Aus aller Welt.
Die Auswirkungen des Erdbebens. — Leichtes Nachbeben in Süddeutschland und Westschweiz. Wie erst jetzt bekannt wird, hat das Erdbeben am Donnerstag in ganz Oberschwaben zum Teil schweren Schaden angerichtet. In manchen Ortschaften ist kein Haus unbeschädigt geblieben. Besonders schwer haben die Kirchen unter dem Erdstoß gelitten. Besonders stark wirkte sich der Erdstoß im Hohenzollerschen aus. Am meisten haben in der Gegend von Sigmaringen das Schloß und die Kirche in Scheer an der Donau gelitten. In dem der Familie Thurn und Taxis gehörigen Schloß mußten die Wohnungen von drei Familien geräumt werden. Aus einigen Orten Oberschwabens wird gemeldet, daß Personen zu Schaden gekommen sind. In Buchau sprang ein junger Mann in der ersten Aufregung aus dem Fenster ^nd brach sich dabei einen Arm. In Saul- gau wurden zwei kleine Kinder, die sich in einem Hofraum befanden, durch herabstürzende Schornsteinteile schwer verletzt. In Kappel und in Kanzach im württembergischen Oberland stürzten Teile der Kirchtürme der beiden dortigen katholischen Kirchen ein. In Karlsruhe ist an verschiedenen Häusern Gebäudeschaden entstanden. Im bayerischen und im württembergischen Oberland wurde am Freitagvormittag um 10.10 Uhr ein schwaches Nachbeben bemerkt. In München konnte es besonders in den höheren Stockwerken der Häuser festgestellt werden. Auch in den verschiedensten Ortschaften der Westschweiz ist wieder ein leichter Erdstoß verspürt worden.
Schwere Unwellerschäden in der Gegend von Lhemnlh.
In Chemnitz und Umgebung gingen mehrfach schwere Gewitter nieder, die von Hagelschlag, Wolkenbrüchen und Sturm begleitet waren. In der Stadt Chemnitz selbst wurden die Straßen überschwemmt, und die Wassermassen drangen in die Keller der Häuser ein. Durch Blitzschläge wurde verschiedentlich auch Gebäudeschaden angerichtet. In der Gemeinde Adelsberg bei Chemnitz wütete außer den Gewittern eine Windhose, die schweren Schaden anrichtete. In den Gärten wurden starke Obstbäume abgebrochen oder ent
wurzelt. In Bernsdorf bei Glauchau schlug der Blitz in das Wohnhaus eines Gutsbesitzers, das eingeäschert wurde. In Erba bei Chemnitz wurde eine Scheune vom Blitz zerstört.
Wolkenbrüche und Erdstöße in Japan.
Tokio und der südlich dieser Stadt liegende Teil Japans wurde von einem schweren Unwetter betroffen. Große Wolkenbrüche ergossen sich von der Provinz Fukuoka im Norden der südjapanischen Insel Kiuschiu bis östlich von Tokio. In Fukuoka, wo sich das Unwetter zuerst entlud, wurden an 25 000 Häuser überschwemmt. In Kioto stehen 20 000 Häuser unter Wasser. Die Schulen mußten zum Teil geschlossen werden. Militär wurde zur Hilfeleistung eingesetzt. In Osaka sind 50 000 Häuser überschwemmt. In Tokio und Jo- kohama war das Unwetter von schweren Erd - st ö ß e n begleitet, die aber nach den bisherigen Feststellungen keinen Schaden anrichteten. Die Ueberschwemmungen haben großen Sachschaden besonders der Landwirtschaft zugefügt. Auch in Korea tobte ein großer Sturm. 60 Fischerboote mit 250 Fischern werden vermißt.
Japanischer Dampfer im Taifun unkergegangen. — 25 Wann ertrunken.
Der japanische Dampfer „Fusan-Maru" ist an der Küste von Korea in der Nähe des Hafens Sö- sengke in einen Taifun geraten und gesunken. Nach Mitteilung der Hafenbehörden sind bei diesem Unglück 25 Mann der Besatzung ertrun- k e n.
Furchtbare Explosion in Schanghai. — 25 Tote, 75 Verletzte.
In einer Celluloidfabrik in Schanghai ereignete sich eine gewaltige Explosion. Die hohe Stichflamme war weithin zu sehen. Das Feuer legte auch 80 benachbarte Häuser in Asche. 25 Tote und 75 Verletzte sind bisher geborgen worden. An der Unglücksstelle spielten sich grauenvolle Szenen ab. Viele Verletzte st a r b e n auf der Straße. Kinder wurden in ihren Betten vom Feuer überrascht und verbrannten. Alle Feuelöschzüge Schanghais und aus der Nachbarschaft wurden aufgeboten, um den Brand einzudämmen.
Lin pater wegen Vergehens gegen die öffentliche Ordnung" zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
Dis Justiz presse st eile Mainz teilt mit: In bet Sitzung des Amtsgerichts Mainz vom 26. Juni 1935 wurde Martin Schropp, genannt Pater Benignus, in Mainz des Vergehens wider die öffentliche Ordnung im Sinne des § 130 Absatz 2 StGB, schuldig befunden und zu der hochstzulässigen Strafe von zwei Jahren Gefäng- n i 5 verurteilt. — Die Verurteilung erfolgte wegen eines von Pater Benignus gezeichneten und verfaßten Artikels, der im Franziskusblatt, Heft 7/1935, erschienen war. In diesem Artikel hat der Verfasser 3 ro e i Belgier, die während des Vormarsches der deutschen Truppen 1914 Spionage getrieben hatten, kriegsrechtlich zum Tode verurteilt und erschossen worden sind, in einer Weise verherrlicht, die geeignet war, den öffentlichen Frieden zu stören und das Ansehen des deutschen Volkes im In- und besonders im Auslande zu schädigen. Wegen des würdelosen Verhaltens des Verurteilten ist auf die Höchststrafe erkannt worden.
'Bluttat auf einer mecklenburgischen Domäne. — Ein Pächter erschossen.
Der Domänenpächter W i l l m a n n in Sülten (Meckl.) wurde von dem auf der Domäne beschäftigten Waß erschossen. Zwischen dem Täter und seinem Opfer bestanden seit langem Streitigkeiten. Willmann hatte sich kurz vor der Tat in die Wohnung des Waß begeben und wurde dort ermordet. Die näheren Umstände sind noch nicht geklärt. Waß wurde sofort verhaftet.
Probefahrt des neuen Ostasienfchnelldampfers „Potsdam".
Der neue für den Ostasien - Expreßdienst des Norddeutschen Lloyd erbaute Schnelldampfer „Po tsdam" hat seine Probefahrt angetreten. Die „Potsdam" ist als Tropenschiff gebaut. Die Fahrgastkammern sowohl der 1. Klasse als auch die der Touristenklasse liegen alle im Bereich der Mittschiffsaufbauten und sind sämtlich Außenbordzimmer. In den Gesellschaftsräumen, die an Schönheit denen der Schnelldampfer „Bremen" und „Europa" ebenbürtig sind, wird den Fahrgästen durch Sport- und Tanzveranstaltungen, Konzerte, Kinovorstellungen und Rundfunkübertragungen vielseitige Unterhaltung geboten werden. Der selbstverständliche
Grundsatz, den Besatzungsmitgliedern gute Arbests« Plätze und behagliche Wohnräume zu schaffen; ist auf den neuen Ostasien-Schnelldampfern in geradezu idealer Weise verwirklicht worden. Die „Potsdam** kann etwa 300 Fahrgäste befördern und hat eine 265köpfige Besatzung.
Ein Frauenmörder zum Tode verurleill.
Das Schwurgericht Saarbrücken verurteilte den 33 Jahre alten ledigen, mehrfach vorbestraften Peter Kolmen aus Bietzen (Kreis Merzig) wegen Mordes zum Tode und zur Aberkennuna der bürgerlichen Ehrenrechte. Kolmen hatte am 18. April d. I. in Bietzen die 37jährige Frau Maria Steil frühmorgens in ihrer Wohnung überfallen und nach erbittertem Kampfe durch Ersticken ermordet. Noch am Mordtage konnte er verhaftet werden.
Fesilandsreise schwedischer Turner.
Eine Elitetruppe von Turnern aus schwedischen Jungmännervereinen hat eine Rundreise durch einige Städte des Kontinents angetreten. U. a. wird sie auch in Köln und Berlin ihr Können zeigen.
Eigenartiger Verkehrsunfall im Wuppertal.
Im Wuppertaler Stadtteil Vohwinkel stieß ein Straßenbahnzug in voller Fahrt mit einem Lastkraftwagen zusammen. Der Zusammenprall war so stark, daß auch ein Straßenbahnmast umgebogen und ein Laternenpfahl glatt umgerissen wurde. Plötzlich stand der Lastkraftwagen in Hellen Flammen und auch das ausströmende Gas der umgerissenen Laterne fing Feuer. Während. es einem auf dem Lastkraftwagen sitzenden Mann im letzten Augenblick gelang, sich vor den Flammen in Sicherheit zu bringen, konnte der andere vor den mit rasender Geschwindigkeit sich ausbreitenden Flammen nicht mehr rechtzeitig geborgen werden und verbrannte. Der Lastkraftwagen brannte vollständig aus. Passagiere der Straßenbahn wurden nicht verletzt.
Drei italienische Arbeiter durch Steinschlag getötet.
In der Nähe von Neapel hat sich bei Erdarber« ten ein Unglück ereignet. Mehrere Arbeiter wurden von einem schweren Basaltblock getroffen, der sich plötzlich von der Wand, an der sie gerade beschäftigt waren, löste und sie unter sich begrub. Drei Arbeiter wurden dabei getötet, während ein vierter schwere Verletzungen davontrug.
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