Ausgabe 
29.8.1935
 
Einzelbild herunterladen

Ur. 201 Ltster Blatt

185. Jahrgang

Donnerstag, 29. August 1955

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertags Beilagen: Die Illustrierte Gießener FamilienblStter Heimat im Bild - Die Scholle Monatr-Vezugspreis:

Mit 4 Beilagen RM.1.95 Ohne Illustrierte , 1.80 Zustellgebühr .. - 25 Auch bei Nichterscheinen von einzelnen Nummern infolge höherer Gewatt

Zernfprechanschlüffe unter Sammelnummer 2251 Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siehrn

Postscheckkonto:

Hranfturt am Main 11686

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck un- Verlag: vrühl'sche Universitäts-Buch- und Stein-ruckerei U.Lange in Gietzen. Schriftleittmg und Geschäftsstelle: Zchulsttahe 7

Annahme von Anzeigen für die Mittagsnummer bis 8^/,Uhr des Vormittags

Grundpreise für 1 mm höhe für Anzeigen von 22 mm

Breite 7 Rps., für Text- anzeigen von70mm Breite 60Rps.,Platzvorschrift oder schwieriger Satz 25°/n mehr

Ermähigte Grundpreise:

Stellen-, Vereins-, gemein­nützige Anzeigen sowie ein­spaltige Gelegenheitsanzei­gen 5 Rpf., Familienanzei­gen, Bader-, Unterrichts- u. behördliche Anzeigen 6Rpf. Mengenabschlüsse Staffel B

Konzentration der Kräfte.

Die nationalsozialistische Regierung hat es von vornherein vermieden, eine Zersplitterung der Kräfte eintreten zu lassen, und zwar weder in der Politik, noch in der Wirtschaft. Das WortKräfte- konzentration" zieht sich wie ein roter Faden durch alle wirtschaftspolitischen Maßnahmen und Pro­jekte, . wie die Rettung des Bauernstandes, die großzügigen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Steuerreform, bis zu den Maßnahmen der jüngsten und allerjüngsten Zeit, als da sind die Ausgabe von 500 Millionen Mark 4,5prozentiger Reichsschatzan­weisungen und die Unterbringung von weiteren 500 Millionen Mark Reichsanleihe bei den Sparkassen.

Gerade im gegenwärtigen Zeitpunkt sei erneut mit allem Nachdruck auf die in dem kurzen Zeit­raum von erst 2% Jahren erzielten Erfolge hinge» wiesen. Erfolge, die nur dadurch möglich waren, daß die Reichsregierung eine Zersplitterung der Kräfte nicht zuließ. Es ist charakteristisch, daß der Kräfteaufwand in den hinter uns liegenden zwei­einhalb Jahren nie Projekten gegolten hat, die an sich zwar schon in einer Erfolgslinie liegen konn­ten, letzten Endes aber infolge fehlenderMassivi­tät" wirkungslos hätten verpuffen müssen. Bei allen bislang zur Durchführung gelangten wirtschaftlichen Aktionen war für die Regierung vielmehr aus­schlaggebend die Erwägung, alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel auf einen einzigen großen Zweck zu konzentrieren. Dieser Zusammenballung der Kräfte, dieser Konzentration auf ein einziges Ziel ist es zu verdanken, daß die erwähnten Projekte bislang von Erfolg gekrönt gewesen sind.

Während die früheren Regierungen der verschie­densten Schattierungen bestenfalls einmal hier, ein­mal dort den Hebel ansetzten, ohne jedoch zumeist auch nur die geringste Spur eines planmäßigen Vorgehens zu zeigen, beschritt der Nationalsozialis­mus grundsätzlich andere Wege, die ein demokrati­sches Parlament zu gehen nie und nimmer in der Lage war, da die liberale Einstellung des früheren Staates die wirtschaftlichen Gegensätze sich unge­hemmt austoben ließ, wobei der Liberalismus dem sog. freien Spiel der Kräfte eine Zielsetzung ein- räumte, die in einem vollkommenen Gegensatz zu dem tatsächlichen wirtschaftlichen Verlauf stand. In­dem man so nach jeder Richtung hin einfreies Spiel der Kräfte" zuließ, der Staat seine wirt­schaftspolitischen Maßnahmen sogar auf diesen Ge­sichtspunkt abstellte, war als natürliche Folgeerschei­nung die Tatsache zu verzeichnen, daß der wirt­schaftlich Schwächere von dem wirtschaftlich Stärke­ren einfach an die Wand gedrückt wurde. Von einer planmäßigen Kräftekonzentration konnte somit nicht die Rede sein. Das war aber einfach auch schon aus dem Grunde nicht möglich, weil der Parteienstaat von damals die Voraussetzungen für ein Hinausgleiten aus dem Wirtschaftswirrwarr gar nicht zu schaffen in der Lage war. Für den natio­nalsozialistischen Staat war es dagegen selbstver­ständliche Voraussetzung, erst einmal das politische Gehäuse in Ordnung zu bringen; nachdem das ge­schehen war, konnte der Wirtschaft selbst mit Aus­sicht auf Erfolg das Augenmerk zugewendet wer­den. Folgerichtig wurde erst einmal der Bauern­stand in seinen Fundamenten reorganisiert und somit der Landwirtschaft wieder die Stellung ein­geräumt, die ihr im Staate zukommt. Alsdann ging der Führer an das erste sich gesteckte ge­waltige Ziel heran: Bekämpfung der Arbeitslosig­keit. Und heute nach 2Vr Jahren: Nur noch l3/4 Millionen Arbeitslose. Noch kein Staat hat es fer­tig gebracht, innerhalb einer so kurzen Zeitspanne das Arbeitslosenheer um etwa 5 Millionen sicht­barer Erwerbsloser zu verringern.

Zieht man objektiv eine Bilanz oder besser ge­sagt eine Zwischenbilanz, so muß jeder, der nicht Scheuklappen trägt, sagen: Was hier in dem kurzen Zeitraum geschaffen worden ist, stellt eine gewaltige Leistung dar! Mit Nachdruck hob Reichsbankpräsi­dent Dr. Schacht in seiner großen Könisberger Rede über die Wirtschafts- und Finanzlage des Reiches hervor, daß die riesenhaften Aufgaben Deutschlands eine ebenso riesenhafte Anspannung aller Kräfte zustande gebracht habe, weil dem deut­schen Volke ein Führer erstanden sei, der den Millionen die Ueberzeugung einhämmerte, daß kein Volk seine materielle Sicherheit ohne politische Freiheit bewahren könne. Das Erreichte ist auch nicht auf zweifelhafte Methoden, wie das so man­cher glaubt, zurückzuführen; Dr. Schacht hat auch hier die richtige Antwort gegeben, indem er sagte, daß weder Hexerei, noch Trick dabei ist. Das Ge­heimnis beruhe lediglich auf der einheitlichen und straffen Zusammenfassung der gesamten Finanz- und Wirtschaftspolitik, wie sie nut ein autoritäres Staatsgefuge ermöglicht. Es sei fernerhin allen Skeptikern vor Augen geführt, daß die Steuerein­nahmen sich mit dem Fortschreiten der wirtschaft­lichen Beschäftigung erheblich gebessert haben. So­weit es währungspolitisch vertretbar war, konnte die Reichsbank Hilfsstellung leisten, weil die Privat­wirtschaft in sinkendem Ausmaß an sie herantrat. Die Auflockerung der Bankdebitoren infolge ge­winnbringenderer Beschäftigung hat es ermöglicht, Teile der für die Arbeitsbeschaffung erforderlichen Kredite auch auf die privaten Stellen des Bank­gewerbes umzulegen. Das Geld, das durch die öffentlichen Aufträge in den Wirtschaftsprozeß hin­eingegeben worden ist, wird also von der Wirt­schaft selbst wieder dem Reich für seine großen Aufgaben zpr Verfügung gestellt. Die sehr geringe Ausweitung des Geldumlaufs und die etwas grö­ßere Zunahme des bargeldlosen Zahlungsverkehrs ist eine natürliche Folge der erhöhten Umsatztatig- feit in der Wirtschaft. Mit eindringlichen Worten hob Schacht auch hervor, daß die Arbeitsbeschaf­fung schließlich aus den ersparten Ueberschussen her Wirtschaft und Arbeit finanziert werden muß.

Oie Beschlüsse des italienischen Ministerrats.

Mussolini an England. Kriegswirtschaftliche Gesetze in Italien.

Rom, 29. Aug. (DRV.) lieber den 211 i n t ff e r- raf In Bojen am Mitlwochnachmitlag ist eine umfangreiche amtliche Verlautbarung herausge­geben worden, die bis kurz nach Mitternacht noch nicht vollständig vorlag.

3m Ministerrat sind eine Reihe äußerst wich- tiger Maßnahmen beschlossen worden, die u. a. folgende Punkte umfassen:

1. Italien wird unter allen Umstan­den seine Lebensinteressen bis zum letzten verteidigen.

2. Ls wird vor dem Völkerbund den Beweis liefern, daß Abessinien gegen feine internationalen Verpflichtungen verstoßen hat, und daß insbesondere in die­sem Lande die Sklaverei in großem Umfange herrscht.

3. England wird durch das italie­nische Vorgehen in Abessinien nichts zu befürchten haben.

4. Die italienische Regierung ist der Ueberzeu­gung, daß es sich bei der abessinischen Frage um eine Kolonialangelegen­heit handelt, die keinerlei Rückwir­kungen auf Europa hat.

5. Es wird die Ueberzeugung ausgesprochen, daß die Anwendung von Sanktionen zu großen Schwierigkeiten führen könnte. Die italienische Regierung hat jedoch von vornherein Gegenmaßnahmen ins Auge gefaßt.

Des weiteren sind eine Reihe von höchst wichtigen Mirtschastsmahnahmen beschlossen worden, die am 1. September in Kraft treten sollen.

Mussolinis Erklärungen.

Bozen, 29. Aug. (DNB.) Der Mi nist errat, der am Mittwoch in Bozen unter dem Vorsitz Mus­solinis abgehalten wurde, nahm zunächst eine ausführliche Darlegung der internationalen Sage durch den Regierungschef entgegen.

Mussolini

teilte mit, daß Italien an der Völkerbunds­ratssitzung am 4. Septemberteilneh­men werde. Die italienische Regierung werde ihren Standpunkt zur abessinischen Frage darlegen, damit nicht nur der Dölkerbundsrat, sondern die ganze Welt ihn endlich genau kennenlerne. Sie werde fernerhin eine ausführliche Denkschrift vorlegen, in der die italienisch-abessinischen Beziehungen und die Beziehungen Italiens zu den an Abessinien grenzenden Staaten in den letzten 50 Jahren dar- gestellt werden. Aus dieser Denkschrift werde heroor- gehen, daß seit dem Vertrag von Uccialli Italien stets einkoloniales Prioritätsrecht über Abessinien" zugestanden worden sei. Der Denkschrift werde eine kleine Auswahl der neuesten ausländischen Literatur beigegeben, die die Zivilisation Abessiniens beleuchte.

Italien wolle seine Auffassung und seine Lebens­interessen bis zum letzten verteidigen, und jedes völkerbundsmifglied müsse die Verantwortung für die mögliche Entwicklung der nächsten Zu­kunft übernehmen.

Der Regierungschef behandelte dann einige eng» lische Ansichten und erklärte nach dem Wort­laut des amtlichen Berichtes, daß Großbritannien von der künftigen Politik Italiens gegen Abessinien nichts zu befürchten habe. Die Politik Italiens bedrohe weder direkt noch indirekt die Interessen des britischen Imperiums, weshalb der in gewissen Krei­sen hervorgerufene Alarm absurd sei.

Italien habe eine Frage mit Abessinien zu lösen, aber es habe und wolle keine Frage mit Großbritannien erörtern, mit dem es im Weltkrieg, in Locarno und jüngst in Stresa in einer für die europäische Sicherheit unzweifelhaft wichtigen Weise zu­sammengearbeitet habe.

Die faschistische Regierung glaube, daß ihre Kolo­nialpolitik keine Rückwirkungen auf die europäische Lage haben dürfte, es sei denn, daß man einen neuen Weltkrieg entfesseln wolle, um zu verhin­dern, daß eine Großmacht wie Italien in einem weiten Lande Ordnung schaffe, in dem die här­teste Sklaverei und primitive Lebensbedingungen herrschten.

Im Hinblick aufSanktione n", die der Döl­kerbundsrat möglicherweise beschließen könnte, er­klärt der Ministerrat dem italienischen Volk und den anderen Völkern, daß von Sanktionen zu spre­chen so viel bedeute wie eine schiefe Ebene zu be­treten, auf der man in die schwierigsten Verwick­lungen geraten könne.

Die faschistische Regierung glaube, daß sich im Völkerbundsrat verantwortungsbewußte Männer finden würden, die jeden gefähr­lichen Sanktionsvorfchlag gegen Italien zurückweisen würden. Die fa­schistische Regierung erfülle jedoch ihre Pflicht, indem sie dem italienischen Volk mitteile, daß die Frage der Sanktionen von den

London, 29. Aug. (DNB. Funkspruch.) Die amtliche Erklärung de» italienischen Regierung über den TO int ft errat in Bozen und die Ansprache des Papstes vor katholischen Krankenschwestern werden von der Morgenpresse, zusammen mit Mel­dungen über den französischen Minister - rat, als die wichtigsten politischen Kundgebungen des Mittwochs zur brennendsten Frage des Augen­blicks, den italienisch-abessinischen Streit, an hervor­ragender Stelle veröffentlicht. Beachtung finden na­turgemäß die an die englische Adresse gerich­teten beruhigenden Zusicherungen Mussolinis. Da die italienische Verlautbarung spät eintraf, nimmt nur dieTime s" ausführlicher zu ihr Stellung.

In ihrem Leilaufsah sagl dieTimes", die italienische Behauptung, Italien habe jedes mögliche Mittel für eine fried­liche Regelung des Slreiles mit Abessi-

höchsten militärischen Stellen un­ter allen Gesichtspunkten geprüft worden sei und daß schon seit geraumer Zeit alle Maßnahmen getroffen worden seien, um Sanktionen militärischer Art ent­gegentreten zu können.

Es seien alle Probleme geprüft worden, die den wirtschaftlichen Widerstand Italiens und die Siche­rung der Lebensbedürfnisse des italienischen Volkes betreffen. Die Nahrungsmittel feien durch die außerordentlich gute Ernte gesichert. Hinsichtlich der für die Industrie notwendigen R o h st o f f e hat der Ministerrat beschlossen, daß die gegenwärtigen und zukünftigen Bedürfnisse der Kriegsindustrie den Vorzug vor den Bedürfnissen der Friedensindustrie erhalten.

Der Finanzminister

trug im Anschluß daran folgende vier Gesetzent­würfe vor, die vom M i n i st e r r a t beschlossen und angenommen wurden:

1. Zwangsüberweisung der auslän- ländischen Wertpapiere und der italienischen Ausländsanleihen an die Staatskasse. Die Staatskasse gibt dafür Pfandscheine mit neunjähriger Laufzeit aus, die mit 5 Prozent verzinst werden.

2. Zeitweise Herabsetzung der DioU denden der Handelsgesellschaften.

3. Ivprozentige Steuer auf Dlviden- den, Zinsen und Gewinne aus 3 n- haberpapieren.

4. Pflichtgemäßer Verbrauch von E r s a h b r e n n- st o f f e n für alle im öffentlichen und privaten Betrieb benutzten Kraftfahrzeuge. Vis zum 31. Dezember 1937 müssen alle Kraftfahrzeuge auf den Betrieb mit Ersahbrennstosfen umge- siellt sein.

nien versucht, sei erstaunlich. 3n Wirklich­keit habe 3talien vor zwei Wochen die Mög­lichkeit gehabt, eine friedliche Regelung zu er­reichen. Es habe sie aber beinahe gering­schätzig abgelehnt. Mussolini habe in den letzten Monaten bewiesen, daß er kriege­rische Methoden friedlichen vor­ziehe. England wolle selbstverständlich den italienisch-abessinischen Streitfall nach wie vor nach den Regeln des Völkerbundes behandeln. Die letzte Folge davon könnte im Falle eines erwiesenen Angriffes logischerweise die kollektive Anwendung von Sanktionen sein.

In Frankreich scheine man tatsächlich e r staunt über den beinahe im ganzen britischen Volk herrschenden Wunsch nach Unterstützung der Völkerbundssatzung und des Kollektiv-

Das Scho in England.

Eroberungskrieg in Abessinien bedeutet Eingriff in britische Rechte und Belange.

Niemals kann und darf dies auf Kosten der Wäh­rung geschehen. Und an die Sparer richtete er die Worte, daß es geradezu Selbstmord wäre und die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms und der Wehrhaftmachung unmöglich machen würde, wenn die Reichsregierung die Interessen der Sparer verletzen würde.

Gewiß, es sei nicht verkannt, daß noch genügend Schwierigkeiten der verschiedensten Art zu überwin­den sind. Zäh und verbissen muß weiterhin in täg­licher Kleinarbeit Hindernis für Hindernis wegge­räumt werden. Dem Aufschwung, den die Binnen­wirtschaft in Deutschland genommen hat, steht die noch immer unbefriedigende Gestaltung der Ausfuhr entgegen. Hier und da sind wohl Besserungszeichen erkennbar. Nach dieser Richtung hin Wandel zu chaffen, liegt leider nicht allein bei Deutschland, das eine Bereitwilligkeit zu einem möglichst regen zwi- chenstaatlichen Güteraustausch öfters als einmal be­tont und auch unter Beweis gestellt hat. Man halte sich aber vor Augen, daß der Welthandel, dessen Umsatzwerte 1929 = 284,1 Milliarden Mark erreicht hatten, 1934 auf 96 Milliarden Mark zusammen­geschrumpft war. Die Abnahme des zwischenstaat­lichen Güteraustausches hat sich auch im Jahre 1935, wenn auch in verlangsamtem Tempo, weiter fort­gesetzt. Von einem beginnenden Aufschwung des Welthandels kann noch nicht die Rede fein.

Mehr denn je heißt die Parole für die nächste Zukunft: Keine Zersplitterung der Kräfte, vielmehr wie bislang lOOprozentige Konzentration, Zusam­menballung der Kräfte immer auf das sich jeweilig gesteckte Ziel! Dabei geht es selbstverständlich häufig nicht ohne Härten ab. Der Schuh drückt noch an so mancher Stelle. Es muß daher danach getrachtet werden, die Härten weitgehend zu mildern. So wie die Regierung sich auch sehr wohl bewußt ist, daß z. B. die Löhne des Arbeiters großenteils noch nicht dem Niveau entsprechen, daß der Nationalsozialis­

mus für erstrebenswert hält. Das Ziel eines geho­benen Lebensstandards läßt sich aber nur etappen­weise verwirklichen. Gerade unter dem Gesichtspunkt stabiler Löhne können aber anderseits keine Maß­nahmen geduldet werden, die Preissteigerungen zur Folge haben. Eine sorgfältige Überwachung seitens der maßgebenden Stellen muß daher gegebenen­falls sofort korrigierend wirken.

Don jedem, der sich verantwortungsbewußt mit dem wirtschaftlichen Geschehen befaßt, muß erwar­tet werden, daß er die Dinge mit der notwendigen wirtschaftlichen Vernunft und vor allem mit Der gebotenen wirtschaftlichen Disziplin, wie sie der na­tionalsozialistische Staat mit Recht verlangt, betrach­tet. Unser ganzes Streben muß darauf gerichtet sein, s o Wirtschaft zu treiben, daß uns nicht der Atem ausgeht. Konzentration der Kräfte, nicht Zer­splitterung!

Stürmische Huldigungen für den Führer.

Rückkehr von den Flottenübungen.

Abfahrt von Kiel.

Kiel, 29. Aug. (DNB. Funkspr.) Die gr o - ßen Tage der Kriegsmarine, die Tage, an denen der Führer an Bord deutscher Kriegsschiffe weilte, sind vorüber. In der Nacht zum Donnerstag lief der AvisoGrille" mit dem Führer und seinem Stab, sowie dem Ober­befehlshaber der Kriegsmarine Admiral Dr. h. c. Raeder kurz nach den übrigen Schiffen der Kriegsmarine in die Kieler Förde ein und ging vor Anker.

Am heutigen Donnerstag fiüh stand g a n z K i e l, in dem feit drei Tagen aus Anlaß des Führer­besuches die Flüggen flatterten, im Zeichen der

Abfahrt des Führers. Viele Taufende von Menschen hatten sich angesammelt. Morgens 7 Uhr traten auf den Kriegsschiffen die Besatzungen in Paradestellung an. Als der Führer dieGrille" verließ, dröhnten 21 Schuß Salut über das Wasser. Unter dem Jubel der begeisterten Volksgenossen fuhr der Führer, ganz besonders herz­lich begrüßt von den Arbeitern der Werften, die in stürmische Sieg-Heil-Rufe aus­brachen, zur Bahnhofbrücke. Der Führer verließ dort mit seinem Stabe, Obergruppenführer Brück­ner, Brigadeführer Schaub, Obergruppen­führer Dietrich und in Vertretung des Reichs­pressechefs SS.-Obersturmbannführer Berndt das Schnellboot.

An der Bahnhofsbrücke wurde dem Führer ein jubelnder Empfang zuteil. Die Kriegs­marine hatte eine Ehrenkompanie mit Musik ge­stellt. Als der Führer die Brücke betrat, erklang der Präsentiermarsch. Der Führer schritt nach der Begrüßung durch die zahlreich anwesenden Ver­treter der Partei, der Wehrmacht und des Stabes die Front der bei präsentiertem Gewehr stehenden Ehrenkompnie ab. Das Deutschlandlied er­tönte. Ein kleines Mädchen überreichte dem Führer mit strahlenden Augen ein schönes Blumen­gebinde, das der Führer, die Wangen des Kindes streichelnd, lächelnd entgegennahm. In diesem Augen- blick durchbrachen ein Hitlerjunge und einige begeisterte Mädels des B D M. die Ab­sperrung, um gleichfalls dem Führer Blumen­grüße mit auf den Weg zu geben.

Durch ein Spalier SS. und SA. verließ der Führer in Begleitung von Reichsminister D a r r ö und des Oberpräsidenten Gauleiter Lohse die Stadt Kiel, von nichtendenwollendem Jubel und stürmischenSieg-Heil", Rufen umbrandet. Das ungünstige Wetter hattS keinen Einfluß auf die Menge, auf deren Antlitz lachende Sonne lag.