Nr.174 Erstes Blatt
185. Jahrgang
Montag, 29. Juli 1935
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Kommunisten vergreifen sich in Neuyork an der Hakenkreuzflagge der „Bremen".
Polizei muß gegen schwere Kommunistenkrawatte im Neuyorker Hafenviertel eingreifen.
Neuyork. 27. Juli. (DNB.) Bei der Abfahrt des Lloyddampfers „Bremen“ veranstalteten über 1000 Kommunisten eine lärmende Kundgebung. 150 uniformierte Polizisten ZU Fuß, 100 Kriminalbeamte und 25 Polizeibeamte zu Pferde waren bemüht, die tobende Kommunislen- menge von dem Dampfer fernzuhatten und den Fahrgästen das Betreten des Schiffes zu ermöglichen. plötzlich ertönten aus der Masse der Demonstranten laute Freudenrufe. Drei kommuni ft e n war es, von der Polizei unbemerkt, gelungen, an den Bug des Dampfers zu gelangen und die Hakenkreuzfahne herun- terzureißen. Aber während die Burschen noch damit beschäftigt waren, die Flagge in den Hudson zu werfen, wurde bereits unter Heilrufen eine neue Flagge gesetzt. Das Eindringen der Kommunisten auf den Bug der „Bremen“ führte dann zu Schlägereien, die sich später in der Touristenklasse fortsehten. Schließlich konnten die roten Unruhestifter fest genommen werden.
Nachdem es der Polizei gelungen war, die Kommunisten vom Pier zu vertreiben, kam es in den Seitenstraßen des Hafenviertels zu e r- bitterten Kämpfen, die sich bis spät in die Nacht hinein fortsehten. Die aus dem Schlaf gestörte Bevölkerung nahm größtenteils gegen den kommunistischen Ruhestörer Partei und unterstützte die Polizei durch herabgießen von Wasser und herabwerfen von harten Gegenständen. An verschiedenen Stellen kam es zwischen Polizisten und dem roten Gesindel zu einem heftigen Handgemenge wobei auch einige Beamte verletzt wurden. Der Polizeibericht schätzt die Zahl der Demonstranten auf etwa 2000. Die „Bremen“ hat mit halbstündiger Verspätung noch am Freitagabend Neuyork verlassen.
Sieben der an den kommunistischen Ruhestörungen Beteiligten wurden unter der Beschuldigung der Teilnahme an den Kundgebungen dem polizeigerichtvorgeführt. Sie wurden zur Sicherstellung des weiteren Verhörs zunächst fest genommen. Während des Verhörs war zur Verhinderung erneuter kommunistischer Kundgebungen ein ft ar f es Polizeiaufgebot vor dem Gerichtsgebäude aufgestellt.
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Der Uebetfatt, den in Neuyork kommunistische Horden auf ein deutsches Schiff verübt haben, hat gerade noch gefehlt, um die Verlogenheit einer ge- wissen ausländischen Hetzpresse zu illustrieren. Man kann sich kaum vorstellen, was für em Geschrei m London und in Neuyork angestimmt worden wäre, wenn ein ähnlicher Vorfall sich in einem deutschen Hafen gegen ein ausländisches Schiff ereignet hätte. -Wir wissen, daß eine derartige Ausschreitung auf deutschem Boden eine glatte Unmöglichkeit geworden ist, und üm Grunde wissen es die deutschfeindlichen Zeitungen auch. Deutschland ist heute ein Ordnungsstaat geworden. Der Bolschewismus, der vor Jahren in Deutschland davon träumen konnte, in Mitteleuropa die zweite Etappe der Weltrevolution zu sichern, ist bei uns endgültig zu Boden gerungen, und- denen, die damals auf seine Fahne schwuren, würde heute der Gedanke selbst als Wahnsinn erscheinen, in Deutschland solche Kriegstänze aufzuführen, wie das jetzt in Amerika geschehen ist.
Der Zwischenfall von Neuyork müßte jedem ruhigen Beurteiler Anlaß werden, die Tatsachen des eigenen Landes an den Unmöglichkeiten in Deutschland zu messen. Auf den politischen und geistigen Grundlagen, auf denen das neue Deutschland auf gebaut wurde, ist gleichzeittg der s i ch e r st e Schutzwall gegen den Bolschewismus geschaffen worden. Der Irrwahn, daß die Bolschewiken ihr weltrevoluttonäres Ziel aufgesteckt hätten, ist ja gerade in diesen Tagen a u s d e m W e l t k o n g r e tz der Dritten Internationale so widerlegt ■worben, daß es gründlicher kaum denkbar ist. Die Reden, die soeben in Moskau gehalten wurden, müssen der ganzen Welt die Doppelzüng i g - kett der bolschewistischen Politik unter Beweis stel» len. Für diese Beweisführung konnte fein besserer Zeitpunkt gewählt werden. Die maßlosen Ausbrüche Des kommunistischen Hasses gegen die ganze Umwelt ertönen fast zu der gleichen Stunde, in der L11 w l - non), der Außenkommissar der Sowjetunion, sich «ur Reise nach Genf anschickt, um dort, bekleidet mit der Würde des hohen Ratspräsidenten, den Vertretern der übrigen Staaten etwas von der Solidarität der Völker zu erzählen.
Auf den Schwindel kann ja niemand mehr yer- einfaüen, daß die Politik der Sowjetunion und Die Pläne der Kommunistischen Partei nichts miteinander zu tun hätten. Die Sowjetunion ist ebenso auf der Kommunistischen Partei begründet wie das neue Deutschland in der nationalsozialistischen Bewegung verwurzelt ist und von ihr niemals getrennt werden kann. Die Sowjetpolitik muß ganz Zwangs- räufig danach trachten, die Ideen in die Wirttich- ?eit zu übertragen/bie in ben Reben auf dem Welt- tongreß der Komintern in unveränderter Scharfe
und mit ungemindertem Haß gegen die bürgerliche Welt wieder formuliert worden sind. Alles andere, die Vertragspolitik gegenüber Frankreich und der Tschechoslowakei und die Mitwirkung im Völkerbund, ist nur Verschleierung, taktischer Umweg und Mittel zu dem Zweck, die Weltrevolution vorzubereiten. Die naiven Politiker, die da geglaubt haben, man könne auf dem Genfer Parkett und im Rahmen vertraglicher Bindungen erzieherisch auf die Bolschewiken einwirken, müßten sich eigentlich heute wie aus allen Wolken gestürzt vorkommen.
Daß die Politik der Sowjetunion heute noch auf taktischen Umwegen gehen muß, das ist einzig und allein das Verdien st des Führers, der der Weltrevolution in Mitteleuropa einen unüberschreitbaren Damm entgegengesetzt hat. Die Weltpresse sollte sich, statt gegen das neue Deutschland der Ordnung zu hetzen, im Zusammenhang mit den Moskauer Tiraden ein Wort des Führers in Erinnerung rufen und nachträglich noch einmal auf feine innere Berechtigung prüfen: „Der Nationalsozialismus hat Deutschland und damit vielleicht ganz Europa vorder schrecklich st en Kata- strophe aller Zeiten zurückgerissen. Würden die westeuropäischen Beurteiler dieser Idee über dieselben praktischen Erfahrungen verfügen, wie ich sie habe, bann glaube ich, würbe man vielleicht auch bort zu wesentlich anbern Auffassungen gelangen. Würbe aber mein Kampf in Deutschland mißlungen sein und der bolschewistische Auf
ruhr das Reick zunächst überwältigt haben, dann weiß ich, roüroe bas Verstänbnis für bie Gröhe unserer geschiHUichen Leistung sicher nicht b e • [triften werben."
Or. Goebbels
an die Besatzung der „Bremen^.
Berlin, 28. Juli. (DBB.) Unter dem Lin- druck der Ausfchrettuugeu gegen den deutschen Dampfer „Bremen“ im Neuyorker Hafen Hal Reichsminister Dr. Goebbels an die Besatzung folgendes Telegramm gerichlel:
„Der Besatzung der ,Bremen' übersende ich meine herzlichsten Grüße mit dem Ausdruck aufrichtiger Bewunderung für ihr tapferes Verhalten bei dem dreisten lleberfall, den in Neuyork die in allen Ländern gleich feigen und in der lleberzahl gleich brutalen Kommunisten auf die deutsche Nationalflagge versuchten.“
Lommodore Ziegenbein antwortete im Namen der Besatzung:
„Für die uns übersandten Grüße danken wir aufrichtigst und bekennen einmütig, daß es jederzeit unsere Pflicht fein wird, wo immer wir auch find, unsere Nationalflagge gegen jeden lleberfall zu schützen, heil Hitler!
Der Kommunismus seht seine ©Öffnungen aus Frankreich.
Das sowjetrussisch-französische Bündnis als Schrittmacher der kommunistischen Propaganda.
Der Moskauer Wettkongreß der Komintern.
Pieck berichtet über den Zusammenbruch des Kommunismus in Deutschland.
Moskau, 28. Juli (DNB.) Mit besonderer Zweckbestimmung veröffentlicht die sowjetamtliche Telegraphenagentur ben Bericht bes „beutschen" Kommunistenführers Pieck über bie Tätigkeit bes kommunistischen Vollzugsausschusses auf bem Komintern-Kongreß. Pieck ging auch auf bie Nieber- lage bes beutschen Kommunismus ein. Hier sprach er in eigener Sache. Wie er bie Angelegenheit behanbelte, ist bezeichnenb für biefe „Führer", bie von ber sicheren Moskauer Perspektive aus bie irregeleiteten unb verführten beutschen Arbeiter jetzt auch noch rüffeln, weil sie sich haben „von bem Nationalsozialismus übertölpeln lassen". Unb heute gibt Pieck auch bas Rezept, wie bie — nach seinen eigenen Worten — eingetretene Vernichtung ber beutschen Kommuni ft e n hätte verhinbert werben können: R o t f r o n t hätte sich mit bem Reichsbanner vereinigen sollen. Denn „bie Kommunisten allein sinb leiber au schwach gewesen, um bie Katastrophe zu verhindern". Trotz biefer Schwäche ber Kommunisten in Deutschland glaubt aber Pieck seinem Herrn und Meister Stalin versichern zu können, daß auch in Deutschland der Wille zur Weltrevolution lebe (!?).
„Die Sowjetunion, wo inzwischen bie Erfüllung bes Fünfjahresplanes fortfchreitet, ist bie Grunb - läge unb bas Bollwerk ber Welt- revolution. Sie stärkt bie Proletarier in ber ganzen Welt in ihrem Kampf für die Bildung von Räteregierungen", so daß Pieck überall die „Tendenz des schnellen Heranreifens der revolutionären Krise" feststellen zu können glaubt. Die Einheitsfront in Frankreich sei einer der größten Erfolge der weltrevolutionären Idee. Es Hingt als offene Drohung an die Regierung Laval (mit ber die Sowjetunion bekanntlich einen Freunbfchafts- oertrag abgeschlossen hat) wenn Pieck sagt: „Die Lage in Frankreich hat sich so zugespitzt, baß von ber weiteren Aktivität ber Massen jetzt bas Schicksak ber britten Republik abhängt."
Auch ber französische Kommumstenfuhrer Eachin ging auf bie Vorgeschichte ber in Frankreich gebildeten Einheitsfront der Linken ein unb erklärte, ber französisch-sowjetrussische Vertrag sei auch von den Kommu- nisten Frankreichs begrüßt worden. Er übe auf die Proletarier eine große Anziehungskraft aus. „Wir haben", so sagte Cachin, „zu unseren Versammlungen noch niemals fo großen Zulauf gehabt, wie nach dem Abschluß dieses Vertrages und nachdem wir den Massen seine Bedeutung klargemacht haben." Die französischen Arbeiter richteten heute ihre Blicke nach Moskau und dankten Stalin, daß er diesen Vertrag abgeschlossen habe.
Der Vertreter der Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei erklärte mit besonderer Betonung, daß die Kornrnunisttsche Partei es der Hilfe und den Ratschlägen der Komin
tern z u verdanken habe, daß sie eine bolschewistische Massenpartei geworden sei, die bereits bei ben Wahlen große Erfolge errungen habe. Diese Erfolge seien zu einem großen Teil auf bie Sympathien zurückzuführen, deren sich die Sowjetunion in ber Tschechoslowakei erfreue. Zusammen mit ber Sowjetunion seien bie tschechoslowakischen Arbeiter bereit, für bie Niederwerfung bes Faschismus zu kämpfen. Die Kommunistische Partei ber Tschechoslowakei habe es sich zum Ziel gesetzt, aus ber Tschechoslowakei ein „Bollwerk gegen ben Faschismus, ein Bollwerk unb einen Herd ber proletarischen Revolution in Mitteleuropa" zu machen.
Ein Vertreter der Kommunistischen Partei der Vereinigten Staaten von Amerika behauptete, daß Amerika große Erschütterungen bevor ständen. Diese würden zu einer Ausdehnung auch des ideologischen Einflusses der Kommunisten ausgenutzt werden.
Verletzung des deutsch-amerikanischen Handelsvertrags durch den Neuyorker Bürgermeister.
Berlin, 27. Juli. (DNB.) Der Bürgermeister von Neuyork hat ein ihm feit Ende vorigen Jahres vorliegendes Gesuch des dort wohnhaften Reichsangehörigen Paul Kreß um Erneuerung feiner feit 1931 innegehabten M a f f e u r l i z e n z mit ungerechtfertigter Begründung zurückgewiesen. Diese Handlungweise stellt eine klare Verletzung bes beutsch-amerikanischen Freunbschafts-, Handels- unb Konsularvertrages vom 8. Dezember 1923 burch ben Bürgermeister von Neuyork dar. Es darf der amerikanischen Bundesregierung überlassen bleiben, die nachgeordnete Behörde zur Achtung des genannten Vertrages anzuhalten.
Das Schiedsgericht für die Angelegenheit Zakob.
Berlin, 27. Juli. (DNB.) Die deutsche unb bie schweizerische Regierung waren übereingekommen, bie Meinunasverschiebenheiten i n ber Angelegenheit Jakob gemäß bem deutsch-schweizerischen Schiedsaerickts- unb Der- gleichsvertrag vor ein Schiedsgericht zu bringen. Die Schiebsorbnung ist nunmehr von Vertretern ber beiden Regierungen am 26. Juli unterzeichnet worben. Als O b m a n n ift b e r f i n • nische Gesandte in Stockholm D r. Erich bestellt worden. Gemeinsam bezeichnete Schiedsrichter sind ber ehemalige Präsibent bes Gemischten Appellationsgerichtshofes in Aegypten Hansfon in Oslo und der ehemalige Präsident der Königlick- Ungarischen Kurie von Guhasz in Budapest. Zum deutschen Schiedsrichter ist Staatsrat Dr. Freiherr von F r e v t a g h - L o r i n g h o v e n und zum schweizerischen Schiedsrichter Professor Dr. Max Huber (Zürich) ernannt worden.
Moskaus bürgerliche Tarnung.
Kurz bevor ber französische Ministerpräsident Laval, der damals nur das Amt des Außenministers bekleidete, nach Moskau fuhr, um mit ben Sowjets zusammen bem russisch-französischen Bünb- nis seine letzte Vollenbung unb seine letzte Weihe zu geben, ftanb in ber „W eltbühn e", biesem schamlosen Hetzblatt von Tucholsky unb Genossen, bas heute noch ein kümmerliches Dasein in ber Tschechoslowakei fristet, ber lapibare Satz: Das Herz biefer antinationalsozialistischen Koalition bleibt bas Bünbnis ber Sowjetunion mit Frankreich unb besten Verbünbeten.
Man wirb sich erinnern, baß ber allmächtige Generalsekretär ber Kommunistischen Partei, Stalin, bamals in Moskau bem französischen Außenminister bie Zusicherung gab, jebe kommuni st ische Propaganba innerhalb ber französischen Armee zu mißbilligen, ja es geradezu als revolutionäre unb bolschweftische Pflicht bezeichnete, ben französischen Wehrwillen zu achten unb zu pflegen. Hanb in Hanb mit biefer cerblüf- fenben Parole Stalins ging nun eine Propaganba- welle burch ganz Europa mit bem Ziel, bie Sowjetunion als ein Lanb zu kennzeichnen, bas Schritt für Schritt feine revolutionären kommunistischen Jbeale zu begraben beginnt unb von Tag zu Tag einer rasch fortschreitenben Verbürgerlichung anheim fällt. Aus ber häßlichen bolschewistischen Raupe ist in ben Augen von ebenso gesinnungstüchtigen wie kritiklosen Propaganbisten ein schöner bourgeoiser Schmetterling geworben, bem man es natürlich nicht verwehren kann, von bem süßen Honig bes Völkerbunbes unb ber Kollektivität zu naschen.
Am höchsten schlugen biefe Wellen ber Propaganba in ber Schweiz wie überhaupt in ben sogenannten neutralen ßänbern. Die Propaganda selbst begann zuerst zaghaft einzufetzen, als Litwinow als ständiges Mitglied des Dolkerbundsrates feinen Einzug in Genf vollzogen hatte. Sie wurde immer intensiver, als Frankreich unter dem Vorwand der Sickerung des Friedens in Osteuropa fein Militärbündnis mit ben Sowjets abschloß unb kurz barauf feinen tschechischen Vasallen in bie gleiche Bahn brängte. Die Propaganba war so intensiv, baß selbst ber britische Bölferbunbsminifter Eben sich ihrem Einfluß nicht entziehen konnte, als er von Berlin über Warschau nach Moskau weiterreiste unb bort von ben roten Machthabern bes Kremls burch so viel Potemkinsche Dörfer geführt würbe, baß er schließlich selbst an bas Schlagwort unb bie Fiktionen von einer Verbürgerlichung ber Sowjetunion zu glauben begann unb biesem Glauben auch tatsächlich in einer Erklärung vor bem englischen Unterhaus Ausbruck verlieh.
Es hieße, an ben Tatsachen vorbeisehen, wenn man leugnen wollte, daß in ber breiten Masse bes russischen Volkes ein Hang nach enb- gültiger ßiquibierung ber reichlich langen Revolutionsepoche besteht. Das alte Wort, baß jebe Revolution am Schluß ihre eigenen Kinber auffrißt, besteht in ber Sowjetunion insofern zu Recht, als bie alten Kämpfer bes Bolschewismus sich entweber überhaupt aus bem politischen Leben zurückgezogen haben ober auf nebensächliche Posten abgeschoben würben, auf benen sie im weiteren Verlauf ber Dinge tatenlos unb resigniert zusehen ober schließlich sogar verfolgt, erschossen unb in bie Verbannung geschickt würben. An ihre Stelle sinb heute vielleicht junge Offiziere ber Roten Armee ober Führer ber Komsomolzen, ber bolschewistischen Jugenborganisa- tionen, getreten. Diese neuen Träger bes bolschewistischen Staates unb bamit auch ber Welt-Revolution kennen bie Zeit nicht mehr, in ber ber Bolschewismus bie Angelegenheit von verfolgte^ Sektierern war. Für sie ist bie Ochrana, bie geheime Polizei ber Zarenzeit, schon zu einem Ammenmärchen geworben, mit bem man kleine Kinber erschreckt. Die ftänbigen Kämpfe innerhalb ber bolschewistischen Führerhierarchie haben zubem ein übriges getan, um große Teile ber russischen Jugend ber Parteipolitik zu entfremben unb bamit auch in weltanschaulichen Fragen zu Skeptikern zu machen. Scheutet biefe Entwicklung aber, bie wir hier nur in ganz großen Zügen anbeuten konnten, tatsächlich eine Verbürgerlichung? Wir wollen uns eine Antwort noch vorbehalten, um mit ihr zugleich eint zweite Frage zu erlebigen.
Als Beweis für bie Derbourgeoisierung ber Sowjetunion wirb von ihren Propaganbisten noch manches anbere aufgeführt. Man verweist auf bie Aushebung ber Brotkarte, auf bas Bekenntnis zu einem sozialistischen „Daterlanb", auf bie Einführung bes geheimen Wahlrechts, auf bie Gleichstellung von Arbeitern unb Bauern bei ben Wahlen, auf ben Kampf um eine „kommunistische Sittlichkeit" und um eine Festigung der Sowjet-Familie unb schließlich auf bie von Stalin herausgegebene Parole ber Forberung ber französischen Wehrpolitik. Aber s e l b ft wenn alle biefe Dinge, auf bie bie Propaganden bes „bürgerlichen" Bolschewismus Hinweisen, nicht nur auf bem Papier stäuben, fonbern in ber Wirklichkeit vorhanben wären, so ift damit ja nicht bas geringste über bie enbgültige Zielsetzung bes Bolschewismus ausgesagt. Die Welt will betroaen sein unb ist leicht geneigt, zu vergessen, baß schon einmal vor genau zehn Jahren bas Schlagwort von ber Verbürgerlichung bes Bolschewismus feine Runbe burch bie Rebak- tionsftuben ber europäischen Presse machte. Das war, als sich Lenin bem harten Zwang einer wirtschaftlichen Not beugte unb bie sog. Politik der „N e p" (Neuen wirtschaftlichen Politik) verkündete. Zwei Jahre lang würbe bann in ber Sowjetunion „Nep" exerziert, bis bie von ben kommunistischen Machthabern vorausgesehene rückläufige Be«


