Ausgabe 
29.11.1935
 
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lir.279Drittes Blatt

Lietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)

Zreitag, 29. November 1935

Deutsches Handwerk an die Front!

du

Mäd-

KriimefO*?

22 Fortsetzung.

Nachdruck verboten!

Volksverbundenheit zeigen und beweisen, daß bereit bist zum Sozialismus der Tat!

INeifter, Gesellen und Lehrlinge:

Alles für den Führer und für Deutschland!

Am 1. Dezember 1935 tritt das deutsche Handwerk gemeinsam mit den Beamten als Sammler für das Winterhilfswerk 1 9 35/36 an. Den Feldzug gegen hunger und Kälte und für Eroberung des deutschen Volkes führt Adolf Hitler.

Handwerker, du bist des Führers Soldat, wenn du in vorderster Front mitkämpfst. An deinem Sammeltag für das Winterhilfswerk wirft du deine

Ritt diesem Aufruf wendet sich der Reichshand­werksmeister und Reichsbetriebsgemeinfchaftsleiter Schmidt an das Handwerk.

Die Eröffnung der Reichsstrahenfammlung für den Stadtbezirk Gießen findet am Sams­tag. nachmittags um 4 Uhr. im Lafe Leib statt. Es sammeln jeweils gemeinsam ein Handwerks­meister. ein Beamter, ein Geselle oder Lehrling. Bei günstiger Witterung erscheint das Handwerk in Verufskracht. Handwerker mit Ladengeschäften Bäcker. Metzger. Friseure usw. erscheinen zur

Basilius gewünscht hatte. Mit einer blitzschnellen Bewegung hob er den Revolver, setzte ihn dem Oberinspektor an die Schläfe und drückte ab. Die Schüsse krachten unmittelbar hintereinander. Die Gebäude hallten wider. Dann war es lautlos still.

Einen Augenblick lang stand der Oberinspektor, als überlege er, was zu tun sei. Er sah seinen Feind groß an. Dann brach der Blick. Reußing fiel um, sank in sich zusammen und schlug zuletzt noch mit schwerem Fall hin.

Basilius beugte sich zu ihm herab; er nahm ihm die Handfesseln ab und steckte sie ein. Er wollte des Toten rechte Hand aufnehmen und ihm Jabuschs Waffe in die Finger drücken, aber er warf den Revolver nur bei der Leiche hin.

Aus dem Flur des Vorderhauses, das sie eben verlassen hatten, kamen Geräusche. Jemand stieß an ein Gerüst, laut polterte ein Brett.

Basilius ließ sich keine Zeit. Er sprang auf und verschwand durch den Torbogen. Die Nacht und die Dunkelheit schluckten ihn augenblicks. Er wünschte nicht zu erfahren, wen die beiden Schüsse geweckt und gerufen hatten. Er tauchte unter. Sein Werk war getan. Mochte der Obdachlose, der da im Haus­flur genächtigt hatte oder der Bauwärter auf der Streife den Beamten finden, der sich soeben er­schossen hatte. Basilius ging das nichts mehr an.

Ilia Filimon fand unschwer den Mann, der da am Boden lag. Sie steckte den Revolver ein, als sie den Toten sah. Eine nutzlos gewordene Waffe. Ihr Gesicht verzog sich schmerzlich. Sie kannte den Mann nicht, aber ihre Augen füllten sich mit heißen Tränen. Die Nerven versagten. Sie ballte die Fäuste.

Wieder zu spät!" stieß sie heraus.Ich ahnte es hätte ich ihn doch abgeschossen wie einen tollen Hund!"

Sie beugte sich nieder, hockte sich hin. Wer war der Tote? Er lag aufd em Rücken. Sein Gesicht da prallte sie zurück. Der Schreck überfiel sie so stark, daß sie einen Schrei ausstieß. Sie war vollends in die Knie gesunken, sie wollte aufstehen, in erster Regung wohl fliehen, aber sie vermochte es nicht.

Dieser Mann am Boden, dessen Erschießung Ilia mit angehört hatte, sah sie mit offenen lebendigen Augen an.Seien Sie still", flüsterte sein Mund. Wie kann man vor dem Leben erschrecken!"

(Fortsetzung folgt!)

heiterer Kameradschaftsabend am 30. November im Lass Leib.

Am Samstag, 30. November, um 20.30 Uhr, ver­anstalten wir in Verbindung mit der Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP, einen heiteren Ka­meradschaftsabend im Cafe Leib, zu dem alle Volksgenossen herzlichst eingeladen sind. Das Programm wird von erstklassigen Frankfurter Künstlern bestritten; u. a. wirken mit: der An­sager Rudi Morgani, der Zauberer Orizaba, der Kunstpfeifer Eddi Marlo, die Humsti-Bumsti-Num- mer Pepi & Emilio und die vom Rundfunk bestens bekannten fröhlichen Fünf. Anschließend spielt die Kapelle Krengel zum Tanz. Eintritt 50 Pf. Karten sind im Vorverkauf zu haben bei: Geschäftsstelle der Ortsgruppe Gießen-Nord der NSDAP., Walltor­straße 16, sämtlichen Politischen Leitern und den Amtswaltern der DAF, der Ortsgruppe Gießen- Nord.

Fortsetzung der Reichsstrahenfammlung am Sonn- tagvormitkag um 9 Uhr im Lafe Leib.

Die Kapelle der SA.-Standarte 116 unter Lei­tung des Wufikzugführers Bruno Herrmann hat sich in kameradschaftlicher Weise zur Verfügung gestellt und veranstaltet von 11 bis 12 Uhr am Selterstor und von 2 bis 3 Uhr auf dem Lindenplah je ein S t a n d k o n z e r t.

Am Sonntagabend ab 8 Uhr findet im Lafe Leib ein Kameradschaftsabend sämtlicher Sammler statt.

3n allen anderen Orten des Kreises Gießen stellen sich sämtliche Handwerker, Beamte, Gesellen und Lehrlinge den von der Kreishandwerkerschaft bestimmten Vertrauensleuten restlos zur Verfügung. Feder beteiligt sich bei dieser Sammelaktion in seinem Wohnort.

Kameraden, wir betrachten es als eine Ehren­pflicht, dem Ruf des Führers zu folgen.

Feder hilft mit, keiner darf fehlen!

Der Kreisbetriebsgemeinfchaftswaller Handwerk.

Der Kreishandwerksmeisler.

Der Kreisamlsleiter des Amtes für Beamte des Reichsbundes der deutschen Beamten.

Samstag, 30. November, 15 Uhr, in der chenberufsschule in Gießen..

1. Frl. Wolf: Einführung in das Stricken.

2. Frl. Rusag : Das Backen in der Berufsschule.

A? Pie deutsche Rrbeitdfront

N.9.-6emeinschättfiräft durch kreüde"

Ich möchte Frau Bassenberg sprechen", sagte Basilius.Es ist dringend." Und wahrhaftig sonder­bar, er gebrauchte wie Jolly die Ausrede:hier spricht die Kriminalpolizei".

Er hielt den Sprechtrichter mit der Hand zu. Wenn Sie wieder dazwischenschreien wollen, Reu- ßing, will ich Ihnen lieber gleich den Knebel in den Mund stecken", sagte er mit einem fragenden Ton­fall in der Stimme. Reußing schüttelte matt den Kopf. Inzwischen bekam Basilius gewünschte Ver­bindung.

Frau Konsul", hob er an, denn er wußte nicht, wer möglicherweise dies Gespräch dort mit anhörte, ich muß Sie noch heute abend sprechen."

Er vergaß seinen Namen zu nennen und fuhr eilig fort:Ich verlasse noch heute Hamburg und benötige dringend einiges Geld. Ich will es billig machen. Kann ich auf zwanzigtausend Mark rech­nen? Der Rest hätte Zeit. Sie könnten ihn mir gelegentlich an eine Deckadresse schicken."

(Es ist gut", sagte Lena Bassenberg.Kommen Sie in einer halben Stunde zu Herrn Doktor Farrenkorn. Bringen Sie die Papiere mit. Es ist bei meinem Notar alles vorbereitet."

Basilius war aufs höchste verdutzt.Welche Papiere meinen Sie?" fragte er. Es konnte sich doch nicht mehr um die Ziegelei handeln!

Lena Bassenberg antwortete unwillig, wie hätte sie ahnen können, daß es nicht Jolly war, der jetzk anrief:Die Papiere, die Sie mir verkaufen wollen, meine ich natürlich."

Er stieß begriffsstutzig heraus:Soll das eine plumpe Falle fein?"

Nein", sagte die Frau.Sie können ganz be­ruhigt sein. Sind die Papiere so, daß sie mich von Basilius befreien, wird Ihnen das Geld, wie wir es besprochen haben, ausgezahlt. Ich erwartete Ihren Anruf schon eher; es ist bei meinem Notar längst alles vorbereitet."

Da verstand er. Jolly, der tückische Verräter! Ein Lachen lief über sein Gesicht, hat schon die Quit­tung! Wunderbarer Zufall.

Schwierigkeiten machen. Bei einem vorzeitigen Fluchtversuch, bei einem Angriff schieße ich selbst­verständlich. Aber Sie werden ja nicht so irrsinnig sein."

Reußing bewegte seine Beine. Langsam begann das Blut wieder richtig zuk reifen. Er vermochte aufzustehen.

Gehen Sie vorweg", befahl Basilius nochmals, die Treppe hinunter, dann links über den Hof, durch das Hinterhaus; drüben auf der anderen Straße lasse ich Sie dann allein. Sie werden schon eine Wache finden, wo man Ihnen die Fesseln abnimmt. Inzwischen bin ich über alle Berge."

Der Oberinspektor sah Basilius an; dann schaute er in die runde Mündung der kleinen Waffe. Er zuckte die Achseln.

Er ahnte, er war so und so verloren, aber viel­leicht bot sich unterwegs doch noch eine Flucht­möglichkeit. Laufen lassen würde ihn dieser Mann bestimmt nicht. Dazu hatte er zu offen vorhin am Telepbon seine Pläne für die nächste Stunde vor dem Beamten aufgedeckt.

Er stieg die Stufen hinab. Basilius folgte ihm in einem Abstand, der einen überraschenden Angriff ausschloß. Er hielt den Revolver in der ausqestreck- ten Hand.

Das Haus lag dunkel und leer wie vorher. Eine Stufe ächzte, sonst war es still. Ihre Schritte poch­ten einen gleichmäßigen Takt. Sie erreichten den Flur.Links nun", wies Basilius an,über den Hof".

Der Oberinspektor gehorchte.Wieviel Minuten noch, odern ur Sekunden? Er blickte sich um und sah in den Revolverlauf, den ein unerbittlicher eFind gereckt hielt. Sein Blut sang im Kopfe; ein hoher schmerzlicher Summerton war das.

Basilius...", sagte er und brach ab. Das war ja alles gcmz sinnlos.

Sie langten im Hinterhaus an. Es war noch weniger weit fertiggestellt als der Hauptblock. Der Flur war ohne Tore. Man sah drüben auf die Straße. Wenn ich jetzt vorwärts laufe, zwei, drei Sprünge genügen vielleicht. Die Kugel würde schneller fein.

Reußing", sagte Basilius, er war ein wenig dichter herangekommen,hören Sie..."

Der Oberinspektor drehte den Kopf. Er wollte Basilius ansehen. Es war genau die Stellung, die

bereithalten und die Mitgliedskarten zur Eintragung oorlegen. Der Inhalt der Päckchen ist außen sichtbar anzugeben.

AG.-LehrerSund, Gießen.

Wädchenerziehung, technische Fächer.

Motorradfahrer Achtung!

Probeweise Freigabe einer Autostraße.

Ab 1. Dezember 1935 ist die Autostraße Köln- Bonn erneut probeweise auf drei Monate für den Verkehr mit Krafträdern freigegeben. Besondere Kontrollorgane werden während dieser Zeit den Verkehr überwachen. Auf Grund der von ihnen gesammelten Beobachtungen fällt die endgültige Entscheidung. Die Dienststellen des NSKK. sind seit langem bemüht, eine dauernde Freigabe der Straße für Krafträder zu erreichen.

Darum Motorradfahrer: Zeigt strengste Verkehrs- disziplin! Nehmt Rücksicht auf die übrigen Kraft­fahrzeuge! Beachtet die besonderen Verhaltungsvor­schriften der Autostraße! haltet stets die rechte Fahrbahn ein! Die mittlere Fahrbahn ist nur zum Ueberholen da! Beweist, daß durch euch der übrige Verkehr nicht beeinträchtigt oder gefährdet wird!

Gez. S e y d e l.

Gruppenführer und Kraftfahrinspekteur.

Aus Der Provinzialhauptstadt.

Oer ergötzliche Regenschirm.

Zwischen Herbst und Winter werden die Regen­schirme sehr aktuell. Leider, muß man schon sagen, denn das naßkalte Geriesel macht niemanden Spaß, und so hübsch manch moderner Regenschirm auch immer aussehen mag man hätte statt seiner lieber Sonnenschein und blauen Himmel. Regen­schirme gelten nun einmal als Symbol schlechten Wetters und sind als solche bei uns nicht sehr be­liebt. Dies ist vielleicht auch der Grund, warum wir sie gern in Kaffees oder bei Bekannten stehen lassen eine undankbare, wennschon verständliche Hand­lungsweise.

. Die Relativität aller Erscheinungen ist indes seit jeher eine der reizvollsten Beobachtungen des Le- b-ns gew-ftn und es füllte sich zeigen, daß diefe Relatwitat auch auf den Regenschirm und fein er- wahntes Ansehen zutreffen kann. Es erwies (ich na milch daß ein Regenschirm nicht notwendig ein freuölöfer Gegenstand, ein Zurückgesetzter unter den Gebrauchsgegenständen sein muß, sondern daß er durchaus zum Spender reiner Ergötzlichkeiten ge= eignet ist Es bedarf wohl kaum noch der Fest­stellung, daß dieses Wunder einer Verwandlung rourbe"66^^611 $inbed>änöen bewerkstelligt

Schulung für Voklsbildung.

Die für Samstag, 30. November, angefetzte Kul« turtagung in Gießen fällt aus.

Sportamt »Kraft durch Freude".

heute folgende Kurse:

Allgemeine Körperschule, Frauen 1 und Männer. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lyzeum, I Dammstraße 26.

1 Fröhliche GymnastikundSpiele nur I für Frauen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, Lollarer Kantine der Fa. Buderus.

> Schwimmen. Von 20.30 bis 21.30 Uhr, , Frauen und Männer, Volksbad; von 21.30 bis 22.15 Uhr nur für Frauen.

Reiten. Von 20 bis 21 Uhr, Reitschule Schömbs.

Ski-Trocken. Von 21 bis 22 Uhr, Reitschule Schömbs. Neuanmeldungen werden dort vom Sport­lehrer entgegengenommen. Skier und Stöcke werden gestellt. Feste Stiefel find mitzubringen.

Kurzschulungslager

des RG.-Studentenbundeö.

In diesem Wintersemester kommen wie man uns berichtet erstmalig Kurzschulungslager des NS.-Studentenbundes der hochschulgruppe Gießen auf Burg Gleiberg zur Durchführung, die auf den Wochenschluß gelegt werden und nacheinander alle Mitglieder des NSDStB. sowie ehemalige Korpo­rationsstudenten erfassen sollen. Die Lager dienen der Auslese nach charakterlichen, politischen und weltanschaulichen Gesichtspunkten. Aus den aktivsten Kräften sollen dann auch in Gießen Kameradschaf­ten erstehen. Diese Lager stellen große Anforderun­gen an Einsatzbereitschaft und Mitarbeit, soll doch einst aus diesen Gemeinschaften das Erleben natio­nalsozialistischer Weltanschauung, politischer Auf­gabensetzung und völkischen Kulturgutes bis zur reinsten Erfüllung in der Tat vorwärts getragen werden. Der deutsche Student ahnt seine Verpflich- lung, auf die Barrikaden des Geistes zu steigen, die völkische Idee der Volksgemeinschaft ihrer letzten Konsequenz zuzutreiben! Diese Idee prägt einen neuen Menschen und macht aus dem Akademiker einen Aktivisten, aus der Wissenschaft aber ein Schwert im Ringen der Völker um Macht und Freiheit ihres eigenen Wesens.

Vei dem ersten Kurzschulungslager am vergange­nen Wochenende hielt der Dekan der juristischen Fakultät an der Landesunioersität Gießen Professor Dr. Bley einen Vortrag über das ThemaStaat, Volk und Bewegung".

Kameradschastsabend der poUzeibeamten.

Man berichtet uns: Der Kameradschaftsbund Deutscher Polizeibeamten, Ortsgruppe Gießen, hielt am 23. November im Saale der Gastwirtschaft Frankfurter Hof" einen gut besuchten Kamerad- schaftsqbend ab. Im Mittelpunkt des Abends stand ein Vortrag des Oberbürgermeisters der Stadt Gießen Pg. Ritter.

Nach Eröffnung des Abends durch den Ortsgrup- penwart Pg. Lösch gedachte man zuerst der ver­storbenen Kameraden der Ortsgruppe und darüber hinaus der Toten des Weltkrieges und der Bewe­gung. Während ihnen eine stille Minute geweiht wurde, spielte die Kapelle das Lied vom guten Kameraden. Es folgte nunmehr die Begrüßung der Anwesenden, insbesondere der Herren Oberbürger­meister Pg. R i 11 e r, Polizeidirektor Pg. Meusel und Vertreter der Partei.

Nach dem gemeinschaftlich gelungenen LiedVolk ans Gewehr!" ergriff Oberbürgermeister Pg. Rit­te r das Wort. Nach einem Hinweis auf die gute Zusammenarbeit der gesamten Beamtenschaft der Stadt Gießen, die ihm als Oberhaupt der Stadt besonders am Herzen liege, streifte er die Tätigkeit der Polizei, die richtunggebend sein müsse für die übrigen Volksgenossen. Er bezeichnete den Polizei- beamten als den vornehmsten Vertreter des Staates, da nach ihm, der in vorderster Linie steht, das An- sehen und die Ordnung des Staates beurteilt würde. Er kam sodann auf das frühere Rollsystem in der Gehaltszahlung, auf die Eingliederung der 5 000 000

An sich ist nichts weder gut noch böse, das Den­ken macht es erst dazu", so dachten mit Hamlet vier muntre Knirpse, die auf den Steinstufen eines Hauseinganges hockten, und betrachteten mit Liebe einen mächtigen, tiefschwarzen Regenschirm in ihrer Rsstte. Weiß der liebe Himmel, wo sie die ge= raumigeMußspritze" dies ein ureigener Aus- oruck der kleinen Besitzer aufgetrieben hatten! -Doa) sei dem wie auch immer, so verblüffend er- 9?tzlich wurde wohl noch kein Schirm benutzt wie hier von jenem winzigen Quartett. Zunächst wurde cm lebendes Bild gestellt:Vier Würmchen unter einem Schirmchen?" Tatsächlich, das weitgespannte, behäbige Dach verbarg die ganze Gesellschaft voll­ständig vor den Blicken neugierig spähender Passan­ten. Dann:Auf Wanderschaft mit Musik!" Das schwarze Gestell als seltsame Trophäe voran, die Kolonne im Gänsemarsch hinterdrein, dazu ein gel­lender Gesang:Das Wandern ist des Müllers Lust". Die Beziehungen zwischen Regenschirm und Müllerhandwerk mögen Erwachsenen verborgen bleiben, der schmalen Kolonne brachten sie jeden­falls erheblichen Zuwachs in Gestalt von Nachbars­kindern. Minutenlang wanderte man, ständig an Umfang schwellend, als Müller mit gehöriger Lust im Kreise. Dann kam jemand auf die IdeeRoll­rad" *u spielen. Sie wissen doch, was das ist? Nun, ein Rad, das mit einem Stock getrudelt wird. Ein Schirm vereinigt aber Rad und Stock in sich, und so rollte dieser hier, auf die Kante gestellt, treulich sowie seitlich geführt dahin. Von dort bis zum Kreisel war es nur noch ein Schritt. Auf die Spitze gestellt, blitzschnell am Griff gedreht Kinder, so ein Vergnügen! Allseitiges Bedauern, statt eines einzigen nicht einen ganzen Garderobenständer voller Schirme zu besitzen.

Der Witz eines Regenschirmes beruht bekanntlich im Auf- und Zuklappen. Man darf überzeugt sein, daß dieser Witz bis zur Neige ausgekostet wurde. Auf, zu! Auf, zu! man wähnte sich in den unbeständigsten aller Aprils versetzt. Die Möglich­keit des Entfaltens brachte schließlich den ent­scheidenden Gedanken: Fallschirm! Die Windver­hältnisse waren günstig, und so wurde denn die rabenschwarze Mußspritze kraftvoll in die höhe ge­schleudert, von wo sie, ein schwankendes Spiel der Lüfte, schräg zur Erde herabschwebte.

Doch auf das Hebet der ganzen Veranstaltung wurde bereits hingewiesen: es waren viele Kinder, aber nur ein Schirm da. Von diesem Mißverhält­nis aus nahm denn auch das Unheil feinen Lauf, der Regenschirm war wohl einem Wolkenbruch, nicht aber kindlicher Beaeisterung gewachsen. Das ewigeAuf, zu" zerstörte den Klappmechanismus und damit den Witz! Plötzlich fiel also das StichwortHaschen!", blitzschnell stob die Schar auseinander und jagte fort. Einsam vor der Haus­tür lag nun der wracke Schirm, und der Beobach­ter der Szene wurde abschließend mit Genugtuung erfüllt. Denn so relativ der Begriff des Regen- schirmes sich soeben auch erwiesen hatte er er­

litt zum Schluß doch das Schicksal aller Regen­schirme: er wurde vergessen! H. B. v. M.

Dornotizen.

Tageskalender für Freitag.

NSG.Kraft durch Freude": 20.30 bis 21.30 Uhr allgemeine Körperschule im Lyzeum; 20.30 bis 21.30 Uhr und 21.30 bis 22.15 Uhr, nur für Frauen, Schwimmen im Volksbad; 20 bis 21 Uhr Reiten, 21 bis 22 Uhr Ski-Trocken-Kurfus, Reitschule Schömbs. NSLB. Abt. höhere Schule, Fach­schaftNeuere Sprachen": 16 Uhr Sitzung in der Oberrealschule. Stadttheater: 20 bis 23 Uhr Peer Gynt". Gloria-Palast, Seltersweg:Die ganze Welt dreht sich um Liebe". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Alles weg'n dem Hund!"

Stadttheater Gießen.

heute von 20 bis 23 UhrPeer Gynt", drama­tisches Gedicht von Ibsen, mit der Musik von Edward Grieg. Spielleitung: Hans v. Spa Hart. Musikalische Leitung: Ernst Bräuer. 9. Freitag- Abonnement.

Aenderung des Stadttheater-Spielplans.

Aus dem Stadtcheaterbüro wird uns geschrieben: Wegen Erkrankung im Personal findet eine Spiel­planänderung statt. Am Samstag, 30. Novem­ber, kommt nicht die angezeigteKomödie der Irrungen" zur Aufführung, sondern statt dessen das Gesellschaftslustspiel:Der Mann mit den grauen Schläfen" von Leo Lenz; Spielleitung Hans von Spall art. Die Aufführung des 'Shake­speare-LustspielsKomödie der Irrungen" wird im Januar nachgeholt. Dauer von 20 bis gegen 22.15 Uhr. b

Die Intendanz macht nochmals auf die Neuerung des freien Kartenverkaufs bei Vorstellungen der NS.-Kulturgemeinde aufmerksam, nach der Karten im freien Verkauf, auch ohne Mitglied der NS.- Kulturgemeinde zu sein, an der Abendkasse, eine halbe Stunde vor Beginn der Vorstellung, zu haben

Obst- und Gartenbauverein Gießen.

Am kommenden Sonntagnachmittag Mitglieder­versammlung im Kaufmännischen Vereinshaus. Im Rahmen der Versammlung hält Garteninspektor i. R. Rehnelt einen Vortrag überBodenmüdigkeit unserer Gärten". (Siehe heutige Anzeige.) sind.

NGD., Ortsgruppe Gießen-Ost.

Pfundsammlung

für 7vhW. in der Ortsgruppe Gießen-Ost.

Die Pfundsammlung wird Montag, 2., und Diens­tag, 3. Dezember, von der NS.-Frauenschaft durch­geführt. Die Mitglieder wollen die Pfundpäckchen

SWtoMWit

Roman von Frank $. Braun.

Laut sprach er:Doktor Farrenkorn, sagten Sie, wo wohnt der Mann? So, danke. Ich bin in einer halben Stunde dort. Sorgen Sie für Bargeld." Er hängte ab.

Noch einmal durchfuhr es ihn: wunderbarer Zu­fall. Lena hat alles vorbereitet, dem Jolly einen Verrat zu bezahlen. Jolly kommt nicht, aber ich werde für ihn einkassieren. Ich fürchtete Schwierig­keiten. Es lassen sich nur schwer abends um 10 Uhr einige zigtausend Mark beschaffen. Nun hat mir Jolly doch noch einen hervorragenden Dienst ge­leistet. Er rieb sich die Hände. Reußing sah ihn an.

Plötzlich spürte Basilius diesen Blick.Ach so", sagte er und erinnerte sich des Gegners. Er sah sich im Zimmer um. hier blieb nichts mehr zu tun. Was er hier stehen und liegen ließ, verriet nichts über die Leute, die hier gehaust hatten. Im Neben­zimmer an einem haken hing noch Alwin Jabuschs Mantel. Jabusch war nachmittags fortgegangen, als es draußen warm war und nicht zurückgekom­men. Ilia... Er verzog den Mund, als habe er Saures auf der Zunge. War etwas in den Taschen oder konnte auch dieser Mantel hier hängen blei­ben? Erstaunt zog er den Revolver aus Jabuschs Tasche. Er zog das Magazin heraus. Geladen. Natürlich.

Basilius schüttelte den Kopf. Dieser Alwin Jabusch war ein notorischer Feigling, was Schußwaffen an­belangte. Jabusch besaß diesen Revolver, aber er vermied es, ihn bei sich zu führen. Er war ein kleiner Gauner, tüchtig, verschmitzt, in vielen Din­gen äußerst brauchbar. Ein Kerl war Jabusch nie gewesen.

Sonst noch etwas in den Taschen? Nichts. Basi­lius hielt Jabuschs Waffe in der Hand. Ganz plötz­lich fiel die Idee in ihn hinein. Mit dieser Pistole, natürlich, das war besser, als mit der seinen! Diese Pistole mochte dann bei Reußing bleiben. Vielleicht glaubte man doch noch den Freitod.

Er behielt seines Freundes Waste lost, entsichert in der Tasche und trat in das andere Zimmer. So", sagte er zufrieden,hier bliebe nun nichts weiter zu tun."

Er beugte sich herab und nahm Reußing die Fuß­fesseln ab. Dann zog er Jabuschs Revolver.

Sie gehen vorweg, Reußing", befahl er.Es ist in Ihrem eigenen Interesse, wenn Sie mir keine