hohen Idee des Roten Kreuzes. Kolonnenführer Kratz sprach auch den jungen Kameraden vom Reichsarbeitsdienst, die als „Verletzte" an dem guten Gelingen der Uebung wesentlichen Anteil hatten, Dank und Anerkennung aus. Herzliche Worte des Lobes für die gezeigten Leistungen und der An- seuerung für weitere eifrige Tätigkeit richtete schließlich noch Kreisdirektor Dr. Lotz als Vertreter der Kreisbehörde an die Männer und Frauen der Sanitätskolonne, die er eindringlich auf das große Ziel ihrer ausgezeichneten Arbeit im Dienste des Volkes hinwies.
25 Jahre im Dienste der Polizei.
Am heutigen 1. September 1936 kann der Kriminalpolizeimeister bei der Polizeidirektion Gießen, Johann O e h l e n s ch l ä g e r, auf eine 25jährige Dienstzeit in der hessischen Polizei zurückblicken. Der Jubilar, am 27. Februar 1883 geboren, trat am 12. Oktober 1905 beim Jnf.-Reg. 115 in Darmstadt ein. Rach seinem Mlitärdienst wurde er am 1. September 1911 beim Polizeiamt in Offenbach am Main als Schutzmann eingestellt, ab 1. Mai 1921 wurde er zur dortigen Kriminalpolizei versetzt. Am 1. Dezember 1928 erfolgte seine Beförderung zum Kriminalpolizeimeister. Am 2. Mai 1935 wurde er als Kriminalpolizeimeister an die Polizeidirektion Gießen versetzt. Herr Oehlenschläger erfreut sich bei seinen Vorgesetzten, wie auch bei seinen Kameraden und in weiten Kreisen der Bevölkerung wegen seiner vortrefflichen Qualitäten und Dienstleistungen als Beamter und als Mensch großer Wertschätzung.
Scharfschießen bei Ebersgöns.
Der Landrat des Kreises Wetzlar teilt mit: Am 17., 18. und 19. September von 7 bis 13 Uhr und von 14 bis 18 Uhr finden in der Nähe von Ebersgöns Schießübungen mit scharfer Munition statt.
Gießener Wochenmarktpreise.
* Gießen, 1. Sept. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: D. f. Molkereibutter, % kg 1,57 Mk., D. Molkereibutter 1,52, Landbutter 1,42, Markenbutter 1,55 bis 1,60 Mark, Matte 20 bis 25 Pf., Käse, das Stück 4 bis 10, Eier, deutsche, Klasse A 13, Klasse B 12, Kühlhauseier 11, ausländische Kühlhauseier 12, Wirsing, % kg 6 bis 10, Weißkraut 5 bis 8, Rotkraut 8 bis 10, gelbe Rüben 5 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 15 bis 20, Römischkohl 8 bis 10, Bohnen, grün 10 bis 20, gelb 10 bis 20, Unterkohlrabi 8 bis 10, Erbsen 20 bis 30, Tomaten 10 bis 18, Zwiebeln 8 bis 10, Kürbis 5 bis 8, Kartoffeln, % kg 5 Pf., 5 kg 45, 50 kg 3,80 bis 4,50 Mark, Frühäpfel, Vi kg 10 bis 30 Pf., Falläpfel 5 bis 6, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 10 bis 15, Mirabellen 20, Pfirsiche 55 bis 65, Brombeeren 30 bis 35, Preiselbeeren 30 bis 42 Pf., junge Hähne 1 bis 1,10 Mark, Blumenkohl, das Stück 30 bis 50, Salat 8 bis 10, Salatgurken 10 bis 20, Einmachgurken 1 bis 3, Endivien 8 bis 10, Oberkohlrabi 4 bis 8, Rettich 5 bis 10, Sellerie 20 bis 25, Radieschen, das Bündel 10 Pf.
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** Eine treue Mieterin. Die Musiklehrerin Frau Cläre Schlesier-Altmann wohnt am heutigen 1. September 25 Jahre in dem Hause Goethestraße 63. Ferner ist sie seit ebenso langer Zeit Bezieherin des Gießener Anzeigers.
** Zusammen stoß zwischen Motorradler und Straßenbahn. Am heutigen Dienstagmorgen gegen 7 Uhr ereignete sich an Oer Ecke Gutenbergstraße-Kaiserallee ein Zusammenstoß zwischen einem Motorradfahrer und einem Straßenbahnwagen. An jener Stelle fuhren zwei Straßenbahnwagen in geringem Abstande hintereinander her. Der Motorradler versuchte trotz des aerin- aen Abstandes der beiden Wagen zwischen oiesen hindurchzufahren; er wurde dabei jedoch von dem Hinteren Straßenbahnwagen gefaßt und mit seiner Maschine umgerissen. Dabei kam er mit dem Motorrad unter den vorderen Teil des Straßenbahnwagens zu liegen und wurde einige Meter weit geschleift, er hatte aber Glück im Unglück, denn er kam ohne Verletzungen davon. Das Motorrad erlitt einige leichte Beschädigungen.
Der Erbe -es Hofes Dierk.
Von Annemarie Mittelbauer.
Im Sauerland, drunten im Vollmetal, liegt das Dorf Brügge, früher Brugghen genannt. Seit alter Zeit führt eine Handelsstraße von Altena nach Frankfurt hindurch. Weil man durch eine über die Vollme geschlagene Brücke das ahbere Ufer erreichen kann, heißt Der Ort Brügge. Mit der stolzen, herrlichen Zeit der Hanse und der a^fblühenden Industrie steht das Dorf in enger Verbindung. Die Eisenhämmer lärmen in den kleinen Kotten an den Bächen und Flüssen des Sauerlandes. Das Wasser, das auch im Sommer unversiegbar ist, treibt die Hümmer an, die das glühende Eisen schlagen.
Kärglich sind die Früchte der Aecker; denn der Boden hat grobe Grauwacken, Feldsteine und harte Felsen. Die Steilheit der Berge zwingt den Bauern oft, den Pflug selbst zu ziehen, derweil die Pferde auf der Waldgraswiese ihr Futter holen. Kartoffeln wachsen hier zur Not und Roggen, der sich nicht niederbiegen will. Rot- und weißblühende Bohnen ranken an den hölzernen Stangen hoch. Darüber ist der Himmel blau, blauer als die Teiche im Talgrund, blauer als die Blumen im Korn. Die Bauern begreifen nicht, daß die geworfene Saat bei der wärmsten Sonne und dem tropfenden Sommerregen nicht wachsen will.
Wenn die Ernte, Heu, Klee, Hafer und Roggen eingebracht ist, weht über die leeren Felder ein kalter Nordost, der die bunten Astern im Garten vergehen läßt. Dann erklingt in den kleinen Schmieden hinter dem Haus das eintönige Lied des Hammers, das zu der Einsamkeit und Stille da draußen paßt. An diesen Tagen bringen die Bauern und Knechte das Geschirr, den Stall und die Feldumzäunung in Ordnung.
Auf dem Berg, von dem man eine herrliche Sicht in das sonnige Tal hat, steht des Bauern Dierk kleiner Hof, weißgekalkt mit schwarzen Holzbalken.
Der Frühling ist über das Bergland gekommen. Der Haselnußstrauch stäubt am Waldrand. Die ersten Frühlingsblumen blühen in des Bauern Garten. Der Bauer Dierk hat beide Pferde vor den Pflug gespannt, der das harte, schneefreie Erdreich umwirft. Sein Gesicht ist kantig und grob, die Sorge hat der Stirn die Furchen eingegraben.
Dieter, der Erbe des Hofes, zügelt die „Braunen". Daheim schafft seine Mutter, besorgt die Wirtschaft und das Vieh. Die Arbeit um das tägliche Brot ist hart, und Bargeld ist selten.
Wenn der Bauer Dierk am Mittag heimkommt, nimmt man die bescheidene Mahlzeit. „Gott, ich dank dir", spricht sein Mund. -. .Eines Tages steigt
ein zorniges Licht in seine Augen: Dieters Stuhl ist leer. „Er wird an der Brücke stehen, bei den Kaufleuten, die ihre Waren nach Frankfurt und Köln bringen", sagt jemand.
Das mag wohl stimmen. Hier hat der Dieter oft gestanden, an der großen Straße, hat die mit Eisen, Kohle, Getreide und Tuchen beladenen Wagen an sich vorüberziehen lassen und die Fahrenden nach der fernen Stadt gefragt, nach der Arbeit und der Industrie des Rheinlandes, nach Land und Menschen. Einmal ist er schon soweit gewesen, daß er auf dem Sitz eines Planwagens selbst mit herausfuhr, immer die Unendlichkeit der Straße vor fick. Er wollte heraus aus der Einsamkeit in ein besseres Leben, in ein unbekanntes Land. Die Liebe zur Heimat führte ihn abends wieder zurück; aber die Sehnsucht nach dem fernen Leben konnte auch die härteste Arbeit nicht verdrängen.
So stand er oft an der Straße, starrte den Wagen nach zu der Schneise hinauf, die wie ein Tor zwischen den Bergen steht.
In dem Bauernhaus unter den dunklen, hohen Tannen wartet der Bauer Hannes Dierk auf feinen Sohn. Als der Abend anbncht, ist es, als breite einer ein dunkles, trauriges Tuch über die Land- sckaft. Von diesem Tag an ist der Bauer noch scyweigsamer geworden. Wenn einer fragt: „Dierk, wo ist der Sohn?", prallt das Wort hart ab von dem gebeugten Rücken, den der Bauer dem Fragenden zukehrt. —
Die Arbeit ist schwer — aber die Sorge ist lastender. Tag und Nacht gibt sie keine Ruhe. Lebt die Hoffnung noch? —
Die Saat ist gestreut und keimt. Der Mai schenkt dem Bergland goldene Himmelsschlüssel auf allen Wiesen. Die Wälder haben eine lichtgrüne Farbe, heimlich und st« sind sie.
Einmal kommt ein Schreiben in das Haus am Hang. Der Bauer liest es bei dem flackernden Licht der Oellampe. Es steht darin, daß der Dieter in der Stadt Frankfurt Arbeit gefunden hat, in der Tuchweberei, und daß er im Winter heimkehren wird. Von den Ersparnissen will er den Hof vergrößern und Vieh kaufen. Zuletzt steht da: ...„Es war wohl nicht recht, daß ich hierher kam. Ein Dierk darf nicht vom Hofe gehen."
Seitdem fühlt der Bauer, daß er die Macht über den Sohn zurückgewonnen hat.
In der Frühe der heißen Tage wird das Gras gemäht. Alle Blumen, goldene Kuhblumen, rötliche Königskerzen und Wiesenschaumkraut fallen unter dem scharfen Schnitt. Die Frauen wenden das Heu. Sie stehen sonnenbraun in blauen Röcken und weißen Kopftüchern an den steilen Wiesenhängen.
Nun beginnt die große Ernte in den Bergen. Sonne und Regen haben Hafer und Roggen reifen lassen, haben in den Gärten Salat, langschotige Erbsen, Wurzeln und Obst werden lassen.. Wenn der Wind in den Feldern harft, klirren die Halme hart aneinander...
Im September werden die Kartoffeln gehackt, die braun und erdig in Körben und Zweiradkarren verladen werden. Kinder lesen sie vom Boden auf und ziehen die grauen schweren Säcke hinter sich her. Ihr Rücken ist gebeugt und müde von der Arbeit. — Dann sind die Felder leer, und im Dorf feiern sie das Erntefest.
Bauer Dierk wartet auf seinen Sohn. Er steht oft allein an der Brücke . . .
An einem Wintertag ist der Erbe des Hofes zurückgekommen, stolz und frei, ein Arbeiter und werdender Bauer. Sie fitzen am Herdfeuer, und Dieter muß erzählen. Er ist ein tüchtiger Mann geworden, hat geschaut und gelernt da draußen. Er hat die Welt gesehen; sie ist größer und reicher geworden durch die Industrie und den Handel, nicht ärmer, wie man im Dorf glaubt. „Wir können die Industrie nicht mehr verdrängen, sie ich wichtig auch für uns. Wir brauchen unsere Höfe nicht aufzugeben, wir brauchen sie auch nicht zu zerteilen unter unsere Söhne. Der Hoferbe bleibt und die anderen können Handwerker werden, Kaufleute und Arbeiter. Wir können auch in den Städten beweisen, daß wir Sauerländer sind, hart, grob und leistungsfähig. Und wenn die Berufe ehrlich angs- faßt werden, so sind sie alle ehrenvoll."
Es war keine verlorene Zeit in der Fremde, spürt der alte Bauer, der Hof sitzt fest in seinem Erben, der Hof und die Arbeit auf den steinigen Aeckern und die sauerländische Heimat, die immer auch sein Leben bedeutet haben.
Ein hundertjähriges Oichterleben.
Arn 6. Oktober wäre Juliette Adam, die dieser Tage im Schloß Cagnoll in Caillau starb, 100 Jahre alt geworden, und die Pariser literarische Welt hatte bereits Vorbereitungen getroffen, diesem Tag einer Dichterin, die in ihrem langen Leben so viel für die französische Literatur bedeutet hat, festlich zu begehen. Mit ihr ist die letzte Vertreterin einer Welt dahingeganaen, die heute erloschen ist und die fast alle berühmten Namen des vorigen Jahrhunderts umfaßte. Juliette Adam hatte noch Georges Sand gekannt und war mit ihr innig befreundet, auch die Gräfin d'A g o u l t, die Freundin Liszts und M6rim6es, sie hatte während des Zweiten Kaiserreichs einen literarischen Salon, in dem die Berühmtheiten der Zeit, Künstler, Dich-
Das Ar-eitsbuch-Meldeversahren.
Das Arbeitsamt Gießen hat — wie es uns mitteilt — an die Betriebsführer im Arbeitsamtsbezirk Gießen ein Rundschreiben über das Arbeitsbuch- Meldeverfahren gerichtet, in dem folgendes mitgeteilt wird:
Durch das Gesetz vom 26. Februar 1935 über die Einführung eines Arbeitsbuches ist der Unternehmer verpflichtet, von allen ihm obliegenden Eintragungen in das Arbeitsbuch dem zuständigen Arbeitsamt gleichzeitig Anzeige zu erstatten.
Da die Vorschriften von den Unternehmern noch nicht genügend beachtet werden, gebe ich nachstehend nochmals einen Ueberblick über das Melde- verfahren. Was ist zu tun bei
a) Einstellung:
Die Einstellung eines Arbeitnehmers ist dem Arbeitsamt auf weißem Vordruck anzuzeigen. Erfolgt die Einstellung durch das Arbeitsamt, so Ö die Rücksendung der Zuweisungskarte. Das
-Verhältnis ist auf Seite 6 und folgende des Arbeitsbuches einzutragen. Die besonderen Vorschriften über die Einstellung von Jugendlichen unter 25 Jahren, Metallarbeitern und landwirtschaftlichen Arbeitern, werden hierdurch nicht berührt.
b) Entlassung:
Die Entlassung ist dem Arbeitsamt auf gelbem Vordruck anzuzeigen. Das Arbeitsverhältnis ist im Arbeitsbuch auf Seite 6 und folgende zu schließen. Das Arbeitsbuch ist dem Arbeitnehmer sofort auszuhändigen.
c) Aenderung der Beschäftigungsart:
Tritt während des bestehenden Arbeitsverhält- niffes eine wesentliche Aenderung der Beschäfti
gungsart ein, so ist das vorhergegangene Arbeitsverhältnis auf Seite 6 und folgende abzuschließen und das neue Arbeitsverhältnis vorzutragen. Die Anzeige dieser Aenderung erfolgt auf rotem Vordruck.
Beispiel: Ein Schlosser wird zum Werk- meister ernannt oder ein Hilfsarbeiter wird jetzt als angelernter Arbeiter beschäftigt (Stanzer, Gewindeschneider usw.). Bei Lehrlingen, die inzwischen ihre Lehre beendet haben, ift neben dieser Veränderungsanzeige auch das Arbeitsbuch zur Vervollständigung vorzulegen.
d) Wohnungsänderung:
Jede Wohnungsänderung ist dem Arbeitsamt auf blauem Vordruck mitzuteilen. Diese Aenderung darf der Unternehmer im Arbeitsbuch auf Seite 2, Ziffer 5, unter Beifügung des Veränderungsvermerks vornehmen. Z. B.: Geändert Gießen, den.....Handzeichen.
e) Famlttenstandsänderungen sowie sonstige Ergänzungen
dürfen im Arbeitsbuch nur vom zuständigen Arbeitsamt unter Vorlage der Unterlagen vorgenommen werden. Eintragungen oder Ergänzungen auf den Seiten 1 bis 5 (mit Ausnahme der Wohnungsänderung) find untersagt.
Je ein Muster zur Unterrichtung füge ich bei. Die Vordrucke werden bei Anforderung vom Arbeitsamt kostenlos geliefert.
Nach § 17 des angeführten Gesetzes ist die Nichtbeachtung der Bestimmungen unter Strafe gestellt.
Oberheffen.
Luftschiff »Graf Zeppelin-" über Oberheffen.
Aus dem nordösUichen Teile unserer Heimatprovinz Oberhessen und aus dem Vogelsberg wird uns berichtet, daß dort am gestrigen Montagvormittag das Luftschiff „Graf Zeppelin" auf seiner Fahrt nach Frankfurt erschienen ist und allenthalben von der Bevölkerung mit herzlicher Freude begrüßt wurde. Das Luftschiff wurde zwischen 10 und 11 Uhr über Alsfeld, über der Ohm st raße, Ulrich stein, dann über Schotten und Nidda gesichtet; über Nidda machte es kehrt und flog noch einmal über den Vogelsberg hinweg, um schließlich die Fahrt in Richtung Frankfurt fort- zusetzen.
Ein ungetreuer (Sparkaffenrechner verhaftet.
* Lauterd ach, 31. Aug. Der bei der Bezirkssparkasse Lauterbach als Kassenrechner tätige Wilhelm Datzert wurde wegen Un- terschlagungen in seinem Rechneramt und Urkundenfälschungen auf Grund eines vom Amtsgericht Lauterbach erlassenen Haftbefehls in Gießen von der Gießener Kriminalpolizei f e ft genommen und in das Landgerichtsgefängnis zu Gießen eingeliefert. Die Verhaftung erfolgte in einer Gaststätte in Gießen, wo sich Dotzert auf einer Urlaubsreife mit feiner Frau aufhielt. Dotzert hat nach dem Ergebnis der bisherigen Feststellungen in der Bezirkssparkasfe etwa 60 00 R M. unterschlagen, jedoch ift dabei zu bemerken, daß die Ermittlungen noch nicht zum Abschluß gekommen sind und daher die Möglichkeit besteht, daß der veruntreute Betrag sich noch erhöhen wird.
3m Pferdestatt tödlich verunglückt.
* Alsfeld, 31. Aug. Am Samstagmittag wurde Fräulein Katharine Jakobi in Ober- Gleen, als sie ein Pferd im Stall tränten wollte, von dem ausschlagenden Pferd getroffen und fo schwer verletzt, daß
sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Hier ist das bedauernswerte Mädchen trotz sofortiger Operation an den schweren Verletzungen g e - storben.
Landkreis Gießen.
* Klein-Linden, 31. Aug. Beim Futter- holen in der Scheune stürzte der 73 Jahre alte Maurermeister Heinrich Wahl so unglücklich von der Leiter, daß er nach Gießen in die Chirurgische Klinik eingeliefert werden mußte. Dort liegt er mit mehreren Rippenbrüchen danieder.
+ Steinbach, 30. Aug. Eine ganze Woche schönen Wetters hat das Feld leer gemacht; der ganze Segen ist geborgen. Auch die Grummet e r n t e ist zum größten Teil beendet. Da sie sehr gut ausfiel, sind die Scheunen übervoll, und es mangelt vielfach an Platz. Sv sieht man z. B. im Albacher Feld hohe Strohhaufen, weil für das Stroh kein Platz mehr in den Scheunen ist.
= Steinbach, 31. Aug. Am gestrigen Sonntag feierte der hiesige NSV. -Kindergarten sein Sommerfest, totramm und stolz, mit strahlenden Augen zogen Kleine und Kleinste hinter der Fahne in den Saal, bildeten einen Halbkreis und sprachen im Chor den Fahnenspruch mit erhobener Hand. Nach der Begrüßungsansprache des Ortsgruppenleiters der NSV., Pg. Schäfer, zeigte die Leiterin des Kindergartens, Frl. Ria Rohn, zuerst das Turnen der Allerkleinsten. Hei, wie flogen die Aermchen und Beinchen, und wie fix hörte alles auf die Kommandos! Dann folgten Lieder und Spiele, bei denen alle mit gleichem Eifer beteiligt waren. Die Mitfreude der Eltern und Angehörigen wuchs mit jedem Stück der Darbietungen. Reizend war der Tanz der Elfen und Wichtelmännchen, auch das Lied der Handwerker mit entsprechenden Verkleidungen. In der Schlußansprache dankte Ortsgruppenleiter, Bürgermeister Hch. Rink allen Beteiligten: der Leiterin „Tante Ria", die ohne jegliche Hilfe den großen Kndergarten in kurzer Zeit so musterhaft eingerichtet hat, dem Wirt Paulus Gerhard, der seinen schöngelegenen Gartensaal seit Beginn des Kindergartens diesem zur Verfügung
stellte, dem Leiter der NSV., und nicht zuletzt unserem Führer, der die NSV. gründete. Nach dem Gesang des Deutschland- und des Horst-Wessel- Liedes gab es zum Abschluß noch eine lieber- raschung, nämlich eine riesengroße Brezel für jedes Kind. Das ganze Dorf aber klingt und singt von jubelnden Kinderweisen, und gern lernen es nun die Großen von den Kleinen.
* Reiskirchen, 31. Aug. In der Nacht zum Samstag wurde hier bei dem Parmhändler Ludwig Enders etwa V- Zentner Därme int Werte von 160 bis 180 Mark gestohlen. Die Ermittlungen der Gendarmerie nach dem Täter und dem Verbleib des Diebesguts find im Gange.
< Harbach, 28. Aug. Heute nachmittag kreiste über unseren Wiesengründen in geringer Höhe ein Segelflugzeug. Man konnte beobachten, wie der Pilot kein Mittel unversucht ließ, um seinen Apparat wieder in die Höhe zu schrauben. Lange Zeit wollte ihm das nicht gelingen, zumal fast völlige Windstille herrschte. Plötzlich erhob sich ein Windstoß, und nun konnte der Segelflieger seinen Flug fortsetzen. Der Anblick des kreisenden, langsam in der Luft schwebenden Flugzeugs war sehr schön.
△ Harbach, 31. Aug. Nun sind auch bei uns Korn und Gerste gedroschen. Das Ergebnis ist besser, als man zuerst dachte. Der Strohertrag ift, wie überall, sehr gut. Infolgedessen sind viele Landwirte gezwungen, im Freien Strohhaufen zu errichten, bevor sie mit dem Einfahren der übrigen Frucht beginnen können. Von schönem Wetter begünstigt, ist die G r u m m e t e r n t e in vollem Gange. Sie verspricht sowohl in qualitativer, als auch in quantitativer Hinsicht einen derartig guten Ertrag, daß man ihn neben denjenigen mancher Heuernte stellen kann. Selbst auf den magersten Wiesen ist infolge der langen Regenwochen ein vorzüglicher Graswuchs vorhanden. Scheunen und Heuböden reichen kaum aus, um die überaus ergiebige Ernte zu fassen.
f T r e i s a. d. L d a., 28. Aug. Ihren 8 0. Geburtstag konnte heute Frau Elisabethe Becker, geb. Kehr, Witwe von Heinrich Becker VIII. dahier, begehen. Sie ist geistig noch vollkommen frisch, nur infolge eines vor zwei Jahren erlittenen Beinbruches im Gehen etwas beeinträchtigt, was sie aber nicht hindert, im Haushalt des Sohnes noch gar manche Hausarbeit zu besorgen und die Hausfrau zu entlasten. Sie ist die älteste von vier Geschwistern, von denen noch ein 77jähriger Bruder und eine 73jährige Schwester am Leben sind. — Infolge des schönen Wetters ist auch hier die Getreideernte flott oonftatten gegangen. Viele Landwirte, besonders die kleinen, die in ihrer Scheune keinen Platz zum Lagern des Getreides haben, fahren ihre Frucht vom Felde zur Dreschmaschine, die Tag und Nacht an der Arbeit ist, um den Segen zu bergen, so daß die Ernährungsschlacht dahier bald geschlagen sein wird, wenn die gute Witterung noch einige Tage anhält. Auch die Grummeternte geht gut voran und bringt reichen Ertrag.
> Hungen, 30. Aug. Am Samstagnachmütag verließen uns die Arbeitsdien st männer wieder, um in ihr Lager nach Wetter bei Marburg zurückzukehren. In den drei Wochen ihres Hierseins haben sie tatkräftige Hilfe bei den Erntearbeiten geleistet und waren mit ihren Betriebsführern und deren Familien, ja mit der ganzen Bevölkerung zu einer Gemeinschaft verwachsen, fo daß das Abschiednehmen schwer fiel.
§ Bellersheim, 31. Aug. Dieser Tage wurde auf unserer Station Obbornhofen-Bellersheim der hier angebaute Verkaufsflachs durch die Bäuerliche Hauptgenossenschaft Rhein-Main verladen und nach der Großrösterei in Stockheim verfrachtet. Den Wertklassen entsprechend, wurden für 50 Kilogramm 4,50 bis 5,50 Mark an die Erzeuger vergütet. Die hiesige Ernte ift zum Versand gekommen, da der anfallende Lein als Hochzuchtsaatgut gewonnen und aufbereitet werden soll. Der Flachs aus der näheren Umgebung wird in der Lagerhalle der hiesigen Genossenschaft aufgeftapelt und auch in den Wiesengründen im Ried im Tau geröstet. Auch die Sauerwiesen der benachbarten Gemarkung Obbornhofen sollen mitbenutzt werden.
ter, Komponisten und Diplomaten zusammentrafen- Als Tochter des Arztes Lambert geboren, war sie in ihrer Jugend eine leidenschaftliche Verehrerin des griechischen Altertums, dessen Kunst einen tiefen Einfluß auf sie ausübte. Mit zwanzig Jahren veröffentlichte sie ihre ersten Werke unter dem Namen ihres ersten Gatten, des jungen Rechtsanwalts La Meffine, darunter die „Gedanken gegen Proudhon über die Liebe, die Frau und die Ehe", die durch ihre Kühnheit auffielen. Die junge schöne Frau war in allen Pariser Salons gefeiert, und die Werke, die schnell aufeinander folgten, wurden begeistert ausgenommen. Aber erst nach dem Kriege von 1870 spielte Juliette Adam ihre wichtigste Rolle im gesellschaftlichen und literarischen Leben der Dritten Republik. Sie war nach einer wenig glücklichen Ehe Witwe geworden und hatte dann Ed- mond Adam geheiratet, der Polizeipräfekt, Abgeordneter und Senator wurde. Jetzt war ihr Salon zu einem Mittelpunkt des Pariser Lebens geworden, in dem ® a m b e 11 a ein ständiger Gast war und die Politiker der Zeit mit den Künstlern und Schriftstellern zusammentrafen. Im Jahre 1877 verlor sie auch ihren zweiten Mann. Zwei Jahre später gründete sie die „N o u v e 11 e R e v u e", die sie lange Jahre geleitet hat und in der sie sich nur noch mit der äußeren Politik beschäftigte. Durch diese Monatsschrift übte sie um die Wende des Jahrhunderts einen tiefgehenden Einfluß auf die französische Literatur aus. Sie verstand es, begabte Dichter zu entdecken ober zu ermutigen, und viele später berühmt gewordene Dichter wurden durch sie eingeführt: Guy de Maupassant, L6on Daudet und Paul M a r g u e r i 11 e. In der „Nouvelle Revue" wurden die „psychologischen Versuche" von Paul B o u r g e t, der damals noch völlig unbekannt war, veröffentlicht, und hier erschien auch der erste Roman eines jungen Seeoffiziers, den bis dahin noch niemand kannte: Pierre Loti. Sie selbst schrieb außerordentlich viel, in ihrer schriftstellerischen Tätigkeit, die sich über eine Zeit von 80 Jahren erstreckte, wechselten Romane, Schauspiele, politische Werke und Erinnerungen miteinander ab. In ihren letzten Jahren hatte sie sich von Paris auf ihre Besitzung in dem Departement Seine et Oise zurückgezogen, stand aber noch immer in regem Verkehr mit den literarischen Persönlichkeiten der Zeit.
Hochschulnachrichten.
Dr. rer. pol. habil. Erich Schneider, Dozent in der Rechts- und Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Bonn, hat einen Ruf auf den Lehrstuhl für Wirtschaftslehre an der Universität Aarhus (Dänemark) erhalten und angenommen-


