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Nr. 204 Erster Blatt

186. Jahrgang

Dienstag,!. September 1936

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Die deutsche Votschast nach Alicante verlegt

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geuder Dorstellungen des deutschen der Botschaft ausreichenden sagt hat.

London, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Heber die Einleitung einer Vermittlungsaktion zwischen der Madrider Linksregierung und den spanischen Nationalisten schreibt derDaily Tele­graph", daß es sich anscheinend um zwei pa­rallele Schritte handle, die gleichzeitig in Hendaye eingeleitet worden seien. Neben den von den in chendaye befindlichen Botschaftern aus­gehenden Bemühungen, den Bürgerkrieg zu humanisieren, feien Schritte für eine Ver­mittlung im Gange, die hauptsächlich von Di­plomaten der südamerikanischen Republi­ken unternommen würden. Das Blatt äußert seine Bedenken gegenüber derartigen Bemühungen und schreibt, einerseits bestehe die Gefahr, daß die radikalen roten Elemente in Madrid s i ch gegen d i e Regierung selbst wenden, wenn sie den Verdacht faßten, daß diese mit den Nationalisten Frieden schließen wolle. Andererseits sei es aber

Sonderberichterstatter des DRV.) Am Dienstag, 7.30 Uhr, hat die Bombardierung der Stadt 3tun durch die Nationalen begonnen. Sechs Flugzeuge überfliegen den Ort in einer höhe von 2000 Meter und bewerfen ihn in Abständen von 5 bis 10 Mi­nuten mit mittleren und schweren Bom­ben. Riesige Rauchsäulen zeigen die Einschläge an. Das alte Fort San Marcial, hinter dem sich die Marxisten besonders verschanzt haben, wird mit Bomben belegt. Unheimlich schallt das Echo dec Explosionen aus den Bergen zurück.

Rach der ersten Ueberraschung griff auch d i e Ar­tillerie der Marxisten ein, die zusammen mit Maschinengewehren das Feuer gegen die Ap­parate eröffnet hat, ohne allerdings bis jetzt ir­gendeinen Erfolg erzielt zu haben. Die Artillerie der Rationalisten ist ebenfalls in Tätigkeit getre­ten. Sie beschießt die Stellungen der Roten vor dem Fort von San Marcial. Die meisten der auf 3run geworfenen Bomben liegen am Westrand der Stadt. Die nationalen Flugzeuge bemühen sich, die Bomben nicht zu nahe an die französische Grenze zu werfen. Bisher find drei Häuser ge­troffen worden, eines brennt.

irb die Vermittlungsaklion den diplomatischen Erfolg haben?

unerträglicher.

Nach dem Ausbruch des Bürgerkrieges genoß sie zunächst den Schutz regulärer Polizei- truppen, die ihn von der Madrider Regierung zur Verfügung gestellt wurden. Dor mehreren Ta­gen jedoch wurde diese Truppe zurückgezogen und durch rote Milizen ersetzt, jene mehr ban­denmäßig als militärisch organisierten Horden, de­ren wüstes Treiben in aller Welt Aufsehen und Abscheu erregt hat. Es ist klar, daß diese Milizen wegen ihrer Disziplinlosigkeit, ihrer mangelhaften

Berlin, 31. Aug. (DRB.) Nachdem die An­gehörigen der deutschen Kolonie in Madrid, deren Sicherheit durch die Entwicklung der dortigen Zustände auf das schwerste bedroht war, während der letzten Wochen nach der Hei­mat zurückbefördert worden find, ist nun­mehr auch die deutsche Botschaft von Ma­drid verlegt und bis auf weiteres in der Küstenstadt Alicante eingerichtet worden. Diese Maßnahme hat sich als notwendig erwiesen, da die Madrider Regierung trotz wiederholter drin-

Flugzeuge hätten die Marxisten ihre motorisierten Einheiten nicht verwenden können, die Stellungen der Roten seien daher nach kurzem Kampf in die Hände der nationalistischen Truppen gefallen. M a - d r i d sei erneut von Flugzeugen der Militargruppe mit Bomben belegt worden. Das Ziel des Bomben­angriffs fei vor allem das Kriegsministerium, das Innenministerium und der Nordbahnhof gewesen. Der General hob hervor, daß die systematisch durch­geführten Luftangriff auf die Hauptstadt dort eine große Panik hervorgerufen hätten.

Die nationalistische Regierung in Burgos habe die Verwendung von Dumdum-Geschos­sen durch die rote Miliz festgestellt. Man habe einwandfrei die französische Herkunft die­ser Dumdum-Geschosse feststellen können.

8 Kilometer vor San Sebastian.

Ein Berg von den Nationalisten erstürmt.

London, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach einer Meldung desDaily Telegraph" besetzten die Nationalisten den Berg Buruntea, das letzte natürliche Hindernis zwischen den Linien der Mi­litärgruppe und San Sebastian. In einem über­raschenden Bajonettangriff beim Morgengrauen er stürmten die Nationalisten den Gipfel. Die Gefangenen, darunter eine An­zahl von Franzosen, seien erschossen wor­den. Die vordersten Stellungen der Nationalisten seien nach diesem Erfolg nur noch acht Kilo­meter von San Sebastian entfernt.

Paris, 1. Sept. (DNB Funkspruch.) Die spa­nische Kommunistin Jriburi, genannt Pas- sionaria, ist in Begleitung des spanischen Unter- richtsministers Domingo, des ehemaligen Justiz­ministers Antonio Lara und des Unterstaats­sekretärs Sich es, -en Paris eingetroffen. Das Echo de Paris wünscht zu wissen, ob Minister­präsident Leon Blum zulassen würde, daß die Aktivität dieser Person sich frei auf französischem Boden entwickeln dürfe. Die Achtung vor der Neutralität", die die ftanzösische Regierung ge­genüber Spanien zu handhaben erkläre, verpflichte Leon Blum sicherlich auch, dieseUnerwünschten

zu behandeln, wie der Innenminister Salengra mit dem spanischen Militärattache gemacht habe.

auch keineswegs sicher, daß die Militär- gruppe auf ein Kompromiß eingehen werde, solange sie Aussicht auf einen oollftän- digen Sieg in absehbarer Zeit habe. Wenn sie jedoch noch sehr lange vor Jrun und San Se­bastian aufgehalten werden würde, und wenn es zu ernstlichen Schwierigkeiten in Spanisch-Marokko käme, dann würde die Militärgruppe möglicherweise eher geneigt sein, eine Vermittlung zu erwägen.

Reuter meldet aus hendaye, daß in den Ver­mittlungsverhandlungen gewisse Fortschritte erzielt worden seien. General Mola habe an einer Zusammenkunft, auf der beide Bürger­kriegsparteien vertreten gewesen seien, teilgenommen. Ferner werde behauptet, daß G e - fangenenlisten zwischen Madrid und der nationalistischen Junta in Burgos ausgetauscht worden seien.

Jrn Hafen von Alicante liegen schiffe, so daß unsere Botschaft jetzt den Schutz ge­nießt, den sie in Madrid entbehren mußte. Die Uebersiedlung konnte mit gutem Gewissen an ge­ordnet werden, da die Deutschen, die in Madrid ansässig waren, fast vollständig in die he i m a t zurückbefördert worden sind. Es befinden sich nur noch ganz wenige Personen dort, jpimeift junge Leute, die sich erst vor kurzem eine Existenz aufgebaut haben und diese nun nicht wieder opfern wollen. Da diese jungen Deutschen unserer diplo­matischen Vertretung schriftlich erklärt haben, daß sie auf eigenes Risiko in Madrid bleiben woll­ten, bestand für die Botschaft kein Grund mehr, noch länger in dem Hexenkessel Madrid zu ver­bleiben. Nachdem die Botschaft wochenlang als sicherer Zufluchtsort für die Angehörigen der deut­schen Kolonie gedient hatte, wurde die Lage immer

Die Nationalisten bombardieren 3run.

An der Front von Irnn, 1. Sept.

Die wie Schreckensherrschaft in Madrid.

Revolutionäre Ausschüsse tyrannisieren die Hauptstadt. Die Volksfrontregierung ist machtlosMassenerschießungen und Plünderungen an der Tagesordnung.

Englische Flieger in marxistischen Diensten.

London, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.) Nach britischen Meldungen aus Madrid wurde e t n 21 jähriger Oxforder Student, namens John Wilson, der als Flieger auf feiten der Mar- xiften kämpft, in einem Kampf mit drei nationa­listischen Flugzeugen verletzt. Wilsön habe zunächst ein nationalistisches Kriegsflugzeug britischer Herkunft abgeschossen und sei dann zur Notlandung gezwungen worden. Er werde jetzt als ein Held der marxistischen ßuftftreit- macht gefeiert. WieDaily Erpreß" meldet, sind am Montag fünf englische Flieger nach Spanien abgereist, um gegen die Nationa­listen zu kämpfen. Ihr Führer Charles Kennet!, ein früherer Kriegsflieger, berichtet, daß ein Agent der Madrider Regierung mit 40 000 Pfund nach London gekommen fei, um englische Flieger anzu­werben. In Spanien würden sie 2 0 0 Pfund monatlich erhalten.

In Barcelona ist eine Rotkreuz-Ko­lonne, die von englischen Arbeitern aufgestellt worden ist, angekommen. Sie be- steht aus vier Krankenwagen, einem Personenkraft­wagen des englischen Roten Kreuzes in London und einem Krankenwagen des schottischen Roten Kreu­zes. Zehn Männer und sieben Frauen gehören zum Personal der Kolonne. Ihr Leiter sei der Engländer Sinclair Loutit.

Moskau mischt sich ein.

London, 1. Sept. (DNB. Funkspruch.)Daily Mail" meldet, daß im Moskauer Rundfunk der spa­nische Sprecher erklärte, daß Sowjetrußland bis­her über 500000 Pfund an d i e spani­schen Marxisten gesandt habe, und daß es eine Intervention weiter v e r st ä r k e. Er for­derte dieArbeiter" der Welt auf, ihre Sympathie für die Marxisten in aftioe Hilfe um3utnan- dein In Sowjetrußland würden die kollektiven Bemühungen, der Madrider Regierung gegen die

° Daily Expreß" schreibt: Don einer eigentlichen Regierung könne in Madrid überhaupt u^cht mehr die Rede sein, da sie jede Kontrolle u d i e Ereignisse verloren habe Ganz Ma drid sei in'den Händen revolutionärer Ausschüsse. Die Bevölkerung leide unter großer Nahrungsmittelknappheit. A^r rm^ Butter gebe es überhaupt nicht mehr. Nach jebem Luftangriff der Nationalisten, wurden von der roten Miliz als Vergeltung politische Gei­seln erschossen und ihre Wohnungen g e - plündert. Das Modell-Gefängnis sei von Anarchisten in Brand gesetzt worden. Sie hatten den Gefängniswärtern die Masten entrissen und die Gefangenen in die Flammen ge­trieben. Es seien 1200 Menschen in den Flam­men umgekommen, erschossen ober mit bem Gewehr­kolben niebergeschmettert worden.

Rationalistische Erfolge an der Gnadarrama-From.

Paris. 1. Sept. (DNB.) Wie der Sander- berichterstatter von Harms aus Burgos meldet, konnte die 7. Division der natwnal.st. ch n Truppen an der Guadarrama-Front m der Provinz Avila ebenfalls entscheidende Erfolge erringen. Die Nationalisten feien im Laufe der letzten 48 stunden über 15 K1 l o m ete r v o r - geruckt und hatten mehrere Dörfer de,etz. In­folge des fchnellen Eingreifens der natwnaliftifchen

Bewaffnung und ihrer organisatorischen Unzuläng­lichkeit nicht als eine wirksame Bürgschaft für den Schutz der deutschen Botschaft angesehen werden konnten. Es mußte auch von vornherein zweifel­haft sein, ob diese bolschewistisch und anarchistisch eingestellte Soldateska überhaupt gewillt war, für das ihrem Schutze anvertraute Leben der deutschen Botschaftsangehörigen einzutreten.

Der deutsche Botschafter erhob deshalb dringende V o r st e l l u n g e n bei der Madrider Regierung, um diesem Zustand der Unsicherheit ein Ende zu machen. Er bat darum, an die Stelle der roten Milizen wieder eine geordnete Polizei­truppe treten zu lassen. Aber die Vorstellungen unseres diplomatischen Vertreters hatten keiner­lei Erfolg. Dem Botschafter wurde vielmehr ge­antwortet, daß die Regierung sich nicht in der Lage sähe, andere Polizeitruppen zur Verfügung zu stellen, weil es solche nicht mehr gäbe. Nach die­sem aufschlußreichen Eingeständnis, das blitzartig bas Schattendasein ber sogenannten legalen Re­gierung in Mabrib beleuchtet, blieb ber deutschen Botschaft nichts anberes übrig, als aus dieser Sage die Konsequenzen zu ziehen und ihren Wohnsitz von der spanischen Hauptstadt nach Alicante zu verlegen.

Auch die amerikanische Botschaft will Madrid verlassen.

Neu York, 31. Aug. (DNB.) Die amerikanische Botschaft in Madrid teilte dem Staatsdepartement in Washington mit, daß sie die Bemühungen fort­setze, um d i e noch in Madrid verbliebe­nen 164 Amerikaner zu bewegen, sich mtt ber Eisenbahn nach Alicante zu begeben. Dort wartet ber KreuzerQuincy", um sie aufzunehmen. Die Botschaft habe ihnen mitgeteilt, baß der Eisen­bahnverkehr aus Madrid jederzeit eingestellt wer­den könne und daß die Möglichkeit bestehe, daß auch die Botschaft gezwungen sein werde die Haupt­stadt zu verlassen. Das Marineamt in Washington gab bekannt, daß das Schlachtschiff Oklahoma die spanischen Gewässer verlassen und die Heim­reise an getreten habe. In Spanien verblie-

Augenzeugen 11

berichten in englischen Zeitungen.;

Unvorstellbare Grausamkeiten.

London, 31.Aug. (DNB.) DieTimes" gibt in einem schon auszugsweise wiedergegebenen Be- ! richt über die Schreckensherrschaft der Marxisten in : Madrid einige Beispiele des roten Terrors: Da war Don Perez d e Guzman, ein Edelmann von hohem Ruf. Er war eine gewichtige Persönlichkeit am Gerichtshof und hatte keinen Grund, sich seiner richterlichen Handlungen zu schämen. Deswegen blieb er in Madrid. Als die Gewerkschaften anfingen, die Paläste des Adels zu stürmen und zu plündern, zog er in ein Hotel in der Innenstadt. Von dort wurde ber kranke 8Ojährige von seinem Arzt und seiner Frau fortgerissen. Sein Körper wurde 38 Stunden später im Leichenhaus identifi­ziert. Dann ist aufzuzählen Don Ramon de Madariaga, ein Ratsherr von Madrid und Mitglied der Koalition der Rechtsparteien, der in feinem Haus am 13. August von Polizei und Mi­liz verhaftet wurde. Am nächsten Morgen wur­den feine Krawatte und feine Man­schetten d^m Pförtner seines Hauses zurück­gebracht. Daraufhin eilte ein Verwandter zum Leichenhaus und identifizierte die Leiche. Sie war halbnackt und ohne Füße. Straßenkehrer hatten den Körper am frühen Morgen in der Nähe des Clubs der Schönen Künste" aufgefunden. Dorthin war der Körper geworfen worden, damit alle ihn sehen sollten. An ihm war ein Zettel mit der In­schrift befestigt:Ramon de Madariaga um 4.30 Uhr vormittags h i n g e r i ch t e t." Am Sonntag, dem 16. August, wurde der General Lopez O ch o a, ein hervorragender Offizier, der sich in Marokko mehrmals ausgezeichnet hatte, vom Mi­litärhospital durch eine Menge von Milizsoldaten und Zivilisten abgeholt und auf einem nahe ge­legenen Felde erschossen. Am 16. August wur­den zwei Körper mitten auf der Hauptstraße ge­funden, der eines 22jährigen Mädchens und eines jungen Mannes, die auf der schwarzen Liste der Roten gestanden hatten. Jeden Tag kommen aller­hand Leute in das Leichenschauhaus. Unter ihnen befand sich vor ein paar Tagen eine Greisin, die augenscheinlich unzufrieden war; denn sie sagte:Es geht schlecht; es sind ja heute weniger als 4 0 hier." . . f.

In einer der letzten Nächte begab sich ein selt­samer Zug zur britischen Gesandtschaft. Es waren Republikaner und Sozialisten, die den britischen Botschafter bitten wollten, aus Gründen der Menschlichkeit wegen des hinmordens von Gefangenen zu intervenieren.

DieMorning Post" veröffentlicht- einen Augen- zeugenbericht über die Erschießungen durch die marxistische Miliz in Madrid. Der Augenzeuge war einer von 2000 politischen Gefangenen, die zu­sammen mit einer großen Zahl von, Verbrechern in das sog.M u st e r g e f a n g n i s in Madrid gebracht worden waren und dem es spater gelang zu fliehen. Am 22. August wurden sämtliche Ge- fangenen von der roten Miliz in den ho f ö e s Gefängnisses getrieben. Bei Einbruch der Dämmerung besetzte die Miliz die Dächer rings um den Hof und eröffnete von allen Seiten das Feuer auf die unglücklichen Opfer von denen neun sofort getötet und über 20 schwer verletzt wurden. Nach fünf Minuten wurde das Feuer wieder eingestellt. Am nächsten Morgen wurden dann 27 hervoragende politische Gefangene erschossen. Unter ihnen befanden sich der frü­here Präsident der Cortes Alvarez, und die früheren Minister W e l a s c o und Rivas ,fer­ner der Dichter de Hoyos y ®inent, scmne der Sohn des früheren Diktators P r i m o d e Jt i -

ben noch der KreuzerQuincy" und die Zerstörer Kane" undHatfield", sowie das Küstenwachschiff Cayuga". Staatssekretär hüll erklärte, er habe seit Wochen die Amerikaner in Spanien gewarnt und darauf hingewiesen, daß eines Tages keine Gelegenheit mehr zur sicheren Abbeförderung vor­handen fein dürfte. Er bitte erneut darum, der amerikanischen Regierung ihre Aufgabe nicht un­nötig zu erschweren. Die amerikanische Botschaft in Madrid sei ermächtigt worden, Madrid zu d er* lassen, sobald sie das für erforderlich halte.

Wo bleibt Frantteichs Waffen- aussuhrverbot?

Alle diejenigen Staaten, die innerhalb der letzten Wochen ein Waffenausfuhroerbot nach Spanien erhielten, sehen sich der merkwürdig anmutenden Tatsache gegenüber, daß das Land, von dem die Anregung für ein allgemeines Waffenembargo ausging, s i ch nicht daran hält. Noch vor einigen Tagen erlebten wir eine Intervention Frankreichs und Englands in Lissabon, um für Portugal den Anschluß an das Waffenaus­fuhroerbot durchzufetzen. Die französische Regierung elbst aber sieht untätig zu, wie tagtäglich Waffen­material und Munition über die ftanzösische Grenze nach Spanien strömt, ja, daß sogar französische Staatsangehörige sich aktiv im spanischen Bürger- krieg betätigen. Obgleich die französische Regierung zuerst Notschreie ausstieß, hat sie selber bis heute noch keine Maßnahmen erlassen, die an Wirksamkeit dem Waffenausfuhroerbot der anderen Staaten gleichkämen. Dabei ist nicht daran zu zweifeln, daß die französische Regierung über ge­nügend Machtmittel verfügt, um ihre Grenzen zu sperren. Oder sollte sie etwa aus Rücksicht auf die kommunistische Partei als Zünglein an der Waage der Parlamentsmehrheit davor zurückscheuen, an der Grenze drastisch durchzugreifen, wo sich augen­scheinlich die lokalen Machthaber mit den spanischen Dolksfrontlern verbrüdert haben. Für die anderen Regierungen wird dies von Tag zu Tag peinlicher, die merkwürdige Einstellung Frankreichs beobachten zu müssen, während sie ihrerseits aus ehrlicher Friedensliebe und in der Meinung, einen not­wendigen Beitrag zur Begrenzung des Bürger­krieges in Spanien zu leisten, der französischen Aufforderung folgten. Noch einmal muß jetzt nach- drücklich auf jenen Zusatz des letzten deutschen Kommuniques hingewiesen werden, wonach Deutsch­land sich nur an sein Ausfuhrverbot halten könne, i wenn auch die indirekte Unterstützung einer Burger- kriegspartei durch andere Staaten unterbliebe.

Spanische Marxisten werben in Frankreich.