Nr.7b Zweiter Blatt'
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberheffen)
Samstag. 30. Marz (935
„Triumph des Willens" - lebendige Zeitgeschichte! Der Film vom Reichsparteiiag1934 als ein grandioses, politisch-künstlerisches Dokument.
Von Johannes Jotobi.
Di» gespannte Erwartung, mit der ganz Deutschland ein halbes Jahr nach Beendigung der Aufnahmen dem Film vom Reichsparteitag 19 3 4 entgegensah, gründete sich auf den einzigartigen Plan, das politische Leben des deutschen Volkes während eines achttägigen Festes von riesigen Ausmaßen in seinem Pulsschlag zu belauschen und Sinn und Inhalt einer so umfangreichen Tagung mit den Mitteln eines abendfüllenden Films einzufangen Die Schwierigkeiten dieses Unternehmens lagen nicht allein in den organisatorischen Vorbereitungen und den unsäglichen Anstrengungen, die weitverzweigten Veranstaltungen des Parteitages in ihren wichtigsten Ausschnitten überhaupt vor die Kamera zu bekommen. Welcher Weitblick und Einsatz von Geist, Willen und physischen Kräften dazu erforderlich waren, kann jeder in dem Buche „Hinter den Kulissen des Reichsparteitag- films" nnchlefen, das L e n i R i e f e n st a h l soeben im Eher-Verlag in München herausgegeben hat. Hier ist mit den prächtigsten Bildern aus dem Film selbst zugleich die schwierige Arbeit der Filmoperateure in Wort und Bild festgehalten worden.
Was den „Triumph des Willens" aber aus der ganzen übrigen Filmproduktion heraushebt, das ist die Vereinigung von politischem Bildbericht und künstlerischer Gestaltung solcher Ereignisse, die in ihrem Wesen und in ihrer zeitlichen Anordnung der filmisch wirkungsvollen Verdichtung zu widerstreben scheinen. Diese Verbindung scheinbar unüberbrückbarer Gegensätze ist — nach dem starken Eindruck der Uraufführung — der Regisseurin Leni R i e f e n st a h l gelungen. Sie ist der innerlich unbeteiligten Reportage ebenso sicher aus dem Wege gegangen wie der Lückenhaftigkeit der Wochenschau und hat dennoch innerlich mehr und quantitativ weniger gegeben, als eine sklavisch an den Ereignissen klebende Chronik.
Das an Ort und Stelle in Nürnberg aufgenom- mene Material, das den vierzigfachen Umfang eines zweistündigen Spielfilms ausmachte, ist nach seinen Wirkungsmotiven frei gestaltet worden. Im Mittelpunkt stand die politische Idee der Tagung, die der Führer im Filmtitel selbst formulierte. Diese Ergriffenheit vom politischen Sinn des Werkes befähigte die Gestalterin des Films zu einer Auswahl und Anordnung der Szenen, die die politische Demonstration weitgehend in die arteigene Sprache des Films übersetzte. Von Anfang an ist eine Gliederung nach „A k - t e n" in optischer und akkustischer Hinsicht festzuhalten. Die gewaltige Ouvertüre mit prachtvollen Wolkenszenerien, Flugzeugaufnahmen, der geschmückten Stadt und dem Einzug des Führers in Nürnberg wird abgelöst von einer nächtlichen Szene, die einen wirkungsvollen Gegensatz zu der Licht- und Bildfülle des Eingangs bildet. Auch akkustisch ist diese Gliederung nach Möglichkeit durchgeführt worden. Nach dem lauten Jubel des Empfangs begleitet dezente Musik eine Reihe Nürnberger Stadtbilder und bietet wohltuende Entspannung. Szenische Kompositionen im Sinne einer Handlungsentwicklung sind überall zu bemerken, wo der Film mit den Ereignissen frei schalten kann. Wenn z. B. nach dem Gleiten der fliegenden Kamera über die im Morgendunst schlafende Stadt ein riesiges Feldlager sichtbar wird, allmählich da unten das Leben beginnt und eine Reihe von ergötzlichen Lagerszenen der Hitler-Jugend mit der Besichtigung durch den Führer ihren Höhepunkt erhält, dann spürt man d i e k ünstlerisch ge stattende, frei kompo-
Geist, das gleiche Denken in Bildern bekundet sich im Schnitt, wenn etwa das Wort Hierls vom marschierenden Arbeitsdienst in eine eindrucksvolle Marschszene übergeht. Das Streben nach Dichte und Verbundenheit der Teile wird auch durch die Einbeziehung der Musik unterstützt. Die Stimmung eines Marschliedes des Arbeitsdienstes schlägt sofort die Brücke zu dem Gesänge der SA. in ihrem nächtlichen Lager und bindet die zeitlich und räumlich getrennten Szenen fest aneinander.
Naturgemäß stößt solches Gestalten aus dem Geist des Film auf Grenzen, wo das Wort als Instrument des politischen Willens die Szene beherrschen muß. Wir haben ja nach Ueberwindung der Kinderkrankheiten des Tonfilms gelernt, daß ä u ß e r st e Beschränkung der Rede ober st es Gebot für die künstlerische Gestaltung des im optischen Bereich verwurzelten Films ist. Dieses Gesetz konnte für den „Triumph des Willens" natürlich nicht uneingeschränkt gelten. Denn die Reden sind wich- t i g st e r B e st a n d t e i l der Nürnberger Tage gewesen. Es galt also, um der politischen Wirkung willen das gesprochene Wort in kernhaften Sätzen zur Geltung zu bringen. Was Leni Riefenstahl hier an schlagkräftigen Zusammenziehungen z. B. der Kongreßreden geleistet hat, ist schlechthin vorbildlich. Auch an solchen Stellen ist das Aeußerste an filmischer Bindung erreicht worden, indem
nierende Persönlichkeit. Derselbe filmische die Kamera immer wieder die Reflexe des Wortes bei den Zuhörern aufsucht.
Dieser meisterhafte Rhythmus aus Bild und Wort ermöglicht in seiner Gesamtheit dem Film eine Wirkung, die die Fülle des Nürnberger Geschehens ausdrucksmäßig vollkommen umfaßt. Der stärkste Beweis für die Unmittelbarkeit der Wirkung ist darin zu erblicken, daß der Jubel, den z. B. das Erscheinen des Führers oder die Schlagkraft seiner Worte an Ort und Stelle der Aufnahmen auslöste, spontan auf die Betrachter des Films überspringt und daß der Ablauf des Bildstreifens von einem Wogen des Beifalls begleitet wird. Aber auch Szenen, die in ihrer Totalität einfach photographiert worden sind, wie die chorische Arbeitsdienstkundgebung oder die Totenehrung der SA., übertragen die geballte Wucht ihres Seins unmittelbar auf den nacherlebenden Filmzuschauer.
So war es kein Wunder, daß bei der Uraufführung in Berlin sich Publikum und Teilnehmer des Nürnberger Schlußkonarefses im Gesang des abschließenden Horst-Wessel-Liedes vereinigten/ und der grandiose Gesamteindruck sich dahin zusammenfassen ließ, daß acht Tage nationalen Selbstbekenntnisses in ihrem Wesenskern bildlich lebendig geworden sind.
Der Dank des Führers.
WM
x-
Mch ■ MM
K
Scherl-Bildmaterndienst
Der große Film des Reichsparteitages „Triumph des Willens" wurde am 28. März im Ufa-Palast am Zoo uraufgeführt. Der Führer und Reichska nzler sprach nach der Vorführung der Gestalterin des Films, Leni Riefen st ahl, seinen Dank aus.
Die Mode.
Von Or. Roderich von Ungern Sternberg.
Unter einer Kleidermode verstehen wir eine dem jeweils vorherrschenden Geschmack entsprechende Art, sich zu kleiden und zu schmücken. Das Urteil darüber, was als geschmackvoll gilt, ist außerordentlich wechselnd. Daß das Wesen der Mode i m Wechsel besteht, ist daher wohl die nächstliegende Feststellung, die jeder machen wird, der im Frühjahr oder Herbst die neuen Modeschöpfungen betrachtet.
Man ist im allgemeinen geneigt, diesen „ewigen" Wechsel samt den Auswüchsen und „Torheiten der Mode" für eine Narretei zu erklären und als Erscheinungen zu werten, die nicht Gegenstand ernster Betrachtungen sein können. Diese Ansicht ist schon deshalb unrichtig, weil eine Erscheinung, die so verbreitet ist, wie die Mode und der Modewechsel, schon wegen dieser Verbreitung offensichtlich von großer psychologischer Bedeutung sein muß. Deshalb ist es auch geboten, den U r - fachen des Modewechsels einmal nachzuspüren.
Diese Ursachen kann man am ehesten ergründen, wenn man die Entstehungsgeschichte der Mode in ihren Grundzügen zurückverfolgt. Hat es etwa immer eine Kleidermode gegeben? Haben die Menschen des westeuropäischen Kulturkreises auch in früheren Jahrhunderten zweimal jährlich mehr oder weniger eingreifende Neuerungen an ihrer Kleidung und damit an ihrer ganzen äußeren Erscheinung vorgenommen, wie es die Frauenmode heutzutage tut? Wenn wir daraufhin ein Werk über „Trachten und Moden" durchsetzen, so können wir unschwer feststellen, daß die Veränderungen, die Schnitt und Farbe ehedem erfuhren, unvergleichlich seltener waren, als heutigen Tages. Ganze Jahrhunderte zeigen fast genau die gleiche Art, den äußeren Menschen auszustatten.
Und noch eine weitere bedeutsame Beobachtung liegt nahe: Eine bestimmte Art der Kleidung, sowohl der männlichen wie der weiblichen, ist im Mittelalter und noch weit darüber hinaus streng mit der Zugehörigkeit der. betreffenden Person zu einem bestimmten Stand und Rang verknüpft, woraus gefolgert werden muß, daß es sich dazumal gär nicht um eine „Mode" in unserem Sinne, sondern um eine Tracht gehandelt hat. Der kulturgeschichtlich sehr wesentliche Unterschied zwischen Tracht und Mode besteht aber darin, daß letztere von jedermann mitgemacht wird; daß sich seit Aufkommen der eigentlichen Mode jeder „modisch" kleiden kann und darf, der das nötige Geld zu entsprechenden Neuanschaffungen hat; tzaß sich anders zu kleiden als die jeweilige Mode vorschreibt, für unpassend gilt; und daß nur sehr wenige Leute, die meistens als Sonderlinge belächelt werden, sich ohne zwingenden wirtschaftlichen Grund den „Luxus" leisten können, die Mode ganz zu mißachten. Die Tracht dagegen war und ist, sofern sie heute noch besteht, eine auf traditioneller Überlieferung beruhende Art sich zu kleiden, die ursprünglich, und der Idee nach, als ein Kennzeichen der Zugehörigkeit zu einem bestimmten Stande oder einem landschaftlich umgrenzten Volkstum (Bauerntrachten?) galt, bzw. heute noch gilt. Sofern Vorschriften über die Tracht gemacht wurden, hatten sie auch nur für einen abgegrenzten Kreis von Personen Geltung.
Nun haben sich allerdings schon sehr frühzeitig, vor allem in den italienischen Stadt- Staaten (Florenz, Venedig, Mailand u. a.) Durchbrechungen der mittelalterlichen ständischen Vorschriften über die Trachten vollzogen. Maßnahmen, die dagegen getroffen wurden, haben wenig gefruchtet, solange der allgemeine Lebensstil, wie das im 15. und 16. Jahrhundert in Italien in erheblichem Umfang der Fall war, die Unterschiede der Stände sehr stark verwischte und zwischen den Vertretern der wohl-
Der„Goldaienkönig"im Film
Von Peter Purzelbaum
Major a. D. von Zglinitzky (Peter Purzelbaum) ist der Verfasser der früher hier besprochenen im Brunnenverlag erschienenen Biographie Friedrich Wilhelms I. „Rex".
„Messieurs, aimez ces details, ils ne sont pas Sans gloire!“ Dieses Wort des großen Friedrich — dem Sinne nach verdeutscht: „Meine Herren! Beachten Sie liebevoll die einzelnen Kleinigkeiten, sie sind nicht ohne ruhmvolle Wichtigkeit!" — bedeutet in unsere Soldatensprache übertragen: „Ein nicht zugeknöpfter Knopf verdirbt die Besichtigung!"
Unter diesem Gesichtswinkel möchte ich einmal den Film „D e r alte und der junge König" betrachten, der bei seiner Uraufführung mit ungeheurer Begeisterung aufgenommen wurde, lieber das Problem, das er behandelt, und das sich dreht um den ewigen Widerstreit zwischen Vater und Sohn, zwischen Jugend und Alter, zwischen einem real und einem ideal veranlagten Charakter, hat sich inzwischen die Tagespresse ausführlich geäußert. Sie hat eingehend über die Kunst der einzelnen Darstellungen geurteilt, sie hat von hoher historischer Warte aus gesagt, was überhaupt über die Persönlichkeiten und ihre Handlungen zu sagen ist. Deshalb betrachte ich einmal diesen Film nur vom Standpunkt des Kenners des „Privatlebens Friedrich Wilhelms I.", als sein Biograph.
Gerade seiner Einzelheiten wegen bildet der Film vom Soldatenkönig einen Wendepunkt in der Entwicklung historischer Darstellung, gleich, ob sie uns auf der Leinwand ober auf der Bühne gezeigt wird. Diesem Film ist nämlich das scheinbar Unmögliche gelungen, den Ablauf geschichtlicher Ereignisse innerhalb von rund zehn Jahren — von 1730 bis 1740 — in eine zweistündige Vorführung zu zwingen, ohne die Tatsachen zu verfälschen. Fälschungen gab es bisher — dem Himmel sei's geklagt! — fast bei allen historischen Stücken. Doch das Leben schreibt viel stärker wirkende, viel bewegtere, viel lustigere und viel traurigere Filme, als dies der Dichter an seinem Pulte je vermag. Es hat darum ein die reine geschichtliche Wahrheit wiedergebendes Werk unbedingt die stärkste Wirkung. Der Film vom Soldatenkönig wühlt alle unsere Empfindungen um, versetzt uns in höchste seelische Erregung und helle Begeisterung. Und dies in erster Linie deswegen, weil er bis in jedes Detail wahrhaft und treu bleibt, darum, weil kein „nicht zugeknöpfter Kn.'pf die Besichtigung verdirbt".
Eine der wichtigsten und uns Soldaten angehen
den Details seien jetzt herausgegriffen; wir beginnen mit der Majestät des Königs selbst. Von der ersten bis zur letzten Szene trägt der Monarch den schlichten blauen Rock mit der uns so wohlbekannten Stickerei seines Regiments, der aber sonst durch keine Litze, Tresse oder Klunker sich von dem des jüngsten Leutnants unterscheidet. Selbst den schlichten Musketier-Hut schmückt kein Plum. Der Stern des Schwarzen Adlerordens ist dem dama
W ----
Emil Iannings als Friedrich Wilhelm I.
ligen Brauche entsprechend auf das Tuch des Rockes gestickt, die unter der weit ausgeschnittenen Weste sichtbare Wäsche glänzt in blendender Weiße. Im Gegensatz zu seinem Sohn schätzte der Soldatenkönig peinliche Sauberkeit und körperliche Gepflegtheit, so wie sie von ihm in jeder Szene des Films auch ausstrahlt. Ebenfalls historisch ist — und darum so wirkungsvoll — daß der Monarch zu staubiger Aktenarbeit, um die schneeweißen Aerrnel und Beinkleider zu schonen, Schreibärmel und Schürze anlegte.
Der Erbprinz von Bayreuth erscheint bei seinem ersten Auftreten in einem Kostüm, das bas Gegenstück der einfachen schlicht-preußischen Uniform darstellt. Gleich diesem Prinzen — übrigens eine ganz
famose, lebensechte Gestalt — liefen nach dem Vorbilde Ludwigs XIV. von Frankreich die durchaus nicht wenigen Potentaten — auf Kosten ihrer geschröpften und geplagten Untertanen versteht sich — im deutschen Lande herum. Mit solchem welschen Afsentum pflegte Friedrich Wilhelm I. kurzen Prozeß zu machen und es seinen Untertanen gründlich zu verekeln: er ließ nämlich die Profossen, die übel berüchtigten Stockmeister feiner Regimenter, nach der neuesten französischen Mode gekleidet gehen. Weiter ist für uns interessant, daß der Bayreuther Band und Kreuz — letzteres in feiner ursprünglichen Form — des Roten Adlerordens, der gleichzeitig mit Ansbach-Bayreuth im Jahre 1791 an Preußen fiel, trägt. Ursprünglich ist also der Rote Adlerorden ein nichtpreußischer Orden gewesen.
„Die langen Kerrels warfen", so heißt es in meinem Buche vom „Rex", „einen letzten Lichtstrahl auf das Sterbelager des Soldatenkönigs". Ich schrieb diesen Satz rein gefühlsmäßig, und nun steht er als lebendes Bild da: im Sessel der todkranke König, übet den sich feine lieben blauen Kinder beugen, deren hohe Mützen sich wie ein Dom über den glückselig lächelnden Monarchen wölben.
Endlich — ja endlich grüßen die Offiziere ihren König in richtiger Manier: sie nehmen nämlich den Hut ab und senken den Arm schlicht nach unten. Das Seitwärtsstrecken des Armes, das meist mit Fußgetrampel verbunden zu sein pflegte, hat es zwar nie gegeben, gehört aber zum unausrottbaren Bestand jeder Bühne ober jebes Films. Hoffentlich ist ein für allemal mit biefem Theatermätzchen ein Ende gemacht worden!
Und nun zum Schluß zwei interessante Züge, die, wenn auf sie nicht aufmerksam gemacht werden würde, kaum Beachtung finden dürften. Zuerst: Der König und fein zweitältester Sohn August Wilhelm, der Stammvater aller auf Friedrich den Großen folgenden preußischen Könige. Friedrich Wilhelm trug sich nämlich, als Kronprinz Fritz in Küstrin gefangen faß, mit der Absicht, die Krone dem Zweitältesten zu übergeben. Aus diesem Grunde beobachtet der Vater den jungen Prinzen beim Spiel und prüft feine militärischen Anlagen. Doch als er dabei Fritzens Brief mit dessen Unterwerfung unter den väterlichen Willen erhält, kommandiert der König: „Marsch — zurück in die Kinderstube!"
Wir erleben in Rheinsberg das junge Glück des kronprinzlichen Paares. Lebenswahr, von seltener Naturtreue wird die Kronprinzessin Elisabeth-Christine, wie wir sie von den Bildern aus der Zeit kennen und lieben, bargestellt. Sie war eine Frau, bis verdiente, glücklich zu sein und glücklich zu machen. Die .fast vier Jahre bauernde goldene
Rheinsberger Zeit gewährte dieser Frau diese Freuden — da plötzlich, mitten hinein in ein rauschendes Fest, kommt die Nachricht, daß des alten Königs Stunden gezählt sind. Ohne feiner Gemahlin ein Abschiedswort, einen Abschiedsblick zu geben, stürmt Kronprinz Friedrich davon, an das Sterbelager feines Vaters. Jäh ist der Glückstraum dieser prächtigen, dieser liebenswürdigsten aller Königinnen zerstoben — aus.
„Schach dem Zaren^, dramatisches Hörbild von Wilhelm Müller-Scheid.
Der Reichssender Frankfurt bringt am Sonntag die Ursendung einer dramatischen Szene von Wilhelm Müller-Scheid, in welcher eine Stunde weltgeschichtlicher Entscheidung packend gestaltet wird: Dem Siegeszug Napoleons scheint keine Grenze gesetzt. Alle seine Gegner hat er m die Knie gezwungen, den Völkern Europas seinen Willen aufgedrückt. Seine schrankenlose Machtgier gönnt ihm keine Ruhe, sie treibt ihn zum Kampf gegen Rußland, dessen Zar sich nicht vor ihm beugen will. Bis vor die Tore Moskaus hat der korsische Eroberer seine Truppen schon geführt, ohne daß sich ihm das feindliche Heer zu einer entscheidenden Schlacht gestellt hätte. Am Hofe des russischen Kaisers beginnt man indessen in wankelmütigem Kleinmut an dem Erfolg des Feldzuges zu zweifeln und rät zu Kriegsverhandlungen mit Bonaparte. Da ist es der Freiherr vom S t e i n, der in der Verhandlung als der Vertraute des Zaren in Rußland weilt und der die Ereignisse zur Entscheidung hin- brängt. In einer Ministerbesprechung gelingt es ihm, Alexanber von der Richtigkeit der abwartenden Haltung seines Heeres und der Taktik des Zurückweichens zu überzeugen. In leuchtenden Farben malt er das Bild von dem Untergang Napoleons, den Feuer und Frost, die einzigen Mächte, die ihn zu zwingen vermögen, vernichten sollen. Der lieber» redungskunst Steins, der den Zaren bei seiner Ehre nimmt und zu männlicher Entschlossenheit auffor» bert, kann der Herrscher aller Reußen nicht widerstehen. Das französische Friedensangebot wird abgelehnt, Moskau soll in Flammen aufgehen und dem Siegeszug Napoleons ein entschiedenes Halt gebieten. Diesen für die weiteren Geschehnisse Europas so bedeutsamen Ministerrat und die Unter- rebung bes Freiherrn vom Stein mit dem Zaren Alexanber hat Wilhelm Müller-Scheid, der Gaupropagandaleiter bes Gaues Hessen-Nassau, zu bem dramatisch wuchtigen Hörbild „Schach dem Zaren" gestaltet, das die Abteilung Kunst des Reichssenders Frankfurt am 3t. Wn, von 19.15 bis 20 Uhr, unter der Spiel! ?itung von Mansrcd Marlo zur Ursendung bringt.


