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Nr. 178 Zweiter Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)Samstag, 1. August ltzZ6

Das Olympische Feuer lodert auf deutschem Boden!

Mit unbeschreiblichem Jubel an der Grenze des Reiches empfangen.

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Hier traf die Fackel mit dem Olympischen Feuer aus deutschem Boden ein. (Scherl-Bilderdienst-M.)

Hellendors im FeWmuck.

Hellendorf (Sachsen), 31. Juli. (DNB.) Die kleine, 450 Seelen zählende Grenzgemeinde Hellen­dorf an der deutsch-tschechoslowakischen Grenze hat sich in den letzten Tagen in ein wahres Schmuckkästchen verwandelt. Mit begeisterndem Eifer haben die Hellendorfer Volksgenossen ihr landschaftlich so reizvoll gelegenes Dörfchen am Fuße des Osterzgebirges hergerichtet, um die olym­pische Fackel an 'der deutschen Grenze zu begrüßen. Den zu ungezählten Tausenden zusammengeström­ten Gästen bietet sich ein unbeschreiblich schöner An­blick. Am historischen GasthofErbgericht" am Ortseingang ist ein prächtiger Triumphbogen er­richtet worden, der von zwei riesigen Hakenkreuz­fahnen flankiert wird. Durch ein fast zwei Kilo­

pünktlich um 11.45 Uhr kündeten die olympi­schen Fanfaren in Hellendorf die Ankunft des letzten Fackelläufers auf tschechoslowakischem Gebiet an. An der Grenze übernahm der erste deutsche Läufer, Zollbeamter Ober­turnwart Golda mm e r, von feinen tschecho­slowakischen Sportkameraden die brennende Fackel und entzündete damit auf dem Altar am historischen Rundteil in Hellendorf das Olym­pische Feuer. Unbeschreibliche Begeisterung begleitete die Ankunft der Olympischen Flamme.

Zahlreiche Ehrengäste haben sich zu der Feier­stunde eingefunden. Man sieht u. a. Reichsstatt­halter und Gauleiter Martin Mutschmann, den Befehlshaber im Wehrkreis IV und Kommandeur des IV Armeekorps General der Infanterie List, die sächsischen Minister Dr. Fritsch, Lenk und Kamp, Gausportführer Ministerialrat Kunz, SA.'Brigadeführer von Karlshausen und NSKK.-Brigadeführer Lein.

30000 warten aus das Feuer.

Unübersehbar scheint die Menschenmenge, die den Festplatz füllt. Fast 30000 Menschen haben

sich hier versammelt. Auch drüben jenseits der Reichsgrenze sind die Straßen rechts und links mit Fahnen geschmückt. Die kilometerlange Grenzstraße von Peterswalde bis zum Rundteil in Hellendorf entlang bilden tausende frohgestimmter Menschen ein dichtes Spalier. Kurz vor der Grenze heißt ein Transparent in tschechischer Sprache die Sportler der ganzen Welt willkommen.

Vor Beginn der ^Feier verliest Landesstellenleiter Pg. S a l z m a n n folgendes Telegramm des Reichssportführers:Die im Deutschen Reichsbund für Leibesübungen vereinigten 6 Mil­lionen Turner und Sportler Deutschlands sind sich der Bedeutung des Augenblicks, in dem das olym­pische Feuer deutschen Boden erreicht, voll bewußt. In diesem Augenblick geloben sie im Sinne des von der hellenischen Auffassung der Leibesübungen aus­strömenden Kulturwillens zu arbeiten im Reiche Adolf Hitlers bis zur Erreichung seiner Ziele. Wir geloben im Sinne des Wortes unseres Führers zu handeln. Möge das olympische Feuer nie verloschen. Heil Hitler?"

Sie Feier beginnt:

Schmetternde Fanfaren eröffnen die benhourbige Stunde. Kreisleiter Ge risch er (Pirna) kennzeich- nete in seiner Begrüßungsansprache den Sinn des Fackelstaffellaufes. Machtvoll steigt die olympische Hymne auf. Die Spannung erreicht ihren Höhe­punkt, als die Olympia-Fanfare um 11.45 Uhr das Rahen des Läufers kündet. Eine unbeschreib­liche B e g e i st e r u n g hat sich der Menschen- massen bemächtigt. Man sieht, wie der letzte tschecho­slowakische Fackelträger vor der deutsch-tschecho­slowakischen Reichsgrenze im Lauf innehält. Run übergibt der letzte tschechoslowakische Läufer an der Reichsgrenze seinem deutschen Sportkameraden, dem Hellendorfer Zollbeamten Oberturnwart Pg. Goldammer, die Fackel, die dieser unter den brausenden Heilrusen der Menge zum Altar in Hellendorf trägt. Sekundenlang neigt sich die Fackel über den Altar. Dann flammt zum ersten Male die olympische Flamme auf deutschem Boden auf.

Die Rede des Reichsstattdalters Milchmann.

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tiefst verwandt ist. Deshalb bekennt sich Deutschland zum olympischen Gedanken nicht aus Zweckmäßigkeitsgründen, sondern in der Ueberzeu- gung, für eine große Idee einzutreten, in deren Dienst sich alle Länder und Völker unter­schiedslos zusammenfinden können.

Es ist deshalb mehr als ein äußeres Beispiel von großartiger Einmaligkeit und bedeutet mehr als eine organisatorische Leistung größten Ausmaßes, wenn dieser 3000 Kilometer lange Fackellauf durch alle Schwierigkeiten bewältigt worden ist. 3n dieser Tatsache liegen symbolhafte Werte, die ein ganzes Programm bedeuten. And dieses Pro­gramm, das Olympia heißt, läßt aller Welt offenbar werden, daß die Welt von Zwietracht und Schwäche, die sie gefährden, nur gefunden

Reichsstatthalter Mutsch mann hielt bei ber Uedergabe des olympischen Feuers an den deutschen Läufer eine Ansprache, in der er u. a. aus­führte: Zum ersten Male geht die Fackel des hei­ligen Feuers von Olympia in die Obhut deutscher Sportler über, um von morgen an dem fried­lichen Wettkampf der Jugend der Welt symbolisch üoranzuleuchten. Von der Altis hat die heilige Flamme sechs L ä n d e r d u r cy - eilt und nicht nur den tausenden lunger begeister­ter Sportler, die das Feuer trugen, sondern der gesamten Jugend aller dieser Völker ist der o l y m - pische Gedanke Gemeingut geworden

Das griechische Erziehungsideal, das in den helle­nischen Wettkämpfen zu Olympia (einen erhabensten Ausdruck fand, hat Jahrtausende überdauert Es sand bei uns den größten Widerhall, well die olympische Gesinnung und Haltung der natio- noNo^ialistischen Weltanschauung zu

Ungebrannte Postkarten als Andenken an das heilige Feuer.

mnrhhom ht>r Lllnmoiicke Fackellauf das südböhmische Städtchen Neuhaus verlassen hatte, sengten die mnmbnh^e6r an au dem Altar Postkarten und Briefe an, um auf diese Weise -m Andenken

Einwohner an der ^ellou[ ^ben. - (Scherl-Bilderdienst-M.»

kann, wenn sie sich des olympischen Ge­dankens als Kulturträgers bedient. And wenn die Antike das über Krieg und haß erhabene Ideal der Gemeinschaft und des Frie­dens in sportlichem Wettstreit der Jugend zu Olympia am besten gewährleistet sah, so rufen wir heute die Jugend der ganzen Welt auf, am sie durch das Gemeinschaftserteb- uis des Sportes zu Kündern des Friedens in allen Völkern zu machen.

So wie sich die erste Fackel dieses Staffellaufes an der Flamme zu Olympia entzündet hat, so soll sich unsere Zeit immer wieder am männlichen G e i st des Altertums entzünden und die Klarheit dieses Lichtes auf immer in unserem Geist und in unserem Herzen lassen.

Den Völkern, die heute noch durch gewissenlose Verhetzung auseinandergehalten werden, soll die Olympische Flamme Mahnuna sein, sich im Sinne der völkerverbindenoen Idee der Olympischen Spiele zu friedlichen Wett­kämpfen zu stellen und sich nicht im Völker- und Bruderkampf selbstmörderisch zu zerfleischen.

Taghell soll der Schein der Fackel in das Dunkel der Weltkrise hineinflackern und all die Feinde bannen, die den Völkern den Frieden nahmen. Das Olympische Feuer soll aber auch aller Welt offenbaren, wie unsinnig und wie ver­logen die Greuelmärchen sind, die ge­wisse Hetzer über unser Deutschland der Ehre und der Freiheit verbreitet haben. Alle wer­den sich im Schein dieser Friedensfackel über­zeugen können, daß unser Vaterland e i n

Land der Ruhe und Ordnung mit einem friedfertigen Volk von Arbeitern der Faust und der Stirn ist, daß unter unserem Führer Adolf Hitler unermüdlich und zäh an seinem eigenen Aufbau werkt und schafft.

So möge diese weihevolle Stunde, die wieder einmal den Brückencharakter unseres sächsischen Grenzraumes sinnfällig kennzeichnet, uns und die ganze Welt immer stärker in den Bann der olympi­schen Idee ziehen. Ihr Läufer zweier Nachbar­nationen aber, die ihr euch an dieser geschichtlich denkwürdigen Grenzstätte ablöst, versprecht, die Flamme des Friedens und der Kraft weiter zu nähren, bis das große Zukunftswerk vollendet ist. Adolf Hitler und das gesamte deutsche Volk ken­nen nur ein gemeinsames großes Ziel: der (Erhal­tung des Friedens der Welt zu dienen. In diesem Sinne grüßen wir unseren Führer, der mit der Vorbereitung dieser Olympischen Spiele dem Frie­densgedanken neuen Impuls gegeben hat, mit einem dreifachen Sieg-Heil!

Kaum ist ein letztes Wort verhallt, da wird ein Schwarm Brieftauben aufgelassen, der den Läufern von der Reichsgrenze nach Berlin voran­fliegen wird. Der erste deutsche Läufer entzündet am Altar die erste deutsche Fackel und trägt sie den ersten Kilometer in deutsches Grenzland hinein. Er kann sich bei Beginn seines Laufes vor der be­geisterten Menschenmenge kaum seinen Weg bahnen, lieber Gottleuba und Berggießhübel tragen die Läufer die Flamme. Dem Olympischen Feuer voraus eilt ein Auto mit Hornisten und eine Ehrenabord­nung des NSKK., die das Nahen des Läufers kün­den. Ueberall auf der Straße jubelt die Bevölkerung den Fackelträgern zu.

Das Olympische Feuer flammt auf deutschem Boden auf.

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Am Freitagmittag brachte der letzte tschechische Läufer die Fackel mit dem Olympischen Feuer zu dem Altar, der in H e l l e n d o r f, unmittelbar an den deutsch-tschechischen Grenzpfählen, aufgerichtet worden war. Unser Bild zeigt den tschechischen Läufer, wie er das Feuer auf dem Altar entzündet. (Scherl-M.)

Der Sattellauf durch Sachsen.

Um 13.40 Uhr traf der Läufer mit dem Feuer aus dem Pirnaer Rathausplatz ein und entzündete mit feiner Fackel auf dem Altar das Olympische Feuer. Die Feier war umrahmt von Weihesprüchen der Sportjugend und Musikdarbietungen.

Hunderttausende von Zuschauern versammelten sich am Königsufer in Dresden. Auf dem Platz vor dem Finanzministerium war der olympische Altar errichtet worden. Dor dem Altar hatten Reichsstatthalter und Gauleiter Mutschmann sowie die übrigen Ehrengäste Aufstellung genom­men. Inmitten einer Ehreneskorte von Sportkame­raden erschien der Läufer und überreichte dem Kreisleiter Walter seine Fackel, der damit auf dem Altar die olympische Flamme entzündete. Der Gauführer des Deutschen Reichsbundes für Leibes­übungen Dttnisterialrat Kunz gab ein erneutes Bekenntnis zu Dem olympischen Gedanken ab. Ober­bürgermeister Zörner entzündete die Fackel des neuen Läufers. Dann fetzte sich der Läufer unter den brausenden Zurufen der Hunderttausende in Bewegung, um mit dem olympischen Feuer die Strecke nach Berlin zu beginnen.

Meißen empfing auf dem alten Marktplatz das Olympische Feuer. Die ganze Stadt nahm an der Weihestunde regsten Anteil. Brausender Beifall folgte einer Ansprache von Kreisleiter und Büraer- meister Drechsel, der dann mit der Fackel den ersten Kilometer bis zum Bahnhof zurücklegte.

Auf preußischem Gebiet.

Als letzten Bezirk in Sachsen durchlief die olym­pische Staffel die Amtshauptmannschaft Großen­hain. Von einer Fanfare begrüßt erschien pünkt­lich um 21.30 Uhr der Fackelläufer, der dem Bür­germeister Dr. Bernhardt die Fackel über­reichte Unter Glockenläuten setzte sich der nächste Läufer in Bewegung. Preußisches Gebiet wurde kurz vor 22.30 Uhr erreicht.

Es war fast Mitternacht, als vom Wachturm der alten Burg von Liebenwerda ein Zeichen die Ankunft des olympischen Feuers verkündete. Bald stand der Läufer mit dem heiligen Feuer vor dem Gauleiter Jordan, der u. a. sagte: Der Weg dieser Flamme ist der Weg zu unserem Führer.

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So überschritt das Olympische Feuer die letzte Grenze.

Unser Bild zeigt den letzten tschechischen Fackelläufer, wie er feinen deutschen Nachfolger, den Zollassistenten Goldammer, durch Handschlag an der Grenze begrüßt. (Scherl-Bilderdienst-M.)