Ausgabe 
31.12.1935
 
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Dienstag, 5t. Dezember 1935

185. Jahrgang

Mr. 304 Erstes Blatt

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MW Seneral-Anzeiger für Sberhessen WM-

jrannuÄ'main 11686 Druck und Verlag: vrühl'sche Univerfitätrvuch- und Stdnöruderd «.Lange in Stehen. Schriftleitung und SeschästLftelle: Schulstrahe 1 M-ngenabschiüsieStaffel8

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Nationen gleichen Rechtes wirklich produk­tiv in Angriff zu nehmen. Deutschland hatte den Weg in eine bessere Zukunft nicht versperrt, son­dern weit geöffnet. Daß dieser Weg gangbar war, daß Deutschland ihn zu gehen entschlossen und be­reit war, erwies bald darauf das deutsch-eng­lische Flottenabkommen vom 18. Juni.

salität erhob, wurde sein praktischer Geltungsbereich immer enger. Amerika, das dem europäischen System schon längst nur mit vielen Vorbehalten zuzurechnen war, zog sich im Zuge seiner neuen Neutralitätspolitik mehr und mehr auf sich selbst zurück. Nichts ober erwies das Fehlen eines die Erde umfassenden, bindenden Ordnungssystems mehr als die Entwicklung in Asien. Der rück­sichtslose und zielbewußte japanische Vormarsch in Fernost ging geradezu von der zutreffenden Voraussetzung aus, daß der europäische Kontinent nicht mehr in der Lage war, auf Ostasien emzuwir- ken. Die Unabhängigkeitserklärung der fünf nord- chinesischen Provinzen, die Fortführung der mit dem Mandschurei-Unternehmen eingeleiteten Aktion der Aufteilung Chinas, um dann mit den neu- gebildeten Staaten ein unter japanischer Führung stehendes Systems zu schaffen, das alles stellt sich als die Verwirklichung eines wohlüberlegten Planes dar, dem japanischen Volk neuen Lebens­raum zu schaffen und das Schicksal einer ganzen Rasse neu zu gestalten.

Ernstlicher Widerstand ist nicht in Erscheinung ge­treten. Rußland droht, aber handelt nicht. Amerika hat seinen Willen zur Zurückhaltung fungetan, England ist im Mittelmeerbecken ge­bunden. Ungehemmt baut Japan an einem asia­tischen Weltreich, an einem ostasiatischen Staaten­system, das Europas Vorherrschaft nicht mehr lange anerkennen wird. Währenddessen befindet sich Eu­ropa in einem Zustand der Gärung und Selbstzer­fleischung, in grellem Licht die Verantwortung jener beleuchtend, die im Weltkrieg, in den Frie­densdiktaten, im Völkerbund die Voraussetzungen für diese Entwicklung schufen.

Es wird die Aufgabe der jungen und gesunden europäischen Kräfte sein, durch die Entwicklung einer neuen zwischenstaatlichen Ordnung der Anarchie auf dem alten Kontinent und der Entthronung der weißen Rasse in der Welt oorzubeugen und das europäische Schicksal doch noch zum Guten zu wenden.

Teilnehmer einer KdF.-Urlaubsfahrt in das Berch­tesgadener Land hatten das Glück, auf dem Ober- salzberg vom Führer empfangen zu werden. (Scherl-Bilderdienst-M.)

einigten; der 24. Februar, an dem die feierliche Vereidigung der politischen Leiter der NSDAP, stattfand; der 3. November, an dem mit einer An­sprache des Führers das Richtfest der Bauten der Bewegung am Königsplatz in München gefeiert wurde und schließlich der 12. Jahrestag des Marsches zur Feldherrnhalle am 8. No­vember. An diesem Tage wurden die 16 am 9. No­vember 1923 Gefallenen in der Feldherrnhalle feierlich aufgebahrt und am 9. November in die neuen Ehrentempel am Königsplatz übergeführt, wo sie von diesem Tage anEwige Wache" für Deutschland halten.

Eine über alle anderen Ereignisse hinausragende Bedeutung gewann im verflossenen Jahr d i e Wehrpölitik des Führers, der mit der Schaf- fung des neuen Volksheeres dem Vaterlands end­lich die ersehnte Freiheit und Waffenehre zurück- gab. Schon am 10. März gab Reichsluftfahrt- Minister Göring in einer Unterredung mit dem englischen Journalisten Ward Price die Schaf­fung einer deutschen Luftwaffe bekannt. Wenige Tage später am 16. März folgte dann die Verkündung der allgemeinen Wehr­pflicht, das Gesetz über den Aufbau der Wehr­macht und eine Proklamation der Reichsregierung an das deutsche Volk. Don diesem Datum an wurde unermüdlich und zielbewußt an der deutschen Ver­teidigungsrüstung weiter gearbeitet. Als Zeichen des Dankes für die Befreiertat Adolf Hitlers über­gab die SA. dem Führer an feinem 46. Geburts­tag das JagdgeschwaderHorst Wessel". Arn 21. Mai wurde das deutsche Wehrgesetz ver­kündet, am 1. Juni erschien die erste Verordnung über Musterung und Aushebung 1935. Am 9. Juli gab die Reichsregierung das deutsche Flotten - bauprogramm 1934/35 bekannt, und am 26. September wurde die erste neugebildete U-Boot- Flottille in Kiel auf den NamenU-Boot-Flottille Weddigen" getauft. Es folgte schließlich am 15. Okto- ber die Eröffnung der neuen deutschen Kriegs­akademie und am 7. November die erste Rekrutcn- oereibigung in der neuen Wehrmacht. Dabei flat­terte zum ersten Mal die neue Reichskriegsflagge, die das Sinnbild der deutschen Erneuerung, das Hakenkreuz, mit den alten Farben schwarz-weiß- rot vereinigt, über den Gebäuden und Schiffen der Wehrmacht. So schmiedete der Führer zum Schutze unseres Volkes das starke Schwert, das für immer jede gewaltsame Störung unserer friedlichen Aufbauarbeit verhindern wird.

Die Reichsbildung und Reichsreform nahmen zu Beginn des Jahres einen verheißungs­vollen Anfang mit der triumphalen Rückkehr des Saarlandes in das Deutsche Reich am 1. März. Nachdem schon am 1. Januar die Vereinigung des Reichs- und Preußischen Landwirtschaftsministe- riums stattgefunden hatte, wurde die Reichsreform fortgeführt mit dem Erlaß des Reichsstatthalterge- setzes und der Gemeindeordnung am 24. Januar, mit der Vereinigung der Forstämter des Reiches und Preußens am 22. März, mit der Uebernahme der gesamten deutschen Rechtspflege durch das Reich am 1. April und mit der Beseitigung aller Grenz­pfähle an den deutschen Binnengrenzen im Oktober. Auf dem Gebiete des Erziehungswesens sorgten verschiedene Verordnungen für eine zeitge-

ler-M ß. Kleinhi ihofstraße 61.

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So tief hat sich ins Bewußtsein des deutschen Volkes die Vorstellung von einer nationalen und zugleich sozialistischen Ordnung des Reiches ein­gegraben, so sehr hat die Idee Adolf Hitlers des deutschen Menschen Herz und Hirn erfüllt, daß es manchen Volksgenossen fast wie ein Wunder er­scheinen mag, wenn jetzt mit dem Klang der Neu­jahrsglocken erst das vierte Jahr seit der gro­ßen Zeitenwende eingeläutet wird. Bis zum Ber­sten gefüllt mit Arbeit, mit revolutionären Ge­danken und neuen Hoffnungen, mit politischer Ak­tivität und seelischer Spannung war jeder Tag des Dritten Reiches. So sehr war alles edle Sehnen und Streben der Gegenwart zugewandt, daß gerade die jüngste Vergangenheit immer mehr in Vergessenheit geriet und aus dem Gedächtnis des Volkes ver­schwand. Es geht im Leben der Völker Gott fei Dank ebenso wie im Leben des einzelnen Men­schen: man vergißt die schlechten Tage und behält die guten. Trotzdem ist es nützlich, von Zeit zu Zeit die Vergangenheit in der Erinnerung wachzu­rufen, um am Tiefstand von einst die Höhe von heute zu messen. Dabei wird dann erst das ganze Wunder der deutschen Erhebung sichtbar, und der Gedanke an die Schnelligkeit, mit der sich dieser Aufstieg vollzogen hat, benimmt uns fast den Atem. Unser Blick, meist durch die kleinen Sorgen des Alltages allzu sehr in Anspruch genommen und abgelenkt, öffnet sich frei der großen Linie der Ent­wicklung, dem einmaligen Geschehen dieses Zeit­alters, erkennt klar und scharf die Züge der Wand­lung, von der Gehalt und Gestalt unseres Daseins ergriffen wurden. So bildet sich gerade in der Stunde der Besinnung am Altjahresende aus solcher Rück­schau ein neuer persönlicher Wille zum tätigen Le­ben, zum Einsatz für die hohen Ideale der völkischen Gemeinschaft, zur Behauptung unserer Ehre und Wahrheit.

Welcher Art aber sind die neugeschaffe­nen Fundamente, auf denen wir in Zukunft weiterbauen wollen? Uebersieht man den Gang der Ereignisse feit der nationalsozialistischen Macht­übernahme und will man das Ergebnis dieser brei Jahre in wenigen Worten zusammenfassen, so kann wohl 1933 als das Jahr der Erhebung, 1934 als das Jahr der inneren Festigung und 1935 als das Jahr der äußeren Befrei­ung gekennzeichnet werden. Die Entwicklung ging also wie bei jedem gesunden und natürlichen Wachstum von innen nach außen, von der Wurzel ,3um Stamm, vom Samen zur Blüte. Aber so sehr das abgelaufene Jahr im Zeichen der sicht­baren Machtentfaltung, der Wiederherstellung un­serer Weltgeltung und der außenpolitischen Erfolge stand, so sehr wuchs auch die innere Kraft des Rei­ches, die ja erst die Voraussetzung für eine Ver­besserung der internationalen Stellung Deutsch­lands bildet. Von dieser inneren Kräftigung der Nation soll deshalb hier die Rede sein. Da ein Zeitungsaufsatz kein 500-seitiges Geschichtsbuch er­setzen will, sollen nur an den wesentlichsten Be­gebenheiten des Jahres die Stationen des völki­schen Aufbruchs markiert werden.

Die in den beiden ersten Jahren des Wiederauf­baues hergestellte Einheit von Partei und Staat war bestimmend für alle Ereignisse und Werke des Jahres 1935. Einen symbolhaften Ab-

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ren Verzehrte welche zur igen. Ab heu' Lltlich.

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Veltpolitik im Umbruch.

Don Or. Hans von Malottti.

Die Politik dieser Jahrzehnte kreist um das Ver- [|«i i 11 e r Diktat. Der Kampf für und gegen das ion den damaligen Machtstaaten gesetzteRecht" libt ihr das Gepräge, und von seinem Ausgang längt das Schicksal dieser und kommender Genera- lonen ab. Wollen wir vom deutschen Standpunkt (iiu5 das Geschehen des sich neigenden Jahres zu er= taffen suchen, so ist deshalb zunächst nach dem Fortschritt zu fragen, den die Auflösung der Versailler Welt gemacht hat. Diesen Maß- fiab anlegen, heißt die besondere Bedeutung des wahres 1935 erkennen. Denn wie kaum zuvor in Lr Nachkriegszeit ist dieser Auflösungsprozeß ge- nbe in dem jetzt ablaufenden Jahr gefördert i n b beschleunigt worden.

Daß der eine entscheidende Anstoß von Deutsch- In n b kam, spricht nicht nur für bie Erstarkung ber Rutschen Position, beleuchtet nicht nur die geschicht­liche Tatsache, daß Deutschland aufgehört hatte, das r»cl)rlofe Objekt fremder Interessen abzugeben. Jn- leih Deutschland den Kamps für seine Gleichberechti- ( mg nicht unter dem engen Gesichtspunkt egoistischer !»tachtpolitik, sondern unter dem produktiven Aspekt fner allgemeinen Notwendigkeit führte, wurde Le deutsche Politik zugleich zum erfolgreichen Vor- Inmpfer einer neuen, gerechteren Lebensordnung ler Völker.

toages bezahlt werden.

Weder mit der Rechtslage noch mit den Inter- eifert Deutschlands war eine solche Zielsetzung zu d reinbaren. Der Teil V des Versailler Vertrages hutte seine Rechtsverbindlichkeit infolge der Nicht­eifüllung durch die anderen Vertragspartner ver­loren. Die Aufrüstung dieser hochgerüsteten Staaten fingerte sich zudem unaufhaltsam. England kündigte im Frühjahr wesentliche Rüstungsvermehrungen an. Oianfreid) führte mit der Regierungserklärung vom V. März die zweijährige Dienstzeit ein, Sowjet- rt ßland schuf eine Millionenarmee. Die Reichsreaie- r ng zog aus dieser Entwicklung nur die logische Folgerung, als sie am 16. März den Vertrags- d rzug der Gegenseite feftftellte, den Umfang der ; r Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung g troffenen Maßnahmen aufzeigte und die 2V i e - hsreinführung der allgemeinen Wehr- glicht antünbigte. Deutschlanb war militärisch nieber Großmacht geworben. Das Vakuum, bas k2Yfai(le5 burch bie einseitige deutsche Entwaffnung ir der Mitte Europas geschaffen hatte, war beseitigt. (Uropa hatte die Chance, feine natürliche Struk­tur wiederzugewinnen und politisch zu gesunden. 'Üben diesen Tatsachen waren die Protestnoten ber I estmächte, bie Anrufung des Völkerbundes durch st-ankreich, dieVerurteilung", die der Rat am 17. 2bril, unmittelbar nach ber Strefaer Konferenz, in aLer Form aussprach, leere Formalien. Denn bie Srotzmachtstellung Deutschlanbs war eine täglich ii rksame Tatsache; bie Noten unb Proteste blieben a rkungslos vor allem, weil sie ber rechtlichen mb' moralischen Funbierung entbehrten. Sie be- j.ugten nur bas mangelnbe Verstänbnis für bie unsren Aufgaben der Zeit.

Daß die Wiederherstellung ber Deutschlanb ge- hrenden Position bei aller unbeugsamen Ent- ici(Offenheit ein Akt bes Friedenswillens irnr, weil sie auf der Grundlage ber Gleichberechti- g ng Verstänbigung forberte unb mit einem konstruk- tiien Friebensprogramm verbunden war, bewies U große Rede Adolf Hitlers vom 21. Mai. Ihre r-qmeifenbe Bebeutung lag in ber Beweisführung, kfa bie Großmachtstellung Deutschlands fein Eie- rmt ber Beunruhigung darstellt, sondern einem faktischen Bedürfnis ber internationalen Politik ^spricht; lag in ber Klarstellung, daß nun erst d Möglichkeit geschaffen war, alle drängenden ßdtfragen in einer klaren Atmosphäre zwischen

auch mit England zu handeln. Geheime Abreden lagen vor; aber sie waren zu allgemein, schlossen Mißverständnisse nicht aus. Der Widerstand des Ne- gus kam hinzu. Anders als die drei Mächte zu Beginn des Jahres gedacht hatten, nahmen die Dinge ihren Lauf. Zwischen Völkerbundstreue und Rücksichtnahme auf den Partner von Strefa schwan­kend, waren Frankreich und England in vieler Hin­sicht die Gefangenen des von ihnen für ganz andere Zwecke geschaffenen Systems. Dazu kam die deprimierende Erkenntnis, daß die Genfer Methodik der Krieasabkürzung und Friedensstif­tung nur die Gefayr eines noch größeren Kriegsbrandes heraufbeschwor. Aus dieser Erkennt­nis erwuchsen im Dezember die Friedensvorschläge Lavals und Sir Samuel Hoares. Naturgemäß nicht in der Lage, den Kolonialimperialismus des Duce mit den Genfer Grundsätzen gebietlicher und politi­scher Unantastbarkeit zu vereinen, waren sie doch symptomatisch unb grunbsätzlich bebeutfam: sie ber­gen in sich bas Eingestänbnis, baß mit ber Genfer Methobik bie europäischen Probleme nicht schöpfe­risch unb nach ben Grunbsätzen eines natürlichen Rechtes zu lösen waren. Gleichviel, welchen Notbe­helf eine vielgewanbte Diplomatie auch ersinnen mag, bie Tatsache, baß bie Versailler unb Gen­ferOrdnung" von ihren Urhebern selbst erschüttert und in Frage gestellt wird, ist nicht zu leugnen und wird in jedem Falle ihre Wirkung haben. Welche Folgerungen England und Frankreich aus dieser Entwicklung ziehen, ob sie sie als notwendi­gen Grsundungsprozeß begreifen ober ob ein noch tieferer Absturz in bie nackte Bünbnis- unb Allianz­politik zur Erhaltung ber Machtlage von 1919 bie Folge fein wirb, biefe Frage wirb in bas neue Jahr hinübergenommen.

Weltpolitisch gesehen, ift (Europa im Jahre 1935 in einen Zustanb zunehmenber Zersplitterung unb Ohnmacht gesunken. Der Führungsanspruch des alten Kontinents ging über bie Unfähigkeit, ein fo- libes und tragfähiges europäisches Gemeingefühl als Waffe im interkontinentalen Lebenskampf em- zufetzen, mehr und mehr verloren. Während der Völkerbund den theoretischen Anspruch auf Univer-

DasZahr der Befreiung.

Deutschlands innere Entwicklung am Tag der Jahreswende 4935/36

schluß fand biefe der völligen Verschmelzung von Reichsführung und Volksführung nahegebrachte Entwicklung mit dem Reichsgesetz vom 5. Novem­ber, durch das die Hoheitszeichen der NSDAP, zu Hoheitszeichen des Reiches erklärt wurden. Alles, was geplant, geschaffen und erreicht wurde, war das Werk der nationalsozialistischen Bewegung und ihres Führers. So wurden die besonderen Veranstaltungen und Feiern der NSDAP, zu glanzvollen Höhepunkten des Jahres. Der vollendet­ste Ausdruck der Einheit von Partei und Staat war derParteitag der Freiheit", der nicht nur eine Heerschau der politischen Bewegung, sondern auch, wie die Teilnahme des Reichsarbeits­dienstes und des neuen Reichsheeres sowie die hi­storische Reichstagssitzung in Nürnberg zeigte, ein kraftvoller und bedeutender Ausdruck der Staats­hoheit war. Feslliche Tage, die von der Partei gestaltet wurden, waren auch ber Jahrestag der nationalsozialistischen Erhebung, an dem 50 000 Betriebsappelle die ganze arbeitende Nation ver-

Jnzwischen hatte das europäische System Ver­sailler und Genfer Herkunft auch von einer anderen Seite her eine Erschütterung erfahren, die nach Ursprung und Verlaus absolut neuartig war: der Abessinienkonflikt, noch zu Beginn des Jahres in ber Form lokaler Grenzzwischenfälle we­niger beachtet, entwickelte sich nach vergeblichen Schlichtungsversuchen zu einem überaus belifaten Problem, bas an bie Grunbfesten bes aeltenben Rechtes rührte. Neuartig war, baß eine Der Ver­sailler Siegermächte, von ihrem kolonialen Aus- dehnungsbrang her, biefe Erschütterung verursachte, baß bie eben noch in Strefa bekräftigte Solibantät ber Westmächte ins Wanken geriet; neuartig war schließlich bie zwar späte, aber boch ernsthafte M o - bilifierung des Völkerbundes gegen ein<^ feiner Gründungsmitglieder, gegen die Groß­macht Italien. Zwar berief sich auch Italien auf das geltende Recht, bemühte es sich, seinem Vor­gehen jeden revisionistischen Anschein zu nehmen. Aber praktisch lag doch ein Akt des Revisionismus vor, der vor allem britische Weltreichsinteressen be­rührte. England reagierte in seiner Eigenschaft als Völkerbundsmitglied und mit ungeahnter Ener- gie schritt die Genfer Instanz zur Verurteilung Italiens als Angreifer, wurde unter englischer Füh­rung die Sanktionsmaschine zum ersten Male in Bewegung gesetzt. Damit wurde die weltpolitische Bedeutung sichtbar, die der schlichte Platzwechsel zwischen Macdonald und Baldwin im Juni gehabt ^Solche Folgen hatte Laval nicht bedacht, als er am 7. Januar in Rom mit Mussolini jene (Eini­gung in der Kolonial- unb Flottenfrage erzielte, die bie Quelle aller späteren Uneinigkeiten werben sollte. Mussolini selbst glaubte, im Einverständnis

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;|tr a g e unter dem _ , , , toonalen wie ber allgemeinen Interessen war 1 eutschlanb nach wie vor bereit. Während die eng­lische Politik, von zunehmenden Zweifeln an der D ichtigkeit des Versailler Werkes geplagt, sich all- k ählich anschickte, ben Tatsachen ins Gesicht zu Den, reagierte Frankreich gänzlich negativ, 'jiaris sah keine andere Aufgabe, als eine Einheits- fiont gegen das erstarkende und fein Recht ver- 1 ngenbe Deutschland aufzurichten. In den Fuß- fipfen seines Vorgängers Barthou fetzte Laval zu beginn des Jahres das Spiel der diplomati­schen Einkreisung Deutschlands in Rom, Icondon und Moskau fort. Die Binduntz Englands H Londoner Februarprotokoll, bie Einbeziehung fallens in biefe antibeutsche Front in Strefa, das des ist noch in frischer (Erinnerung, zumal bie mropäische Politik am Schluß dieses Jahres wieder z« diesem Punkt zurückzustreben scheint. Der wich- tZste Trumpf in diesem Spiel der französischen iiolitiE aber war die politische und militärische An­näherung an Rußland, die ihren Ausdruck i den im Mai paraphierten Militärbündnissen Zwi­sten Moskau, Paris unb Prag fanb. Der Sinn all tiefer in ihrer Wirkung bie europäische Sicherheit LTiterminierenben Vorkehrungen war klar: die h utsche Gleichberechtigung sollte vom Zustandekom- nen eines Ostpaktes, eines Donaupaktes und eines ^cftluftpattes abhängig gemacht, ein unbestreit­bares Recht also mit neuen Garantien für he territorialen Bestimmungen des Versailler 23er-

Bald nach der am 13. Januar erfolgten Rück - lehr des Saargebietes zum Reich hatte 1 eutfchland aus der politischen und rechtlichen Jtaige bie entsprechenben Folgerungen gezogen. Die Jiortbauer einseitiger Entwaffnung war eine fla- irante Rechtswidrigkeit und politische Unmöglichkeit, i er Versailler Rusturmsstand kam unter keinen bmftänöen mehr in Betracht. Zu Verhandlungen as- und Sicherheits- Gesichtspunkt ber eigenen na-

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