Ausgabe 
31.10.1935
 
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Nr 255 Drittes Blatt

®tcfiener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhessen)

Donnerstag, 31 Oktober (935

Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und BM.

Der BDM., Obergau 13 Hessen-Nassau, teilt mit: Drei große Erziehungssäulen und -Faktoren gibt es nach dem Willen des Führers für die deutsche Ju­gend: Elternhaus, Schule und Hitler­jugend

Gemeinsam sollen diese drei den jungen deut­schen Menschen und Staatsbürger formen und bilden.

Im Elternhaus wird der erste Keim gelegt, gehegt und gepflegt, vom Elternhaus aus sieht der junge werdende Mensch zum erstenmal seine Um­gebung, sein Dorf, seine Heimat, sein Land und darüber hinaus sein Vaterland und die ganze große Welt. Hier bilden und formen sich die ersten An­fänge einer Weltanschauung. Das Elternhaus ist der Brunnen, aus dem der junge Mensch als lebendige Ouelle in sein Volk fließt, aus dem er immer neue Kraft schöpft, sich selbst erneuert durch die Kräfte, die er mitbekam.

Schon früh tritt dann der zweite Erziehungs­faktor auf den Plan, die Schule, die dem wer­denden Volksgenossen und Staatsbürger das Wissen gibt, das Können, das er braucht, um sich in einer Kulturwelt durchzusetzen.

Dann kommt die Hitlerjugend und für uns Mädel der Bund Deutscher Mädel in der HI, und sagt dem jungen Menschen:

Alles, was du vom Elternhaus mitbekamst, alles was dir die Schule an Wissen und Kennt­nissen gab, das erhieltest du, um es einzusehen im Volk.

Erhielten wir im Elternhaus die Waffen und das Rüstzeug, wurden diese in der Schule gestärkt und geschärft durch Erlernung der Kunst, sie zu führen, so gilt es in der Gemeinschaft der deutschen Ju­gend, diese Waffen zu gebrauchen, einzusetzen, um mit ihnen dem Ganzen, dem Volk und Land frei­willig zu dienen lieber die^kleine Gemeinschaft des Elternhauses, über die erweiterte kameradschaftliche Zusammenarbeit in der Schule vereinigt sich die deutsche Jugend in der Hitlerjugend zu einer ein­

satzbereiten Gemeinschaft, die morgen Volk fein wird. Immer einheitlicher und f e st e r muß die Zusammenarbeit dieser drei Erziehungs­faktoren werden, sie müssen gemeinsam an dem einen Ziel schaffen, d en deutschen Men­schen zu erziehen, der Träger des Volkes sein kann, wie der Führer ihn braucht.

Mm die Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Bund deutscher Mädel in der Hitlerjugend enger zu gestalten, die sich am leichtesten festigt durch persönliches kennenlernen, durch persön­liche Aussprachen und Besprechungen, werden die Führerinnen des BDM. von jetzt ab be­stimmte Tage in der Woche festlegen, an denen sie die Eltern bitten, mit Fragen und auch Be­schwerden zu ihnen zu kommen.

Die Führerin des ÄDM., Obergau Hessen-Nassau, Else R i e s e , ist von nun an an jedem Montag von 8 bis 17 Uhr im Diensthaus in Wiesbaden, Park- straße 89, zu sprechen. Wir bitten alle Eltern und Erzieher, an diesem Tage recht oft nach Wiesbaden in die Dienststelle des Obergaues zu kommen, um die Verbindung zwischen Elternhaus und BDM. immer fester zu gestalten.

Bund deutscher Mädel.

Mntergau 116 Gießen.

Der Sprechtag für die Eltern und Lehrer unserer Mädel und Jungmädel findet Montags von 10 bis 12 Uhr und von 16 bis 18 Uhr statt.

In ärztlichen Angelegenheiten sind allein unsere beiden Untergauärztinnen zuständig, deren Sprech­stunden noch an dieser Stelle bekanntgegeben werden.

Heil Hitler!

Die Mädeluntergauführerin m. d. F. b. gez. Käthe Pfeffer. Die Jungmädel-Untergauführerin m. d. F. b. gez. Ruth Fabian.

Goldene Hochzeit und goldenes Geschästsjubiläum

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außerdem eine Beschränkung in der beruflichen

Tätigkeit. Der Meister selbst ist aber heute noch

gerne gesehen. Bis kurz vor dem Kriege hatte Tätigkeit. Der Meister sich das Geschäft zu großer Blüte entwickelt, und den ganzen Tag über

im Betrieb tätig und er­

freut sich aller geistigen und körperlichen Frische.

Seit 50 Jahren gehört Meister Wilhelm Kraus­haar zum Kreis der treuen Leser des Gießener Anzeigers. (Aufnahme: Karl Borst, Gießen.)

mehrere Gehilfen fanden lohnende Beschäftigung. Der Krieg, die Inflation und der wirtschaftliche

schätzt. AlsSchuhfrau", oder alsSchuhtante" war sie immer und überall

Niedergang brachten allerdings einen Rückschlag. Das zunehmende Alter der Ehegatten forderte

Am morgigen Freitag können der Schuhmacher- meister und Schuhhäuoler Wilhelm Kraushaar und Frau Katharine, geb. Jost, in Rödgen (Kreis Gießen) das Fest der goldenen Hochzeit feiern. Der Jubilar, weit­hin bekannt unter dem NamenSchusterpetter", kann gleichzeitig auf das LOjährigeBe stehen feines Geschäftes zurückblicken, das er aus kleinsten Anfängen her­aus durch Fleiß und Sparsamkeit zu beacht­licher Höhe entwickeln konnte. Seine Ehefrau ist ebenfalls in weitem Umkreis bei der Bevölke­rung bekannt und ge-

F imwehrüblmg mit dem Schaumlöfchgerä'.

Hoch schlugen die Flammen aus dem mit Teer und Oel übergossenen Holz­häuschen. (Aufnahmen [3]: Neuner, Gießener Anzeiger.)

In wenigen Minuten war das Feuer gelöscht.

Das Schaumlöjchgeral wird in Betrieb gesetzt.

Im steten Bestreben, die Mannschaften der städti­schen Feuerwache in ihrer Schlagfertigkeit zu för­dern und für alle Fälle zu rüsten, werden mehr­mals in der Woche Feuerlöschübungen unternom­men, bei denen die Mannschaften der Wache zu beweisen haben, wie sie sich einzusetzen wissen. Die Notwendigkeit der Hebung besteht besonders für die Handhabung von Spezialgeräten. Eines der wich­tigsten Hilfsmittel im modernen Feuerlöschwesen ist das Schaumlöschverfahren. Da die Gelegenheiten an sich selten sind, dieses Verfahren in Anwendung zu bringen, anderseits aber Brandfälle, bei denen es eingesetzt werden muß, gefährliche Ereignisse darstellen, führt die Feuerwache für ihre Mann­schaften zur Hebung Brandangriffe mit dem Schaumlöschverfahren durch. Jetzt wurde wieder eine Hebung veranstaltet, die den Beweis erbrachte, daß unsere Feuerwehr mit dem modernen Gerät ausgezeichnet zu arbeiten weiß.

Für den Zweck dieser Hebung wurde auf Os- waldsgarten aus rohen Brettern ein Häuschen er­richtet, das zum Teil mit Holzvolle und anderen leicht brennbaren Dingen gefüllt und außerdem mit einer Menge von Deien und Teer übergossen wor­den war. Unter der Leitung von Brandinspektor Lenz nahm die Hebung einen raschen Verlauf. Wie eine große Fackel loderten die Flammen em­por. Eine starke Rauchwolke stieg auf. Die Mann­schaft der Feuerwache rückte aus, montierte sofort das Schaumlöschgerät, schloß es an den Hydrant an, und in wenigen Minuten war das Feuer ge­löscht. Kaum 10 Minuten dauerte die gesamte Äk- tion, die eindrucksvoll unter Beweis stellte, welch ein wirksames Feuerbekämpfungsmittel das Schaum­löschgerät in den Händen unserer Feuerwache dar­stellt. Viele Zuschauer, insbesondere die Jugend, brachten dem Schauspiel alle Aufmerksamkeit ent­gegen.

Aus dem Zagdgau Oberhessen.

Die Pflichitrophäenausstettungen.

Mit Rücksicht auf die Jagdausstellung in Berlin müssen die Pflichttrophäenausstellun­gen beschleunigt durchgeführt werden. Ich bestimme deshalb folgende Termine in den Kreisen.- Lauterbach, 16. November, ab 14 Hhr in Lauterbach. Alsfeld, 16. November, ab 16 Hhr in Alsfeld. Schotten, 17. November, ab 14 Hhr in Schotten. Büdingen, 17. November, ab 16 Hhr in Büdingen. Friedberg, 8. Dezember, ab 11 Hhr in Friedberg. Gießen, 8. Dezember, ab 15.30 Hhr in Gießen.

Auszustellen sind sämtliche im Jahre 1935 in dem Kreis erbeuteten Geweihe, Gehörne und Keiler­waffen. Geweihe und Gehörne müssen aufgesetzt oder mit einer festen Aufhängevorrichtung versehen sein. Jedes Stück muß folgende Angaben an sich tragen: Jagdbezirk, Name des Jagdausübungsbe­rechtigten, Tag des Erlegens, Gewicht, Nr. der

Abschußliste. Ferner muß mindestens ein Unter« tiefernst mit ihm verbunden sein.

Weitere Anordnungen durch die Herren Kreis­jägermeister.

Da die Bestimmungen wegen der Jagdausstellung in Berlin auch für die Staatsforstreviere gelten, ersuche ich ergebenft die Herren Forstamtsvorstände, die in den Staatsrevieren erbeuteten Trophäen bei den Pflichtschauen auszustellen und sich deshalb mit den Herren Kreisjägermeistern in Verbindung zu setzen. Nicolaus, Gaujägermeister.

Kreis Giehen.

Meine Bekanntmachung im Verkündigungsblatt vom 11. Oktober d. I. wird mit Rücksicht auf dis Jagdausstellung in Berlin dahin abgeändert, daß der Jägerappell verbunden mit der Pflicht- schau der 1935er Trophäen nicht am 5. Januar 1936, sondern schon am 8. Dez em6er 1935

Beethoven, Brahms, Gerster

Zum 1. Symphonie-Konzert des Gietzener Kr n ertvereins.

Die schaffensglücklichen Sommer, die Johannes Brahms Ende der siebziger Jahre in Pörtschach am Wörther See (Kärnten) verbrachte, ließen neben der zweiten Symphonie und anderen Werken das Violinkonzert in D-dur op. 77 heran- reifen. Den Plan eines größeren Werkes für Violine und Orchester hatte Brahms wohl schon lange mit sich herumgetragen-, hier fand er seine endgültige Gestalt.

Wenn auch Brahms der elementaren Violintech- nik durchaus nicht fremd gegenüber gestanden hatte, so konnte er doch bei der Anpassung der Solo­stimme an die Möglichkeiten des Instruments des praktischen Beirats hervorragender Geiger nicht entbehren. Die Anforderungen, die er in diesem Werk an den Solisten stellt, reichen weit über das Maß hinaus, das bei den vorausgegangenen großen Violinkonzerten üblich war. Er sprengt die Heber- lieferung dadurch, daß er das Hauptgewicht auf die Sicherheit und Spannungsmöglichkeit der linken -and auf dem Griffbrett verlegt und die üblichen Vogenkünste der französischen Geigerschule, die über demWie" der Ausführung oft das musikalische Was" zurückdrängte, erst in zweiter Linie berück­sichtigt. Die zeitgenössische Geigerwelt stand damit Dar einem technischen Novum: ja, man war geneigt, unberechtigter Weise von einem Konzertgegen die Lioline" zu sprechen und übersah dabei, daß dem unbedingten Ausdruckswillen bei Brahms die über­lieferten Formen nicht mehr genügen konnten, ohne ihn in Epigonentum verfallen zu lassen.

Die Brahmsschen Jnstrumentalkonzerte tragen ausgesprochen symphonischen Charakter durch die Größe des musikalischen Inhalts; so war beispiels­weise das d-moll=Quartett für Klavier und Orchester ursprünglich als Symphonie entworfen gewesen. Dieser leitende symphonische Grundgedanke mußte das Verhältnis zwischen dem Solisten und dem Niitschaffenden Jnstrumentalkörper grundlegend auf eine neue Basis stellen. Das konzertierende Instru­ment blieb nicht mehr der souveräne Führer, der feine Virtuosität ins hellste Licht zu stellen ver­mochte, sondern sein Part wächst bei Brahms o-ganisch aus dem musikalischen Gesamtgeschehen braus, ihm wird nur das zugeteilt, was das gingen um das musikalische Problem gebietet. Hier ist die entscheidende Instanz für die Anforderungen an das Instrument, nicht aber, wie es sonst war.

daß der instrumentale Eigencharakter vornehmlich zum Ausgangspunkt des Werkes wurde.

Nicht nur die gleiche Schaffensperiode, sondern auch die nahe geistige Verwandtschaft schlagen die Brücke von der zweiten Symphonie in D-dur hin zum Violinkonzert. Das aus der Dreiklangsmelodik gewonnene Hauptthema beherrscht die Orchesterein­leitung; nach einer Steigerung tritt die Solovioline ein, zunächst mit präludierendem Improvisieren, dann aber nimmt sie das in der Begleitung an- klingende Hauptthema auf und trägt es in hoher Lage über dem Orchester, ähnlich wie Beethoven in feinem Konzert das zweite Thema in der Höhe klanglich verklärt. Bei Brahms entwickelt sich das Gegenthema aus einer in dem Orchestervorfpiel nur kurz angeschlagenen Heberleitung. Die Durchführung strebt den letzten Grenzen des musikalisch-technischen Ausdrucksvermögens der Violine zu; Figurationen, Trillerketten, übermäßige Oktavsprünge, Doppel­griffe sind dafür kennzeichnend. Die große Kadenz mündet in das Hauptthema, und spannungsreiche Doppelgriffe geben der Koda in ihrem animato ein besonderes Ansehen

Einer fernen, fast entrückten klanglichen Sphäre gehört das Adagio an. Die Oboe trägt, nur von den Bläsern begleitet, den Hauvtgedanken vor, die Violine führt ihn in schlichter Anmut weiter und gewinnt nach figurierten Zwischensätzen das leitende Thema wieder zu innigem verklärtem Ausklingen. Im Finale ergreift die Violine die Initiative Das von ihr angeschlagene Houptthema wird zum Leit­gedanken der durch rhythmisch und geistig kontra­stierende Zwischenteile belebten musikalischen, bild­haften Auseinandersetzung; in dem Poco piü presto steigert sich der bisher zweiteilige Rhnthmus num dreiteiligen und nach höchstem Akzent läßt Brahms die Solostimmen in Dovn-'larifsen klanglich absinken, er umgeht also absichtlich den meist üblichen efsektbaschenden Bravourschluß und gibt dem Musikalischen das Hebergewicht

Bei aller Weichheit des im Adagio angeschlagenen Emvfindens trägt dieses Werk im Gegensatz zu den führenden Violinkonzerten der Romantik einen her­ben männlichen Charakter: feine tiefe Innerlichkeit weilt ihm in der gesamten Konzertliteratur eine be­vorzugte Stellung zu. *

Wie der schicksalsschwerenFünften" Beet­hovens die Sechste (Pastorale") mit ihrem hin- gegebenen Naturerleben gegenübersteht, sobildenauch die Siebente und Achte im Schaffen des Mei­sters eine besondere Gruppe, die eine voll stärkster aufschäumender Lebensbejahung, die andere mehr mit einem Zuge der Verinnerlichung. Ein gesteiger­

ter Lebensimpuls, ein Gehobensein durch ungeahnte Anspannung der Kräfte, eine Zusammenraffung des Willens geben derSiebenten" die Grundsphäre, die das Körperliche selbst in den Kreis des großen Erlebens zieht und mit der unumgrenzten Macht des Rhythmischen in ihren Bann schlägt. Diese Er­kenntnis danken wir Richard Wagner.Alles Un­gestüm, alles Sehnen des Herzens, wird hier zum wonnigen Hebermut der Freude, die mit bacchanti­scher Allmacht uns durch alle Räume der Natur, durch alle Ströme und Meere des Lebens hinreißt, jauchzend, selbstbewußt überall, wohin wir im küh­nen Takte dieses menschlichen Sphärentanzes treten. Die Symphonie ist die Apotheose des Tan­zes selbst: sie ist der Tanz in seinem höchsten Wesen, die seligste Tat der in Tönen gleichsam idealistisch verkörperten Leibesbewegung. Melodie und Harmonie schließen sich auf dem markigen Ge­beine des Rhythmus wie zu festen menschlichen Ge­stalten, die bald mit elastischer zarter Geschmeidig­keit, schlank und üppig fast vor unseren Augen den Reigen schließen, zu dem bald lieblich, bald kühn, bald ernst, bald ausgelassen, bald sinnig, bald jauch­zend, die unsterbliche Weise fort und fort tönt, bis im letzten Wirbel der Lust ein jubelnder Kuß die letzte Umarmung beschließt."

Der Dualismus der Themen, der durch seine innere Gegensätzlichkeit die Ansatzpunkte für das Ringen um das musikalische Problem in der Durch­führung gibt, fordert eine eigene formale Gesetzlich­keit Der leitenden Grundidee der Siebenten wäre diese formale Bindung hemmend gewesen, da hier die gestaltenden Kräfte vornehmlich durch den rhyth­mischen Impuls beflügelt werden, der mit feinem Herauswachsen und Herauskristallisieren des Moti­vischen die innere Organik der Siebenten bestimmt. So gewinnen beispielsweise die Themen des ersten Satzes ihr Wesen aus den rhythmischen Akzenten des ^-Taktes. Ein thematisches Gebundensein hätte den durch das ganze Werk hindurch bis zum diony- j fischen Taumel sich steigernden Impuls sich nicht ganz entfalten lassen. In der vorliegenden ©eftalt. der Siebenten konnte sich aber das Energieerlebnis des Schaffenden in seiner subjektiven Art im Lichte des Rhythmus klar ausbreiten; und so erscheint das ganze Werk in feiner heiteren Einstellung als eine gewaltige Aufwallung in großem Ausmaß.

Eine Einleitung, die in ihrer Ausdehnung fast die Bedeutung eines selbständigen Satzes erreicht, eröffnet die Symphonie. Sie bereitet mit ihrer feierlichen Ruhe und ihrer rhythmischen Gespannt­heit den Boden vor für die Entladungen des folgen­den Vivace. Ein Allegretto (a-moll), an Stelle des in der Symphonie üblichen langsamen Satzes, gibt

sich als eine Art Variation über das ständig wieder» kehrende rhythmische Motiv; in einer der frühesten Skizzen bezeichnet Beethoven das Allegretto als Variations. Ein a-molI-Ouartsextakkord eröffnet den Satz und schließt ihn auch wieder, gleichsam wie ein Vorhang. In seinem Verlauf wächst aus dem rhythmischen Motiv eine edle Gesangsmelodie heraus; ein Zwischensatz in Dur läßt den sinnenden melancholischen Grundzug des Ganzen durch ein verklärendes Sonnenlicht erhellen.

Sprühend, in geistiger Nähe des ersten Satzes stürmt das Scherzo einher, dem sich ein sehr gegen­sätzliches Trio gegenüberstellt, das einem österreichi­schen Wallfahrtsgesang entstammt; zum Schluß des ganzen Satzes ruft sich das Triothema mit leisem Anklingen in die Erinnerung zurück. Das F'-mle steigert sich zur Ekstase in seinem wilden Wirbel, ►er in der Entfesselung zum dithyrambischen Taumel seinen Höhepunkt findet.

Als Zeichen dafür, daß die Konzertvereinsfüh­rung neben der sorgsamen Pflege der Werke ver­gangener Epochen die Gegenwart nicht vergißt, gibt der Eingangsteil des Programms einem Vertreter der neuen Generation das Wort: Ottmar G e r ft e r. Er steht dem Essener Folkwang Kreis nahe. Durch die erfolgreiche Aufführung feiner Over Ma­dame Liselotte" hat er das Interesse der Musikwelt besonders auf sich gelenkt Seine moderne Schreib­weise hält sich frei von äußersten Ertremen; seine eingängige Melodik ftüht sich gern auf altes Volks­au t fo kehren in der Over z B. Volkslieder und Volkstänze als thematisches Material wieder. Diese Volksnahe beftätiate sich auch durch seine Lieder auf der Nürnberger Sängerwoche 1934. Dr. H.

Seiffrfortffen

Langenscheid t's English Monthly Magazine. (Preis je Heft 0,50, vierteljährlich 1,35 RM.) Unter diesem Titel gibt der bekannte Sprachenoerlag Langenscheidt (Berlin-Schöneberg) eine neuartige, interessante und reich bebilderte Monatsschrift zur Pflege und zur Förderung eng. lischer Sprachkenntnisse heraus. Das Unterhaltende tritt bei dieser Zeitschrift in den Vordergrund, aber das Lehrhafte wird nicht vernachlässigt, wobei beson­ders auf spezifisch englische Verhältnisse zurückge- griffen wird, so daß der Benützer in zwangloser Weife mit Land und Leuten des Volkes bekannt gemacht wird, dessen Sprachen er erlernt. Die Hefte er­scheinen uns zum Selbststudium vorzüglich geeignet, aber auch zum Auffrischen wieder in Vergessenheit geratener Schulkssnntnisse roie zur Belebung des Schulunterrichts.