Ur. 228 Erster Blatt
Montag, 50. September 1955
185. Jahrgang
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Stimmung, die noch durch die Nachrichten über Unruhen in einzelnen Teilen des Landes und über eine bevorstehende Kabinettsänderung verstärkt würden.
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Aegidienberg 4923.
Der VDA. gedenkt der Abwehr der Separatistenschmach im Siebengebirge.
Bad Honnef, 30. Sept. (DNB.) Bereits am Samstagmittag standen Bad Honnef, Aegidienberg und alle kleinen Orte am Siebengebirge ganz im Zeichen des vom 28. bis 30. September stattfindenden großen Jugendtreffens des VDA. der Westmark, das der heldenhaften Abwehr deutschen Volkstums gegen die Separatisten- s chm a ch gedenken soll. Mehr als 5000 Jungen und Mädel aus ganz Westdeutschland waren zusammengekommen. Den Auftakt der Veranstaltungen bildete am Samstagnachmittag die feierliche Einweihung des Separatistenabwehrdenkmals in Hoevel bei Aegidienberg, das von den Einwohnern von Aegidienberg an der Stelle errichtet wurde, wo damals die Separatisten vier Geiseln so schwer mißhandelten, daß einer von ihnen starb. Neben zahlreichen Volksgenossen nahmen als Ehrengäste auch viele Selbstschutzkämpfer von 1 9 2 3 sowie die drei Abwehrkämpfer, die in die Hände der Separatisten gefallen waren, an der Einweihung teil. Der bekannte Völkerrechtler Professor Dr. Grimm (Essen) weihte das Denkmal ein.
Im Abend vereinte dann eine Feierstunde im Kurhaussaal von Bad Honnef die Abordnungen der ungezählten Jugendgruppen sowie zahlreiche Gäste. Der Bundesleiter des VDA., Dr. Hans Steinacher legte ein Treubekenntnis zum Memeldeutschtum ab. In bewegten Worten schilderte er die Tage des Jahres 1923. Professor Grimm schilderte den Kampf, den er geführt hat. Ein Teilnehmer der Abwehrkämpfe berichtete von dem Kampf im Siebengebirge. — Mit einem begeisterten Schlußappell des VDA. - Landesleiters Mittelrhein, Oberpräsidenten a. D. Staatsrat L ü n i n ck fand die große Kund-
ruch infolge der sehr unpraktischen Anlage des 54immblockes ungeheuer erschwert wird, wer-
London, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) In einer um 21 Uhr ausgegebenen Reuter - Meldung aus Memel über den Verlauf der Wahlen heißt es u. a.: Lange nach Anbruch der Dunkelheit belagerten noch protestierende Menschenmassen die 76 Wahllokale im Memeler Bezirk. Sie konnten keinen Zutritt erlangen, weil die vor ihnen befindlichen Leute so lange Zeit für ihre Stimmabgabe brauchten. Der britische Geschäftsträger in kowno, T r e st o n, unternahm während des ganzen Tages Rundfahrten, bei denen er die Wahllokale besuchte. Im letzten Augenblick hat auch Frankreich einen Legationssekretär in kowno und Italien seinen Generalkonsul in Danzig an Ort und Stelle gesandt. Die litauischen Beamten, die ihr B e st e s getan zu haben scheinen (?), um ein ungewöhnliches Wahlsystem in Gang zu bringen, sind beunruhigt über den Zusammenbruch ihrer Organisation. Die
habe. Im übrigen habe man den die Deutschen eine bemer- Mehrheit erlangen würden. Kreisen herrsche eine pessimistische
Vernichtender Eindruck aus neutrale Journalisten.
Völliges Versagen der litauischen Behörden. - Vorsätzliche Komplizierung des Wahlverfahrens. - Mustergültige Disziplin des Memeldeutschtums.
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meisten Memelländer sind dagegen erfreut. Sie erklären, ihre Voraussage bestätige sich, daß die ganze Wahl eine Komödie sei.
Der Gouverneur General Kurkauskas brauchte zehn Minuten, um mit seinen Stimmzetteln fertig zu werden. Der Reuter-Berichterstatter nahm einen ungültigen Wahlzettelblock mit 187 Namen und riß vorschriftsmäßig 29 der kleinen Zettel ab. Er brauchte für die Auswahl, das Abreißen und das Zusammenlegen der Namenszettel acht Minuten. Beamte eines Wahllokals erklärten, daß mehrere alte Leute je eine Stunde gebraucht hätten. Es gab viele kleinere Streitigkeiten zwischen den litauischen und deutschen Beamten in den Wahllokalen. Eine Gruppe ausländischer Journalisten, die aus einem Wahllokal herauskam, wurde mit den Rufen empfangen: „Die Signatarmächte haben uns an die Litauer verkauft."
gemalt der litauischen Staatsschutzpolizei übergegangen sind. Offenbar ist
litauische Eingriff darauf zurückzusühren, daß Magistrat Memel, der bereits den bisherigen
abschließendes Ergebnis noch nicht vor. Wenn man bedenkt, daß am Montag nur zehn Stunden für die Wahl zur Verfügung stehen, so ist jedenfalls damit zu rechnen, daß in Memel auch am Montag nicht alle Wahlberechtigten ihrer Wahlpflicht werden genügen können, lieber die Methode der S t i m m z ä h l u n g ist immer noch nichts bekannt. Die Wahlkommission, die sich damit beschäftigen wird, hat ihre Sitzung von Montag auf Dienstag 9 Uhr verschoben. Wann die Stimmzählung beginnen wird, ist auch noch nicht abzusehen, vermutlich aber erst am Dienstag ober Mittwoch.
Beispielloser Wahlterror auch am Wahltage.
Litauische Polizei bemächtigt sich am Vorabend Wählerlisten der Stadt Memel.
Tilsit, 29. Sept. (DNB.) Das Direktoriumsmitglied A n y s a s hat am Samstag mit einem Aufgebot der litauischen Staatspolizei die Büros des Memeler Magistrats besetzt. Die Beamten und Angestellten des Magistrats wurden gezwungen, ihre Büros, in denen die Wählerlisten bearbeitet wurden, zu verlas- se n, so daß die sämtlichen Wählerlisten der Stadt Memel in die alleinige Verfügungs-
Memelwahl unter größten Schwierigkeiten.
Has Wahlverfahren versagt—Oie Wahl muß heute fortgesetzt werden.-Litauische Lieber griffe sabotieren die Wahlsreiheit.
gebung ihr Ende. — Die Kundgebung wurde am Sonntag mit einer großen Befreiungsfeier Aegidienberg fortgesetzt.
(-scheint täglich, außer Ä ä Annahme von Anzeigen
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lüilagen: Die Illustrierte M jt A A A A W Jk A Aa bis 8^Uhr des Vormittags
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Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
Londoner SMersiimmen.
London, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Alle Morgenblätter veröffentlichen ausführliche Berichte über den Wahlkampf im Memelland. Sie bringen ausnahmslos« anschauliche Darstellungen von dem völligen Versagen der litauischen Behörden bei der'Organisation des Wahlgeschäfts und von der dadurch verursachten ungeheuerlichen Verwirrung. Ein „Times"-Bericht aus Kowno trägt die Überschrift „Verwirrter Wahltag im- Memel". Es heißt u. a., daß es an Wahlloka - len und an Urnen gefehlt habe, daß alte Frauen in den Wahllokalen vor Ratlosigkeit gemeint hätten und daß eine Bauersfrau nach drei Stunden noch immer nicht jhrerWahlpflichtgenügt hatte. Festgestellt wird weiter, daß verschiedene Wähler die Stimmzettel anscheinend durcheinander gebracht hätten. Hervorgehoben wird auch, daß die Mehrheit der deutschen Wähler trotz mühsam unterdrückter Erregung sich mustergültig verhalten habe.
Die „Times" sucht die Litauer gegen den Vorwurf in Schutz zu nehmen, daß sie die allgemeine Verwirrung vorsätzlich angerichtet hätten. Sie meint, sie hätten nur die Schwierigkeiten eines unerproo- tcn Wahlsystems unterschätzt. „Daily Expreß" dagegen sagt: „Das System der Stimmabgabe ist von den litauischen Behörden, die em Rückzugsgefecht kämpfen, um diese deutsche Stadt unter fremder Herrschaft zu halten, vorsätzlich kompliziert worden." „Daily Mail" schreibt u. a.: „Die Wahl entscheidet nicht, wie auch ihre Ergebnisse aussehen. Die große und wesentliche Frage, nämlich derGegensatzzwlschen deutscher
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Kultur und litauischer Herrschaft, die von Sowjetrußland unterstützt wird, wird genau s o bleiben wie zuvor. Der Kampf muß fortdauern, und auf die jetzige Krise werden neue Schwierigkeiten folgen." „Morning Post" sagt: Die deutschen Landwirte, Fischer und Ladenbesitzer von Memel verhalten sich ruhig, um der Welt zu zeigen, daß sie nach 17jähriger Trennung vom Deutschen Reich noch immer nicht wünschen, die litauische Sprache zu sprechen, litauische Gebräuche anzunehmen, oder ihre Kinder in litauische Schulen zu senden.
Der Sonderkorrespondent des „Daily Expreß" in Memel berichtet u. a.: Eine Menge warf mit Steinen und zertrümmerte die Fenster eines der drei Kinos von Memel. Da das Kino sich im Besitz eines Deutschen befindet, wird geglaubt, daß die Täter Litauer waren. Es wurde aber niemand verhaftet. Mengen empörter Männer und Frauen veranstalteten vor den Wahllokalen Kundgebungen, als erkennbar wurde, daß die Beendigung der Wahl an einem Tage unmöglich war.
Was fast man in Paris.
Paris, 30. Sept. (DNB. Funkspruch.) Die Pariser Presse stellt fest, daß die ruhige Stimmung vom Sonntagabend entspannend wirken werde. Der Sonderberichterstatter des „Journal" hat denOEin- druck gewonnen, daß der Optimismus der Litauer, die besonders auf die Bauern zählten, übertrieben zu fein scheine; denn d i e Bauern und die Fischer könnten, seitdem Deutschland die Grenzen geschlossen habe, ihre Erzeugnisse nicht mehr absetzen. Sie seien unzufrieden und würden daher für di e Einheitsliste stimmen. Auch die Jugend sei
säst vollständig für den nationalsozialistischen Gedanken gewonnen. „Journal" fordert die Garantiemächte, besonders Italien und England auf, die internationale Zusammengehörigkeit zu wahren. Frankreich wünsche die Wiederherstellung normaler Beziehungen mit Deutschland. Es habe deshalb in der Memelangelegenheit sehr aufrichtig zu verstehen gegeben, daß es auf die deutsche Eigenliebe Rücksicht zu nehmen wünsche. (?)
Oer Eindruck in Warschau
W a r s ch a u , 30. Sept. (DNB. Funkspr.) „Ga- zeta Polska" hebt in einer Meldung aus Memel das mangelhafte Wahloerfahren hervor, das den Anhängern des deutschen Blocks ein neues Argu-
Einbürgerungsanträgen des Direktoriums unter Anzweiflüng ihrer Loyalität und Rechtmäßigkeit nicht ohne weiteres entsprochen hatte, sich auch zur Ausstellung der auf Grund der berüchtigten Verordnung der Wahlkreiskommission vom 4. September eingeführten Stimmscheine nicht her- gegeben bat. Der litauischen Willkür sind damit alle Wege zur Verstärkung ihrer Wahlbeeinflussung geöffnet.
Aus Memel kommen zahlreiche Meldungen, nach denen das Zubringen der Kranken durch Autos der memelländischen Einheitsliste untersagt wurde. Kranke, die mit Autos zum Wahllokal kamen, wurden zurückgewiesen und durften nicht wählen. In Coadjuthen wurde eine Frau, die ein Kind erwartet, v o n P o l i z e i - beamten gestoßen, so daß sie nicht wählen konnte und nach Hause zurückkehren mußte. In Palleiten wurde der Pertrauensmann der Einheitsliste im Wahllokal von Polizeibeamten mit der Pi st ole bedroht. Besonders zahlreich sind die Fälle, in denen Alten, Kranken und Gebrechlichen, die nicht sehen können, die Wahl- hilfe verweigert wurde. Die Blocks mit den Kandidatennamen waren häufig falsch zusammengeheftet, Kandidaten der Einheitsliste fehlen. Weiter wird Beschwerde darüber geführt, daß die Umschläge von Wählern der Einheitsliste umgekehrt in die Wahlurne geworfen werden, so daß die Stimmzettel lose in die Wahlurne fallen. In Wieszen wurde bei einem Tumult d i e Wahlurne zerschlagen, so daß dort nicht weiter gewählt werden konnte.
Oer ungarische Ministerpräsident in Berlin.
Empfang beim Führer.
Berlin, 29. Sept. (DNB.) Der Führer und Reichskanzler empfing heute den ungarischen Ministerpräsidenten G ö rn b ö s zu einer längeren Besprechung, an der auch Ministerpräsident Göring teilnahm. Nach einem Besuch beim Reichskriegsminister Generaloberst v. Blomberg und beim Reichsaußenminister Fhr. v. Neurath begab sich Ministerpräsident Gömbös zum Ehrenmal. Unter den Klängen des Präsentiermarsches schritt Ministerpräsident Gömbös die Front der Ehrenkompanie ab. Er betrat sodann das Ehrenmal und legte einen Kranz mit den ungarischen Nationalfarben rot-weiß-grün und der Aufschrift: Den deutschen Helden — Der Königlich-ungarische Ministerpräsident" nieder. Nach dem feierlichen Akt der Kranzniederlegung erfolgte der Vorbeimarsch der Ehrenkompanie. Bei der Abfahrt erwiesen Tausende dem Ministerpräsidenten den deutschen Gruß. Ministerpräsident General Göring gab sodann zu Ehren des ungarischen Ministerpräsidenten in den Räumen seines Hauses ein F r ü h st ü ck. Neben Verwandten des Ministerpräsidenten waren zugegen die Reichsminister Frh. von Neurath, Generaloberst von Blomberg, Dr. Schacht und K e r r I, ferner Botschafter v. Ribbentrop, die Staatssekretäre Milch und Körner, Generalleutnant Beck sowie die Generalmajore Wever und Kesselring.
Am Sonntagabend folgte der ungarische Ministerpräsident einer Einladung des preußischen Ministerpräsidenten in die Staatsoper zur fest- lichen Aufführung der Oper „Aida" von Verdi. Ministerpräsident Gömbös, Ministerpräsident Göring und Gemahlin sowie die Verwandten des preußischen Ministerpräsidenten Graf und Gräfin Rosen und Frau Lilly Martin nahmen in der Mittelloge Platz. In der Loge des Ministerpräsidenten betreuten Staatssekretär Körner und Ministerialrat Gritzbach die Begleitung des ungarischen Ministerpräsidenten. Nach Schluß der Vorstellung wurden dem ungarischen Ministerpräsidenten herzliche Ovationen bereitet.
bin in den Wahllokalen in der Stunde durch- s Wittlich nur etwa 80 Wähler abgefertigt. In hm Bezirken, die weit über 1000 Wähler aufweifen, war demnach die Abgabe aller Stimmen in der gesetzlich vorgeschriebenen Wahlzeit vun 8 Uhr morgens bis 20 Uhr unmöglich, lias litauische Kabinett hat daher beschlossen, eine Abänderung des Wahlgesetzes dahingehend rnrzunehmen, daß die Wahl am Wontag tron 8 Uhr morgens bis 18 Uhr art) e n b s fortgesetzt werde. Wit Rücksicht chf die Anwesenheit der Vertreter der Signa- tcnmächte und zahlreicher ausländischer Iour- Misten will es Litauen anscheinend nicht auf sth nehmen, einem großen Wählerkreis infolge Zeitmangels das Wahlrecht zu nehmen.
l:ie Wahllokale wurden am Sonntag pünktlich um 21 Uhr geschlossen. Dabei wurde die Abferti- . am. । der Wartenden sehr unterschiedlich behandelt. J-einzelnen Fallen wurden nur noch die im ' Yr.lraum selbst befindlichen, in anderen auch die iriim Vorräumen sich aufhaltenden Wartenden ab- ßifcrtigt. Als den Wartenden mitgeteilt wurde, daß a; Montag weiter gewählt werde, erklärten Lller, die vielfach acht bis neun Stunden Hiigeblid) gewartet hatten, daß sie am S):tag nicht mehr zur Wahl gehen wür- dkl!Arbeiter fragten vielfach: „Wer bezahlt uns den Sc:i dienst aus fall, unser Dienstherr gewiß rtj. Wir werden am Montag noch einmal li dl t e Stunden vergeblich warten. Laiirr die Wahlbeteiligung am Sonntag liegt ein
Vertreter der Signatarniächte am Wahltage im Memelgebiet.
Ausländische Beobachter bestätigen die Unmöglichkeit des WahlverfahrenS. — Selbst der litauische Gouverneur kommt nicht zurecht.
Hemel, 29. Sept. (DNB.) Strahlende Herbst- forne leuchtet über dem Memelland, auf dem an biiiem Sonntag die Augen der ganzen Welt ruhen. MH einer ruhigen Nacht sind die Menschen früher cnagestanden, in dem Bewußtsein, daß anstrengende S mden vor ihnen liegen. Eine Stunde vor Begin dor Wahl, um 7 Uhr, sieht man vor den Whllokalen bereits kleine Schlangen an» ftiien, die von Minute zu Minute wachsen. Als es bei n anfängt, zählen die Wartenden schon nach Hinderten und Tausenden. Auf dem Lande haben fid die Wähler oft noch früher aufgemacht, boibie Anmärsche zu den Wahllokalen vielfach 10 bi 15 Kilometer betragen.
itroa 60 Vertreter der ausländischen Presse beim en die Wahllokale, um sich ein Bild von dem Mhlbetrieb zu machen. In Memel kommen sie jariben Menschenschlangen vorüber in den Wahl- r i.u m, der meist überraschend klein ist für bi vielen Wahlnischen. In einem Raum wählen züleich 10, mitunter auch 30 und mehr Wähler. D Taschenuhren werden gezückt und Stichproben gnadjt. Es stellt sich heraus, daß „Rekordleute" es iniünf Minuten schaffen. Die große Mehrzahl aber di.ucht erheblich länger. Ein junger Litauer hat es erlich nach 16 Minuten hinter sich Alte Frauen elT brauchen eine halbe Stunde, eine Siu n b e und noch mehr Zeit. Dazu kommt bi Zeit für die Abfertigung an den Wahltischen. D stiller Verbissenheit erzählen die Memelländer, □ne schwierig der Wahlakt ist. Uebereinstim- 'nrnb hört man Klagen über die mangelhafte Psforierung der Blocks, so daß das Herausholen de Wahlzettel nur mit der Schere möglich ist. DI schwerer aber ist das Warten. Stunden nr Stunden vergehen, bis die herankommen, die fic pünktlich um 8 Uhr bei Wahlbeginn eingefun- fee haben Besonders anstrengend ist es für die «0:3 Alten, die meist sehr früh zur Stelle sind. ? jorenb ich es zu sehen, wie Greise und Kranke, Sanne und Blinde zur Wahlurne kommen. Ge- I Lälrmte werden auf Tragbahren herangetragen. Keile will fehlen. Alle wollen der Heimat die Treue jenen.
Alles spricht deutsch!
Ueberraschende Eindrücke der fremden Journalisten.
STtit einem Staunen stellen die Vertreter der Wi'tmächte fest, daß es anscheinend nur Dihler der Einheitsliste gibt und auch die D.iiigen Litauer kommen zu derselben für sie beä üblichen Feststellung. Von einer Geheim- hllt un g der Wahl kann man beim besten Wil- (ei in diesen engen Räumen nicht reden. Man siet über die Schultern der Wähler hinweg, wie sie rh: „Gebrauchsanweisung" der Einheitsliste vor sidl haben und danach wählen. Außerdem sind die < Msevertreter erstaunt, kaum ein litauisches 5B । r t zu hören, wenn es nicht gerade aus dem ER.uit)e eines Wahlvorstehers kommt. Alle f p r e» <nn deutsch und überfallen die Journalisten ei i empörten Klagen über die Schikanen der Wahl. Sh’.e brechen in Tränen aus. Vielfach handeln die Wouischen Helfer nicht nach den Wünschen ihrer eeiielländischen Wähler, stecken zu wenig oder stjsche Zettel in die Umschläge. Die Pertreter Einheitsliste, die der großen Mehrheit zu helfen Men, sind in einer Minderheit, die geradezu gro- wirkt.
laer Wahlgang ist sehr schleppend und zeitrau- b-nb. Da die Entwicklung des Wahlgeschäftes


