Nr. 176 Zweites Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)
Mittwoch, Zf.Zuli 1935
Paraguay als Siedlungsland
Von unserem I.-Äerichierstatter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
Asuncion (durch Lustpost), 4. Juli 1935.
Paraguay ist wie alle Länder Südamerikas, dle noch verhältnismäßig dünn besiedelt sind, auf Einwanderung angewiesen. Der Ab- schluß des großen Ringens im Chaco hat das Problem wieder akut werden lassen, denn wenn der Chacokrieg auch nicht so schmerzliche Lücken gerissen hat wie der ßrieg vor fünfundsechzig Iah. ren, so ist doch immerhin ein großer Teil der männlichen Bevölkerung des Landes auf dem Schlachtfeld geblieben, und diese Lücken müssen baldmöglichst aufgefüllt werden
Die Grundlage des Wirtschaftsorganismus ist auch in Paraguay ein freier, lebenskräftiger und lebenswilliger Bauernstand. Die paraauaysche Regierung hat sich in klarer Erkenntnis dieses Unv standes wiederholt bemüht, Einwanderung und Bauernsiedlung zu fördern. Wenn trotzdem die Siedlung in Paraguay über gewisse beachtliche An- sätze nicht recht herausgekommen ist, so liegt das an verschiedenen Faktoren, die in den Landesver- hältnissen begründet sind.
Die besten Siedlungen in Paraguay sind aner« kanntermaßen die deutsch stämmigen. In den rund 54 Jahren deutscher Kolonisation in Paraguay entstanden von bedeutenden Siedlungen 1881 San Bernardino in wunderbarer Lage am See Jpa- carai, dann Encarnacion, 1900 Hohenau, anschließend daran die Kolonisation Qbligado, 1907 die Kolonie Mayntzhusen, heute Capitan Meza, 1917 Della Vista, 1921 Jndependencia, 1924 Villa Al- borada. Der Vollständigkeit halber seien noch erwähnt Cambyreta, etwa zwei Stunden von Encarnacion entfernt, und die Kolonie Jesus, zwischen den alten Jesuitenreduktionen Jesus und Trinidad. Von diesen hat San Bernardino seinen ursprüng- lich ganz deutschen Charakter schon erheblich einge- bußt. In den Kolonien am Alto Parana wohnen rund 4000 deutschstämmige Siedler, davon entfallen auf Hohenau rund 1900, Qbligado (I und II) etwa 1000, Bella Vista (Qbligado III) rund 600, Eapitcm Meza etwa 500. Dazu kommen etwa 1500 Deutsche der Kolonie Jndependencna. In Encarnacion mit seinen 18 000 Einwohnern ist das deutschstämmige Element noch sehr stark vertreten, Cam- dyrete, Jesus und Villa Aldorada haben je etwa 200 deutschstämmige Siedler.
Zahlenmäßig ist das deutschstämmige Element also nicht übermäßig hoch vertreten. Vergleicht man indessen die wirtschaftliche Lage der deutschen Siedlungen mit der der einheimischen Bevölkerung, so ergibt sich überall ein ganz auffälliges Uebergewicht der deutschen Siedlungen. Vergleicht man sie nun aber mit der wirtschaftlichen Lage der deutschen Siedlungen in Brasilien oder in Chile, dann ist man fast erschreckt über die überaus bescheidenen Erfolge der deutschen Arbeit in Paraguay.
Die Frage nach dem Grunde drängt sich förmlich auf. Denn die Ansiedlungsbedingungen dürften wohl in keinem Lande vorteilhafter sein als gerade in Paraguay. Das milde Klima, die wunderbare Fruchtbarkeit des Bodens, die niedrigen Landpreise, das reiche Vorhandensein von Baumaterial, das alles gestattet ein Selbständigwerden auch mit geringen Mitteln. Aber es ist schon richtig, „diese Vorteile bilden die Anziehungskraft, die sich bis in die fernsten Winkel der Länder ausstrahlt, wo rauheres Klima und schwerere Erwerbsmöglichkeiten herrschen. Es ist daher kein Wunder, daß gerade der Deutsche in ihren Bann gerät, da er die Annehmlichkeiten, die ihm die fernen Sonnenländer bieten, einfach zu denen seiner rauheren Heimat hinzurechnet. Dadurch entsteht eine Fata Morgana im Geiste des Auswanderungslustigen, die, genau so wie die wirkliche, dem armen Wandersmann gerade das vorgaukelt, wonach er lechzt, und wenn er den Spuk erkennt, dann ist es zu spät." Aber „wenn man der Wahrheit getreu berichten würde, dann müßte man hinzufügen, daß man trotz alledem nicht in der Lage ist, sich einen ordentlichen Herd, Glasfenster für den Wohnraum, einen Anzug aus Wollstoff, mit dem man sich in der Heimat sehen lassen könnte, Zeitungen, hin und wieder ein Buch und anderes mehr zu leisten. Eine Kuh gibt hier selten mehr Milch als 2 Liter und wertet etwa 20 Mark, umgerechnet. Ein Pferd, besser gesagt Pferdchen, ist mit 10 Mark käuflich, eine Wagenladung Apfelsinen, das sind 5000 Stück, etwa 5 Mark. Bei diesem Werte ist allerdings die gegenwärtige Inflation berücksichtigt, jedoch sind die normalen Zeiten auch nicht allzu verschieden, vielleicht dis 50 v. H. mehr."
In diesen Worten, die einem beachtlichen Aufsatz von Bischof „Paraguay als Einwanderungsland für Deutsche" in der auch in Paraguay vielgelesenen bonaerenser Zeitschrift „Lasso" entnommen sind, liegt der Schlüssel, „der die Tür öffnen würde, um einen Einblick ins Innere der wahren Verhältnisse zu gewähren". Der Verfasser setzt sich in diesem Artikel eingehend mit den Gründen auseinander, die einer Prosperität der deutschen Siedlungen hindernd im Wege stehen. „Jeder Auswanderer wird", so sagt er beispielsweise, „seine Lage verbessern wollen und mehr als das bloße Leben begehren. Aber zur Erlangung von Wohlstand kommt es in erster Linie darauf an, daß die Produkte eine solche Bewertung haben, daß sie einen Anreiz zur Vermehrung ihrer Erzeugung geben. Es wäre immer die Frage den Ausgewanderten vorzulegen, welchen Ueberschuß der Kolonist hat, wenn er Loh n - arbeiter unter gleichen Verhältnissen zu bezahlen hätte. Dann ließe sich erkennen, ob die Anlegung einer Pflanzung wirklich einen Schritt in die Freiheit bedeutet oder ob sie eine Ankettung für immer ist. Leider vergißt der Ausgewanderte meist, daß er seine oft recht zahlreichen Kinder bis zum Rande der Möglichkeit für seine Arbeit ausnützt und selbst den kurzen Schulunterricht mehr versäumen als besuchen läßt. Dann ist die Kulturhöhe der einheimischen Bevölkerung in Berücksichtigung zu ziehen, denn über kurz oder lang gleicht sich der Einwanderer doch seiner Umgebung an. Selbst da, wo der Deutsche tn Nachbarschaft seiner Landsleute lebt, wo deutsche Schulen sind, werden, wenn der Zustrom neuen Blutes aus der Heimat versiegt, gar bald die Hemmungen fallen, die die Vermischung mit den Einheimischen verhindert. Es ist verständlich, daß eine Höherentwicklung der Einheimischen, die auf ihre* Scholle in der ihnen natürlichen Umgebung und in viel artigerer Zahl leben, weniger
wahrscheinlich ist, auch durch das beste Beispiel der Fremden, als umgekehrt, das Abwärtsgleiten der Einwanderer, um so mehr, weil das Klima erschlaffend wirkt, in der ersten Zeit mit den eigenen Kräften Raubbau getrieben wird und nichts vorhanden ist, was den Ehrgeiz zum Nachahmen anspornen könnte."
Bischof weist dann auf die überaus anspruchslose Lebensweise des einheimischen Paraguayers hin, der nur das Allernotwendigste pflanzt und keinerlei Bedürfnisse außer dem geringerrber Ernährung hat, die mit einigen Mandiocawurzeln und einer Bohnen- und Maissuppe und Tabak und Perba- Mate, bestenfalls einem Stück Fleisch befriedigt ist. „Zucker, Mehl, Fett, Petroleum bedeuten schon Luxus, und mit der Kleidung ist es ebenso. — Zu Hause genügt dem Mann eine kurze Hose, den Frauen ein hemdartiges Kleid. Die Kinder sind meist mehr oder weniger nackt. Auch die Behausung ist primitiv." Es ist daher nur zu begreiflich, daß bei einer solchen Lebenshaltung der Einheimische kein Freund von Arbeit, geschweige denn von andauernder Arbeit ist. Daraus ergibt sich, daß die arbeitsfreudigen Siedler sich nur auf ihre eigenen Arbeitskräfte, d. h. ihre Familienmitglieder stützen können. Trotz der theoretisch großen Produktionsmöglichkeit müssen sie sich tatsächlich sehr bescheiden.
„Infolge der Weltkrise", führt Bischof weiter
Afrikas kultureller Entdecker.
Leo Frobenius von seiner letzten Afrika-Expedition zurück
Leo Frobenius ist der eigentliche „kulturelle Entdecker" Af. r i k a s. Er hat auf feinen Forschungsreisen, die er stets mit einem kleinen, aber auserwählten Stad oon sorgfältig geschulten und zuverlässigen Mitarbeitern unternahm, den schwarzen Erdteil nach allen Richtungen durchstreift, meist unter den größten und härtesten Entbehrungen, und ist jedesmal mit reichen und einzigartigen kulturgeschicht- lichen Funden und Aufzeichnungen in seine Heimat zurückgekehrt. Heute, da sich dieser unvergleichliche Gelehrte entschlossen hat, „der jüngeren Generation die weitere Forschungstätigkeit in den neuen Gebieten zu überlassen", geziemt es sich wohl, noch einmal den tieferen Sinn seines Forscherlebens, und das Ergebnis seiner wissenschaftlichen Entdeckungen kurz zusammenzufassen. Denn in Frobenius sind einige der besten Eigenschaften des ausschließlich deutschen Wesens verkörpert; er war nie ein trockener Stubengelehrter, sondern irnme? ein Mann der Tat, ein Kämpfer, ein von ungeheurer Vitalität und Arbeitskraft erfüllter Mensch. Aber darüber hin- aus: seine Geisteshaltung birgt alle intuitiven und idealistischen Züge, die immer das Merkmal der wahrhaft schöpferischen Kulturpioniere der Menschheit gewesen sind. Er selbst schrieb einmal von seiner „inneren Stimme gegen dogmatisierende Bürokratie, vom unüberwindlichen Widerwillen gegen systematischen Lehrgang und der lodernden Leidenschaft für den Sinn und das Wesen der Dinge."
V
Professor Leo Frobenius nach feiner Ankunft im Hofe des Afrika-Instituts (Völker-Mufum) zu Frankfurt a. M. — Rechts von ihm feine Gattin. — (Scherl-M.)
In diesen Worten ist der ganze Frobenius enthalten. Er unternahm seine Reisen aus dem edlen Bedürfnis, die Zusammenhänge zwischen den ältesten Kulturen der Erde aufzudecken, um sich so ein organisches und kulturgeschichtliches Weltbild zu schaffen. Die vergleichende Kulturwissenschaft ist durch seine Leistungen um wertvolle Erkenntnisse bereichert worden. Denn Frobenius besaß wie kaum ein Zweiter Forscher den „intuitiven Blick" für die wirk- lich großen und wesentlichen Bindungen und Beziehungen. So fand er, daß räumlich weitgetrennte Kulturschichten innerlich zusammenge- hörten und aus ein er gemeinsamen Wurzel entstanden sein mußten. Dieses ewige Werden und Vergehen des kulturellen Lebens hat Frobenius in seiner bedeutsamen „Kulturkreislehre" zusammengefaßt. Er ist mit dieser Erkenntnis zu den verdecktesten Quellen des menschlichen Kulturlebens vorgedrungen und hat zu der Entwicklung des Menschengeschlechtes, namentlich der noch rätselumwitterten Rassen Afrikas einen unvergänglichen Beitrag geschaffen
„Der Lebensstil meines mütterlichen Großvaters", so schrieb einmal der Gelehrte über feine ersten Eindrücke und Anregungen, „wurde von vornherein bestimmend. Dieses war Dr. B o d i n u s , der erst den Kölner Zoologischen Garten gegründet und dann den Berliner Zoo im wesentlichen zu dem gemacht hat, was er heute ist. In dessen Hause saß ich schon als kleines Kind auf den Knien solcher Männer wie Nachtigal, Schweinfurth, Rohlfs, Brehm usw. Im Alter von fünf Jahren war ich durch eine Nubierin, durch deren Haarbewohner, Hammelduft und Gesänge für Afrika verpflichtet worden."
Diese „Verpflichtung" hatte zur Folge, daß ihn der schwarze Erdteil, feit er ihn zum erstenmal betreten hatte, nicht mehr los ließ. Seit 1898 an den Völkerkunde-Museen von Bremen, Leipzig und Basel tätig, rief Frobenius zehn Jahre vor Ausbruch des Weltkrieges die deutsche innerafrikanische Forschungsexpedition ins Leben, mit der er bis zum Jahre 1916 sieben Reifen unternahm. Diese Reisen führten in das Kongobecken, am Senegal entlang zum oberen Niger nach Timbuktu, durch Togo an die Küste in das Kabylenland und in die nördliche Sahara, von Saga in die Haussaländer und das nördliche Ada- mana. über das Rote Meer und Chartuni nach El- Qbeid, nach Algerien und Tunis und schließlich durch die Türkei und das nördliche Abessinien
Frobenius brachte von diesen Reisen eine Fülle wertvollster kulturgeschicht- kicher Funde beim, die einen ganz neuen Einblick in den Aufbau und die Struktur der afrikanischen Kultur gewährten. Wer bisher geglaubt hatte, der „schwarze Erdteil" sei ein Land ohne die qe-- ringften Anzeichen einer menschlichen Kultur, mußte über die Ergebnisse dieser deutschen Expeditionsfahrten außerordentlich überrascht fein. Frobenius konnte auf Grund zahlloser Belege, interessanter
Photos und Zeichnungen den Nachweis erbringen, daß Afrika vor Tausenden von Jahren eine hoch entwickelte Kultur besessen haben mußte, eine Kultur, die bann später wieder versank. In seiner „Afrikanischen Kulturgeschichte" finden sich sensationelle Bemerkungen über das Wesen und die Eigenart der afrikanischen Kultur. Bei dieser Gelegenheit nimmt der deutsche Gelehrte den vielgeschmähten und verachteten Neger energisch gegen die Vorwürfe Europas in Schutz: „Die Vorstellung vom barbarischen Neger ist eine Schöpfung Europas, die dann rückwirkend Europa noch bis in den Anfang dieses Jahrhunderts beherrscht hat". Frobenius beweist, daß „die eigentümliche Organisation der Staaten des Sudan schon lange vor dem Eslarn bestand, daß alle diese Künste verständigen Feldbaues wie sorgsamer Erziehung, daß bürgerliche Ordnungen wie Handwerke in Negerafrika u m Jahrtausende älter sind als in unserem Mitteleuropa — und wir behaupten, daß die Forschung alte Kulturen überall da in Aeguatorial- Afrika herrschend und lebensfroh angetroffen hat, wo nicht arabische Ueberleqenheit, hamitisches Geblüt oder europäische Zivilisation dem dunklen Falter den Staub von den vordem so schönen Flügeln fortgestrichen hätte".
Hervorragende wissenschaftliche Verdienste um die Erforschung Afrikas erwarb sich dann der deutsche Gelehrte durch die Gründung des Afrika- Archivs, aus dem sich später das Forschungsinstitut für Kulturmorphologie in Frankfurt a. M. entwickelte.
Es ist im Rahmen dieser kurzen Würdigung unmöglich, alle Reisen, die Frobenius unternommen hat, einzeln zu beschreiben. Zehn Jahre nach Beendigung des Völkerringens machte er feine neunte Entdeckungsfahrt, die von glänzenden Erfolgen gekrönt war. Frobenius entdeckte unter anderm eine uralte, kulturgeschichtlich hochinteressante Schmelz- Hütte mit Bronzeresten sowie die Ruinen einer Bergarbeiterstadt und Grabstätten. Von den zahlreichen wissenschaftlichen Büchern Frobenius' ist vor allem das große Sammelwerk „Erlebte Erbte i l e" zu erwähnen, bas in mehrere Bänbe zerfällt, in benen bas Gesamtergebnis seiner Afrikaforschung enthalten ist. „Atlantis", eine Sammlung von Volksmärchen und Volksbichtungen Afrikas in zwölf Bänben, ist bas zweite Monumentalwerk.
Die Forschungsreise nach Tripolitanien im Jahre 1932 brachte bem beutschen Gelehrten, ber immer tiefer in bie innersten Geheimnisse Afrikas oorgebrungen war, einen großen unb nachhaltigen Erfolg. Dem Wege des beutschen Forschers Hans Barth folgenb, entbecfte Frobenius in ber Bergkette zwischen Murzuck unb Gat Zeichnungen sämtlicher Stilepochen von ber Vorzeit bis zur archäologischen Aera. Die Felsbilber — sie waren es hauptsächlich, aus benen Frobenius neue, bahn- brechenbe Erkenntnisse schöpfte, Erkenntnisse, wie \ sie nur einem begnabeten Menschen beschieben werben.
aus, „ist bie Zahl ber exportfähigen Probu k t e sehr gering. Zur Zeit kommen in erster Linie die Baumwolle, bann Häute, Tabak, Petit Grains unb Wilbselle in Frage, nach Argentinien auch Apfelsinen unb Yerba. Aber diese Pro- duckte gelten heute wenig auf dem Welt- marft, roobei die genographische Lage sehr ins Gewicht fällt, da ber Transport nach bem Seehafen bas Mehrfache an Fracht kostet, als bie Seereise nach Europa. Nachteilig finb auch bie schlechten Verkehrsmöglichkeiten im Lanbe, wo oft monatelan wegen der Regenfälle Transporte unmöglich sind. Die Produktion ist in erster Linie auf ben einheimischen Konsum angewiesen, bas heißt auf bie Ortschaften unb Stäbte. Damit finb bie Grenzen sehr eng gezogen, auch für bie heimische Jnbustrie, zumal burch bie scharfe Abschließung ber argentinischen Grenze auch der Export von Cana, Zucker, Tabak, Perba gelitten hat.
Durch diese Verhältnisse ist der Kolonist gezwungen, sehr vielseitig zu sein, wodurch eine Zersplitterung stattfindet. Die Zuckerrohrpflanzer, die im Großen anbauten, sind durch bie Heraufsetzung ber Canasteuer unb sonstige brakonische Maßnahmen, bie bie Regierung gegen bie Schnaps- inbuftrie ergriff, in ihrer Existenz sehr eingeengt worben, so baß sie sich plötzlich umstellen mußten. Zurzeit ist der Weinba ; ¥? Wohlstand n-r-
heißende Parole. Dies, bis eine empsinbliche Weinsteuer kommt, benn ohne eine solche würbe sowieso eine Ueberprobuttion entstehen, bie bieselbe Wirkung hätte. Es ist ber Regierung natürlich nicht zu oerbenten, wenn sie bie möglichen Einnahmequellen ausnützt, unb ba bie Lebensbauer einer Regierung nur kurz ist, so werben bie Dispositionen meist ziemlich unvermittelt getroffen."
Wenn man nur ernstlich alles Für unb Wiber gegeneinanber abwägt, so ergibt sich boch ber Schluß, baß Paraguay als toieblungslanb trotz mancher unverkennbarer Vorzüge für Deutsche vor- läusig nur unter größten Vorbehalten empfohlen werben könnte.
Nie kommunistischen Flugblätter in München.
Eine Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats.
München, 30. Juli. (DNB.) Das e r z b i - schöfliche Sekretariat in München veröffentlicht zu bem von uns gemelbeten Funb kommunistischer Flugblätter, in benen ein Bünbnis mit ben Katholiken propagiert würbe, folgende Erklärung:
Die Tagespresse meldet, daß die Kommunisten in München Flugblätter an die Katholiken verteilt hätten. Von kirchlicher Seite lehnen wir diese kommunistischen Machenschaften mit allem Nachdruck ab. Die katholische Kirche kämpft feit Jahren den fchärfsten Kampf gegen den Kommunismus und wird eben beshalb in Rußlanb bis aufs Blut verfolgt. Wir waren unb finb auch immer bereit, mitber staatlichen Obrigkeit im Kampf gegen ben Bolschewismus zusammenzuarbeiten und weisen nach wie vor alle moskowitischen Anbiederungsversuche, von welcher Seite sie auch kommen mögen, entschieden zurück. Wir dulden auch in unseren katholischen Jugendverbänden keine staatsfeindlichen Elemente unb würben unnachsichtlich je» ben entfernen, ber auf kommunistische Lockungen einginge. Somit ist ber neue kommunistische Vorstoß, ber in ber Pfarrei St. Maximilian in München schon vor zwei Monaten ein ähnliches Vorspiel hatte unb gerabe burch bas sofortige Eingreifen bes Klerus eriebigt würbe, ein plumper Versuch, bie Katholiken als geheime Bun- besgenossen berKPD. zu verbächtigen. Der Polizei wirb es sicher gelingen, ben Drucker unb Druckort ber Flugblätter ausfinbig zu machen unb bie Verfasser unb Absenber zur Rechenschaft zu ziehen.
3. 21.: Dr. Weißthanner, Erzbischöflicher Sekretär.
Dieser Erklärung bes erzbischöflichen Sekretariats in München barf man mit Befriebigung entnehmen, baß bie geistliche Führung ber katholischen Kirche entschieben abrückt von allen Anbieberungsversuchen ber Kommunisten unb auch in ben katholischen Ju- genboerbänben solche Elemente nicht gebulbet werben, bie bolschewistischen Lockungen nicht wiberstehen können. Die in letzter Zeit mehrfach vorgekommenen Ueberfäüe von Angehörigen katholischer Jugenbver- bänbe auf Hitlerjungen, Arbeitsbienstmänner und andere Mitglieder nationalsozialistischer Gliederungen werden sich also künftig nicht wiederholen können, wenn die zuständigen kirchlichen Stellen im Sinne der Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats staatsfeindliche Elemente aus den katholischen Jugendverbänden rücksichtslos entfernen. Die Erklärung des erzbischöflichen Sekretariats ist aber auch noch in der Hinsicht interessant, als sie einen scharfen Trennungsstrich zieht zwischen der Haltung der Kirche und der Politik des ehemaligen Zentrums, das ja enge politische Bindungen mit dem gottes- leugnerischen Marxismus keineswegs scheute, um feinen politischen Machtanspruch durchzusetzen.
Aus aller Welt.
Schwere Srtnichkeitsverbrechen von „Barmherzigen Brüdern".
Die Pressestelle des Polizeipräsidiums Recklinghausen teilt folgendes mit: In der ber Kongregation ber „Barmherzigen Brüber" ge- hörenben Heil- unb Pflegeanstalt „M a - ria-Linbenhof" zu Dor st en - Holster- h a u s e n, bie zur Zeit 410 Insassen — Epileptiker, Schwachsinnige unb Geisteskranke — zählt, finb seitens ber Lanbeskriminalstelle Recklinghausen furchtbare Sittlichkeitsverbrechen festgestellt worben. Im Verlaufe ber Ermittlungen wurden aus ber Anstalt, bie 37 Orbenslaienbrüber und 20 Mann weltliches Personal hat, 10 Ordens- (aienbrüber fe ft genommen. Weiter wurden zwei ehemalige Orbenslaienbrüber, bie aus bem Orben feit einigen Jahren ausgeschieben finb, hinter Schloß unb Riegel gebracht.' Die Festgenomme- nen hoben sich in ber gemeinsten unb furchtbarsten 21rt an Kranken unb auch an minberjährigen Jungen vergangen. Durchweg schwere Sittlichkeitsverbrechen würben schon seit mehreren Jahren verübt, Verbrechen, bie nach bem Strafgesetzbuch mit sehr hohen Zuchthausstrafen geahnbet' werben. Von ben Ermittlungen ber Lanbeskriminalpolizei werben noch vier weitere An st alten bes genannten Ordens betroffen. Nach einer Zeugenaussage sprach der frühere Vorsteher der Anstalt auf bem Sterbebett bie Worte: „Mit Linbenhof nimmt es noch einmal ein schreckliches Enbe'"
Dreizehn Rassenschänber festgenommen.
Von ber S t a a t s p o l i z e i st e l l e Halle finb in ben letzten Tagen 13 Personen wegen Rassen- schanbe festgenommen worden. Die Festgenomme- nen, unter benen sich bie jübischen Mitinhaber zweier bekannter hallescher Warenhäuser befinben, hatten unter Ausnutzung sozialer Abhängigkeit bie Frauen 3u Liebesverhältnissen gezwungen. Der Jube Levit aus Herzberg hatte es fertig gebracht, bie Kriegerwitwenrente einer Frau Winkler, mit ber er ein Liebesverhältnis unterhalten hatte, für sich zu Der« roenben
IkberfaU auf ein polnisches Pfarrhaus.
Eine Räuberbande überfiel in ber Nacht bas Pfarrhaus eines Dorfes in ber Woiwobschaft War- schau. Als bie Räuber von bem Pfarrer bie Herausgabe bes Gelbes forberten, schlug bieser Alarm. Die barauf herbeieilenbe Wirtschafterin wurde von ben Banblten erschossen. Die Täter flüchteten nun ohne Beute. Später gelang es, ein Mitglieb ber Banbe festzunehmen. Der Räuber wurde, bei einem Fluchtversuch schwer verletzt.


