Ausgabe 
31.8.1935
 
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Gin freies Räuberleben."

Nachdem die erste Aufregung der Schießerei und der Gefangennahme sich gelegt hatte, war die Be­handlung durch die Banditen gut, ja freundlich. Jones und ich hatten uns schnell darüber geeinigt, daß an eine Flucht unter den Umständen und in dem Gelände gar nicht zu denken war, das Einzige, was wir zur Verbesserung unserer Lage tun konnten, war, uns möglichst freundlich mit den Banditen zu stellen und zu versuchen, uns einige Freunde unter ihnen /zu gewinnen. Sollten irgendwann einmal Pläne gegen unser Leben be­stehen, so würden unsere Freunde wohl Einspruch erheben und möglicherweise uns das Leben retten. Inzwischen jedenfalls könnten sie viel tun, uns den Aufenthalt so erträglich wie möglich zu machen. Wir hatten erstaunlich schnell Erfolg. Schon am ersten Abend scherzten wir mit den zu unserer Be­wachung abkommandierten Leuten, und diese mein­ten, wozu wir denn überhaupt zurückkehren woll­ten: wir könnten uns doch ihnen anschließen und ein freies Räuberleben mit ihnen führen.

Es war überhaupt amüsant, mit welcher Selbst­verständlichkeit diese Herren unsere Sachen zu unserer Schau trugen, unsere Uhren uns zum Auf­ziehen brachten und sich von uns die Funktionen unserer Kameras und meiner sonstigen Instrumente (Höhenaneroid, Kompaß, Lichtmesser) erklären lie­ßen. Am zweiten Tage hatten sie genug Vertrauen gewonnen, um mir das Maschinengewehr zum Nachsehen und zur eventuellen Reparatur zu bringen, dessen Versagen uns wahrscheinlich das Leben gerettet hatte.

Hoffnung und Mißtrauen.

An jenem zweiten Tag hörten wir, während wir auf unserem Kang lagen, eine Bewegung unter den Banditen im Dorf, konnten uns aber nicht erklä­ren, was die Rufe bedeuteten. Es war wohl zwei Stunden später, als plötzlich ein aufgeregter Mann mit einigen Banditen aus dem Hause herauskam, in dem die Führer Quartier genommen hatten, mich mit dem Namen anrief und sagte, wir sollten guter Laune sein, er wäre gekommen um uns zu retten, und ich sollte am nächsten Tage mit ihm nach Paochang reiten. Er ging schnell wieder zu­rück, und wir wurden wieder in das Haus geführt und angewiesen, uns auf den Kang zu legen. Einer unserer Wachen fragte mich, ob ich den Mann kenne. Ich antwortete vorsichtig und der Wahrheit entsprechend, daß ich mich nicht auf ihn besänne. Ja, sagte der Bandit, er behauptet aber, er kenne dich, und er sagt weiter, daß er auch einmal Ban­dit war. Aber von uns kennt ihn keiner und wir glauben es ihm auch nicht. Trau auch du ihm nicht und bleibe lieber unter uns, wo du Freunde haft.

Das war reichlich mysteriös, und nicht ohne Miß­trauen bemerkten wir später im Dorf ein paar Männer in der Uniform chinesischer Poli­zisten, aber ohne Waffen. Wir erwogen alle Möglichkeiten und verweilten besonders lange bei dem, was uns die Banditen von sich selbst erzählt hatten: zwei größere Banden wären zwischen dem 20. und 22. Juli über die Grenze aus Iehol nach Tschachar gekommen; sie selber gehörten zu einer Bonde von Mandschurei-Chinesen, die zweite Bande aber wäre stark gemischt und bei ihr wären gewisse Leute, die uns sicher sofort getötet hätten, wenn wir in ihre Hand gefallen wären. Sollten die Neu­ankömmlinge zu dieser Bande gehören und nur die Absicht haben.,mich von Jones zu trennen, pein­lich zu befragen und dann um die Ecke zu bringen? Wir konnten uns nicht klar werden.

Besuch am Abend.

Schließlich, nachdem wir unser Abendessen er­halten hatten, kam der Mann, der sich als unser Retter bezeichnet hatte, mit einem Mann in Poli­zistenuniform und mit einigen der Bandenführer in unseren Raum. Er stellte sich als Gendarmerie­wachtmeister Pang Pün-chi von dem Gendarmerie­kommando aus Paochang vor und erklärte, daß er von den chinesischen Behörden aus Paochang gleich nach der Ankunft unseres Autos dort am Spät­nachmittag unserer Gefangennahme ausgeschickt worden sei, um mit drei Polizisten zusammen nach uns zu fahnden und unsere Freilassung zu erwirken. Sie seien bei der Annäherung an unseren Aufenthaltsort am nächsten Nachmittag von den ausgestellten Machen mit Schüssen empfan­gen worden. Als sie mit einem weißen Tuch wink­ten, seien sie gefanqengenommen und gefesselt in unser Lager gebracht worden. Erst nach langem Reden habe man sie entfesselt und sei bereit ge­wesen, mit ihnen zu verhandeln. Im Laufe dieser Verhandlung hätten sich die Banditen überzeugen lassen, daß sie mit der Uebergabe von Waffen und Munition überhaupt nicht zu rechnen hätten und daß sie ihre Losegeldforderung wesentlich herabsetzen müßten. Sie hätten schließlich erklärt, mit fünfzigtausend m e r. Dollar zufrie­den zu sein. Sie hätten es obaelehnt, uns beide freizulassen, hätten aber schließlich zugestanden, daß ich mit den Vertretern der chinesischen Behör- den zurückkehren sollte, um die Lösegeldforderung zu vertraten und mich um die Zahlung des Geldes zu bemühen. Ich müßte aber versprechen, wieder Zu ihnen z n r ü ck z u k e h r e n. Und bann fing einer her Führer an zu sprechen, bestätigte, was der andere gesagt hatte, und erging sich lanae über das grausame Schicksal, das sie auf diesen Pfad ge­führt hätte, von dem sie nicht abaeben könnten, ohne das Schicksal ihrer in der Mandschurei zurück- aelaffenen Homilien au gefährden Wir sollten über sie nichts Böses denken und sollten ihnen glauben, daß sie nicht nur gute Menschen, sondern auch gut? Chinesen wären

Schwerer ($wfw - bewegter Abschied.

Immer wieder überlegten wir uns, ob wir unte­ren Rettern trauen sollten ober nicht. Wir über- leaten hin unb her unb kamen schließlich zu dem Schluß, baß, wenn trh mich weigerte, mit ihnen zu gehen unb sie nur Abgesandte der anderen Ban- bifengruppe waren, wir wahrscheinlich beide sofort getötet werden würden, und daß doch eine schwache Möglichkeit bestände, daß sie wären, was sie vorgaben zu sein, und daß bann bie Hoff­nung für uns beide bestand, durch ihre und meine B-rnühungen frehuFommen.

Arn nächsten Morgen wurden wir um 3 Uhr geweckt, aber es dauerte lange, bis für alle ab« gekocht mar, wir gegessen hatten und wieder auf dem Pferde faßen In etwa Zweistündigem Ritt er­reichten wir einen kleinen Ort an der Hauvtstraße nach Paochang, der fast völlig von feinen Bewoh­nern verlassen war Wie wir horten, war am Tage unserer Gefangennahme die andere Bande dort gewesen und hatte den Platz völlig aus»

geplündert. Hier bekam ich den Befehl, mich für den Ritt nach Paochang fertigzumachen. Die Führer, die wir überhaupt nur gelegentlich zu Ge­sicht bekamen, kamen nun zu mir und erklärten, daß sie auf meine Rückkehr keinen Wert legten, daß das Lösegeld aber auf jeden Fall gezahlt wer­den müßte, sollte Jones wieder lebend aus- geliefert werden.

Ich versprach, mein Möglichstes zu tun, und nahm von Gareth Jones, der mir auf dieser Reise ein lieber Freund geworden war, einen kur­

zen, uns beide stark bewegenden Abschied. Dann bestieg ich mein Pferd. Ein Bauer schwang sich hinter mich, da unsere Retter ein Pferd zu wenig hatten und zugleich, um mir als Schutz zu dienen, falls wir im Rücken beschossen werden sollten, und wir ritten in südlicher Richtung ab. Einige Stun­den später lag Paochang vor uns. Chang Pün-chi und die drei Polizisten waren, was sie erklärt hat­ten zu sein. Ich bat ihnen mein Mißtrauen ab. (Ein dritter Brief folgt.)

Der erste Flug durch Menschenkrast gelungen.

Flugzeugführer Dünnbeil fliegt in Frankfurt 235 Meter weit.

LPD. Frankfurt a. M., 30. Aug. Auf dem Flughafen Rebstock bei Frankfurt a. M. gelang am 29. August 1935 um 18.10 Uhr der erste Flug durch Menschenkraft. Der Flugzeugführer D ü n n b e i l, Frankfurt a. M.» legte in einem von den Diplomingenieuren h a e f e l e r und Dillin­ger konstruierten, mit Propeller betriebenen Mus­kelflugzeug 195 Meter in einer Flughöhe von einem Meter zurück. Bei einem weiteren Flug am Freitag früh 7.45 Uhr wurde eine Streckenlänge von 235 Meter wiederum in einer Flughöhe von einem Meter erreicht.

Der erste Flug fand unter amtlicher Kontrolle von Zeugen des Luftsportverbandes und in Gegenwart der beauftragten Persönlichkeiten der Polytechnischen Gesellschaft Frankfurt, Geheimrat Dachsmuth und Ingenieur U r s i n u s, statt, mit Zustimmung der Obersten Luftsportkommifsion des Reichsluftsport­führers. Die Polytechnische Gesellschaft Frankfurt hatte einen Preis von 5000 Mark für denjenigen ausgesetzt, der als erster in geschlossener Bahn ohne Zwischenstart und -Landung und ohne den Roden zu berühren einen Flug mit eigener Mus­kelkraft um zwei Wendemarken ausführt, die 500 Meter von einander entfernt sind.

Der Start erfolgte durch ein vom Piloten selbst gespanntes, verhältnismäßig schwaches Gummiseil nach Auslösung eines Erdankers, der in das Flug­zeug hineingezogen wurde. Man konnte genau beobachten, wie der Führer durch Treten des Propellers das Flugzeug betätigte. Der Führer des Flugzeuges, D ü n n b e i l, ist Inhaber des C- Fliegerausweises des Deutschen Luftsportverbandes.

Das mit Propeller betriebene Muskelflugzeug zeigt außerordentlich saubere Werkstaltarbeit. Die Versuche werden fortgesetzt. Wenn auch die erzielten Leistungen zur Erfüllung der außerordentlich schwe­ren Wettbewerbsbedingungen noch nicht ausreichen, so dürften diese erstmalig gelungenen Flüge durch Menschenkraft einen Mark st ein in der Ge­schichte der Luftfahrt Deutschlands und der Welt bedeuten.

Der Reichsluftsportführer Loerzer sandte an den Flugzeugführer und die Konstrukteure folgende Telegramme: Sie Haden die ersten Flüge durch Menschenkraft in der Welt vollbracht. Ich spreche Ihnen für diese epochemachende Leistung volle An­erkennung und herzlichen Glückwunsch aus.

Ihren epochemachenden technischen Leistungen sind die ersten Flüge durch Menschenkraft gestern und heute zu verdanken. Für den deutschen Luft­sport spreche ich Ihnen meine besondere Anerken­nung und herzliche Glückwünsche aus.

Der Reichsluftsportführer gez. Loerzer."

Dem Reichsminister der Luftfahrt, General der Flieger Göring, meldete der Reichsluftsport­führer die Ergebnisse der ersten Flüge durch Men­schenkraft in Frankfurt.

Der schönste Spott, den es geben kann."

Eine Unterredung rnitRhönvater" Ursinus.

Ein Vertreter des DNB. hatte Gelegenheit, sich mit demRhönvater", dem Ingenieur U r s i n u s, über den ersten Flug durch Menschenkraft zu unter­halten. Ursinus, der den Gedanken des Menschen­fluges durch eigene Kraft vor vielen Jahren auf­gegriffen und sich seitdem in engem Zusammen­wirken mit dem Deutschen Luftsportoerband ständig um seine Verwirklichung bemüht hat, betonte zu­nächst, daß man heute noch mit den e r ft e n Ver­suchen beschäftigt sei. Das Problem des Fluges durch Menschenkraft brauche bis zu seiner völligen Durcharbeitung mindestens noch zehn Jahre. So sei es beim Segelflug gewesen, und ebenso bei dem Flug mit Motorkraft, der sich zu­nächst nur sehr langsam nach den ersten geglück­ten Versuchen der Gebrüder Wright entwickelt habe. Allerdings werde dann dieser Flug durch Menschenkraft der schön st e Sport werden, den man sich überhaupt denken könne.

Ingenieur Ursinus war es auch, der vor drei Jahren die Polytechnische Gesellschaft in Frank­furt a. M. dazu bewegte, den Preis von 5 0 0 0 Mark für den ersten gelungenen Flug durch Menschenkraft auszusetzen, der dann auch durch den Deutschen Luftsportoerband genehmigt wurde, da dieser leider nicht in der Lage ist, aus eigenen Mitteln solche Preise auszusetzen. Uebrigens läuft das Preisausschreiben bereits am 2. September ab. Da heute an verschiedenen Stellen im Reich gleichzeitig an dem Problem des Fluges durch Menschenkraft gearbeitet wird wie im Deutschen Luftsportverband bekannt ist, so kann man viel­leicht für die nächste Zeit noch auf einige weitere Ueberraschungen hoffen.

Bei dem neuen Flugapparat, der jetzt in Frank­furt a. M. seine erste Probe bestanden hat, habe man nicht etwa, wie Ingenieur Ursinus weiter berichtete, frisch darauflos konstruiert, sondern die Versuche seien auf rein wissenschaftlicher Grundlage aufgebaut worden. Man habe mit genauen Berechnungen begonnen, um sich nicht auf den glücklichen Zufall verlassen zu müssen. Don Beginn der Konstruktion an habe man ein be­stimmtes Prinzip zielbewußt verfolgt. Bei den Leistungen des Fluges am Donnerstag von 195 Meter sei im übrigen zu berücksichtigen, daß mit 8 Meter in »der Sekunde ein recht merkbarer Gegenwind zu überwinden gewesen sei.

Wie lange schon Ursinus und mit ihm eine kleine Gemeinde treuer Mitarbeiter sich mit der Idee des Menschenfluges aus eigener Kraft beschäftigt, geht daraus hervor, daß man in diesen Kreisen schon bei den ersten Wettbewerbsausschreibungen für Segelflieger in der Rhön daran dachte, den Flug durch Menschenkraft praktisch zu erproben.

Wie nachträglich bekannt wird, unternahm das Flugzeug noch einen dritten Start, bei dem es einen Flug von etwa 200 Meter durchführte. Dabei erlitt das Flugzeug einen geringfügigen Schaden an der Nase, der inzwischen schon wieder behoben wurde.

Oie Trauerfeier

für -ieOpfer des BerlmerEmsturzunglücks

Sie flarben für Deutschland ihre Namen werden unvergessen sein.

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Un(er Bild zeigt einen Ueberblick über die Trauerfeier im Berliner Lustgarten. (Scherl-Bilderdienst.)

. B e rl i n, u0. Aug. (DNB.) Der Trauerzug mit den 17 Sargen der Opfer des Einsturzun - glurfe5 wurde von der Schloßbrücke bis zur Ballustrade vor dem Schloß durch ein dichtes SA.- Ehrenspaller hindurchgeleitet. Nach der Aufbahrung rückten die Formationen und Gliederungen der Partei an. Auch Feuerwehr, Luftschutz, Technische Nothilse und das Rote Kreuz hatten Abordnungen

entsandt. Bergleute nahmen ebenfalls Aufstellung. Am Fuße der Ballustrade standen die Pioniere, eine Abordnung des Wackregimentes, eine Abtei­lung der Leibstandarte des Führers sowie die Polizei.

Kurz vor Beginn der Feier erschienen die Hin­terbliebenen und die Ehrengäste, unter ihnen Reichsminister Dr. Goebbels, Reichsinnenmini­

ster Dr. Frick, Reichsminister Kerrl, Reichs- orqanisattonsleiter Dr. Ley, Stabschef Lutze. Die Leibstandarte Adolf Hitler spielt den Trauer­marsch aus BeethovensEroica". Hierauf sprachen die Geistlichen beider Konfessionen. Es folgt das Lied Nichts kann uns rauben Liebe und Glauben zu diesem Lande", das der Arbeitsdienst vortrug. Sodann sprach der

Generaldirektor der Deutschen Keichs« bahn, Dr. Dorpmüller:

Ich stehe vor Ihnen als der Bauherr des großen Werkes, das Heil und Segen bringen sollte einer arbeitsamen Bevölkerung unserer Reichshauptstadt, das aber zum Unheil wurde für 19 Ardeitskame» raben. Das Werk sollte mithelfen im Kampfe gegen die Arbeitslosigkeit. Berliner Baugrund ist eine ge­fährliche Arbeitsstätte, denn in ihm lauern die Ge- fahren des alten Urstromtales. Wir haben überall mit Menschen zu tun und mit der Unzulänglichkeit menschlicher Sinne. Dazu schleicht sich gar zu leicht jene unglückselige Sorglosigkeit, die der ständige Umgang mit der Gefahr in sich schließt, in die Menschen. Indem ich diese menschliche Seite des Unglücks berühre, soll damit keine Ent­schuldigung ausgesprochen werden, im Gegen­teil, wir müssen unerbittlich den Ursachen nachgehen, die so großes Unglück über 19 Familien gebracht haben. Wir können der Familie den Gatten und Vater nicht wiedergeben, wohl aber können wir in Erfüllung einer heiligen Pflicht den Trauernden helfen, ihr schweres Los leichter zu tragen. Darum wollen wir die Sorgen um ihre Lebensführung und um die Erziehung ihrer Kinder lindern. Wenn nach Vollendung des Werkes Hunderttausende die neuen Strecken befahren, dann sollen diesen auf granitener Wand mit ehernen Lettern die Namen der Toten entgegenleuchten.

Anschließend spricht

Keichsorganisaiionsleiter Dr. Ley.

Er führte u. a. aus: Es ist, als ob das Schicksal sich den Segen der Arbeit, nachdem wir solange durch die Geißel der Arbeitslosigkeit geschlagen roor- den sind, nur hart abringen läßt. Und die hier lie­gen in den Särgen, sind Soldaten der Arbeit, und wir wissen, daß die Führer in diesem harten Kampfe um so mehr Verantwortung tragen müssen. Wir werden erklären, daß wir rücksichtslos jeden, der diese Verantwortung in diesen schweren Tagen des Kampfes um den Wiederaufbau Deutschlands ver­nachlässigt, anklagen werden.

Zu den Hinterbliebenen gewandt, fuhr Dr. Ley fort: Ihr seid nicht allein. Mit Euch ist das gesamte Volk. Das ist ja das gewaltige Werk des Führers. Wir sind eine Gemeinschaft, eine Fa­milie, eines Blutes geworden. Der Führer läßt euch durch mich seine Grüße senden. Gestern abend sagte er mir: Sagen Sie diesen Männern und Frauen, die da trauern: I ch bin bei ihnen, ich grüßte Sie, ich denke ihrer in schwerem Schmerze.

Der Tod dieser 19 tapferen Soldaten ist nicht umsonst, denn sie starben für Deutschland. Ihr Tod sei uns Mahnung, um so fester und um so uner­schütterlicher weiter zu kämpfen. Wir geloben euch, ihr Soldaten der Arbeit, wir werden in diesem Auf­bau nie nachlassen. Mr beugen uns vor dem Schick­sal nicht, sondern wir werden kämpfen, bis wir den Preis der Freiheit in unseren Händen haben.

Dann gibt Dr. Ley die Kommandos:Still- gestanden! Die Fahnen hoh! Senkt die Fahnen!" Während die Musik gedämpft das Lied vom guten Kameraden spielt unb die Ehrenabordnungen die Kränze an den Särgen niederlegen, senkt sich her Fahnenwall. Dr. Ley schließt seine Gedenkrede mit dem Rufe:Deutschland muß leben, selbst wenn wir sterben müssen."

Dann nimmt

Keichsminister Dr. Goebbels

das Wort:

Es ist für ein Volk nicht schwer, im Glück zusam­menzustehen. Schwer aber ist es, Unglück gemein­sam und aufrecht zu tragen. Die schweren Schläge, die die deutsche Nation in den vergangenen Mona­ten getroffen haben, haben jeden Einzelnen von uns getroffen. Unglück und Schmerz gemeinsam zu ertragen, das haben wir Deutschen wieder ge­lernt. Und so mögen die Hinterbliebenen überzeugt sein: Die ganze Nation wird an ihrem Schmerz aufrichtig Anteil nehmen. Die Toten aber, die hier vor uns ruhen, mögen wissen: Ihre Namen werden unvergeßlich fein. Spaten und Schaufeln, die ihren Händen entrissen wurden, wer­den von neuen Händen ausgenommen, am Werk arbeiten, das der Führer uns allen aufgegeben hat.

Nach den Worten des Ministers wird die Trauer­feier mit den Nationalhymnen beendet. Anschlie­ßend fahren die 17 Leichenwagen die Toten auf verschiedene Friedhöfe, wo ihre Beisetzung er* folgt.

Neuer Schacht

zur Bergung des letzten Opfers.

Berlin, 31. Aug. (DNB. Funkspruch.) Dis Arbeit zur Bergung der letzten beiden Opfer sind auch während der Nacht mit unver­minderter Kraft weitergeführt worden. Kurz nach 1 Uhr gelang es, den zuletzt Aufgefundenen frei­zulegen und kurz vor 2 Uhr zu bergen. Es han­delt sich um den Arbeiter, der unterhalb der Grundwasserlinie lag. Man hofft, daß im Laufe des Tages die Freilegung des letzten Opfers und feine Bergung gelingen wird.

Nach dem genauen Plan, den die Reichsbahn von den Fundstellen der einzelnen Arbeiter anlegen ließ, ist zu erkennen, daß das Unglück sich in Sekun­denschnelle ausgewirkt haben muß. Man fand nämlich 12 von ihnen so, wie sie in vier Abteilun­gen zu je drei Mann an den Loren gearbeitet hat­ten. Auch der Schachtmeister wurde dort aufge­funden, wo sein dauernder Standort während der Arbeit war. Die anderen, die einzeln aufgefunden wurden, scheinen, da zu der Unglückszeit gerade Mlttagspause herrschte, ihr Frühstück unten einge­nommen zu haben und sind so die Opfer des gräß- uchen Unglücks geworden. Die Arbeiter wurden so­fort von den Trümmern erschlagen oder von den Erdmassen erdrückt. Auch der Befund der ärztlichen Untersuchung der Toten hat ergeben, daß der Tod infolge der schweren Verletzungen sofort einge-

Alchkarische klrchenrnusiker

aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossen.

Aus der Reichsmusikkammer wurde eine Anzahl nichtarischer Kirchenmusiker und Or» ganisten aus den Orten Königsberg i.Pr., Ber­lin-Friedenau, Köln-Nippes, Eberswalde, Offen­bach a. M., Jever, Brandenburg und Berlin aus­geschlossen. Den aus der Reichsmusikkammer ausgeschlossenen Musikern wurde mit sofortiger Wirkung die Berechtigung zur Ausübung ihrer bisherigen Tätigkeit eines Organisten in christlichen Kirchen entzogen.