Luftwaffe geschenkt. Baistrocchi schloß: „3m April werden wir rund 600 000 Mann unter den Waffen haben, die vollkommen ausgerüstet und in geschlossene Einheiten gegliedert sind. Wir sind für jede Aufgabe bereit, die uns das Schicksal stellen wird. Kein Ereignis wird uns unvorbereitet überraschen.^
Regierungskrisis in Spanien.
Madrid, 29. März (DNB.) Nach dreistündigem Ministerrat hat die spanische Regierung beschlossen, den aus dem Oktoberaufstand in Asturien bekannten Sozialistenführer P e n a, der zum Tode verurteilt worden war, zu begnadigen. Gleichzeitig mit ihm wurden 20 weitere zum Tode verurteilte Aufständische begnadigt. Dieser Beschluß hat die der Katholischen Volksaktion, den Agrariern und den
Liberaldemokraten angehörenden Kabinettsmitglieder veranlaßt, ihren sofortigen Rücktritt bekanntzugeben. Ministerpräsident Lerroux hat darauf dem Staatspräsidenten den Rücktritt des Gesamtkabinetts angezeigt. Voraussichtlich dürfte die neue Regierung sich parteipolitisch mehr oder weniger aus den gleichen Kräfte n , wie die eben zurückgetretene rekrutieren. Schon deshalb wird in weiten Kreisen die Krise als überflüssig und für Spanien schädlich angesehen. Einen tieferen Sinn könnte sie nur dann haben, .wenn Gil Nobles, der Führer der stärksten Partei, der katholischen Volks- a k t i o n , sich entschlösse, die Regierung s e l b st zu bilden und die Mehrzahl der Minister für das neue Kabinett zu stellen. Gil Nobles scheint aber den Zeitpunkt hierfür noch für verfrüht zu halten.
Oer Führer berichtet dem Reichskabinett
Annahme des Reichshaushaltsvoranschlags 1935.
Berlin, 29. März. (DNB.) Vor Beginn der heutigen Kabinettssitzung gab der Führer und Reichskanzler in einer Ministerbesprechung einen eingehenden Bericht über die mit den englischen Ministern geführten politischen Verhandlungen.
Das Reichskabinett beschäftigte sich alsdann vorzugsweise mit dem Reichshaushalt für 19 35, der nach dem Vorschlag des Reichsfinanzministers nach eingehender Erörterung angenommen wurde. Mit Rücksicht auf den noch nicht endgültig feststehenden Ausgabenansatz, z. B. für die bisherigen auf das Reich übergegangenen Länderjustizverwaltungen und für das Saargebiet kann eine endgültige Gesamtsumme für den Reichshaushalt noch nicht f e st g e st e l l t werden.
Ferner verabschiedete das Reichskabinett ein drittes Gesetz zur Aenderung des Gemeinde- umschuldungsgesetzes, wodurch die noch verbliebenen ungeregelten Verbindlichkeiten der Gemeinden bereinigt werden, sowie ein Gesetz über die Regelung des Landbedarfs der öffentlichen Hand, durch das eine Reichsftelle für diese Zwecke errichtet wird, die dem Reichskanzler unmittelbar untersteht. Durch ein besonderes Gesetz wird die Landbeschaffung für Zwecke der Wehrmacht noch im einzelnen geregelt.
Angenommen wurden zwei Aenderungen des Besoldungsgesetzes sowie schließlich ein Reichsgesetz über den Zweckverband
Reichsparteitag Nürnberg. Das Gesetz sieht als Mitglieder des Zweckverbandes die NSDAP., das Deutsche Reich, das Land Bayern und die Stadt Nürnberg vor. Er ist eine Körperschaft des öffentlichen Rechts. Organe des Zweckverbandes sind der Leiter des Zweckverbandes und die Verwaltungsräte. Leiter und Stellvertreter werden vom Führer und Reichskanzler bestimmt. Der Leiter führt die Verwaltung in voller ausschließlicher Verantwortung. Er hat vor Entscheidungen von wesentlicher Bedeutung, insbesondere zur Feststellung des Haushaltsplanes usw. die Verwaltungsräte zu hören. Erhebt ein Verwaltungsrat Einspruch, so hat der Leiter die Entscheidung des Führers und Reichskanzlers herbeizuführen. Die Kosten des Zweckverbandes werden durch Spenden und Beiträge aufgebracht. In der Begründung zu dem Gesetz wird u. a. gesagt, daß die Ausstattung der Stadt Nürnberg für die Reichsparteitage f o erhebliche Aufwendungen erfordere, daß die Stadt nicht in der Lage sei, alleinige Trägerin der Baukosten zu sein. Es handelt sich dabei insbesondere um die großen Versammlungsplätze, Steintribünen, Auf- marschstraßen, die große Kongreßhalle, Lagerplätze, Kulturhalle, Umänderungen des Dutzendteiches und des Tiergartens. Der Zweckoerband soll die Kosten der künftigen Bauausführungen tragen, während der Aufwand der Vergangenheit außer Betracht bleiben soll.
Imposante Huldigung für drei Meister deutscher Tonkunst.
Reichsminister Goebbels spricht auf einer Kundgebung der Reichümusikkammer.
Berlin, 29. März. (DNB.) Irn Rahmen der Deutschen Bach-, Händel-, Schütz-Feier 1935 veranstaltete die R e i ch s m u s i k k a m m e r in der bis auf den letzten Platz besetzten Philharmonie eine feierliche Kundgebung, in deren Mittelpunkt die Gedenkrede des Präsidenten der Reichskulturkammer, Reichsminister Dr. Goebbels, stand. An der Feier nahm neben den Vertretern der Reichsregierung, der Parteileitung und zahlreicher Behörden das künstlerisch interessierte Berlin teil. Die Philharmonie hatte sich zu Ehren der drei großen Meister deutscher Tonkunst in ein überwältigend schönes Blumengewand gehüllt, dessen Duft das ganze Haus erfüllte. In gewaltigen Ausmaßen beherrschte das WappenderKunstdie Frontseite des Saales, flankiert von den Bannern des Dritten Reiches. Das Podium war meterhoch mit frischem Grün abgedeckt, von roten Azaleen gekrönt, während weißer Flieder das Rednerpult und Narzissen die Brüstung verdeckten. Die Reliefs der Gefeierten an den Wänden trugen golddurchwirkten Lorbeer; auch die Logen und der Rang waren mit Grün eingefaßt, aus dem Priemeln leuchteten. Das frische Grün, die sanften Farben der Frühlings- blutnen schufen zusammen mit dem matten Gold der Ornamente, der schwarzweißen Gewandung aller Mitwirkenden ein wahrhaft festliches und schönes Bild, übergossen von einer Flut gleißenden Lichtes.
Einen besseren Auftakt als den F e st g e s a n g aus Psalm 47 und 66 von Heinrich Schütz hätte die Feier nicht finden können. Die herrliche Ratswahl-Kantate Johann S e - bastian Bachs fand eine ebenso würdige Wiedergabe durch den Bruno Kittelschen Chor und das Philharmonische Orchester. Die Solis bestritten Elisabeth Friedrich (Sopran), Eleonore Schloßhauer (Alt), Walter Ludwig (Tenor), Wilhelm Strienz (Baß), Fritz Heitmann (Orgel), Ferdinand Leitner (Cembalo) und Erich Röhn (Violine). Nach dem dankbaren Beifall nahm dann der Präsident der Reichskulturkammer,
Reichsminisler Dr. Goebbels das Wort. Es ist das erste Mal in unserer Geschichte, so führte er u. a. aus, daß sich eine deutsche Regierung mit dem ganzen Volk, das durch sie repräsentiert wird, zu einer Feier für die großen Meister deutscher Tonkunst Bach, Händel und Schütz vereinigt. Es ist damit auch das erste Mal, daß eine deutsche Regierung die Sache der Musik und der Musiker in solcher Weise zu ihrer eige- n e n macht. Je mehr die Musikpflege in den letzten Jahrzehnten nur ein Vorrecht bestimmter Kreise zu werden schien, desto geringer wurde die Verbindung, die das Volk in seiner Gesamtheit zu der Musik eines Bach, Händel und Schütz hatte. Der Idealismus, den die erstarkende Musikwissenschaft und eine in der Entwicklung begriffene musikalische Jugendbewegung im ersten Abschnitt unseres Jahrhunderts für die Wiedererweckung Bachscher, Hän- delscher und Schützscher Musik aufgebracht hat, soll nicht verkannt werden. Was aber konnte eine kleine Zahl von Idealisten der Musik gegen die schon ba- mals grassierende Ueberfrembung des deutschen Musiklebens und gegen die Zersetzungstendenzen einer auf äußere Oberflächlichkeit gestellten Zivilisation ausrichten!
Dr. Goebbels gab dann einen kurzen Abriß der persönlichen Entwicklung der drei Meister, um darauf die Frage aufzuwerfen, worin nun ihre spezi- fisch deutsche Art begründet liege. Dem deutschen Volke sei durch seine geographische Lage, wie durch seine rassische Veranlagung eine ganz besondere Aufgabe gestellt: Nicht nur der fremden Einflüsse aus den benachbarten Kulturkreisen nach und nach Herr zu werden, sondern aus ihrem Widerspiel neue, der deutschen Art gemäße Ideen hervor
zubringen. Dazu kommt die starke Bindung des deutschen Menschen an das Metaphysische, sein Drang nach unmittelbarer Auseinandersetzung mit dem Geistigen, sein immer wieder von neuem unternommener Versuch, in die Bezirke dieses Geistigen vorzustoßen, ja es schließlich in allem irdischen Sein wieder zu erkennen.
Ein grandioser Kampf hat sich auch auf dem Felde der Musik abgespielt, der im Grunde darum ging, ob die Musik nur als eine äußere Zutat des Lebens zu gelten habe, ober ob sich in ihr unmittelbar etwas von jener gottdurchbrungenen Welt offenbare, bie ber Deutsche aus seinen besten Herzenskräften heraus sich innerlich zu erobern trachtet. Dr. Goebbels wies nun im einzelnen nach, wie ge- rabe Schütz, Bach unb Händel dieser deutschen Aufgabe gerecht geworden sind, und schloß bann: „Sie waren Deutsche, nicht nur weil sie blutmäßig aus dem deutschen Volke hervorgegangen sind, sondern mehr noch, weil ihr ganzes Leben ein Ringen um bie bestenKräfte ihresDeutsch- tums gewesen ist. An seiner Unsterblichkeit zu arbeiten, ist bie Pflicht jeder Generation deutscher Menschen. Ihr haben unsere großen Meister ihre besten Kräfte geweiht Die Ehre und Dankbarkeit, die wir ihnen zollen, gilt damit unserem Volke in feiner edlen Stärke und demütigen Kraft."
Das Or gelkonzert F = 2) ur Georg Händels mit Orchesterbegleitung unter Hermann Stange und des gleichen Meisters erschütternd gewaltiges „Halleluja", das von dem Hause zu Ehren der drei großen Meister deutscher Tonkunst stehend angehört wurde, beschlossen die Kundgebung, die eine einzigartige Huldigung ewiger deutscher Kunst war.
Devisenvergehen bei zahlreichen katholischen Klöstern festgestellt.
Berlin, 29. März. (DNB.) Entgegen umlaufenden falschen Gerüchten wird von der Zoll- fahndungsstelleBerlin folgendes mitgeteitt: Mitte März d. I. fanden wegen dringenden Verdachtes schwerer Devisen- und Effektenschiebungen durch die zuständigen Zollfahndungsstellen Unter« j u d) u n g e n bei zahlreichen katholi- sch en K l ö st e r n im ganzen Reich statt, mit dem (Ergebnis, daß große Vergehen in devisenrecht- l'cher Hinsicht festaestellt wurden. Soweit sich bislang übersehen läßt, handelt es sich um Werte von runb 2% MilltonenMark. Eine Reihe von Geistlichen, Ordensschwestern und Ordensbrüdern befindet sich in Haft. Einzelheiten können im Interesse der schwebenden Ermittlungen vorerst nicht bekanntgegeben werden. Weitere Berichte bleiben jedoch vorbehalten.
Oie Verhaftung
des Journalisten Berthold Jacob.
Berlin, 29. März. (DNB.) Zu den in der ausländischen Presse erschienenen irreführenden Meldungen über die Verhaftung des Journalisten Berthold Jacob erfährt das DNB.:
Der wegen Landesverrats, Hehlerei usw. vorbestrafte und deshalb bereits 1932 in das Ausland geflüchtete Berthold Salomon, genannt Jacob, wurde 1933 ausgebürgert und ist seitdem staatenlos. Er lebte in Straßburg und gab eine Hetzkorrespondenz heraus. In den Kreisen der Emigranten spielte er eine gewisse, aber selbst dort stark umstrittene Rolle. Salomon, genannt Jacob, hatte nach den bisherigen Feststellungen die französisch-schweizerische Grenze bereits illegal überschritten und beabsichtigte, sich ebenfalls auf illegalem Wege in das Reichsgebiet zu begeben, um sich dort mit Vertrauensleuten zu treffen. Es gelang den deutschen Grenzbeamten, ihn beim
Belgien ändert die Goldparität des Belga
Oie Kammer stimmt den Währungsgesetzen und dem Wirtschastsprogramm der neuen Regierung zu.
Brüssel, 29. März. <DNB.) In der Kammer verlas Ministerpräsident van Zeeland die mit größter Spannung erwartete Erklärung der neuen Regierung. Belgien sei gezwungen, die augenblickliche Goldparität des Belga zu ändern. Die gesetzlichen Verpflich- tungen über die Einlösung der Banknoten durch die Nationalbank würden aufgehoben. Belgien bleibe dem Grundsatz der Goldwährung treu und wünsche, daß der Goldstandard unverzüglich wieder hergestellt werde unter Bedingungen, die sein internationales Funktionieren gewährleisteten.
Belgien werde sich mit allen Mitteln bemühen, den Abschluß eines internationalen Abkommens z u beschleunigen, durch das die wichtigsten Wahrungen von neuem auf der Grundlage des Goldes stabilisiert werden sollen. 3n Erwartung dieser Eventualität ersuche die Regierung das Parlament um die Ermächtigung, sich dem Goldstandard wieder anzuschliehen auf der Grundlage eines Paktes, dem die anderen großen Länder der Wett beizutreten hatten, und zwar aus neuem Niveau, das nicht dem heutigen entspräche, das aber keinesfalls niedriger als 30 v.h. des gegenwärtigen Standes fein könne. Bis dahin werde die Stabilität des Belga im Auslande von der Nationalbank gesichert, die durch Vermittlung eines zu schaffenden „EgalisallonsFonds" die Käufe und Verkäufe tätigen werde zu einem Kurs, der vom belgischen Miuisterral nach vorherigem
Anhören der Nationalbank festgesetzt werde.
Im zweiten Teil ber Regierungserklärung entwickelte der Ministerpräsident ein Programm, das sich die vollkommene wirtschaftliche Erneuerung Belgiens zum Ziele gesetzt hat. Die einzige und wirkliche Methode, um zu einer Aufsaugung der Arbeitslosigkeit zu kommen, sei die wirtschaftliche Expansion. Das Program sieht u. a. vor: Bankkontrolle, Senkung der Produktionskosten durch Erleichterung der Steuern und sämtlicher Abgaben, die die Wirtschaft belasten, Reorganisation des Rentenmarktes, Durchführung öffentlicher Arbeiten und Maßnahmen zur Beschäftigung der jugendlichen Arbeitslosen, Anpassung der Löhne an eine mögliche Steigerung der Kleinhandelspreise, Förderung der Industrien, die sich der Herstellung solcher Erzeugnisse widmen, die Belgien infolge seiner Aussperrung von den ausländischen Märkten künftig nicht mehr aus dem Auslande beziehen will. Die Regierung werde Sowjetrußland anerkennen, um zu einer Verstärkung der Wirtschaftsbeziehungen ber beiden Länder zu gelangen.
Die Regierung verlangt eine Verlängerung der Sondervollmachten um tin ganzes Jahr. Das Parlament wird aufgefordert, sich bis zu einem noch zu bestimmenden Termin z u vertagen. Für die Durchführung des Regierungsprogramms müsse die Stabilität der Regierung für mindestens ein
3ahr gesichert werden. Die Regierung fei bereit, in der Zwischenzeit die Kommissionen des Parlamentes gegebenenfalls um ihren Rat zu bitten. Das Parlament müsse schleunigst den von der letzten Regierung eingebrachten haushalt verabschieden.
Ministerpräsident van Zeeland erklärte, daß es angesichts des Sturzes der belgischen Währung auf den ausländischen Märkten zuletzt nicht mehr möglich gewesen sei, den Frank weiter so zu verteidigen, wie es die vorhergehenden Regierungen getan hätten. Es sei unmöglich, die Deflationspolitik noch weiter fortzusetzen. Die Abwertung stelle weder eine Lösung, noch ein Mittel zur Losung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten dar. Als er aber mit der Regierung beauftragt worden sei, habe er die Abwertung als eine vollendete. Tatsache vorgesunden. Dom 21. Januar bis zum 22. Februar habe der M e t a l l b e st a n d der Nationalbank 5 0 0 Millionen eingebüßt. Unmittelbar vor der Pariser Reise der vorigen Regierung habe die Entwicklung katastrophale Formen angenommen. Am 16. März seien innerhalb von zwei Stunden 280 Millionen abgeflossen. Die Beträge, mit denen die Nationalbank den Banken zu Hilfe kommen muhte, seien vom 21. Januar bis Ende März auf 2 Milliarden gestiegen.
Statt der Baissepolitik werde nunmehr eine Haussepolitik und eine Politik der wirtschaftlichen Expansion eingeschlagen, wie es große Länder getan hätten. Auf die Versuche anspielend, die Belgien in der letzten Zeit unternommen hat, um wirtschaftliche Hilfe im Ausland, namentlikch in Frankreich, zu erlangen, erklärte der Ministerpräsident: „Wir nehmen unser Schicksal nunmehr entschlossen in unsere eigenen Hände. Wir lehnen es ab, noch länger als arme Verwandte in der Familie der Rationen behandelt zu werden."
Das Programm der Regierung wurde von einem katholisch-konservativen und einem sozialistischen Abgeordneten einer heftigen Kritik unterzogen. Da die Sozialisten in einer Sitzung vor Beginn der Aussprache unter Fraktionszwang beschlossen haben, geschlossen für die Regierung van Zeeland zu stimmen, hat der Einspruch des sozialistischen Redners keine praktische Bedeutung. Die Rede des katholisch-konservativen Abgeordneten bewies, daß die katholische Fraktion gespalten ist. Beide Redner gaben der Befürchtung Ausdruck, daß die Politik der Regierung zur Inflation führe. Ein Vertreter der Jungliberalen setzte sich für die Regierung und ihre Abwertungspolitik ein. Die Kammer hat Samstag früh 7 Uhr nach einer ununterbrochenen Nachtsitzung die Gesetze über die Abwertung des Belga und die Erweiterung der um ein ganze» Jahr verlängerten Sondervollmachten m i t 107 gegen 54 Stimmen bei 12 Stimmenthaltungen angenommen. Bei den Liberalen stimmte mehr als die Hälfte der Abgeordneten gegen die Regierung. Da der Minist-'r- präsident die unverzügliche Verabschiedung dieser Gesetze gefordert hat, wird nunmehr der Senat noch heute dazu Stellung nehmen.
Grenzübertritt anzuhalten, wobei er sich lediglich durch einen längst abgelaufenen und daher ungültigen deutschen Reisepaß ausweisen konnte. Wegen des Fehlens gültiger Ausweispapiere wurde er zunächst vorläufig fe st genommen. Als es sich herausgestellt hatte, um wen es sich bei dem Festgenommenen handelt, erfolgte seine Verhaftung. Gegen Berthold Salomon, genannt Jacob, schwebt jetzt ein Verfahren wegen verschiedener schwerer Straftaten. In Interesse der Untersuchung und Feststellung der Hintermänner in Deutschland konnte bisher über den Vorfall nichts verlautbart werden.
Oer Bischof von Mainz Or. Hugo gestorben.
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Podor-Biklmaterndienst
Ludwigshafen, 30. März. (DNB.) Der Bi- jchof Dr. Ludwig Maria Hugo von Mainz ist heute Nacht in Ludwigshafen sanft und ruhig entschlafen. Die Leiche wird in der Bonifatiuskirche in Ludwigshafen aufgebahrt und um 14 Uhr durch den Bischof von Speyer eingesegnet. Danach erfolgt die Ueberführung. nach Mainz.
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Dr. Hugo wurde 1871 in Arzheim bei Landau in der Pfalz als Sohn eines Lehrers geboren Er wurde in dem bischöflichen Konvikt zu Speyer erzogen, wo er das Gymnasium besuchte und dann Theologie und Philosophie an der Universität Innsbruck und in Rom am Collegium Germanicum studierte. Darauf wirkte er als Geistlicher an verschiede- nen Orten seiner pfälzischen Heimat, wurde 1903 Präfekt am Konvikt in Speyer und war 1904 Pfarrer in Remigiusberg. Damals griff er als „einfacher Landpfarrer", wie er sich bezeichnete, in den Streit um die Modernismus-Enzyklika ein. 1905 wurde er Domvikar in Sveyer. 1921 berief ihn der Papst zum Koadjutor des lange schwerleidenden Bischofs Dr. Kirstein von Mainz mit dem Recht der Nachfolge. Als Dr. Kirstein im April 1921 starb, wurde Dr. Hugo die Nachfolge übertragen.
Oie Finanzierung der Kleinsiedlung.
Berlin, 29. März. (DNB.) Für die Fortführung der großen wohnungs- und siedlungspolitischen Aufgaben ist die Fraae von entscheidender Bedeutung, inwieweit der Realkredit der besonders der Kleinsiedlung, in stärkerem Maße erschlossen werden kann, da in Zukunft mit so um« fangreichen finanziellen Beihilfen des Reiches, wie bisher kaum gerechnet wer- den kann und daher eine Umstellung auf die normale Finanzierung aus der Wirt- schäft heraus erstrebt werden muß. Hierüber fanden im Reichsarbeitsminifterium Verhandlungen mit den Spitzenverbänden des Realkredites statt. Grundlage der Erörterungen bildeten die beiden Erlasse des Reichsarbeitsministers über die Ablösung von Reichsdarlehen für Kleinsiedlungen („Ablösungserlaß") und die Uebernahme von Reichsbürgschaften für Kleinsiedlungen („Bürg- schaftserlasse"). Die Vertreter der Realkreditinstitute erklärten übereinstimmend ihre Bereitwilligkeit, an den Finanzierungsaufgaben nach Kräften mi tzürn i r k e n. Sie gaben ferner wertvolle Anregungen, bie das Reichsarbeitsministerium weiter verfolgen wird.
Steuerermäßigung bei Instandsetzungen.
Berlin, 29. März. <DNB.) Nach ber Ergiin. zungsverordnung zum Gesetz über Steuererleichterungen vom 20. April 1934 ermäßigt sich bei der Veranlagung der Einkommensteuer und der Körper- schaftssteuer die Steuerschuld um 10 v. H. der Aufwendungen für Instandsetzungen und Ergänzungen an Gebäuden oder Gebäudeteilen aller Art. Voraussetzung für die Gewährung der Steuerermäßigung ist, daß die Instandsetzungen und Ergänzungen bis zum 31. März 193 5 beendet sein müssen. Dadurch ist im Monat März eine erhebliche Z us a m m en dr ä ng u n g von Arbei- ten erfolgt. Da außerdem infolge der unerwarteten Kälteperiode in vielen Fällen die Arbeiten unterbrochen werden mußten, ist eine rechtzeitige Be- endigung vieler Arbeiten unmöglich geworden. Der Reichsminister der Finanzen hat deshalb d i e Frist, innerhalb deren die Jnstandsetzungs- und Erganzungsarbeiten beendet sein müssen, vom 31. März auf den 3 0. April 1935 verlegt.
Arbeitsdienst der Rechtsstudenten.
DNB. Berlin, 29. März. Der Reich-Minister der Justiz hat tm Einvernehmen mit dem Reichs- kommissar für den FreiEigen Arbeitsdienst alle Rechtsstudenten von der in der Justizausbildungs- ordnuna vorgesehenen Teilnahme am Arbeitsdienst befreit, die do r dem 1. April 1 91 Oaeboren sind. Diese Maßnahme hat sich als notwendig erwiesen, um für die jüngeren S'udenten Platz zu schassen. Soweit die befreiten Studenten sich schon zum Arbeitsdienst D e r.P lachtet hoben, können sie ihren Dienst noch ableisten; sie werden aber auch auf Antrag von ihrer Verpflichtung entbunden.


