Vorgriffe.
Staatssekretär Reinhardt vom Reichsfinanz- Ministerium hat in der „Deutschen Steuerzeitung" den Ertrag der Reichs st euereinnah men im ersten Viertel des lausenden Rechnungsjahres mit berechtigter Befriedigung kommentiert. Ein Mehr- aufkontmen von rund 415 Millionen Mark gegenüber der gleichen Zeit des Vorjahres bedeutet' in der Tat einen ansehnlichen Erfolg, nachdem bereits das erste Viertel des vorigen Haushaltsjahres, nämlich die Zeit vom 1. April bis zum 30. Juni 1935, im Vergleich zu der gleichen Zeit 1934 einen starken Anstieg der Reichssteuereinnahmen gebracht hatte. In den höheren Einnahmen aus Besitz, und Verkehrssteuern, sowie aus Zöllen und Verbrauchsabgaben spiegelt sich der aewaltige Erfolg wider, den das national- sozialistische Deutschland auf den Gebieten der Arbeitsbeschaffung zu verzeichnen hat. Die Reichssteuereinnahmen bilden einen Teil jener Löhne, Geschäftserträge und Verkehrsleistungen, in denen sich der Aufschwung der Binnenwirtschaft kundtut. Die erhöhten Wirtschafts- leistungen sind jedoch mit einem zusätzlichen Kapitalaufwand erzielt worden, der nur zu einem Teil wirklich verdient, zum anderen Teil dagegen im Hinblick auf spätere Wirtschaftserträge vorweggenommen ist. Eine von einheitlichem Geist und starkem Willen getragene Volkswirtschaft kann sich solche Vorgriffe leisten. Die letzten 3% Jahre haben aelehrt, daß frühere Ansichten über die Grenzen solcher Vorgriffe irrig waren. Dagegen steht auch jetzt fest, daß solche Vorgriffe nicht eine unbegrenzte Zeit fortdauern können, sondern daß ein gesundes Gleichgewicht zwischen einer Belebung der Binnenwirtschaft und einer Stärkung der Außenwirtschaft eintreten muß.
In der Aussprache des britischen Unterhaufes vom vergangenen Montag ist wieder einmal von einer Revision der R o h st o f f o e r s o r g u n g die Rede gewesen. Deutschland ist nach wie vor arm an Devisen und ist daher gezwungen, in der Versorgung mit ausländischen Rohstoffen und Nahrungsmitteln sozusagen von der Hand in den Mund zu leben. Dies kann ohne Schaden für einzelne wichtige Wirtschaftszweige nur dadurch geschehen, daß die Devisenzuteilung für Rohstoff- und Nahrungsmitteleinfuhren scharf überwacht und nach der Dringlichkeit geordnet ist. Der Nachteil hierbei ist jedoch,' daß der Wagemut des Unternehmers in enge Grenzen eingeschnürt wird. Er hat nicht die Möglichkeit, eine plötzlich im Auslande sich bietende Absatzmöglichkeit wahrzunehmen und durch Bereitstellung größerer Warenposten die ausländische Derbraucherschaft an bestimmte deutsche Erzeugnisse zu gewöhnen. Reichswirtschaftsminister und Reichsbankpräsident Dr. Schacht hat daher bei jeder sich bietenden Gelegenheit die heutige deutsche Devisen- und Rohstoffbewirtschaftung als eine Der- legenheitslösung bezeichnet, die möglichst bald entbehrlich gemacht werden müsse. Ohne eine Mitwirkung derjenigen fremden Länder, die über große Kapitalien verfügen und in deren Besitz überseeische Rohstoffquellen stehen, wird sich an dieser Lage nichts ändern lassen.
Bei der Auswertung der internationalen Sta- tistik über das W e l t g e s ch ä f t muß beachtet werden, daß nicht jede Steigerung des Wertes der ausgetaufchten Waren eine echte Zunahme des Geschäfts ist. In der Welt vollzieht sich ein zwar langsamer, aber ziemlich stetiger Anstieg der Preise, und zwar zunächst für Nahrungsmittel und Rohstoffe. Die früher oft gehörte Behauptung, Deutsch, land werde als nichtbeteiligt an den Rohstoffquel- len der Erde auch von dem katastrophalen Preis- stürz, der sich auf diesem Gebiete in der Zeit von 1924 bis 1931 vollzogen hat, nicht betroffen, war schon damals nicht sehr beweiskräftig. Das wäre gleichbedeutend mit der Behauptung, daß man sich seiner Armut freuen solle, weil man dann nicht der Gefahr einer Entwertung des Vermögens ausgesetzt sei. Nachdem aber die Preise für Rohstoffe und Nahrungsmittel innerhalb der letzten beiden Jahre im Durchschnitt um mindestens 10 v. H. gestiegen sind, ohne daß zunächst die Preise für die industriel- len Fertigwaren eine gleiche Entwicklung genommen haben, ist diese Beweisführung noch weniger
Eberhard Wolfgang Möllers „Frankenburger Würfelspiel".
Zur bevorstehenden Uraufführung auf der Äieirich-Eckart-Äühne.
Die für den 2. August vorgesehene Uraufführung des „F r a n k e n b u.r g e r Würfelspieles^ von Eberhard Wolfgang Möller, mit der die Dietrich-Eckart-Bühne im Reichssportfeld Berlin feierlich eröffnet wird, bildet einen Höhepunkt des kulturpolitischen Rahmenprogramms der Olympischen Spiele und — nach der Münchener Reichstheaterfestwoche und den Heidelberger Reichsfestspielen — zugleich das dritte große Ereignis und Erlebnis im nationalsozialistischen Theaterplan dieses Jahres.
Die Dietrich-Eckart-Bühne ist ein Freilichttheater von bisher völlig unbekannten Ausmaßen, welches architektonisch gan^ aus dem Geiste des Nationalsozialismus erwuchs; sie stellt, dichterisch wie darstellerisch, vollkommen neue Aufgaben. Möller, der politisch und künstlerisch aus der Kampffront der jungen nationalsozialistischen Generation hervorging, gestaltete sein „Frankenburger Würfelspiel" ausdrücklich und bewußt im Hinblick auf die Gegebenheiten der neuen Riesenbuhne. Inhaltlich liegt das Werk auf der gleichen Ebene wie die „Briefe der Gefallenen" von Möller, denen im letzten Jahre der Staatspreis zuerkannt wurde: auch hier will der Dichter die Größe, Härte und Herrlichkeit des deutschen Menschenideals gestalten. In Matthias Wiemann und Werner P l e i st e r wurden zwei der begabtesten jungen deutschen Regisseure mit der Bewältigung der neuartigen Aufgabe betraut. Die Darsteller, unter denen sich eine Reihe junger, noch unbekannter Kräfte befinden, bilden kein Star- Ensemble, sondern eine von einheitlichem Gestaltungswillen beseelte Mannschaft, die eine völlige Geschlossenheit des künstlerischen Eindrucks verbürgt. Für die Massenszenen haben sich mehrere hundert Arbeitsdienstmänner zur Verfügung gestellt. Insgesamt beträgt die Zahl der Mitwirkenden über 1200. "So stellt die Uraufführung des „Frankenburger Würfelspieles" ein nationales und künstlerisches Er- eianis hohen Ranges dar: es ist der mit außerordentlichen Mitteln unternommene, kühne und richtunggebende Vorstoß der Reichsdramaturgie, der Dichter und Darsteller auf dem Wege zu einem großgearteten, nationalsozialistischen Freilichttheater.
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Berlin, die Stadt der größten sportlichen Wett- kämpfe, hat sich die monumentalste Freilichttheater
stichhaltig. Wenn sich irgendwo in der Welt politi- sche Spannungen oder gar kriegerische Auseinandersetzungen ergeben sollten, in deren Verlaus die Zufuhr unterbrochen oder gestört wird, geraten die« jenigen Länder in besondere Verlegenheit, die keine eigenen Rohstoffquellen besitzen und die aus Mangel an Kapital und Kredit keine beträchtlichen Vorräte auf Lager legen konnten. Eine verantwortungsvolle Politik, wie sie im neuen Deutschland getrieben wird, konnte nicht daran vorbeigehen, für d i e deutsche B i n n e n w i r t s ch a f t die Rohstoffversorgung zu bessern und zu sichern und darüber hinaus wagemutige Deutsche an der Erschließung wirtschaft, lichen Neulandes zu beteiligen.
Das Ausland hat uns oft den Fehlschlag von von Maßnahmen vorhergesagt, die von der nationalsozialistischen Regierung Deutschlands ergriffen worden sino. Wenn allerdings in einem Land Saboteure und Angsthasen die Möglichkeit haben, ihre düsteren Vermutungen zu verbreiten, sv kann dasjenige Maß an Tatkraft und Selbstsicherheit nicht aufkommen, das erforderlich ist, um auch ein schwie- riges Werk zum günstigen Ende zu führen und auf einem schmalen Gebirgspfad das Ziel zu er«, reichen. Sieht man sich die inneren Schulden an, die in anderen Ländern, beispielsweise in den Vereinigten Staaten von Amerika, zur Uebermin- dung der schweren Krise gemacht worden sind, so wird man den deutschen Aufwand sehr viel ruhiger
und optimistischer beurteilen können. Weitaus die meisten von den Ausgaben, die mit Hilfe der Vorgriffe auf künftig zu bildendes Kapital vorge- nommen worden sind, steigern entweder die Leistungsfähigkeit des deutschen Pröduktionsappara- tes, oder stärken die Arbeitskraft und Arbeitsfreudigkeit der in der Wirtschaft beschäftigten Menschen. Allein die Befriedung der Wirtschaft, d. h. die Beseitigung der Gefahr von Streik und Aussperrung, bedeutet eine nationalwirtschaftliche Ersparnis, die viele hundert Millionen Mark im Jahr ausmachen kann. Wird beispielsweise in einem Kohlengebiet, das 200 000 Angestellte und Arbeiter beschäftigt, einen Monat gestreikt, so entgehen der Bevölkerung des betreffenden Distrikts 200 000 mal 25 Arbeitsschichten, deren jede etwa mit 6 Mark bewertet werden muß. Ein Streik von dem geschilderten Ausmaß würde also allein an Arbeitslöhnen einen Ausfall von 30 Millionen Mark ergeben.
Wenn auch kein Grund oorliegt, daß wir uns wegen der Vorgriffe auf die Wirtschaftserträge kommender Zeiten Sorgen machen, so ist doch eine starke nationale Initiative notwendig, um besseres Gleichgewicht in der deutschen Wirtschaft herzustellen. Dazu bedarf es, daß jeder einzelne Deutsche eine lebendige Vorstellung von der Notwendigkeit eines deutschen Zugriffs z u den Rohstoffquellen Der Welt erlangt.
KörperertüchtigungdertveiblichenLugen- in China.
Von Hwang liming, Nanking.
Die Verfasserin dieses Beitrages, Frau D- H- Chen, ist die Vorsteherin der gymnastischen Abteilung der Ginling - Frauen- Universität in Nanking. Ihre berufliche Ar- beit und ihre öffentliche Tätigkeit übt sie jedoch auch heute noch unter ihrem Mädchennamen Hwang Liming aus. Ihr Vater war schon vor dem Kriege chinesischer Lettrö bei unseren Konsulaten in Formosa und Nanking. Frau P. H. Chen ist mit der chinesischen Olympia-Mannschaft nach Berlin gekommen und nimmt an dem Internationalen Sportlehrerkongreß teil.
Die Schriftleitung.
Zum ersten Male in der Sportgeschichte Chinas treten weibliche chinesische Leichtathletinnen und Schwimmerinnen zum Wettbewerb an einer inter« nationalen Olympiade an. Chinesische Sportlehrerinnen beteiligen sich an . dem internationalen Sportlehrerkongreß in Berlin. Diese Tatsachen sind ein schlagender Beweis für die gewaltige Urnstel- lung, die während der letzten zwanzig Jahre in der Körperertüchtigung der chinesischen Frau statt- gesunden hat und sich über ganz China auszuwirken beginnt.
Mehrere tausend Jahre lang herrschte in China der Grundsatz, daß Frauen schon dann die höchsten Tugenden erfüllten, wenn sie gehorsame Ehefrauen und gute Mütter waren. Wenn sie liebliche harmonische Gesichter, zarte schlanke Körper und kleine „Lilienfüße" hatten, die ihnen einen langsamen, als anmutig geltenden Gang verliehen, dann galten die chinesischen Frauen für hübsch, wobei es von untergeordneter Bedeutung war, ob sich in den Gesichtsausdrücken auch Charakterstärke und Klugheit ausdrückten. Die Erziehung der Frauen beschränkte sich auf die Erlernung des Haushaltes, auf Kochen, Nähen und Sticken. Einige wenige Frauen der wohlhabenderen Klassen hatten wohl auch Gelegenheit, im Lesen, Schreiben und Gedichtemachen ausgebildet zu werden. Nur sehr wenige Mädchen genossen eine körperliche Ausbildung, meistens in der Kunst des „chinesischen Boxens , das durch richtige Atemkunst und wohlabgerundete Bewegungen der Gliedmaßen und des Körpers Anmut und Gesundheit verleihen sollte, gelegent- lik auch im Fechten. „Mu-Lan" ist eine der historischen Heldinnen, die, als Mann verkleidet, zwanzig Jahre lang für ihren Vater ins Feld zog, ohne
daß ihr Geschlecht erkannt wurde. Stimme und Macht der Frau fand, wenn überhaupt, ihren Ausdruck nur im Hause, und dann meistens erst, wenn sie Großmutter oder Schwiegermutter geworden war. Dieser Zustand erhielt sich durch die Jahrtausende hindurch, ohne irgendwelche grundsätzlichen Aenderungen, bis zum Ende der Man- dschu-Dynastie und dem Anfang der chinesischen Republik (1911).
Vor etwa zwanzig Jahren wurde unter amerikanischem Einfluß eine Schule für Körpererziehung durch die Vereinigung christlicher junger Frauen in Schanghai gegründet, aus der in den Jahren 1916 bis 1925 über hundert Sportlehrerinnen hervor- gingen, die in ganz China ihre Tätigkeit aufnahmen. Sie waren die Pioniere für die moderne körperliche Ausbildung der chinesischen Mädchen und haben außerordentlich viel dazu beigetragen, daß die alten Ideen und Gewohnheiten allmählich dem Verständnis für die Notwendigkeit der Heranbildung einer kräftigen weiblichen Jugend weichen. In Schanghai taten sich bald einige weitere Sport- und Turnschulen auf. Es machte sich dann das Bedürfnis bemerkbar, den Sportlehrerinnen eine breitere wissenschaftliche Grundlage zu geben, woraufhin die ursprüngliche P.-W.-C.-Ä.-Schule mit der Ginling-Frauenschule in Nanking vereinigt wurde. Nach einer vierjährigen Ausbildung erhalten die Schülerinnen ihre Bestallung als ausgebildete Sportlehrerin. Da jedoch deren Zahl das heutige Bedürfnis nach sportlich vorgebildeten Frauen nicht deckt, so sind zweijährige Kurse für solche Mädchen eingerichtet, die nicht genügend Zeit und Geld für* eine vierjährige Ausbildung aufbringen können.' Außer der Physisch-gymnastischen Abteilung der Ginling-Schule gibt es heute in China noch zwei andere Institute, wo Vollkurse für Sportlehrerin- nen abgehalten werden: die Zentral-Universität in Nanking und die Hopeh-Normalschule in Tientsin.
Das Jahr 1932 brachte der weiblichen und allae- meinen Körpererziehung in China einen neuen oe- merkenswerten Anstoß. Erstmalig fand in Nanking auf Veranlassung der National-Regierung ein Kongreß von Sportlehrern und Sportlehrerinnen sowie Vertretern von Sport- und Körperertüchtigungsorganisationen statt, auf dem die einschlägigen Fragen der körperlichen Ausbildung in China erörtert wurden. Es wurde ein allgemeiner Plan für die körperliche Erziehung des Volkes aufgestellt und
Anlage geschaffen. Die Dietrich-Eckart-Bühne, die an das Stadion unmittelbar anschlieht, bietet 20 000 Menschen Platz. Trotz der Nähe der Straßen, auf denen in diesen Wochen die Wagenkette nicht abreißt, liegt dies Theater in feierlicher Stille. Das amphitheatrale Halbrund nimmt die Zuschauer auf, und trotz der gewaltigen Zahl vermittelt es nie den Eindruck der Massenschaubühne. Diese Bühne gibt dem Theater einen neuen Impuls von den gewaltigen Flächen her, zwingt durch die Gestaltung des Raumes und durch die feiernde Gemeinde (nicht „Publikum") zu neuen dramaturgischen Lösungen. Diese Bühne bedeutet einen Bruch mit jener Tra- bition des Theaters und der Freilichtbühnenbewe- gung, die des falschen Ansatzes wegen im Pathos und in der Masse erstarrte.
Die ganz neue Welt, die dies Theater erschließt, erlebt man, wenn man das „Frankenburger Würfelspiel" von Eberhard Wolfgang Möller sieht. Dieses Werk wirkt dort so überzeugend und beherrscht derart die Erfordernisse dieser Bühne, daß man dem Dichter Dank sagen muß.
Das Spiel führt uns in die Schicksalsjahre des Dreißigjährigen Krieges. Deutschland verblutet sein bestes Blut. Das Jahr 1625 ersteht, und wir alle sitzen zu Gericht über eine Willkür, die Deutsche damals Deutschen zufügten. Die sieben Ankläger des Gerichts nehmen das Wort und fordern Rechtfertigung von Ferdinand II., der Oesterreichs und Deutschlands Kaiser war. Sie bezichtigten ihn, das Vertrauen des Volkes unaufhörlich mißbraucht zu haben. Wahnsinn und Unvernunft haben ihn getrieben. Sein Frevel habe den Bauern den Tod gebracht und den Herren den Mut genommen. Statt kraft seines Zepters Einheit zu stiften, habe er entzweit, was zusammengehörte. Die letzten Bauern trieb er in den Tod, als sie sich mannhaft wehrten gegen die Priester, die ihnen ihren Glauben nehmen wollten. Ferdinand, der Habsburger, der den Tod über das Deutsche Reich brachte, hört die Reden der Kläger:
„Es ist schon wahr: ich habe dreißig Jahre das Reich verwüsten lassen; ja, ich habe sie zwingen wollen, meinem Gott zu dienen. Und keinen Herrn, und keinen Bauern, keinen, wer es auch wäre, habe ich entlassen aus diesem fürchterlichen Gottesdienste, solange sie den rechten Glauben nicht besaßen."
Die Kläger, die im Namen der oberösterreichischen Bauern sprechen, fragen, was denn der rechte Glaube sei. Ferdinand weist sie an seine Räte, die Beichtväter. denen der Kaiser nur Werkzeug ist. Der eine Beichtvater, Lamormain, verteidigt:
„Wie viele Worte, Herr, um so geringe Veranlassung. Was sind schon Bauern? Und was ist schon diese Handvoll Bauern, welche verdorben sind, damit der Glaube lebe."
Caraffa, der zweite Beichtvater, nennt Maximilian, den Herzog von Bayern, der seinerseits den verantwortlichen Statthalter in Oberösterreich als Verantwortlichen zitiert: den von Herbersdorf.
Nun ersteht eine der grausamen Szenen aus der Zeit, als Herbersdorf der Mächtigste war in Oberösterreich. Er läßt durch Sturmgeläute die Bauern rufen, die es wagten, gegen feine Willkür Rebellion zu machen. Unbewaffnet sollen sie vor sein Tribunal kommen; dann soll ihnen Gnade widerfahren. Seinem Wort glaubend, rücken in vielhundertköpfi- gen Gruppen die Bauern heran, lieber den „Aufruhr" der Bauern will der von Herbersdorf rechten. Er sieht die Bauern ohne Waffen, singend mit ihren Weibern herankommen. Dor so viel Glauben wird ihm sein Gewissen bang:
„Ach, ich kenne das,
Wenn man sie ansieht, krümmen sie den Rücken, doch in der Tasche ballen sie die Faust."
Die Wortführer der Bauern stehen nun dem Statthalter gegenüber, verteidigen ihr Recht und ihren guten Glauben. Sie glauben an den Kaiser, der das Gute will — sie hassen seinen Statthalter, der Blut gegen Blut zu Tode hetzt. Der von Herbersdorf hat ihnen Gnade versprochen, aber er bricht sein Wort. Den Pakt, in dem er allen Aufständischen das Leben schenkt, will er mit dem Blut der Bauernführer besiegeln. Da schreien die Tausend auf — was einer tat, das taten alle. So wollen sie gemeinsam sterben. Der von Herbersdorf weiß sich im Besitz von Reiter und Kanonen. Darum kann er mit den Bauern, die waffenlos hierher kamen, fein Spiel treiben. Die 36 Anführer sollen um ihr Leben würfeln.
Das Spiel findet nun feinen dramatischen Höhe- punkt. Macht steht gegen Recht, hassender Hohn gegen einfältigen Glauben. Einer nach dem anderen treten die Bauern heran, werfen die Würfel auf den schwarzen Mantel, der ausgebreitet am Boden liegt — und verspielen alle ihr Leben. Da geschieht das Wunder. Eine Gestalt in schwarzer Rüstung ist unter sie getreten. Er fordert die, die wehrlose Bauern zu diesem Spiel um Tod oder Leben reizten, zu gleichem Einsatz. Alle müssen sie würfeln: Maximilian, Ferdinand, der von Herbersdorf und alle andern. Einsatz ist der Besitz alles dessen, was sie im Leben ihr eigen nannten an Macht und Ansehen. Sie verlieren' Die sieben Richter brechen über die Taten den Stab. Währenddessen ziehen die Bauern ab. Die Bühne ist leer und nur leise noch hört man den Chor.
ein Zentralausschuß von zwölf führenden Personen des Sportlebens eingesetzt, darunter drei Frauen. Seitdem hat der Lanocsausschuß für Körperertüch. tigung jährlich ein- bis zweimal getagt, und 1934 wurde ein Generalinspekteur [ür Körperertüchtigung von dem Erziehungsministerlum ernannt, der für die Aufstellung von physischen Lehrplänen an den Schulen und in den Gemeinden sowie für die Weiterentwicklung der einschlägigen Anstalten Sora, zu tragen hat. Zur Zeit haben wir drei große Landesorganisationen in China, die sich der körper- lichen Ausbildung der Jugend widmen: 1. die Landesoereinigung für Amateur-Athletik, die mit der Veranstaltung von Wettbewerben innerhalb und außerhalb Chinas betraut ist; 2. den Landes- ausschuß für körperliche Erziehung, der sich mit den Fragen und der Verwaltungspolitik der körperlichen Ausbildung befaßt; und 3. die Landesoereinigung für Körpererziehung, die die Forschungs- arbeit zu leisten hat wie: Untersuchen der Verhält- nisse und Probleme in China, Ausarbeiten geeigneter Methoden und Anpassen der Organisation an die besonderen Bedürfnisse des chinesischen Volkes in allen Landesteilen.
Unsere Arbeit trägt jetzt schon ihre Früchte. Die Unsitte des Fußbindens stirot und wird in einigen Jahren in China überhaupt nicht mehr zu sehen sein. Das alle Schönheitsideal eines zarten, feinen Frauenkörperchens macht gesünderen Auffassungen Platz, und je mehr die alten Vorurteile verschwinden, um so größer wird die Liebe der weiblichen Jugend zum Sport und zur körperlichen Betätigung. Anfänglich wagten die Schulen es nur, einfache und schwedische Gymnastik und leichte Sportspiele, dann auch Volkstänze in ihren Lehrplan aufzunehmen. Heute können die Mädchen sich in allen Ballspielen, Korbball, Baseball, Hockey, Tennis, Fußball, üben, sie lernen auch Charakter- und sonstige Tänze. Vor einigen Jahren noch hielten die Studentinnen sich eng an das Programm, das vorgeschrieben war, jetzt drängen sie sich freiwillig zu allen Arten des Sports, zum Schwimmen, Radfahren, Wandern, Rudern usw. Das letzte Rudersportfest der Ginlingschule auf dem Lotussee bei Nanking brachte gute Leistungen der Studentinnen und bewies das zunehmende Interesse der Oeffent- lichkeit an der sportlichen Betätigung unserer weiblichen Jugend. In allen Schulen müssen sich die Mädchen an den täglichen Leibesübungen beteiligen; in einer Anzahl von Schulen lassen sich die Studentinnen im chinesischen Boxen ausbilden. Kurz und gut, die sportliche Betätigung innerhalb und außerhalb des Schulhofes nimmt schnell zu, was sich auch dahin auswirkt, daß die verheirateten Frauen nicht mehr körperlich so untätig wie früher sind, sondern sich dem Tanz und Sport außerhalb des Hauses hingeben.
Chinesische Mädchen nahmen an den letzten drei großen athletischen Landesveranstaltungen teil. Die erste fand 1930 in Hangtschau, die zweite 1933 in Nanking und die dritte 1935 in Schanghai statt. Von Veranstaltung zu Veranstaltung verbesserten sich die Rekorde. Die Begeisterung und das Interesse der zuschauenden Volksmengen für den weiblichen Sport nahm sichtlich zu.
Der Einfluß unserer Bemühungen macht sich in der äußeren Erscheinung und dem Geiste der heutigen Chinesin schon sehr bemerkbar. Ihr Gang ist freier, ihre Haltung aufrechter, ihr Körper und ihre Muskeln sind entwickelter, ohne daß sie dabei ihre natürliche Anmut und Grazie verloren hat. D'e meisten Mädchen tragen kurzgeschnittene Haare, ihr Sportkleid läßt Arme und Beine frei, während früher der ganze Körper vom Kleide bedeckt fern mußte. Die heutige Chinesin hat mehr Zutrauen zu sich selbst und fühlt sich selbständiger. Mit dem Wechsel der Ideen und Sitten erweiterten sich die Möglichkeiten für die chinesische Frau, sich nicht nur an allen Arten von Sport zu beteiligen, sondern auch nützliche Dienste an der Allgemeinheit zu leisten. Sie betätigen sich in der „neuen Leb:ns- beroegung" und an allen sozialen Arbeiten und Einrichtungen. Sie können heute sogar an dcn Ausbildungsschulen für die Polizei und für Soldaten gefunden werden. Sie haben Stimme und Einfluß auf jeglichem Gebiete, auf dem sie Mitarbeiten wollen. Das hebt ihren Geist, und mit frohen und zufriedenen Gesichtern gehen sie wieder durch die Straßen jeder chinesischen Stadt.
Dieses Spiel ist die rechte Weihe der neuen Bühne und ein erhabener Beitrag zu den Olympischen Spielen, den Festen des Friedens, die mit ihrem Geist auch Einheit schenken wollen.
Wilhelm Utermann.
Oer Philosoph Heinrich sickert f.
In Heidelberg ist der feit einigen Jahren ent- pflichtete Ordinarius für Philosopyie an der Universität Heidelberg, Geheimer Hosrat Professor Dr. Heinrich Rickert im Alter von 73 Jahren gestorben und, wie er es gewünscht hatte, in aller Stille zu Grabe getragen worden.
Heinrich Rickert, am 25. Mai 1863 in Danzig geboren, begann seine akademische Lehrtätigkeit 1891 als Privatdozent in Freiburg, wo er 1894 Extraordinarius und 1896 zum ordentlichen Professor für Philosophie ernannt wurde. In gleicher Eigenschaft hat er von 1916 an in Heidelberg auf dem Lehrstuhl Kuno Fischers und Wilhelm Windelbands, dessen Schüler er war, gelehrt und als Führer der berühmten südwestdeutschen Philosophenschule eine außerordentliche Anziehungskraft auf die Studierenden Ausgeübt. Sein klares Denken, seine ordnende Schau des systematischen Gebäudes gewissermaßen in Fortsetzung des kritischen kantischen Idealismus haben Philosophen und Philologen aus aller Welt nach Heidelberg gezogen. Rickert gestaltete die von Windelband gelehrte, auf den Begriff des Wertes gegründete Unterscheidung von Natur- und Geisteswissenschaften zu einem umfassenden System der Kulturphilosophie aus. Von Heinrich Rickerts zahlreichen Büchern nennen wir: „Der Gegenstand der Erkenntnis", „Die Grenzen der naturwissenschaftlichen Begriffsbildung", „Kulturwissenschaft und Naturwissenschaft", „Die Probleme der Geschichtsphilo- sophie", „Die Philosophie des Lebens", „System der Philosophie I", „Kant als Philosoph der modernen Kultur", „Wilhelm Windelband". —
Als Rickert 1933 feinen 70. Geburtstag beging, ehrte die Reichsregierung den berühmten Gelehrten durch Verleihung der G o e t h e m e d a i l l e.
Hochschulnachrichten.
An der Universität München wurde der ordentliche Professor für Pharmakologie und Pharmazie in der Tierärztlichen Fakultät, Dr. Albert Jodlbauer, und der ordentliche Professor für angewandte Zoologie Geh. Regierungsrat Dr. Karl E s ch e r i ch wegen Erreichung der Altersgrenze von den amtlichen Verpflichtungen entbunden.


