Aus der Provinzialhauptstadt.
Männer an der Strecke.
Rack! — rack! — rack! Rhythmisch dröhnt der Hackenschlag durch die sommerliche Landschaft. Oe» bräunte Männer stehen gebeugt zwischen blitzenden Schienen. Ihre Arme heben und senken sich im gleichmäßigen Schaffen. Rack! — rack! — rack!
Streckenarbeiter! Männer mit Muskeln und Schwielen! Männer, denen die Aufgabe obliegt, den Bau des Bahnkörpers instand zu halten. Das Band der Schienen dehnt sich schier endlos auf massiven Schwellen. Auf den Schienen gleiten die stählernen Kolosse der Züge. Die Schwellen aber tragen im Verein mit der Packlage die Last. Die Last ist chwer und verursacht schädigende Wirkungen. Diesen Wirkungen gilt der dröhnende Hackenschlag der Streckenarbeiter. Rack! — rack! — rack!
Es ist nicht einfach, in der Glut des Sommers unck in der Kälte des Winters hier zu stehen. Tag für Tag. Stunde für Stunde. Es gibt leichtere Berufe. Richt jedem weht der Wind so um die Rase. Richt jedem werden Muskeln und Sehnen in solchem Maße beansprucht. Rack! — rack! — rack!
Ab und zu taucht ein Punkt am Horizont auf. Worauf die Pfeife des Kolonnenführers gellt. Dann springen die Streckenarbeiter zur Seite. Wischen sich den Schweiß und schauen. Manchmal ist es ein Guterzug, der gleichmäßig vorbeirollt. Die Zeichen der heimatlichen Direktionsbezirke schimmern grau und weiß. Interessanter sind die Personenzüge, diese praktischen menschlichen Behausungen zwischen den Stationen. Am interessantesten die V-Züge, die in rasender Hast vorüberdonnern. Man kann gerade den einen oder anderen Namen auf den Richtungsschildern entziffern und die bekannte Form des Speisewagens erkennen. Mehr sieht der Streckenarbeiter nicht, aber er kennt das Wegziel des Zuges, und seine Phantasie zaubert ihm für Augen- blicke die ferne Landschaft. Bis die Pfeife des Kolonnenführers wieder zur Arbeit rüst und die Hackenschläge erneut erdröhnen. Rack! — rack! — rack!
Anders sieht die Sache vom Fenster des Abteils aus. Ferienzeit! Tausende reisen zur Erholung. Ins Gebirge, an die See. Ihr frohes Interesse gilt allem, was sich ihnen in wechselnder Folge längs des Schienenstranges bietet. Sie sehen Wälder und blumige Wiesen. Blühende Felder , und den weiten blauen Himmel. Aber auch die Männer an der Strecke streift ihr schweifender Blick. Sekundenlang haftet das Auge an den stämmigen, sonnenverbrannten Gestalten. Blitzt das Bewußtsein auf, daß diesen Männern die Sicherheit und Sorglosigkeit der raschen Reise durch das Land mit zu verdanken ist. Der Hackenschlag hallt hinter den Ferienreisenden her. Rack! — rack! — rack! Er kommt vom Arbeitskameraden, dessen Schaffen Dienst an der Gesamtheit ist. _ .
Diele Streckenarbeiter stehen tagtäglich am Schienenweg. Der Rhythmus ihres Schaffens klingt überall, wo eiserne Stränge die deutsche Landschaft durchqueren. Ein gemeinsames, hartes, aber auch selbstbewußtes Lied der Arbeit: Rack! — rack? — rack? W.S.
Dornotizen.
Tageskalender für Samstag.
RSG. „Kraft durch Freude": Sommerfest im Hardtwäldchen. — Gloria-Palast, Seltersweg: „Skandal um die Fledermaus". — Artillerieverein: 20.30 Uhr Kameradschaftsabend im Hessischen Hof. — Eisenbahnfahrbeamten-Derein Gießen: 20 Uhr Mitgliederversammlung in der „Stadt Wetzlar".
Tageskalender für Sonntag.
RSG. „Kraft durch Freude": Sommerfest im Hardtwäldchen. — Gloria - Palast, Seltersweg: „Skandal um die Fledermaus". — Oberhessifcher Geschichtsverein: 8.30 Uhr Abfahrt am Bahnho zur Gleiberg - Besichtigung unter Führung von Stadtbaurat Gravert: 14.30 Uhr Abmarsch zum -Schisfenberg ab Hotel Hindenburg-, ab 17 Uhr geselliges Beisammensein auf der Schiffenbergterrasse.
Mitwirkung der Hausfrauen bei der Preisüberwachung.
Es liegt im allgemeinen Interesse, wenn auf dem so äußerst wichtigen Gebiet der Dolksernährung alle Preis-Ueberschreitungen ohne Ausnahme, auch wenn sie dem Verbraucher noch so unwichtig erscheinen sollten, der Polizei auf schnellstem Wege schriftlich, telephonisch oder mündlich zur Kenntnis gegeben werden. Rur durch diese äußerst
Gebt Hitler-Freiplahspenden!
Fahnen heraus!
Aus Anlaß der XI. Olympischen Spiele haben
damit sie neugestarkt wieder in den Alltag zurückkehren können.
Venn daher in den nächsten Tagen die unermüdlichen Derber aus allen Gliederungen der Bewegung wiederum an deine Türe klopfen, deutscher Volksgenosse, dann höre ihre Bitte ruhig an und überlege mit ihnen, ob nicht auch du es ermöglichen kannst, jetzt für den Spätsommer oder Früh- herbst für einen verdienten Volksgenossen ober ein bedürftiges Kind einen Ferienurlaub zu gewähren.
Cs ist dadurch jedem noch einmal die Möglichkeit gegeben, feinen Teil am Aufbau eines gefunden deutschen Volkes mitzuschaffen und dem Führer einen kleinen Teil unserer riesigen Dankesschuld abzutragen.
heil Hitler!
Dr. Hildebrandt. Kreisleiter.
Die NSV. hat auch in diesem Jahre wiederum den Auftrag erhalten, bedürftige deutsche Volksgenossen und die gesamte bedürftige deutsche Jugend zu verschicken und damit eine Aufgabe übernommen, die für die Zukunft unserer Ration von größter Bedeutung ist.
Auch die Bevölkerung des Kreises Detterau hat ich diesem Huf nicht verschlossen und hat während der ersten Werbeaktion für die Kinderlandver- chickung und die Adolf-hitter-Freiplahspende im April d. I. bewiesen, daß sie diesem großen, be- deutenden werk des deutschen Volkes gegenüber das notwendige Verständnis aufbringt.
Aber noch warten viele Volksgenoffen und Kinder. Auch fie müffen in diesem Jahre noch verschickt werden, fie sollen ebenfalls Erholung bekommen,
wertvollen Mitteilungen der einzelnen Volksgenossen ist es möglich, wie die Polizeidirektion Darmstadt mitteilt, den leider immer noch vorkommenden Dolksschädlingen ein für alle Mal ihr unsauberes Handwerk zu legen. Insbesondere richtet sich diese Bitte an die Hausfrauen, deren Mitwirkung bei der Preisüberwachung nicht zu entbehren ist. Die Mitarbeit der Hausfrau ist ein ausschlaggebender Faktor für die erfolgreiche Durchführung der Preisüberwachung im Einzelfall.
Olympiaquartiere in den O-Zügen erhältlich.
DRV. Die RSV.-helfer des Olympia-Quartier- amtes in Berlin haben ihren Olympia-V-Zugdienst ausgenommen. Im Umkreise von etwa 300 Kilometer um Berlin bieten fie in allen wichtigen V-Zügen, die Olympiagäste nach Berlin bringen, den Zureifenden Quartierfcheine für die Unterbringung in Privatquartieren in verschiedenen Preislagen an. Die Helfer find durch eine Armbinde kenntlich und haben einen grünen Lichtbildausweis. Sie find angewiesen, eine Vermittlungsgebühr von 2 Mark für den Ouartierschein zu erheben.
Olympiagäste, die sich noch kein Quartier in der Heichshauptstadt besorgt haben, tun gut, von dieser für fie bequemen Einrichtung Gebrauch zu machen, die fie jeder langwierigen Suche nach einer Unterkunft schon auf der Anreise enthebt. Die Scheine sind auf den jeweiligen Gasthaushalt ausgestellt. Der V-Zug-Dienst wird ausgeübt am 31. Juli, am 1., S., 14. und 15. August, auch in Racht-V-Zügen.
Das Lustschiff «Hindenburg" über Gießen.
Es war eine große Freude für all die vielen Volksgenossen, die sich heute gegen 7.45 Uhr auf den Wea zu ihrer Arbeitsstätte befanden, mit der Fahrt des Luftschiffes „Hindenburg" über Gießen einen nicht alltäglichen Morgengruß zu erleben.
In wundervoller ruhiger Fahrt zog es von Osten her unmittelbar über unsere Stadt. Das stolze Schiff, umzogen von feinen wehenden Wolkenschleiern, bot einen schönen Anblick und wurde wohl von allen Dolsgenossen mit den Augen verfolgt, solange es zu sehen war.
Soldatentag in Gießen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Gießener Soldatenkameradschaften bereitet, wie im Vorjahre, auch für diesen Monat einen Soldatentag vor, der nicht nur die Mitglieder der Soldatenkameradschaften, sondern alle alten Soldaten überhaupt und natürlich auch die aktiven Soldaten zu einer gemeinsamen kameradschaftlichen Feier vereinigen soll. Der Soldatentag wird am Sonntag, 16. August, stattfinden. Als Stätte der Veranstaltung ist das Waldgelände in der Nähe der früheren Waldeslust vorgesehen. Der „Tag der alten Soldaten" wird am Vormittag mit gemeinsamem Kirchgang eingeleitet, anschließend soll an den Gefallenen-Denkmälern mit Kranzniederlegung und stillem Gedenken die Erinnerung an die gefallenen Kameraden des Feldzuges von 1870/71 und des Weltkrieges wieder besonders wachgerufen werden. Am Nachmittag beabsichtigen die alten Soldaten in geschlossenem Zuge vom
Brandplatz aus nach der Stätte des kameradschaftlichen Beisammenseins zu marschieren, um dort zusammen mit ihren Angehörigen bei mancherlei geselligen Unterhaltungen, für die vielseitige Vorbereitungen getroffen werden, frohe Stunden zu verleben. Die ganze Veranstaltung soll die kameradschaftliche Verbundenheit der alten Soldaten und die unverbrüchliche Gemeinschaft mit der aktiven Truppe erneut vor aller Öffentlichkeit bekunden und weiterhin in den Herzen aller ehemaligen und Gegenwärtigen Träger des Ehrenkleides der deutschen Soldaten vertiefen.
Oie Lockerung des Arbeitöverbotes für Empfängerinnen von Ehestandsdarlehen.
Der Reichsminister der Finanzen hat bekanntlich unter dem 28. Juli die Sechste Durchführungsverordnung über die Gewährung von Ehestandsdarlehen erlassen. In einem Runoerlaß an die Präsidenten der Landesfinanzämter wird nun dazu noch ausgeführt:
Die Arbeitslage im Deutschen Reichsgebiet hat sich so günstig entwickelt, daß zwecks Bereitstellung von Arbeitskräften für gewisse Arbeitsgebiete eine Lockerung des Verbots der Ausübung einer Arbeitnehmertätigkeit durch Darlehensschuldnerinnen erforderlich geworden ist. Insbesondere benötigt die Landwirtschaft zur beschleunigten Einbringung der Ernte weibliche Arbeitskräfte, die nicht mehr in ausreichender Zahl unter den Dolksgenoffinnen, die nicht mit Hilfe eines Ehestandsdarlehens geheiratet haben, zur Verfügung stehen. Der Reichsminister der Finanzen hat deshalb die Präsidenten der Landesfinanzämter ermächtigt, die Ausübung einer Arbeitnehmertätigkeit ausnahmsweise dann zu gestatten, wenn a) eine Darlehensschuldnerin vorübergehend während der Zeit der Einbringung der fernte in der Landwirtschaft als Arbeitnehmerin tätig sein will oder b) wenn eine Darlehensschuldnerin in Hausarbeiten als Aufwartefrau (Tagesoder Stundenfrau) tätig werden will und wenn eine Bescheinigung des für den Arbeitgeber zuständigen Arbeitsamtes beigebracht wird, daß nach der Arbeitstage im Bezirk eine Wiederbeschäfttgung der Darlehensschuldnerin erwünscht ist.
In dem unter Buchstabe a) bezeichneten Fall ist die Erlaubnis nur für eine beschränkte Zett zu erteilen. Bis auf weiteres ist die ausnahmsweise Aufhebung des Arbeitsverbots nur vorgesehen in Den unter den Buchstaben a) und b) bezeichneten Fällen. Der Reichsminister der Finanzen hat deshalb die Präsidenten der Landesfinanzamter ermächtigt, alle Anträge auf ausnahmsweise Aufhebung des Arbeitsverbots, die nicht hierunter fallen, abzulehnen.
Polizeibericht.
Auffinden einer Hand.
Die Kriminalpolizeistelle Gießen teilt uns mit:
Arn 3. Juni 1936 wurde auf einer Aschenhalde in Rheydt eine rechte Hand, anscheinend die eines Mannes, aufgefunden, an welcher der Kleinfinger fehlt. Die Hand ist hinter den Fingerwurzeln durch Abreißen oder Abquetschen, vermutlich infolge eines Unfalls, der bereits einige Wochen vor Auffindung erfolgt sein kann, vom Arm getrennt worden. Wer kann Angaben machen, die jede Polizeibehörde entgegennimmt.
der Reichs- und preußische Minister des Innern und der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda für die B e f l a g g u n g d e r öffentlichen und privaten Gebäude folgendes bekanntgegeben:
Die öffentlichen Gebäude flaggen nach Maßgabe des Runderlaffes des Reichs- und preußischen Ministers des Innern vom 15. Dezember 1935 in der Reichshauptstadt vom 29. Juli, im übrigen Reich vom 1. August a b bis einschließlich 16. A u g u st.
Empfangs- und Abschiedszwecken dienende öffentliche Gebäude und Einrichtungen können aus diesen Anlässen bereits vorher und über den 16. August hinaus beflaggt werden. Auf diesen Gebäuden und Einrichtungen können neben der Reichs- und Rationalflagge (Reichsdienftflagge) auch die olympische Flagge und die Flaggen der an den Olympischen Spielen teilnehmenden Rationen gesetzt werden. Bei letzteren ist die Flagge Griechenlands an erster Stelle zu sehen; es folgen die Flaggen der übrigen teilnehmenden Rationen nach der deutschen ABE- Folge, zuletzt Deutschland (als Gastgeber).
Die Bevölkerung wird aufgefordert, vom 2 9. Juli ab bis einschließlich den 2 0. August mit der Reichs- und Rationalflagge zu flaggen. Es können auch die Olympische Flagge und Flaggen der an den Olympischen Spielen teilnehmenden ausländischen Rationen gezeigt werden.
Die Flaggen werden während der Rächt nicht eingezogen.
Monats- und Wochenkarten für Angestellte bis 180 Mk. Seh-ilt werden billiger.
Nach der Machtübernahme hatte die Deutsche Reichsbahn für Angestellte bis zu einem Monats- verdienst von 180 RM. ermäßigte Monats- und Wochenkarten eingeführt. Gegenüber den ermäßigten Arbeiterzeitkarten bestand aber noch ein Aufschlag, der sich aus der Erhebung der Beförderungssteuer erklärt, die bisher nur für die Arbeiterzeitkarten m Fortfall kam. Die Bestrebungen des Sozialamtes der DAF. auf grundsätzliche G l eich b e - Handlung von Arbeitern und Angestellten haben zu einer Anregung bei den zu- ständigen Reichsbehörden geführt, auch für ermäßigte Angestelltenzeitkarten die Steuerbefreiung durchzuführen. Der Reichsfinanzminifter hat dieser Anregung mit Wirkung vom 1. Oktober 1936 ent- sprochen, so daß dann eine sicherlich sehr begrüßte Senkung des Preises dieser Angestelltenzeitkarten erfolgt.
_ Die öcutfdic Rrbeitofront ; n.9.=0emcinfdiaft „Graft durch freute
Rheinfahrt.
Am Sonntag, 16. August, findet eine Rheinfahrt statt. Der Sonderzug fährt ab Gießen nach Brau- bad). Von Braubach aus geht es mit einem Dampfer nach Rüdesheim. Dort gibt es einen längeren Aufenthalt, damit den Teilnehmern Gelegen- heil geboten ist, das Niederwalddenkmal zu besichtigen. Nachmittags fährt der Dampfer wieder nach Braubach zurück, von wo es mit der Bahn zuruck- qeht. Der Gesamtfahrpreis beträgt ab Gießen 4,30 Mark. Für Zufahrt mit fahrplanmäßigen Zügen erhalten die auswärtigen Teilnehmer 75 o. H. Fahrpreisermäßigung. Anmeldungen müssen bis zum 8. August auf der Kreisdienststelle Gießen. Schon- zenstraße 18, erfolgen.
Urlaubsfahrt 50/36 Saarlal.
Bei der Urlaubsfahrt vom 10. bis 18. August nach dem herrlichen Saartal sind noch Plätze frei. Anmeldungen können täglich auf der Geschäftsstelle erfolgen. Der Gesamtfahrpreis einschl. volle Verpflegung beträgt 18,50 Mark.
Unbekannte Fracht.
Roman von Frank F.vrann.
Nachdruck verboten!
3. Fortsetzung.
„Nein", antwortete Terbrügge ernst, „zurück fahre ich nicht wieder."
„Was willst du in Hamburg anfangen?
,Zch weiß es noch nicht." Rudolf Terbrügge war ganz ehrlich. Er griff in seine Jackentasche und zog eine Postkarte hervor. „Kennst du... , er suchte und las ab, „kennst du eine Straße m Hamburg, die Vorsetzen heißt?" „ _ „
„Ja. Sie geht am Hafen entlang. Der Fahrer lachte, er schien ein unbeschwertes Gemüt zu haben. Das Leben gefiel ihm. „Wenn dir einer von den Dorsetzen geschrieben hat, ist er sicherlich em Seemann. Rate ich richtig?"
„Ja". Rudolf Terbrügge nickte. „Mein Freund John Schnakenbeck ist auf einem großen Fisch- dampfer angestellt." „ ...
„Na, groß sind Fischdampfer eigentlich alle nicht. Wenn du dagegen die „Kap 2Irtona oder so einen Kasten an den Sankt-Pauli-Landungsbrucken liegen siehst, wird dir das klar."
„Er ist auf dem Dampfer »Neuwert ., und sie sah ren weit hinaus in das Weiße Meer und zur Ba ^D-/°F°hr-r ,°h ihn an. „Und da willst du auch anheuern?" erkundigte er sich. Die Frage war nahe- ‘‘‘Itubolf Terbrügge starrte ihm aus den Mund als hab- ihm der Mann in der Lederjacke eine Olsen barung gegeben. Er antwortet- Nicht Der Kraft- waaen ratterte gerade über das Kopfpflaster vor Hellen Der Fahrer hatte auf die Straße Obacht zu geben Er glaubte wohl, die Antwort Terbrugges ub-rhort zu haben und fragte nicht nach emmal.
In Gedanken versunken sah Rudolf xerorugge. Er sah nichts von dem netten kleinen Städtchen das sie durchquerten. Er sah einen Dampfer auf der Elbe. Am Bug stand geschrieben "Neuwerk Das Schiff fuhr stromabwärts, nach Norden, an Helgoland vorbei in die Nordsee hinaus. Und Rudolf Terbrügge stand an der Reeling ...
Gleich hinter den Elbdrücken, Harburg im
Rücken, bog die Kraftwagenkolonne zum Afrikakai ab, denn die Konservenladung sollte mit einem Woermann-Damvfer abgehen. In Lome oder Daressalam wollte man auch einmal Burgdorfer Spargel essen.
Der Fahrer hielt seinen Wagen einen Augenblick an. „Hier mußt du absteigen", sagte er. Wir fahren direkt an den Kai. Aber du kannst die Straßenbahn nehmen. Hast du ein paar Groschen mitgekriegt?"
„Danke, ja", entgegnete Rudolf Terbrügge, und er schüttelte dem freundlichen Mann herzlich die Hand. „Vielleicht kann ich es später einmal ausgleichen, Landsmann."
Ratternd fuhr die Kolonne wieder an. Rudolf Terbrügge stand allein.
Er las das Straßenschild, Zweibrückenflraße. Ja, zwei gewaltige, eiserne Brücken waren da über den Strom gespannt. Auf der einen kam eine lustiggelbe Straßenbahn heran. Sie hielt haargenau vor dem Wartenden.
Er stieg ein. „Zum Dorsetzen", sagte er.
„Da müssen Sie umsteigen", erklärte der Schaffner. ,Hch sage Ihnen Bescheid."
Rudolf Terbrügge setzte sich in den Wagen. Freundliche, hilfsbereite Menschen überall, dachte er. Ich werde schon durchkommen. Er betrachtete die Fahrgäste. Das waren noch Leute seiner Art, Bauern, die vom Lande hereinkamen. Als sie sich unterhielten, erkannte er froh feine eigene breite Aussprache. _
Aber dann änderte sich das Bild. Die Landleute fliegen aus. Es schien da auf einem großen freien Platz eine Art Markt abgehalten zu werden. Städtischgekleidete stiegen ein. Sie hatten es alle eilig, lasen während der Fahrt Zeitungen, sprangen dann urplötzlich, ohne aufgeschaut zu haben, wo sie sein könnten, vom Sitz hoch und stiegen aus.
Die Straßen waren breit und von lärmenden Gefährten angefüllt. Die Häuser — ja, das waren ja wohl schon Wolkenkratzer? —, Rudolf Terbrügge war nie vorher in Hamburg gewesen. Er kannte nur Lüneburg; das hatte ihm gut gefallen. Diese große, hastende, geräuschvolle Stadt verwirrte ihn. Und wie endlos lange diese Fahrt dauerte!
Er tippte schüchtern den Schaffner an. „Muh ich denn noch nicht umsteigen?"
Der Uniformierte sah ihn an. „Wohin wollen Sie denn?"
„Nach dem Vorsetzen. Sie sagten doch..."
„Da hätten Sie umsteigen müssen. Ich habe doch laut und deutlich „Meßberg" ausgerufen. Nun kommen Sie am besten mit bis zum Hauptbahnhof. Da nehmen Sie die Ringbahn. Ihr Fahrschein gilt allerdings nicht mehr, der ist abgelaufen." Er nahm das bedruckte Blatt Terbrügge aus den Fingern, riß es durch und gab es zurück. Rudolf Terbrügge empfand das als die erste Unfreundlichkeit auf dieser Fahrt.
. Am Hauptbahnhof nahm er sich vor, zu Fuß zu gehen. Er schritt über eine breite, lange Brücke. Das Wasser rechts und links war ja wohl die Elbe? Aber dann erfuhr er, daß er über die Alster gekommen war. Wieder ein Bahnhof. „Bitte, wo ist die Straße Dorsetzen?" — „Geradeaus, dann links; aber fahren Sie lieber, es ist weit."
Er wollte nicht fahren. Schon ein bißchen gereizt schritt er weiter. Die Straßen — ober war es das ungewohnte Pflaster — ermüdete ihn. Er erkundigte sich noch einmal nach dem Weg. Ja, die Richtung war richtig. Ein großes Feld mitten in der Stadt. Weiter. Ein Denkmal, aha, Bismarck. Weiter. Tuteten nicht schon Dampfer? Er schritt rascher aus. Da tat sich vor ihm ein Ausblick auf den Hafen über die Landungsbrücken von Sankt Pauli hinweg auf. Er blieb stehen. Das gab es also wirklich, das sah nicht nur auf Bildern so aus! Die Geschäftigkeit in den Straßen schien sich auf dem breiten Strom fortzusetzen. Kleine Fahrzeuge, mit bunten Ringen am Rand der Schornsteine, schossen hin und her. Fähren drängten quer über den Fluh. Sirenen tuteten und schrien wieder ganz hell. Wuchtig, gelassen erscheinend gegen das kleine Gewimmel, strebten dicht aufeinanderfolgend zwei Uebersee- bampfer seewärts. Der eine, größere, wurde von Schleppern gezogen, der zweite fuhr mit halber eigener Kraft.
Rudolf Terbrügge blieb minutenlang stehen und staunte das bewegte Bild an. „Flut", jagte jemand neben ihm zu einem Freund, „die Dampfer gehen hinaus." Rudolf Terbrügge stand im Wege Andere Vorübergehende stießen ihn beiseite. Er achtete es nicht, erst allmählich kam wieder eigene Bewegung in seine Glieder. . .
Er setzte seinen Weg fort. In ihm war eine große Verwunderung. Vielleicht war es auch Angst, er dachte: werde ich mich jemals hier einfugen können.
Es ist keine Erde da, zu ackern! keine Tenne zum Dreschen; kein Stall, in dem Vieh steht. Eisenbahnen, Kraftwagen, Schiffe. Der Boden ist steinern. Aber die Menschen, nicht wahr, sind ja wie ich. Sie leben, sie sind lebendig und werden den Nächsten leben lassen. Gewiß hat man hier nicht auf mich gewartet. Ich bin kein Narr. Ich werde niemals in einem dieser prächtigen Motorwagen sitzen; das weih ich. Eine Stadt erobert man nur in den Märchen. Amerika, Zeitungsjunge, Tellerwäscher; am Ende Millionär. Aber vielleicht kann ich an dec Maschine eines dieser vielen Schiffe stehen. Viele liegen still. Warten sie vielleicht auf Mannschaft, fehlen Leute an den Kesseln und vor den Feuern? Hitze vertrage ich gut. Ich will es John Schnaken» beck sagen. Es wäre schön, wenn ich nicht in der Stabt bleiben müßte. Lieber auf ein Schiss. Das Wasser ist doch wenigstens ein bißchen ähnlich Öen Wiesen, Den Weiden.
Wenn der Wind über das Gras ging, habe ich oft an das Meer denken müssen, ohne es je gesehen zu haben. Aber es muß ähnlich sein, weit und still. Ich will zur See fahren. Ja, das will ich! —
Die Straße mit dem bemerkenswerten Namen Dorsetzen sand sich bann endlich auch. Sie führte wirklich am Wasser entlang. Kleinere Dampfer lagen am Kai. „Nach Stettin" stand bei der Anlegestelle ober „Nach Kopenhagen, Güterannahme jeden Dienstag und Freitag."
Das Haus mit der Nummer 146, das John Schnakenbeck seinem Freund Terbrügge auf der Postkarte angegeben hatte, war nur niedrig, aber dafür schön gelb gestrichen. Unter den Fenstern des ersten und zugleich obersten Stockwerks hatte es einen breiten blauen Streifen, auf dem ständ in weißer Oelfarbe: „Zum Seemannsheim".
Rudolf Terbrügge flieg die zwei Stufen, die in den Schankraum zur ebenen Erde führten unb trat ein. Eine dicke blonde Frau war dabei, Metallteile des Schanktisches zu putzen. Sie erwiderte seinen Gruß. Eine jüngere lag neben einem Eimer an der Erde und wischte Wasser vom Boden auf. Als fit den Namen John Schnakenbeck hörte, richtete sie sich ein wenig auf und sah den Eingelretenen musternd an. Rudolf Terbrügge erkannte, daß sie sehr hübsch war. Beinahe so hübsch wie seine Antje. Cs gab ba eine Ähnlichkeit. Aber die Antje hatte noch schönere Augen, blauere, größere.


