Nr. 78 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Mittwochs. April 1956
Spanische Sorgen.
Don unserem v. Gff.-Serichterstaiier.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Madrid, März 1936.
Südlich der Pyrenäen haben sich wieder einmal Wetterwolken zusammengeballt, die gefahrdrohend über dem rnnerpolitischen Kampfplatz Spaniens stehen. Seit dem 16. Februar dieses Jahres scheint s<ch für lange Zeit die politische Sonne verdunkelt zu haben. Auf der Straße, in den Kaffees, auf Karnevalsbällen und Klubversammlungen fehlt bei keiner Unterhaltung das Wort „Revolution" Die Bettler auf den Straßen, die sich übrigens wieder erschreckend vermehrt haben, sprechen mit der Reichen Selbstverständlichkeit von der ,Kursän- u™na" und dem Regierungsprogramm des „Blocks , das ihnen soviel nützliche Dinge verspricht wie die Schuhputzer und Haarschneider, die sich nach Bedarf auf die „Weltanschauung" ihres Kund-n umstellen. Jedes politische Zwiegsevräch endet mit einem langen Schweigen, weil keiner der Gesprächspartner die erlösende und abschließende Antwort findet, weil jeder Geschäftsmann, der sich in den letzten Jahren mit Mühe und Rot über Wasser halten konnte, bei dem Gedanken an die nächste Zukunft erschauert, weil jeder Beamte und Arbeiter, der in den letzten anderthalb Jahren feine Pflicht getan hat, im Ungewissen darüber schwebt, ob man ihn nicht eines Tages als reaktionär" oder „faschistenfreundlich" auf die Straße setzt, kurz, weil jeder Mensch, der ein lebendiges Glied in der nationalen Produktionskette ist, fürchten muß, daß diese gewaltsam zerrissen wird. Rur auf den Gesichtern einer bisher nur zu häufig vergessenen Menschenmasse liegt ein Ausdruck von Freude. Das Ergebnis eines absurden Wahlsystems, bei dem der Gewinner zum Unterlegenen und der Verlierer zum parlamentarischen Sieger wird, hat die zum Teil analphabetischen Massen psychologisch so beeinflußt, daß sie in Gedanken bereits den Fuß auf den am Boden liegenden Gegner setzen und nun auch seinen Skalp fordern.
Die linksrepublikanische Regierung A z a n a hat sich in der kurzen Zeit ihrer Herrschaft außerordentlich rührig gezeigt. Sie hat mit einem Eifer die Durchführung des mit den Marxisten vereinbarten Arbeitsprogramms in Angriff genommen, der nicht zuletzt feine Ursache in der notorischen Ungeduld der Massen hat. In Entschließungen von kommunistischen Massenversammlungen wird die Regierung immer wieder an- gefeuert, das Programm so schnell wie möglich in Angriff zu nehmen und den Wünschen des Proletariats zu entsprechen. Die Kundgebungen, die von den vereinigten Linksparteien veranstaltet werden, um der Siegesfreude den richtigen Ausdruck zu geben, stehen im Zeichen von Sichel und Hammer. Die republikanischen Farben verschwinden in dem Meer roter Fahnen. Frauen in roten Blusen, Männer mit roten Hemden, Kinder mit erhobenen Fäusten, Moskauer Agenten mit verzerrten Gesichtern am rot geschmückten Rednerpult, Sprechchöre kommunistischer Jugend, Galgen mit den Köpfen führender Rechtspolitlker und revolutionäre Rufe erfüllen Straßen, Theater und Stierkampfplätze. Kameraden aus Paris und Moskau feuern die Massen zum Durchhalten an, marxistische Führer brüsten sich mit dem Millionen-Bankraub in Asturien und nähren erneut den Geist, der im Oktober 1934 Tausende von Toten und Verwundeten gefordert hat. Die Polizei ist von den Straßen fast verschwunden; denn diese gehören der feiernden Masse. Die Linksbürgerlichen, die die Durchführung des „Programms" übernommen haben, vermögen sich auf der Straße nicht durchzusetzen. Die Frage ist, bis zu welchem Grade sie in der Regierung das ausführende Organ der marxistischen Forderungen werden. Wird es gelingen, die Massen im Zaum zu halten, indem man ihnen schmackhafte Gesetze verabreicht? Die Antwort wird vielleicht schon in den nächsten Wochen gegeben werden können.
Das Hauptaugenmerk der Regierung hat sich nach dem 16. Februar auf folgende Kardinalpunkte gerichtet: A m n e st i e der sozialen und politischen Gefangenen, „R e p u b l i k a n i s i e r u n g" des gesamten Be»amtenapparates, Wiedereinstellung der revolutionären Arbeiter, Beseitigung des geistlich geleiteten Unterrichtswesens und Wiederher st ellung der katalanischen Autonomie. Von diesen Punkten ist zur Zeit die Wiedereinreihung der aufständischen Arbeiter in den Arbeitsprozeß am heißesten umstritten. Schon in allernächster Zeit müssen die Folgen dieser Maßnahmen im spanischen Wirtschaftsleben in Erscheinung treten. Die katholische Zeitung „El Debate" schreibt zu diesem Problem u. a. folgendes: „Es handelt sich nicht etwa darum, aus Willkür und gegen jede Gerech- tigtkeit entlassene Arbeiter wieder einzustellen, sondern jene, die damals freiwillig und mit umstürzlerischen Absichten ihren Arbeitsplatz aufgaben, sollen heute zwangsweise wieder in den Betrieben ausgenommen werden. Das Ungeheuerliche dabei ist, daß die Organisatoren der Revolution, daß jene Leute, die gegen ihre eigenen Vorgesetzten Attentate verübten, die die Unternehmung, in der sie arbeiteten, bestahlen, die ihre Direktoren und Geschäftsführer ermordeten, von diesen Maßnahmen begünstigt werden. Wie können die von der Regierung angeordneten Entschädigungen von 39 Tagen bis zu sechs Monaten Lohn gerechtfertigt werden? Gibt es eine größere Ungerechtigkeit als denjenigen, der freiwillig seinen Arbeitsvertrag brach, auch noch dafür zu entschädigen? Und die Arbeiter, die bis jetzt in den Betrieben ihre Pflicht getan haben? Was wird aus ihnen? Die elementarste Rechtsauffassung verbietet es, sie zu entlassen. Wie können aber dann die Unternehmungen unter der Last doppelter Löhne und der Entschädigungen weiter bestehen? Die Regierung hat einen sehr gefährlichen Schritt getan, denn sie schmiedet sich eine zweischneidige Waffe, die ihr selbst das Leben kosten kann." — Aehnliche Kommentare sind in den Zeitungen bis zur republikanischen Mitte zu finden. Das von der linksrepublikanischen Regierung in Erfüllung der mit dem Marxismus eingegangenen Versprechungen verfaßte Gesetz steht ohne Beispiel in der Geschichte da. Die ganze Tragweite dieser Maßnahmen geht aus einem Fall in Barcelona hervor, wo ein junger Fabrikbesitzer dazu gezwungen wurde, den Mörder seines Vaters wieder in Arbeit zu nehmen. Dieser Verbrecher, der in den Augen der kommunistischen Massen ein Held ist, hat außerdem noch das Recht, für fein vorübergehendes Ausscheiden aus der Fabrik eine „a n - gemessene" Entschädigung zu verlangen!
Die Ankündigung des Untecrichtsministers, daß
noch im Laufe dieses Jahres die geistlichen Lehrkräfte durch 5 3 0 0 weltliche ersetzt und die von Ordensschwestern geleiteten Schulen geschlossen werden müssen, hat in weiten Kreisen der spanischen Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung heroorgerufen. Man wirft dem Ministerpräsidenten 21,3ana vor, daß er mit derartigen Maßnahmen, zu denen ihn nicht einmal das Regierungsprogramm verpflichte, gegen das in seiner An- trittsrede gegebene Versprechen zum inneren Frieden verstoße. Die Aeußerungen Azanas, daß er „keinen Schritt zurückweichen" werde, und daß das „Programm nur einen Teil der eigentlichen Ziele" enthalte, lassen darauf schließen, daß auch auf kirchlichem Gebiet mit den Maßnahmen des Unterrichtsministers noch lange nicht das letzte Wort gesprochen ist.
Das katalanische Problem wird ebenfalls schon in der allernächsten Zeit mit seiner ganzen Unerträglichkeit wieder zu dem innerpolitischen Sorgenkomplex Spaniens gehören. Nachdem der Staatsgerichtshof das Gesetz vom 2. Januar 1935, durch welches das katalanische Autonomiestatut wegen der Ereignisse vom Oktober 1934 aufgehoben wurde, für verfassungswidrig erklärt hat, sind die Selbstoerwaltungsrechte mit sofortiger Wirkung und in vollem Umfange wieder an die Regierung Kataloniens Übergegangen. Das heißt also, daß diejenigen Männer, die die Einheit des spanischen Vaterlandes zu zerschlagen versuchten, heute d i e gleiche Politik wieder aufnehmen dürfen, die im Jahre 1934 zur Katastrophe geführt hat. Der Präsident der Generalidad Companys, hielt bei der Amtsübernahme von demselben Balkon eine Ansprache an die „katalanischen Brüder und Schwestern" wie am 6. Oktober 1934, als er von der gleichen Stelle aus die spanische Föderativrepublik und das „Freie Katalonien" ausrief.
Es liegt in dieser Entwicklung der Dinge für Spanien eine tiefe Tragik. Derselbe Mann, der in der berühmten Ausstanbsnacht in Barcelona mit zitternder Stimme die Bevölkerung immer wieder
aufforderte, zu den Waffen zu greifen und gegen die Regierungstruppen zu kämpfen, wird nach 16 Monaten aus dem Zuchthaus entlassen und zieht im Triumph unter dem Gesang der Internationale, der katalanischen „Nationalhymne" und im Zeichen von roten Fahnen und erhobenen Fäusten wieder in seinen Regierungspalast ein! Zwei politische Bewegungen, die an und für sich grundsätzlich verschiedene Ziele verfolgen, reichen sich die Hand: der Separatismus, der aus Katalonien einen selbständigen Staat machen will, und der Marxismus und Anarchosyndikalismus, dem kein Land Vaterland ist. Die große Masse der Arbeiter in Katalonien ist aus der Levante, Aragon und Kastilien und hat an den autonomistischen Zielen der Regierung Companys und der fanatischen „Ka- talanist'en" kein Interesse. Diese anarchosyndikalistische und marxistische Arbeiterschaft jubelt Companys nur zu, weil sie in ihm den revolutionären Gedanken verkörpern sieht, nicht aber, weil er der Held der katalanischen Selbständigkeitsbestrebungen ist. Auch der begeisterte Empfang der aus dem Zuchthaus entlassenen Regierung in den Städten und Dörfern Kastiliens, wo von einer katalanischen Bewegung nicht im entferntesten die Rede sein kann, läßt sich nur mit den eben angeführten Gründen erklären.
Die ganze Hoffnung des nationalen Spaniens klammert sich in diesen Stunden an den einst so verfemten Ministerpräsidenten A z a n a. Wird es ihm gelingen, den nach Revolution drängenden Strom aufzuhalten, wird er stark genug sein, die Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten und das bereits stark gefährdete wirtschaftliche Vertrauen wiederherzustellen? Es wird in den Rechtszeitungen häufig darauf hingewiesen, daß Azana als Linksbürgerlicher ebensowenig mit dem Marxismus gemeinsam habe wie irgendeine andere bürgerliche Partei der Mitte oder von Rechts. Die nächsten Wochen werden bereits die Antwort darauf geben und zeigen, ob der Wille zur Errichtung des Dammes gegen die rote Flut stark genug ist.
Ausmusterung politischer Leiter.
im
Im Sitzungssaal des Berliner Rathauses nahm Reichsorganisationsleiter Dr. Ley die erste Ausmusterung von 38 Politischen Leitern des Gaues Groß-Berlin vor, die in einer zweijährigen Ausbildungszeit auf der Ordensburg Vogelsang in der Eifel für neue Führeraufgaben vorbereitet werden. Dr. Ley richtete an die Auserwählten eine Ansprache, in der er heroorhob, daß sie vor- und nachher keine Examina abzulegen brauchten, die Ordensburg stehe jedem Parteigenossen offen. Er müsse im Arbeitsdienst und in der Wehrmacht feinen Mann gestanden haben und sich als Politischer Leiter oder in einer Parteigliederung betätigt haben, um den Beweis zu erbringen, daß er sich nicht gescheut habe, ehrenamtlich für die Gemeinschaft zu arbeiten. Wir beginnen damit eine r e - volutionäre Tat, so sagte Dr. Ley, wir öffnen mit den Ordensburgen das Tor zu den höchsten Aerntern, die selbst denen nicht offenstehen werden, die durch die Universitäten gehen, sondern in Zukunft nur von Männern be
setzt werden, die ihre Jahre in den drei Ordensburgen der NSDAP, in Vogelsang in der Eifel, am Grössinsee in Pommern und in Sonthofen im Allgäu gelebt und sich geformt haben. Die Weltanschauung des Nationalsozialismus wird dort exerziert werden, und daneben wird ihnen alles geboten, was sie zur Erfüllung der hohen und schweren Aufgaben brauchen. Vorläufig wird die Ordensburg Vogelsang im Mai von 500 Auserwählten bezogen; die drei Burgen, die mit allen Errungenschaften der Jetztzeit erstellt worden sind, können je 1000 Volksgenossen aufnehmen, so daß schon heute der Führernachwuchs für die NSDAP, als gesichert gelten kann. Später finden für die Männer, die als hauptamtliche Kräfte der Partei angestellt werden, noch Ergänzungskurse statt, und sie werden immer unter der besonderen Obhut der höchsten Parteistellen stehen. — Reichsorganisationsleiter Dr. Ley nahm dann persönlich durch Fragestellung die Auswahl vor. — (Presse- Bild-Zentrale-M.)
Kamps um Gestalt und Slil des deuWen Menschen.
GinGespräch mit Hans Gchweiher-Mjölnir, „ifteichsbeaustragtemfürkünfflerischeFormgebung"
Mancher wird vielleicht kopfschüttelnd fragen: „Künstlerische Formgebung? — was soll das eigentlich sein?", um sich bann bei dem Gedanken zu beruhigen, daß das ihn sicherlich gar nichts angehe. Allein, das wäre eine recht falsche Auffassung. Künstlerische Formgebung greift unmittelbar in das tägliche Leben ein und begegnet jedem von uns auf Schritt und Tritt, fei es, daß er an einem Amtsgebäude die Embleme des Staates sieht oder eine Briefmarke aufklebt. Immer haben wir es mit etwas zu tun, was „geformt" fein muß. Und da viele dieser Dinge uns unzählige Male vor Augen kommen, zu unfern täglichen Eindrücken gehören, so geht auch ein zwar unbewußter aber nachhaltiger Einfluß auf das allgemeine Formgefühl des Menschen von ihnen aus. Es kann daher nicht gleichgültig sein, wie die Formung dieser Dinge beschaffen ist. Auch sie müssen in Einklang stehen mit der Gesamthaltung eines Volkes, die sich in großen wie in kleinen Dingen ausdrückt. In diesem Sinne etwa sprach sich Hans Schweitzer, der Reichsbeauftragte für künstlerische Formgebung, über die allgemeinen Gesichtspunkte aus, unter denen seine Tätigkeit gesehen werden muß, um bann sortzufahren:
„Vor allem wirb meine Tätigkeit bort einzusetzen haben, wo bie Formgebung als 2l n s - bruckbes Staates unb seiner inneren Haltung
angesehen werben muß, wie in ber Gestaltung ber nationalen Symbole. Uniformen, Siegel unb Münzen sollen schon in ihrem Aeußeren zeigen, wes Geistes ber Staat ist, besten Hoheitsabzeichen sie tragen. Das ist von größter weltanschaulicher unb erzieherischer Bebeutung, nicht nur unserm eigenen Volke gegenüber, sonbern auch im Hinblick auf bas Auslanb, bas burch überzeu- genbe Leistungen am besten von feiner zwei- felnben ober unfreunblichen Haltung bem nationalsozialistischen Deutschlcmb gegenüber angebracht werben kann. Nehmen wir etwa eine Briefmarke — eine belanglose Kleinigkeit, könnte man meinen. Aber in Hunberttausenben von Exemplaren geht sie in bie ganze Welt hinaus unb erzählt braufeen von Deutschland. Es ist nicht gleichgültig, ob sie bies in einer unseres Volkes roürbigen Weise tut ober nicht. So reihen sich Kleinigkeiten an Kleinigkeiten, im Ganzen aber genommen kommt etwas sehr Wesentliches heraus, nämlich bafe bie innere Haltung sich auch in ber äufeeren Formgebung klar unb unverkennbar ausbrückt."
Voller ßebenbigfeit beginnt nun Hans Schweit- zer zu erzählen, wie er selbst in ben Kampfjahren zu seinem „Stil" gekommen ist, aus bem innersten Erleben bes Nationalsozialismus heraus, in harter Auseinanbersetzung mit ben feindlichen Ideen, die es auch im Bild zu
schlagen galt. Der Kämpfer unb ber Künstler kommen hier gleichermafeen zu Wort.
„Daß ich von biesem kämpferischen Geist nichts aufgeben werbe, brauche ich nicht zu betonen. Zwar ist vom Gegner jetzt nicht mehr viel sichtbar, aber bie Spuren, bie bie hinter uns üegenbe Zeit auch in ber Formgebung — ober es wäre richtiger zu sagen, in ihrer Formzerstörung — hinterlassen hat, finb nach nicht völlig ausgelöscht. Alles hängt ja zusammen, bas Politische wie bas Künstlerische, unb ber Blick muß stets auf bas Ganze gerichtet bleiben. Auch bie Kunst ist nur ein Teil ber kulturellen Gesamtäußerung eines Volkes, unb zwar kein für sich allein unb eigenen Gesetzen folgenber Teil, sonbern auf engste mit bem Werben bes Ganzen oerbunben, passiv, inbem sie aus ber geistigen Haltung herauswächst, aktiv indem das so Geformte wieder zurückwirkt auf das Werdende. So ist auch die Kun st eine Waffe im Kampf des Volkes um fein Wesen, um seine feste unb echte Prägung. Auch ein Volk muß seine eine gültige Form haben, wenn es im Kampf mit der Umwelt bestehen bleiben soll. Diese Form wächst orga» nisch aus der Gesamthaltung heraus unb äußert sich auf allen Lebensgebieten. Die Kunst ist aber eine ganz hervorragenbe Ausbrucksart ber inneren Haltung bes Volkes, unb baher muß in ihr bie nationalsozialistische Weltanschauung rein unb echt erhalten sein.
Nehmen wir einmal künstlerische Formgebung in ihrem weitesten unb tiefsten Sinn, so will bies nichts anberes bebeuten, als baß wir um bas „I n • Form-bringen" eines g a nz e n Volkes, unseres beutfchen Volkes kämpfen. Die weltanschauliche Wanblung, bie unser Volk erfaßt hat, muß sich ja auch im Aeußeren auszubrücken beginnen, muß sich verkörpern im wahrsten Sinn bes Wortes. Unb so ist es nicht nur ein innerlich bem Geist nach neuer Mensch, ber in Deutschlanb ersteht unb ber bazu berufen ist, ber Typ „bes Deutschen" zu werben, sonbern auch ein bem körperlichen Aussehen nach anberer, sportlich, straff, voll „Haltung" in jeber Hinsicht. Dann wirb ber Deutsche auch einen Begriff barstellen, so wie heute ber Franzose unb ber Eng- länber einen sesturnrissenen Typ barstellt. Bis jetzt stellte ber Deutsche selbst sich wie ben anberen Völkern nichts Einbeutiges, Formhafte bar, war ben anbern kein Begriff, wenn wir biefen Ausbruck wieberholen bürfen.
Warum mußte ber Deutsche immer seine Vor- bilber für eine formvolle Haltung aus bem Aus- lanbe holen, aus Frankreich, aus Englanb? Wie beschämenb ist es, in unserem täglichen Sprachgebrauch auch heute noch immer unb immer wieber auf biefe Unselbstänbigkeit zu stoßen! So sagen wir: „Das ist ein Kavalier", wobei wir freilich gerabe an biesem Beispiel schon erkennen, baß bas französische Vorbilb im Verblassen ist unb — ein beut- liches Zeichen nachlassenber Wirkung — bereits ins Zweibeutige hinüberspielt. Aber bas englische Vorbilb ist noch in voller Kraft. Dies anzuerkennen, ist nur „fair" wäre heute noch ber übliche Ausbruck für eine solche Haltung. Das finb natürlich nur ein paar Beispiele, bie mir gerabe in ben Sinn kommen. Aber sie zeigen recht gut unb einbringlich, wie entfernt noch bas beutsche Volk von einem eigenen, seinem Wesen wirklich entsprechenben Stil ist, einem Stil, ber alles burchbringt, ber in ber geistigen und körperlichen Haltung zum Ausbruck kommt unb ber alle Lebensäußerungen von ber kleinsten Kleinigkeit bis zur wichtigsten Staats- hanblung burchbringt. Formgebung in biesem ganz großen Sinn genommen muß immer ber leitenbe Gebanke auch bei allen kleinen Einzelheiten sein. Dann nur kann biefes höchste Ziel erreicht werben."
Freilich, in ber Praxis erfolgte bie Annäherung an biefes Fernziel nur langsam unb Schritt vor Schritt, fügte Hans Schweitzer lächelnb hinzu. Da gelte es Einzelheit um Einzelheit zu erledigen, oft geringfügig an sich, unb boch ein Steinchen in bem großen Bau. Als eine solche einzelne Aufgabe sei etwa bie Zerstörung bes falschen Bil- bes vom Deutschen zu betrachten, bas so verhängnisvoll gewirkt hat. Er benke habet nicht nur an bas Hetzbilb bes Krieges, ben „Boche“, bas heute noch immer wieber im Auslanb auftauche, unb feiber feine Wirkung tue, sonbern auch an unsere eigenen Witzblätter, bie bas Bilb bes „Deutschen Michels" allmählich aufgeben sollten, bas völlig unzeitmäßig unb überholt sei unb nur einen ganz falschen Einbruck vom beutschen Volk erwecke. So gäbe es noch unzählige Erscheinungen, auf bie oft gar nicht geachtet werbe, sei es aus Gleichgültigkeit, fei es aus Unverstänbnis. Hier wenigstens in künstlerischer Hinsicht Wanblung zu schaffen unb fein Teil bazu beizutragen, bafe bie nationalsozialistische Haltung bes neuen Deutschlanb in ber künstlerischen Formgebung unverfälscht zum Ausbruck komme, bas betrachte er als feine große hestige Aufgabe.
„Daß bies alles nicht von heute auf morgen er-
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