reicht werden kann, ist selbstverständlich. Aber auch das Tun des Tages fall so gerichtet sein, daß es vor der Zukunft bestehen kann. Die Form, die wir deute dem einzelnen Gegenstand neben — etwa wenn ich an die Gestaltung der Emen- nungsurkunden des Reiches denke —, soll so gut und wertvoll sein wie nur möglich, damit sie auch späteren Zeiten als vollgültiger Ausdruck unserer Zeit erscheinen kann. Wir arbeiten ja nicht für uu5 und für den Augenblick, sondern unser Wirken ist auf lange Sicht berechnet. Schon darin drückt sich der ganze gewaltige Unterschied aus zwischen meiner Aufgabe und dem, was früher einmal unter dem Begriff ,Reichskunstwart' verstanden wurde. Was damals getan wurde, war für den Tag und verging sofort wieder, wobei ich von dem grundlegenden geistigen Unterschied hier einmal schweigen will. Außerdem war dieser Reichs- kunstwart praktisch machtlos, abhängig von den Parteien und von ihren Launen hin und her gerissen. Heute aber steht an der Spitze des Staates e i n Mann, der allein entscheidet. Jeder seiner Beauftragten aber erfüllt seine Aufgaben in voller Uebereinstimmung mit oer politischen Führung. Dies gibt auch meinem Amt den festen Rückhalt, der allein zielbewußtes Handeln ermöglicht."
Auf die Frage, wie weit sich seine Tätigkeit nun schon auswirke, erwidert Hans Schweitzer mit freimütiger Bescheidenheit, daß man wohl als Außenseiter nicht leicht ermessen könne, wie lange Zeit es brauche, bis die Bestrebungen, deren große innere Richtung er oben anzudeuten versucht habe, in die Wirklichkeit sich umsetzen könnten, so daß das Resultat offen vor aller Augen liege. Darüber werde er gerne in einem Jahr wieder sprechen und hoffe, dann sichtbare Lei st ungen vorlegen zu können. Bisher sei seine Tätigkeit mehr von Fall zu Fall beratend und begutachtend gewesen. Wenn einmal der äußere Apparat seines Amtes so ausgebaut sei, wie er sich das vorstelle, werde auch die Wirkung rascher und unmittelbarer sein.
„Begreiflicherweise konnte in der kurzen Zeit, die seit meiner Ernennung zum Reichsbeauf--
tragten für künstlerische Formgebung durch den Führer und Reichskanzler auf Vorschlag des Reichsministers für Bolksaufklärung und Propaganda Dr. Goebbels im Oktober letzten Jahres verstrichen ist, nicht alles schon so durch- aeführt werden, wie es mir als Ziel vorschwebt. Ist aber einmal diese äußere Organisation vollendet, so kann ich mich wieder mit ganzer Kraft meinen künstlerischen Aufgaben zuwenden, teils schaffend, teils leitend und richtungweisend, wie dies mein Auftrag mit sich bringt. Dann werden auch die großen Aufgaben in Angriff genommen werden, wie Städteplanung, Denkmals- gestaltung und Heimatschutz. Aber dies alles greift ja ineinander. Ob ich ein Gebäude darauf prüfe, ob es die nationalsozialistische Weltanschauung würdig zum Ausdruck bringt, oder ein Plakat oder eine M ü n z e — das ist prinzipiell dasselbe, wenn natürlich auch die künstlerische Formgebung stets der besonderen Aufgabe angepaßt sein muß. Aber einerlei, ob es von außen gesehen, große oder kleine Dinge sind, das Erleben des Nationalsozialismus muh aus allem sprechen. Dann nur können wir zu einem gemeinsamen deutschen Stil kommen, aus dem das Wesen des Volkes unverkennbar spricht. So ist künstlerische Formgebung von größter erzieherischer Bedeutung.
In der Form soll sich das Geschehen unserer Zeit kristallisieren und so für alle Zukunft erhalten bleiben, zugleich aber auch richtunggebend auf die Formbildung der Zukunft einwirken. Was wir heute schaffen, auch auf künstlerischem Gebiet, soll eine haltbare und dauernde Grundlage sein, auf der noch viele Geschlechter nach uns weiterbauen können. Noch einmal möchte ich betonen, daß die Kunst nichts für sich allein Bestehendes ist, sondern stets als Teil der gesamten kulturellen Willensäußerung unseres Volkes betrachtet werden muß. In diesem Sinn ist künstlerische Formgebung ebenfalls ein Teil der großen gesamten Formgebung, die sich heute in unserm Volk vollzieht."
Dr. Bernhard Knauß.
Oie Jagd im April.
Knospen und Sprießen überall! Grün schimmern die Wiesen, sattgrün stehen die Wintersaaten. Des Huflattichs gelbe Blüten schmücken kahle Halden und Raine, hyazinthengleich duftet der Seidelbast im Bergwald, Veilchen blühen am sonnigen Grashang, Anemone, Himmelsschlüssel und Lerchensporn, dazu des Lungenkrautes rote und blaue Blüten bedecken den Boden des Frühlingswaldes. Der Vögel Lied erfüllt den Tag, hoch im Aether schwebt das Bussardpaar im Hochzeitsflug, und die Krähen tragen Reisig und Gras zum Horstbaum. Der Frühling ist eingekehrt in Wald und Feld.
Im Dämmern des Waldmorgens singt der A u e r- h a h n sein Minnelied, in Heide und Moor kullert der Birkhahn. Das Meckern der Bekassine, das Rufen des Kiebitzes und das Flöten des Brachvogels mischt sich hinein.
Vom Bach her warnt der Erpel der Stockente, die dort wohl schon irgendwo ihr Gelege gemacht hat und brütet: auch die Rebhühner sind gepaart. Des Hahnes Lockruf im Morgen- und Abenddämmern ist nicht zu überhören.
Auch der Fasanenhahn ist unter die Sanger gegangen und läßt seinen rauhen Balzruf hören. Der Zug der Waldschnepfe ist vorüber. Zwar streichen die Vögel mit dem langen Gesicht noch im dämmernden Wald, auch gestattet das Gesetz noch ihren Abschuß bis zur Monatsmitte. Doch was letzt noch streicht, sind meist Brutvögel, die der Weidmann schonen soll. Holt er sich die eine oder andere von ihnen im Herbst, so macht sie ihm mehr Freude.
Von der hohen Fichte läßt der R i n g e l t a u b e r sein sehnsuchtsvolles „O du, du du—o, du du du hören. Gern wird der Jäger, dem es nicht vergönnt ist, den „großen Hahn" anzusprinaen, sein Können am „Hahn des kleinen Mannes", dem rufenden Tauber erproben. Am 16. April beginnt die Schonzeit für die Tauben. .....
Während so das Federwild schon brütet oder vor der Brut steht, hat das Raubwild schon Junge. Junqdächse liegen schon seit einigen Wochen in den Bauen, und auch Malepartus, der Mutterbau der Füchse, hat sich in eine Wochenstube verwandelt.
Auch die Marderarten, vor allem Iltis und Wiesel, führen ihr Geheck. Die Gefahr des Raubens ist dann besonders groß, und der Jäger wird auf Schutzmaßnahmen zu sinnen haben. Dabei ist wohl zu beachten, daß das Reichsjagdgesetz den säugenden Fähen seinen Schutz angedeihen läßt. Wer etwa die Fähe auf dem Fuchsbau abschießt, ist genau so strafbar wie der, welcher die führende Bache von ihren Frischlingen wegschießt. Dagegen ist z. B. das Graben von Jungfüchsen dort, wo der Bestand zu groß zu werden droht, erlaubt.
Der Rothirsch beginnt, sein neues Geweih zu schieben. Der Rehbock dagegen steht jetzt mitten im Fegen. Wenn nun das Wild auf die Felder tritt und der Wald noch besseren Durchblick erlaubt, ist die gegebene Zeit, eine Bestandsaufnahme zu machen.' Diese soll im Jaqdgau Oberhessen bis zum 15. April beendet sein. Es ist nicht eine einfache Wildzählung an einem bestimmten Tage angeordnet, denn diese führt zu keinem Bild, wie es für den Abschuß da sein muß. Wenn die Böcke gefegt haben und noch in den Sprüngen stehen, ist es leicht, einen Sprung wieder zu erkennen, zu zählen, in Altersklassen, in gute und geringe Böcke einzuteilen usw., kurz alles das festzustellen, was für einen wirklich überlegten Abschuß mit dem Ziel einer Verbesserung des Bestandes nötig ist. Dazu die erste Monatshälfte zu nutzen, muß Aufgabe des Waldjägers sein. Zu überwachen ist dabei ferner der Gesundheitszustand des Wildes, das bekanntlich leicht erkrankt, wenn die Grünäsung auf einmal in großen Mengen ausgenommen werden kann. Wo Salz fehlt, sollte es jetzt dem Wilde gereicht werden. Das beschlagene weibliche Wild ist gegen das Hetzen durch Hunde jetzt besonders empfindlich, ebenso wie die dick gehende Häsin. Der Schutz des Wildes muß sich gerade jetzt, wenn die Saatzeit vor der Tür steht, vor allem gegen die Hundeplage richten, die in dauernder Zunahme begriffen ist.
Es ist unerhört, was an wirtschaftlichen und ideellen Werten durch die Hunde rücksichtsloser Hundehalter vernichtet wird. Hier kann nur ein Abwehrkampf mit allen Mitteln, Abschuß, Anzeige,
W
»Fliegende ^Reporter" für die Olympischen Spiele.
Die Bild- und Nachrichten-Ueber- mittlungsstellen des In- und Auslandes stehen in einer umfangreichen Organisationsarbeit, um die Berichterstattung über die Olympischen Spiele in Berlin in jeder Weise sicherzustellen. Um eine schnelle Uebermitt- lung der Bilder durchzuführen, werden Sonder - Reporter ausgebildet, die aus dem fliegenden Flugzeug üb erden großen Zeitungshäusern abspringen und die neuesten Berichte liefern. Unser Bild zeigt einen der fliegenden Reporter während der Ausbildung: er hat die Strickleiter verfehlt, wird aber von dem aufgespannten Sprungtuch aufgefangen.
(Scherl-Bilderdienst-M)
Schadensersatzforderung, zum Ziele führen und die Hundebesitzer dahin erziehen, daß sie auf die Interessen der Allgemeinheit Rücksicht zu nehmen haben.
Aehnlich steht es mit den Katzen, die bald wieder anfangen zu feldern. Was an Junghasen, Junghühnern und dergleichen von ihnen vernichtet wird, ist mehr als die meisten Jäger annehmen. Sonst würden sie bestimmt schärfer hinter dieser Revierplage her sein, gegen die ihnen das Gesetz Handhabe genug gibt.
Die Revierinhaber werden darauf aufmerksam gemacht, daß im Vorjahre einzelne Teile Deutschlands Mengenverluste durch sog. Pseudotuberkulose des Hasen hatten. Auch in unserer Gegend sind daran verendete Stücke gefunden worden. Es ist unbedingt notwendig und entspricht auch dem Sinne des § 32 des RJG., daß solches Fallwild von Sachverständigen untersucht wird, die dann unter Umständen in der Lage sind, Abwehrmaßnahmen zu empfehlen. Gleichgültigkeit gegenüber Fallwild kann zu schweren materiellen Verlusten führen.
Hubertus.
Tagung der Schafzüchter von Hessen-Nassau.
□ Wetzlar, 31. März. Die Hauptversammlung des Verbandes der Schafzüchter von Hessen-Nassau fand gestern hier statt und war aus dem ganzen Verbandsgebiet gut besucht. Der Vorsitzende Büchsenschütz (Lich) eröffnete und leitete die Tagung.
Der Geschäftsführer, Tierzuchtdirektor Dr Wagner (Gießen), erstattete den Geschäftsbericht. Danach hat der Schafbestand in Deutschland im Jahre 1935 gegenüber 1934 um 440 000 Stück zugenommen, d. h. um 12,69 v. H. Der Landesverband Hessen-Nassau hat hierbei den Reichsdurchschnitt überschritten. Zum Ankauf von Böcken hat der Landesverband im abgelaufenen Jahre einen 30pro- zentigen Zuschuß im Gesamtbeträge von 6567 Mark gegeben. Zum Ankauf von Schafen wurde ein Reichskredit von insgesamt 5030 Mark beschafft. Hiermit wurden 2107 Schafe angeschafft. Im Jahre 1935 wurden Bockversteigerungen in Lich und in Wetzlar abgehalten. In Lich betrug der Durch
schnittspreis 196 Mark, in Wetzlar 156 Mark. Die Landesbauernschaft gewährte für prämiierte Böcke einen Zuschuß von 355 Mark, außerdem noch an Gemeinden und Schäfereien 960 Mark. Zur Beschaffung von Schäferwagen wurden von dem Landesverband ein Zuschuß von 110 Mark gegeben. An einem Ausbildungslehrgang für Schäfermeister in Gießen nahmen 89 Schäfer teil.
Direktor Dr. Schneider von der Landesbauernschaft sprach dann über die Ziele der Schafzucht, wobei er auf vier Hauptpunkte hinwies: 1. Rassenvereinheitlichung: 2. Leistungsprüfungen; 3. feste Anwendung des Körgesetzes; 4. ein neues Weiderecht.
Der Kreisleiter nahm regen Anteil an den Erörterungen. Er betonte, es sei sehr begrüßenswert, daß die bäuerlichen Kreise sich dem Rufe der nationalsozialistischen Regierung nicht verschlossen hätten und daß in der Schafzucht schon mancherlei geleistet worden sei. So müßte auch nach dem herrlichen Wahlsieg auf allen Gebieten mit Entschlossenheit weitergearbeitet werden.
Landwirtschaftsrat Hutten (Stuttgart) hielt dann einen Vortrag über das Thema „Welche Mittel sind uns gegeben, um der Schafzucht eine größere Bodenständigkeit zu verschaffen?" Direktor Burger von der Reichswolleverwertung Ulm sprach über „Die Pflege, Behandlung und Verwertung der Wolle". An die Vorträge schloß sich eine anregende Aussprache an.
Keine Abbildung von Wehrmachtsangehöngen zu Werbezwecken.
Fwd. Der Werberat der deutschen Wirtschaft weist darauf hin, daß Abbildungen von Angehörigen der deutschen Wehrmacht als Einzeldarstellungen, sowie als Gesamtbild (marschierende Truppe) zu Werbezwecken grundsätzlich untersagt sind. Ausnahmen sind nur da zulässig, wo zwischen der Darstellung und der angebotenen Ware oder Leistung ein innerer Zusammenhang besteht (z. B. Uniformschneiderei, Wehroersicherung) und die Darstellung in einer würdigen Form erfosgt. Der Werberat behält sich jedoch vor, von Fall zu Fall über die Zulässigkeit von Ausnahmen bei der Verwendung derartiger Abbildungen im Einvernehmen mit dem Reichskriegsminister zu entscheiden.
Gießener Gtaditheater.
AlbrechtNehring: „DieunvollkommencEhe"
Diese Ehe ist nicht nur unvollkommen, sondern überhaupt keine Ehe, vielmehr ein Heiratsschwindel ganz besonderer Art. Ein arbeitsloser junger Mann bewirbt sich auf den Rat seiner noch jüngeren Schwester um einen Verwalterposten in der Landwirtschaft. Er bekommt ihn auch, und da es em verheirateter Mann sein soll, der da gesucht wird, tut er so, als ob er einer wäre, ein jung verheirateter, der seine Frau vorläufig bei einer alten, kranken Tante gelassen hat. Die freundlichen Gutsbesitzersleute fordern ihn bald auf, die Seine nachkommen zu lassen, und also erscheint die blutjunge Schwester als Gemahlin. Das kann natürlich auf die Dauer nicht gut gehen, zumal die Tochter des Hauses sich gleich (hoffnungslos, wie sie glaubt) in den Verwalter verliebt hat. Da kann man noch von Glück sprechen, daß die schwindelhafte Gemahlin in dem Hausarzt ihrer Gastgeber eine Reisebekanntschaft wiederfindet, und auch der Doktor ist schon beim ersten Wiedersehen nicht minder unglücklich verliebt. Nun bleibt natürlich nur eine „Scheidung" mit offenem Geständnis übrig, und statt der ge- schwindelten Ebe gibt es zum Schluß zwei Verlobungen: die sind richtig.*
Der Verfasser, Albrecht N e h r i n g, ist, wie wir im Programmheft lesen, Kapellmeister am Stettiner Stadttheater, wo dieses Stück, sein erstes, im letzten Herbst uraufgeführt wurde. Es hat den Vorzug, daß Text und Musik aus derselben Hand kommen; das spricht für eine gewisse Geschlossenheit im Aufbau und hat wohl auch dazu geholfen, die an und h".r sich magere Fabel mit Anstand über drei abendfüllende ATte zu bringen. Die Bezeichnung „musikalisches Lustspiel" soll, wenn wir es recht verstehen, eine Abkehr vom üblichen Operetten-Klischee andeuten und erscheint in Aufbau und Durchführung nicht ungerechtfertigt. Die Spielhandlung trägt im Gesamteindruck den Akzent; die Musik wirkt im wesentlichen als Vorspiel, als Einlage, als Ueber- leitung, — übrigens durch ihre Anspruchslosigkeit sympathisch. Die Partitur arbeitet mit verhältnismäßig einfachen Mitteln, will nirgends mehr schönen, als sie ist, und hält sich frei von Effekthascherei und übertriebener Originalitätssucht. Dabei ist sie gefällig zu singen, stellenweise auch in angenehmen Grenzen gefühlvoll. *
Die Aufführung war von Herrn W r e d e in
Szene gesetzt, der das Ganze auf frische Farben t
und einen munteren, unbelasteten Ton eingestellt hatte. Der Text (nach einem Roman von G. von Sazenhofen) ist allerdings gelegentlich mehr auf bewährte Schwanksituationen als auf den dezenteren Lustspielton gestimmt. Herr Löffler hatte für die kleine Konditorei des Vorspiels wie für den sommerlichen Landsitz der folgenden Bilder die freundlich angemessene Ausstattung gefunden. In die musikalische Leitung teilten sich beide Kapellmeister, die Herren Walter und Bräuer; es gelang ihnen, der schlichten Instrumentierung des Merkchens zu dankbarer Theaterwirkung zu verhelfen.
Daß der Verfasser ein Mann vom Bau ist, kam der Rollengestaltung angenehm zugute: es ist bühnenmäßig eigentlich aus jeder Figur im Personenverzeichnis ' irgendetwas herauszuholen; fast jede von ihnen steht einmal, wenn auch nur für ein paar Augenblicke, im Vordergründe, an der Rampe, in voller Beleuchtung sozusagen. Damit waren von vornherein die Grundlagen eines gediegenen Ensemblespiels gegeben, das sich in einigen rein weiblich besetzten Szenen gegen Ende besonders erfreulich entwickelte. Für Fräulein H e n ck e l l mit ihrer natürlichen Frische und ihrem Sinn für Humor war die Partie der schwindelhaften kleinen Ehefrau ein ausgemachter Erfolg. Sehr hübsch und menschlich gab Fräulein Hage- mann die mütterlich verständnisvolle Frau Margit. Fräulein F o r n a l l a z als Mädi, von unbefangener und herzlicher Verliebtheit, war die rechte Partnerin für Herrn Earl Bleeck, der als Gast den Gutsverwalter spielte: anfänglich, wohl durch die ungewohnte Umgebung, etwas gehemmt, dann, im Mittelakt und gegen Ende, merklich lockerer im Einsatz; seine ansprechenden stimmlichen Mitteln kamen im Duett ...Hell leuchtet die Sonne" vorteilhaft zur Geltung. Wilhelm Greif gab den Finanzrat beweglich und mit hübsch angesetzten komischen Pointen (Arabella-Serenade), für Frau Schubert war die tuntenhafte Tante Karla ein rechtes Paradestück; gut auch Herr Lindt als junger Doktor, Fräulein Birkmann (mit einer drolligen Episode als Hausfaktotum) und Herr Seitz.
*
Die Neuerscheinung wurde mit freundlichem Beifall entgegengenommen. — Im Foyer befindet sich zur Zeit eine Ausstellung von Gemälden des verstorbenen Gießener Malers Barthel, die wir der Aufmerksamkeit der Besucher empfehlen.
hth.
Tiere als Gymnastiklehrer.
Man hat die Katze oft als das anmutigste und beweglichste Tier gefeiert. Das Geheimnis ihrer Beweglichkeit liegt in ihren Muskeln, die sie durch beständiges Strecken unb Dehnen auf den höchsten Grad der Leistungsfähigkeit bringt. Warum sollte der Mensch in dieser Beziehung von der Katze nicht lernen! Eine englische Tänzerin Marguerite Agniel hat dies getan. Sie wurde im Alter von 20 Jahren durch eine innere Verletzung, die sie sich bei allzu eifrigen Tanzübungen zugezogen hatte, ans Bett gefesselt, und die Aerzte dachten an eiru schwere Operation, um ihr die Herrschaft über ihre Glieder wieder zu geben. Während sie so auf ihrem Schmerzenslager trüben Gedanken nachhing, fiel ihr Blick zufällig auf ihre Katze, die sich behaglich streckte und dehnte.' Da erkannte sie das Geheimnis der tierischen Körperkultur. Sie versuchte, ihrem Liebling nachzuahmen, im Bett ihre Muskeln zu spannen und zu dehnen, und durch diese Hebungen wurde sie ganz gesund. Von diesem Augenblick an widmete sie sich der Beobachtung der tierischen Bewegungen und lernte aus ihnen für ein gymnastisches System, das sie in einem Buch „Die Kunst des Körpers" auseinandergesetzt hat. „Ich bin überzeugt", schreibt sie darin, „daß die Tiere ihren Körper viel besser ausbilden als die Menschen, und wenn wir in den Naturzustand zurückkehren könnten, würden wir gewiß viel gesünder und geschmeidiger fein. Da dies nun nicht möglich ist, sollen wir bewußt das nachahmen, was die Tiere instinktmäßig tun. Ein Besuch des Zoologischen Gartens wird jedem aufmerksamen Beobachter wertvollen Unterricht für PHbesübungen bieten. Haben Sie schon mal das Gähnen eines Löwen beobachtet? Wie alauben vielleicht, daß er sich langweilt, aber er wendet das beste Mittel an, um sich frische Luft in die Lungen zu pumpen. Auch wir sollten mehr auf diese Art gähnen. Man kann von jedem Tier für die bessere Ausbildung seines Körpers etwas lernen, am meisten aber von den Mitgliedern der Katzenfamilien, die durch das Biegen und Strecken ihrer Körper ihre Muskeln trotz der Gefangenschaft elastisch halten." Wenn die Katze nach einem Schläfchen ihren Rücken zu einem Bogen krümmt und dann alle Viere von sich streckt, bis der Bauch den Boden berührt, so ist das eine außerordentlich gesunde Uebung, bei der jeder Muskel des Körpers beschäftigt wird. Fräulein Agniel führt ihre Uebun- gen am Morgen noch im Bett aus. Sie streckt Arme und Beine und krümmt das Rückgrat und drückt eg abwechselnd durch. Die nächste Stufe in der Nachahmung der TiergymnaAU ist das ^Pan-
therkriechen". Man geht auf allen Vieren, wobei der federnde, weitausgreifende Gang des Panthers nachgeahmt wird. „Auch viele kleinere Tiere geben uns wertvolle Lehren", schreibt die Verfasserin. „Die behende Anmut der Robbe im Wasser, das königliche Gleiten der großen Vögel sind Muster einer vernünftigen Leibesübung. Am aufschlußreichsten aber ist das Studium der Schlange, der man außerordentliche Biegsamkeit nicht absprechen kann, was man auch sonst gegen sie sagen mao. Wem es gelingt, gewisse Schlangenbewegungen nachzuahmen, der hat seinen Körper zur höchsten Vollendung ausgebildet ..."
Zeitschristen.
— Das neue Heft von „Volk und Reich" (Verlag Berlin W 9) ist vor allem der Tschechoslowakei gewidmet, von deren Entstehung Karl C. von Loesch ein Bild gibt, das gleichzeitig die innere Problematik dieses Staatsgebildes aufzeigt, die so stark an das Oesterreich-Ungarn in der Verfallzeit erinnert. Karten beweisen, daß die Tschechoslowakei derjenige Erbe der Habsburger Monarchie ist, der weitaus am reichsten mit Erbgut bedacht wurde. Adrian Schürer schildert im einzelnen, was den Tschechen an Bodenschätzen und Industrie zufiel, ergänzt aber diese Aufzählung durch die Darstellung der Methoden, welche beinahe zu einer vollständigen Vernichtung dieses Erbes und einer schweren Zerrüttung des wirtschaftlichen und sozialen Gefüges in den nichttschechischen Gebieten des Staates geführt hat. Georg Forsthofer entwickelt in dem Aufsatz „Rechtsgrundsätze der Staatsentstehung" die beiden Rechtsgrundsätze, die bei der Errichtung des tschechoslowakischen Staates als geistig-politische Rechtfertigung dienten, das „historische Recht" auf der einen und das „Selbstbestimmungsrecht" auf der anderen Seite, von denen das letztere ja nur unvollkommen durchgeführt wurde; er weist die Unvereinbarkeit dieser Grundsätze nach. Rudolf Fischer würdigt in einem Aufsatz „Die Entscheidung der Tschechen" die historische Wahl, die Masaryk und Benesch für ihr Volk getroffen haben, als sie es an die westeuropäische Demokratie anschlossen. Der Aufsatz zeigt ihre Gefährlichkeit und Unfruchtbarkeit für die mitteleuropäische Lebensgemeinschaft der Völker auf. Robert Boeheimb steuert einige scharf gesehene „Porträts" der tschechischen Revolutionsgeneration (Masaryk, Kramar und Benesch) bei. Wie stets sind diese Aufsätze durch wertvolle Karten ergänzt, die, zusammen mit dem reich ausgestatteten Bildteil, das Heft zu einem wertvollen Besitz machen.


