deutschland vollzogen habe, und daß die Schule heute vor neue Aufgaben gestellt sei. Die Ansprache klang aus mit einem Treuegelöbnis zum deutschen Volk und zu dessen Führer. Der Abend verlief in schönster kamerad­schaftlicher Harmonie; die Wiedersehensfreude der ehemaligen Schulkameraden ließ bald eine gehobene Stimmung auskommen beim Gesang gemeinsamer Lieder. Der oberhessische Heimatdichter Georg Heß erntete mit seinen 'bekannten volkstümlichen Heimatgedichten in oberhessischer Mundart großen Beifall. Bei den flotten Weisen der Musikkapelle blieben die Teilnehmer noch lange zusammen.

Am Sonntag um 11 Uhr fand am Ehrenmal im Hof der Oberrealschule eine Ehrung f ü r die im Weltkrieg gefallenen Lehrer und Schüler der Anstalt statt, bei welcher Ober­studiendirektor Dr. Hainer die Weiherede hielt. In tiefempfundenen Worten gedachte er der hohen Bedeutung des Heldentodes der für ihr Vaterland gefallenen Angehörigen der Schule, die er den Schülern als mahnendes Beispiel bezeichnete. An­schließend folgte die Kranzniederlegung. Um 13 Uhr sand im großen Saal desDeutschen Hauses" der

Festakt der Jubiläumsfeier

unter starker Anteilnahme der ehemaligen Schüler und der Bevölkerung der Stadt Alsfeld statt. Die Landesregierung war durch Oberschulrat Dr. Leib vertreten.

Die Festrede hielt Oberstudiendirektor Dr. Hai­ne r, der in längeren Ausführungen auf die große Bedeutung der Schule am Erziehungswerk des deutschen Volkes hinwies, an welchem der Schule ein besonderer Anteil zukomme. Aufgabe der Schule sei es vor allem, den neuen völkischen Menschen im Geiste der Gemeinschaft zu erziehen und die Fehler des früheren Systems bei der Erziehung, welche die körperliche Ertüchtigung des jungen Menschen vernachlässigt habe, wieder gut zu machen. Im zweiten Teil seiner Rede gab der Anstaltsleiter einen interessanten Rückblick auf die Geschichte der Anstalt während der 75 Jahre ihres Bestehens. Er dankte der Hessischen Landesregierung und der Stadt Alsfeld für die Förderung, die man allezeit der Schule habe zuteil werden lassen, sowie dem Verein ehemaliger Alsfelder Real- und Oberreal­schüler für seine Jubiläumsftiftung und für die Schaffung des Ehrenmals für die gefallenen Lehrer und Schüler der Anstalt. Zum Schlüsse legte er ein Gelöbnis zur Mitarbeit an den neuen Aufgaben der höheren Schulen zur Erziehung des neuen deutschen Menschen ab.

Oberschulrat Dr. Leib überbrachte die Glück­wünsche der Hessischen Landesregierung, die es als ihre Pflicht betrachte, nicht nur an den Sorgen und Nöten der höheren Schulen teilzunehmen, son­dern auch an deren Jubiläumsfeiern. In bedeutsa­men Ausführungen umrih der Redner alsdann die Erziehungsaufgaben der deutschen Schule im neuen Staate und wies insbesondere auf das Ziel hin, den Leistungsmenschen schon von der Schulbank an für das Leben zu erziehen, wobei das Auslese­prinzip an erster Stelle stehen müsse. Hierdurch und durch eine entsprechende Neugestaltung des Lehr­stoffes werde es möglich fein, die starke Inan­spruchnahme der Jugend mit den anderen Erfor­dernissen der Partei und des Staates in der Ju­gendbewegung in Einklang zu bringen. Die Erfor­dernisse der neuen Zeit verlangen eine Steigerung der Leistungen der Schule.

Bürgermeister Dr. Völsing als Vertreter der Stadt Alsfeld überbrachte die Glückwünsche der Stadtverwaltung zu dem denkwürdigen Jubiläum. Die Stadt Alsfeld fei den Männern, die im Jahre 1861 in bescheidenen Verhältnissen die Grundlage für die heutige Oberrealschule geschaffen hatten,

Sf8<R I.-KirchhainI 3:2.

Die Kirchhainer hatten eine schnelle und eifrige Mannschaft zur Stelle. Hervorragend schlug sich ihre Hintermannschaft. In der Läuferreihe war der Mittelläufer der beste Mann. Im Sturm war die linke Seite die gefährlichere. Leider liehen sich die Gießener die hohe Spielweife der Gäste aufdrängen.

Die Gießener spielten mit Balser; Leutheuser I, Lotz; Mund, Knauß, Kugel; Hauptfeld, L. Schmidt, Jakob, Heß, Szponick.

Balser hielt hervorragend. Lotz und Leutheuser verstanden es, sich durchzusetzen. Mund und Knauß waren gut. Im Sturm befriedigte der rechte Flügel.

Heß und Szponick waren die treibenden Kräfte. Don Beginn an waren die Gießener leicht feld­überlegen. Sie spielten jedoch im Sturm zu schablonenhaft, um sich durchsetzen zu können. Auf der Gegenseite kamen die Gäste selten über die Verteidigung hinaus. Zwei Flankenläufe schloß Szponick mit Schüssen, die in den Händen des geg­nerischen Torhüters landeten, ab. Auf der Gegen­seite schoß der Rechtsaußen in guter Position da­neben. Dann erzwang die Gießener linke Seite eine Ecke. Szponick gab hoch vors Tor, Heß sprang höher als sein Gegner und köpfte unhaltbar ein. Weiter waren die Gießener im Angriff. Die Hinter­mannschaft der Gäste verhinderte weitere Erfolge.

Nach Halbzeit waren die Gäste zuerst stark über­legen. Zweimal kurz hintereinander konnte Balser nur durch energisches Jn-den-Schuß-laufen Erfolge des Gegners verhindern. Wieder war der Mittel­stürmer durchgebrochen, gab halbhoch zu dem Halb­linken, dieser spurtete nach dem Ball, und Balser konnte nur durch Feschalten einen Erfolg verhindern. Den fälligen Elfmeter hielt er glänzend. Aber so­fort sind die Kirchhainer wieder durch, eine Flanke von links nach rechts, Balser wehrte ab, der ab­springende Ball kam zum Rechtsaußen, der unhalt­bar einschoß. Damit war der Ausgleich gefallen. Noch drei Minuten waren zu spielen, als Schmidt beim Elfmeterpunkt den Ball aus der Luft nahm und unhaltbar unter die Latte schoß. Damit war das Siegestor gefallen. Bis zum Schluß änderten beide Mannschaften nichts mehr an diesem Ergeb­nis. Der Schiedsrichter Gerhard aus Steinbach konnte gefallen.

VfV.-Rb. U Sportfreunde Wetzlar II 6:1.

Die Gießener 2. Mannschaft zeigte endlich wieder einmal ein Spiel, das befriedigen konnte. Trotz großer Feldüberlegenheit konnten die Gießener bis zur Halbzeit nur ein Tor erzielen, dem die Wetz­larer durch ein Mißverständnis der Gießener Hinter­mannschaft ebenfalls eins entgegensetzen konnten. Nach der Halbzeit stellten die Gießener um und diktierten das Spielgeschehen. Bis zum Schlüsse er­zielten sie fünf weitere Tore.

Ulamtbeim1900 5:2.

Die Blauweißen wurden abermals mit klarem Trefferunterschied geschlagen. Diesmal, das wollen wir gleich vorausschicken, war es nicht ganz am Platze. Naunheim hatte die größeren Torchancen und 1900 dafür mehr Pech. Hinzu kam, daß Fi­scher durch eine Unvorsichtigkeit vor dem Spiel Ma- genkrämpse bekam und so nicht im Vollbesitz seiner Kräfte war, was zu drei Toren Anlaß gab. Gegen Schluß mußte er sogar ausscheiden. Lippert wurde bei einem Zusammenprall erheblich am Auge ver­letzt.

Der Spielverlauf begann nicht zum Besten für die Blauweißen. Es waren noch keine 3 Minuten gespielt, da hieß es schon 1:0 für Naunheim. Schnelle Gegenangriffe der Blauweißen ließen er­kennen, daß sie sich nicht so schnell geschlagen be­kennen und als Schombert den Tormann einmal überlistet hatte, den Ball schnell vor das Tor gab, hatte Enders wenig Mühe, den Ausgleich zu er­zielen. Die Freude dauert aber nicht lange. Vom Abstoß weg kam Naunheim wieder zur Führung. Hattert nutzte einen Fehler in der Verteidigung aus und schoß für Fischer unhaltbar ein. Aus der Ge­genseite waren es Schombert und Schellhaas, die vorbeischossen. Ein Strafstoß von Jäger ging über die Latte und zwei Bomben von Henkelmann hat­ten dieselbe Richtung. Hierauf folgt wieder eine Drangperiode der Gastgeber. Wieder war es Hat­tert, der aus nächster Nähe eine Flanke von Keusch verwandelte. Als sich Keusch in die Liste der Torschützen eintragen wollte, ist es Lippert, der den Ball hoch aus der rechten oberen Ecke herausfaustete. Nur wenige merkten dies. Fall alle, auch der Schiedsrichter, glaubten, es wäre ein seiner bekannten Kopfbälle. Ein kurz vor der Pause von Schombert erzieltes Tor erhielt keine Aner­kennung.

Nach der Pause kam eine große Drangperiode der Blauweißen, die jedoch ergebnislos verlief. Die Platzbesitzer waren glücklicher. Eine Flanke von Keusch entwich aus Fischers Händen vor die Füße Hatterts, der über den am Boden liegenden Tor­mann einschoß. Wieder setzen sich die Blauweißen vorm Tor der Naunheimer fest. Schüsse von Weiß­müller und Enders konnte der Tormann gerade noch zu Ecken abwehren, während er gegen einen Schrägschuß von Schombert machtlos war. Das Spiel ging stark dem Ende zu, als es wiederum Hattert gelang, auf eine Flanke von Keusch, das fünfte Tor zu erzielen.

Naunheim bot in mancher Hinsicht die bessere Leistung. Das Zusammenspiel und das Verständnis war ausgeprägter als bei den Blauweißen.

Bei 1900 war der große Eifer anzuerkennen. Drei Tore kommen auf Konto Fischer, die auf feine Indisposition zurückzuführen sind. Zeiler und Lippert waren wieder voll beschäftigt. Die Läuferreihe mit Garth, Jäger, Günther hatte einen schweren Stand, den gegnerischen Sturm in Schach zu halten. Der Sturm mit Schellhaas, Schombert, Enders, Weißmüller, Henkelmann war teilweise recht gut, im gegebenen Augenblick aber zu unproduktiv.

Unbekannte Fracht.

Roman von Frank F.vraun.

29 Fortsetzung. Nachdruck verboten!

Der Regulator an der Wand neben dem Um­bausofa schlug verstimmt aber laut achtmal. Sie schrak zusammen. Jetzt galt es, sich zu beeilen. Um ai)t Uhr war sie mit Fred Lorenzen vor Aschmger am Bahnhof Friedrichstraße verabredet.

Sie lief hinunter, über die dunkle Brücke, den Schlüterweg entlang. Wenige Minuten nach acht war sie an der verabredeten Stelle. Fred Lorenzen war schon da. Er hatte seinen guten, blauen Anzug an und strahlte vergnügt.Hat es geklappt?"

Ja, ich habe schon den ersten Arbeitsatg hinter mi,Jarnos, Antje. Wollen wir zu Aschmger? Oben ist Musik. Du hast doch noch nichts gegessen?

Nein." Er nahm ihren Arm und führte sie. Ihr Mut wurde klein. Fred war so vergnügt; wie konnte man ihm da eine unangenehme Wahrheit ins frohe Gesicht sagen: das wäre roh gewesen. Sie brachte es nicht fertig; zunächst noch nicht; vielleicht später im Laufe des Abends.

Aber nachher kam sie ebensowenig dazu. Hin­gegen brachte ihr Fred Lorenzen' Die sie merklich erschütterte. Nur mit Muhe gelang es ihr, sich soweit zu beherrschen, daß ihm nicht der Abend verdorben wurde. Für sie war plötz­lich alles anders.

Er zog nach dem Abendessen eine Zeitung aus der Brusttasche.Ich wollte dir etwas zeigen , sagte er,wo steht es denn, ach hier. Lies mau Es ist da ein alter Mann aus deinem Ort ge- ftorben. Ein gewisser Hinrich lerbrugge,. Du hast mir erzählt, daß du den Sohn kanntest. Cr sagte das heute ohne Groll. Jetzt wußte er ja schon lange, daß Antje ihn liebte und alles was ge­wesen war, vergessen hatte, zumindest innerlich abzutun vermocht hatte. Er hatte das nicht aus ihrem Munde erfahren, aber er fühlte es. Sie war auf ihn eingestellt, ganz und gar.

Antje, hätte sie genau gewußt, wie er zu ihr stand, wäre erschrocken gewesen.

Sie nahm die Zeitung. Fred Lorenzen hatte mit Rotstift angestrichen, was sie lesen sollte; so fiel es ihr sofort in die Augen.

Erben gesucht! In Hannover verstarb der Land­wirt Hinrich Jochen Terbrügge; geboren 28. April 1873 zu Lüneburg. Das Amtsgericht Hannover 1 sucht die gesetzlichen Erben.

Fred Lorenzen sah ihr prüfend ins Gesicht.Du kanntest gewiß auch den alten Terbrügge, der jetzt gestorben ist?"

Antje nickte. Sie hatte wie aus weiter Ferne die Frage gehört. Als es still blieb, badjte sie, Fred Lorenzen habe vielleicht ihr Nicken nicht be­merkt, und sie sagte auch noch:Ja, ich habe ihn gekannt." Aber ihre Gedanken waren nicht bei dem Freund, der unruhig weiter auf sie starrte.

Stimmt es dich traurig?"

Da raffte sie sich zusammen.Es scheint alles schon so lange her zu sein", sagte sie nachdenklich. Es stimmt mich nicht eigentlich traurig. Der alte Terbrügge war nicht mein Freund, eher mein Gegner. Aber", sie wischte etwas weg und fuhr fort:Es ist, wie wenn jemand ein Bild aus ver­gangener Zeit vor mir aufgestellt hätte. So war dein Leben einmal Weißt du, was ich meine ...? Sie merkte selber, daß sie unverständlich bleiben mußte, und schwieg.

Da war doch der Sohn, Rudolf hieß er, nicht wahr? Der wird gewiß der Erbe fein. Mich wundert, daß das nicht längst feststeht.

Es wird schon feststehen, aber sie wissen wohl nicht, wo der Rudolf steckt. Du mußt ihm schrei- ben, Fred. Er soll doch wenigstens erfahren, daß sein Vater gestorben ist."

Ich muh ihm schreiben!?" Fred Lorenzen war baß erstaunt.Ich kenne doch den Mann gar nicht und weiß ebensowenig, wo er sich aufhalt. 3oeen hast du manchmal, Antje..."

Wir wissen, wo Rudolf Terbrügge sich auf­hält, Fred. Erinnere dich. Dein Bruder hat dir ge­schrieben, daß Terbrügge und noch em Deutscher auf demselben Dampfer sind."

Ach so." Fred Lorenzen wurde ruhiger.Dem

Hans könnte ich ja schreiben; das ist richtig. Aber was geht mich dieser Rudolf Terbrügge an!"

Pfui, Fred! So darf man nicht sein."

Er seufzte.Hast recht. Ich bin eklig. Aber warum muß uns dieser Rudolf Terbrügge gerade heute dazwischenkommen! Ich war so vergnügt. Als ich dich vorhin über den Damm kommen sah, Antje, also, ich sage dir, mein Herz machte ordent­lich einen Hopser vor Freude." Er streichelte über ihre Hand, die da gerade auf dem Tische lag.

Antje lächelte.Hattest du sonst noch einen Grund, vergnügt zu sein? Ist vielleicht eine deiner Zeichnungen irgendwo angenommen worden?"

Er schüttelte den Kopf.Nein, das nicht. Man darf auch nicht zu unbescheiden sein und gleich alles verlangen. Aber man soll eigentlich nicht darüber sprechen, bis der Vertrag vorliegt, ich bin jedoch nicht abergläubig, also, den Graphi­schen Werken habe ich heute geschrieben. Ich glaube, man muß ba ein bißchen nachhelfen. Die Leute sind langweilig. Ich habe meine Zeugnisse und Papiere eingereicht, als wäre ich dazu aufge­fordert gewesen. Nun müssen sie mir ja kommen; und wie mir Herr Birkmaier, den du ja auch kennengelernt hast, versicherte, werden sie mir kommen!" Er lachte zufrieden und trank sein Bier aus.

Antjes Beklemmung wuchs wieder an. Jetzt mußt du es sagen, wußte sie. Du wirst sonst später nie erklären können, warum du in diesem Augenblick geschwieaen hast. Aber sie sah fein junges, frohes Gesicht, dies harmlos verschmitzte Lächeln, als habe er mit der Abfassung des er­wähnten Briefes einen großen, geschiten Zug ge­tan, und sie brachte es nicht übers Herz, zu sagen: Du wirst deine Papiere zurückbekommen, Fred, die Graphischen Werke stellen dich niemals ein, ich weiß es von Herrn Birkmaier. Sie sagte etwas ganz anderes, eine Feigheit, eine Lüge beinahe: Das wäre schön..."

Antje wäre ganz gern noch sitzen geblieben; schon um Geld zu sparen Ein Lokalwechsel kostete Geld. Aber Fred Lorenzen drängte zum Auf- bruch. Er fand immer Gründe zum Vergnügt­sein, wie er es nannte. Diesmal mußte Antjes neue Stellung und das Näherkommen der feinigen gefeiert werden.

Sie brauchten nicht weit zu gehen. Ein Kaffee­haus, noch vor dem Lindenübergang, lockte und verhieß im ersten Stock sogar Tanz. Dort wollten sie hin. Sie schritten Arm in Arm durch die Friedrichstraße. Es hätte ein Warner aufstehen und ihnen raten können mit beredten Worten, jetzt nicht diesen Weg zu gehen. Sie hätten ihn ausgelacht. Was konnte sich denn ereignen! Was konnte ihnen geschehen, zwei jungen, gesunden Menschen!

Es war an der Ecke Mittelstraße. Eine junge Dame in einem grünen Kostüm kam mit einem Terrier quer über den Fahrdamm. Der Hund hatte Schuld, er zerrte wie wild an der Leine. Ein großer Omnibus mußte bremsen, daß die Fahrgäste fast von den Sitzen fielen. Es gab ein schreckliches Geräusch, als heulten zehn Sirenen. Der kleine Terrier erschrak. Er machte einen un­erwarteten Satz und mochte die Seine oder das Halsband schadhaft gewesen sein riß sich los. Die Dame schrie auf. Sie stand selber eingekeilt zwischen dem Autobus und einem inzwischen her­angefahrenen Rollwagen. Fahrer schimpften mit Recht, Passanten blieben stehen und taten gutge­meinte, sinnlose Zurufe. Der schwarze, niedliche Hund lief auf dem Damm zwischen den Wagen hindurch und wollte instinktiv auf den Fußsteig. Aber er konnte nicht weit genug sehen. Er mußte das heranpreschende Privatauto übersehen, das seitlich neben dem haltenden Omnibus vorbei wollte.

Die ganze Verwirrung dauerte nur Sekunden. Gleich würde sich alles wieder in Ordnung aufge­löst haben. Da mußte Fred Lorenzen der wahn­witzige Einfall kommen, sich um den Terrier, der sicherlich auch ohne ihn entwischt wäre, mit Ein­satz seiner Person kümmern zu wollen. Die Rat- losigkeit der Frau ärgerte ihn vielleicht, oder die Angst des kleinen schwarzen Schotten tat es ihm an.

Er machte sich ruckartig von SJntje los und warf sich nach vorn, lief auf den Fahrdamm. Er packte den Hund. Aber der riß sich aufs neue entsetz los und floh zu feiner Herrin. Fred Loren­zen rutschte auf dem glatten Asphalt aus. Da ge­schah es.

(Fortsetzung folgt!)